Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 61 (31.7.1936)
- Date
- 1936-07-31
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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4 ו י׳*«־־* JODISCHE RUNDSCHAU Nr. 61, 31. VII. 1936 IHSC1IAU Arabische Welt / Michael Ass af Arabische Nachbarländer und Unruhen Die palästinensischen Unruhen fanden in den arabisch-sprechenden Landern ein starkes Echo. Und dieses Echo verstärkt sich in dem Maße, wie die rasche Liquidation der Unruhen im Lande sich verzögert. Daher hielt es die Pallistina-Re״icrung für notwendig, vielen arabisehen Zeitungen die Einfuhr nach Palästina, zu untersagen und die anderen unter Zensur zu stellen. Die pan-arabisdie Idee Wo ist die Quelle dieses Echos zu suchen? Die pan-arahisciie Idee als historisch-politischkultureller Gedanke hat in den letzten Jahrzehnten grolle Fortschritte gemacht. Die Grundlage der nationalen Beziehung in Syrien, im Irak, im arabischer Palästina, in Aegvpten und in den nordafri kn irischen Ländern ist der Unterrieht in der arabisch-moslemischen Geschichte und der arabischen Literatur. Sie ist die Grundläge des geistigen Lehens dieser Völker und die eurooiiisrhcn!.ehren bilden darüber nur eine oberfachlich0, hauptsächliche politische Schale. Hi1!/u kommt, dal! der europäische Imperialismus in allen diesen arabisch sprechenden Ländern herr-cht und -ie dadurch einigt. So wie früher die ottomanisrlie l ’nterdnickung diese Länder miteinander verband, so fallt sie jetzt tler westliehe Imperialismus zusammen. In der heutigen Pcrkxlc, die durch den Kampf aller arabisch sprechenden Lander gegen den westlichen Impei ialisimis tlrirahtcrisiert ist, wird das Gefühl der (iemcin-amkeif noch starker als früher. Ls entsteht das Gefühl — und dieses verbreitert sieh zur Ihkcmitnts, daß jetzt der Moment der fhitsrhridimg und des Sieges gekommen ist. Jeder Teil dieses Blockes als solcher ist an der Niederlage tf־׳- Impcriali-nius auf der ganzen Front interessiert, weil von dem Stande der Dinge an einem Punkte das Schicksal aller mitbestimmt wird. In Serien, Aegypten und dem arabischen Palästina wird der gleiche Kampf gekämpft und herrscht die gleiche Empfindung, daß die Stunde der Entscheidung gekommen sei. Dabei mischen sieh positive und negative Faktoren. Das Bewußtsein einer natürlichen Einheit, der Raswnverwamlts!;haft, der gemeinsamen Sprache und des gleichen Schicksals mischen sich rnit der (iegnerscintit gegen das Christentum, dem Daß gegen das Fremde und der Angst vor einer revolutionären Kultur usw. Und das stärkste Moment: ein Gefühl der gro- Ben Schwäche des Orients gegenüber dem Westen, tler sich trotz aller seiner Spaltungen als der Starke erweist. Alle diese Empfindungen fließen zusammen zu einem Gefühl des gemcinsamen arabischen Schicksals. Aegypten Die ägyptische Presse, die sich zu einem Teil in den I landen von christlichen Svrern, zum Teil von pan-arabischen Aegvptcrn befindet, hat aut die palästinensischen Unruhen sehr stark reagiert. In Aegypten gibt es eine ansehnliche palästinonsische Kolonie (hauptsächlich Hebroner) und der Oberste Arabische Rat hat vom ersten Moment Aegypten mit besonderen Propaganilisten versorgt. Aegypten bildet zugleich das Zentrum der italienischen Propaganda im arabischen Osten. Sie richtete ihren Hauptangriff gegen die ״Irrtumer“ der englischen Politik. Nach der ägtntischen Presse ist England Pa Histina gegenüber in zwei einander widerspre- 1 :de Versprechungen verstrickt, und e« bleibt kein anderer Ausweg als eine davon — natürlich die Balfotir-Deklaration — zu widerrufen. Die ägyptische Presse hat den Engländern bedeutet, daß ihre Zukunft im O-ten von der Freundschaft der Araber abhängf (und von der Freundschaft Aegyptens) und daß somit die politische Vernunft die Abschaffung der Baifmir-1 )eklaiaiion gebietet. Alle Argumente aus den ägs pti-cli-englisehen Verhandlungen werden auch auf Palästina angewandt. Die Verfechter dieser ,,Losung“ greifen in tler Regel nicht die Juden an, sondern sehen in ihnen ein Opfer der politischen Manöver der Engländer. Sie spreeben also sozusagen im lute! esse der Engländer und der Juden . .. Fs gibt aber auch eine Miuorit.ät, die -ich gegen die Juden wendet. Das sind die f; 1n,1twehen Pan-Islamisten, die gegen jede fremde Religion heftige Feindschaft hegen, Und schließlich gibt es in diesem Chor auch einige Stimmen, die ein engli«ch-arahisch-jüdisches Uebereinkommen fordern. Die ägyptische ()Öffentlichkeit wird auf gefordert, sich den Protesten anznschiießen und Geld zu spenden. Sie ist der Aufforderung zum Protest bereitwillig nachgekommen, jedoch waren die (Geldspenden bisher ziemlich mager: kaum 1000 Pfund. Man darf jedoch nicht vergessen, daß sich Aegypten noch nicht mit vollem Herzen zum pan-arabischen Block rechnet. Bei der U11terstützung, die es den palästinensischen Arahern angedeihen läßt, spielt vielfach politische Taktik mit (Druck auf England in den angloägyptischen Verhandlungen). Syrien Anders ist die Lage in Syrien, wo man auch heute noch in Momenten nationaler Begeisterung Palästina mit ,,Süd-Syrien“ bezeichnet, ln Aegypten wirkt sich trotz aller Sympathie für Palästina und trotz aller Versuche, England im Moment Schwierigkeiten zu machen, auch eine Hemmung aus: Man will England, den zuktinftigen Bundesgenossen, nicht zu sehr verletzen. Im französischen Syrien sind die Nation»- listen in ihrer Aktion und in dem Ausdruck ihres Solidaritätsgefühls freier. Dort wurde in verschiedenen Städten der Sympathiestreik proklamiert und unter dem Druck der palästinensisehen Araber wurde ein Komitee gegründet, um die Sendung von Eiern, Gemüsen, Früchten usw. an die palästinensischen Juden zu verhindern. Da nun Kaufleute und Produzenten in Syrien durch diesen Beschluß schwer geschädigt werden und sich dagegen wehren, wurden Trupps von jungen Leuten auf die Beine gebracht, die den Export nach Palästina mit Gewalt verhindern sollen. Es wurde auch ein ״Palästinatag“ veranstaltet, um Gelder zu sammeln, der jedoch nur einige hundert Pfund ergab. Ist doch Syrien, das keine Balfour-Deklaration hat, sehr arm. Libanon (m Libanon, das sich trotz der Unruhen an der Levante-Messe beteiligte, ist die Beziehung zur arabischen Bewegung im Lande eine andere. Die politische Hochflut im arabischen Osten hat tute Verschärfung tler Beziehungen zwischen den syrischen Nationalisten und den Maroniten, die das Rückgrat der libanesischen Unabhängigkeit bilden, zur Folge gehabt. Es bestand ein Abkommen zwischen den syrischen Nationalisten und dem maronitischen Patriarchen (dem religiös-poütischen Oberhaupt), die Selbständigkeit des Libanon und seine Grenzen nicht anzutasten, und obwohl der Patriarch seinen großen Einfluß zugunsten der syrischen Nationalisten geltend gemacht hat, hielt die syrische Delegation in Paris die Stunde für geeignet, die Frage der Grenzen zwischen Syrien und dem Libanon von neuem aufzuwerfen, Das hat die Beziehungen zwischen den beiden Ländern verschürft und den Libanon noch mehr von den Pan-Svriern und Pan-Arabisten entfernt. Der Libanon ist zudem in hohem Maße in seinem Export und in den Einkünften seiner Kurorte vom jüdischen Palästina abhängig. Daher sah der offizielle Libanon die Solidaritätsbewegung für die palästinensischen Araber ungern. Dennoch gelang es den Agenten des obersten arabischen Rates, durch ihren Einfluß auf einen beträchtlichen Teil der moslemischen und der christlich-orthodoxen Presse (die orthodoxen Christen als orientalische Kirche halten zu den Moslems gute Beziehungen aufrecht) auch unter einem beträchtlichen Teil der Libanesen eine Svmpathiebewegnng zu entfachen (unter den Moslems und den Orthodoxen ). Transjordanien Der oberste arabische Rat hat große Anstiengungeo gemacht, um in Transjordanien eine Bewegung zu entfachen. Es gelang auch, in einigen Städten Streiks und Demonstrationen zu organisieren, an Orten, wo Palästinenser oder Syrer aktiv sind. Irak Die irakische Presse hat die englisch-7'vonistische Politik stark kritisiert. Jedoch scheut man sich in Irak noch mehr als in Aegypten, England direkt anzugreifen. Sympathiestreiks und Demonstrationen wurden nicht veranstaltet. Fine Geklsammltirig hat begonnen, die jedoch nach den Pressemeldungen bisher nur ein paar hundert Pfund ergeben hat. Hcdschas und Jemen Die Agenten des obersten arabischen Rates sind auch bis Mekka gelangt. Die Furcht, England zu verletzen, ist jedoch dort doppelt groß. Es wurde eine Kommission zum Geldsammeln eingesetzt, aber sie dürfte kaum praktischen Wert haben. Die starke Propaganda, die der arabische Rat jetzt in den arabischen Ländern treibt, isthanptsächlich auf ein Ziel gerichtet: die arabisehen Regierungen zu Protesten zu bewegen. Das ist ihm bisher׳nicht g e 111 n g e n. Nur׳ der Imam Jadjeh von Jemen, der keine diplomatischen Verbindungen mit der Außenwelt hat, schickte ein Telegramm an den König von England. Siedluilgswesen / Dr. H. Ernst Lebensmittelversorgung des fischuw Seit den ersten. Unruhetagen war es bereits klar, daß das Ziel der arabischen Streikbcwcgnng, die Lebensmittelversorgung des jüdisehen städtischen Jiscliuw durch die Absclmürung der Zufuhr der landwirtschaftlichen Produkte zu gefährden und unmöglich zu machen, nie erreicht werden kann. Obwohl man in dieser Zeit kaum daran geglaubt hat, daß die Unruhen und der Streik so lange dauern wurden, ist man gleich in der ersten Woche daran geschritten, die Lebensmittelversorgung der Städte mit landwirtschaftlichen Produkten zu organisieren. Die Hauptsorge für geregelten und ungestörten Nachschub fiel auf die Arbci-!erwirtschaften, die als gemischte landwirtschädliche Betriebe den größten Teil der irn jüdischen landwirtschaftlichen Sektor erzeugten Produkte lieferten. An ckm allgemeinen Verbrauch des jüdischen Jiscliuw gemessen war allerdings ihr Anteil recht bescheiden, da der Bedarf an landwirtschaftlichen Lebensmitteln zu einem großen Teile durch Import aus den umliegenden Nachbarländern und durch Fellachen gedeckt wurde. ,,Tnttwah“, die große Absatzkooperative der jüdischen Arbeitcrwir! schäften wurde somit vor neue, schwere und komplizierte Aufgaben gestellt, Es galt (und es gilt bis zum heutigen Tage) nicht nur die Verteilung zu organisieren, sondern auch die Produktion im entsprechenden Maße zu vergrößern, um den Ausfall der arabischen Produkte und die durch Komtnunikationsschwierigkeiten entstehende Verzögerung bei der Belieferung aus den Nachbarländern auszugleichen. Gleichzeitig galt es, eine Verteuerung der Produkte und die sich leicht einstellende schädliche Spekulation zu verhindern. Diesen Aufgaben wurden Tnuwah und die dafür verantwortlichen Institutionen in beträchtlichem Maße gerecht. Man hat in diesen drei Monaten kaum einen Mangel an den wichtigsten LebensmLtcln empfunden, die Preise zogen relativ wenig an, und wenn auch noch viel in der Richtung normaler Versorgung zu tun ist, kann man wohl sagen, daß das Problem als solches gelöst sei und die Gefahr der ,,Aushungerung“ der Juden durch Streik und Boykott der Araber nicht besteht. Schwierigkeiten der Milchwirtschaft Trotz der vergrößerten Nachfrage nach allen frischen landwirtschaftlichen Produkten entstehen hier und da Schwierigkeiten, die direkt oder indirekt durch die heutige Lage verursacht sind. Dies gilt in erster Reihe für die Milchwirtschaft. Die letzten Jahre brachten eine wachsende Rentabilität der gemischten Wirtschaft und hauptsächlich der Milchwirtschaft. Manchen schien es, daß dieser Zweig berufen sei, angesichts der drohenden Orangenkrise eine entscheidende Rolle in der palästinensischen Landwirtschaft zu spielen. Die Investitionen nahmen zusehends zu, 80 daß sogar eine Warnung vor einem ״Boom“ am Platze war (siehe die Umschau vom 27. März 1936). Im großen Maße wurden Milchkühe importiert, wobei die Bedingungen des Landes, die Auswah! der Rassen und die richtige Höhe der Preise nicht immer genügend beachtet wurden. Ein Teil der Käufe wurde unter dem Gesichtspunkt einer Handelskonjunktur, andere aus Transferrücksichten getätigt. Während die Arbeitcrwirtsehaften auf Grund genauer Prüfung und Beratung durch ihre Einkaufsorganisation ״Haboker“ etwa 700 erstklassige Milchkiihe importierten, brachten verschiedene Importeure die doppelte Anzahl von Kühen ins Land. Die so plötzlich gesteigerte Milcliproduktion drohte noch vor Ausbruch der Unruhen den Markt in Unordnung zu bringen. Mit dem Beginn des ״Belagerungszustandes‘‘ erwies sich diese Gefahr der Ucbcrproduktion allerdings als ein Segen, der eine ausreichende Versorgung des Jiscliuw möglich machte. Aber es kamen andere Umstände hinzu, die neue Gefahren heraufbeschworen. Die Detailpreise für frische Trink-, milch aus jüdischen Wirtschaften sind sehr hoc 11. Sie betragen pro Liter etwa 30 Mil (ca. 40 Pf.), was durch die hohen Investition»- und Betriebskosten gerechtfertigt wird. Dieser hohe Preis war keineswegs dazu angetan, frische Milch zu einem Volkscrnähningsmittcl zu machen. Ein großer Teil der Bevölkerung muß sich entweder mit billiger arabischer oder mit importierter kondensierter Milch behelfen. So ist der Markt für frische Milch, obwohl in ständiger Ausweitung, ein recht beschränkier. Infolgedessen muß ein großer Teil der Milch in Milchprodukte (Butter, Vollmilchkäse usw.) umgewandelt werden. Nun sind die Marktpreise für diese Produkte und insbesondere für Butter infolge eines unbeschränkten Dumpings seitens butterproduzierender Länder verhältnismäßig sehr niedrig. So kommt es, daß obwohl die Preise, die der Produzent für frische und verarbeitete Trinkmilch wie ״Lebben“ und ״Keffir“ (zwei Arten Sauermilch) bekommt, ihm einen recht guten Oewinn sichern, der Durchschnittspreis aller Milchprodukte nur eine bescheidene Menge der Rentabilität ermöglicht. Dabei wird bei dieser Berechnung des Durchschnittspreises nicht der niedrige Preis der australischen oder litauischen Butter als Grundlage genommen, sondern der Preis der im Lande produzierten Butter, der beinahe doppelt so hoch ist wie der der importierten. Solange die Verhältnisse im Lande normal waren, begnügte man sich damit, den Markt für einträgliche frische Milch und Milchprodukte (wie Lebben, Keffir und Salme) mögliehst zu erweitern und nur den unverkäiifliehen Rest dieser Milch in unrentable Milch- Produkte timzusetzen. Die vergrößerte Milch- Produktion hat die bisher bestehende Proportion zwischen Trinkmilch und Milchprodukten verändert, die Unruhen haben sie ganz umgestoßen. Einerseits konnte ein Teil der Milch infolge mangelnder Sicherheit auf den Wegen nicht rechtzeitig in die Stadt gebracht werden und mußte für Buttercr/eugung verwendet und magaziniert werden. Andererseits hat die gespannte und unsichere Lage und die Einengung des Arbeitsmarktes einen bedeutsamen Rückgang in der Verwendung von teuerer Trinkmilch, Lebben, Keffir usw. mit zur Folge gehabt. Der bisher rentable Zweig ־— die Milchwirtschaft — wurde mit einem Schlage zuriiekgedrängt und befindet sich nun an der gefährlichen Grenze zwischen Profit und Verlust. ״Tage der indischen Butter•• Um die sich ansainmeinden Vorräte der für die Butterprotiuktion bestimmten Salme zu verringern, wurde eine Aktion in die Wege geleitet, die einen mölleren Verbrauch der jüdischen Butter siclicrn sollte. Im ganzen Lande wurden neun Tage zur ausschließlichen Verwendung jüdischer Butter proklamiert. Die Importeure der ausländischen Butter erklärten sich bereit, für diesen Zeitraum den Verkauf der Importbutter einzustclleu. Die ״Tnuwah“ ermäßigte weitgehend den Preis der Butter. Die öffentliche Meinung wurde durch eine Pressekampagne gewonnen. Der Butterbedarf der jüdischen Bevölkerung Palästinas ist sehr groß. Es wurden im letzlen Jahre etwa 2200 Tonnen Butter importiert, die beinahe ausschließlich für den jüdischen Jischuw bestimmt sind. Die ״Tnuwah“ produziert aus Gründen, die wir vorher angeführt haben, kaum ein Zehntel dieser Menge. Wenn auch mit Rücksicht auf die Wichtigkeit dieses Produktes für Volkscrniihrung ein rücksiclitsloser Kampf für einen Schutzzoll nicht ratsam erscheint, ist eine Erhöhung des Verbrauchs der jüdischen Butter sowohl aus nationalokonomischen wie auch aus üesundheits- und sanitären Gründen zu empfehlen. Die neun Tage wurden daher ohne Widerspruch von Um Verzögerungen zu vermeiden, bitten wir dringend, Manuskripte und Einsendungen, die für die Redaktion bestimmt sind, nicht an Einzelpersonen, sondern an die Redaktion zu adressieren. der öffentlichen Meinung gebilligt, so daß die Aktion auf Erfolg rechnen konnte. Die Ergebnisse der Aktion sind recht bedeutsam. Nicht mir, daß in diesen neun Tagen etwa 20 Tonnen Butter über die normale Buttererzeugung der ״Tnuwah“ verkauft worden sind (was einer Totalmenge von etwa 500 (XX) Liter Milch entspricht), sondern, was wichtiger ist, blieb die Buttererzeugung nach Beendigung der Aktion erheblich höher. So erhöhte sieh z. B. in Tcl-Awivv der Butter• absatz der ״Tnuwah“ um ca. 30 0> über das Normale. Neue Milchindustrien Dieser Teilerfolg löst jedoch das Absatzproblcrn der Milch noch in keiner Weise. Die ״Tnuwah“ sieht sich genötigt, neue Pläne zu prüfen, von denen einige jetzt vor einer Verwirklichung stehen. In bestimmten Zentren werden Fabriken errichtet, die kondensierte Milch (ein im Lande sehr verbreiteter Artikel), Milchpulver und Hartkäse erzeugen sollen. Dadurch wird ein Teil der Transportkosten gespart, neue Arbeitsmögiichkeiten geschaffen, ein Marktartikel im Lande erzeugt, der die Aussichten hat, mit Erfolg ausländischen Import auszuschalten und, was vom Standpunkt der Milchwirtschaft am wichtigsten ist, neue Möglichkeiten gegeben, den Ueberschuß an Milch zu besseren Preisen abzuset/en, als sie die Butter erzielt. Soziale Arbeit/ Marg. Tumowski-Pmner Antwort der Regierung Soweit sich die Resolutionen der am 16, und 17. März abgclialtencn Konferenz, für soziale Arbeit an die palästinensische Regierung wandten, wurden sie durch den Waad Leunu an diese wcitergclcitct. Seit kurzem liegt die Antwort der Regierung־ vor. Folgende Forderungen waren gestellt worden: a) Einführung der allgemeinen Schulpflicht; b) Erhöhung des Beitrages zum jüdischen Er/ichungswerk und speziell zur fachlichen Erziehung der Jugend; c) Inkraftsetzung des Gcsct/esvörschlags vom Juü W33 über die jugendlichen Straffälligen; d) Einwirkung auf die Bezirks- und Stadt- Verwaltungen, sich in höherem Grade an den Ausgaben der sozialen Arbeit zu beteiligen; e) Erleichterung tler schwierigen Situation der von ihren Familien abgcschnittenen illegalen Einwanderer; f) Erhöhung des sanitären Budgets der Regierung ini Lande und speziell Errichtung einer neuen Anstalt für Geisteskranke; g) Heraufsctzimg des Heiratsalters; h) Erweiterung des Schutzes der Kinderarbeit. Auf die Forderung «ach Einführung der allgemeinen Schulpflicht antwortet die Regierung ohne weitere Begründung ablehnend. Es ist hier früher wiederholt auf die sozialen Folgen des fehlenden Schulzwangs hingewiesen worden, auf das Aufwachsen von Tausenden von Kindern ohne Erziehung, Unterricht und ärztliche IJcberwachung, auf »die KindcrVemachlässigung und die Gefahr jugeiullichen Verbrechertums, aut vorzeitige Kinderarbeit. Es ist aber auch davon gesprochen worden, welch-c Schwierigkeiten der Einführung des Schulzwangs infolge des noch ganz unentwickelten arabischen Schulnetzes und dem Mangel an ausgebildeten arabischen Lehrern entgegenstellen. Die Budgetforderung erwidert die Regierung mit dem allgemeinen Hinweis auf die dauernd erhöhten Erzichungsbeiträge. Speziell die Zahlung für die Fachschulen sei letzthin von 10 000 auf 18 000 Pfund erhöht worden, wovon Beträge an das Technikum iri Haifa, die Landwirtschaftsschulen in Mikweli-Jisrael und in Ben- Schemen, die neue Bczalelschule in Jerusalem und die Tcl-Awiwer Handwerkerschule auf den Namen Max Fein gehen. Zugleich weist die Regierung auf ihre entsprechende Arbeit unter den Araber n hin. Gegenüber der Forderung nach erweitertem Schutze der Kinderarbeit weist die Regierung auf den desctzesvorschlag vom 6. Februar 1030 hin, der anerkanntermaßen einen wichtigen Fortschritt bedeutet, und der in kurzem in Kraft treten werde. Auf die neuen, über den Gesetzesvorschlag hinausebenden Anregungen der Resolution, die usdehnung des Schutzes auf die Hauswirtschäften, die Erhöhung tler Schutzgrenze auf 14 Jahre, die Regelung des Urlaubswesens geht die Regierungsantwort nicht ein. Auf die sanitäre Forderung antwortet sie, daß sic hoffe, in kurzem eine neue Irrenanstalt in Beth-Lcchem aufinachen zu könneu (eine kürzlich im Lande durchgeführte Zählung hat die dringende Notwendigkeit bewiesen, die vielen Geisteskranken, die ungeschützt und als Last und Gefahr für ihre Angehörigen in den Familien leben, in Anstaltcn imterzubringcn). Beiläufig und unverpflichtend ist auch die Erklärung zu dem so wichtigen Problem der jugendlichen Verbrecher. Die Regierung dankt der sozialen Abteilung des Waad Lcumi für ihre Mithilfe bei der Durchführung der über jugendliche verhängten Schutzaufsicht, gebt aber auf die Frage nicht ein, ob der nun schon drei Jahre zurückliegende Gesetzes Vorschlag in absehbarer Zeit zum Gesetz werden wird — und doch sollte dieses Gesetz eine wichtige Handhabe zur Bekämpfung der jugendlichen Kriminalität bieten, indem es die Erziehungspflicht der Eltern festlegte, und die Regierung zum Eingreifen in den Fällen der Kindergefährdung, noch vor erfolgter Straftat, ermächtigte. Auf die Forderung, das Heirat s alter hinaufzusetzen, schreibt die Regierung, daß sie sich freue, initteilen zu können, daß sie sich mit den Leitungen der Religionsgemeinschaften verständigt hat und die Möghchkeit sieht, in dem neuen palästinensischen Strafgesetzbuch die . Ehefähigkeitsgrenze bis zum vollendeten 15. Jahre hinaufzusetzen, und also so der Anregung der Konferenz zu ent• sprechen. (Schluß folgt) (Schluß des Palästina-Teils)