Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 59 (24.7.1936)
- Date
- 1936-07-24
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 13 glNDEK-RUNOSCMAU Seite 3 Haifa — Dschenin — Tuikerem — Tel-Awiw Wir zweifelten lange, ob wir von Haifa aus die Eisenbalm oder den Autobus benutzen sollten, um nach Tel- Awiw zu kommen. Zuletzt entschieden wir uns für den Autobus, obwohl man uns sagte, daB es im Bus heutzutage Wir wurden belohnt Die Fahr! im Auto von Haifa nach Tel-Awiw ist landschaftlich so wundervoll, daB man das Auge nicht vom Fenster wendet. Es ist eigentlich ־keine schöne Landschaft. Nicht gepflegt, nicht grün und nicht he- ־waldet. Die Schönheit der Landschaft liegt in ihrer Wildbeit. Wir fuhren quer durch das Emek bis Afule. Bis hierher war die Landschaft im ersten Sinne schön. Gepflegt und behaut. Grün und gelb die Felder. Braun die Aecker. Im Hintergrund heben sich Berge ab. In der Ferne sieht mum dm Wasserte* einer Kwuzah. Wir lernten das ״Emek-Lied“ verstehe«. Dann folgen nackte Berge. Kahl, braunrötlich breiten sie sich aas. Wohin das Auge Midkt — Beige. Steil geht es hinauf, auf gewagten Serpentiaenwegen saust der Bus ia die Tiefe, fn der Kurve klammert man ־sich an den Vordermann. wendet ein Wagen, um ihm zur Hilfe zu eilen. Reparatur, noch •einmal wenden — als wir ,werterfahren, haben wir eine Stunde verloren. Auch durch T ulk e rem müssen wir hindurch. Auch hier dasselbe Bild wie im Dschenin. In zwanzig Meter Abständen flankieren englische, arabische und jüdische Posten die Straße. Et Tajiha - Kalküia — Klar Sabal Wir sind in jüdischem Siedlungsgebiet Die Dunkelheit ist ein gebrochen. Auf der Hauptstraße der Moschawa herrscht reges Treiben. Die PoaJrm gehen nach der Arbeit spazieren. Kfar-Saba, Petach-Tikwah, Ramat-Gan — Tel-Awiw. Zum erstenmal bin ich in Tel-Awiw. Die helerkuchtete ATlexiby-Road ist voll von Mensche®!. Wohin du siehst, atles Juden, ״jeder ist Jude!“ Das ist mein erstes, überwältigendes Gefühl in Td-Aiviw. Tags darauf sehe ich alles im Tageslicht, ״Balsam-Eis“, arme Jemenitenkinder, Modesalons und Baracken — nach dem ersten berauschende« Gefühl ״wir sind unter uns״*!־ sehe ich ״Tel-Awiw mit L ic ht «4 Seha. tt e «L Und, grell beleuchtet, bat es ebenso schwarze Schatten, *wie es helles Licht hat. ״ Efo rechow Montefiore?“ »^ui ׳W-. Die Chaussee ist wundervoll. Wie ein dünnes Band »chlängelt sie sich durdi die Berge, Hank und silbern. Hier und dort hegt ein arabisches Dorf. Lehmhütten, die sich kaum vom Boden abheben. Der Boden ist rötlichgelb, ln der Ferne ziehen Kamdkarawauen, Frauen kommen vorüber, die graziös Tonkrüge voll Wasser auf dem Kopf balancieren. Bilder aus ־der biblischen Geschichte werden in uns lebendig. Wh־ *ähezn 1׳» Dschenin, ei*e«a großen arabischen Wtarictstädtckeii. Unsere Militär begteitung vertauscht die Schottenkäppchen mit Stahlhelmen ... In Dschenin stehen die streikenden, müßigen Araber am Rande der Straße und werfen uns feindselige Blicke zu. Aber Jolange sie ans mit BLidkea werfen ... Ein kleiuer Stein, taa eine» Araberjungen geworfen, prallt gegea dm Kühler unseres Autos. Mit einein Auge blinzele ich dmdk die verhängten Fenster au! die StrmÄe. Sauber gekleidete städtische Araber rtebe» in Gnippea vor äsren f־i»nscm. Oie Häuser ®4»ו aus große« gettien 'Quadern gefügt «Ä Züeraat werscheu. Die Fenster zögen typisch orientalische Bauweise. Viel können wir nicht sehen, denn nssere Karawane beeilt sich, schnell hindurchzukommen. Durch die ־wfldei!, «tfflWen, wüsten B«Tge J־adlas führt unser Weg. Aul einer schmalen Serpentine bleibt ein Wag« stehen. P»mc. Mt gef^hfhd1«n M®n6ver am Abhang des Berge? Einmal muß es 40oh gestanden werden: ״ich — kam* nur wenig fadbriisDh.“ Aber Ich weiß, wie wichtig Hel*räi9ch für ems und das Land ist, und deshalb schämte Ith *mch ein bißchen meiner Unfähigkeif. Meme® Chawer Zwi gmg es genau so. Er kann noch weniger. Wir hatten uns eins fest vwgenommea: Niemals auf der Straße ©der irgendwo im Laden oder Autobns Menschen auf Deutsch anzusprechen. Niemals. Wir schlendern durch Tel-Awiw und suchen die Bialik- Straße. Wir finden sie nicht und müssen fragen. Ich nehme meine ganzen Vokabeln zusammen, suche die richtigen heraus, trete auf einen Poel im blauen Arbeiterhemd zu, sage ״Schalom!“ und frage meinen Spruch: ״Efo rechow-bialik, b’wakasdha?“ Nun, dachten wir, sei es getan. Abers nein, als Belohnung für mein« guten Willen folgt mm. die freundliehe Erkiärtajttg des Arbeiters, ״rrr — rer rrrt! —“ er scfaiiflrrt ׳die Antwort na׳r so herunter, jseigt mit den Fingers m die ,Richteng, fächelt, wir danken verdattert, und der Bodl geht sein« Weges. Wir sind so ׳klag wie variieri Kmm ist **»er sPod au'Ser Sehweite, da v-ersuchea wir es mm zwoiten-mal Und siehe da, es klappt Viel verstanden haben wir wieder!acht. Aber *nii eine® kleamen iö־iegsr®t, dm wir abfeaiten, laiegen wir es doch heraus. ״Hat der vorhin nicht ״smollah“ gesagt?“ ״Ja, dieser eben sagte es auch!“ meint Zwi. ״Und ich glaube; bd beiden kam einmal ״rischona“ vor, nicht wahr?“ Ja, Zwi hat auch das Wort ״rischoaa“ in dem Gemurmel entdeckt. ״Also: eiste -Straße Bults*“ Wir spazieren los. Und wirklich, sie isfs! Unsere MH« st belohnt. Das nächstemal geht es eben so. Und *nach drei ־Woc h e n sind wir schon so weit, daß wir erstens alles verstehen, was man uns erklärst, wenn wir nach einer Straße fragen, und zweitens ...: Auf *der Straße tritt ein Herr auf uns zu wnd sagt: ״Ach. verleihen Sie, Sie sind doch auch aus Deutschland — wo ist die Rechow- Montefiore?“ Wir setzen ein kühles, ernstes Gesicht auf und sagen: ״B’wakäscha, *adaber iwrifh, jehudi! Rechow- Montefiore lenula feminl״ Das war ein Spaßl