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Jüdische Rundschau · 1936-07-28 · Heft 60 (28.7.1936) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 60 (28.7.1936)
Date
1936-07-28
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 60, 28. VII. IV36 Bomben gegen eine Schule Der ökonomisch-politische Abwehrkampf der «Juden Von unserem palästinensischen Korrespondenten gl. T c I - A w i w, 19. Jul! Bei allem Aufregenden und Nervenspannenden, das die gegenwärtige Lage in Palästina in sich schließt, erhält der militärische Kampf, der durch den arabischen Terror erzwungen wird, nach und nach fast etwas Monotones. Die Attentate, die Sabotageakte wiederholen sich — noch dazu in sehr ähnlichen Formen — immer von neuem und die Abwehr der Truppen und der jüdischen Wachen folgt ihnen und versucht, ihnen zuvorzukommen. Eine gewisse Wellenbewegung in den Angriffen ist alles, was einen Tag von dem anderen unterscheidet, Oer jüdische Jischuw macht sowohl auf politischem wie auch wirtschaftlichem Gebiete weiter alle Anstrengungen, mit diesem ״Belagerungszustand“ fertig zu werden. Und diese Anstrengungen sind auch bisher zu einem hohen Grade erfolgreich gewesen. Wenn im folgenden von politisch ökonomischen Be- 1״Übungen die Rede ist, so muß als Voraussetzung verstanden werden, daß in erster Linie die Abwehrder Angriffe sichergestellt werden muß. In dieser Beziehung ist die Lage dadurch charakterisiert, daß die Zahl der englischen Truppen sehr vergrößert wurde und immer noch vergrößert wird. Aber die Bewachung, die Patrotrillicrung des Landes ist nur die erste Voraussetzung für alles weitere. Die Juden müssen darüber hinaus sich wirtschaftlich einzu richten suchen. Dem arabischen Streik und der Llnsicherheit in gemischten Gegenden entsprechend, gelten diese Versuche den Weg zur T r e n n u n g der j ü d i - sehen Wirtschaft von der arabischen. Man spricht in diesem Zusammenhang in Palästina gerne von Autarkie, cm Begriff, der hier etwas irreführend wirkt, weil w'ir ja auch bei größtmöglicher Hebung der jüdischen Produktion mit einem sehr starken Import zu tun haben und — hei entsprechender Linwanderung - auch sehr lange zu tun haben werden. Worauf man im Moment hinauswill, ist, den Markt für jüdische P r o d 11 k t e zu erweitern, die jüdische P r o <| u k t! ח ס selbst stark zu heben, so daß sie den Marktbediirfnisscn entspricht, und zugleich für Kommunikationen zu sorgen, die möglichst wenig durch arabische Angriffe gefährdet sind. Lin großer Teil dieser Maßnahmen ist auch unter normalen Umständen notwendig und wichtig. Und es braucht nicht vieler Worte, um zu erläutern, daß alle diese Aktionen in der heutigen absolut anormalen Situation I) c r 1• c h t i g t und not w e ׳• i g sind. Anders erscheint die f rage, wenn diese Sotmaßi ah1n״n. die aut eine Trennung der jüdischen und arabischen Wirtschaft hinauslaufen, schlechthin als Richtlinien der jüdischen Wirtschaftspoiitik hingcstellt werden mul die Trennung der jüdischen und arabischen Wirtschaft im Lande am Horizonte als Ziel erscheint. Bei einer solchen Zielsetzung werden unseres Erachtens sowohl politische wie ökonomische Voraus- Setzungen gemacht, die einer näheren Prüfung nicht standhalten. Aber cs wird erst sinnvoll sein, diese Prüfung m ihrem ganzen Umfange anzustdlen, wenn wir uns wieder einigermaßen normalen Bedingungen im Lande nähern. Heute heißt die Parole mit Recht, man müsse den Jischuw so weit wie möglich von der arabischen Wirtschaft unabhängig machen und seine Zufuhren weitroöglichst sichern. Die Anlegestelle in Tel - Awiw Einer der ersten Schritte in dieser Hinsicht nach der Sperrung des Jaffaer Hafens durch den arabischen Streik war die Planung der Anlegestelle in Tel-Awiw. Kaum ein politischer Erfolg der jüdischen Leitung während der letzten drei Monate ist vom breiten Publikum mit solcher Begeisterung akklamiert worden, wie die Erlaubnis zum Löschen von waren am Jarkon. Seit jenen! Tage, als man dort die ersten Bretter für den provisorischen Steg einschlug, ein Ereignis, das in Tel-Awiw wahrhaft gefeiert wurde, sind noch keine drei Monate vergangen, die gut ausgenutzt wurden. Als vor einigen Tagen der High Commissioner mit einem ganzen Stab von Hafen- und Zollbeamten die Reede besuchte, fand er die lange Brücke, die an Stelle des provisorischen Steges errichtet ist, fast fertig, Hunderte von Arbeiten! beim Loschen, vier Lastschiffe vor Anker und eine lebhafte I lottdk• von Leichtem, die heim Laden verwendet werden. Der High Commissioner nahm die Gelegenheit wahr, um die Möglichkeit des Exports eines Teiles der < י r a n g c n e r n t e der künftigen Saison vom Tel-Awiwcr Hafen aus zu besprechen. Damit und mit der Vermehrung der Dampfer, die in den letzten Wochen den Weg zum Jarkon gefunden haben, bekommt der Plan der Tei-Awiwer Anlegestelle cm klareres Profil als bisher. Wie sehr sich das Publikum in Tel-Awiw für das Projekt interessiert, zeigte sich in dem warmen Empfang, den es Sir Arthur Wauchone bei diesem seinem Besuche bereitete. Er wurde sowohl im Zentrum der Stadt als auch auf der Ladebrücke lebhaft akklamiert. Regierungsämter In Tel-Awiw Auch eine /«ehe Forderung der Juden, die ebenfalls sofort nach den Jaffaer Unruhen, also vor drei Monaten, gestellt wurde, ist von der Regierung nach und nach in immer größerem Umfange erfüllt worden: eine ganze Reihe von Regiert! ngs ä m t e r n, die bisher in Jaffa stationiert waren, wurden in T e 1 - A w i w eröffnet. Ls wurden Wohnungen für die einzelnen Büros gemietet, eine ganze Reihe von administrativen Erledigungen, für die früher der Tel- Awiwer Burger sich nach Jaffa wenden mußte, wo die Distriktsbehörden stationiert waren, können jetzt in Tel- Awiw durchgeführt werden. Hier haben wir es mit einer Aenderung zu tun, die nicht nur durch die Unsicherheit in Jaffa begründet erscheint, sondern vor allem durch das enorme Wachstum von Tel-Awiw in den letzten Jahren, das seine Unabhängigkeit von der kleineren Nachbarstadt völlig rechtfertigt. Hier haben die Unruhen eine Entwicklung, die in normalen Zeiten nur äußerst schleppend vor sich gegangen wäre, aus der N'ot des Moments heraus mit einem Schlage erzwungen. Sraflenbau Ein dritter Punkt, der hei der Unsicherheit von heute von großer Bedeutung ist, sind die Verbindungswege zwisehen den einzelnen jüdischen Siedlungen, über die ebenfalls mit der Regierung eifrig verhandelt wird. Auch hier handelt es sich nicht um eine reine ״Kricgsmaßnahme“. Der Kampf um den Ausbau genügender Chausseen, die die vielen, zum Teil neuen Siedlungen untereinander und mit den Hauptwegen verbinden, ist all und die Langsamkeit, mit der die Administration bisher auf diese Forderungen reagiert hat, sind geradezu ein Schulbeispiel dafür, wie sie den Bediirfnissen der sich vergrößernden und modernisierenden Wirt- Schaft nachhinkt, statt ihnen entgegenzukommen. Seit den Unruhen sind entsprechende Wege sowohl vom strategischen wie aucli vom ökonomischen Standpunkt wichtiger geworden als je. Es handelt sich sowohl darum, so schnell wie möglich im Notfälle Verstärkungen heranzuholen wie auch um die Ausschaltung unnötiger Gefahren beim Transport der Produkte und die Sicherung der Kommunikation. Die jüdische Forderung gilt insbesondere für die Punkte der Scharon- Gegen die Jcmenitensch'ulc in der Brennerstraße in T e 1 - A w i w ist von einem Araber eine Bombe geworfen worden, als sich gerade etwa hundert Kinder in der Schule befanden. Die Bombe traf glücklicherweise nur den Zaun vor dein Schulgebäude, so daß die Folgen weniger schwer w׳aren. Immerhin wurden sieben Kinder im Alter von 9 bis 12 Jahren verletzt, eines von ihnen werden. Fast zur selben Zeit wurde in Jaffa ein Bombenanschlag gegen das Regierungsgebäude verübt. Einige Minuten später wurde eine dritte Bombe in der Nähe des Jaffaer Postamtes zur Explosion gebracht. Im Zusammenhang mit dem Bombenanschlag wurden drei Araber? e s t g e!1 o m m e n. Die Bombe war von zwei Arabern geschleudert worden, die sich in der Gegend herumdrückten. Die Bombe gelangte zur Explosion, als die Kinder zur Mittagspause aus der Schule kamen. Ein jüdischer und ein englischer Polizist nahmen die Verfolgung der Täter auf, von denen sie einen festnehmen konnten. Eine weitere Verfolgung wurde jedoch von arabischem Pöbel unmöglich gemacht, der den jüdischen Polizisten mit Steinen bombardierte und dem englischen Polizisten den Gefangenen wieder entriß, der in der Richtung des Manshie-Viertels en'tkam. Bürgermeister Meir Dizengoff hat anläßlich dieses Attentats folgende Kundgebung erlassen: ״Ich bin über den Anschlag in der Tiefe meiner Seele erschüttert. An die aufgeklärte öffentliche Meinung der ganzen Welt richte ich den Appell, ddr Verdammung dieses ruchlosen Verbrechen«; und dem Airscheu über es Ausdruck zu geben. Ich fordere die für die jetzt in Palästina herrschende Gewalttätigkeit Verantwortlichen und die im Ausland mit ihnen Sympathisierenden auf, mit den unerhörten Mordangriff e 11 auf Kinder Schluß zu machen, die die zivilisierte Menschheit empören. Ich verlange Verurteilung dieser Taten durch alle anständigen .Männer und Frauen.“ Das Zentralkomitee des Verbandes der hebräischen Lehrer hat ״im Namen von zehntausenden Kindern“ an den High Commissioner ein offenes Schreiben gegeiiden und die Verbindung zwischen Tel-Awiw--Haifa hzw. Afule, die zum Teil überhaupt der genügenden Straßen ermangeln - ist doch der Kampf um den entsprechenden Autoweg Tel-Awiw—Haifa schon geradezu historisch geworden — teils durch rein arabische Gebiete führen (Dschenin, Tulkerem), die während der Unruhen zu Zentren der Ueberfälle aut Autos und Militär geworden sind. Die Tendenz der Juden ist eine engere Verbindung der Siedlungen untereinander, und zwar auf Wegen, die soweit als irgend angängig durch jüdisches, also sicheres Gebiet führen. Die Wcgeplanung wird also sowohl von ökonomischen wie von strategischen Gesichtspunkten diktiert. Auch auf diesem Gebiete ist man in den letzten Wochen weitergekommen und es sind eine Reihe von Wegen in Arbeit genommen worden. Die Juden beteiligen sieh zum Teil an diesen Werken auch finanziell. Und bei der bestehenden Arbeitslage fallen diese neuen Unternehmungen auch für Arbeitsbeschaffung ins Gewicht. Finanzielle Bemühungen Aus der Erkenntnis heraus, daß die Unruhen den Jischuw vor besondere finanzielle Aufgaben stellen, hat man das Publikum im Lande in doppelter Beziehung zu außerordentliehen Anstrengungen finanzieller Art heranzuziehen versucht: es läuft, wie bekannt, zur Zeit die große Sammlung ״Esrah uwizaron“ (Hilfe und Befestigung) und eine umfangreiche Kampagne für jüdische Produkte. Die genannte Sammlung hat einerseits die Aufgabe, den durch die Unruhen Betroffenen (Flüchtlingen usw.) die notwendigste Hilfe zu gewähren, andererseits den Umlauf der Wirtschaft an den Stellen, wo er durch die letzten Ereignisse gehindert ist, wieder flottzumachen. Bei der Sammlung dieser Gelder soll selbstverständlich keineswegs ein Ersatz für die Regierungshilfe geschaffen werden, die die Juden für die Unterbringung der Flüchtlinge und die Entschädigungen der verschiedensten Art fordern. Sie soll die R e g i e r u n g s h i 1 f e nicht ersetzen, sondern ergänzen. Während aber die Forderungen der Juden von den Behörden in verschiedenen anderen Beziehungen erfüllt wurden, ist man auf diesem Gebiete bisher kaum weiter gekommen. Anliegen dieser Art werden in der Behandlung verschoben (Entschädigungen) oder gar abgclehnt (Flüchtlingsfürsorge). Und so werden die zuständigen Instanzen hier noch einen schweren Kampf zu führen haben. Die Exekutive will jetzt eine Reihe von prominenten Personen (meist frühere Mitglieder der Exekutive) zu einer Art ״A 11 f k i ä r u n g s f e 1 d z u g“ in die verschiedenen Länder der Gahith schicken. Voraussetzung für das Gelingen ist freilich eine einigermaßen einheitliche Grundkonzeption der gegenwärtigen Lage. Sonst können derartige Delegierte die herrschende Verwirrung eher steigern als verringern. Eine umfassende Aufklärung der Massen ist um so notwendiger, als mit dem Abklingen der Unruhen und der Ent- Sendung der Königlichen Untersuchungskommission so ziemlieh alle politischen Probleme des Palästina-Aufbaus von neuem aut die Tagesordnung gesetzt werden. Erdöl in Palästina? Von Zeit zu Zeit tauchen immer wieder Gerüchte über angebliche Erdöl-Vorkommen im südlichen Palästina auf. Die Frage hat auch schon das englische Unterhaus mehrfach beschäftigt, doch hat die Regierung stets ausweichende Antworten gegeben. Nun verbreitet die JTA. folgenden Bericht: ln palästinensischen Wirtschaftskreisen wird behauptet, daß die Erschließung und Ausbeutung von Erdölquellen in Palästina durch den Internationalen Erdöltrust aus Gründen der Preispolitik verhindert wird. Zur Zeit als die Irak-Pipe-Linc im Bau war, sei man bei einer Rrunnenbohrung im Gebiet von Beer Schewa aut Erdöl gestoßen. Der zur Kontrolle entsandte Regierungsbeamte habe den Brunnen sofort zuschütten lassen und weitere Brunnenbohrungen in dem Gebiet streng verboten. Das Scliürfrecht wurde dann der Irak-Petroleum-Gesellschaft übertragen, die aber bisher nicht einmal einen Zeitpunkt für den Beginn von Bohrungen angesetzt hat. Früher erklärte man, die Erdölgewinnung in Palästina sei nicht lohnend, weil die Konkurrenz des russischen Oels zu stark sei. Rußland hat aber seit einiger Zeit die Oelausfuhr zwecks Sicherung des Eigenbedarfes hei der Motorisierung der Armee gesperrt. Man glaubt daher, daß der Erdöltrust Erdölgewinnung in Palästina nur im Interesse seiner Preispolitik verhindern will. Der Dampfer ״Tel-Avlv“ ging am 10. Juli mit ausverkauften Kabinen von Haifa ab. Unter den Fahrgästen befanden sich u. a. Herr Ussischkin, Präsident des Keren Kajemeth Lejisracl, Jerusalem, und Herr Rokacb, Vize- Bürgermeister von Tel-Awiw. gerichtet, in dem erklärt wird: ״Wir werden uns durch die Gewalttat von gestern nicht abschrecken lassen. Wir werden mit verdoppelter Energie das konstruktive Werk des Palästina- Aulbaus fortsetzen.“ Protesttelegramme wurden von dem Komitee auch an das Koloniemninisterium, an den Präsidenten der Jewish Agency, Dr. Weizmann, an den Vorsitzenden des Unterhauses, an den Oppositionsführer Major Attlee, an den Abgeordneten Herbert Morrison, an den Oppositionsführer im Oberhaus Lord Snell, an den Earl of Winterton, an den Abgeordneten Gallädier, der bekanntlich die Sache der arabischen Terroristen in Palästina mit besonderem Eifer vertritt und an die englischen Lchrerverbändc gerichtet. High Commissioner Sir Arthur Wauchope hat in Beantwortung des Protcsttetegramms an Ben Zwi ein Schreiben gerichtet, in dem er seinem Bedauern über den Anschlag Ausdruck gibt, dem glücklicherweise kein Menschenleben zum Opfer gefallen sei. Der High Commissioner spricht die Hoffnung aus, daß der Kommandant der Palästina-Polizci, R. B. Spicer, Maßnahmen treffen werde, um die Wiederholung solcher Vorfälle zu verhindern. Die Jerusalemer ״P a I e s t i n e Post“ schreibt unter Bezugnahme auf den Bombenanschlag gegen die jemenitische Schule 11. a.: Was auch immer das Ergebnis der Untersuchungen der Königlichen Kommission sei, kein Araber darf den Eindruck gewinnen, daß politische Konzessionen zu erzwingen sind, wenn man junge Burschen zu Born• benattentaten auf hilflose Schulkinder engagiert; nichts würde die Grundlagen einer geordneten Gemeinschaft mehr erschüttern als eine solche Konzession, selbst wenn sie mit Ormsby-üorcs Versicherungen, ״daß die Regicrung sich durch Gewalt und Einschüchterungsversuche nicht beeinflussen lassen werde“, gemacht wird. Wenn man den Arabern sage, die Einstellung der E i n w a n d e ־ r u n g sei eine offene Frage, so könnte man ihnen ebenso gut sagen: Gesetzlosigkeit macht sich bezahlt. Die Helden der arabischen Revolution, so schließt der Artikel, haben den Gipfel ihres Heldentums erreicht. Von der Woche Amtlich wird bekanntgegeben, daß im Monat Juni 1936 1603 Einwanderer nach Palästina gekommen sind. Von diesen gehörten 157 zu der ״Kapitalistenkategorie“, für die ein Vorzeigcgcld von mindestens 1000 Pfund vorgeschrieben ist. Die arabische Zeitung ״Falastin“ erklärt heute in einem Leitartikel, daß die Araber jede Lösung des Palästina- Problems, die von der Zustimmung der Juden abhängig wäre, a b I e h n1c n würden. Sie seien gegen die Königliche Kommission, weil sie wüßten, daß diese ihnen weder Unabhängigkeit bringen noch das Mandat aufheben und die jüdische Nationale Heimstätte vernichten würde. Eine Abordnung des Obersten Arabischen Rates mit dem Großmufti von Jerusalem an der Spitze hat sich am 26. Juli aui Einladung Emir Abdullahs von Transjordanien zu Besprechungen nach Amman begeben. Dieser Besuch steht im Zusammenhang mit einem neuen Verinittlungsversuch des Emirs, der einen Ausweg aus der schweren politischen Krise in Palästina finden will. Wie dem ״liaarez“ aus T ransjordanien gemeldet wird, herrscht dort i m ganzen Lande Ruhe. Die Telephon- und Telegraphenleitungen sowie der durch die Wüste verlaufende Teil der Irak-Oelleitung werden durch Truppen streng bewacht. Verschiedene Wüstengebiete werden von Zeit zu Zeit vom Flugzeug aus kontrolliert. Die Regierung hat die Beduinenscheichs darauf aufmerksam gemacht, daß man sic für etwaige Beschädigungen an den Telephonicitungen oder der Eisenbahn verantwortlich machen wird. Zwei des Anzündens eines Feldes im Emek angekiagte Araber sind zu je 5 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Ferner wurden wegen unbefugten Waffenbesitze« 4 Araber zu je 6 Jahren, ein weiterer Araber zu 7 Jahren und einer zu 5 Jahren verurteilt. Richter Copland erklärte, daß er im Laufe von 14 Tagen 40 ähnliche Fälle zu behandeln hatte; in Zukunft würde unbefugter Waffenbesitz schwerere Strafen nach sich ziehen. Die Zensur von Telegrammen nach Europa und Amerika ist vorläufig aufgehoben worden. Nach dem Gottesdienst in der Großen Synagoge zu Tel-Awiw bildeten die Scliomrei-Schabbat eine Pro- Zession, der sich eine Gruppe von Revisionisten mit einer Fahne anschloß, auf der die Forderung nach einer jüdisehen Legion aufgeschrieben war. Einer der Schomrei- Schahbat riß die Fahne nieder, worauf eine Schlägerei entstand; die Prozession wurde durch Polizei auseinandergctricben. Der Keren Kajemeth Lejisracl hat Applanierungsarhciten im Gebiet der Haifa Bay und den Bau neuer Chausseen auf diesem Gebiet in Angriff genommen. Bei diesen Arbeiten werden fünfzig Arbeiter beschäftigt. Die Hamburger Reederin Lucie Borchardt ist vor kurzem in Haifa eingetroffen, um dort die Interessen der von ihr gegründeten jüdischen Schiffahrtsgcsellschaft ״Atid“ wahrzunehmen, a:1 deren Spitze ihr Sohn als Direktor steht. Frau Borchardt hat in Haifa Besprechungen mit dem Schatzmeister der Exekutive der Jewish Agency, Elioscr Kaplan, über Maßnahmen zur weiteren Entwicklung der jüdischen Schiffahrt abgchaltcn. Die Gesellschaft ״Atid“ versieht gegenwärtig mit vier Schiffen den Dienst zwischen Palästina und den übrigen Ländern des Nahen Ostens. Die H i If s po I i z e i, die seit dem Beginn der Unruhen einen Teil der Funktionen der regulären Polizei in Tel-Awiw übernahm, hat nunmehr den Dienst wieder eingestellt. Bei einer im Rahmen der Aktion ״Dreißig Tage Tozeret Haarez“ veranstalteten Presseführung gab die Leitung der O c 1 f a b r i k ״S 11 c וזו c n“ in Haifa bekannt, daß die Fabrik im Jahre 1935 Oel und Seife im Werfe von 350(XX) Pfund abgesetzt hat. Ein Drittel der Produktion ging nach dem Ausland. Im Vergleich zum Jahre 1934 ist die Produktion um 70 Prozent gestiegen. Obwohl die Fabrik als englische Aktiengesellschaft betrieben wird, beschäftigt sie durchweg jüdische Arbeiter, die im Durchschnitt 13 Pfund monatlich verdienen. Die Arbeiter sind für den Krankheits- und Sterbcfall versichert und erhalten 6 bis 14 Tage Urlaub im Jahr. Laut dem Haibjahresbcricht der Palestine Land Development Company, der zentralen zionistischen Bodenkaufs-K&rperschaft, hat die Gesellschaft in den sechs Monaten, die mit dem 1. Juli 1936 ihren Abschluß fanden, ihr Aktienkapital um £ 145 035 erhöht und dadurch ihr Gesamtkapital auf £ 284 435 gebracht. Eine 6 ״/oige Dividende gelangte zur Ausschüttung. Die PLDC. erwarb in der Berichtsperiode 11 200 Dunam Boden, größtenteils im Emek, während der Wert des an Juden verkauften Bodens den Betrag von £ 44 000 erreichte. 1,Schluß des Palästina-Teils) *Li y. t-v - ־ *;י י1 " י - ״ ד : ׳;־״?׳״ -;.‘-V• ■ ״״י- ■־ - ־״' '**■-'•St'3 m

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