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Jüdische Rundschau · 1936-07-21 · Heft 58 (21.7.1936) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 58 (21.7.1936)
Date
1936-07-21
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 58 21. VII. 1936 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 7 Ausschreitungen in Polen In einem Wald bei dem Dorf Belna wurde der 43jährige jüdische Dorfhändler Baruch Mongarten aus dem Städtchen Lagow bei Kielce zerstückelt au 1 g e f u 11 d e n. Als der Tat verdächtig wurde der Bauer Kreplak verhaftet, bei dem der ermordete Händler Federn einkaufen wollte. An den Kleidern Kreplaks fanden sich Bltdspuren, er Batte bei der Verhaftung einige Dutzend Zloty bei sich. Bei der Warschauer Vorstadt Rembertow ist von einer Patrouille ein antisemitischer Eyzcdent erschossen worden, der sieh der Verhaftung entzogen hatte. Der Vorfall bot den nationaldemokratischen Kreisen Anlaß zu einer Po- Prom hetze. In zahlreichen jüdischen Häusern wurden die enster zertrümmert. Juden zeigen sich nicht auf den Straßen. In einem Dorf bei Meseriee wurde das Haus des Krämers Menachcm T urteltaub mit P e t r 0 I e 11 tn iibergossen und an ge zündet. Vorher war die Haustür verrammelt worden. Von den Tätern fehlt jede Spur. In einem Dort bei Lomza wurde das Haus und Geschäft des einzigen jüdischen Einwohners Sawel Flachsbart in Brand gesteckt. Der Redakteur der radikal-amiscmiiischen Zeitung ״Warta“, Leon Migula, wurde auf Befehl der Staatsanwaltschaft unter der Beschuldigung der Erpressung verhaftet. Er hat von einer bekannten öffentlichen Institution Geld unter der Drohung gefordert, daß er sonst die Tatsache, daß die Institution einen jüdischen Rechtsberater hat, publizistisch auswerten werde. Nationaldemokraten, unter ihnen zahlreiche Studenten, haben in der J a 11 o w s k i s t r a ß e in Lemberg jüdische Passanten mit Eisenstangen und Messern überfallen. Die fünf Juden Edmund Heller, Moses Hecht, Josef Seidel, Isaak pan und Marian Zell wurden schwer verwundet. Sie mußten im Krankenhaus einer Operation unterzogen werden. In der Nähe von Lemberg wurde der Holzkohlen’nändler Isaak Kanner überfallen. Er erlitt schwere Verletzungen am ganzen Körper. Ein Auge wurde ihm ausgeschlagen. Er wurde & besorgniserregendem Zustand ins Krankenhaus gebracht. In dem Städtchen Wiszkow in der Wojwodschaft Warschau haben die Nationaldemokrateil eine planmäßige antijüdische Terror- und Boykottaktion emgeleitet. In einer Massenversammlung wurde die Bevölkerung zum Boykott der Juden aufgefordert. Die Polizei hat eine Untersuchung gegen den nationaldemokratischen Führer Domanski eingeleitet, der einen j ü - dischen Jungen mit 25 Zloty bestechen und ihn dazu verleiten wollte, einen Stein in die Kirche zu werfen. Das so konstruierte jüdische ״Attentat“ sollte der Auftakt zu antijüdischen Ausschreitungen sein. Ein zweiter Radomer Prozeß Radom, 20. Juli. (JTA.) Am 20. Juli wurde vor dem Radomer Kreisgericht der Prozeß gegen fünf Bauern aus der Gegend von Przytyk eröffnet, die angeklagt sind, Juden aus Klow am 29. November 1935 überfallen zu haben. Es handelt sich um folgenden Vorfall: Am 29. November 1035 war es in dem zwischen Przytyk und Klow gelegenen Städtchen Odrzywol zu Bauern- Unruhen gekommen. Die Juden von Odrzywol flüchteten nach PrzytyK. Drei mit Flüchtlingen vollbesetzte Wagen hatten Przytyk ohne Gefahr erreicht. Der vierte Wagen mit etwa dreißig Juden wurde aber von Bauern aus den benaclibarten Dörfern überfallen, die die Insassen aufs schwerste mißhandelten. Einer der Verletzten, Monisz Poznanski, starb bald darauf in Radom. Der Schultntacher Herseh Wrublewski lag sechs Wochen lang im Krankenhaus. Er hat die Sprache verloren. Der Schächter Melcch Montag wurde schwer verwundet. Der Malka Chenczynska wurde ein Arm gebrochen, der Feige Sktimska die Nase abgerissen; sie lag drei Monate im Krankenhaus. Außerdem waren noch zwölf Juden verwundet worden. Gegen jüdische Ansiedlung in Cypern In dem sonst judenfreundücbeii Athener Blatt ״Pro i .־‘ו, einer der größten griechischen Tageszeitungen, wird ein scharfer Angriff gegen jüdische A n 5 i e d - lung in Cypern veröffentlicht. Seit einigen Jahren, heißt es in dem Artikel, läßt sich eine steigende Tendenz zur An- Siedlung jüdischer Kaufleute, Industrieller und Grundbesitzer in Cypern feststellen. In täglicli steigendem Umfang werden landwirtschaftliche Besitzungen attfgekauft, da die Bauern und Grundbesitzer ihren Boden wegen wirtschaftlicher Schwierigkeifen verkaufen. Fs entwickelt sich allmählich auf unserer griechischen insei eine jüdische Kolonisation, die mehr Sicherheit bietet als die in Palästina, wo die Araber gegen die Juden revoltiert haben. Diese Tendenz wird offenkundig von der englischen Verwaltung aus dem Grunde gefördert, daß eine allmähliche Aenderung der ethnischen Zusammeiiscfzung der Insel einerseits die englische Macht festigen, andererseits die Möglichkeit der U e b e r f ü 11 r u n g jüdischer Siedler ausPalästin a, aus den Gebieten, wo die Araber am unnachgiebigsten sind, ermöglichen könnte. Sollte die Invasion jüdischer Eindringlinge, schreibt das Blatt zum Schluß, fortdauern, so könnte die dortige griechische Bevölkerung dies als schwere Verletzung ihrer Inter essen empfinden. Sie würde dann nicht zögern, ihren Groll zu zeigen. _ Das Judentum in der Rechtswissenschaft Im ״Mitteilungsblatt des Nationalsozialistischen Rechts- Wahrerbundes“ vom 15. Juli 1936 wird berichtet, daß die Arbeit der Reichsgruppe Hochschullehrer im Berichtsmonat vor allem der Vorbereitung der großen Hoc 11 schullchrertagung über das Judentum (vgl. ״Jini. Rundschau‘• vom 26. 6.) in der Rechtswissenschaft diente. Hierzu heißt es in dem Berieht; ״Diese Tagung wird als Gesamttagung der Reichsgruppe voraussichtlich am 3. und 4. Oktober d, j. in Berlin stattfinden. Als Referenten haben sieh außer denjenigen, die bereits früher zugesagt haben, nämlich den Professoren Erich Jun g, Marburg, Heinrich Lang e und I lans W!1 r d i ״ g c r, Breslau. Landgerichtsrat Dr. B a r t h o 1 o m c y c z i k, Breslau, und Dr. v. Leers von der Deutschen Hochschule für Politik inzwisehen noch Senatspräsident Professor Dr. K1 e e, Berlin, für das Thema: ,Der Einfluß des Judentums aut die Strafrechts- Wissenschaft‘ und Dozent Dr. Gurk e, München, für das Thema; ,Der Einfluß jüdischer Theoretiker auf die deutsche Völkerrechtsiehre‘ zur Verfügung gestellt.“ Im Alter von 74 Jahren ist in Wien der weit über die Grenzen Oesterreichs hinaus bekannte Internist, Universitäts- Professor Hofrat Dr. Jacob Pa! gestorben. Die Beilage ״Munal Iwrl“ mußte wegen Raummangels lurückgestellt werden. BRIEFE AN DIE REDAKTION Jüdisch-arabische Beziehungen Königsberg, 10״ Juii Sehr guchrtu Redaktion! / ׳TI <km! Aui.vi!?. von Erich Cu im ,.Plu : ־)uni!(! Gmi-dLrher Vu\ link* ■ LJ«. 1. KuiuL( (53 .׳1.“ X1! niö rhu* ich ui סי! s’)״r.i merken: .UV: un uin Munmh siuhl, da!3 Ln dun über ihn ki j inmuii, mjil er *suhl Ihm(' Mn und Tun überpni 1 G11' * <T almudbe hur Austu h) . IV diu uv MmTmLsrii 11־ Sn mdu, <1.1 diu Juden Pa: iii-t ii ms -Iu ich »las Lauten־*״!״ teu er des;1 rahbehm י Aufruht’ gi־I um, ist <•; i viclkm •Id nützlich ihn an ZU Ul iimurn. da!'׳ merk• wii r.iiju *r webe dir ar.tl üsuhu Er,1;׳c von 111 Huren ersten ■7 donbtischen Fti hrern ni Mit be ■rück kehl i;m wurde. Der uin7,it!u, dur früh״ 7.c i 1 diu Aubiiurks; imkeit dar• mit k-1 1kl u. war Ad and Haani. In -einem ur-.U־n AuGatz ,,!>!<׳ Wahrheit aus Erez I -!.!<1) “־[־E90) — heute lel>endi<j; wie datnab vor 46 );thron ־-- sagt er 11. 1u1}׳u1k1cs: ״Wir sind kicht gc• neigt;tnzunrhtn<־u, daß die Arabur ein v*ilder Stamm seien und keine klare Vorstellung von all dem h.thun. was um siu herum geschieht. Dies ist ein pewalti^er und io!״vn.-H;hwerer Imum. Wie alle Orientalen haixm ourli dir Araber einen scharfen Verstand und sind auch listig. Die Araber, namentlich diejenigen, die in den Städten wohnen, beobachten sehr schar! umer •Stieben, inner Wallen und Tun im Lande, sie schweigen al>er und tun so, als ob sie von allem nichts sehen und hören, was um de herum vorgeht, weil sie vorläufig in unserer Tätigkeit 1m Lande keine Gefahr für ihre Zukunft erblicken. Iu dem Maße jedoch, in dem unser Aufbau fortschrei• ton und sich entwickeln wird, und unsere Wurzeln sich weilt r ausdehnen werden, dann werden sie uns Widerstand leisten und Hindernisse in den Weg legen.“ Achad Ilaum hat schon damals dringend geraten und auch später, in seinen lkioL1־t. seine Aulfassung zum Ausdruck gebracht, daß man in den jüdisehen Schulen Palästinas ara-!lisch unten ichte und daß man eine arabische Zeitung gründe, durch welche man zum arahisollen Volke aufklarcnd und 1*'־ ruhigem!, versöhnend und heschwichtigend sprechet* könnte. (Vgl. Achad llaam ,.Igorot“ Band IV S. 249 n. S. 289.) Line Bewegung, wie die zionistisehe, die vom jüdischen!leiste ausgeht und im jüdisch*!1 (leiste mündet, könne nur den Weg des Friedens getan. Der Zionismus müßte die Schafiung einen ethischen Verhalt nMes zu den Arabern nnstreben und vor allem alles zu vermeiden Midien, was Furcht einflößen könnte, denn Furcht erzeuge ilaß und die Folgen dos Hasses. Leider hat man seinen Rai nicht befolgt. Hätten seine An* regungen die ihnen gebührende Beachtung gefunden, dann hau.- man vielleicht dem arabischen Problem seine Schälte genommen. Auch der arabische Aufstand wird zu Ende gehen, allerdings tiefe Furchen auf beiden Seiten zurück kosend. Aufgabe unserer berufenen Stdlcii wird es dann sein, unser Veihalten und unsere Stellungnahme gegenüber dem arabischen Volke zu uIhtprüfen, die aus den Kriahrungen der Ereigiib-w gezogenen Lehren Tel-Awiw, 12. Juli Sehr geehrte־ Redaktion! Da.s interview, <Lh Herr Dr. Lcvie iu der ,,Jüdi-ehen Kundschau“‘ Nr. 51 über das paläst iücndät'he Mud klebn «bgegeben 11.1t, ist geeignet, bei den Lesern faLebe \ oi su-liungen lurvorzurufen. Wir nehmen an, daß es sich um ein Mißvemkiiulnb des Be1ich:cs:dattem handelt. Die Behauptung, .,daß die Philharmonische Gesellschaft sich nicht halten konnte“, ist unrichtig. Die Gründung des Hubernem-Oi chc'lem erFügte völiig unabhängig von der Philharmonischen Ge.-wllsrhn! 1, die durch Veranstaltung von Symphonie-Konzerten eine wichtige Pionier.nlm\ gebbui hat. Kbcno erweckte der Satz, ״daß die Philharmonhehe Ge- Seilschaft sich unter Taube nicht Leipzig, den 16. Juli 1936 Weite Redaktion! Ich lese von der Heldenmütigkeit der jüdischen ('hauftruie in Erez Israel, auch der jüdischen Schomrim. Wäre es nicht angebracht, daß diese Leute S t a h 1 11 e 1 m e trazu nützen und ,.eine systematisehe, geduldige, auf lange Sicht angelegte Arbeit“ au tzu nehmen, um das arabische Problem einer I .ö'Ung tuherznhnngcu. Mit Zion.sgruß M. Kownet haken konnte*‘, den Eindruck, uL wären die>c Konzerte matericll und künstlerisch nicht zugkräftig gewesen. Für die Stetgcrung ilcs künstlet ischcn Nivea 11.י hat Taube Außerordcntliebes geleistet, wofür ihm das palä o inen:Asche Publikum sowie die Philharmonische Gesellschaft zu großem Danke verpflichtet sind. Fine Reihe van sieben Konzerten — tiinf davon unter Leitung von Taube — waren außerordentlich gut besuchtmid ma- W rieil wie künstlerisch ein voller Taube gehört zu den drei I h!!gm׳ ei!- iVr>Önliehk<׳iten, die* Hube! man an erster Stelle mit -gh iHien Ruchten zur Leitung Orchesters berufen hat 11 och ach t ungs voll Dr. Erich Horwit* jjmn .sollen? Der Tod des Josef K a t z, dur durch einen Kopfschuh g<:l-:t tt wurde, ist der U'öc Hunvc. is dafür, daß maneher Tod verhindert werden könnte. Mit Zionsgruß! G. K w e s t c 1 Palästinensisches Konzertleben Die heldenmütigen Chauffeure Dr. Siegfried Kanowitz in Deutschland Kuadgebaag;0n and Zirkel Wie wir vor einigen Wochen berichteten, hält sich der frühere Generalsekretär der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, Dr. Siegfried Kanowitz, zur Zeit in Deutschland aut. Dr. Kanowitz, der die Tel-Avviwer Poliklinik der Kupath Cholim, der Krankenkasse der palästinensischen Arbeiterschaft, leitet und als ärztlicher Flüchtlingskommissar der Stadt Tel-Awiw mit der hygienischen Versorgung der bei den Unruhen aus Jaffa nach Tel-Awiw geflüchteten Juden betraut war, ist ein besonderer Kenner der sozialpolitischen Probleme Erez Israels. In den letzten Wochen hat Dr. Kanowitz eine große Reihe der bedeutendsten jüdischen Gemeinden des Reiches besucht. Fr sprach in Wuppertal-Elberfeld, Dortmund, Düsseldorf, Köln und Aachen, hier fast überall gemeinsam mit Rabbiner Dr. Hahn, Essen; sodann in Frankfurt a. M., A4 ii n c h e n und Nürnberg, schließlieh in Mannheim, Karlsruhe und Stuttgart, ln all diesen Zentren des jüdischen Lebens in Deutschland waren die Versammlungen trotz der Sommerzeit ungewöhnlich gut besucht. Dr. Kanowitz widmete seine Vorträge vor allen Dingen zwei Themenkreisen; einmal dem allgemein-politischen, dessen Aktualität durch die jüngsten Ereignisse in Palästina naturgemäß besonders lebhaft empfunden wird, sodann dem mehr speziellen Gebiet der Sozialpolitik, das er durch seine ärztliche und sozialhygienische Arbeit in Palästina besonders gründlich kennen zu lernen Gelegenheit gehabt hat. Hinsichthch der allgemein-politischen Situation des jüdischen Aufbau- Werkes im Lande war es von besonderer Wichtigkeit, daß Dr. Kanowitz aus unmittelbarem Erleben heraus von der entschlossenen Haltung, der Selbstbeherrschung und dem unbeugsamen Aufbauwillen des Jischuw in Erez Israel ein lebensvolles Bild entwerfen konnte. Die von zionistischer Seite seit jeher vertretene Auffassung, daß letztlich trotz aller Wichtigkeit äußerer Faktoren der Palästinawille der Juden heit die stärkste Stütze des Aufbauwerkes darstellt, wurde durch seine Darlegungen bekräftigt und fand durch seine Versammlungen Eingang auch in Kreise, die bisher noch zögernd zur Seife gestanden hatten. Indem so die Kundgebungen zu einem jüdischen Gemeinschaftserlebnis besonderer Art sich gestalteten, leitete Dr. Kanowitz Informationen und Kenntnisse spezielleren Charakters durch seine überall nach den Versammlungen veranstalteten Zirkel in diejenigen Kreise der Judenheit Deutschlands, die als Acrzte, Sozialbeamte und Lehrer von vornherein den sozialpolitischen Problemen der sich entwickelnden Volksgemeinschaft in Palästina ein besonderes Fachinteresse entgegenzubringen geneigt sind. Das Zusammentreffen verschiedenster Landsmannschaften des jüdischen Volkes mit all ihren besonderen Auffassungen über Arbeit, Beruf una Gesellschaft in Palästina hat besonders große Schwierigkeifen zur Folge, wenn man davon ausgeht, daß all diese versprengten Teile des Volkes aus der Golah mit dein Willen nach Erez Israel kommen, dort wieder zu einem Volk mit einheitlichen gesellschaftlichen Auffassungen zusammenzuwachsen. Der große Kibbuz, Oalujoth, aus dessen heute noch vagen Konturen die Umrisse des neuen Jischuw sich erst langsam herauszubilden vermögen, erfordert den stärksten Einsatz zionistischer Kraft, die allein dem neuen Werden eine normative Richtung zu geben vermag. Das spezielle Problem der orientalischen Judenheit, manchen Teilen des Jischuw überhaupt erst durch den Auszug aus Jaffa vertraut geworden, ist hierbei im Besonderen zu nenne״. In dem großen Versuch, Tradition der jüdischen Geschichte mit modern-europäischer kolonisatorischer Aktiv!- tat zu einer neuen Einheit zu verschmelzen, stehen wir in Palästina mit jeder neuen Welle der Alijah vor einem neuen Anfang. Dr. Kanowitz verstand es. besonders wirkungsvoll unsere Bemühungen hierbei darzustellen, vermittelte aber auch seinen Zuhörern die Empfindung, daß gerade aus der Judenheit in Deutschland für die Bewältigung dieser Probleme besondere Kräfte entwickelt werden können. Es ist kein Zweifel, daß dem Werk des Zionismus In Palästina durch die Reise des Redners neue und überzeugte Freunde in großer Anzahl gewonnen worden sind. Der neue Bermann-Fischer-Verlag Der S. F i s c 1! e r - V e r I a g Berlin (über dessen Neugestalt« 11g die ״Jini. Rundschau“ als erste Zeitung vor einigen Wochen berichtet hat) teilt im ״Börsenblatt für den deutsehen Buchhandel“ mit, daß mit dem 10. Juli die Verlagsrechte und die Bestände der im S. Fischer-Verlag erschienenen Werke folgender Autoren an den Bermann-Fischer-Verlag G. m. b. H, in Wien iibcrgegaiigen sind; Peter Altenberg, Richard Becr-Hofmann, Alice B ehrend, Martin Giuupert, Moritz, H eimann, Friedrich Heyden au, Hugo von H o f m a nnstha I, Maria K a r! w e i s, Annette Kolb, Mcchtilde Lichnowsky, Thomas Mann, Andre Maurois, Karl Rößler, Bernard Shaw und Karl Zuckmaycr. — Danach würde es scheinen, daß der neue Wiener S. Fischer-Verlag auf die Verlagsrochte an den Werken anderer jüdischer Autoren, die bisher zu diesem Verlag gehörten, wie 7. B. Jakob Wassermann, Arthur Schnitzler usw., verziehtet. Hochzeit auf hoher See. Wir erhalten folgenden Bericht: Aut der letzten Fahrt der ״Tel-Aviv“ nach Palästina erlebten die Passagiere des Schiffes ein seltenes Ereignis. Die erste jüdische Trauung auf hoher See. Ein junges Brautpaar aus Deutschland faßte am Tage vor der Landung den Entschluß, •die Eheschließung sofort vornehmen zu lassen. Der Kapitän Herr A. Leidig fungierte als Standesbeamter, während unter sachverständiger Leitung von Herrn H. Brender (Tel-Awiw) der Fhcvertrag, die Ketin!ha, allsgefertigt wurde. Nachts um 10 Uhr fand in der kleinen Synagoge der ״Tel-Aviv“ unter Beteiligung der gesamte:! Schiffsleitung, sämtlicher Passagiere lind der Schiffskapclle in besonders feierlicher Form die Zeremonie der jüdischen Ehe- Schließung statt. Hin seltsames Bild war es, wie um Mitternacht hei Mondensehein an Bord ein fröhliches Treiben mit Gesang und Tanz die Hochzeit beschloß. Das junge Ehepaar verfehlte es nicht, sich in das goldene Buch des KKL eintragen zu lassen. Harry Weichsclbaum Auf dem Weltkongreß der Religionen, der gegenwärtig in London tagt, wurde, wie die ״Times“ vom 16. Juli mitteilt, eine Darlegung des Präsidenten der Universität Jerusalem, I >r. J. L. M a g ti e s, über das Thema ״Friedensgeist und Kriegsgeist“ verlesen. Der Vorleser, Rabbi L. I. Edgar von der Liberalen Synagoge in London, schickte die Bemerkung voraus, daß nicht jeder Jude mit den Ansichten von Dr. Magnos ubereinstiiiiiiie. In dem Vortrag von Magnes wird gegen die Weltreligionen der Vorwurf erhoben, daß sie nichts getan haben, um den Geist der Selbstlosigkeit und Versöhnlichkeit unter den Völkern ein* zupflanzen und dadurch dem Kriegsgeist cntgcgcnzuarbciten. Die ״Times“ hebt hervor, daß sicli eine überaus lebhafte Debatte an die Verlesung des Vortrages anschloß, wobei eine ganze Reihe vor! Rednern die pessimistische Haltung von I)r. Magnes ahlehnte. Juden mit der Waffe. Unter Bezugnahme auf die durch die Presse gegangene I)NB.-Meldung mit dem Zitat aus ״News Chronicle“ über eine ״jüdische Armee“ in Palästina stellt die ״F'uldacr Zeitung“ unter der lieber* Schrift ״I s i <1 o r mit d er II n 1111 g r a n a t e“ Betrachtungen über die Kriegsfähigkeit der Juden an. Die Zeitung ist von dem Londoner Bericht über die Bewaffnung der Juden Palästinas überrascht lind erklärt sie sich dadurch, daß sie von einer ״liberalen, jüdisch beeinflußten Zeitung“ stamme. Es sei zwar möglich, daß sich die Juden in Palästina zum Selbstschutz zusammengeschlosscn haben, aber, so fährt die Zeitung fort: ״... daß diese Streitmacht im Ernstfall ihren Mann stehen wird, wie man es sonst von den Armeen oodengebundener Völker zu erwarten pflegt, das wagen wir bei allem nötigen Respekt vor der zionistischen Bewegung doch zu bezweifeln. Die Hand, die sonst nur in Börsenzeitungen zu blättern gewohnt ist, taugt hier wenig zum Schleudern von Handgranaten.“ — Vielleicht ist die Frage erlaubt, warum In einer so ernsten Angelegenheit, die doch in keiner Weise das Interesse des deutschen Volkes berührt oder verletzt, ein derartiger Kommentar notwendig ist. Wir glauben, daß die richtig informierten deutschen (auch nationalsozialistischen) Kreise keinen Zweifel daran haben, daß die Juden Palästinas sich mit der gleichen Tapferkeit wie irgendein anderes Volk zu verteidigen verstehen.

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