Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 58 (21.7.1936)
- Date
- 1936-07-21
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 58 21. VII. 1936 D ISCHE RUNDSCHAU Seite 3 Der Reichs verband Jüdischer Kulturbünde Entwicklung, Arbeit, Aufgabe Von Dr. Kurt Singer, Vorsitzender des Reichsverbandes Jüdischer Kulturbünde. 1. Gesdiidite Als in Berlin 1933 die Initiative zur Gründung jüdischkultureller Verbände ausging, schlossen sich der Idee des Jüdischen Kulturbundes bald andere Großstädte und kleinere Gemeinden an. Zum Teil erweiterten bereits bestehende Vereine (für Literatur, Wissenschaft, Kultur der Juden) ihre Arbeitsgebiete, zum Teil intensivierten sie das Vortrags- und Musikwesen. Meist standen die Gemeinden den neuen Bestrebungen hilfreich zur Seite und finanzierten sie. Hand in Hand damit ging eine Beratung der erwerbslosen Künstler. Hier griff in Berlin die ״Künstlerhilfe“ zuerst das Werk der Saminlung, der kartothekartigen Erfassung aller jüdischen Sänger, Schauspieler usw. auf und versuchte, einerseits durch Veranstaltungen die ohne seelischen, ohne Arbeitsantrieb bleibenden Künstler wieder zu beleben, andererseits durch Gründung von Mittagstischen, durch Geldzuwendungcn wirtschaftliche Not zu müdem. Im Rheinland traten mehrere große und kleine Städte unter der Führung Kölns zu einem einheitlichen, auch programmatisch einheitlichen Bund zusammen, ebenso in Westfalen, Mecklenburg; in Frankfurt, Breslau. Münc h e n, Mannheim übernahmen neu gegründete, respektive bestehende Orchester die Organisierung regelmäßiger kirnstlerischer Veranstaltungen, in Stuttgart wurde das chorische und instrumentale Arbeiten Zentrum der Kulturbund-ldeg; zugleich regten sich die — nach Berlin — ersten theatralischen Kräfte im Rheinland, in Hamburg, Breslau. Wo größere Verbände sich noch nicht etablierten, da wurden die Gemeinden selber Kulturvermittler jüdischer Kunst (mit Synagogen- Veranstaltungen, lehrhausinäßigen Vorträgen, Arbeitsgemeinschäften), oder einzelne Männer versuchten, eine gewisse Regelmäßigkeit weniger, monatlicher Soiisten-Abende an Stelle der noch nicht möglichen Ensemble-Veranstaltungen zu setzen. Wirtschaftlich war die Linie auch nicht gerade einheitlich. Bevorzugt wurde — im Gegenteil zu Berlin mit seinem festen Abonnements-System — der freie, ungebundene Kartenverkauf, natürlich nur an Juden. War also die Idee des Kulturbundes der Juden auch überall die gleiche, in den Wegen trennte man sich überall. Dabei waren die Sorgen allenthalben die gleichen: Geld, Pubiikums-Organisation, Saalschwierigkeiten, örtliche behördliche Besonderheiten, planmäßige Erfassung der besten Künstler, Verpflichtung dem begabten Nachwuchs gegenüber. Es häuften sich in den Büre» des Berliner Kulturbundes, vor allem auch im Büro des für die kulturelle Arbeit der Juden eingesetzten Staatskommissars, die Anfragen, die Eingaben, die Bitten um Erläuterung und Auslegung. Von innen und außen her wurde daher die Frage der Zentralisierung unserer gesamt-jüdischen Kulturarbeiten die Frage des Tages, ln ein akutes Stadium trat diese, für die Fruchtbarkeit unser«• Idee, für ihre methodische Durchführung und Weiterexistenz dringende Frage in dem Augenblick, da das Kommissariat aus dem preußischen Ministerium übergeführt wurde in ein Reichsministerium. Jetzt konnten von der zentralen Berliner Reichsstclle her An- Weisungen an die Landesstellen des Propagandaministeriums, an die lokalen Partei- und Polizeistellen ergehen, konnten für die Vorbereitung und den Ablauf aller Konzerte, Vorträge, theatralischen Veranstaltungen einheitliche Richtlinien erlassen werden. Der Arbeitsprozeß wurde vereinfacht, es konnten Ausnahmen für die Genehmigungsanträge geschaffen werden bei allen Veranstaltungen der jüdischen Winterhilfe, bei den weitanschaulichen Verbänden, bei den religiösen Abenden der Gemeinden, bei den Sport- und Frauenvereinen, bei den Hauskonzerten. Das war eine ungeheure Entlastung des Berliner Apparats, und es war gleichzeitig eine weitherzige Auslegung der behördlichen Auflagen gewährleistet. In enger Zusammenarbeit mit den Behörden konnte hier Berlin den wesentlichen Teil aller Vorbereitung für alle in Deutschland stattfindenden jüdischen Kulturveranstaltungen übernehmen, konnte an Ort und Stelle bei jeder strittigen Frage sofortige Rückfrage halten, konnte bei einsetzenden Schwierigkeiten intervenieren. So kam die Gründung des zusammenfassenden ״R e ich s v er b andes der Jüdischen Kulturbünde“ fast automatisch zustande aus einer Begegnung der Wünsche des Staatskommissariats und der Kulturbünde selbst. Im April 1935 wurde in Anwesenheit des Herrn Staatskommissars Hinkel, des jetzigen Reichskulturwarts, und fast aller Repräsentanten des jüdischen Kulturlebens in Deutsch-!and, der Reichsverband gegründet, Statuten ausgearbeitet und genehmigt, Richtlinien für die Arbeit der Bünde einheitlich formuliert, Ausführungsbestimmungen erlassen. Diesem Reichsverband gehören alle Kulturbünde und kulturbundähnlichen Organisationen an. Eine Aufteilung in Landesorganisationen — Rheinland, Süddeutschland, Mitteldeutschland. Westfalen, Grenzmark, Schlesien, Ostpreußen usw. — ist geplant, noch nicht Wirklichkeit. Im weiteren Vorstand sitzen die Leiter von Kulturbünden aller deutschen Regionen, im engeren Vorstand die Kulturbundleiter von Berlin, Köln, Hambürg, Frankfurt, Magdeburg, München. Zum Vorsitzenden wurde der Leiter des Berliner Kulturbundes einstimmig gewählt. 2. Arbeit Im Büro des Reichsverbandes laufen sämtliche Gen ehmigungsanträge aller jüdischen Kulturbünde in Deutschland ein. Sie werden geprüft, werden, wenn es notwendig erscheint, zur Vornahme von Veränderungen (zum Beispiel bei Vorträgen) zurückgereicht, wiederum geprüft und zur Genehmigung vorgelegt. Daß es sich bei unseren Prüfungen nicht um Zensuren, nicht Um Eingriffe in geistiges Eigentum handeln darf, versteht sich von seihst. Die Praxis ergibt aber, daß gewisse Formulierungen, manche thematische Details, daß vor allem bereits früher beanstandete Werke nicht weitergeleitet werden sollen. Sie verfielen sonst dem behördlichen Verbot. Bei dieser verantwortungsvoll vorgenommenen Siebung fehört eine behördliche Nichtgenehmigung zu den äußersten eltenheiten. Der Staatskommissar gibt uns in solchen Fällen Gelegenheit, uns mündlich über den betreffenden Fall auszusprechen oder zu orientieren. Der Arbeitsweg von Büro (des Reichsverbandes) zu Büro (des Herrn Reichskulturwarts) ist ein täglicher. Im Winter laufen zwischen 200—300 Genehmifungsanträge monatlich im Reichsverband ein. Die Kulturbünde aben nach Eintreffen der Genehmigung mir mehr die polizeiliehe Anmeldung an Ort und Stelle vorzunehmen. Nach der Eliminierung jüdischer Sänger, Schauspieler, Rezitatoren aus den Reichskammern wurde es dem Reichsverband zur Pflicht gemacht, diese in seiner Organisation als aktive Mitglieder aufzunchmen. Die von uns nach öffentlicher Aufforderung versandten Fragebogen brachten zirka 2*/3 Tausend Anmeldungen. Von diesen dürften, nach endlosen Rückfragen und Begutachtungen bisheriger Ausbildüng und Entwicklung, zirka tausend nicht für den Reichsverband in Frage kommen. Es kann nicht Sinn des Reichsverbabandes sein. Menschen, die auch vor 1933 nicht dem Berufs- «fand der Musiker, Schauspieler usw. angehört haben, oder Menschen, die nur gelegentlich als Begleiter, Sänger in Toynbee-Hallen, Hauskonzerten usw. aufgetreten sind, zu einem Seheinberuf zu verhelfen. Die Rücksicht auf die Masse der wirklichen Berufskünstler verbiet*! das, zuweilen auch der (nachgeprüfte) Mangel an Begabung und Studium. Dagegen wurden alle diejenigen, die iiure bisherige Mitglied- Schaft in einer Kammer nachweiscn konnten, im Reichsverband aktiv aufgenommen, natürlich ohne daß der Reichsverband damit eine Verpflichtung zur Beschäftigung übernehmen konnte. Ohne Ausweis der Mitgliedschaft beim Reichsverband ist heute ein Auftreten im jüdischen Bezirk nicht möglich. Das Schicksal des Berufskünstlers steht uns so nahe, daß wir Dilettanten nur dann mit Tagesausweis auftreten lassen, wenn durch ihren Wegfall Veranstaltungen (an kleinen Plätzen, bei plötzlichen Krankmeldungen usw.) in Frage gestellt würden. Das Gcmcinschaftsmusizicrcn allerdings gehört so sehr zur Forderung unserer Tage, daß an ein Verbieten von Diiettanten-Orchestern nur dann gedacht wird, wenn wirklich Berufs- Orchester in ihrer Existenz gefährdet wären. Laienchöre haben selbstredend alle Förderung auch im öffentlichen Musizieren von uns zu erwarten. Die selbständigen Konzerte reproduzierender Künstler werden, zum Teil auch über den Umweg konzessionierter Agenten, vom Rcichsverband programinäßig weitergeleitet. In der Frage der Ausländer haben Kommissariat wie Gestapo mehrfach Anträgen auf Arbeits- oder Auftrittsgcnclimigung, unserer Begründung folgend, entsprochen. Die Kleineren Kulturbünde und Städte beraten wir auf Wunsch bezüglich ihres Programms, empfehlen ihnen von Berlin 11er oder aus der näheren Umgebung der anfragenden Orte Künstler, versuchen, einen Austausch der theatralischen Kräfte besonders zwischen Berlin, Köln, Hamburg, Breslau zu systematisieren, schicken möglichst jeden Monat einen Künstler, der in Berlin seltener zu Wort kommt, auf eigene Rechnung in Provinz- Städte (wobei die einzelnen Gemeinden nur den anteiligen Reisezuschuß zahlen). So kann in Zukunft bei aller Stabilität der Einzelarbeit mit einem besonders reichen Austausch, einem Fluktuieren der vorhandenen Kräfte gerechnet werden, was für die Finanzen der Kulturbünde von Wichtigkeit ist. Daß wir — aus 3-Pfcnnig-Beiträgen der Mitglieder — auch einen Subventionsfonds schaffen, der in bescheidenem Maße einmal einer kleinen jüdischen Kulturorganisation aus der Not hilft, sei beiläufig bemerkt. Die bildenden Künstler wurden in einem dem Reichsverband angeschlossenen Sekretariat zusanimengefaßt. Regelmäßige Ausstellungen von Bild und Graphik in den Foyers des Berliner Kulturbundtheatcrs und anderer Lokale (auch in der Provinz) sind der bisherige, für die Existenz der bildenden Künstler allerdings noch sehr karge Effekt dieser Vereinigung. Die Reichsausstellung jüdischer Künstler, veranstaltet von der Reichsvertretung der Juden, der Jüdischen Gemeinde und dem Rcichsverband, war aber ein Auftakt für ähnliche, auch der materiellen Sorge gewidmete Arbeit, die ausgebaut werden muß. Skandinavischer Kurt Blumenfeld in Kopenhagen Von unserem Berichterstatter Kopenhagen, 17. Juli Der erste Delegiertentag der skandinavischen Zionisten, der vom ״Zionistischen Einheitsverband Skandinaviens“ orgasiert wurde und am 12. und 13. Juli in Kopenhagen tagte, hat einen überaus guten Verlauf genommen. Dänemark war mit 9 Delegierten vertreten, Norwegen mit 4 und Schweden mit 13 (zusammen 26). Der Gruppierung nach gehörten — wenn man von kleinen Nuancen absieht — 20 Delegierte der ״Welt- Vereinigung Allgemeiner Zionisten“ (Gruppe Chaim Weizmann), 4 der Misrachi-Gruppe und 2 der Zeire Mpsrachi an. Der Delegiertentag wurde begrüßt von allen jüdischen Organisationen Dänemarks, darunter, während seiner öffentliehen Festeröffnung, von dem Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde Kopenhagens, Herrn C. B. Henriques. Auch die jüdischen Gemeinden von Oslo und Trondhjem (Norwegen) haben ihre Grüße und Glückwünsche übermittelt. Der Präsi- Kurt Blumenfeld (links) und Professor der Universität Upsala Hugo Valentin (rechts) in einer Unterhaltung während der Kopenhagener Tagung Foto: Dr. Gom.iein, Damidorf ev* -c*־; dent der Weltorganisation, Dr. Chaim Weizmann, sandte ein persönliches Begrüßungstelegramm, außerdem liefen Telegramme und Schreiben von allen zionistischen Institutionen ein. Zum Präsidenten der Tagung wurde Professor Hugo Valentin aus Upsala gewählt, zum Vizepräsidenten frau Hanna Mendelsohn aus Nbrwegen und Dr. Marcus Melc h i o r aus Dänemark. Den Ber cnt über die Tätigkeit des Verbandes legte am ersten Tage sein Vorsitzender, Herr B. Slor, Kopenhagen, ab. Daraus war zu ersehen, daß die zionistische Bewegung in Skandinavien sich in einem s t a rken Aufschwung befindet. Ueber die II a c h s c h a r a h-Arbeit wurde ein ausführ• licher Bericht ihres Leiters in Dänemark, B. Slor, abgelegt. Es bleibt ein großes Verdienst Slors, die Hachscharah in Dänemark in mustergültiger Form aufgebaut zu haben. Insgesamt wurden bis jetzt 586 Chaluzim auf dänischen Bauern- Höfen ausgebildet, dabei sind etwa 350 bereits nach Palästina abgefahren, 213 Chawerim befinden sich noch in Dänemark und der Rest ging in andere Länder zur weiteren Ausbildung. Obwohl die dänische Hachscharah zu den besten der Weit gehört, ist sie, vom finanziellen Standpunkt aus gesehen, auch die billigste. Die schwedische nachscliarah, die gegriindet und geleitet wird von Dr. Emil Glück, Hälsingborg, umfaßt augenblicklich etwa 50 Chaluzim und ist in bester Ent- Wicklung, wobei ihre Organisation nach dem dänischen Muster geschieht Für die jüdischen Komponisten ist durch Abschluß des Stagma-Vertrages Entscheidendes geleistet worden. Die Aufführung jüdischer Kompositionen verbürgt die Tantiemenabgabe an die Autoren von ernsten und heiteren musikalischen Werken. Eine genaue Prograriimkontrolle findet statt, und wir sind dabei, neben den in Deutschland lebenden jüdischen Komponisten auch die palästinensischen in den Genuß der Aufführungsabgabcn zu setzen. Jedenfalls ist nunmehr die Aufgabe der Kulturbünde, jüdische Musik oder auch allgemeine Kunst- und Gcbrauchsmusik von jüdischen Komponisten besonders zu propagieren, eine zugleich ideelle wie materielle geworden. Die finanzielle Belastung der einzelnen Blinde, die sehr groß ist, muß von diesem Gesichtspunkt aus getragen werden. Mit eigenen Veranstaltungen hält der Reiclisverband zurück. Gelegentlich aber vermittelt er durch Uebcrnahmc der Kosten eiii Konzert für hilfsbedürftige und besonders begabte Künstler. Ein Zuviel ist hier nicht tragbar, es wäre dadurch auch eine Vorzugsstellung von Berlin vor anderen Bünden stabilisiert, die nicht erstrebt ist. Durch Beobachtung der Spieipläne aller Kulturbünde, und durch Anbahnung der Be- Ziehungen zu Stätten älterer jüdischer Kultur (Warschau, Polen, Litauen, Palästina) versucht der Reichsverband, Material für spezifisch jüdische Theaterarbeit zu erbringen, wie er sich seit einem Jahr bemüht, ein Plattenarchiv jüdischer Musik, jüdischer Künstler zu schaffen. 3. Aufgabe Schon in dem, was bisher geschah, liegen die Keime großer Aufgaben, die Kraft, Energie, Ausdauer, Zeit verlangen. Zugleich öffnet sich der Blickkreis für weitere Pläne, großzügige Aufgaben, Probleme aut weite Sicht. Es gilt, die M a n i f es t a t i ח ס e!1 j ti d i s c 11 c 11 G e i s t e s nicht nur zu erspähen, sondern sie auch allen zugänglich zu machen. Wir werden ausgewähite Werke hebräischer und jiddischer D i e h t e r von Kennern der Sprache und Literatur ins Deutsche so übertragen iassen, daß vom Wesentliehen des fremden Idioms, von seiner Natur, seinem eigentümlichen Tonfall, von seiner besonderen tragischen oder fröhlichen Note nichts genommen wird. Wir werden versuchen, die wirklichen Schatze s y 11 a g o g a 1 e r, jüdis c 11 e r, j e m e 11 i 1 i s c 11 e r M 11 s i k, c 11 a s s i d ischer Volksweisen, p a 1 ä s t i 11 e 1! s i s c!1 e r U r k I ä 11 g e dem heutigen musikalischen Verständnis wieder näher zu bringen. Wir werden an die brennende Frage aktiv Herangehen, ob cs gelingen kann, in einer Stunde der Not oder der Notwendigkeit den Kern des jüdischen Schauspiel- und Opernunternehmens, wie es sieh aus den im Reirhse erband msammcnströmenden Kräften ergibt, ins Ausland zu transportieren; ob es gelingen wird, wenigstens für Monate und im Wege des künstlerischen Austauschs eine Zusammenarbeit mit jüdischer Kulturarbeit in!י a I ä s t i ti a zu ermöglichen. Das Palästina- National-Orchcstcr ais musikalische Grundlage, das Berliner Opern-Fnsentbie als theatralische .- das wäre ein Anf3ng, der auch finanziell keine Utopie darstellte. Wir sind dabei, ein j ü d i s c h c s T ourncc-Orchester zu gründen, das für sämtliche Kulturbünde im Reich wirken, der jüdischen Delegiertentag Eine besondere Bereicherung des Delegiertentages bildete die Anwesenheit und Mitwirkung von Kurt Blumenfeld, der im Aufträge der Exekutive in Jerusalem zuin Delegiertentag kam. Blumenfeld hielt auf der feierlichen Eröffnung des Kongresses eine Festrede und erstattete am nächsten Tage auf der Arbeitstagung des Delegiertentages einen Bericht über ziohistische Politik von heute. Die Wirkung der Festrede, die trotz des Sommers gegen 500 Menschen hörten, war überaus stark und nachhaltig. Blumenfeld hat verstanden, nicht nur den Zionisten, sondern auch den Nichtzionisten und ״Prozionisten“ die grundlegenden Probleme der zionistischen Weltanschauung näherzubringen. Der Redner gab einen Querschnitt durch die Entwicklung des jüdischen Volkes im 19. Jahrhundert. Während die übrige Welt am Beginn des 19. Jahrhunderts am Ende ihrer Entwichlung stand, begann für die Juden eine neue Zeit. Ihre Leistungen auf allen Gebieten der menschlichen Betätigung waren großartig und bewunderungswürdig, - - aber es bildete sielt bei ihnen eine besondere Art der Haltung nach außen hin, die Blumenfeld als ״Lebensdiat“ bezcichnete. Die Balanzicrungskunst der Emanzipationsjuden war beinahe vollkommen. Sie schuf den ״geschickten Juden“, der, wie Blumenfeld weiter treffend ausführte, durch den ״echten Juden“ der zionistischon Weltanschauung überwunden werden soll. Dabei bildete sich bei den Juden eine merkwürdige Art, die Ereignisse der sie umgebenden Weit zu beurteilen. Was für die Juden gut war, bedeutete Fortschritt, was für die Juden schlecht' war, geilorte schlechthin zum ״Mittelalter‘‘. Aus diesem Grunde entstanden manche Mißverständnisse. Die Anbetung des Ratio gewöhnte den Juden des 19. Jahrhunderts daran, nur die Frage m beachten: ״Was denkst du?“, während er erfolglos der Frage: ״Was hist du?“ aus wich. Blumenfeld ging dann zu den Problemen des Palästiiia-Aufbaus über. Die gedankenreiche Festrede Blumenfelds 11 at die Zionisten in ihrem jüdischen Wissen bereichert, die Nicht/ionisten nachdenklich gemacht. Und das bleibt der große Gewinn seiner Anwesenheit in Skandinavien, Bereits am ersten Tage sandte der De legierteil tag an die englischen Gesandten in Kopenhagen, Oslo und Stockholm Telegramme, in denen, bezugnehmend auf die Ereignisse in Palästina, der Wunsch nach Wiedereinkehr der Ordnung und Ruhe in Erez Israel und nacli der Wahrnehmung der Aufgaben, die aus dem Mandat resultieren, zum Ausdruck kommt. ln der politischen Resolution, die einstimmig an genommen wurde, heißt es u. a.: ״Unser Anspruch auf Erez Israel, tausendfach durch unsere Geschichte begründet, völkcrrechtlich anerkannt, durch die Not in der Galutli zwingend bewiesen und durch opfervolle kolonisatorische Leistung erhärtet, bleibt unantastbar bestellen.“ Des weiteren vc-siclierte der Delegiertentag die Exekutive seines vollen Vertrauens und sprach seine Bewunderung aus für die heroische Haltung des Jischuw. Der Sitz des Zentralatisschusses und des Zeiitralbüros des ״Zionistischen Einheitsverbandes Skandinaviens׳‘ bleibt Kopenhagen. Die Unterbüros in Norwegen und Schweden sollen jedoch ausgebaut werden. Dem Zentralausscluiß geliören die drei jeweiligen Vorsitzenden der Landesverbände Dänemark, Norweger! und Schweden, und zwar Herr B. Slor, Kopenhagen, Herr Israel Lewin, Oslo, Herr 130zent Hugo Valentin, Upsala, an. Außerdem wurden in den Zentralausschuß gewählt: Herr 1. M. Schild vom Misrachi in Kopenhagen und Herr Dr. Emil Glück, Häisingborg. Außerdem wird demnächst auf Antrag der Zeire Misrachi-Gruppc in Stockholm ein Vertreter der zionistischen Jugend in den Zeiitralatisschuß kooptiert. Der Delegiertentag fand seinen würdigen Abschluß in dem öffentlichen Vortrag des Herrn B. Slor, der neulich aus Palästina zurückkam und als eingeborener Palästinenser die Möglichkeit hatte, auch mit Arabern zu sprechen, über das Thema: ״Palästina heute und morgen“. Der Vortrag hat einen überaus klaren und instruktiven Bericht über die Ereignisse in Palästina vermittelt, W, K.-K. » I