Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1936-08-11 · Heft 64 (11.8.1936) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 64 (11.8.1936)
Date
1936-08-11
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2651273-2653922-2653983--29290-2690812
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Nr. 64, 11. VIII, 1936 JÜDISCHE RUNDSCHAU Sette 3 IN ALLER KURZE Neues aus Italien Gründung jüdischer Gemeinden in Abessinien —— Empfang des jüdischen Delegierten durch den italienischen Kolonialminister Seltsame Palästina״ Berichterstattung Von unserem Berichterstatter Kr. Rom, 7. August Wie wir bereits vor kurzem gemeldet hatten, hat die Italienische Regierung in dem neuen Verwaltungsstatut Ahessini ens allen dort vertretenen Religionen die volle Ausübung der Kulturfreiheit zugesicliert. Kopten, Musulmancn und Juden werden in dem neuen Kolonialimperium völlig paritätisch behandelt. Auf Anregung und unter Mitwirkung der italienischen Regierung werden demnächst in Addis Abeba und Dire Daua, zwei Zentren des Judentums in Abessinien, jüdische Gcmcindeorganisationen geschaffen nach dem Vorbild der in Italien bestellenden Communita, die bekanntlich eine sehr weitgehende Vcrwaltungsfrcihcit genießen. Diese Aktion ist bereits im Gange. Der Verwaltungsrat des Verbandes der Jüdischen Gemeinden Italiens, Advokat Carlo Alberto V i t e r b o, hat sich dieser Tage auf dem (vielen Palästinafahrern bekannten) Dampfer ״Carnaro“ in Brindisi nach Dschibuti eingeschifft, von wo er sich nach Addis Abeba begeben wird, um dort unmittelbar die Arbeiten für die Organisierung der dortigen Jüdischen Gemeinde aufzunehmen. Kurz vor seiner Abreise nach Abessinien wurde Advokat Viterbo in Spezialaudicnz von dem italienischen K ol on i a I m i n i s t c r Lessona empfangen. Diese Audienz nahm, wie wir hören, einen sehr sympathischen und herzlichen Verlauf. Der Minister bat den Advokaten Viterbo, ihm nach seiner Rückkehr aus Abessinien einen ausführlichen Bericht über das Resultat seiner Mission und die wirtschaftliche und soziale Lage der Juden im neuen Imperium zu machen. Advokat Viterbo wird vor allem auch Beziehungen zu den eingeborenen Juden Abessiiricns, den F a I a s c h a s, aufnehmon, die größere Siedlungen in der Nähe des Tana-Sees haben. Man darf der Studienreise des Delegierten der Jüdischen Gemeinden Italiens mit großem Interesse entgegenschen. Die ״Jüdische Rundschau“ wird darüber fortlaufend berichten. Während Italien die Juden innerhalb seines Holieitsgebictes, im Mutterlande wie in den Kolonien, human und gerecht behandelt, ist, wie wir hier verschiedentlich berichteten, die Einstellung zu jüdischen Problemen des Auslandes, und vor allem auch zur Frage des Zionismus und seines Aufbauwcrk.es in Palästina, nicht immer von der gleichen Objck• tivität. Dies zeigt sich in Aeullerungen der Presse, wofür ein Beispiel angeführt sei. Die bedeutende Tageszeitung 1״. a Stampa“ hat einen Sonderberichterstatter nach Palästina geschickt, der in längeren Artikeln dem italienischen Publikum die durch den Konflikt zwischen Arabern und Juden ent- A.- C.» Sitzung in Zürich Die Zionistische Exekutive hat endlich beschlossen, die nächste Tagung des Zionistischen Aktions-Comitös, wie ursprünglich beabsichtigt, fiir den 25. August nach Zürich cinzuberufen. Der Plan einer Tagung in London war erwogen worden, weil einige Mitglieder der Exekutive im Hinblick auf die politische Lage, die in jedem Augenblick ihre Anwesenheit in London dringend erforderlich machen kann, sich nicht entschließen wollten, London zu verlassen. Budapester Brie! Von unserem Berichterstatter B u d a p e s t, 3, August Die Leitung der orthodoxen Zentralkanzlei wurde vom Handelsminister Stefan Winckler in Audienz empfangen, dem sie ein Memorandum mit den Wünschen der glauhcnstreuen Kaufmannscliaft in bezug auf die demnächst ins Lehen tretende Neuregelung der Sontagsruhe überreichte. Der Minister versprach, die religiösen Gesichtspunkte nach Möglichkeit zu berücksichtigen. Der bekannte Dermatologe, Universitäts-Professor Dr. Ludwig Török, wurde von der Pariser Dermatologischen Gesellschaft zum Ehrenmilglied erwählt, nachdem er erst im Vorjahre auch von der holländischen und spanischen Akademie ausgezeichnet wurde. Professor Török ist Direktionsmitglied der Pro-Palästina-Vereinignng. Der junge jüdische Graveur und Mcxielletir Paul V i n c e, der mit staatlichem Stipendium seit Jahresfrist in Italien arbeitet, wurde dort mit der Ausführung der Erinnerungsmedaille betraut, die anläßlich des Stiftungsfestes des Fascio geprägt wurde. Dieser Tage wtirtie er von Mussolini etnpfangen, der ihm sein Porträt überreichen ließ. Vincc hat schon zu Hause mit dem Entwurf fiir die Zwcipongüstückc den ersten Preis errungen und soll für das Jüdische Landesmuscum eine Plakette des einstigen Judenprätcktcn Ungarns, Jacobus Mendel (1 105), anfertigen. Benzion Shein hielt einen Vortrag über die Lage der Juden in Ostasien und Australien. D. A. F. Presseschau Die Judenfrage in Amerika Im Zusammenhang mit dem von uns veröffentlichten Bericht über die Rolle der J u d c 11 f r a g •.׳! m a tn e r i k a - ni sehen Wahlkampf ist ein Reisebericht des ehemaligen deutschen Staatssekretärs Richard v. K ü h 1 m a n n interessant, den die ״Deutsche Allgemeine Zeitung" veröffentlicht. Kühlmann bespricht die in Amerika vorhandene Gegnerschalt gegen Roosmd t, und nachdem er die auf finanzpolitischem Gebiete liegenden Hauptgründe angeführt hat, fährt er fort: ״Mehr in Ge<[>r;1<״•111׳ als in Pre-s< auik nmgen hört man auch Angriffe gegen die angrMirh v׳»n ihm 15cv״n-lä[,׳ung der judisehen Elementes. In dein .1 he M w I >e;1l 1k a je» Deal‘ (,Das neue Spici is! ein Spiri dm hiden'). ia.-mi viele diesen t.esichi.spunkl zusammen. De- Pei-idesm n Selmn mhrefar Morgenlhau wird kritisiert. Hernhaid II.um 11 vlueibt man l.!n:l!1b Uei wichtigen Entscheidungen zu; int Oheimen OeiiehtduM ha! .im jüdische l'Jcmcnt. bedeutendes (jewieht. Die Roosrvrll zu;:c ׳.ehr i: 1 ><׳ nett Hc.-Ircbtitigett, dieses 1t<x:h zu vermeinen, erregen \\ ideispiiirh. Dir Ue.-etiung des Pariser Botsehafteipostens durch i׳ - Straub wird als Beweg fiir die Vorliebe des Präsidenten zitiert.“ |m weiteren Verlaufe des Artikels bespricht v. Kühlmann dann die unseren Lesern aus zahlreichen Berichten bekannten Diskussionen über die Judenfrage in Amerika und schildert die aul manchen Gebieten des gesellschaftlichen Lebens in Amerika herrschenden Absonderungstendenzen, standene Lage darzustellen versucht. In einem dieser vor wenigen Tagen erschienenen Artikel stellt er die Behauptung auf, daß auch wohlgesinnte Engländer, die als Philozionisten ins Land kommen, binnen kurzer Zeit sich in Philoaraber vorwandeln und als Verteidiger der arabischen Sa he nach England zurückkehren. Cr beschreibt u. a. den Fall zweier engliseher Zeitungsbericliterstatter, die als Philozionisten nach Palästina kamen und sich innerhalb weniger Wochen in Arabophilc verwandelt hätten. Weiter führt er u. a. den Fall des früheren Oberkommissars Sir John Chancellor an, der noch im Jahre 1Q20 in schärfster Weise gegen die Araber vorging und sic rundweg als ״Barbaren“ bezeichnete, während er heute ein Rundschreiben an seine Freunde in England gerichtet habe, in dem er sie zur Lektüre und weitesten Vcrbreitung der arabisch-nationalistischen Wochenschrift ״Palestine and Transjordan“ auffordert. Wie der Korrespondent der ״Stampa“ zu dieser verallgemeinernden Ansicht von der Metamorphose der Engländer von Philozionisten in Philoaraber gekommen ist, verrät er nicht. Er führt in dem erwähnten Artikel lediglich folgendes Beispiel an: Als sich die Juden infolge des Streiks in Haifa gezwungen sahen, in Tel-Awiw eine Mole zu bauen, hätte sich ein arabischer Matrose zum Protest ins Meer gestürzt und wäre mit einem Messer zwischen den Zähnen trotz hohen Seeganges zwei Meilen bis Tel-Awiw geschwommen. Dort hätte er am Hafen die Taue einer Ankerboje durchgeschnitten, an den ein jüdisches Schiff befestigt war, und das alles unter dem Feuer jüdischer Revolverschützen und wäre dann nach vollbrachter Tat heil wieder nach Haifa zurückkckchrt. ״Dieses Heldcnstückchen, schreibt der Korrespondent der ״Stampa“, die Vorstellung dieser zwei Seemeilen Schwimmen, der bewiesenen Courage unter dem Feuer der Zionisten und des trotzdem erreichten Erfolges, hat in der Haltung der beiden englischen Zeitungskorrespondenten ohne weiteres den Ausschlag p c g c b e n." Denn, wie er hinzufügt, der Engländer habe von jeher besonderen Respekt und Bewunderung für Courage und sportliche Leistung (!). Nun, wir glauben nicht, daß dieses ״Heldenstiickchcn״, wenn es sich, nebenbei bemerkt, wirklich so z.ugetragcn hat, wie es hier geschildert wird, ausreiehen dürfte, um einen infeliigenten und klarblickenden Engländer aus einem Philozionisten in einen unentwegten Araberfreund zu verwandeln. Schließlich ist ja auch der heutige Konflikt in Palästina nicht nur ein sportliches Meeting. Immerhin ist dieses eine Beispiel typisch dafür, wie oberflächlich heute in der italienisehen Presse über den Zionismus und die Vorgänge in Palesfina berichtet wird. Agudas Jisroel bei Bex&esch Marienbader Konferenz geschlossen Am 7. August wurden der Präsident der Weltorganisation Agudas Jisroel, Jacob Rosenheim, der politische Referent der Wejt-Aguda, H. A. Goodman, und der Präsident der Palästina-Organisation der Agudas Jisroel, Oberrabbincr Jonathan Horovicz, von dem Präsidenten der Tschechoslowakischen Republik, Dr. Eduard Bcnesth, empfangen. Die Audienz dauerte etwa dreivicrtcl Stunden. Die Aguda-Führer überbrachten Präsident Bcnesch die Begrüßung der Vertreter der jüdischen Orthodoxie der ganzen Welt, die in Marienbad zu dem vorbereitenden Weltkongreß versammelt waren. Präsident Bcnesch gab in seiner Erwidcrimg zu verstehen, wie sehr ihn die ihm durch die Führer der jüdischen Orthodoxie zum Ausdruck gebrachte Anerkennung freue und erklärte, seine Haltung gegeniihcr den Juden bleibe unverändert; er werde auch in Zukunft die international verbrieften Rechte der Juden, sich in Palästina eine Heimstätte aufzubaucn, nach Möglichkeit stützen. Die ״K n e s s i o M e c 11 i n o“ der Agudas Jisroel ist in Marienbad am Abend des 6. August nach dreitägigen Verhandlungcn geschlossen worden. Bis spätestens Adar 5007 soll die ״Knessio Ciedaulo“ nach einem europäischen Ort einberufen werden, falls bis dahin die Vorbedingungen für die Abhaltung der Knessio in Jerusalem nicht gegeben sein sollten. In der P a 1 ä s t i ti a - R e s o I ti t i o n gibt der Zentralrat ״seiner Trauer und Entrüstung über die blutigen arabischen Exzesse in Palästina Ausdruck und in der Ucberzcugung, daß fiir den weiteren friedlichen Aufbau Palästinas eine Verständigung mit den Arabern erforderlich ist, spricht er seine Befriedigung aus über die Erklärung der britischen Mandatarmacht, sich unter dem Druck des arabischen Terrors keine Zugeständnisse abpressen zu lassen und an der Balfour-Dcklaration fest/uhalten". Das neue Refugi6statut Von unserem Pariser Berichterstatter Ka. Pari s, im August Wie mitgcteilt wird, wird im französischen Innenministerium in nächster Zeit eine ״Commission Consultative“ eingerichtet werden, die sieh mit der Untersuchung der Rechtsläge der R e f u g i e s aus Deutschland beschäftigen wird. Die Arbeit dieser Kommission wird den Richtlinien entsprechen, die von der Fliichtlingskonfcrcnz der Regiertingen im Juli in Genf festgelegt worden sind. Die Kommission soll auch in wohlwollendem Geist eine Prüfung der Fälle derjenigen Rcfugics vornehmen, die infolge mangelnder Papierc 11-w. mit «len administrativen Bestimmungen Frankreichs in Konflikt gekommen sind. — Das französische Hilts- Komitee für die Flüchtlinge aus Deutschland, von dessen Gründung wir bereits berichteten (״J. R.“ vom 14. Juli) hat jetzt seine Tätigkeit anfgenomnien. Seine Geschäftsräume hefinden sich in Paris, H ruc de LisVmnc. Das Komitee hat das Ziel, denjenigen Flüchtlingen zu helfen, denen es bisher noch nicht gelungen ist, sich wirtschaftlich in Frankreich ein• zuglicdem. _ Ausschreitungen in der Bukowina <:: z c r n o w i t z, 5. August. (JTA.) In der Stadt S t .1 n e s t i kam es nach einer Versammlung der Cu/istcn zu Angriffen auf jüdische Passanten; es wurden auch in zahlreichen jüdischen Wohnungen die Fenster zertrümmert. In Putila ist es ebenfalls zu judenfeindlichen Ausschreitungen gekommen. Die jüdischen Einwohner Alter Aberbach, Chaskel Linder, Hendel Kronen• feld, Meier Linder und Hermann ßermann wurden mißhandelt. Der katholische Bischof R e b u wurde bei einem Besuch in der Gemeinde Moldawitza auch von einer jüdischen Ab- Ordnung begrüßt. In seiner Antwort erklärte der Bischof, die katholische Kirche verurteile Judenverfolgungen aufs schärfste, Die Minister Nenne und Cale des Maharadscha von Baroda (Indien) statteten nach einer Meldung der ״Nationalsozialistischen Parteikorrespondenz“ dem Rassenpolitischen Amt der NSDAP, einen Besuch al), um sich über den nationalsozialistischen Standpunkt in der Rassenfrage und der Rassengesetzgebung des neuen Deutschland zu unterrichten. Besonders interessierte die beiden Gäste die Ariergesetzgebung. Es erwiesen sich in grundsätzlichen Fragen übereinstimmende Auffassungen. Wie Palcor erfährt, wird lf s s i s c 11 k i ti, der sich gegenwärtig zur Kur in Karlsbad aufhält, nicht (entgegen anderslautenden Berichten) am Jüdischen Weltkongreß in Genf tcilnchmcn.! Ein demnächst in Kraft tretendes Gesetz bestimmt, daß alle in B e I g j e n lebenden A ti s I ä 11 d c r eine besondere Arbeitscrlaubnis haben müssen. Ausländer, die diese Arbeitscrlaubnis nicht haben, müssen sofort Belgien verlassen. Die Erteilung von Arbeitserlaubnissen ist nur für Ausländer vorgesehen, deren Tätigkeit die Interessen des belgischen Arbeitsmarktes nicht beeinträchtigt. Die belgische Regierung hat beschlossen, die Konzessionen der Marktstandin 11 aber fiir das Jahr 1037 nicht zu erneuern. Von j ü d isther Seit e sind entsprechende Schritte cingclcitet worden, um den fiir Juden ungünstigen Auswir« klingen dieser Maßnahmen entgegenzuwirken. Wie wir der Londoner Zeitschrift ״Palestine“ entnehmen, hat der Bischof von R o c h e s t e r gemeinsam mit Prof. O a r s t a 11 g, dem bekannten Archäologen, dem wir die Ausgrabungen in Jericho und eine Reihe von Werken über die israelitische Frühgeschichte, iushe-omlere Josua und die Riehterzeit, verdanken, ein Memorandum versandt, in dem zugunsten der Araber im heutigen Palästina-Konflikt Stellung genommen wird. Die Zeitschrift wendet sich ausführlich gegen die in dem Memorandum aufgr-njltcn Behauptungen und weist nach, daß sic itu Widerspruch zu der I .'hretiverpflichfung Englands stellen. In einer Konferenz sämtlicher zionistischer Zentralkomftees aus ganz Polen, an der auch das Mitglied der Exekutive Ji/chak O r ü 1!!> a u m teilnahm, wurde eine Entschließung zur gegenwärtigen Lage in Palästina angenommen, in der ausgesprochen wiitl. die Zionisten Polens seien unbedingt g c g e 11 e ine I 1 <! 11 i d! e r 11 n g der Dur 11!1 e n au f Kosten d e r j u d i s c I! e n R e c h t v und insbesondere des Rechts aut Einwanderung nach Palästina. Anläßlich der Ta gütig des Neunten Internationalen Zahnär/tekongresscs fand in Wien unter dein Vorsitz des Jerusalcnter Arztes Dr. I. e w i n - L p s t c i 11 eine Versammhing der jüdischen Kongreßteilnehmer statt, in der der Plan Uer Errichtung eines / a h n a r z tl i c 11 e n F o r t b i I - d u 11 (׳s i n s t i t 1! t e s a 11 <! e r II e!ו r ä i s c 11 e n U 11 i vcrs i t ä t J e r 11 s a I e m besprochen wunle. Nach einem Referat von Professor Dr. Bernhard Gott lieh wurde die Gründüng eines solchen Instituts einstimmig beschlossen. Besondere Organisationen in den einzelnen Ländern sollen für dieses Institut wirken. Im Zusammenhang mit dem in dem Prozeß gegen die ״Schwarze Legion“ 111 USA. aiifgcdeekten Plan, Juden in Detroit mit Tvphtisha/ilk'1! zu infizieren, hat der Sanitatsatisschuß von Detroit den Bakteriologen Charles Mac- Cutcheon, an den ein hoher Funktionär der ״Schwarzen Legion“ mit dem Vorschlag herangetreten war, Typhnsktilturen zwecks Infizierung Detroiter Juden ati/ulegen, aus dem Dienst entlassen, weil er seinen Vorgesetzten von den Plänen der ״Schwarzen Legion" nicht Mitteilung gemacht hatte. In dem Städtchen Dera/ne bei Rowno (poln. Wolhynien) sind 25 j ii d i s c he M ä 11 s er 11 i e d e r g c b r a 11 11 t worden, gleichzeitig wurden in Kostopol acht Häuser vollständig nicdergebraimt. Vierzig Familien sind obdachlos geblieben. Rabbi Sender Eienter aus Dera/ne hat einen dringenden Hilferuf ftir die Notleidenden erlassen. Auch in den Dörfern Jankewicze, Podlu/na, Bercstowice und Karmvola wurden jüdischc Häuser niedergehrannt. Dniniferhrochcn treffen in Warschau neue Mehlungen über Brandstiftungen in Wolhynien ein. In Kostopol wurde versucht, ein jüdisches Petroleumlagcr zur Explosion ztt bringen. Das lener konnte rechtzeitig gelöscht werden. Bei einer Gedenkfeier für die 1015 gefallenen ukrainischen Legionäre, die in dem Dorf Makowska hei Skole in Ostgalizien statt fand, und an der etwa 10 (KM) Ukrainer teilnahmen, ist es 711 blutigen A 11 s s c h r e 11 11 n ge n gekommen. Der jüdische Photograph Joset I u\ wurde von der Menge ge- Ivncht. Auch der Ukrainer .Andrej S/olota, der sieh bemühte, Lux zu schützen, wurde erschlagen. Die aufgeheizte Menge mißhandelte dann in den /um Foslplatz führenden Straßen jüdische Passanten. Der jüdische (ihauffeur Schneur wurde schwer verletzt und in sterbendem Zustand ms Krankenhaus gebracht. Ein Jude aus Avisdorf war vom Schöffengericht in Zeitz wegen Vergehens gegen das Gesetz zum Sehntzr des deutselten Blutes zu 1 Jahr (! Monaten Zuchthaus verurteilt worden, wobei berücksichtigt worden war, daß die in Frage kommende Frau sich ihm selber angeboten hatte. Auf die Berufung des Angeklagten wurde das Urteil aufgchoben, die Sache wurde vertagt und an die Große Strafkammer in Naumburg verwiesen. Das Getreidegeschäft Hugo L o e w y, Zippnow, ist in den Besitz der Kommanditgesellschaft Bernhard Streich fk Co. ubergegangen. Das ״Hamburger Frcmdenhlatt“ veröffentlicht am (>. Aug. einen Bericht unter der Deberschrift ״Tel-Awiw, der 7,11 k 11 ח f t s h a f e n a 11 der p :11 ä s t i 11 e 11 s i s c 11 e n Küste“. In dein Artikel werden die wirtschaftlichen und technischen Möglichkeiten des neugeplanten Hafens Tel-Awiw erörtert. Das tschechoslowakisch e H a!1 «I c I s m i n i - s t c r i 11 m gibt eine Propagandahroschüre über die jüd i s c 11 e n Denk w ti r d i g k e i t c n in der T schecho- Slowakei heraus. Die Aktion wird von der jüdischen Kultusgemeinde in Prag vorbereitet, die einen Wettbewerb für die Broschüre ausgeschrieben hat. Die Frist endet am 31. August. Die jüdische Kultusgctncindc hat sich die eventuellc Kompilation der eingelaufenen Arbeiten varbehalten. Die Leitung der Thora Weawoda-Bcwegung, der der Hapoel Hamisradii, die Zeire Misrachi »und der Hechaiuz Hamisrachi allgeschlossen sind, hat eine Tagung des Rates der Bewegung für den <1. September nach Krakau einberufen, Bundespräsident Miklas hat dem Wiener Dermatologen, Prot. Dr. Moritz Oppenheim, mit Wirksamkeit vom 1. August den Hofratstitel verliehen. Oppenheim leitet seit zwei Jahrzehnten die Dermatologische Abteilung des Wiener ״Wilhelminen-Spitals“. Der Rosch Jeschiwa der berühmten Grodnoer Jes c h i w a, Rabbi Fciwcl Hindes, ist im Wiener Rothschild- Krankenhause im Alter von 57 Jahren gestorben. In Wien starh der Bojaner Rcbhc Nuchim Fricdmunn. Der verstorbene Rcbhc, der in den letzten Jahren in Czcrnowitz lebte, war ein Sohn des im Jahre 1018 in Wien verstorbenen berühmten Bojaner Rebhe. ein Enkel des ersten Sadagoraer Rebbe Srulejnu und ein Urenkel des Rischencrs.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.