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Jüdische Rundschau · 1936-07-21 · Heft 58 (21.7.1936) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 58 (21.7.1936)
Date
1936-07-21
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 58, 21. VII. 1936 um die Perspektiven einer wiedergefundenen kollektiven schöpferischen Geistigkeit. Die Juden in aller Welt werden Palästina nicht im Stiche lassen. Der Aufruf, den in unserer heutigen Nummer eine Gruppe aus Deutschland stammender palästinensischer Juden an die Juden Deutschlands richtet, wird die stärkste Resonanz finden. Es spricht aus diesen ,Worten die ungebrochene Kraft und die freudige Lebensbejahung der Juden Palästinas, die auch in Zeiten der Not keinen Augenblick vergessen, daß sie für eine größerc Sache leben und arbeiten. Viele Juden Deutschlands werden unter den Unterzeichnern ihnen bekannte Namen finden. Alte Zionisten stehen neben Menschen, die sich früher als ״Nichtzionisten“ bezeichnet haben. Sie alle sind vereinigt in ihrer Sorge um Erez Israel, in ihrer Hingabe an das Land und ihrer Zuversicht für die Zukunft. Ihre Arbeit bedarf aber der ständigen Unterstützung der Diaspora. Die Artreit für Erez Israel geht weiter, die bereitstehenden Chaluzim zögern nicht einen Moment, ihren Weg anzutreten. Wir glauben, berechtigt zu sein, im Namen der Juden Deutschlauds auf diesen Aufruf der ״Hitachduth Oie Germania“ die Antwort zu geben, daß er auf fruchtbaren Boden fällt, denn die Treue zum Werk ist nicht gemindert, die Arbeit geht auch hier weiter. Die Welt hat für uns nur Bedauern übrig, den Weg ins Freie müssen wir selbst uns bahnen, dann wird auch die Welt uns stützen. IN ALLER KURZE Wie die ״Nation,11-Zcitung“ (Essen) vom 15. Juli mitteilt, •and drei jüdische S c 11 w i m m k I u b s in der T s di f r h n ן imv;1 k r 1 von dem tschechischen Schwimmverband g c in ה ß r c g e 11 worden, weil sie sich weigerten, ihre Mitglieder für das tschechische Team für die Olympi sehen Spiele in Berlin zur Verfügung zu stellen, nie Schwimmkluhs wurden mit je 4000 Kronen Strafe bclegt und für zwei Jahre von Auslandsstarts ausgeschlossen. Wie die Zeitung weiter mitteilt, sind auch jüdische Sportler in Oesterreich, die nicht auf den Olympischen Spielen in Berlin starten wollten, disqualifiziert worden. Hie Zeitung ,.Das Schwarze Korps“ veröffentlicht den Wortlaut einer hi!!gäbe des Hcichskirchcnaus- Schusses, in der gebeten wird, daß der ״verschwindend geringen Anzahl‘‘ noch amtierender evangelischer Pfarrer j ti d i s c h er A b s t a m m u ti g eine Befreiung von den Vor- Schriften der Nürnberger (jesetze, insbesondere bezüglich der Verwendung weiblicher Angestellten und bezüglich des Hissens der Reichsflagge, gewährt wird. Dabei wurde eine diesbezügliche Lingabe eines Pfarrers Peter Katz anccfügt. Die Zeitung ״Das Schwarze Korps“ fragt, was sich der Rcichskirchcnnusschuß bei der Weitergabe dieses Gesuches gedacht habe. Wie das Deutsche Nachrichtenbüro aus Danzig mitteilt, hat die Dan/.iger Regierung auf Grund des Ermächtigungsgesetzes vom Juni!1Dl eine Reihe von Maßnahmen zur Aufrcehterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung beschlossen, die sich auf Verbreitung von Nachrichten, Schutzhaft usw. beziehen. Gleichzeitig mit diesen Bestimmungen hatte die Danziger Regierung auf dem Verordnungswege ein bc 11 acht v erb o t erlassen. Die Zeitung ״Südost“ (Hermannstadt) zitiert (gemäß ״Angriff“) einen Aufsatz der rumänischen Zeitung ״Porunca Vrcinii“, in der gegen die Behauptung Stellung genommen wird, der rumänische Antisemitismus sei aus Deutschland importier t. Ls wird darauf hingewiesen, daß der rumänische Antisciuitenfuhrer H. C. Cu za seine antisemitische Lehre bereits ״vor der Geburt Adolf Hitlers zu entwickeln begonnen habe“. ln der Sitzung der Repräsentanten der Gemeinde Dusseldarf ist hcsclilo-seii worden, dem Verkauf d c r S v n a g o g e in R a 1111 g e 15 an die Stadt Ratüigcn zuzustimmen. In der Synagoge wird seit Jahren kein Gottesdienst abgehalten. Der 60 Jahre alte Moritz L. aus Ulm wurde von der 3. Strafkammer des Landgerichts München II wegen Verhrcchrns gegen das Blutschutzgesctz zu zehn Monaten Gefängnis, abzüglich drei Monate Untersuchungshaft, verurteil!. Wie ״Der Angriff“ in einem Bericht über die türk!- s c!1 c 11 B e f e יי t 1 g u n g s a r h e i t c n in den Dardanellen mitte ilt, ist And.indem da- Betreten der!<) km breiten Uferstrecke längs der Dardanellen nicht gestattet und ferner Jude n u n cl G r i e c hen die A n s i e d I u n g verboten. Die-e B! Stimmung entspricht der in der ״Jüdischen Rundscii,au״ bei früheren (ielegcnhcilen besprochenen Minderhcitm-Poliiik der Türkei, die auch vor einiger Zeit zu der indischen Vertreibung in Thrakien geführt hat. Liner der Haiiptbefestigunespunkte ist übrigens (jallipnli, bekannt auch aus dem Weltkriege, wo an dieser Stelle die seinerzeit in Aegypten gebildete jüdische Legion (Maultier-Korps) zuerst eingesetzt worden ist. Erleichterung der Einwanderung nach Australien Für die Einwanderung nach Australien sind neue Be- Stimmungen getroffen worden, durch die die bisherigen Eimvanderungsbeschrä 11 kungen wesentlich gemildert werden. Es werden verschiedene Einwanderungsbedingungen für drei Kategorien von Einwanderern festgesetzt. Die erste Kategorie umfaßt diejenigen Einwanderer, deren nahe Angehörige in Australien ansässig sind. Von solchen Ein- Wanderern wird kein Vorzeigegeld verlangt. Der zweiten Gruppe gehören solche Personen an, die in Australien zwar keine Angehörigen, aber Freunde besitzen, die imstande sind, Garantie dafür zu leisten, daß der Einwanderer der Oeffcntliehkeil nicht zur Last fallen wird. Von Einwanderern dieser Kategorie wird ein Vorzeigegeld von 50 Pfund gefordert. Zu der dritten Gruppe werden solche Einwanderer gerechnet, die weder Angehörige, noch einen Garanten in Australien haben, aber ein Barvermögen von mindes tens 200 Pfund mitbringen. Sämtliche Einwanderer, gleichgültig, welcher Kategorie sie angehören, müssen außerdem gewisse durch das wirtschaftliche Interesse des Landes diktierte Bedingungen erfüllen und im Besitz einer vom australischen Innenministerium ausgestellten Einwanderun g s e r I a u b n i s sein. Guter Leumund und volle Gesundheit sind in jedem Fall Voraussetzung der Einwanderung. Wie der ,.Hilfsverein der Juden in Deutschland“ dazu mitteilt, dürfen an diese Nachricht keine übertriebenen Erwarfangen geknüpft werden, da in jedem Einzelfall die Bewilligung des Innenministers eingeholt werden muß. Juden als Neue Heilmethoden? Die ,,Schweizerische Medizinische Wochen- Schrift“ berichtet in drei Aufsätzen über die wunderbaren Erfolge einer neuen von jüdischen Gelehrten, die aus Deutschland ausgewandert sind, angegebenen Krebstherapie. Erprobt, wurde die Therapie in den Krankenhäusern Bizetre und St. Louis in Paris, an der Ecole de Medccine in Rouen, an der Chirurgischen Universitätsklinik in Genf und an der Poliklinik für Krebskranke in Belgrad, im Laufe einer fünfmonatigen klinischen Erfahrung hatte sich die Therapie außerordentlich bewährt. Methode und Therapie wurden von dem jetzt in Belgrad wirkenden früheren Direktor des Instituts für Krebsforschung an der Universität Berlin und langjährigem Generalsekretär des Deutschen Zentralkomitees zur Erforschung und Bekämpfung der Krebskrankheit, Prof. Ferdinand Blinnont h a I, ausgearbeitet. Sein Hauptmitarbeiter ist der gleichfalls aus Deutschland stammende E. Jacobs. Bei der größten Zahl der Behandelten handelte es sich um verzweifelte Fälle, die fast alle bereits operiert oder bestrahlt waren. Häufig war schon eine Generalisierung der Geschwulstbildung im ganzen Körper vorhanden. Trotzdem befinden sich viele dieser Patienteq, bei denen an eine Heilungsmöglichkeit überhaupt nicht mehr edacht wurde, heute auf dem Wege weitgehender esse r 11 n g; mehrere vor! ihnen sind dem normalen Leben wieder zurücKgcgcbcn. Die Behandlung bestehe aus Injektionen unter gleichzeitiger Darreichung von Tabletten und gelegcntiichcr Anwendung von Salbe. Die Behandlung hcruht aut einer neuen Krebstheorie, wonach die KrebsgeschvvLilst eine Art parasitäre Neubildung ist, organisiert mit eigenen Nerven und Gefäßen. Die neuen Mittel gehen darauf hinaus, der Neubildung den Nährboden zu entziehen. Die Therapie wirkt auf dem sogenannten neurohormonalen Wege auf die Nerven und Gefäße der Geschwulst ein. Seit Jahren arbeitet der Budapester jüdische Arzt Dr. Josef Wettenstein an einem Mittel gegen Tuberkulose, das er ״Comain“ nennt. Nunmehr veröffentlichen bekannte Mediziner authentische Darstellungen dieses Heilverfahrens, das bereits vielen tausenden Tuberkulösen das Leben gerettet hat, vielfach auch in Fällen, die von hervorragenden Internisten als unheilbar bezeichnet worden waren. Vor einiger Zeit hat Mussolini Dr. Wettenstein nach Rom eingeladen und mit ihm über Produktion des ,,Comain“ in Italien verhandelt. Im ungarischen Parlament wurden einige Male Interpellationcn eingebracht, die die ungarische Regierung auf die Tatsache aufmerksam machen sollte, •daß Dr. Wettenstein nur deshalb keine Klinik für seine wissenschaftlichen Zwecke bekommen kann, weil er Jude ist. Zuletzt wurde Dr. Antis emitismus und englisches Judentum Von unserem Londoner Korrespondenten J. K. London, den 17. Juli 1D36 Die neue S on n t a gstuh e־G e set ze s vorI a g e hat in der Oeffentlichkeit größeres Interesse erweckt, als es dem Gegenstand an sich zukommt. Wenn die Vorlage, was anzunehmen ist, Gesetz wird, werden orthodoxe Juden, die ihre Geschäfte am Sonnabend schließen, am Sonntag nur bis 2 Uhr öffnen dürren, statt wie bisher den ganzen Tag. Bei dieser Gelegenheit sind wieder antijüdische Stimmen lautgeworden, die das jüdische ״Monopolgeschäft“ am Sonntag vollkommen beseitigen wollten. Besonderes Aufsehen erregte in der populären Presse die Aeußerung des Pfarrers von üolders Green, einem der neuen von vielen Juden bewohnten Vororte, der es für nötig fand, die Juden darauf hinzuweisen, daß sie sich als ״Gäste in einem christlichen Staate“ befanden und sich den herrschenden Gewohnheiten anzupassen hätten. Es wäre verständlich, wenn sich die Juden In dieser Frage in der Verfechtung ihrer Rechte zuriickhicltcn, um unnötige Reibungen zu vermeiden. Im Oberhaus aber, das die Gcsetzcsvorlagc im Augenblick passiert, mußten sich die Jiidi sc hen Lords den entgegengesetzten Vorwurf zu großer Zurückhaltung gefallen lassen. In einem Zusatzantrag beanfragten zwei nichtjüdische Mitglieder, den Ladenschluß auf 5 Uhr hcraufzusetzen. Lord Mount Tempi e sagte in seiner Rede, er hoffe, daß einige der anwesenden Lords, die dem jüdischen Glauben angeboren, ihre Ansicht äußern würden und die Durchfechtiing dieser Angelegenheit nicht ihm und Lord Marlcy überließen. — Nach weiteren Reden des jüdischen Lord Swaythling und des Marquis of Dufferin and Ava wurde das Amendement abgelehnt. Marquis of Dufferin führte aus, man müsse die gegenwärtig antijüdische Stimmung berücksichtigen und jede Verschärfung im jüdischen Interesse zu vermeiden suchen. Ein weiterer Ausdruck dieser Stimmung, der sich auch judetifreitndliehe Kreise zu beugen haben, ist folgender Vorfall in Grimsby: Unter den Bewerbern für die Stelle als Augenarzt am dortigen Krankenhaus war ein deutschjüdischer Arzt. Da er die besten Qualifikationen hatte, fiel die Wahl beider Kommissionen auf ihn. Seit dieser Ernennung, so berichtet der Vorsitzende der Verwaltungskonimission, sei er nicht mehr zur Ruhe gekommen; von allen Seiten sei er bestürmt worden, daß kein Engländer ernannt worden sei. Ein Mitglied des Aerztekollegiums drohte mit seiner Amtsniederlegung. — Schließlich ist die Ernennung rückgängig gemacht worden. Die Propaganda verschiedener faschistischer anfisemitischer Organisationen hat sich in den letzten Wochen erheblich an Umfang und Intensität gesteigert. An mehreren Stellen der von Juden bewohnten Viertel des Eastends und Nordlondons ist es wiederholt zu antijüdischen Ausschreitungen gekommen. In Versammlungen in den verschiedensten Teilen des Landes sind die gröbsten Anschuldigungen gegen die jüdische Gemcinschaft und gegen einige prominente Juden im besonderen verbreitet worden. Der Propagandadirektor der Mosley-Faschisten erklärte feierlich: ״Wir verpflichten uns, England von Juden zu befreien. Die Situation ist besonders im Londoner E astend so ernst, daß die Polizei von mehreren verantwortlichen Rednern im Unterhaus vor ״drohenden Pogromen“ gewarnt wurde. Der frühere Arbeiterführer Lansbury, der aus lebenslänglicher Erfahrung im Londoner Osten sprach, erinnerte dabei an die anti-deutschen Ausbrüche nach dem Untergang der Lusitania, wo vollkommen unschuldige Menschen einer blind aufgepeitschten Volkswut zum Opfer gefallen seien. Wachsende Nervosität bemächtigt sich weitester iüdiseher Kreise, die in bemerkenswertem Kontrast zu der Mediziner Wettenstein von einem hervorragenden Wiener Internisten, einem Christen, nach Wien eingeladen, in dessen Klinik er die Behandlung von dreißig schweren Tuberkulosefällen übernahm. Wie der Internist jetzt mitteilt, sind die in ganz kurzer Zeit erreichten Heilresultate verblüffend. Warnung vor Medizinstudium Die ״Neue Freie Presse“, Wien, veröffentlichte an» II. Juli folgende Zuschrift: Die Vereinigung jüdischer Aerzte in Wien, die seit Jahren einen schweren Kampf für die wirtschaftliche Stützung der jüdischen Aerzte führt, sieht sich im Bewußtsein ihrer Verantwortung genötigt, die jüdischen Abiturienten und ihre Eltern vor der Wahl des Medizinstudiums in der jetzigen Zeit auf das nachdrücklichste zu warnen. Nicht etwa die Konkurrenz wird gefürchtet — im Gegenteil muß von jedem begeisterten Arzt die Fcrnhaltung talentierter Studicrendcr von der Medizin im Interesse der Forschung und des Fortschrittes bedauert werden! —, sondern das traurige Schicksal der Medizinstudierenden und Aerzte in der nächsten Zeit. Es darf nicht übersehen werden, daß die sogenannte Privatpraxis auf ein Minimum gesunken ist, fix bezahlte Kasscnstellen in absehbarer Zeit nicht erreichbarbar sind, also nur die Betätigung in den Kassen mit freier Aerztewah! bleibt. Diese Kassen verlangen aber den Nachweis der Absolvierung einer mindestens dreijährigen Praxis in einem öffentlichen Krankenhaus. Um die Auswanderung ist es gleichfalls schlecht bestellt, da Palästina mit A e r z t e n überfüllt ist und die Zuwanderung an Lizenzen knüpft, sich damit praktisch also fast absperrt. Das Mitteilungsblatt der ״Vereinigung jüdischer Aerzte“ stellt fest, daß in den Wiener Krankenhäusern sechzig Arztstellen frei sind, die unbesetzt bleiben, weil seit dem 1. April 1033 jüdische Aerzte nicht zu Kranken- Hausärzten ernannt werden und nichtjiidischc A 11 w ä rter nicht vorhanden sind. Di« Ucbcrbürdung der Krankenhausärzte bedeutet eine Gefahr für die Patienten. Die Leiter der Krankenhäuser können an diesen Zuständen nichts ändern, da ohne Weisung des Sozialministcriums jüdische Aerzte nicht als Hilfsärzte eingestellt werden können und diese Weisung nicht erfolgt. In den Bestimmungen über Anstellung, Besoldung und Dienstverhältnisse der Vertrauensärzte in der Reichsversicherung, die das _Rcichsversichcrungsamt unter dem 15. Juli erlassen hat, wird in § 4 vorgesehen, daß die Vertrauensärzte arischer Abstammung sein müssen. unerschütterlichen Ruhe der Führer steht. Der weit verbreitete ״Jcwish Chronicle“ erscheint seit einigen Wochen unter der ständig wiederkehrenden Schlagzeile: ״Wir brauchen eine jüdische Verteidigung“. Damit ist natürlich nichts Militarisches oder Semi-Militärisches gemeint, sondern eine zentrale Organisation, die ständig Anschuldigungen aufklären und die Wahrheit über das Judentum verbreiten soll. In dieser Forderung wird das Blatt von einer spontanen, nicht nachlassenden Flut von Briefen unterstützt, denen teilweise Panik- Charakter nicht abgesprochen werden kann, alle dazu Tbc* stimmt, der Tatenlosigkeit des ״Board of Deputies“ ein Ende zu machen. Das dafür in Frage kommende Pressedepartement des Board war bisher mit nur 750 Pfund dotiert. Man könnte darüber verschiedener Ansicht sein, welche Haltung die leitende jüdische Körperschaft in dieser Lage einzunehmen habe. Tatsächlich herrscht aber fast völlige liebercinstiinmung darin, daß das Heil in einer großzügig geführten jüdischen Aufklärungspropaganda in Wort und Schrift zu suchen sei. Die Führer des Board haben auch schließlich begonnen, besonders unter der Initiative von Sir Robert Walev Cohen, Maßnahmen zu ergreifen. Sie sind zunächst mit einem Aufruf hervorgetreten, 10 000 Pfund für den zu schaffenden Propagandafonds aufzubringen. Während also im Grunde Einigkeit herrscht, vergeht die Zeit mit nutzlosen Diskussionen im ״Board of Deputies“, ob man zu diesem Zwecke eine neue ad hoc-Körperschaft schaffen solle, oder nicht. Auch von einem Teil der allgemeinen Presse ist wiederholt aut den Ernst der Situation hingewiesen worden. Neben den Blättern der Linksparteien haben so wichtige Organe wie ״Daily Telegraph“, ״Sunday Times“ und »News Chronicle“ in Leitartikeln mit aller Schärfe energisches Handeln von seiten des Innenministers Sir John Simon gefordert. Neue Anfragen im Unterhaus Im englischen Unterhaus fragte am 16. Juli Abg. Vyviait Adams, welche Maßnahmen man erwäge, um weitere antijüdischc Kundgebungen von Mitgliedern der British Union of Fascists zu verhlnder n. Der Innenminister Sir John Simon wies darauf hin, daß er schon in der Debatte am letzten Freitag verschiedene Maßnahmen angedeutet habe und jetzt mit dem Polizeipräsidenten in dieser Sache in Verbindung stehe. Auf die weitere Frage des Abgeordneten, ob nicht ein Verbot politischer Uniformen diesem Unfug rasch ein Ende machen würde, bcmerkte der Innenminister, dieser Vorschlag würde gesetzliche Maßnahmen bedingen, sei aber keineswegs außer Acht gelassen worden. Sir Oswald Mosley kündigt an, daß bei den im nächsten März stattfindenden Wahlen zum Londoner Grafschaftsrat die British Union of Fascists sich zum erstenmal am Wahlkampf beteiligen wird. Es würden faschistisehe Kandidaten in den Wahlkreisen von Ostlondon autgestellt werden. Ostlondon, erklärte Mosley, wird aufgefordert werden, zwischen uns und den Judenparteien zu wählen. Wir werden vom Volke verlangen, daß es mit dem Stimmzettel den Judenparteien den Abschied gebe. Im englischen Unterhause kündigte der Gcneralstaatsanwalt Sir Donald Somerveli an, daß die englische Regierang die Einleitung eines Strafverfahrens gegen die Verfasser eines am 4. Juli in dem offiziellen Organ der Imperial Fascist Lcague, dem ״Fascist“, erschienenen Artikels, in dem gegen die Juden die Ritualmordbeschuldigung erhoben wird, sowie gegen die für die Veröffentlichung dieses Artikels verantwortlichen Personen erwägt. Hauptschriftleiter: Dr. Robert W e 11 s c h, Berlin - Charlottenburg S (auch verantwortlich (vir die Aufnahme von Bildern). Stellvertreter! Kurt I. oewenstein, Berlin W 15. Anzcigenlciter und verantwortiich für den Inhalt der Anzeigen: Hermann F i n n, Berlin W 15. Gültig Anzeigen - Preisliste 5 vom 1. April 1936. Verlag und Anzeigenverwaltung: Jüdische Rundschau, Berlin VV15, Meincfeestr. 101 D.-A. Juni 38 037, — Druck: Siegfried Schalem, Berlin■ Scbäncberg.

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