Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 61 (31.7.1936)
- Date
- 1936-07-31
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 61. 31. VII. 1936 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seife 3 f1״ Die Untersuchungs-Kommission (Siehe den Bericht aai Settel) London, 30. Juli (JTA.) Heber den Eindruck, den die amtliche Ankündigung der Zusammensetzung der Kgl. Kommission für Palästina und die Erklärungen, die der Kolonienminister Ormsby-Gore in der Unterhaussitzung vom 29. Juli abgegeben trat, in zionistischen Kreisen gemacht habe, äußerte sich der Leiter der Informationsabteilung des politischen Departements der Exekutive der Jewish Agency, M. L. Perlzweig, dahin, daß es verfrüht wäre, eine abschließende Meinung zum Ausdruck zu bringen, bevor die Bcstimmungen über kreis der Kgl■ Sir Horace Rumhold, früherer Botschafter in Berlin, der Vizepräsident der Kommission Der Vorsitzende der Kommission, Viscount Peel, ehe■ maliger Staatssekretär für Indien (links), im Gespräch mit Lord Reading anläßlich der Round-Tahlc-Konjerenz über Indien in London im Noik 1932 Fot״.: n,n> VOd d־r n»r<tt den Aufgaben- Kommission von der Jewish Agency geprüft und beurteilt worden sind. Die Zionisten begrüßen es, daß Minister Ormsby-Gore es abgelehnt hat, die Kommission vor der Wiederherstellung von Ruhe und Ordnung nach Palä.-'.ina zu entsenden, doch sei die Antwort, die er in der den kritischen Punkt darstellenden Frage einer etwaigen vorübergehenden Einsteiluttg der Einwanderung erteilt habe, weit davo!1 entfernt, endgültige Beruhigung aus/ulösen. Zwanzig englische Pariamentarier haben an die ״Times“ vom 30. d. M. eine Zuschrift gerichtet, in der sie erklären, sie würden für die Durehfiihrung von Vorschlägen, die die Kommission im Sinne der f:orderungen der Araber erstatten würde, eintreten. Ueber die Persönlichkeiten der Kommissionsniitglieder ist noch zu sagen: Peel war, wie bereits 59 von uns mitgeteilt, Jahren 1922—192 t und Staatssekretär für war Mitglied der Lord in Nr. in den 1928—-1929 Indien. Er englischen Round-Tablc-Konferenz Und Vorsitzender der Round - Table - Konferenz für Burma. Sir Horace Rumbold war früher u. a. englischer Botschafter in Berlin und kürzlich in Genf Mitglied der Sachverständigen-Kommission für Auswanderungsfragen. Er beherrscht fließend die arabische Sprache. — Sir I. a u 1־ i e Hammond war früher Gouverneur von Assam und später Chefsekretär bei der Regierung von Biliar und Orissa. — Sir Morris Carter ist der frühere Oberster Richter von Uganda und Tanganyika; er war Vorsitzender der Landkommission in Siidrhodesia. — Sir klar old Morris ist Vorsitzender des Reidisfolniausscliusses der Eisenbahnen und Vorsitzender des Industrie-Gerichtes. — Prof. Reginald Coupland ist, wie schon erwähnt, Professor der Kolonialgeschichte an der Universität Oxford und war Mitglied der Kgl. Kommission für den Höheren Verwaltungsdienst in Indien im Jahre 1923. Der Disziplinbruch der arabischen Beamten Im englischen Unterhaus fragte am 28. Juli Lt. Commander Fl et eher den Kolonienminister, ob mit Rücksicht darauf, daß die arabischen Beamten der ersten Rangklasse bei der Palästina-Verwaltung eine die Politik der Palästina-Regierung verurteilende Denkschrift vorgclegt haben, auch den jüdischen Beamten die Mög- Iichkeif der Unterbreitung einer Denkschrift gegeben werden wird, in der sic: ihre Ansichten darlegen, und ob wegen einer solchen Denkschrift oder Meinungsäußerung gegen die jüdischen Beamten keine strengeren Disziplinarmaßnahmcn ergriffen werden würden, als gegen die arabischen. Der Kolonicuminister erklärte in einer schriftlichen Antwort, die Frage der Zulässigkeit der Uebergabe einer Denk- Schrift jüdischer Angehöriger der Palästina-Verwaltung müsse vom High Com mission er beurteilt werden. Jede Denkschrift, die der High Commissioner als geeignet zur Wciterleitung an den Kolonicuminister erachten sollte, werde von diesem selbstverständlich sorgfältig beachtet werden. Derselbe Abgeordnete fragte sodann den Minister, ob er Beweise über Beiträge arabischer Regierungs־ beamter zum Streikfonds besitze; wie hoch, wenn dies zutreffe, diese Beiträge seien und oh ein disziplinär!- sches Vorgehen gegen die betreffenden Beamten erwogen werde. Mr. Ormsby-Gore erklärte, daß der erste Teil der Frage zu verneinen sei, wodurch sich die Beantwortung der übrigen Teile der Frage erübrige. (Die englische Presse hatte vergangene Woche berichtet, das Streik-Komitee sei darum gegen eine Einbeziehung der arabischen Regicrungsbcainfen in den Streik, weil dann deren beträchtliche Zuwendungen an den Streiktonds aufhören würden. Auf diesen Bericht bezieht sich offenbar die Anfrage; der Minister aber will offiziell davon nichts wissen, weil es ja sonst unverständlich wäre, daß die Regierung nicht gegen eine Finanzierung der Rebellion durch ihre eigenen Beamten einschreitet. — A. d. Red.) Palästinas Wert für England ln einer Zuschrift an die Londoner ״Times“ nimmt der Verfasser des Artikels in der Zeitschrift ״Pa• lest ine“, gegen den Sir Arnold Wilson in der ״Times“ polemisiert hatte, gegen dessen Zuschrift Stellung. (Die ״Jüdische Rundschau" hat den Brief van Sir Arnold Wilson in Nr. 59 Seite 12 wiedergegeben und im Leitartikel derselben Nummer hierzu einige Bemerkungen gemacht.) Der Briet ist unterschrieben ״Der Verfasser des Artikels“ und wendet sich zunächst gegen den Vorwurf der Anonymität, den Sir Arnold Wilson erhoben hatte. Es sei darauf hinzuweisen, daß in der ״Times“ selbst sämtliche Artikel anonym erscheinen, eine der besten Ueberlieferungcn des britischen ournalismus, der die Person hinter die Sache stelle. Der Verasser teilt mit, er sei ein Nichtjude und mit der Wochenschrift ״Palesfine“ seit ihrer Begründung während der Kriegszeit noch vor der Balfour-Dcklaration verbunden. Er habe sich daran beledigt, weil er damals zu der Ueber- Zeugung gekommen war, daß Palästina für die engfische Position im Orient notwendig ist. Darum habe er ein Bündnis zwischen dein Zionismus und Großbritannien befürwortet. Nach dem Friedens- Schluß hat die Zeitschrift ״Palestine“ ihr Erscheinen eingestellt, weil cs schien, daß die von ihr empfohlene Politik zu einem erfolgreichen Abschluß gelangt ist. Vor kurzem*” erst wurde sie wieder ins Leben gerufen, weil die Haltung von Persönlichkeiten wie Sir Arnold Wilson das Bündnis zwischen dem Zionismus und einem liberalen britischen Imperialismus zu bedrohen schien. Während der ganzen Zeit des Bestehens der Zeitschrift habe es ״keinen nichtbritischen Einfluß“ darauf gegeben, ihr einziger Zweck war die erwähnte Stärkung der englischen Position im Orient. Aus dem Inhalt dieser Zuschrift ist zu schließen, daß der Verfasser kein anderer ist als Herbert S i d e - bot ha ni, ein Mitglied der Liberalen Partei und bekannter Publizist, der 1917 die Zeitschrift ״Palestinc“ herausgegeben und redigiert hat und auch später wiederholt fiir seine Gedanken einer zionistisch-englischen Allianz eingetreten ist. Die Zeitschrift ״Palestinc“ ist von dem sic hcrausgebenden Komitee vor allem dazu bestimmt, an englische Politiker, Parlamentarier usw. unentgeltlich versandt zu werden, zwecks Werbung für die darin vertretene Idee einer ״englischzionistischen Allianz zur Stärkung der englischen Stellung im Orient“. Unter diesem Gesichtspunkt hat ״Paicstine“ häufig die englische Politik wegen ihrer pro-arabischen Tendenzen, die im Wiederspruch zu Englands Interesse stünden, scharf kritisiert. In Erinnerung wird vielen noch Sidebothams B r o s c 11 ii r e nach dc!1 Unruhen 1929 sein, in der er die Haltung Englands heftig verurteilt und sich für eine stärkere Unterstützung der zionistischen Ziele einsefzte. Brief aus Wien Von unserem Berichterstatter J.R. Wien, 26. Juli Aus Anlaß der zweiten Wiederkehr des Todestages von Bundeskanzler Dr. Engelbert Dollfuß veranstaltete der Bund jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs am Donnerstagabend im Tempel der türkischen Juden in Wien einen Gedächtnisgottesdienst, an dem zahlreiche offizielle Vertreter der Behörden teilnahmen. In seiner Gedenkrede erklärte Rabbiner Dr. Murmelstein es als selbstverständlich, daß auch die Juden, mit Oesterreich in Freud und Leid aufs innigste verbunden, sich voll und grpiz der allgemeinen Landestraucr anschließen, Am Vorabend des Todestages, am Freitagabend, fand der von der Jüdischen Gemeinde in dem Stadttempel in der Seitenstettengasse veranstaltete Trauergottesdienst statt, zu dem ebenfalls eine Reihe offizieller Persönlichkeiten, darunter Vertreter des Bundeskanzlers Schuschnigg, der. Unterrichtsministers Dr. Per 11ter, des Wiener Bürgermeisters, des Magistrats, der ״Vaterländischen Front“ und anderer Körperschaften erschienen waren. Die Gedenkrede hielt Rabb. Dr. Schwarz. Auf besonderen Auftrag der Kuftusgemcindc wurden sämtliche Gebäude der Jüdischen Gemeinde am Trauertag mit Trauerfahnen beflaggt. Und wie in ganz Wien brannten auch in den überwiegend von Juden bewohnten Straßen der Aus der Haftarah für Sdiabbat, den l. August 1936 Tröste! Iröstet mein Volk, spricht euer Gott, zu Herzen redet Jerusalem und rutet ihr zu. daß vollendet Ist Ihr צ Chorwerk, daß abgegnadet ist ihre Schuld, daß gedoppelt von SEINER Hand sie empfängt für all Ihre Sündenhuien. Stimme eines Rufers: in der Wüste bahnt SEINEN Weg, ebnet tn der Steppe eine Straße für unserer» Gott! alles Tal soll sidi heben, aller Berg und Hügel sollen sich niedern, das Höckrigc werde zur Ebne und die Grate zum Gesenk! Offenbaren will sich SEINE Ersd»einung, alles Fleisch vereint wirds sehen. Ja, geredet hals SEIN Hund. Stimme eines Sprechers: Rute! Es spricht zurück: Was soll ich rufen! alles Fleisch ist Gras, all seine Hohlheit wie eine Feldblume! Verdorrt ist das Gras, verwelkt ist die Blume, da SEIN Braus sie angeweht hat! — Gewiß, Gras ist das Volk, verdorrt ist das Gras, verwelkt ist die Blume, aber lür Weltzeit besteht die Rede unseres Goltes. Jeschajahu, 40, 1 — 8 Verdeutscht von Martin Bubcr Leopoldstadt am Freitagabend in allen Fenstern Trauerkerzen. Zum erstenmal kam dieser Tage mittels Sonderzuges eine aus 15(1 Personen bestehende R e i s e g e s e 11 s c 11 a 11 aus Palästina n a c h Wien, Bei ihrer Ankunft wurde die Reisegesellschaft von Vertretern des österreichischen Exportfördernngsinstitutes der Wiener Handelskammer, sowie der palästinetisisch-östcrreichisclicii Handelskammer begrüßt. Die Gesellschaft, deren Teilnehmer teils in österreichischen Kurorten ihre Ferien verbringen, teils aber auch längere Zeit in Wien zu bleiben beabsichtigen, ist dank den gemeinsamen Bemühungen der jüdischen Schiffahrtsgesellschaft ״Pa lest ine Shipping Company“, der Besitzerin der ״Tel-Aviv“, und ihrer Wiener Vertretung zustande gekommen. Keine jüdischen ״Wahlen“ in Polen Das Büro für den Jüdischen Weltkongreß in Polen gibt bekannt, daß beschlossen worden sei, keine Walt* len in Polen dureh/uführeii. Ls werden nicht gewählt Delegierte, sondern Vertreter von Parteien, Organisationen und Gruppen /um Kongreß nach Genf entsandt werden. Uispriinglich waren für de!1 2. Anglist ״allgemeine Walllen“ ausgeschrieben; es wircl wohl allgemein begrüßt werden, daß! man von dieser Absicht abgekommen ist. Demi die Entfesselung eincas imierjiielischcn Wahlkampfes unter den heutigen Lelumsverli.iitnissei! der Juden Polens, und um ״Mandate", dm einen höelist zweileliiaftcrt Wert haben, wäre gewiß nicht zu rechtfertigen gewesen. USA sollte Palästina-Mandat übernehmen. In der Sitzung des englischen Untcrii iu-cn am 27. Juli abends gab der Außenminister Anthonv Eile» 1 in Verlaut seines außenpolitischen Exposees eine Erklärung über die M a n cl a f s f r a g e ab, die sich aber weniger au! das ,.A-.Mandat״ Palästina, als vielmehr auf die B- und (:־Mandate (ehemals deutsche Kolonien) bezog. Im Verlauf der Debatte wurden auch kcinini-veir/eit aus der Zeit der Zuteilung des PalaGiu.i-Mamiates cr/ahlt. Sir Austen Chanibcrlat n erwähnte!1.;1., er habe, als die Zuteilung des Palästina-Mandate«, emrteit wurde, \erlangt,!.las Mandat solle den V e r e i n i g ich S t;» :1 t 0 11 v o 1! A m e r 1 k a übertragen werden. (Ihauiberlaiii tat dies, um die Vereinigten Staaten stärker in den Intel esseiikreis der europäischen Politik hineürai/ieheu und eine fe-tere Verbindung zwischen Amerika und dem Völkerbund herzudellrii. Gegen diesen Vorschlag habe sielt aber Lloyd George mit Entschiedenheit gewandt und darum sei dieses Projekt nicht verwirklicht worden. Lloyd George, der ebenfalls in der Debatte das Wort ergriff, fügte hinzu, daß bei der Verteilung der Kolonien und Mandate das Schicksal des P a i ä s t i 1! a - M a 11 d a t & tatsächlich in diesem Sinn erörtert worden sei. Das Büro der Jugend-Alijah in Berlin teilt uns mft, daß es aus Palästina ständig Nachrichten bekomme, aus denen klar hervorgeht, daß s;1 in 11 i c h e Gruppen der Jugend-Alijah trotz der augenblicklichen Situation völlig unversehrt sind und auch die Stimmung in den Gruppen eine gute ist. Die regelmäßige Arbeit und der Unterricht laufen fort. Nur die große Anspannung der Kräfte in den Kwuzoth führt dazu, daß nicht so oft Berichte geschickt werden wie fnilier. ״Aber wenn wir nichts hören, so ist das ein Zeichen, dali alles ruhig und in Ordnung ist“ — so schreibt das Bur״ in Palästina an das Berliner Büro. Die Leitung der Jugetnl-Alijah in Palästina hat aus Vorsicht angeordnet, daß ohne Erlaubnis der Leitung keiner der Jugendliehen seinen Wohnsitz, verlassen darf. HANNOVER KGroschan Sammlungen Verlangen Sie kostenlos unser Illustriertes Angebot MERKUR Briefmarker»-Har»delsgesel!schaftm. b. H. BERLIN W15 KurfUrstendamm 26 a / Tal. 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