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Jüdische Rundschau · 1936-08-04 · Heft 62 (4.8.1936) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 62 (4.8.1936)
Date
1936-08-04
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Saite 4 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 62 4. VIII. 1936 einer Reise Eindrücke Judentum und Zionismus in der Schweiz Wenn sich in der Schweiz nicht mehr jüdische Interessen und Probleme tiarsteilen würden als jene, die von den dort ansässigen Juden getragen und verkörpert werden, so wäre darüber leicht und rascli zu berichten. Es leben ja nur etwa achtzehntausend Juden in der Schweiz, die in der gesamten Einwohnerschaft weder numerisch noch durch ihre Verhaltungsweise be: :ulers auffallcn. Ihr Anteil am öffentlichen Leben der Eidgenossenschaft ist nicht nur seinem Maße nach verschwindend, sondern hat auch die Tendenz, im Schweizerischen zu verschwinden — dies um so mehr und mit um so größerem Erfolg, als die Juden überwiegend in den Städten wohnen und von dem so ausgeprägten schwcizcrisehen Wesen ihrerseits mitgeprägt werden. Einen Gegensatz, jedenfalls zwischen Scliweizertum und Judentum wird auch der geübteste und mißtrauischste Beobachter kaum feststellen können. Aber die Schweiz bedeutet für das gesamte Judentum der Welt ungleich mehr, als sich in dem Schicksal ihrer eingesessenen Juden ausdrückt. Wer die Geschichte des Zionismus auch nur oberflächlich oder erst seit kurzem kennt, weiß, daß die Schweiz, der Schauplatz seiner wichtigsien Entwicklungen und inneren Kampfe gewesen ist. Der Zionismus hat in dein Land, das seine ereignisvollen Kongresse beherbergt hat und das in dem Völkerbundssitz Genf die Stadt großer zionistischer Hoffnungen auf die Zukunft in sich begreift, geradezu ein symbolisches Heimat- und ein reales Asylredit - ganz abgesehen davon, daß die Schweiz mit ihren drei Nationalitäten, die friedlich in einem Staat neben- und miteinander wohnen, als ein Vorbild für die künftige Gestaltung Palästinas aufgcfaßt werden darf, auch wenn man einer l'ehernahine der kantonalen Verfassung durch Palästina skeptisch oder ablehnten! gegcmiberstehf. Es gibt mir aclit/elmtauscnd Juden in der Schweiz, aiier es lebt in ihr ein großes Stuck jüdischer Vergangenheit und Zukunft. Um so vcrwunderiicht'1 und bedauerlicher ist es, daß das Gros der schweizerischen Juden in einem weitgehenden indiffereritisnuis belangen ist und die schweizerische Neutralitat soweit treibt, daß von Verbundenheit mit dem gesamtjudi-chen Schicksal nicht viel zu spüren ist. Man will dort auf der jüdischen Seife nicht viel von sieh reiten machen und ist leicht agriert darüber, daß jetzt soviel von jüdischem Dingen, Problemen uml Sorgen geredet wird. Man befurchtet von der Befassung mit den Existenzsorgcn der Juden aus dem Norden und Osten eine Ruckwirkung auf die eigene Existenz und sieht cs (!aiier nicht gern, da 15 der Teufet der jüdischen Not an die Wand gemalt wird. Aber dieser Teufel stellt schon nicht mclir als Bild an der Wand, sondern hat eine höchst reale Erscheinung und Gestalt angenommen. Das heißt: auch die Schweiz hat ihre antisemitische Bewcgimg! Wie wenig diese •auch darauf rechnen darf, eine offizielle Anerkennung und Bestätigung zu finden, so wenig läßt sieh ihr Vorschreiten und das Vorhandensein einer krypto-antisemitisehen Stimmung verkennen. Auch in der Schweiz fordert die Wirtschaftskrise ihre Opfer, und wo Opfer fallen, da stehen Ankläger auf, und diesen hin• wiederum bietet sich in der Existenz der wenigen reichen Juden Anlaß genug dar, um die jüdische Gesamtheit für Entwicklungen und Zustände verantwortlich zu machen, unter denen die Schweiz wie die ganze übrige Welt leidet. So werfen die Wolken, die über dem mittel- und osteuropäischen Judentum stehen, auch ihren Schatten auf die irmerschvveizcrische jüdische Existenz. Nun hat die Schweiz, zumal im Jahre 1933, einen wenn auch kleinen Teil der jüdischen Emigranten ans Deutschland aufgenomnien. Das hat den Wind in den Segeln der dortigen antisemitischen Bewegung, die in den ״Fronten“ organisiert ist, zweifellos verstärkt und natürlich damit auch die Sorge der einheimischen Juden um ihr eigenes Wohl. Man muß zugeben, daB die Schweiz mit ihren beschränkten wirtschaftlichen Möglichkeiten ein Recht hafte, sich gegenüber der Immigration von Juden mir als Durchgnngsland zu betrachten, und daß die schweizerischen Juden mit Geld- und anderen Mitteln nicht geizten, um ihren existen/Iosen Glaubensgenossrn weiter/uhelfen. Es hat wohl kaum ein jüdischer Flüchtling in der Schweiz: hungern (׳der um die Kosten für seine Weiforrci-c betteln mu-sai. Es waieii und sind Fonds genug vorhanden, die den Zwecken einer ersten Hilfe und der Weiterbeförderung dienten und noch dienen. Aber inan soll mein verkennen, daß gerade die Eornls fast wie eine Art Loskauf von riefergehendem persönlichem Interesse der schweizerischen Juden für ihre auf die Wander- Schaft geworfenen Glaubensgenossen wirkten. Plump gesagt: man wollte diese möglichst rasch wieder los sein und sich nichl tiefer mit ihnen ein lassen, als es das konventionelle Mitgefühl verlangte. Otc Uiiterstut/nngsfimds sollten keine Brücke, sondern eine Scheidewand biidui. i>.!-> ist der Grund, warum mancher Jude, der durch die Schweiz, hindurchegangen ist, an seine dortigen Glaubensgenossen nicht ohne itterkeit zurikkdrnkt. Dabei hat gerade die Schweiz von der jüdischen Emfgration aus Deutschland kulturell sehr viel Nutzen gezogen. Ans Kunst und Wissenschaft haben sich eine ganze Anzahl prominenter jüdischer Kräfte dem Geistesleben in der Schweiz dienstbar gemacht und es dart wohl behauptet werden, daß dieses dem Zustrom jüdischer Künstler und Gelehrter eine innere Bereicherung zu verdanken hat. Insbesondere ist es Zürich, dessen künstlerische Haltung und Leistung in den letzten drei Jahren aus jüdischen Quellen wesentlich bereichert worden ist. Man braucht mir einen Theaterzettel des dortigen Schauspielhauses anzusehen, das übrigens dem schweizerischen Juden Ferdinand Rieser gehört, um einen Berift davon zu bekommen. Namen wie Sybille Binder, Kaiser, teckcl, Horwitz, Wlach und manche andere sind ja in Berlin bekannt genug. Aehnlich verhalt es sielt mit den Programmen der Konzert- und Vortragssäle. Züricli kamt als Musik- und Theaterstadt mit fast jeder europäischen Metropole wetteifern, was cs seiner gediegenen alten Kulturtradition verdankt, durch die es in der Lage, ist, neue Kräfte und Einflüsse geistiger Art rasch fruchtbar zu machen und zu verarbeiten. Die jüdische Selbstbesinnung und Aktivität wird auch in der Schweiz vorwiegend, ja last ausschließlich von den Zionisten getragen und verkörpert. Sie fühlen sich als eine Kerntruppe der Bewegung und sind dies auch In der Tat, was ihnen freilich durch manche Umstande erleichtert wird. Deren wichtigster besteht, wie schon angedcutet, darin, daß das schweizerische Feld sozusagen zionistischen Heimatboden darstellt, der auch heute noch zu Erez Israel eine unmittelbarere Verbindung hat als die meisten anderen europäischen Linder, in denen die Judenfrage nicht oder noch nicht in ein akutes Stadium eingetreten ist. So klein die Schweiz und vollends ihr jüdischer Bcvölkerungstcil ist, werden beide immer wieder von Rednern und Pionieren aus Palästina besucht und sind also In der Lage, die anschau►■ lichsten und eindrucksvollsten Schilderungen über das Aufbauwerk und seine Nöte zu hören. Das bleibt nicht ohne Wirkung, auch nicht auf die christlichen Bürger der Schweiz, und der Sammelpunkt Genf tut ein übriges, um die zionistische Idee in der Schweiz immer präsent zu machen und in Präsenz zu halten. Damit hing und hängt auch heute noch ein anderer Umstand zusammen, der besondere Bedingungen für den schweizcrischen Zionismus schafft; die nichtzionistischen Juden der Schweiz waren niemals Gegner der zionistischen Bewegung. Dies ist ihnen, wie unberührt sie innerlich auch von' ihm geblieben sein mögen, als den Zeugen der zionistischen Geschichte, die sich in ihrem Land abgespielt hat, hoch anzurechnen. Sie fühlten sich, wenn aucn nicht als Mitkiimpfer, so doch als Mitwisser des Zionismus und wahrten ihm gegenüber die Loyalität. Sie fühlten sich als Eingeweihte, wenn schon nicht als Eingereihte. Damit aber war für die zionistische Werbung der Boden gelockert. Heute gibt es in der Schweiz kaum noch einen Ort mit einer jüdischen Gemeinde, an dem nicht auch eine Zionistischc Ortsgruppe existierte. Das macht natürlich der Regsamkeit der dortigen Zionisten alle Ehre. Sie gestalten ihre Werbeaktionen möglichst bunt und umfassend aus und sind bemüht, ihren Versammlungen und Veranstaltungen gelegcntlieh auch eine internationale Note zu geben, indem sie Redner aus anderen Ländern heranziehen. Kürzlieh hat übrigens bei einer Kundgebung christlicher Akademiker der Direktor des Schweizerischen Amtes für Handelsförderung, Dr. Masnata, über seine Eindrücke berichtet, die er auf einer Reise in den Vorderen Orient gesammelt hat, und dabei hohe Worte der Anerkennung für das zionistische Aufbauwerk gefunden. Diese Aeußening eines schweizerischen Bundesfunktionärs beweist das Interesse und die Sympathie der nichtjüdischen Schweizer für die zionistische Idee und Arbeit. Dies nämlich ist ein weiferer Umstand, der der zionistischen Werbung in der Schweiz zugute kommt, daß sie über die jüdischen Kreise hinaus ideologischen und praktischen Anklang findet, der nicht bloß auf dem allgemein menschlichen Mitgefühl mit dem Schicksai des jüdischen Volkes fußt, sondern zweifellos auch noch aus kaivinistischen projudäischen Oedankengängen herrührt. Natürlich spielt dabei auch die Parallelität der mehrsprachigen und inchrrassigcn Schweiz eine gewisse Rolle. Die letzten Wochen und Monate, in denen gerade ein großer Werbefeidzug geplant war, standen natürlich im Zeichen der palästinensischen Unruhen, über die durch Vorträge und Presseveröffentiichungcn berichtet wurde, und dann auch unter dem Eindruck des Todes Sokolows. Weltpolitik und Judenfrage Nach Meldung der ״Thüringer Tageszeitung“ in Hildburghausen sprach Gauleiter Julius Streicher in einer Kundgebung in Arnstadt. Nach dem Bericht des Blattes sagte er u. a.: ״Für viele Volksgenossen und auch Parteigenossen sei das Chaos der anderen Nationen noch immer ein ungelöstes Rätsel. Wit die Rassenfrage kennt, kennt auch den Schlüssel zur Weltgeschichte, und der weiß, daß in Spanien und Frankreich ebenso wie in Sowjetrußland Alljuda seine Hand im Spiele hat. Der Jude lebt vom Unglück der anderen, und das Unglück unter den Völkern wird nicht eher ans der Welt kommen, bis der Jude in der ganzen Weit zu Boden geschlagen ist. Seine feste Ueberzetigung sei, so führte Streicher aus, daß die Völker sich bald zusammenfinden werden in einem Bund der Nationen, um das jiidisehe Volk vor ein Hochgericht zu bringen.“ Wir Juden haben über die Ursachen der Konflikte zwischen Völkern eine ganz andere Meinung. Wir glauben, daß aus dem Zusammen prall verschiedener Kraftströme und verschiedener Ideen in der Geschichte, ferner aus dem Wachsturn und der strukturellen Veränderung der Nationen, den im Gefolge der wirtschaftlichen und teennisehen Umwälzungen entstehenden Veränderungen usw. immer wieder Konflikte erwachsen, die das Zusammenleben der Völker beunruhigen. Wir Juden sind dabei nur passiv beteiligt. Wir sind die Leidtragenden bei allen Konflikte 11 und Erregungszuständen anderer Völker. Das jiidisehe Volk hat ein Interesse an einem glücklichen Leben der Völker und an einem guten Zusammenleben, da erfahrungsgetnüfj nur in einer solchen Gleichgewichtslage auch die Situation der Juden erträglich ist. Nicht umsonst haben die jüdischen Prodietci» den endgültigen Frieden zwischen den Völkern auch mit der Erlösung Israels zusaminenfallen lassen. Leider, zum Unglück auch des jüdischen Volkes, sind wir von diesem Zustand noch sehr weit entfernt. Gegen indische Werke in deutscher Sprache Im Rahmen der rasscnkundlicheti Schulungswoche der bayerischen Erzieherschaft in München sprach Dr. Johannes Alt über Sprache und Schrifttum als Ausdruck verschiedenrassiger Haltung. Nach dem Bericht der ״Ijt 11 n c 11 e n c r Z e i - t u n g“ über diese« Vortrag sagte er u. a.: ״Die deutschen Literarhistoriker, vor allem die junge Generation, mögen einmal daran gehen, aus der Fülle des deutschen Sprachgutes ins Rampenlicht zeitgemäßer Betrachtungsweise zu stellen, was jüdischen Ursprungs ist! Es gäbe noch keine zusammenfassende Darstellung, die betitelt wäre ,Jüdische Werke in deutscher Sprache‘. Es sei aber notwendige Aufgäbe, diese Werke einmal zusammenzustcllen, bezeichnende Züge daraus klarzuniacheti, um Normen aufstellen zu können. Es habe einmal eine Zeit gegeben, in der man eine Literaturgeschickte, die ängstlich bemüht war, Fremdwörter! fcrnzuhaltcji, für vorbildlich deutsch erklärt hätte, obwohl der Verfasser ein Jude gewesen sei (offenbar Engel — A. d. Red. ״J. R.“) und gleichzeitig die Literaturgeschichte eines deutschen Sprachforschers abgelehnt habe, weil sie Fremdwörter benutzt habe. Deutsche Literaturgeschichte, auffebaut auf der Grundlage rassischer Erkenntnisse, sei ein!־fordernis unserer Zeit.“ Wabere ״FreischÜlr“ in RnBland Der Dirigent Heinz Unger (früher Berlin) hat, wie uns mitgctcilt wird, Ende Mai seine musikalische Arbeit in Rußland für diese Saison beendet. Neben seiner Tätigkeit als Dirigent des Lcningrader Radioorchesters und der Oratorienkonzerte des Lcningrader Staatschors hat er in Leningrad zum ersten Male seit dem Kriege Webers ״Freischütz.“ mit großem Erfolge zur Aufführung gebracht. Als Gastdirigent hat er Charkow, Tiflis und Kiew besucht, wo er ein Auditorium van 6000 Zuhörern hatte. Unger ist jetzt nach einer wiederum außerordentlich erfolgreichen Konzertreise in Spanien im Juni nach seinem Wohnsitz in London zurückgekehrt. Auch praktische Hachse l!arah- Arbeit wird in der Schweiz geleistet, in den letzten Jahren wurden in Langentiiai und Eulenhof (Baselland),!)clcmont, Liestal und im Strickhof (Zürich) Chaluzim einzeln ausgcbildct. Zwciundzwanzig dieser Chaluzim sind bereits nach Palästina übergesiedelt und vorwiegend in die landwirtschaftliche Arbeit eingeschaltet worden. Da der kollektiven Hachsdiarah durch die hohen Kosten der Lebenshaltung und andere Umstände in der Schweiz enge Grenzen gezogen sind, hat der Zionistenverband eine Zusammenarbeit mit dem im Jahre 1933 vom Bachad in Ricavo di Castcilina (Italien) gegründeten Hachscharah-Kibbuz, für richtig gehalten. Dieser Kibbuz umfaßt heute bereits 65 Chawerim. Das italienische Mittelmeerklinia sowie di« Art der in Ricavo geübten Bodenbearbeitung und Urbarmachung von Steinboden haben sich als glänzende Vorbereitung für das Leben und die Arbeit in Palästina bewährt. Das Bachadschc Ideal ״Thora Weawcxfa“ — Verwirklichung der Thora im tätigen Leben — ist die Grundlage dieser Kibbuz-Gründung, an der die Schweiz ideellen und maferiellen Anteil nimmt. Ein guter Maßstab für die innere Lebendigkeit der zionistischen Bewegung eines Landes ist der Grad, in dem das Bedürfnis nach Erlernung der hebräischen Sprache wächst. In der Schweiz, haben die zionistischen Ortsgruppen Mühe, diesem Bedürfnis überall Rechnung zu tragen. Die Sprachkurse sind über alles Erwarten stark besucht. In Zürich und Basel sind auch hebräische Klubs — Chug Ivri und Brith Ivrith — ins Leben gerufen worden, ln Basel wurden auch in den letzten Monaten wöchentliche ״Messiboth“ über kulturelle und politische Themen abgehalten. Es wurden da z. B. Vorträge und Diskussionen über die Beziehungen Masaryks zum Judentum, über Brenner und Oordon, über Nahuin So ko low und über die politischen Ereignisse in Ercz gehalten. Ueber die Jugendbewegung endlich entnehmen wir einem noch unveröffentlichten Tätigkeitsbericht des Zionistenverbandes folgende Bemerkungen: ״Die zionistische Bewegung in der Schweiz verdankt der Jugendbewegung neue Antriebe. Brith Habonim und Hechaluz sind in straffen Organisationen zusainmengefaßt. Der Emuna-Jugendbund in Basel, ein numerisch starker Verein, ist ebenfalls palästinozentrisch gerichtet. Von Mitte Juli bis Anfang August führen die Bünde gesonderte Sommerlager in Grindelwafd, Wolfenschießen und Dardin durch.“ Insgesamt bietet die numerisch kleine Zionistengemeinde der kleinen Schweiz das erfreuliche Bild einer ideologischen und praktischen Aktivität dar, das sicli exemplarisch von der Saturiertheit des schweizerisch-jüdischen Bürgertums abhebt. Darum darf man der Hoffnung Ausdruck geben, daß in wenigen Jahren die jüdische Jugend der Schweiz in ihrer Majorität sich dein Zionismus angeschlossen haben wird. hs. Schilder ״Deutsches Geschäft“ nicht mehr nötig Der ״Stadt-Anzeiger“ in Köln schreibt in einem längeren Artikel über die Schilder ״Deutsches Geschäft“: ״Deutsches Geschäft“ hieß ein Plakat, das bis vor kurzem in den Schaufenstern vieler Geschäfte zu sehen war. Der Zweck, den der Herausgeber dieser Plakate, zur damaligen Zeit die NS-Hago, damit verfolgte, war klar und deutlich. Jeder deutsche Volksgenosse sollte vor dem Einkaut di« Gewißheit haben, daß es sich bei dem Geschäft um ein arisches Unternehmen handelte. Heute ist ein solcher Hinweis nicht mehr notwendig. Die Aufklärung^-׳ arbeit der letzten Jahre hat genügt, jeden Volksgenossen zur Besinnung kommen zu lassen und sich seiner rassischen Verpfliciitungen gegenüber seinem Volk wieder bewußt werden zu lassen. Der Hinweis ״Deutsches Geschäft“ hat seinen Zweck erfüllt. Die Entfernung dieses Plakates wurde deshalb an geordnet und ist auch zum größten Teil bereits durchgeiülirt. Dem Artikel ist noch zu entnehmen, daß die Deutsche Arbeitsfront nunmehr dazu übergegangen ist, allen Geschäften und Handwerkern, soweit sie Mitglied der DAF. sind, kostenlos ein Plakat zur Verfügung zu stellen, das auf die Mitgliedscliaft zur DAF. hinweist. Die Araber Algeriens and die Juden Die Abordnung der Mohammedaner von Alge• rien, die soeben von den Verhandlungen über die Zuerkennung der vollen Bürgerrechte an die eingeborene Bevölkerung aus Paris zuriickgekchrt ist, äußerte sich mit großer Zufriedenheit über ihren Empfang durch Ministerpräsident L60n B1 u in und die übrigen Mitglieder des Kabinetts. In einem Gespräch mit dem Vertreter der JTA. in Algier erklärte der Führer der Abordnung, Dr. Bendielloul, die algerischen Araber hätten es ihren jüdischen Brüdern in Algier und Frankreich zu verdanken, daß ihre gerechten Forderungen in den politischen Kreisen Frankrekhs wohlwollend aufgenomnien wurden. Es heißt, daß die französische Regierung der arabischen Delegation versichert habe, ihre politischen Forderungen, insbesondere die nach gleichem Wahlrecht, würden wohl* wollend erwogen werden; verschiedene Reformen seien bereits in Vorbereitung. Typhusbazillen als Kampfmittel In dem Prozeß gegen die ״Schwarze Legion“ von Detroit (U.S.A.), zu deren Zielen insbesondere auch antisemitischer Terrar gehörte, gab der Staatsanwalt MacRea bekannt, daß einer der Angeklagten, der Drucker der Legion, William Guthrie, ihm mitgctcilt habe, die Terroristen hätten geplant, viele Juden von Detroit mit Typhusbazillen zu infizieren. Die Durchführung dieses Planes habe er verhindert, in* dem er sich weigerte, seinen Keller für die Herstellung von Typhuskulturen zur Verfügung zu stellen und 111H der Anzeige bei der Polizei gedroht habe. Auch habe er den Verschwörern, zu denen ein hoher Beamter der Legion, ein Apotheker und ein Bakteriologe gehörten, erklärt, die Sache könnte zu einem Fall ״Frankenstein“ werden und zur Vernichtung der ganzen ' Stadt führen. Man hatte beabsichtigt, Bazillen aus den gezüchteten Kultirren der den betreffenden Personen gelieferten Milch ttnd dem Käse beizumischen. In Stein amanger ist cs, nachdem eine Woche lang von Pfcilkreuzlcrn judenfeindliche Aufrufe verbreitet worden waren, zu Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung gekommen. Zahlreiche jüdische Passanten wurden schwer mißhandelt. Der Generalstaataanwalt von England, Sir Donald Sornervell, hat angekündigt, daß er ein Verfahren gegen die Zeitschrift ״The Faacist“, das Organ der British Union of Fascist. wegen eines in der Nummer vom 4. Juli erschienenen Artikels einieiten werde, in dem gegen die J U - den die Beschuldigung des Gebrauchs von Menschenblut zu rituellen Zwecken erhoben wird.

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