Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 58 (21.7.1936)
- Date
- 1936-07-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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»8 / Jahrgang Preis 25 Rpf• JÜDISCHE RUNDSCHAU nirniRiHiiatüM SArlftleltung,Verlag n. Anzeigen Verwaltung! Berlin W15, Melnekestr.10 Farnrnf t Sammel-Nammer J1 (Bismarck) 9031. — Bezugspreis einschließlich Bestellgeld je Monat RM 2,—׳, je Vierteljahr RM 5,75, hei Abholung RM 1,88 fozw. RM 5,39. — Postscheck - Konten der Vertriebs - Abteilung: Berlin 71573 (für Groß - Berlin), Berlin 17392 (für das übrige Reich), ln Fällen höherer Gewalt besteht kein Anspruch auf Nachlieferung oder Erstattung etwa schon gezahlter Bezugsgebühren. — Erscheint jeden Dienstag and Freitag' BERLIN ב׳ אב תרצ״ו DIENSTAG, 21. JULI 1936 Gültig! Anzelgenprelsliste Nr. 5. Die 12 gespaltene mm •Zeile?0 Rpf., ftV Familien - Nachrichten 15 Rpf. Für die Aufnahme von Anzeigen in bestimmten Ausgaben oder an bestimmten Plätzen wird kein« Gewähr geleistet. Gelegenheit*- anzeigen nur gegen Vorauszahlung auf Postscheck ״ Konto Berlin 71618 oder bar Montag bis Freitag 918 —׳ Uhr. Annahmeschhifi für din Dienstag - Ausgabe Montag 10 Uhr, für die Freitag - Ausgabe Mittwoch 13 Uhr, (Für Familien ־ Anzeigen am Tag vor Erscheinen 13 Uhr) Der Zionismus erstrebt für das Jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich - rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina. (Baseler Programm) Aufruf aus Erez Israel ,Wir erhalten nachstehende Kundgebung der Hitachduth Oie Germania aus Palästina mit der Bitte um Veröffentlichung: An unsere Freunde in Deutschland! Unruhe herrscht in Erez Israel. Wir erleben eine Stunde des Schicksals für das Jüdische Nationalheim. In diesem Augenblick richten wir Juden aus Deutschland, die zu Gliedern der jüdischen Gemein• schalt in Erez Israel geworden sind, ein Wort an die Juden in Deutschland, deren Schicksalsweg wir geteilt haben. Ein Wort um ihretwillen und um unseretwillen. Ihr Juden in Deutschland sollt wissen, daß trotz der Angriffe auf unser Werk, deren Ernst wir nicht verkleinern wollen, die Arbeit des Auf haus ihren Fortgang nimmt wie je. Ihr sollt wissen, daß jeder Jude in Erez Israel unerschüttert und heute entschlossener denn je -sein Leben und seine Existenz mit dem Werk und der Idee des Jüdischen Nationalheims verbunden fühlt und dafür einsteht. Die Stunde der Prüfung hat auch den Ncueingewanderten aufs innigste mit dem Jischuw und der zionistischen Wirklichkeit verknüpft. Der jüdische Jischuw hat keinen Anlaß zu dem Kampf gegeben, der heute das Land erschüttert. Dieser Kampf wird sein Ende nehmen und das jüdische Aufbauwerk wird stehen und wachsen. Wir Juden werden fortfahren, das Antlitz des Landes neu zu prägen, durch den Segen der Arbeit — zum Nutzen beider Bevölkerungsteile. Wir fühlen uns stark in der Verteidigung der Freiheit und Sicherheit unserer Arbeit, im Kampf für das Lebensrecht des jüdischen Volkes. Denn nicht um uns geht es, es geht um das Werk des jüdischen Volkes, um die freie Bahn für die Juden der Welt, am Aufbau des Werkes teilzunehmen. Um Euch und die Zukunft Eurer Jugend geht es, Ihr Juden in Deutschland, die Ihr schmerzlich erfahren habt, welche Bedeutung der zionistischen Losung innewohnt — dem Wandfern die Verwurzelung, defe Änpassiing deh eigenen Wuchs, den! vlfeleh Tun die produktive Leistung der Gesamtheit entgegenzustellen. Nach anderen Ländern kommen Juden aus Duldung, nach Erez Israel kommen wir kraft eigenem Recht. In Erez Israel ist jeder neue Einwanderer eine Stärkung unserer Position. Jede schaffende Hand, jeder denkende Kopf mehr macht uns unangreifbarer. Auch hier ist Kampf. Erez Israel ist kein Asyl. Es ist ein Werk und eine Aufgabe: das Werk der Selbstbefreiung und die Aufgabe, die den Juden in historischer Stunde gesetzt wurde. Eine solche Aufgabe kann nicht ohne Gefahr bestanden werden. Was hier unter Opfern geschaffen wurde, der jüdische Jischuw wird es halten. Wir stellen dein Terror die Disziplin, den Willen zu friedlicher Arbeit entgegen. Unser Blick ist nach vorne gerichtet. Nur einmal wenden wir uns zurück, zu Euch, und rufen Euch zu: Laßt Euch nicht beirren! Es komme jeder, der sieh mit dem Werk verbunden fühlt! Die Stunde der Bewährung ist es auch für Euch. Erez Israel ist Ziel und Hoffnung auch für Euch. Hitachduth Oie Germania Dr. Adler, Kirjath Bialik. Dr. H. Alterthum, Raananah. Dr. E. Auerbach, Haifa. J. Bach, Kirjafh Bialik. Dr. Bacr, Kibbuz Hasorea-Jokneam. Dr. A. Bacr, Haifa. Dr. A. Barth, Haifa. L.. Barth, Tel-Awiw, J. Beiulerskv, Her/liah. A. Berger, Jerusalem. Beate Berger, Haifa. Rabb, Dr. Bergmann, Jerusalem. Dr. H. Bernhardt, Tel-Awiw. Dr. M. Bileski, Haifa. Dr. A. Biram, Haifa. K. Blumenfeld. Jerusalem >'r. M. 1';de״heim er, Jerusalem. E. Boehm, Herhliah. Dr. A. Bonne, Jerusalem. Dr. Kurt Burg, Kfar Saba. Rabb. Dr. Carleb,ich, Rainat Gan. Dr. J. Casparv, Haifa. Prof. Dr. B. Chajes, Tel-Awiw. Prof. Dr. J. Citrou, Tel-Awiw. E. Cohn, Jerusalem. Dr. L. Cohn, Raniot Hascliawini. Dr. W. Czapskv, Jerusalem. I)r. F. Danziger, Tel-Awiw. Dr. E. Deutsch, Kirjath Bialik. Dr. M. Eitingon, Jerusalem. Rabb. Dr. Elk, Haifa. E. Eller״, Kfar Saba. Dr. J. Einrich, Haifa. R. Feikhenfeld, Daganiah. Dr. W. Eeilclienfeld, Tel-Awiw. Dr. M. Felixbrodt, Tel-Awiw. I. Feuerring, Jerusalem. Prof. A. Fodor, Jerusalem. Dr. Foerder, Kirjath Bialik. Dr. H. Foerder, Tel-Awiw. Prof. A. Fracnkcl, Jerusalem. Dr. G. Gerson, Jerusalem. H. Gerson, Kibbuz Hasorea-Jokneam. P. Ginsburg, Kibbuz Ranint Hakoweseh. •Dr. S. Ginsbutg, Haifa. Dr. Glat/cr, Haifa. M. Goldreich, Jerusalem. M. Goldstein, Mischmar llaemek. S. Gronemann, Tel-Awiw. Dr. H. Grttenbaum, Haifa. Dr. A. Hantke, Jerusalem. Dipl. E. Heinemann, Tel-Awiw. Dr. G. Herlitz, Jerusalem. Dr. H. Herrmann, Jerusalem. C, Hermann-Berkowitz, Daganiah. Dr. P. Hirsch, Tel-Awiw. Dr. S. Hirsch, Jerusalem. Dr. P, Holzer, Rischon le Zion. Dr. E. Hurwitz, Tel-Awiw. M. Htirwifz, Raniot Hnschawim. M. Jaffe, Herzliah. Dr. F. Kahn, Jerusalem. J. Kastein, Haifa. H. Kaufmann, Tel-Awiw. K. Kiewe, Raniot Haschawim. Dr. Kleeborg, Jerusalem. C. Z. Kloetzel, Jerusalem. Dr. G. Knollcr, Magdiel. Dr. M. Kollenschcr, Tel-Awiw. M. Kremcner, Haifa. Dr. M. Kreutzberger, Jerusalem. Dr. O. Krojanker, Jerusalem. Dr. A. Kupferberg, Tel-Awiw. Dr. L. Landau, Haifa. Dr. A. Landsberg, Tei-Awiw. Dr. f . Lehmann, Tel-Awiw. Dr. R. Leszynsky, Rainat Gan. Rabb. Dr. E. Lew, Tel-Awiw. Dr. E. Lcwy, Tel-Awiw. F. Lichtenstein, Jagur. R. Lichthcini, Jerusalem. Dr. F. Loebenstein, Tel-Awiw. Prof. H. Loewe, Tei-Awiw. Dr. F. Loewenstcin, Jerusalem. Ing. J. Loewy, Haifa. Gerda Luft, Tel-Awiw. Dr. L. Mayer, Haifa. Dr. J. Markus, Jerusalem. Dr. M. Markus, Tel-Awiw. J. Mertzhacher, Ramat Gau. Dr. E. Meyer, Herzliah. O. Meyer-Wolff, Nahariah. Dr. J. Millner, Haifa. E. Moses, Ramatajim. Prof. J. Moses, Tel-Awiw. Dr. J. Motulsky, Tel-Awiw. G. Motzkin, Daganiah. F. Naftaii, Tel-Awiw. Dr. B. Nathan, Haifa. Dr. F. Noack, Jerusalem. S. Nothmann, Rischon le Zion. Dr. M. Nußbatiin, Tel-Awiw. J. Oppenheim, Raananah. Dr. H. Pardo, Haifa. Petermcycr, Nahariah. Dr. Peyser, Haifa. Dr. H. Philippshorn, Gan Haschomron, Dr. L. Pinncr, Tel-Awiw. Dr. B. Powitzer, Ramot Haschawim. Dr. W. Preuß, Tel-Awiw. Dr. Rabin, Haifa. Ch. Reinlioid, Fjn Charod. Prof. Dr. S. Rosenbauni, Tel-Awiw. Dr. L. Roscnbliith, Rischon le Zion. F. Roscnbliith, Tel-Awiw. Dr. J. Rosenfeld, Jerusalem. Dr F, Rosenow, Ramot Haschawim. F. Rund, Ratnatajim. K. Ruppin, Haifa. Dr. S. Saalhcinicr, Tel-Awiw. Dr. A. Sandler, Jerusalem. J. R. M. Seligsohn, Tel-Awiw. Dr. E. H. Seligsohn, Tel-Awiw. Dr. H. Simon, Ramot Haschawim. Dr. M. Smoira, Jerusalem. Dr. W. Sommerfeld, Tei-Awiw. Dr. L. Szannetz, Jerusalem. M. Schaffner, Ejii Charod. J. Schloß, Rischon le Zion. F. Scliloßherg, Tel-Awiw. Dr. W. Schoen, Tel-Awiw. Prof. G. Scholcm, Jerusalem. Dr. Schramm, Haifa. Prof. M. Schwabe, Jerusalem. Dr. E. Speyer, Raananah. Dr. W. Steinitz, Ramot Haschawim. Dr. Stern, Petach Tikwah. H, Struck, Haifa. G. Strumpf, Haifa. D. Tanne, Haifa. Dr. H. H. Thon, Jerusalem. Dr. P. Tiefenthal, Haifa. M. Tischler, Haifa. S. Warburg, Haifa. Dr. Weichselbaum, Petach Tikwah. Dr. Weigert, Haifa. Dr. J. Weinschenk, Herzliah. Dr. S. Weiß, Ramat Gau. Dr. A. Wolff, Jerusalem. Rabb. Dr. Wolff, Petach Tikwah. Dr. G. Wollsfein, Jerusalem. Levy-Wolff, Jerusalem. Dr. R. Wolfheim, Tel-.' iw. Dr. O. Wolfsberg, Jerusalem. S. Wronsky, Jerusalem. Dr. Zlocisti, Haifa. Pirof. S. G. Zondek, Tel-Awiw. B. Zucker, Kibbuz Ramot Hakowesch. Aul ans gestellt ln einer eben veröffentlichten Denkschrift des Ziiri• eher Stadtrates, der eine sozialistische Mehrheit hat, wird, wie wir an anderer Stelle berichten, erklärt, der Stadtrat ״sei zwar für die Leiden der jüdischen Bevölkerung nicht unempfindlich, doch könne sich die Schweiznicht zum Zufluchtsland der einem sozialen Druck ausweichenden Ausländer machen“. Dieser Satz beleuchtet sehr deutlich die heutige Situation der Juden. Das Jmlenprohlem ist in den letzten Jahren so kraß wie noch nie als soziales Weltprohlcm hervorpetreten, so daß es mcht mehr möglich ist, es wie früher mit Schweigen zu übergehen; auch politisehe Mächte müssen eine klare Haltung dazu einnchmen. Wie ist mm die Haltung der Mächte? Dort, wo der Antisemitismus als offizielle Maxime oder als inoffizielle Leitlinie anerkannt ist, werden die Juden ahgelehnt. In den liberalen ländern aber, die den Antisemitismus grundsätzlich verneinen, ist man bereit, menschliches M i t g e f u h! /״ äußern, aber p r a k - tischen Taten weicht man aus. Das haben wir deutlich in den letzten drei Jahren an der Art und Weise gesehen, wie die Judcufrage im Völkerbund bebaudelt worden ist. Das Sekretariat für Flüchtlingsvvescn, das praktisch ein Organ zur Erleichterung der Auswirkungeu der Judenfrage sein sollte, empfing von allen Regierungen Zusicherungen der Sympathie, aber nicht die geringste konkrete Hilfe. Im Falle des Züricher Memorandums handelt es sich um eine Diskriminierung geringerer Art, aber auch hierbei kommt die wesentliehe Seite des Problems zum Ausdruck: bei allem Mitleid mit den Juden will sie keiner haben. Wann endlich wird die Welt cinschen, was diese Haltung bedeutet? Bei der Judcufrage handelt es sich nicht uni eine Theorie, sondern um lebendige Menschen, und mit ausweichenden Redensarten ist hier nichts mehr zu machen. In einer Reihe von I ändern sind heute Juden überzählig geworden und lassen sich in das sozialökonomische Gefüge dieser Länder nicht einftigen. Andere Länder aber verweigern ihnen das Recht auf Arbeit, oft sogar auf Aufenthalt. Was soll mit diesen Mensehen geschehen'־' Ehe noch das Problem in seiner ganzen Schärfe in Erscheinung getreten ist, haben die Völker der Welt durch die Zustimmung zur Errichtung des jüdischen Nationalheims in Palästina einen Ausweg gezeigt. Viele mögen damals auch dies nur als eine theoretische Formel betrachtet haben, mit der mau unbequeme und drängende Forderungen abspeist, und sind überrascht, daß in den letzten 10 Jahren das Nationalheim immer größere Realität erhalten hat. Das jüdische Volk hat seine Energien auf Palästina konzentriert, vielleicht' noch nicht in genügendem Ausmaße, aber doch so, daß. Hunderttausende von Mensclrcn dort ein neues!,eben beginnen konnten. Fair Millionen ist dieses Land Hoffnung und seelische Stärkung; sie sehen dort einen Ausweg aus der furchtbaren Judennot, die Möglichkeit einer Zukunft für ihre Kinder. Nun ist Palästina u m k ä m p f t. Die arabische Landesbevölkerung wehrt sich gegen seine Umgestaltung des Landes durch die Juden. Die öffentliche Meinung der Welt ist irritiert. Die Mandntarmacht erklärt, sie werde an den Versprechungen, die sie den Juden gegeben hat, festhalten und die Bestimmungen des Mandats durchführen; aber wo ist der Sturm der öffentliehen Meinung, entfacht durch die Frage, was cigentlieh mit den Juden geschehen soll, wenn auch diese Einwanderungsmöglichkeit, die sie bis jetzt unbestritten hatten, vermindert werden sollte! Der arabische Aufstand ist gewiß eindrucksvoll, und er wird uns allen eine Lehre sein; er wird verhindern, daß künftig die Bedeutung der Araber als Faktor Palästinas bagatellisiert wird. Es muß ein Ausgleich gefunden werden; aber er würde wesentlich erleichtert werden, wenn neben der Entschlossenheit des jüdischen Volkes, unter allen Umständen sein Nationalheim aufz.ubaucn, auch der klare Wille der zivilisierten Welt erkennbar wäre, aus ihrer eigenen Haltung zur Judcufrage die Konsequenz zu ziehen und den Juden das Recht auf die Einwanderung wenigstens an einer Stelle der Welt — au der den Juden teuersten — sicherzustcllen. Denn Palästina bedeutet für das jüdische Volk mehr als ein bloßes Einwanderungsland, das mit anderen Ländern verglichen werden könnte. Es ist das Land, auf das sich die Sehnsucht des Volkes konzentriert und das unabhängig von der numerischen Stärke im Vcr« hältnis zum Gcsamtjudentum eine überragende Rolle in der jüdischen Gesamtheit spielt. Es handelt sich hier um die kulturelle Wiedergeburt des Judentums, um mora• lische Werte, die ochon heute fühlbar sind, und %