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Jüdische Rundschau · 1936-07-31 · Heft 61 (31.7.1936) · page 11

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 61 (31.7.1936)
Date
1936-07-31
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 61, 31. VII. 1936 JÖDISCHE RUNDSCHAU Seite n Von der Universität Jerusalem Aus einem neuen Tätigkeitsbericht Die Hebräische Universität Jerusalem gibt einen neuen TätigkeiGbericht heraus, dem wir nachstehendes entnehmen: Der icht legt besonderen Wert auf die Feststellung, daß die Universität einen ständig im Wachsen begriffenen Einfluß auf die Gestaltung des hebräischen höheren Schulwesens gewinnt. Die meisten höheren Schulen bemühen sich um das Privilegium, daß ihre Abiturienten ohne jede Aufnahmeprüfung an der Universität immatrikulieren können. Seit mehreren Jahren besuchen die Mitglieder einer besonderen Kommission unter Leitung von Prof. Fraenkel alle in Betracht kommenden Schulen, um dort, wo es ihnen nötig erscheint, Vorschläge zur Aenderung des Lehrplans zu machen. Auf diese Weise wird allmählich für alle Abiturienten ein annähernd einheitliches Bildungsniveau erreicht. Zu den wichtigsten Veranstaltungen, die in der letzten Zeit unter der Aegide der Universität stattfanden, gehört der kürzlich in Jerusalem abgehaltene Kongreß der Mikro- Biologen. In dem vorbereitenden Komitee war die Universität durch die Herren Prof. Adler und Prof. Kligler vertreten, während zahlreiche Universitätsangehörige Referate und Vorträge übernommen hatten. So las Dr. Oiitzki über das Verhältnis der giftigen und immunisierenden Wirkungen isolierter Substanzen des Dysenterie-Bazillus, während Dr. Aschner über Erfolge beim Züchten des Flcckfieher-Bazillus berichtete sowie über die Bedeutung dieser Versuche für die Schutzimpfung gegen Fleckfieber. Dr. Kligler berichtete über die Immunisierung von Tryn anosomen. Zum Vertreter der ״Gesellschaft palästinensisener Mikrobiologen“ auf dem ״Internationalen Kongreß der Mikrobiologen“, der in diesem Jahre in London stattfindet, wurde Herr Professor Adler ernannt. Eingehende Studien der kl imaiolo gischen Abteilung der Universität sind zu einem gewissen Abschluß gelangt. Während der letzten sechs Jahre hat man die lnfensität des Sonnenlichtes in verschiedenen Teilen des Landes beobachtet. Es hat sich dabei herausgestellt, daß sie am stärksten an klaren Wintertagen ist, am geringsten hingegen, wenn im Sommer an besonders heißen Tagen der Chamsin weht. Eine andere Versuchsreihe soll die ultravioletten Strahlen des palästinensischen Tageslichtes untersuchen. Da die Ergebnisse dieser Experimente von besonderem Wert für verschiedene therapeutische Zwecke sein werden, hat die Kupath Cliolim einen Teil der Kosten übernommen. Als ihren ersten Beitrag zur klimatischen Kartographie Erez Israels hat die Universität eine Regen-Karte für Palästina, den südlichen Libanon und das nördliche Sinai-Gebiet herausgegeben. Die archäologische Abteilung der Universitat erhielt von Miß Winfred Dickson aus Jericho einen aut ihrem Besitztum gefundenen Stein mit jüdischen Emblemen aus byzantinischer Zeit. — Die Ausgrabungen am Napoleonhiigel bei Jaffa (Tel Jerisha) nahmen unter der Leitung von Dr. Sukenik einen vielversprechenden Verlauf, während auf dem Gelände der Universität selbst jüdische Grabstatten aus der Zeit vor Zerstörung des zweiten Tempels gefunden wurden. In Syrien gruben Prof. Mayer und Dozent Dr. Reifenberg in der alten jüdischen Stadt Naja (bei Deraa) eine Synagoge aus. Die Universität ist mit der syrischen Regierung in Verhandlungen eingetreten, um sich die Möglichkeit einer gründlichen Erforschung dieser Grabungsstatie zu sichern. ln der letzten Zeit fanden eine ganze Reihe von Gast- Vorlesungen statt. Die Vortragenden stammten aus folgenden Ländern: Aegypten, Frankreich, Deutschland, Ungarn und aus den Vereinigten Staaten. Anläßlich des 80. Geburtstages von Professor Freud wurde im Rahmen einer Veranstaltung der Universität die erste offizielle Vorlesung in Hebräisch über den Schöpfer der Psychoanalyse gehalten. Vom Huberman-Orchester. Wir erhalten folgende Mitteilungen: Das Zentralbüro des Palestine Orchestra Trust und der Palestine Orchestra Association (Gründer: Bronislav Huberman) befindet sich jetzt: Tef-Awiw, Rcchow Ben Yehuda 12. — Bei der von der Palestine Orchestra Asm*- eiation ausgeschriebenen Konkurrenz zur Erlangung eines Emblems für das Palestine Orchestra erhielt Herr Werner Epstein, Tel-Awiw, Achad Haamstr. 107, den ausgesetzten Preis. Sein Entwurf — eine Verbindung von Stimmgabel und Menorah — wurde unter 86 eingereichten Arbeiten von der Jury ausgewählt. Die internen Mitteilungen des Landesverbandes Palästina des KJV. (Kartell Jüdischer Verbindungen) erscheinen jetzt in hebräischer Sprache. Das erste Heft des Jahrgangs 1936 ist erschienen, die weiteren Hefte sollen in vierteljährlichen Abständen herausgegeben werden. Wir begrüßen, daß der Bund sich mit diesem Schritt nicht nur in die hebräische Presse, sondern auch in das geistige und kulturelle Sein des palästinensischen jischuw eingereiht hat. Es hieße die Tatsachen verschleiern, wollte man behaupten, daß heute schon alle in Palästina befindlichen KJV.er nun auch ein derartiges Heft ohne nennenswerte Schwierigkeiten lesen könnten. Aber ein Großteil hat diesen Stand der Sprachkenntnissc erreicht. Das jetzige Präsidium des Landesverbandes unter der Leitung von Dr. Paul Hirsch hat den auf der letzten Tagung des Kartells in Tel-Awiw beschlossenen Antrag, Hebräisch zu der offiziellen Sprache des KJV. zu machen, sofort mit erfreulicher Tatkraft ausgeführt. Es ist in diesem Zusammenhang eine Pflicht der Dankbarkeit, der beiden Menschen zu gedenken, welche durch ihre initiative viel für die sprachliche Einordnung der deutsehen Alijah getan haben. Wohl die Mehrzahl der KJV.er hat ihren Unterricht in den von der Hitachduth Olej Germania (Nachunr Lewin) gemeinsam mit der Histadruth Haowdim (Sandbank) in Stadt und Land eingerichteten Kursen und Seminaren erhalten. Daneben ist in einem bestimmten Kreis junger KJV.er in Tel-Awiw wirkliche Pionierarbeit geleistet worden. Aus dem sehr interessanten Inhalt des ersten Heftes sei mitgeteilt, daß sich darin außer der Wiedergabe der auf der letzten Landeskonferenz in Hebräisch gehaltenen Referate von Dr. Max Jakobsohn und Dr. A. Arnsdorf zur Kulturarbeit des KJV. und einem programmatischen Artikel des Präsiden Dr. Hirsch eine Erklärung des Präsidiums zur gegenwärtigen Lage befindet, welche die Verbundenheit mit dem Jischuw gerade in dieser Zeit betont und den Willen kundgibt, trotz allen Opfern weiterzuarbeiten. M. ben J e h ud a h Ha 1 e vy in der Altstadt von Jerusalem werden seit einiger Zeit Vermessungsarbeiten durchgeführt. Es verlautet (laut JTA), daß die Regierung beabsichtigt, auch in der Jerusalemer Altstadt, so wie sic dies in Jaffa getan hat, eine Straßenregulierung vorzunehmen, der viele der kleinen unübersichtlichen Gassen zum Opfer fallen würden. Pläne zur Verbreiterung der Straßen in der Altstadt von Jerusalem wurden schpn unter Dschemal Pascha, dem Oberkomniandicrenden der türkischen Armee in Arabien und Palästina, wahrend des Weltkrieges ausgearbeitet Shakespeare vor Gericht Um Jessners Shylock-Deutung Tel-Awiw, im Juli 1936 Palästina hat die aus Rußland stammende Einrichtung fingierter ״Oclfentlicher Prozesse“ übernommen. Vor breitestein Publikum wird auf Grund einer konstruierten Anklage in Form einer ״Gerichtsverhandlung“ ein Thema aufgerollt, das jeweils gerade die Massen beschäftigt, das in weitesten Kreisen mit eifrigem Für und Wider besprochen wird und das im Scheinwerferiidit der Plaidoyers von Ankläger und Verteidiger, Zeugen und Sachverständigen, bis zu einer gewissen Klärung geführt werden soll. Es gab in Tel-Awiw bereits einige solcher Veranstaltungen, die in dieser Form weit höheres Interesse wadirufen als trockene Vortrags- oder Diskussionsabende es vermöchten. Politische, wirtschaftliche oder soziale Fragen standen auf der Tagesordnung. Diesmal jedoch wandte man sich — wie bereits in früheren Jahren mehrfach ־— einem kiinstlerisch-Iitcrarischen Stoff zu. Den Anlaß bietet die Jessncr-lnszeniermig des ״Kaufmann von Venedig“, von ״Habimali“ herausgebracht (siehe Nr. 4-1/45 der ״J. R,“) und in Tel-Awiw leidenschaftlich verteidigt oder angegriffen. Der ״Chug Habiniah“, eine Art Freundeskreis des Theaters, der sich vor allem bemüht, die Jugend künstlerischen Problemen näherzubringen, zeichnete als Veranstalter des überaus gelungenen Abends, der an dramatischer Wucht den Vergleich mit vielen theatralischen Darbietungen aushielt. Der Saal des ״Ohel-Shem“ ist mit etwa 2000 Besuchern — erfreulicherweise zum überwiegenden Teil junge Menschen — überfüllt; trotz des heißen Sommerabends, trotz feindlichen Ucbcrfällen iin Land, trotz gegenwärtiger Arbeitsnot und Wi rtsch aftssorgen. Das Richterkollegium setzt sich aus Sliaul Tschernichovsky, Jacob Sandbank, Dr. Harari und Fischei Lachower zusammen. Den Vorsitz führen die Schriftsteller Jacob F ich mann und Ascher Barasch. Präsident und Wortführer ist Herr Harkav i, der auch im täglichen Lehen das Amt eines Richters am Tel-Awiwer Friedensgericht bekleidet. Nach kurzer Eröffnung des Präsidenten, verliest Klinow (Redakteur der Zeitung ״Haarez“) die Anklage. Sie lautet: gegen den Dichter William Shakespeare; er habe lcichtfcrtigerweise, ohne mit der Materie oder den Problemen genügend vertraut zu sein, absichtlich oder versehentlich eine antijüdische Angelegenheit konstruiert, mit einer unmöglichen Phantasiegestalt, stark antisemitisch beleuchtet, im Mittelpunkt gegen ״Ff a b i m a h“, das hebräische Theater in Erez Israel, weil es dieses Stück überhaupt auf die Bühne brachte, den Eindruck erweckend, daß das Judentum es nötig hätte, sich in dieser Sache zu verteidigen; gegen den Regisseur Leopold Jessner, der die Figur des Shylock unrichtig interpretiert habe und der, statt die Gestalt zu rehabilitieren, gerade gegenteilige Wirkungen erzielt hätte Die Anklage Klinow hält ein sehr temperamentvolles Plaidoy er, in dem er darauf hinweist, daß die Fabel vom Pfund Fleisch, das vom Gläubiger auf Grund eines eigenartigen Schuld- Scheins eingeforilert wird, schon vor Shakespeare verschiedentlieh in fremden Literaturen — jedoch niemals auf Juden bezogen — gefunden wird und daß der Autor sie leichtsinnig für den Juden Shylock übernahm. Alsdann ging er aut akute — ihm verbessern ngs-notwendig erscheinende — Probleme des Theaters überhaupt ein und auf den Eindruck, den die seines Erachtens falsche Interpretation des Regisseurs aut ein Ptiblikum, das im jetzigen ׳Moment besonders hellhörig und einp- Endlich wäre, erzielen müsse. Er beendigte seine Ausführungen mit der .litte an das Gericht, folgendes Urteil zu fällen: Shylock sei eine antisemitische Gestalt, aut dem hebräischen Theater sei für dieses Drama kein Platz, die hier vermittelte Interpretation könne das Stück keineswegs rehabilitieren und daher seien alle Beklagten schuldig zu sprechen. Aus den Reihen des Publikums traten Zeugen auf, deren Aussagen im Sinne der Anklage belastend waren. (Uebrigens hätte der Vorsitzende nicht versäumen sollen, sie wegen ihres zum Teil bedauerlich unsachlichen Tons zur Ordnung zu rufen.) Die Verteidigung Der Verteidiger, Herr Malchin, bestritt enfschieden eine antisemitische Einstellung des Autors und wäre zufrieden, wenn das Judentum niemals übelwollender betrachtet worden wäre, als von Shakespeare. Er beruft sich dabei auf Goethe und Gustav Landauer. L)cr vom Verteidiger geladene Zeuge, Rechtsanwalt Epstein-Halevy, erinnert daran, daß der Fall ״Shylock“ schon einmal vor einer Gruppe von Juristen verhandelt wurde, verweist auf Jhcrings ״Kampf ums Recht“ und auf Josef Kolliers ״Shylock vor dem Forum der Jurisprudenz“. Die Fleisclientnahme, die im Laufe der Verhandlung als ein ״Sadismus, dessen Juden nicht fähig seien“ bezeichnet wurde, sei hier nur Symbol für die bis zur letzten Konsequenz durchgeführte Forderung nach Recht. Bezüglich der künstlerischen Gestaltung äußert der Zeuge sich dahingehend, daß er ״gewift nicht zu den kritiklosen Bewunderern der ״Hahimah“ gehöre, daß aber im vorliegenden Falle schon die Geriehtsszene allein die Aufführung rechtfertige“. Hochinteressant verläuft die Befragung des Sachverständigen Hafk in, der das Stück ins Hebräische übertragen hat. Nach Ansicht des Sachverständigen kannte Shakespeare keine Juden, weil zu dieser Zeit in England keine ansässig waren. Das Vorbild für die Figur dürften englische Geldverleiher gewesen sein. Seines Erachtens sei jedoch der Antor keineswegs einer antisemitischen Tendenz zu beschuldigen, was jedoch nicht ausschließc, daß das Publikum in der einen oder anderen Einstudierung eine solche zu verspüren bekäme. Gerade jedoch im vorliegenden Falle fände er, daß die Gegenseite weit schlechter abschnitte. Bezüglich der Ucbernahme der Fabel von der Fleischforderung bemerkt der Sachverständige, daß Shakespeare stets fremde Unterlagen benutzt habe, wenn sie ihm gerade brauchbar erschienen. Die Frage, ob das Stück als Komödie zu gelten habe, wird bejaht. Im ganzen liege eine Konzession an den Publik 11 msgt-Schmack jener Zeit vor, den Shakespeare genau erfaßt hätte. Das Publikum hätte ursprünglich die Figur Shylocks vielleicht nicht als eine komische, sicher aber auch nicht als eine tragische angesprochen. Möglicherweise hätten wir es mit einer Antithese gegen Marlowes ״Juden von Malta“ zu tun. Die Zuschauer hätten sich vielleicht leichtfertig gezeigt bei Beurteilung der Shvlock-Figur, nicht jedoch der Autor bei Schaffung derselben. Nach Ansicht des Sachverständigen, dessen Ausführungen wohl fundiert, überlegt und vorsichtig formuliert waren, spräche nichts gegen Aufnahme des Stiicks ins hebräische Repertoire. Leopold .lessniTs Aussage Als Vertreter der Angeklagten ergriff sodann Professor Leopold Jessner das Wort. Er bczciehiiefe es als Aufgabe des Theaters, den Problemen nicht aus dem Wege zu gehen. In diesem Sinne habe Habimah nicht nur das Recht darauf, den ״Kaufmann" herauszub!äugen, sondern es sei geradezu Not- Wendigkeit für sie gewesen. Zum Wesen des Theaters gehöre es aber, daß es nicht das Lehen photographiere, sondern daß bei Wahrung der Idee das dichterische Gebilde im Lichte derZeit und im gen ins loci vermittelt werde. Unter Berücksichtigung dieser Momente habe der Regisseur die Pflicht, das Werk cinzustudicren, und — wie es hier geschelten sei — Streichungen vorzimehnien, falls diese Voraiissctzungon sie bedingen. Jessner betont die Notwendigkeit der konstruktiven Kritik' am Theater und konstatiert mit Genugtuung die kräftige Resonanz, die die Tel-Awiwer Auffiihrnng gefunden habe und die allein für Habimah eine absolute Rechtfertigung bedeute. Wenn hier auch scheinbar verschiedene Ansichten im Kampf miteinander lägen, so könne von einem solchen Kampf das palästinen-ischc Theater nur profitieren. Anschließend plädierten Ankläger und Verteidiger nochmals. Jeder resümierte, was wählend Verhandlung und Beweisaiifnalune für die These schuldig“ bzw. ״unschuldig“ gesprachen habe, und das Gericht zog sich zur Beratung zurück. Das Urteil: Alle Angeklagten freigesprndicn Das Urteil lautete; Shakespeare sei nicht zu beschuldigen, den Shvlock-Tvp in der Komödie .,Der Kaufmann von Von eilig“ leichtfertig ..11 zu haben. Wenn er auch vielleicht nicht in allen Einzelheiten mit indischer Art vertraut gewesen sei, so sei jedoch!״■:!!<■ Spur von Antisemitismus zu entdecken. Im Gegeilte׳! wi es ihm gelungen, im Rahmen der Komödie eine tragi-ehe l!:gm־ von Format zu schaffen und Mitgefühl für einen zu lutrecht gejagten und verfolgten Menschen. Daher könne auch ״II a b im a h״ nicht verurteilt werden.!111 Gegenteil 11111.—e man anerkennen, daß man sich gerade in jetziger Zeit ni.'ht gc-cheuf habe,;111 ein Werk hcranzugelien, das einige Gciahrcn für die hebräische Buhne in sich berge. Der Regisseur J e s -;1 e r halte das Stück im Lichte der Jetztzeit gesehen um! habt־ mit grobem künstlerischem Können das Seine getan, um die hoch cthisihe Stufe aui/uzeigen, auf der der leidende Sin Iota, sich befinde um! die Oberflächlichkeit und Leichtfertigkeit -einer Feinde zu beweisen. Es sei ihm gelungen, taue t r a g i s c 11 e F i g u r von großer Einprägsamkeit zu schaffen und eine besondere Beziehung zu den Frscheimmgeu unserer Epoche herzustellen. Auf Grund dessen hab!• das Gericht einstimmig beschlossen, die Anklage z u r 11 c k z 11 w e i s e n und samtliehe Angeklagten f r c i z 11 s p r e c h e 11. Unter I a ti g a n halt e 11 d e in B e i fall der Anwesenden, unter denen man vor allem auch die Mitglieder des Habimah- Ensembles bemerkte, die diesmal selbst Publikum waren, schloß dann die Verhandlung, die über drei Stunden gedauert hatte. Auf der Tribüne, wo noch wenige Minuten vorher der Kampl der Dialektiker im vollen Gange war, schüttelte man sich freundschaftlich die Hände. Bei der starken Infensität aller Beteiligten blieb eine Frage ungelöst: war das Ganze Ernst oder mir ein Spiel, und welche Konsequenzen wären aus einer eventuellen Verurteilung gezogen worden? * Nathan Bistrizky: ״In dieser Nacht.. Die Legende spielt in der letzten Nacht vor der Zer- Störung Jerusalems. Hungersnot wütet in der von Feinden umlagerten Stadt und fuhrt zu den fürchterlichsten Exzessen. Die Bevölkerung vergib; über fanatischen Parleili.adcr fast den Feind vor den Toren. Jerusalems Stunden sind gezählt. Rabbi Jochanau Ben-Sakkai unternimmt einen letzten Versuch, die Parteiführer zu einigen, der jedoch mißlingt. Damit scheint für ilui das Verhängnis besiegelt und unaufhaltsam zu sein. Alles, was Materie i-t, gibt er verloren. So beschließt er zu den Römern vor die Mauern zu gehen -׳ - nicht um Gnade für Jerusalem zu erflehen, sondern um die Erlaubnis 711 erwirken, für die Errichtung eines Bcth-Midr,1sch in J ahne. Da kein Lebender die Stad! verlassen darf, läßt er die Nachrieht seines Todes verbluten und sich von seinen Schillern in einem Sarge aus der Stadt frage!!. Er weiß,!!aß Israel eine lange Dia-pora zu überdauern haben wird, daß seiner viele Prüfungen harren, er kennt die Gefahren der Assimilation und will ihnen von vornherein begegnen. Er will das GnUrtli vorbereiten, jüdischem (ieistrsguf den Hoden sichern, in der Gewißheit, dali der Geist und dm Lehre das Jude1)jt״n über Jahrtausende hinweg erhalten werden, bis ihm die endgültige Erlösung und das i lcimfindcn bestimmt sind. Bistrizkvs Werk ist im wesentlichen auf den Konflikt gestellt, der solchermaßen cirUteht; Vei tcuUguug des geliebfett Bodens, des Volkstums bis /!1m äußersten, mit der fast sicheren (icwildieit gänzlicher Vernichtung im Falle des Unterliegens, oder Bevorzugung j.ilulatiseiullanger Verbannung, aber Rettung der geistigen Werte mit der Chance, durch sie gestützt, endlich wieder eine Volksgemeinschaft aufzubaiien. Von den vier Akten des Dramas, dessen Urtext in hebräischer Sprache abgefaßt ist, spielen die ersten beiden im Hause des Rabbi und der letzte an den Toren der Stadt. Sie bilden die Umrahmung für ein irrationales Traumbild. 111 dieser Vision hat Ben-Sakkai einen Kampf gegen finstere Mächte zu bestehen, die ihn anklagen, sein Volk und sein Land 711 verraten. Gerade dieses Traumspiel beweist Bistrizkys dichterische Qualitäten, wahrend Einleitung und Schluß Verhältnismäßig konstruiert wirken, fm Gegensatz zu seinem ״Sabbathai Zwi“ (kürzlich vom ״Ohei" aufgefuhrt), gelingt dem Autor hier keine flüssige dramatische Handlung. Alles bleibt ein wenig zu schwer, fast ausschließlich wird debattiert, werden Monologe gehalten, in den ersten Teilen nur bevvegungsvoll unterbrochen durch das Erscheinen der über den Tod ihres Säuglings klagenden Frau. Um dieses Werk bühnenfähig zu machen, wäre eine gründliche lieberarbeitung, Abänderung ganzer Szenen, wesentliehe Kürzungen erforderlich. Habimah gab an diesem Abend im Amphitheater der Messe (kurz vor Schließung der Aus- Stellung) nur die ersten beiden Akte des Dramas, pausenlos aneinander gereiht. In Anbetracht der In-zenierungsschwierigkeiten des Tratnnspiels ist das verständlich, aber der von der Bühne her so empfangene Eindruck ist unterschiedlich von dem, den die Lektüre vermittelt. Für die Einstudierung (Regie: Friedland) stand offenbar nur ein sehr geringer Zeitraum zur Verfügung, so daß im einzelnen nicht kritisch geurteilt werden soll. Hervorzuheben ist jedoch die ausgezeichnete Leistung von Frau Rowina, die in einer Episodenrolle einen starken Eindruck erzielt. Manfred Gers

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