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Jüdische Rundschau · 1936-08-04 · Heft 62 (4.8.1936) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 62 (4.8.1936)
Date
1936-08-04
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 62 4. VIII. 1936 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 5 Um Zions willen . . . Jizchak Fritz Baer, Galuth. Bücherei des Schocken Verlages, 61. Martin Bubcr, Zion als Ziel und Aufgabe. Gedanken aus drei Jahrzehnten. Bücherei des Schocken Verlages, 62. Noch ist der Tiscliah he Aw nicht lange vorbei; noch liegt aut meinem Tische das abgegriffene und zerlesene Buch der Kinoth (Klagelieder), aus dem schon mein Vater und mein Grollvater an diesem Tage gelesen haben — und das, wie es manchem von uns schien, gerade in diesem Jahre wieder in unheimlicher Glut aufflammte — mit seinen Klageliedem von Jirmejahu an bis zu den rheinischen Märtyrern, zu dem unsterblichen Zionsliede des Jchuda Halevi und endlieh der volkstümlichen Weise, die aller Stimmen vereinte —- Zions Klage ״gleich dem Weib in Kindesnot und der jungtrau Trauerlied um den toten Jugendfreund“. Zu diesem dunklen Liederbuche, das Tränen und Trauer vieler Geschlechter in sich eingesogen hat, haben sich in diesem Jahr — in den Trauerwochen zwischen dem 17. Taitimus und dem 9. Ab — aut dem Tische zwei helle, schmale Bändchen geseilt. Gelb das erste, in die verfemte Judenfarbc des Mittelalters gehüllt; blau und weih zeigt das andere, jene Farben, die aus viel älterer Zeit vielleicht vom Banner der Juden strahlten. In diesen beiden Bündchen ist alles enthalten, was aus dein schwarzen Buche der Kinoth sprach; aber nicht Lieder und Gesänge tönen daraus an unser halb nur geöffnetes Ohr. Sondern Jizchak Fritz Baer, der־ Historiker der Universität in Jerusalem, legt in streng sachlicher Darstellung die Geschichte der Galuth-Vorstelhingcn seit dem spätantiken Judentum bis auf unsere Zeit dar; und Martin Buber, der aus einem Mitkämpfer zum Lehrer wurde, zeigt uns in einer knappen Auswahl seiner Gedanken aus drei Jahrzehnten, wie Zion, unser Ziel und unsere Aufgabe, nicht ein Allmveltsheim ist, das man auf dem Allerweltswege erreicht, sondern wie wir das echte Zion als Ziel nur erreichen können, wenn wir soviel davon als wir vermögen schon in den Weg, in die Aufgabe, aufgenommen haben. Es handelt sich in dem Buche von Jizchak Fritz Baer nach dem eigenen Ausspruche seines Verfassers nicht um Ideengcschichtc und nicht uni ein religiös-geschichtliches Problem tun seiner selbst willen. Dies Buch betrifft die ganz realen Lebensfragen der Ursachen, der Fortdauer und der Aufhebung der Galuth. ״Um das Schicksal eines Volkes zu verstehen, muß man zuerst wissen, wie das Volk selber sein Schicksal, sein Verhältnis zu Gott und zur Geschichte verstanden hat.“ Diesen Leitsätzen folgend beginnt der kundige Führer damit, uns zunächst das Geschichtsbild der Spätantike zu zeichnen: noch stand der zweite Tempel, und doch enthüllt sich schon jetzt das Bild der Galuth, die nicht nur Strafe und Verbannung, sondern auch Aufgabe ist: die ganze Menschheit soll zur Erlösung geführt werden. Ziel aber bleibt schon jetzt — und dann durch die Jahrhunderte: Einheit von Volk und Land, von Gott und dem Volke, das er zu seinem Heimatboden zurückführt. Das bleibt in aller Not der Jahrhunderte das unverrückbare Ziel. Jehuda Halevi erkennt es in seinem Kusari und in seinen Zionsliedern; und ebenso Jizchak Abravanel, der jüdische Politiker, der zuerst die Bedeutung des jüdischen Volkstums für die jüdische Geschichte erkannt hat. Aber auch die Aufklärung bleibt zunächst noch dieser Einheit treu, wenn sie die Anfänge einer apologetisch gerichteten Wissenschaft des Judentums aufstellt. Schelomo ibu Verga und Jchuda Arje Modena fügen diesen Erkenntnissen eine scharfe Kritik des jüdischen Volks- Charakters hinzu. Aber keiner von ihnen allen entzieht sich der Hoffnung, unter der ihr ganzes Leben stand: Aufhebung der Galuth durch den Boten der Erlösung, den Messias. Erst spät und nach langem Widerstreben setzt sich die Mahnung durch, daß man ״die Liehe nicht vorzeitig wecken soll“, wie man es mit einem Worte aus dem Hohen Liedo bezeichnet — daß man das Gottesreich nicht mit Gewalt herbeiführen soll. Moses Mendelssohn bekämpft mit diesem Worte die Botschaft von irgendeinem der ,.falschen Messiassc“, die nichts anderes verkörpern als die immer erneute Hoffnung eines jeden jüdischen Geschlechts auf Erlösung — in jeder Epoche tragen sie ein anderes Gewand, aber in keiner Epoche fehlen sie ganz. Derselbe Mendelssohn, den man wohl als Hort der Missionslheorie des Judentums angesprachen hat, verzichtet mir mit eigener tiefer Bitterkeit und Verzweiflung, weil er dem jüdischen Volkscharakter die Fähigkeit zum Handeln nicht mehr zutraut, auf die nationale Zukunft in Palästina, die ihm mit hoher Wahrscheinlichkeit damals in dem Plane eines geheimnisvollen Unbekannten, des ״Mannes vom Stande“, vorgelegt wurde. Und selbst mitten in der Assimilations-Ideologie des 19. Jahrhunderts konnte Der Erzähler Zangwill Israel Zangwill ist vor zehn Jahren gestorben, und heute, bei der jungen Generation, so unbekannt, als wenn er zehnmal zehn Jahre tot wäre. Schade, denn die junge Generation bringt sich so um einen schönen Genuß. Es ist ein Vcrgniigen, Zangwill zu lesen. Seine Bücher haben heute noch den spritzigsten Humor in sich, seine Juden sind viv, klar, hell erfaßt und mit wenigen Strichen frappant gut gezeichnet. Dabei ist nicht zu verkennen, eine wie problematische Natur Zangwill auch als Erzähler gewesen ist. Alle jüdische Zerrissenheit ging durch seinen eigenen geistigen Habitus. Der Gegensatz /.wischen Ost und West, Judentum und Europa, Ghetto und Emanzipation, Sephardim und Aschkenasim war ihm drückend bewußt, und cs gelang ihm nicht immer, die Kontraste, scheinbar spielend, in tragikomischer Erfassung zu überwinden. Vielleicht hatte Zangwill den Plan, eine große Comfklic humainc des Ghetto zu schreiben. Aber sei es, daß ihm der Hang, sei cs, daß ihm der Atem für eine dermaßen umfassende Konzeption fehlte, — jedenfalls gab er nur ein großes Mosaik aus vielen kleinen Ghetto-Komödien, Ghetto- Tragödien, historischen Miniaturen, Humoresken, Grotesken und Skizzen. In diesen aber ist er geradezu ein Klassiker der G h e 11 o - Li t c r a 111 r. Ein Naturalist von Rang und Ruf auch innerhalb des englischen Schrifttums und somit der Weltlitcratur, bleibt er der Entdecker Whitechapels. Er ist es weit besser, als beispielsweise sein Zeitgenosse Franzos das galizischc Ghetto entdeckte. Audi Zangwill muß man einen Maskil/• einen Aufklärer nennen, aber seine Tendenz: Heraus aus dem Ghetto, sein Hang zur Beschreibung der Wirklichkeit dieses Judentums mit allen ihren Feldern macht ihn doch nicht einseitig. Sein Ideal ist mehr als nur Liberalismus, der religiöse und vor allem der nationale Fundus im Hintergrund seiner Art, die Wirklichkeit zu sehen, macht seine Erzählungen stolzer, gehaltvoller, humorvoller als die aller anderen westlichen Ghetto-Beschreiber. Selbst seine naturalistische Darstellungsweise ist glücklieber als die allgemeine dieses Genres. Man hat als das große Vorbild seiner in höheren Kreisen spielenden Romane D'Israeli genannt, aber seine Ghetto-Geschichten hatten ein fruclitbareres und glücklicheres Vorbild in ihrer Art, die Wirklichkeit mit all ihrer Kraßheit und doch mit Distanz, mit Geiassenheit, ja mit Lachen zu spiegeln: Dickens. Diese jüdischen Prahlhänse, armen Teufel, Geizkragen usw. sind nicht bloß als Bewohner von Whitechapel Nachbarn der Dickenssehen Figuren. Wie um ihre Welt historisch und geistig zu unterbauen und fester zu gründen, hat Zangwill die ״Träumer des Ghetto“ neben sie gestellt, die Uriei Acosta und Sabbatai Zwi, Spinoza, Maimon, Panischem, Mendelssohn, Heine und manche andere. Audi liier blieb er der Erzähler, dem die innere Logik des Lebens manchmal wahrer erscheinen muß als die zufällige Folge der historischen Tatsachen, und eben daraus darf man wohl auf eine große innere Gesanttkonzeption im Lehenswerk Zangwills schließen. Von all seinen Erzählungen ist ״P e r König der Schnorrer“ sicherlich die gelungenste. Es ist eine historischc Miniatur, aber mit Figuren, die nicht ״historisch“ sind; aber sie haben die reizvolle Patina des 18. Jahrhunderts, und während sonst alle judengeschichtcn, die in früheren Zeiten spielen, nur Judennot, Verfolgung und Pathetik enthalten, gibt es liier mir i lumor, ohne daß irgendeine Wirklichkeit darum verfälscht wäre. Der Kontrast zwischen Sephardim und Aschkenasini wird hier wohl zum ersten und einzigen Mal 111 der Literatur wirk-!ich bildhaft: der große Schnorrer sieht neben dem kleinen Schnorrer wie Don (,)iiijote neben Sanclio Pansa. Und Manasse der Große ist der Koni;,; nicht allein der Schnorrer, sondern auch der jüdischen Schlemililc. I >as Schlemihi-Motiv, eine Art jüdischer und sehr aufi i. htiger Gegengabe für das iiichtjüdische Ahasver-Motiv in der Literatur, wiril liier zum erstenmal und mit großartigem 1 rfolg ins Optimistische und Positive gewendet. Man lacht über Seine• Majestät und hat Respekt vor ihr. Etwas Besseres kann man schwerlich von einer dichterischen Figur sagen. L. H. der Philosoph des Judentums, Hermann Cohen, den Glauben an den Messias, wie er ihn sah, nicht preisjjebcn. ״Ich hoffe doch noch, den Anbruch der messianischen Zeit zu erleben!“ ״Ich fuhr zusammen vor dieser Gewalt des ,Bald, in unseren Tagen‘", fügt Franz Rosenzweig hinzu, dem wir diese Erzählung verdanken. So stark war selbst in diesem ״Gläubigen des falschen Messias des 19. Jahrhunderts“ die Ueberzeuguiig von der Endlichkeit, der Aufhebbarkeit der Galuth. Mit andern Worten —- und das ist der Grimdton des überreichem Baersehen Buches: die Ueberzetigung, ״daß es eine Macht gibt, die das jüdische Volk über allen kausalgeschichtlichen Zusainincuhang erhebt Gleiche Ueberzeuguiig wie aus dieser historischen Darlegung strömt aus den alten wie den neuen Worten Martin Bubers. Wer die drei Jahrzehnte, aus denen sie geschöpft worden sind, bewußt miteriebt hat, der weiß von der aufpeitschenden Wirkung, die damals von Bubers ״Drei Reden über das Judentum“ ausging. Aehnliehe Wirkung auf die Jugend unserer Tage könnte diesem altnenen Bändchen heute beschiedcn sein. Denn es gibt den Weg, die ״Drei Stationen“, um die Wandlungen innerhalb der Einheitlichkeit zu kennzeichnen; und es gibt das Ziel, die Idee des ״Nationalismus“, die Bubers Kongreßrede aus dem Jahre 1921 in ihrer Reinheit darstellt: ausgerüstet mit dem Bewußtsein einer einzigartigen Geschichte und einer einzigartigen Verpflichtung — vom l iebcrnationalen her allein zu fassen und ins liebernationale hinweisend — durch jene Gewalt, die das Judentum zu mehr als einer Nation macht, ״durch die dem Volkstum verbundene Giaubensordnung“. Bertha Badt-Strauß Die Gesellschaft der Freunde des jüdischen Theaters in Lodz veranstaltet ein Preisausschreiben für ein Theaterstück, Tragödie oder Komödie, ״sozial-gesellschaftlichen Charakters“; erster Preis 200 Zlotv, zweiter Preis 100 Zloty. Literarische Notizen Zu dem von uns in der vorigen Nummer veröffentlichten Bericht ״Shakespeaie vor Gencin״ wird uns mitgeteilt, daß H e r m a 11 11 Sinz 11 e i 111 e r zur Zeit an einem Buche .,S!1 y - lock — die Geschichte einer Figur oder der Mythos vom Juden“ arbeitet. Der jiddische Dichter iE Leiwik veröffentlicht ein neues dramatisches Gedicht in drei Akten ,,Abälard und Heloisc“ in den New-Yorker ״Sninmel-Biicheril“. Eine neue Ueberset/ung von Theodor Hcrzls ״J u - d e 11 s t a a t" ins Jiddische ist im Verlag P. Jakubsohn in Warschau erschienen. Mehrere polnisch-jüdische Organisationen haben gemeinsam das neue Werk des auch in Berliner jüdischen Kreisen bekannten Professors Fische! Sclineiirsolm ״Juden und V ö 1 k e r - P s y c h o I o g i c“ hcrausgegebeii, Jehuda W a r s c 11 a w i a k ist der I lerausgeber eines Buches ״P o I e n“, das in hebräischer Sprache eine Anthologie polnischer Dichtungen enthält. Einige Kuriositäten: In ,,Le Judaisine Sephardi“, Paris, erzählt Biclinki in einer Kritik einer jüdischen Kunsta tt s s t e I 1 u!1 g, Picasso hätte einen Kritiker gefragt, ob dieser in seinen Bildern etwas Jüdisches finden könnte; worauf der Kritiker antwortete: ,.Gewiß, Ihr Kubismus ist nichts als talmiHlistisdier PilpuP“ In der indischen ״Jewish Tribüne“ wird seit Monaten eine Diskussion darüber geführt, ob man den indiseh-jüdisehen Brnecli, einander am Ssimchatli Thora mit wohlriechendem oder auch gewöhnliebem Wasser zu besprengen, absehaffen solle oder nicht. — Eine italienische Monnissi. hrii't bringt 11. n. Bilder von Rabino Aldo Sonino, dem ״jüdischen Chaplin von Abessinien“. Nachdruck verboten Das Licht der Tora Von S. ,1. A g n o n Die אacht ist zum Lernen erschaffen (Ltuwin 65[ Korolewki ist eine Stadt, klein wie die hohle Hand eines Mannes, und nur wenige Menschen wohnen durin. Die Häuser sind Lehmhäuscr; dicht aneinander gedrängt, gebückt, beengen sie nicht die Schritte der Sclicchina. Und würden die Stimmen der Kinder, Gott behüte, nicht gehört, die in den Schulhüusern ־zwitschern, und das Seufzen Israels über die Sorge des täglichen Brotes, über Steuern und Lasten, man käme gar nicht aut den Gedanken, daß der Ort bewohnt ist. Ein Haus aber gibt es in Korolewki, ein ansehnliches Haus, das hat sogar einen Söller. Es ist das Haus von Rabbi Ascher Baruch. Rabbi Ascher Bantch ist der Reichste in der Stadt. Rabbi Ascher Baruch — Geld und Besitz hat er in seinem Hause, und die Tora hat er inwendig. Ein Gelehrter ist er und reich an Gütern — Tora und irdische Größe in einem. Darum ist sein Haus ein ansehnliches Haus, höher als alle Häuser der Stadt — obwohl der Besitzer selbst gebeugt ist, gebeugt vom Joch der Tora. Und so ist es mit dem Haus beschaffen: unten sind der Laden lind die Küche, oben im Haus aber, im oberen Stockwerk sitzt Rabbi Ascher Baruch über Tora und Gebet, sinnt er über die Lehre Tag und Nacht. Indes seine Frau, eine treffliche Frau, sich mit dem Handel abgibt, ihr Haus versorgt in Ehren, sitzt Rabbi Ascher Baruch in seiner Kammer über I'ora und Gebet. Für eitlen Zeitvertreib hat er keinen Sinn. In den Handel mischt er sich nicht ein, wie es eben so üblich war in jenen Tagen. Nacht für Nacht, die ganze Nacht sitzt Rabbi Ascher Baruch beim Schein der Kerze und lernt. Und die Kerze steckt nicht in einem silbernen Leuchter oder in einem Leuchter aus Zinn, nicht in einem irdenen Gefäß und noch nicht einmal in einem Loch in der Tischplatte, sondern sie steht aufrecht zwischen seinen Fingern. Die Tora schwächt die Kraft des Menschen, der Schlaftrieb bemächtigt sich derer, die sich um sie mühen, und es ist zu fürchten, daß er vielleicht einschliefe, vielleicht ein wenig einnicke — darum hüll ©r das Licht zwischen seinen Fingern; selbst wenn ein wenig Schlummer über ihn kommt, oder er gar einschläft, sobald die Flamme seine Finger berührt, wird er sogleich wieder munter werden und sich zum Dienst am Schöpfer erheben. Korolewki ist eine Stadt nahe an der Grenze, sie liegt an der J.andcsgrenze. Und wie es so ist, gibt es Zoll- Schmuggler darin, die die Rinder von einem Land zum anderen herübcrschaffen. Und in der Nacht, wenn der laute I.ärm draußen verstummt und kein Mensch mehr in den Gassen ist, dann ziehen sie hinaus, überschreiten die Grenze und kehren von dort wieder zurück, sie mitsamt ihrem Vieh. Nacht für Nacht treiben sie so ihr Werk, treiben ihr Werk in der Dunkelheit, damit die Zollwüchter es nicht merken. Nur das Licht des Rabbi Ascher Baruch, das aus dem lenster seines Söllers zu ihnen hinüherblinkl, dient ihnen Hs Leuchte und führt sie auf den Weg zur Stadt. Diese Tora, weiträumig ist sie, grenzenlos. Nacht für Nacht, die ganze Nacht sitzt Rabbi Ascher Baruch beiin Schein der Kerze und beschäftigt sich mit den Worten der Tora. Doch auch der Trieb inn Herzen der Menschen kommt nicht zur Ruhe. Weiler als die Unterwelt ist die Gier nach eingebildeten Reichtünicrn, und Nacht für Nacht, die ganze Nacht, ziehen die Schmuggler aus, überschreiten die Grenze und treiben die Tiere. AVenn er seinen abendlichen Dienst beginnt, beginnen sie ihr dunkies Gewerbe. Kommt die Dämmerung, dann erlicht Rabbi Ascher Baruch sich von einem kurzen Nachmiüagsehlaf, geht in Schul, betet Minclia und Maariw. Hat er sein Gebet beendet, kehrt er nach Hause zurück, nimmt eine Kleinigkeit zu sich, trinkt einen Schluck, um die hundert Segcnssnrüchc des 'Enges voll zu machen und seinen Leih für die Tora zu stärken, geht dann hinauf in seine Kammer, reibt sich seine Augen mit einem feuchten Tuch ab, und dann bringt seine Frau ihm ein paar Kerzen, damit sic ihm in der Nacht leuchten zur Lehre des Schöpfers, gesegnet sei Er. Zur selbigen Stunde versammeln sich alle Schmuggler von Korolewki und kommen hervor, abteilungsweise, rotten weise. Manche von ihnen gehen zu den Grenzwiiehtern und trinken mit ihnen Branntwein, w׳cil das Trinken schläfrig macht, andere wieder umwickeln ihre Füße mit Stroh und Lumpen und reiben ihr Brot mit Knob-!auch, weil der Knoblauch die Eingeweide erwärmt, und 80 golien sie hinaus, an ihre Arbeit. So geht es viele Jahre. Rabbi Ascher Baruch ist alt geworden, aber seine Tora hat er nicht vernachlässigt. Seine Kraft ist wie ehedem. Die Nacht ist zum Lernen erschaffen. Es ist eigentlich nur eine geringe Aenderung eingetreten, die, daß seine Frau ihm jetzt dünne Kerzen bringt. So sagte nämlich die Frau von Rabbi Ascher Baruch zu sich: Mein Ascher Baruch, er soll leben, seine Hände sind schwer vom Aller, seine Finger beginnen zu zittern, vielleicht könnten sie die schweren Kerzen nicht mehr hallen. Aber im Wesentlichen hat sich nichts geändert. Rabbi Ast her Itaruch ist Rabbi Ascher Baruch, und das Licht ist das Licht. So wie das Licht immer weiter brennt, so strahlt auch er immer weiter. Nacht für Nacht, die ganze Nacht sitzt Rabbi Ascher Baruch und lernt, und die Grenzscluiuipgler passieren die Grenze, ßrmgen die Grenzwächler zum hn hss eigen, sic gehen ein ׳/weites ״Mal über die Grenze, kehren in die Stadt zurück und Uciben ihre Tiere — bei seinem Licht. Doch keine Krall reicht für ewig. Die Bestimmung aller Menschen erreicht jeden Menschen, wie alle Menschen sterben, muß auch Rabhi Ascher Baruch sterben. Rabbi Ascher Baruch stirbt und gellt den Weg allen Lebens, Nacht für Nacht, die ganze Nucht hat er dagesessen und •sieh mit eien 'Fora abgegeben. Die!.ehre wich nicht aus seinem Munde, bis zum Tag seines Todes wich sie nicht aus seinem Munde, aber in der Nacht seines Scheidens konnte er sich mit der Tora nicht mehr abgehen. Die Krankheit bekam Gewalt über ihn, und die Kraft wurde ihm genommen. Man bracht© ihn in die Y\ inter- Stube hinab und legte ihn auf das Bett. Seine Kerze brannte nicht. Eine Gruppe von Zollsehmugglern zog aus und fand den Rückweg nicht mein־. Sie irrten die ganze Nacht umher, ihre Wohnstätte fanden sie nicht. Sie irrten die ganze Nacht bis zum Anbruch des Morgens. Als der Morgen anbrach, erblickten sie den Ort in der Ferne. Da gingen sie und kehrten heim. Als sie alter w iederkamen, traf sie der Zorn ihres Herrn. F.r schrie sie an: Daß euch die Fingeweide aus dom Leibe treten, verfluchte Hiebe! was habt ihr getrieben die ganze Nacht? Ith dachte schon, ihr seid gefaßt worden, ein wildes 'Eier habe euch gefressen fort und davon mein ganzes Geld! Du sagten sie zu ihm: Herr, was sollen wir tun Wir irrten die ganze Nacht in wegloser Irre. Wir irrten die ganze Nacht und konnten unsere Stadt nicht wiederfinden. Und alsbald erzählten sie ihm, wie sic sonst zu gehen und zurückziikehrcn pflegten, wie das Licht stets leuchtete, und wie sie bei seinem Scheine gingen. Ein Licht war in der Stadt, und fiel seinem Scheine gingen sie, in dieser Nacht aller sahen sie kein Licht, und die Stad! blieb vor ihnen finster. Sie sagten: Das Licht von Korolewki ist, erloschen. Sie weissagten und wußten nicht, was sie weissagten. Es dauerte nicht lange, da verbreitete sieh die Kunde, daß Rabhi Ascher Baruch beimgegangen ist und erloschen das Lieht der Tora in Korolewki. (Aus dem 111. Hand der 111:111,1 i;,.:hen Gesammelten Schritten von S. J. Agixm [Schocken Verlaß|, übelsetzt von Max Grünewatd.)

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