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Jüdische Rundschau · 1936-08-04 · Heft 62 (4.8.1936) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 62 (4.8.1936)
Date
1936-08-04
Page
– (sequence 2)
Language
German
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rl . Seite 2 tung erwartet inan sogar als Folge der jetzigen Unruhen nutzbringende Verbesserungen, z, B. in Verwaltung und Verkehr (worüber nach einem an anderer Stelle der heutigen Ausgabe veröffentlichten Bericht ein Mitglied der Exekutive gerade Erklärungen abgegeben hat). Aber zugleich ist doch das Bewußtsein erwacht, daß auch um die Position in Palästina ein schwerer Kampf geführt werden muß, daß dieses Nationalheim mit seinen Perspektiven noch nicht so gesichert ist, wie es vielen schien, ja daß der Kampf um seine Sicherung vielleicht eben jetzt in sein entscheidendes Stadium eintritt. Es sind heute harte Zeiten, die Welt hat sich an Kämpfe und Blutvergießen gewöhnt, aber es muß auch ausgesprochen werden, daß für das jüdische Volk das Bewußtscin fortgesetzten Blutvergießens in Palästina eine schwere seelische Belastung ist. Allmählieh hat man sich schon fast darauf eingestellt, die Unruhen als dauernde Erscheinung hinzunehmen, und tatsächlich sieht man, angesichts der einander diametral entgegengesetzten Auffassungen, keine Lösungsmöglichkeit, es sei denn eine vollständige militärische Niederwerfung des Aufstandes. Dies kann aber unter Umständen noch lange dauern, man erinnere sich nur an die Zähigkeit des Widerstandes Abd el Krims in Marokko vor zehn oder zwölf Jahren; und es ist fraglich, ob die englische öffentliche Meinung solange durchhält. Denn im Interesse einer richtigen jüdischen Politik dürfen wir uns keiner Täuschung darüber hingeben, daß wichtige englische Kreise gegen eine zu scharfe militärische Unterdrückung des arabischen Aufstandes sind, weil sie meinen, dies wurde der Zukunft schaden. Darum neigen sie dazu, lieber durch eine Konzession (natürlich auf Kosten der Juden) die Araber /tun Abbruch des Aufstandes zu bewegen. Welche Irrt u in e r in dieser Meinung liegen, vor allem da die Araber immer mehr bis zur völligen U n a b h ä n g i g k e i t fordern werden, braucht hier nicht betont zu werden. Die Halbing dieser Kreise ist trotz all dieser Argumente ein Faktum, mit dem zu rechnen ist. Wie hoch hiniuf die .Mißbilligung der scharfen Haltung der Regierung reicht, ersehen wir gerade jetzt wieder aus dem Urteil des palästinensischen O b c r 1 i c h t e r s, der die von der Regierung verhängten Kollektivstrafen für verfassungswidrig erklärt. Die Kollektivstrafen sind eines der wenigen Mittel, von denen sich die Regierung eine Verhinderung von Sabotage-Akten und eine Beendigung des Aufstandes versprochen hat. Es ist eine Notstandsmaßnahme, verhängt im Ausnahmezustand, freilieh nocli nicht unter ״Kriegsrecht‘', aber doch ähnlich gemeint, und wenn in einem solchen Falle mit juristisehen Begründungen der Regierung in den Arm gefallen wird, so ist das zugleich eine politische Kundgebung. Wenn aber bei so hohen Funktionären Palästinas die Meinung besteht, die Methoden der Regierung gegen die Araber seien ungerecht, dann kann man sich die Folgen in England selbst ausmalen. Nun ist die Untersuchungskommission ernannt. Bei der Auswahl der Persönlichkeiten fällt auf, daß der Vorsitzende und noch ein anderes Mitglied aus dem i n d i - sehen Dienst herkornmen. Diese Herren haben sicherlieh nahe Beziehungen zu den indischen Moslems, die bekanntlich für die Araber Palästinas Partei genominen haben. Schon während des Krieges wurde von den Herren des India Office (an dessen Spitze damals sogar ein Jude, Edwin Montagu, stand) gegen die Baifour-Deklaratioii Stellung genommen, weil man davon eine ungünstige Wirkung auf che indischen Moslems befürchtete. Es ist also naheliegend, daß auch die jetzt ernannten Persönlichkeiten von solchen Einflüssen nicht ganz frei sind, und dieser Besorgnis wurde auch im Unterhaus Ausdruck gegeben. Es ist natürlich sehr schwierig, einer solchen Kommission von vornherein mit Vertrauen oder Mißtrauen zu begegnen. Es darf wohl angenommen werden, daß die Kommission wirklich den Willen zur U n p a r 1 e i - liclikeit hat und dementsprechend auch bemüht sein wird, einen Ausgleich zu finden. Aber sehr viel wird zweifellos davon abluingcn, wie die jüdische Sache vertreten wird. Die Art und Weise der Vertretung des jüdischen Anspruchs vor dieser Kommission ist eine Aufgäbe von gewaltiger historischer Bedeutung für das jüdische Volk, wahrscheinlich verantwortlicher als alles, was bisher von jüdischer Seife in bezug auf die Palästina- Politik beigetragen wurde. Zum ersten Male handelt es sich um eine Aufgabe, die nicht unter dem Gesichtspunkt bloßer Propaganda angefaßt werden darf, sondern k o n - st ruktive Fälligkeiten und wahren Sinn für Realpolitik erfordert. ״Kerne Herstellung der Ordnung“ Erklärung der arabischen Delegation Wie aus London berichtet wird, empfindet die ln London wellende inoffizielle arabische Delegation im allgemeinen Genugtuung über die Einsetzung der Kgl. Kommission für Palästina, von deren ״Unparteilichkeit“ sie überzeugt ist. Gleichzeitig erklären die Delegationsmitglieder jedoch, daß die Araber ihre Forderung nach vollständiger Einstellung der jüdischen Einwanderung nicht aufgeben würden. Sie seien nach gründlicher Ueberlegung zu der feststehenden Ansicht gelangt, daß die Ordnung vor der Erfüllung dieser Forderung nicht wiederhergestellt werden könne. Der Sprecher der Delegation betonte schließlich noch mit besonderem Nachdruck, daß vor Einstellung der jüdischen Einwander un g der Streik nicht beendet werden würde. Der üroßmufti hat die arabische D e 1 e g a t i o n, die sich zu inoffiziellen Verhandlungen in London aufhält, telegraphisch angewiesen, nicht eher London zu verlassen, als die Kgl. Kommission abreist. I JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 62, 4 Vl!|.!936 Um die Palästina-Kommission Die mißlungene Unterdrückung des Aufstandes — Pro-arabisches Komitee Kontroverse in der Presse (Stelle auch Seite 1) Wer sind die Ernannten? Ueber die Persönlichkeiten der Kommission schreibt unser Londoner J. K.-Korrespondent noch 11. a.: Von den sechs Mitgliedern gehören nur noch zwei der indisehen Schule an, dazu kommt Professor Coupland, der sich vorübergehend in Indien als Mitglied einer Königliehen Kommission aiffhielt. Ein Mitglied ist Diplomat, mit besonders guter Kenntnis des Orients und der Judenfrage, einer hat eine Laufbahn im ostafrikanischcn Kolonialreich hinter sich und einer war bisher ohne jede Auslands- oder Kolonialerfahrung. Die Hälfte der Mitglieder, darunter der Vorsitzende, sind geschulte Juristen. In der bereits mitgeteilten Charakteristik von Sir Horace Rumbold ist noch hinzii/ufügen, daß Sir Horace als erster englischer Gesandter in Polen 1919—1920 mit der Juden frage gut vertraut ist. In dieser Eigenschaft war an ihn das Memorandum der englischen Regierung zur polnischen Juden frage adressiert worden. — Sir Laune Ham m o n d stammt, ebenso wie seine Gattin, aus einer Pfarrersfamilie. Nach dem Krieg trat er in verhältnismäßig hohem Alter in den höheren indischen Verwaltungsdienst ein und wurde zuletzt Gouverneur der Provinz Assam. Im vergangenen Jahre war er Vorsitzender des ״Indian Delimitation Committee“. Sir Laurice hat sich in mehreren Veröffentlichungen mit indischen Wahlproblemen befaßt. — Sir Morris Carter, der heute wie Sir Laurie Hammond im 64. Lebensjahr steht, war vor seiner Versetzung in den Ruhestand Präsident des Appellationsgerichts fiir Britisch-Ostafrika und seitdem Vorsitzender mehrerer Königlicher Kommissionen in Ostafrika, besonders zweier Kommissionen, die sich mit Bodenfragen zu beschäftigen hatten. — Sir Harold Morris ist seit 192b Präsident des industriellen Schiedsgerichts und Vorsitzender der Nationalen Eisenbahnkominission für Gehaltstagen. Sir Harold war bis zum Kriege Rechtsanwalt in England und wurde 1921 Richter. Er ist das einzige Mitglied der Kommission, das jemals dem Parlament angehört hat, und zwar für die Liberale Partei 1921 bis 1932. Anfragen im Unterhaus Im Anschluß an die Erklärungen des Kolonienministers im englischen Unterhaus am 29. Juli, worin die Mit- KI i oder der Untersuchungskommission für Palästina benannt wurden (s. ״J. R.“ Nr. 61), entspan* sich eine längere Debatte. Abg. Wedgwood fragte, welche Schritte in Palästina unternommen worden seien, um das die terroristischen Aktionen leitende Komitee in Jerusalem zu unterdrücken und seine Mitglieder zu deportieren. Kolonienminister Ormsby-Gorc erklärte, es sei Sache des High C o m!11 i s s i o n e r, im Lichte seiner Kenntnis der lokalen Verhältnisse zu entscheiden, welche Personen wegen einer mit den gegenwärtigen Unruhen in Zusammenhang stehenden Tätigkeit Beschränkungen unterworfen werden sollen; er sei überzeugt, daß der High Commissioner nicht zögern werde, von seinen Vollmachten in jeder ihm notwendig scheinenden Weise umfassenden Gebrauch zu machen. In Beantwortung einer zweiten Frage desselben Abgeordneten, warum in Palästina nicht, wie es bei ähnlichen Unruhen in Ceylon und Cypern der Fall war, das Stand* recht verkündet wurde, antwortete der Minister, dies sei nicht der Fall gewesen, weil im Hinblick auf die dem High Commissioner durch die Palest ine Defense Order übertrageneu umfassenden Machtbefugnisse es bisher nicht als notwendig oder wünschenswert erschienen sei. ln der anschließenden Debatte fragte Wedgwood, warum ein als Mohammedanerfreund bekannter Lord zum Vorsitzenden der Kgl. Kommission ernannt worden sei. Der Kolonienminister wies die Behauptung zurück, daß irgendein Mitglied der Kommission in irgendeinem Sinne für oder gegen Mohammedaner oder Juden voreingenommen sei. Eine längere Debatte entstand über die Frage, warum keine Frau zum Mitglied der Kommission ernannt worden ist. Mehrere Redner bestanden darauf, daß di« Ernennung einer Frau von höchster Wichtigkeit wäre, worauf der Minister nochmals fcststelltc, daß die Zusammensetzung der Kommission ausschließlich aus männlichen Mitgliedern dem Rate des High Commissioner entsprechend erfolgte, nachdem der High Commissioner sich mit den Vertretern der verschiedenen Religionsgemeinschaften wegen dieser Frage in Verbindung gesetzt hatte. Pro-arabisches Unterhaus - Komitee Der bereits von uns in der vorigen Nummer erwähnte Briet von 20 Unterhausmitgliedern an die ״Time s“ hat folgenden Wortlaut: ״Jetzt, da die Kgl. Kommission für Palästina ernannt worden ist, halten wir cs für sehr wünschenswert, daß sie sofort an ihre Arbeit gehen kann. Um dieses Ziel zu erreichen, glauben wir, daß es nötig ist, die arabischen Be- Hirchttingen zu beseitigen, daß etwaige von der Untersuehungs-Kommissian zugunsten der Araber gemachten Empfehlungen nicht ausgeführt werden würden infolge des zionistischen Einflusses im Parlament und in der Presse. Wir möchten daher feststellen, daß wir bereit sind, im Unterhaus dafür zu sorgen, daß die arabischen Interessen geschützt werden und soweit als möglich alle bercchtigten arabischen Ansprüche in Palästina und alle zu ihren Gunsten etwa gemachten Empfehlungen der Kgl. Kommission erfüllt werden.“ Das Schriftstück ist unterschrieben an erster Stelle von Lord W i n t e r t o n, der auch in der bekannten Palästina-Debatte im Juni der Wortführer der pro-arabisehen Richtung gewesen ist. (Der hebräische Lehrerverband hat an Lord Winterton kürzlich ein Telegramm geschickt, in dem er ihn auf den Bombenwurf in der Jemenitenschule in Tel• Awiw aufmerksam machte, um ihn dadurch von der Unter- Stützung der arabischen Sache abzubringen.) Die weiteren Unterzeichner des Briefes sind: Douglas Clifton Brown, Austin Hopkinson, J. A. Herbert, R. Beaumont, Kenneth Pickt ho r n, Henry Page Croft, Katharine A t h o 11, Alfred K n o x, D. W. Gunsto n, Arnold W i 1 - son, W, B. Spens, Geoffrey Ellis, F. F. A. Heilgers, A. A. Somerville, H. Clifton Brown, C. U. Peat, B. Cruddas, Victor Raikes, Anthony Crossley. Wie zu ersehen, befindet sich also unter den Unterzeichnern (neben der Herzogin von Athol!) auch Sir Arnold Wilson, dessen Brief in der ״Times“ kürzlich Gegenstand einer Kontroverse war. Auch sonst sind unter den Unterzeichnern mehrere Personen, die schon früher pro-arabisch hervorgetreten sind. Es verlautet, daß die Unterzeichner sich unter dem Einfluß der Propaganda der arabischen Delegation zu einem Komitee zusammengeschlossen haben. ״Juden anerkennen Palästina als b!national“ Ein Artikel von Norman Bentwich Die in der letzten Woche durch einen Artikel des früheren Beamten der Palästinaregierung Archer C u s t (s. ״J. R.“ Nr. 60) eingeleitete Artikelserie über das Palästiuaproblem wird in der Zeitschrift ״Great Britain and the East“ durcli einen grundsätzlichen Artikel von Norman Bentwich, ehemaligem Oberstaatsanwalt von Palästina, fortgesetzt. Die Zeitschrift kündet an, daß diesem den jüdischen Standpunkt darlegendeu Artikel noch eine Beleuchtung des Problenis unter a r a b i s c 11 e n Gesichtspunkten folgen werde. Bentwich weist darauf hin, daß Palästina als natürlicher Treffpunkt von Ost und West immer wieder von verschiedcnen Völkerschaften bewohnt war. Der Anspruch des jüdischen Volkes, dein Palästina zweitausend Jahre lang die geistige Heimat geblieben ist, auf dieses Land wurde im 19. Jahrhundert von den europäischen Mächten, insbesondere England, anerkannt, und dieser Anspruch' wurde als eines der Friedensziele aufgestellt. Der Verfasser schildert die Vorteile, die die Entwicklung der letzten fünfzehn Jahre beiden Teilen der Bevölkerung gebracht hat, und kommt zu dem Schluß, daß die arabischen Einwohner des Landes und die jüdischen Einwohner und Neueinwanderer in gleicher Weise sich ein blühendes Nationalheim schaffen, ihre Sprache und Kultur pflegen, ihre Schulen und Universitäten entwickeln und in steigendem Maß an jeglicher wirtschaftlichen, sozialen und politischen Tätigkeit teihiehmen können. Dieser friedlichen Entwicklung stehe nur die Furcht vor politischer Herr- Schaft des einen über das andere Volk im Weg e. Diese Furcht könne durch das von der Mandatarregicrung gegebene und von der Jewish Agency bekräftigte Versprechen beseitigt werden, daß beide Völker vollständige G 1 e i c 1111 e i t d c r bürgerlichen und p o - liti sehen Rechte genießen sollen. Von den Juden werde mit Ausnahme einer kleinen Gruppe anerkannt, daß Palästina ein b i 11 a t i o n a 1 es Land sein muß, in dem die Juden mit den Arabern in Frieden und Freundschaft leben müssen. Andererseits müßten die arabischen Führer und das arabische Volk die tiefe Verbindung anerkennen, die Erinnerung, Geschichte und Glaube zwischen dem jüdischen Volk und dein Heiligen Land geschaffen haben. Inwieweit die Araber zu dieser Anerkennung kommen werden, hänge teiis von der Unterstützung der Regicrung, teils von der Einsicht und Großmut des jüdischen Volkes in Palästina ab, das jederzeit neben seiner eigenen Wohlfahrt auch die der Araber anstreben müsse. Weitere AeuBerungen ln der letzten Nummer von ״Great Britain and the East“ sind wieder einige Zuschriften zur Palästinafrage abgedruckt. Interessant ist die Aeußerung eines ״arabisch sprechenden sefardischen Juden, der sich unterschreibt ״Muhebb-Et-Tarafein“. In dessen Zuschrift heißt es u. a.: ״Die Zionisten in ihrer begreiflichen Begeisterung für ihre Aufgabe machten anfangs den Fehler, sich aut die Seite Europas gegen Asien zu stellen. Sie übersahen die Tatsache, daß die Araber nicht eine Wüstenhorde, sondern ein Volk mit einer großen Zivilisation hinter sich sind, das die Welt bereits durch Kulturwerke bereichert hat Nun ist die Zeit gekommen, wo alle verantwörtlichen Fü׳hrer des Zionismus begreifen müssen, daß ohne den guten Willen der Araber und Moslems das Jüdische Nationalheim kaum hoffen kann, ein vollständiger Erfolg zu werden, weder jetzt noch in der Zukunft. Es mag zwar sehr angenehm sein zu denken, daß die Macht von Großbritannien hinter den Juden steht, aber ein Heim, sei es nun ein Nationalheim oder ein anderes, kann nicht auf einer Grundlage von Bitter• k e i t und Haß gebaut werden, der in regelmäßigen Abständen sich in Ausschreitungen und Unruhen Luft macht.“ Der Brief schließt mit der Versicherung, daß die Araber und Juden, die aus vielen Jahrhunderten gemeinsamer Herkunft zusammengelebt haben, wieder eine große bleibende Kultur im Orient schaffen werden. Die Redaktion des ״Great Britain“ bemerkt dazu, daß wohl * Araber und Juden friedlich zusammenleben könnten, aber die Frage sei, ob auch Araber und Zionisten, d. h. wohl, ob die politischen Aspir*■ tionen der beiden Völker einander nicht ausschließen. Ein Araber R. Farali, der jetzt mit der Delegation In London ist, schreibt in einem Brief an ״Gr. Br. and the East“, es kommt nicht auf die materiellen Vorteile oder Nachteile an, sondern auf die Frage: ״Mit welchem Recht haben die Juden in unserem Lande einzudringen, außer etwa durch das Recht der Eroberung? Der anglo-zionisti* sehe Angriff in Palästina ist nicht sehr verschieden von dem italienischen Angriff in Abessinien, außer daß im ersteren Fall er die Zustimmung des Völkerbundes erhalten hat und dadurch nach außen verdeckt wurde, während im letzteren Fall diese Zustimmung nicht gegeben wurde, so daß es deutlich als Angriff erkannt wurde.“ Die Araber, so führt er weiter aus, können nicht hoffen, in England oder beim Völkerbund Gerechtigkeit zu finden, denn man gebe nur auf Stärke. Zum Schluß erklärt der Briefschreiber, selbst wenn der Zionismus dem Lande Segen bringe, so hasse er diesen Segen. Er wünschte lieber das türkische Regime zurück und möchte in Armut und Unbildung leben, statt mit großer Bequemlichkeit unter zionistischer Herrschaft. Freiheit sei ein höheres Gut als materielle Güter. In diesem Brief, so sehr er auch geschickt aus taktischen Gründen geschrieben sein mag, wird doch deutlich, wie sehr sich die Araber Palästinas gegen die unvermeidliche Umgestaltung des Landes durch die modernen Errungenschaften, die der Zionismus einführte, sträuben. Wenn gesagt wird, Freiheit sei ein höheres Gut und darum sehnen sich die Araber nach der türkischen Herrschaft, so zeigt sich die Demagogie dieser Argumentation, denn unter türkischer Herrschaft waren die Araber niemals frei, sondern viel unfreier, als sie es heute sind. Hauptschrift leiten Dr. Robert Weltsch, Berlin - Charlottenburg 0 (auch verantwortlich für die Aufnahme von Bildern). Stellvertreter! Kurt Loewenstein, Berlin W15. Anreigenleiter und verantwortlieh für den Inhalt der Anreigen: Hermann F i n n, Berlin W 15, Gültig Anzeigen - Preisliste 5 vom 1. April 1938. Verlag und An. zeigenvci waltung: Jüdische Rundschau, Berlin W15, Meinekeatx. 101 D.-A. Juni 38 037. — Druck: Siegfried Schoiem, Berlin• Schöneberg.

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