Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 64 (11.8.1936)
- Date
- 1936-08-11
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 64, 11. VIII. 1936 Grenzen des ökonomisch Möglichen und die Zusicherung aktiver Unterstützung gemäß dem Mandat“. (Gerade Erich Cohn hat die Gesichtspunkte überzeugend dargestellt, die England dazu bestimmen sollten, solcher Forderung zu entsprechen.) Absolut verschieden freilich ist das Gewicht, das den einzelnen Programmpunkten von den verschiedenen grundsätzlichen Ausgangspunkten aus beigelcgt wird, und es ist interessant, wenn auch vielleicht überraschend, daß die Vorschläge für die einzuschlagende Taktik in erster Reihe durch die grundsätzliche Einstellung bestimmt werden. Und so zeigt sich, daß wichtiger noch als der politische Standpunkt, der sich in den politischen Programmforderungen manifestiert, die politische Haltung ist, die in diesem Augenblick von der zionistischen Bewegung und ihren leitenden Körperschaften gefordert wird. Deshalb ist die Rolle der Bewegung gegenwärtig so bedeutsam, obgleich sie die Ausarbeitung des konkreten Programms den Exekutivorganen überlassen muß. 11. Unsere politische Haltung äußert sich nicht in der Bejahung oder Verneinung bestimmter Punkte eines politischen Programms. Sie äußert sich viel ursprünglicher, viel eindeutiger und viel wirksamer in der Art, wie wir die politische Aufgabe anfassen, welche Wirkung wir von der politischen Aktion erwarten. Wichtig ist vor allem, daß wir gewillt und entschlossen sind, uns der Stunde zu stellen. Es wäre bequem für uns gewesen, die große Auseinandersetzung auf einen möglichst späten Zeitpunkt zu verschieben; und da wir ständig wuchsen, wäre der Aufschub vielleicht nicht bloß bequem, sondern auch politisch klug gewesen, sofern wir ständig daran gearbeitet hätten, die vertagte Auseinandersetzung vorzubereiten und die politischen und kulturellen Voraussetzungen für eine möglichst friedliche und doch möglichst erfolgreiche Auseinandersetzung zu schaffen. Nun ist kein Aufschuir mehr möglich. Und wir dürfen uns auch sagen, daß wir dem Schicksal dankbar sein können für den Aufschub, den es uns immerhin gewahrt hat: die äußere Stärke und innere Kraft, die der jischuw ist Erez. Israel iti diesen Monaten entfaltet hat und weiterhin ständig entfaltet, beweisen es. Nun sollen wir nicht versuchen, der großen politischen Entscheidung durch Vorschläge auszuweichen, die bestenfalls eng begrenzte Wirkung und entsprechend geringe Lebensdauer haben können. Jetzt keine Ausvveichtaktik! Wir sollten im Gegenteil England. — das entsprechend seiner ganzen gegenwärtigen Politik vielleicht in erster Reihe auf einen modus vivendi für einen kurzen Zeitraum lossteuern wird. — an einer provisorischcn Regelung zu verhindern suchen. Denn bei jedem Provisorium tritt naturgemäß der Gedanke einer Beruhigung der Araber in den Vordergrund, während erst für ein Definitivum der Gesichtspunkt volle Geltung erlangt, daß England weder in Palästina ein relativ starkes!ovales Element noch die Sympathie der Juden in der Welt missen kann und will. Naturgemäß erhöht die Einsicht, daß es jetzt um eine definitive politische Entscheidung, um eine Ent- Scheidung von langer Zeitdauer geht, die Schwere der Verantwortung. Jetzt können wir nicht mit Formeln auskommen, sondern das auf/ustellendc politische Programm muß ein konkretes, die Hauptgebiete des palästinensischen I ehe ns umfassendes Programm, ein konstruktives Programm sein. 111. Gestattet die Atmosphäre die Aufstellung eines konstruktiven Programmes0 Ist sie möglich oder müssen wir angesichts der Haltung der Araber auf ein konstruktives Programm verzichten (weil wie Lichtheim sagt -. ,,der Zionismus mit den politischen Aspirationen der Araber unvereinbar ist“)? Oder müssen wir zum mindesten ׳ wie wiederum 1 ichtheim glaubt -• - fordern, daß Englands Garantien und Zusicherungen ,,jeder Verständigung mit den Arabern vornusgehen müssen“? Es ist immer eine fragwürdige Taktik, ein System innerlich zusammenhängender Verhandlungen dadurch zu zerreißen, daß nein künstlich eine bestimmte Zeitfolge zu erzwingen versucht: durch die Forderung, daß der eine Punkt erst verhandelt werden darf, nachdem ein anderer Punkt in einer bestimmten Weise erledigt ist. In unserem Falle vollends bedeutet cs praktisch den Verzicht auf ein konstruktives Svstem überhaupt, wenn man verlangt, daß Zusicherungen Englands der Verständigung mit den Arabern vorausgehen müssen. Das läßt sich auch nicht durch den Hinweis auf die mit dem Zionismus unvereinbaren politischen Aspirationen der Araber rechtfertigen. Ein extremer und für uns unannehmbarer Standpunkt der Gegenseite ist für uns Zionisten noch niemals Anlaß gewesen, auf den Versuch von Verhandlungen mit der Gegenseite, auf den Versuch einer Umstimmung der Gegenseite zu verzichten. Freilich wäre es ebenso falsch und würde ebenso sehr einen Verzicht auf ein konstruktives politisches System bedeuten, wenn wir unsere Bemühungen jetzt ganz oder wesentlich auf den Versuch, eine Sinnesänderung der Araber herbeizuführen, beschränken wollten. Unsere politische Haltung kann nur die sein, daß wir ein Programm aufzustellen versuchen, das unsere Lebensnotwendigkeiten darlegt und zugleich die Lebensnotwendigkeiten der Araber (nicht ihre ״Aspirationen“) berücksichtigt. Ein System von Forderungen, deren Erfüllung auf den verschiedenen Gebieten den Aufbau des Jüdischen Nationalheims sicherstellen und fördern soll, -- aber keine Forderung, die nicht gleichzeitig Auskunft darüber gibt, daß ihre Erfüllung die Lebensnotwendig- Der ״Jüdische Weltkongreß“ Genf, 9. August. (JTA.) Im Sitzungssaale der Völkerbundsversammlung im Batiment Electoral wurde am 8. August, 9 Uhr abends, der Erste Jüdische Weltkongreß feierlich eröffnet. Ucber 300 Delegierte aus 32 Ländern nahmen nebst zahlreichen Gästen an dem Kongreß teil. Der Eröffnungssitzung wohnten mehrere Diplomaten, Vertreter des Völkerbundssekretariats und des Nansenamtes bei. Nach Verlesung einer Reihe von Begrüßungsschreiben, darunter solchen von dem französischen Völkerbundsminister Paul-Boncour, Lord Ceeil und Andre Spire, hielt der Präsident des Comitc des Delegations Jnives, Dr. Stephen S. Wise, eine Ansprache, in der er die Berechtigung der Einberufung des Kongresses darzulegen suchte. Ansprache von Stephen Wise Vom Weltkongreß, führte Dr. Wise u. a. aus, erwarten wir keine Wunder. Der Jüdische Weltkongreß wird nicht alle, auch nicht die meisten, ja nicht einmal viele der ungelösten Probleme des jüdischen Volkes lösen. Aber ein Jüdischer Weltkongreß kann die folgenden Funktionen erfüllen: 1. Juden verschiedener Länder und verschiedener Anschaumigen zusanimenzubringen, die auf andere Weise nicht Zusammenkommen; 2. Juden auf einer neuen Ebene zusammenzubringen, nicht auf der des Gebens und Nehmens, sondern zu einem Meinungsaustauseh über alle Arten jüdischer Probleme im Hinblick auf ihre Lösung, 3. Juden des einen Landes werden Probleme der Juden anderer Länder sehen, ihren Rat erbitten und ihre Erfahrung in Anspruch nehmen. Dr. Wise setzte sich mit den verschiedenen Einwänden auseinander, die gegen den Jüdischen Weltkongreß erhüben worden sind. Der Einwand, daß die Lage der Juden in verschiedenen Ländern verschieden sei, sei in Wirklichkeit gerade ein Beweis für die Notwendigkeit des Kongresses. Wäre die Lage der Juden in allen Ländern so tragisch wie in einzelnen, so könnte der Kongreß wenig tun, wäre aber vielleicht trotzdem nicht ohne Wert. Wäre jede Landesjudenheit in so glücklicher Lage wie diejenigen von drei oder vier Ländern, dann würde man einen Kongreß vielleicht nicht brauchen. Aber gerade die Verschiedenheit in dem Status der jüdischen Gemeinschaften in den verschiedenen Ländern mache den Kongreß wünschenswert, ja, unvermeidlieh. Unbegründet sei auch die Furcht, Nichtjuden könnten sich vorstellen, daß die Juden einen ״Uebcrstaat“ gründen wollen. Der jüdische Weltkongreß befaßt sich nicht mit der Möglichkeit weder eines jüdischen Staates, noch eines jüdischen ״Ueberstaates“, sondern damit, daß die Juden aufhören, in ihren eigenen Augen und in den Augen der Welt ״Untermenschen“ zu sein. Auch werde der Jüdische Weltkongreß keine Klagemauer sein. Gegenüber den Bestrebungen, der jüdischen Not bloß auf dem Wege der Philanthropie beizukommen, betonte Dr. Wise, daß Wohltätigkeit allein nicht genügt. Die Zeit erfordere nicht bloß Wohltätigkeit, sonder!! in erster Reihe Selbstwehr, nicht eine Selbstwehr physischer oder gewalttätiger, sondern moralischer, politischer, wirtschaftlicher Art. Man müsse und werde neue Wege finden. Jüdische Wohltätigkeit gehe nicht darauf aus, den Juden oder dem jüdischen Volk, sondern gerade nur einigen anderen Juden zu helfen. Die zionistische Bewegung sei die einzige ernste Bemühung, jüdisches Lehen und jüdische Werte zu verteidigen und zu wahren, zu schaffen und zu erhalten. Der Mangel an Bereitschaft zu organisierter Abwehr und Schutz der Rechte der Juden ermutige ihre Gegner. Warum sollten Nichtjwden sich mit den Leiden der Judenheit befassen, wen״ die Juden selbst sich nicht gemeinsam mit ihnen betasten wollen? Wir können, fuhr Dr. Wise fort, kein Fehl an denjenigen finden, die sich der ersten Versammlung des Jüdischen Weltkongresses ferngehalten haben. Seine Tore werden auch dem späteren Ankömmling offen bleiben. Di« Lage der Juden in der Weit Das zweite Hauptreferat des Eröffnungsabends, das der Vertreter der Jewish Agency beim Völkerbund, Dr. Goldmann, hielt, befaßte sich mit der Lage der Juden in den verschiedenen Ländern der Welt. Die jüdische Situation, so führte er ans, werde heute von zwei Faktoren bestimmt: von dem allgemeiner! Charakter der Zeit und von dem spezifischen Charakter der Judenfrage. Nach dem Weltkriege habe man geglaubt, daß es mit einem großen Sprunge möglich sein würde, eine gesicherte Rechts- Ordnung im Zusammenleben der Völker zu stabilisieren. Die letzten Jahre hätten bewiesen, daß dieser Glaube eine!1111sion war. Unter historischen Gesichtspunkten sei dies nicht erstaunlich. Da es Jahrhunderte gedauert hat, bis eine Rechts- Ordnung für die einzelnen Bürger innerhalb der Völker und Staaten gesichert wurde, sei cs kein Wunder, daß auch der Weg von der Allmacht der Staaten bis zu dem großen internationalen Völkerrecht, welches die Machtmittel haben wird, die Streitigkeiten zwischen Völkern zu schlichten, nicht in wenigen Jahren zurückgelegt werdet! kann. Man stehe heute in einer dramatischen Phase dieser historischen Auseinander- Setzung, deren Opfer in erster Reihe die Juden seien, gegen die sich als eine Minorität, die schwächer ist als alle anderen Minoritäten, die Tendenzen der Zeit in erster Reihe wenden. Die neue Rechtsordnung nach dem Weltkriege, fuhr der Redner fort, habe den Juden die Eman- 7. i ק a t i o n in Ländern gebracht, in denen sie vorher nicht durchgeführt war, und habe ihnen in verschiedenen Friedensvertragen durch den Völkerbund garantierte Minoritätsrechte gegeben. Diese Garantie bedeute heute fast nichts mehr, weil der Völkerbund nicht mehr die Macht habe, den Schutz der Minoritäten durchzuführen. Ein wirklicher Kampf der Minoritäten nm ihre Rechte sei unmöglich geworden; der Zerfall des Minoritätenkongresses sei symptomatisch für diese Lage. Auch die Garantie der jüdischen Rechte durch die einzelnem j Verfassungen bedeutet heute nur sehr wenig. Durch verschiedene neue Wahlrechtsformen werde den Minoritäten in vielen Ländern die Möglichkeit einer legitimen Parlament»- rischen Repräsentanz genommen. Durch wirtschaftliche Gesetze und administrative Maßnahmen werde in Mittel- und Osteuropa ein jüdischer Berufsstand nach dem anderen seiner Arbeit und Existenz beraubt. Der mehr und inehr zum Monopol der Majoritätsnationen werdende Staat benutze seine Wirtschaftliehe Machtstellung zur Ausschaltung der Minoritäten, in erster Reihe der jüdischen. So bestehe heute in Europa eia Judenproblein, wie es in diesem Ausmaß seit vielen Jahrhunderten nicht existiert hat. Nach Beleuchtung der besonderen Verhältnisse in einzel-׳ nen Landern, wobei er feststeilte, daß auch in westeuropäischcn Ländern und in Amerika judenfeindliche Tendenz«( vorhanden sind, gab der Redner der Ueberzeiigung Ausdruck, daß die Strömungen gegen ein geordnetes, auf Rechtsnormen basiertes Zusammenleben der Völker bald überwunden sein werden. Das Judentum habe keinen Grund zur Verzwciflung. In einer Zeit unfaßbarer Verschlechterung der■ jüdischen Situation sei das Wunder des jüdischen Palästina verwirklicht worden, das stark genug war, einem viermonatigen Terror standzuhalten und das weiter wachsen und sich befestigen werde. Der Aufbau Palästinas bedeute aber nicht Preisgabe der Gleichberechtigung in anderen Ländern. Völkerrecht, Völkerbund, Minoritätsrechte, Gleichberechtigung der Menschen und der Völker, Freiheit des Individuums und Toleranz seien nicht Dinge der Vergangenheit, sondern ewige Werte. Es sei notwendig, den Glauben an diese Werte zu intensivieren. Weitere Referate Die Sitzungen des Weltkongresses am Sonntag waren von Referaten über bestimmte Gebiete gesamt jüdischer Arbeit ausgefüllt. Die Fragen der j ü d i s c h c n Emigration und der jüdischen Emigrationspolitik wurden in einem Referat von Dr. Ar je Tartakower (Lodz) eingehend behandelt. Als Aufgaben einer solchen Emigrationspolitik bezeichnete Dr. Tartakower: a) Maximale Ausnutzung der existierenden Einwanderungsniöglichkeiten, b) Schaffung von neuen Einvvanderiingsmöglichkeiten, c) Organisierung und Erziehung der Auswanderer, d) erneuter Ucbergang zur Kolonisationsarheit. Maximale Ausnutzung der bestehenden Emigrationsmögliclikcitcn erfordere einen starken Ausbau des Informationsdienstes. Weitgehende Kooperation zwischen Emigranten, Elilfsverböndeti und den Organisationen, die die Zuführung der Juden zu produktiven Berufen erstreben, sei im Hinblick auf eine den Bedürfnissen der Einwanderung»- länder entsprechende Berufsstruktur der jüdischen Auswanderung erforderlich. Neue Einwanderungsniöglichkeiten seien nur durch Verhandlung mit Regierungen oder dem Völkerbund zu erlangen. Wertvoll sei auch der Kontakt mit internationalen Körperschaften, die für Auswanderungsangclcgenbeiten zuständig sind. Zur Hebung des Kulturniveaus der Auswanderer und zum Zweck ihrer beruflichen und sprachliehen Vorbereitung sowie zur Hebung ihres Selbstbewußtseins und ihrer Initiative empfahl der Referent die Schaffung von Auswandeningsgcnossenscliaftcn und die Heranziehung von Auswanderern als Mitglieder der Auswanderungsgesellschäften. Ueber ״Ziel und Methode jüdischer Hilfsarbeit“ sprach der Präsident des Verbandes jüdischer Gesellschaften in Frankreich, J. Jefroyikin. Im Hinblick auf die Heranziehung der jüdischen Massen zu tätigem Interesse an den Problemen der sozialen Hilfsarbeit und zur Teilnahme an der allgemeinen Verwaltung jüdischer Institutionen und organisierter sozialer Kräfte schlug der Referent dem Jüdischen Weltkongreß die Schaffung eines Zentralbüros für jüdische soziale Hilfsarbeit vor. Aufgäbe dieses Büros solle es sein: a) Sammlung und Prüfung des auf Hilfsarbeit bezüglichen Materials; b) Schaffung eines wirtschaftsstatistischen Dienstes für Zwecke der Hilfsarbeit; c) Mitarbeit an der Rationalisierung jüdischer Hilfs- und Wolilfalirtsarbeit in den einzelnen Ländern und an der Demokratisierung der Hilfsorganisationen jedes Landes; d) Vertretung der jüdischen Sozialarbeit vor der internationalen ()Öffentlichkeit und ihren Organen, wie dem Völkerbund, dem Roten Kreuz usw. Die katastrophale Auswirkung der Wirtschaffsentwicklung in den Ländern Mittel- und Osteuropas auf das Schicksal der Juden behandelte das Referat von Jakob Lestschinskv. Der Redner ging davon aus, daß die Frage der nationalcn Existenz des jüdischen Volkes durch drei große Nachkräegsereignisse radikal beeinflußt worden sei: durch die Entstellung eines wirtschaftlichen Nationalismus; durch die Konfrontierung der jüdischen Minderheit mit den durch den Zerfall der großen Nationalitätenstaaten Rußland und Oesterreich zu herrschenden lokalen nationalen Mehrheiten _ gewordenen Völkern, die einen außerordentlich beschleunigten Kammerzialisierungs- und Verstädterungsprozeß durchmachen, sich eine eigene nationale Intelligenz schaffen, ein nationales Beamtentum, einen eigenen Mittelstand und so in sxhärfste Konkurrenz zu den Funktionen geraten, die jahrhundertelang in den betreffenden Ländern von Juden erfüllt wurden. Der Referent legte sodann die Abhängigkeit der wirfschaftlichen Lage der Juden eines Landes, von dem in dem betreffenden Land herrschenden Wirtschaftssystem dar. * In der Sonntagabend-Sitzung des Kongresses wurde der von dem vorbereitenden Komitee gefaßte Be- Schluß, Kommunisten vom Kongreß auszuschließen, mit allen gegen zwanzig Stimmen an geitomnttii. Es haben sich eine Anzahl von Fraktionen im Kongreß gebildet, deren größte die amerikanische Delegation mit 80 Mitgliedern ist. keiten des arabischen Volkes nicht beeinträchtigt oder darüber, wie die Erfüllung gestaltet werden muß, um den berechtigten Interessen der Araber Rechnung zu fragen. Eine Darstellung der Entwicklung, w׳ie wir sie für eine lange Reihe von Jahren wünschen und erwerten — verknüpft mit dem Hinweis auf die cntscheidende Funktion, die der Mandatarmacht bei den jetzigen Gegebenheiten für die nächsten Jahre zufallen wird, und auf den wachsenden Anteil an der Macht, den die beiden Staatsvölker Palästinas im Laufe der Jahre erlangen können und sollen. IV. Wenn das Aktions-Comitd der Zionistischen Organisation und das Administrativ-Komitee der Jewish Agency in den nächsten Wochen zusammentreten, so haben wir den Wunsch, daß ihre Beratungen von einer politischen Haltung bestimmt sein möchten, wie sie hier skizziert worden ist. Die schier unlösbar erscheinende Aufgabe, ein konstruktives politisches Programm aufzustellen, wird sich dann meistern lassen. Konstruktiv ist ein Programm dann, wenn es auf einer Gesamt- Vorstellung von dem Aufbau des Jüdischen Nationalheims und von dem Zusammenleben der beiden Völker beruht und wenn jeder seiner Vorschläge die Rück- Wirkung auf die Gesamtbevölkerung des Landes mit berücksichtigt. Nur ein solches Programm und gerade ein solches Programm hat Aussicht, sich — früher oder später — durchzusetzen. Ilauptschriftleitcr: Dr. Robert \V e 11 s c h, Berlin - Charlottenburg 9 (auch verantwortlich für die Aufnahme von Bildern). Stellvertreter! Kurt Loewenstein, Berlin W15• Anzeigenleiter und verantwort* lieh für (len Inhalt der Anzeigen: Hermann F i n n, Berlin VV 15. Gültig Anzeigen - Preisliste 5 vom 1. April 1936. Verlag und An* zcigenvei Wallung: Jüdische Rundschau, Berlin W15, Meinekestr. 10. D.-A. Juli 35 077. — Druck: Siegfried Scholem, Berlin-Schöneberg* ו