Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 63 (7.8.1936)
- Date
- 1936-08-07
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 63, 7. VIII. 1936 JODISCHE RUNDSCHAU Seile 13 Keren Hajessod-Siedlungen liefern Lebensmittel Hie Lebcnsmitlelmärhtc in den Städten Erez Israels haben Beit dt Monaten ihr Antlitz völlig verändert: Seit die arabischen Fellachen teilweise aas freiem Entschluß, in den meisten Fällen aber unter dem Druck der Streikkomitees aufgehört haben, die jüdische Stadt zu beliefern, hat die ״Tnuva h", die Produktionsgenossenschaft der Keren Hajessod-Siedlungen, die Märkte voll und ganz erobert. ■t.ien v0m ^cren Hajessod geförderten Siedlungen, wie Kibbuz Brenner, Giwath Haschloschah und anderen, ist der Anbau von verschiedenen Gemüsesorten nicht etwa in hescheidenein Ausmaß gewachsen: er ist vielfach verdrei• facht und vervierfacht worden! Und während in diesen schweren Tagen die jüdischen Jungen im ans Irengenden und gefahrvollen, Wachtdienst der Nächte die jüdisehen Positionen verteidigen, helfen sie am Tage den Mädchen bei einer wichtigen Aufgabe: bei der V ergrößer ung der Ge nt äse Produktion für die endgültige Eroberung des jüdischen Marktes. Der große und moderne Aquädukt, welcher erst vor kurzer Zeit mit Hilfe des Keren Hajessod bei Giwath Haschloschah errichtet wurde, und verschiedene neue Bewässerungsanlagen der letzten Wochen licfern das nötige Wasser. Und täglich werden auf dem Markt von Tel-Awiw, Jerusalem und Ifaifa viele Hunderte von weißen Kistchcn geöffnet, in weichen prächtige Tomaten, Gurken, Eierfrüchte und andere Gemüsesorlen, wie auch die ersten Trauben, Edclpflaumen ustu. in der reinlichen Ver• Packung der Tnuvah und mit dem Stempel der Keren Haiessod-Sicdlungen den jüdischen Käufer einladen. Auf dem neu erweiterten Bahnhof von T cl Aw iio treffen dreimal täglich die Züge ein und bringen Lasten von Lebensmitteln aus den entfernteren Siedlungen, und auf der ״G e m ü s e b ö r s e“ in Tel-Awiw drängen sich die Mahler, die noch vor kurzem nicht wissen wollten, was ״Tnuvah“ ist! Noch sind die stürmischen Tage nicht vorüber. Eine der wichtigen Aufgaben der nahen Zukunft aber muß es sein, die Möglichkeiten für eine vervielfachte Lebensmittel Produktion durch die jüdischen und besonders durch die Keren Hajcssod-Siedlungcn zu schajjen. Dadurch werden Tausende von neuen Einwandererfamilien eine Existenzmöglichkeit finden. J. G. (Jerusalem} n . ,;'•i . « ft »» *V' Hie Betvüsserangsmethoden für die Gemüsefelder der KH-Siedlungen werden verbessert;;***• '•'V " י' «ST ' W i T* Bf - r ' J ־;.-.י.*•&’ . Jv •Wll . -y \ ״, * Gemüse- und Milch-Transporte aas den KH-Siedlungen in Tcl-Awka ׳■ ־ ׳i ‘ 1׳ '0 ־; Tomaten und Gurken in der KH Siedlung Giwath Brenner werden sortiert und für den Markt von Tel-Awiw verpackt Auf dem erweiterten Bahnhof von Tel-Awiw werden Gemüsetransporte am Samaria atUSgeladen Foto»; Hereo ilujeitod. Rückblick auf die Musiksaison Von unserem Berichterstatter Tel-Awiw, im Juli 1936 Die Tel-Awiw er Konzert-Saison 1935/36 ist beendet und mit ihr eine wichtige Periode des palästinensischen Musiklebens, deren Wert nicht unterschätzt werden darf. Die neue ״Palästinensische Orchester-Vereinigung (Griinder: Bronislaw Huberman)“ hat ihr Hauptbüro in Tel-Awiw eröffnet, mit der Eintragung von Mitgliedern begonnen und die Abonnements aufgelegt für ihre erste Saison, die im November d. J. beginnen wird. In Palästina selbst sind 26 Konzerte vorgesehen (10 in Tel-Awiw, je 8 in Jerusalem und Haifa), deren erste von Arthuro Toscanini dirigiert werden werden. Nach Toscaninis Abreise werden Jssay Dobrowen, H. W. Steinberg und Michael Taube, die mit gleichen Rechten bereits fest engagiert sind, die Stabführung übernehmen. Da im Stadtinnern Tel-Awiws bis heute sich kein Konzertsaal befindet, der internationalen Ansprüchen in bezug auf Akustik und Bequemlichkeit genügen könnte, werden einige nebeneinander liegende Pavillons auf dem Gelände der Levante-Messe eigens für diesen Zweck umgebaut. Es werden dort zirka 2500 Sitzplätze geschaffen werden. Mit diesen Arbeiten, insbesondere der akustischen Verbesserung der Räume, ist bereits begonnen worden. Im Oktober 1933 veröffentlichte eine damals neu gegründete ״Palestine Philharmonie Society“ mit Dizengoff an 3er Spitze einen ersten Aufruf zur Schaffung einer philharmonischen Gesellschaft in Erez Jisrael. Wenn wir heute, nach drei Jahren, kurz vor dem ersten Konzert des neuen ör- Chesters stehen, so ist das in erster Reihe der geradezu fan.1tischen Hingabe und Opferbereitschaft Hubermans zu danken, dessen Traum vom ״Orchester der Konzertmeister in Palästina“ damit in Erfüllung geht Nicht minder wichtig aber War es, den Boden für die Aufnahmewilligkeit der breiten Massen zu bereiten. Und in dieser Hinsicht ist neben Huberman — dessen ideelle und materielle Hilfe, die auch in den letzten zwei Jahren ungeheuere Erleichterungen schaffte — vor allem den Männern zu danken, die im Lande selbst organisatorische oder künstlerische Arbeit leisteten, aus dem Nichts ein Orchester schufen, das uns in zwei Musikwintem den Genuß von auf sehr beachtlicher Stufe stehenden Orchester- Konzerten verschafften. Im Dezember 1933 konnten wir über das erste Tel- Awiwer Symphonie-Konzert (damals unter dem Dirigenten J. D. Jacobson) berichten (s. Nr. 98 Jahrg. 33 der ״J. R“). Um die Jahreswende 1933/31 umritt Huberman, gelegentlich seines Aufenthaltes in Erez Jisrael, bereits einen festen Plan für die Neuformung des Orchesters, wie er jetzt zur Realisierung kommt (s. Nr. 16 Jahrg. 34 der ״J. R.“) und erkannte die hohe Bedeutung der damals geleisteten Musikarbeit — als Vorbereitungsstadium — an. Die Konzerte nahmen teils unter Wolfgang Fricdländer, teils unter Führung von Gast-Dirigenten, ordnungsgemäß ihren Fortgang. Einer dieser Gastdirigcnten war Michael Taube, der mit einem Streichkonzert einen grandiosen Erfolg erzielte. Daraus resultiert eine Beruf urig Taubes für 10 Orchester-Konzerte in der Winter-Saison 1931/35. Unter seiner Leitung ist das Orehester wie verwandelt. Das Eröffnungs-Konzert mit Bectbovens Fünfter Symphonie ist ein überaus geglückter Auftakt. Gegen Schluß der Saison wurde unter Taube erstmalig in Palästina ein Programm aufgefiihrt, das ausschließlich dem Schaffen jüdischer Komponisten (Rathaus, Toch, Sternberg, Bloch, Mendelssohn, Mahler) gewidmet ist. Die Saison 1935 36 begann im Oktober mit einem interessanten Konzert unter Professor Edtnond Zygman als Gast: Nach Hubermans Gastspiel trat im Dezember Taube wieder erstmalig ans Pult. Es folgten sieben weitere Konzerte, von denen insgesamt zwei unter Leitung von Wolfgang Friedländer standen, alle anderen unter Stabführung von Taube. Von den Solisten, der in materieller und künstlerischer Beziehung überaus zufriedenstellenden Saison sind u. a. zu erwähnen: der Pianist Bruno Eisner, der Geiger Rudolf Bergmann (zukünftiger Konzertmeister des neuen Orchesters), die Sopranistin Elsa Jülich, die Cellistin Thelma Yeilin und die Pianistin R. Burstein-Arber. Konzertmeister — und Solist einiger Konzerte — war Sascha Parnes. Unter Fordhaus Ben Zisi kam — außerhalb der Reihe der philharmonischen Gesellschaft — Beethovens .,N cunte S y m p h o 11 i c“ heraus, unter Mitwirkung des Oratorium- Chors, mit dem der gleiche Dirigent in der vorausgegangenen Saison Haydns ״Schöpfung“ zur Aufführung gebracht hat. Es würde zu weit führen, im Rahmen dieser Rückschau nochmals die Namen der hervorragendsten Werke oder Kornponisten aufzuführen, die zur Aufführung gelangten. Hingegen ist noch ein Bericht über die beiden letzten Konzerte der Saison nachzutragen: Unter Friedländer hörte man die D-dur־(Haffner-)Svmphonie von Mozart und Smetanas Ouvertüre zur ״Verkauften Braut“. In zwei Arien, von Mozart (Don Juan) und Verdi (Othello) sowie in Mahlers ״Lieder eines fahrenden Ge-• seilen“ stellte sich der Budapester Bariton Dezsö L i g e t i 1«■■ — ״■...■*־ .■״*־■ *— *— .’■*׳■ —״ ■ vor. iigeti verfügt über «n besonders schönes Timbre. Seine Tongebung ist sauber und technisch einwandfrei, der Um«' fang des Organs jedoch nicht sehr groß und für akustisch so ungünstige Räume wie den Ohel-Shem Saal nicht ausreichend. Das Orchester war teilweise viel zu laut und besonders bei! den Mahler-Liedern von einer allzu großen Selbständigkeit. Das Abschluß-Konzert unter Taube brachte das Branden*! burgische Konzert Nr. 6 von Bach, das ein wenig dünn klang;, Dafür entschädigte reichlich Mozarts O-inoll-Svmphonie Nr. 2! und vor allem Hindemiths auf peitschende Tanz-Suite ״Dämon“,־ hervorragend interpretiert. Elsa Jülich sang mit viel Kraft! und Ausdruck Beethovens Arie der Leonore aus ״Fidelio“,! sowie Lieder der palästinensischen Komponisten Rrandmarutj und Sternberg. Rrandmann erweist sieh besonders mit der Vertonung von Bialiks ״Es fiel eine Träne“ als beachtliches lyri-l sches Talent. Auch Sternberg gelingt eine sehr ansprechende־ Komposition des Rilke-Gedichts ״Du, der ich’s nicht sage“.־ (Die hebräische Uebersetzung des Gedichts im Programm! ist gänzlich danebengelungcn.) Die Vertonung eines Morgeni sterischen Kindergedichts' macht sich Sternberg jedoch ein! wenig zu leicht. Am Schluß des Abends ging starker Beifall,־ den Taube nicht nur auf Konto dieses Abends buchen kann,. sondern als Daiikesäußerung für eine im Laufe von zwei Jahren unter schwierigsten Verhältnissen geleistete fundamentale und überaus erfolgreiche Arbeit, die in den Annalen der palästinensischen Konzertgeschichte unvergeßbar verzeichnet bleiben wird. Nicht weniger hingebungsvoll war die Arbeit jedes einzelnen der Orchcstcrmitglieder, von denen ein wesentlicher Teil in den neuen Klangkörper mit auf genommen werden wird. Die ״Philharmonische Gesellschaft‘‘ hat ihre — im Sinne Hubermans vorbereitende — Arbeit ehrenvoll beendet. Die neue Saison steht vor der Tür. Man darf ihr die günstigsten Prognosen stellen. _ Manfred Geis Die arabische Zeitung ,,Feie st ine“ hat ein Bilderheft im Umfang von 44 Seiten unter dem Titel ״Die Palästina-Frage“ veröffentlicht. Das Fleft enthält Bilder und Karikaturen, die seit Beginn der Unruhen in der Zeitschrift ״Palestine“ erschienen sind, mit einer kurzen Beschriftung in arabischer und englischer Sprache. Die Tendenz ist offenkundig die, die britische Politik als einseitig projüdisch und gegenüber den Arabern ungerecht hinzustellen. Die Herausgeber fordern dazu auf, diese Broschüre als Propagandamittel in englischen Kreisen zu benutzen und möglichst weit zu verbreiten. ׳1 1