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Jüdische Rundschau · 1936-08-04 · Heft 62 (4.8.1936) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 62 (4.8.1936)
Date
1936-08-04
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 62, 4. VH1. 1936. JODISCHE RUNDSCHAU Selt§ 3 Unser neuer Roman Antisemitische Demonstrationen in Wien Von unserem Berichterstatter J. R., W i e n, 2. August In einer amtlichen Verlautbarung wird der Oeffcntliciikcit mitgeteilt, daß ״anläßlich der Olympia-Festlichkeiten gewissenlose Elemente versucht haben, die Feier ru politischen Demonstrationen zu mißbrauchen. Sowohl aut dem Ring, als auch auf dem Heidenplatz waren größere Gruppen von Demonstranten, die mit Sprcchchören una Geschrei in die Feier Unruhe hineinzutragen versuchten. Das Befriedungswerk der Bundesregierung ist durch solche Demonstrationen gehemmt, wenn nicht gefährde t“. Soweit die amtliche Verlautbarung, in der es noch zum Schluß beißt, daß die Bundesregierung gegen die Unruhestifter mit aller Strenge vorzugehen gewillt ist und trotz ihres Befriedungswillens keinesfalls dort wird Milde walten lassen, wo sie unangebracht ist. Leider haben sich im Anschluß an diese Kundgebungen prompt auch antijüdi• sehe Demonstrationen ereignet, dies insbesondere in den Straßen der Lcopoldstadt. Während des Abmarsches der am Festzug Beteiligten in ihre Bezirke ergingen sich in der Praterstralie Teilnehmer des Zuges gegen die jüdische Bevölkerung in heftigsten Ausfäl- Jen. Sie schrien ״Juda verrecke“, ״Hinaus mit den Juden“ und ähnliches. Während draußen auf der Straße gejohlt wurde, spielte gerade in der Rolandbühne, die sich bekanntlieh auf der Praterstraße befindet, Morris Schwarz Schaloni Ajcjchcms zeitloses Stück ״Schwer, ein Jude zu sein“. Die ahnungslosen Zuschauer, die während der Pause auf die Straße kamen, konnten noch die antisemifrischen Rufe vernehmen und so die tragische Kon- 'tinuität des jüdischen Schicksals lebendig erleben. Die antijüdisciien Kundgebungen erreichten ihren Höhepunkt vor dem Cafe ״Orient“ in der Praterstraße, wo die Scheiben des Kaffeehauses in Trümmer gingen. Die Polizei schritt überall energisch ein und konnte schwere Ausschreitungen durch zahlreiche Verhaftungen hintanhatten. Aber nicht nur in den von Juden bewohnten Bezirken kam es zu antijüdischen Ausfällen. Auch in den vornehmen westlichen Bezirkett, so am Ring, wo der Fcst/ug vorbeimarschierte, an dem auch die ״ttakoah“ mit drei starken Mannschaften gemeinsatn mit den übrigen Wiener Sportvereinen teiinahm, wurden die jüdischen Sportler aufs gröblichste beschimpft, Vorfälle, wie sie wohl bei den schärfsien Sportkämpfen zwischen dem Jüdischen Sportverein und seinen sportlichen Widersachern noch n i e vorgekommen waren. Von allen Seiten werden diese Vorfälle bedauert. Die überaus energische Haltung, die die Regierung dieser ncuaufflackcrndcn Gegnerschaft gegen jede wirkliche Befriedung zwischen dem Deutschen Reich und dem österreichisehen Bundesstaat gegenüber cinnahm, läßt keinen Zweifel über die Entschlossenheit der österreichischen Regierung offen, ihre im Abkommen festgelcgten Grundsätze entschieden zu verteidigen. In diesem Zusammenhänge haben die scharfe Verurteilung der Wiener Vorfälle durch die Stellen im Reiche, sowie die Erklärungen von deutscher offizieller Seite, die rückhaltlos von den Wiener Demonstranten abriieken und jeden Zusammenhang ablehnen, hier größte G e n u g - t u u n g ausgelöst. Man sieht darin das ehrliche Bestreben, das einmal begonnene Friedenswerk zwischen den zwei Staaten nicht durch Unberufene neu erschüttern /,U lassen. Die Erklärungen der österreichischen Bundes- Wgierung, die programmatische Rede des Bundeskanzlers Schuschnigg vor dem Kongreß der ״Pax Roma na“ und die Kundgebungen der Vaterländischen Front am Freitag lassen eindeutig die feste Entschlossenheit der osterreichischen Staatsfiilmmg erkennen, in Oesterreicli an den bisher geübten und verteidigten Grundsätzen der Treue zur Verfassung nicht rütteln zu lassen. Die österreichische Judenschaft hat zu den entschiedenen Erklärungen der Regierung volles Vertrauen und Zuversicht. Der Antisemitismus in Ost-London Neue Aussprache im Unterhaus Die Frage, weiche Maßnahmen die englische Regierung gegenüber dem verstärkten antijüdischen Terror der englischen Faschisten in gewissen Stadtgegendcn des östlichen Londons treffen würde und getroffen hat, war wiederum Gegenstand einer parlamentarischen Anfrage im Unterhaus. Der Abgeordnete James Hall fragte den Innenminister Sir John Simon, welche Maßnahmen er erwäge, uin Mitglieder der British. Union of Faseists von E i n s c h ü c 11tcrungsversuchen gegenüber Personen a b z uhalten, die in jüdischen Läden kaufen wollten. Sir John Simon erwiderte, daß der Polizeikommissar für die Hauptstadt ihn dahin informiert habe, die Polizei schenke dieser Angelegenheit besondere Aufmerksamkeit. Abgeordneter Hali: Weiß der Innenminister, daß seit der Zeit, wo ich diese Angelegenheit zur Sprache gebracht habe, sich die Einschüchtcrungsversuche gegenüber Käufern und Geschäftsleuten vergrößert, dal! Geschäftsleute angegriffen, daß aite Leute belästigt und daß in einem Falle die herbeigerufene Polizei den Täter laufen ließ? Darf ich fragen, oh der Innenminister darauf vorbereitet sein wird, die Angelegenheit in die Hand zu nclm.cn und verhindern wird, daß die Judenschaft genötigt sei, Sclbstschutzmaßnahmen zu treffen, und ob diese gefühllose Verfolgung unterbunden werden wird? Innenminister Sir John Simon erwiderte, wenn der Abgeordnete besondere Information besitze, so würde er sehr erfreut sein, sie zu erhalten, und er wünsche alles Mögliche zu tun, und auch der Polizeikommissar hege den gleichen Wunsch. Der Abgeordnete fragte daraufhin, ob er Einzelheiten dem Innenminister unterbreiten dürfe. Sir John Simon nickte zustimmend. Der Abgeordnete Sir Perry Harris fragte sodann, ob der Innenminister wisse, daß Rundschreiben, die zum Boykott jüdischer Kaufleute auffordern, in weitesten! Umfange verbreitet würden, und ob er ihm eine Abschrift eines solchen Rundschreibens übermitteln solle. Sir John Simon stimmte dem zu. Aut die Frage des Abgeordneten Vyvyan Addams, ob ein Uniformverbot in Erwägung gezogen worden sei, erfolgte keine Antwort. Auch Wirtschaftsprüfer als Devisenberater. Zu der von uns in Nr. 57 vom 17. Juli veröffentlichten Bemerkung ״Anwälte als Devisenbcratcr“, in der wir darauf hinwiesen, daß jüdische Anwälte nach wie vor als Devisenberater zugclassen sind, werden wir aus Leserkreisen darauf aufmerksam gemacht, daß dasselbe auch für Wirt- Schaftsprüfer gilt. Auch Wirtschaftsprüfer sind ebenso wie Anwälte als Devisenberater nach § 2 Abs. 2 der Vcr- Ordnung über die geschäftsmäßige Hilfeleistung in Devisen- Sachen vom 29. 6. 1936 zugelassen. Dagegen gelten für De- Visenberater, die nicht Anwälte oder Wirtschaftsprüfer sind, die von uns bereits mehrfach mitgeteiiten Beschränkungen. ״Noah Pandre* von Salman Sdincur Die ״Jüdische Rundschau“ beginnt demnächst mit dem Erstabdruck der deutschen Uebersetzung des Romans ״Noah Pandre“ von Salman Schneur. Salman Schneur (geh. 1887) ist der Jüngste im Kreise der Schöpfer der modernen hebräischen nationalen Dichtung. Der hebräische Dichter Salman Schneur während seines Besuches in Palästina auf der Terrasse seines Hotels in Tel-ÄWlW Foto: Lasar Dünner Er gilt als der ״Individualist“ in diesem Kreise, als einer, dessen Augenmerk dem Judesein nur in letzter Linie galt, der sich vor allem in die eigene, abgegrenzte Welt des Individuums vertiefte. Und dennoch darf jetzt, nach einer etwa dreißigjährigen Schai'fcnspcriodc, ohne Einschränkung gesagt werden, daß gerade Schneur, wie kein anderer, Repräsentant der Generation des jungen Juden ist, jener Generation, die, aus Protest gegen das Galulh-Lcbcn, in Auflehnung gegen die alten Former! jüdischen Seins in den Mittel- und Kleinstädten Rußlands der Vorkriegszeit, eine innere Umgestaltung und ein neues Verhältnis zur Welt und Umwelt erstrebte. In den ersten Gedichten des damals noch sehr jungen Schneur kommt das nationale Moment noch kau m zum Ausdruck, in ihnen ruft der Dichter weder zur nationalen Erneuerung auf, noch mahnt er die Jugend zum Aufhaudienst am eigenen Land — ein Ruf, der zu jener Zeit einer Fanfare gleich die gesamte hebräische Dichtung durchdrang. Nichtsdestoweniger symbolisiert gerade seine Dichtung den stolzen jungen Juden, den gesunden und aufrechten Menschen, der sich mit dem Zionismus und der Cha 1 uz-Bcwcgung unter den ersten Wegbereitern im jüdischen Lande findet. In der Schneurschen Dichtung tritt eine neue Konzeption der Auffassung zutage. Protest gegen das Golus-I.elren, nicht nur aus überzeugungsmäßig erworbenem nationalem Eifer, sondern aus einem inneren Bedürfnis heraus. Die Erneuerung des Judentums gelte nicht als äußeres Ideal, sie soll zum inneren Erlebnis werden, und selbst das spezifisch Jüdische soll sich auf das allgemein Menschliche erstrecken. Pariser Brief Von unserem Berichterstatter Proteste gegen die antisemitische Propaganda K. Paris, Anfang- August 1036 Die fortgesetzte und systematische Propaganda gegen die Juden, die besonders im Elsaß und in Nordafrika geführt wird, hat die Vertreter der jüdischen Gemeinden in diesen Gebieten veranlaßt, bei der Regierung um Hilfe vorstellig zu werden. So wurde in diesen Tagen eine e I s ä s s i s c 11 e Delegation unter Führung des Bürgermeisters von Sultz und seines Stellvertreters Edgar Bloch von dem französischen Unterstaalssekretär de Tcssan empfangen. Es wurden bei dieser Unterredung u. a. auch die Fragen der antisemitischen Propaganda im Elsaß behandelt. Staatssekretär d e Tcssan hat der Delegation die Versiehening gegeben, daß die Regierung der Volksfront jedem Antiscmifismiis und jedem Rassehaß völlig ablehnend gegenüberstellt. Der bei der Unterredung gleichfalls anwesende Präfekt der Provinz Ober-Rhein gab seinem Willen Ausdruck, die antisemitischen Aktionen in seinem Verwaltungsbezirk energisch zu unterdrücken. Gleichfalls hat eine Delegation der marokkanischen Juden bei der Regierung vorgesprochen und hat auf die wachsende antisemitische Agitation in diesem französischen Protektorat hingewiesen, die hesonders seit dem Beginn der palästinensischen Unruhen stark gestiegen ist. Auch hier hat die Regierung die Versicherung abgegeben, daß sie jeden Versuch einer antisemitischen Aktion in Marokko mit allen Mitteln zu unterdrücken wissen werde. Die jüdische Gemeinde in der syrischen Stadt Aleppo sandte der französischen Regierung ein Telegramm, in dem sie ihre Solidarität mit den Forderungen der syrischen Araber erklärt, (irund dieser Intervention der Gemeinde Aleppo mag die dauernde Bedrohung sein, der die syrischen Juden seit den Vorgängen in Palästina ausgesetzt sind. Wie die Zeitungen aus Syrien melden, sind insbesondere die Juden in D a - maskus dauernden Belästigungen durch die Araber ausgesetzt. Die Juden der Stadt vermeiden es daher, am Abend auszugehen, und tragen fast sämtlich den Fez, um nicht mehr von der arabischen Umwelt unterschieden zu werden. Der erste Todestag von Haupt m a n n D r c y f u s wurde durch eine Gedenkfeier am Grabe des Opfers der ״Aftairc“ begangen. Zahlreiche jüdische und nichtjudische Organisationen waren vertreten, ferner die Familie Zola, Ma- Schneur gilt in der hebräischen Literatur als der Dichter der Großstadt. (Der Dichter verließ schon im Alter von vierzehn Jahren seine Heimatstadt Schklow und lebte dann in den Stadien Odessa, Warschau, Berlin, Paris, London u. a. m.) Die Empfindungen und das Verhältnis zur Umwelt des jungen jüdischen Menschen, der die Ghetto- Mauern und das Beth-Ilmnidrasch verlassen und gegen das rauhe Leben des Großstadt-Alltags eingetauscht. hat, sind die eines Großstädters schlechthin ־— irgendeines jungen Menschen, der die guten und bösen Erseheimingen des Lebens, die Natur in ihrer Vielfalt, das Erlebnis ,,Frau“ unvoreingenommen mit den Augen des jungen Menschen — nicht etwa durch eine spezifisch jüdisehgefärbte Brille sieht. Darum sind gerade die Werke Schncurs, viel mehr als die Werke anderer hebräischer Dichter, auch dem nicht jüdischen Leser zugänglich und verständlich. Schneur sieht, die N a 1.11 r ohne Voreingenommenheit. Er braucht sie nicht erst ״ins Jüdische zu übersetzen“, wie Mcndele und zum Teil auch Bialik es tuten. Der Jude der Kleinstadt und des Belh-I lamidrasch erlebt die Natur nur an wenigen Tagen des Jahres — sei es, daß die Erfüllung eines rituellen Aktes ihn in engere Berührung mit ihr bringt, sei es, daß er, wie Mendelc, sie zufällig an einem Fasttage im Sommer, gehüllt in Tallith und Tefillin, zwischen Feldern und Bäumen entdeckt. Auch in seinen spezifisch jüdischen Gedichten ist Schneur der Dichter des stolzen, unbesiegbaren Juden. Dieser Stolz gibt ihm den Rückhalt, läßt ihn in einer feindliehen Umwelt bestehen, verleiht ihm auch die geistige Kraft, all den Leiden zum Trotz, denen er als Jude ausgesetzt ist, am Lehen nicht, zu verzweifeln. Schneur ist, Bejäher des Lebens, und wer das Loben bejaht, liebt es, licht auch den Träger des. Lebens, den Menschen, er fühlt sieh als Sieger, ohne die M i n d e 1׳ w er t 1!׳ k e 1 i s g e I üble zu kennen, an denen die junge jüdische Generation krankt. Er beugt sieh nicht, wie etwa Tscliernicliowsl.i, demüt ig als Besiegter vor der Statue Apollons; er sieht in sieh im ht nur den Nutznießer fremder Kultur, sondern auch einen Gebenden, der am allgemeinen KuHursehatfen großen Anteil In«. Jenem vüinischen Mädchen gegenüber, in dein sieh ihm das alte Rom personifiziort, jenes Rom, daß einst Juda erobert und seine Staatliehe Selbständigkeit zerstört hat, empfinde! er sieh keinesvvegs als Besiegter: ״Roth besiegte das irdische Jerusalem“, sagt Schneur, ״Jerusalem aber besiegle Rom, als es ihm einen Glauben, einen Gott gab,“ In seinem epischen Werk gibt Schneur die Großstadt auf, um in seine Heimatstadt S e 11 k 1 o \v zurüekzukehren, ln einer Reihe von Erzählungen (unter dem Hammeltitcl ״Schklower Menschen“) schildert Schneur die Gestalten seiner vveißrussischen Heimat, die alle miteinander das typische Bild eines liestinimieii Teiles jener jüdischen Kleinstadt wiedergehen. Auch hier interessieren ihn völlig andere Teile der Kleinstadt als seine Vorgänger in der hebräischen Literatur — man inöelitc sagen: die Juden der ״gojisclien Gasse“, jene Juden, die sieh gewissermaßen au der Peripheric des jüdischen Lebens bewegten, abseits von jenem intensiven jüdischen Kleinstadt lelien ״rund um das Beth- Hamidrasch“. In deutlichen Farben und mit hewundernswerter Plastizität schildert Schneur das mühselige, sorgenbeladene Dasein all jener kleinen Leute — des Fuhrmannes, Tagelöhners, Dorl'sehneidcrs usvv. —, die in ihrem Gebaren und in ihrer sozialen Stellung vielleicht nicht viel anders sein mochten als Menschen der gleichen Schicht hei anderen Völkern, die aber ihre ״Jiidischkeit“ noch in der geringsten Handlung und im Reagieren auf jegliche Erscheinung des täglichen Lehens verrieten: — jenen Typus, den Sokolow (in seiner Rede bei einem Sclineur-Abend in London) den Typ des ״Am-Haarcz“ (Unwissenden) nannte, des jüdi* sehen ״Ain-1 laarez“, der sich in seinem Charakter vom gleichen Typ der anderen Völker wesentlich unterscheide. ״Noah Pandre“ (ein Werk, das hei seinem Erscheinen großes Aufsehen erregte־ und bereits in einer englischen Uebersetzung vorliegt) Schilden einen dieser Sehklower Menschen, einen Mann aus dem Volke, derb und ungehobelt, in dessen Innerem aber nicht nur eine mcnsch• liehe Seele lebt, die den Leser durch ihre Unmittelbarkeil und Reinheit gelangen nimmt, sondern auch eine j ü di sehe ,,Neschoine“, deren vieltausendjähriges Sein noch durch die rauhe Schale hindurch spürbar wird. I)r. S. Kaleko dame L.abori usw. In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, daß in der Pariser Zeitung ..()etivre“ Georges de la Fourcha• diere vorschlagt, Hatipfmaim I >re\ ins ein Denkmal in Paris zu errichten, um diesen Märtyrer der Ungerechtigkeit zu ehren. Das Schul werk der ״Alliance Israelite“ 111 der Zeitung der ,,Alliance Israelite Universelle“ wird ein Ueherhlick über die S c 11111 e 11 dieser jüdischen Organisatiou veröffentlicht. Die Statistik zeigt, daß ׳zur Zeit etwa 5U00Ü jüdische Kinder 111 den Schulen der .,Alliance“ ausgebildet werden. Der größte feil der Schulen befindet sieh in Marokko, wo in ■12 Schulen, die steh an 29 Orten befinden, 15 233 Schüler ausgebihiet werden. In Serie n befinden sich 11 Schulen der ״Alliance'■, im Iran (Persien) 17, in den Balkan- Staaten inkl. Griechenland 20, im Irak 7, in Palästina 5 usw. In Algerien bestehen S besondere Religiotissclnilen (ocuvrcs d’edueation morale et rebgieuse), ferner sind die fandwirtschaftliehe Schule in Mikweh Israel und eine Taubstummenschule hervor/uhebeii. In allen Allianccsdiulen bemüht man sieh entsprechend dem Lr/ichungsprogramm der Organisation, den Schülern neben der jüdischen Erziehung auch den Zusammenhang mit der französischen Kultur zu vcrmittcln. Französisch ist datier die Unterrichtssprache in den meisten Allianceschulen. Polen fordert Kolonien Warschau, 2. August. (JTA.) In einem amtlichen Communiquö wird bekanrtfgegeben, daß die polnische Regierung beim Völkerbund die Forderung nach Zuteilung von Kolonien in Südafrika und Südamerika mit der Begründung erheben werde, daß die Judenfrage in Polen nur gelöst werden kann, wenn Polen Kolonien bekommt. Es sei die Pflicht des Völkerb u n d e s, sich möglichst bald mit dem dringenden Judenproblem zu befassen. Polen sehe sich infolge seiner Uebervölkerung unbedingt genötigt, jetzt den Anspruch aut Kolonien anzumeldcn. Die weiten, fast unbewohnten Territorien Südafrikas und Südamerikas seien für eine polnische Einwanderung und Kolonisation am besten geeignet. Das Communiquö fügt hinzu, daß Länder mit großen Kapitalicn und niedrigem Zinsfuß — gemeint ist England und Frankreich —, das für die Durchführung des Planes erforderliehe Kapital unter Völkerbundsgarantie zur Verfügung stellen sollten.

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