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Jüdische Rundschau · 1936-07-17 · Heft 57 (17.7.1936) · page 13

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 57 (17.7.1936)
Date
1936-07-17
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 57, 17. VII. 1936 JÖDISCHE RUNDSCHAU Seife 13 Der Guerilla-Krieg Die Zahl der Opfer Aus London wird vom 13. d. M. berichtet: Seit Befinn des Palästinakampfes am 19. April wurden bisher 84 Tote und etwa 900 Verletzte als Opfer der Unruhen gezählt. In arabischen Kreisen meint man indessen, die Zahl der Toten sei schon über 200, die der Verwundeten über 1000 gestiegen. Weiter heißt es, das englische Militär habe 153 Araberdörfer nach Waffen und Munition durchsucht und sie, soweit man derartiges vorfand, beschlagnahmt. Die von den Engländern gegen eine Anzahl Araberdörfer verhängten Kollektiv strafen erreichten bereits eine Gesamt höhe von rund 60 000 Pfund. Der Gouverneur der ägyptischen Provinz Sinai bestätigte eine Nachricht, dcrzufolge auf den Gleisen der Eisenbahn Aegypten—Palästina eine Bombe gefunden wurde. Die Fundstelle lag auf ägyptischem Gebiet. Die Untersuchung ergab jedoch, daß sie von terroristischen Araberabteilungen aus Palästina gelegt worden war. Der Kriegsminister ordnete die Verschärfung der Grenzüberwachung an. Die englischen Verluste In der Unterhaussitzung vom 14. Juli fragte der Abgeordnete Gallacher den Kriegsminister, ob er die in diesem Jahr englischen und englischen Kolonialtruppen zugefügten Verluste bekannt geben, und ob er der Presse eine vollständige Verlustliste übergeben wolle. Der Minister antwortete, die Zahl der Verluste in diesem Jahre befrage 33; sie seien durchweg in P a 1 ä s t i n a zu verzeichnen gewesen. Die Veröffentlichung einer vollständigen Verlustliste in der Presse sei überflüssig, da die in den Communiques der Palästinaregierung veröffentlichten Verluste den nächsten Angehörigen sofort mitgeteilt werden. Auf eine weitere Frage des Abgeordneten, ob der Minister mitfeilen könne, wieviele englische Soldaten, Juden und Araber geopfert werden, um die englische Herrschaft in Palästina aufrecht zu erhalten, wurde keine Antwort erteilt. Zusammenstöße bei Safed Während im Kreis Jerusalem Ruhe herrschte, ist es in anderen Teilen des Landes zu einer Reihe von Zwischenfällen gekommen. Bei Safed stießen Militär und Polizei mit größeren Araberbanden zusammen, die in der letzten Zeit die Gegend durch Schießereien unsicher gemacht hatten. Zwei Araber sind in dem Gefecht gefallen. Man fand bei ihnen Gewehre, die vor kurzem aus einem Waffendepot der Regierung gestohlen worden waren. Bei der Rückkehr von dem Kampfplatz stürzte ein Militärkraftwagen um, wobei der Sergeant Harrison vom ersten Bataillon des York and Lancaster-Regiments getötet wurde. Ein arabischer Polizist wurde bei der Explosion einer Bombe in dem Dorf Saris verwundet. Die Eisenbahnbrücke zwischen Tulkerem und Kalkilie wurde bei einem Sprengungsversuch beschädigt, ln der Station Akko explodierte eine unter einen Passagiersitz gelegte Bombe. Der Waggon wurde beschädigt. Auch an der Eisen- Bahnlinie zwischen Battir und Dir el Scheich ist durch Sprengstoffanschlägc Schaden angerichtet worden. Vereinzelte Schießereien gab es in Misclunar Haemek, Kirjat Schtnucl, Ejn Charod und Afule. Verletzt wurde niemand. Bei der Durchsuch 11 ng des Dorfes Mudeidjda wurden sieben Araber verhaftet. Sie waren Mitglieder einer Bande, die das Dorf terrorisiert hatte, ln Jaffa wurden drei Bomben geworfen, ohne daß Schaden entstand. Amtlich wird bekanntgegeben, daß es am Montag, dem 13. Juli, zu vereinzelten Schießereien in verschiedenen Gegenden des Landes gekommen ist. Tote oder Verwundete wurden nicht gemeldet. In Bethlehem und Haifa wurden einige Bomben geworfen, ohne daß Schaden entstand. Arabische Terrormethoden Der Londoner ״Daily Telegraph“ bringt das folende Telegramm aus Beisan : Es haben sich in der letzten eit Gegensätze zwischen der arabischen Landbevölkerung und den arabischen Stadtbewohnern herausgebildet, die geeignet sind, den britischen Behörden in die Hände zu arbeiten. An der Moschee von Beisan war heute beispielsweise ein Piakat angeschlagen, das die arabische Stadtbevölkerung zu großzügigen finanziellen Beiträgen zur Unterstützung der arabischen Streikbewegung auffordert. Sollte sie der Aufforderung, Beiträge zu leisten, nicht nachkonimeii, erwarte sie das gleiche Schicksal wie die Juden. Dieses und ahnliehe Plakate stammen von bevvaiineten Araberbanden, die teilweise aus Syrien zur Unterstützung der Streikbewegung nach Palästina mit französischen Waffen gekommen sind’ für die sie in Palästina keine Munition finden können. Sie brauchen daher Geld für den Kaut neuer Waffen. In der städtisehen arabischen Bevölkerung macht sich bereits starke Opposition gegen diese Erprcssermcthoderi bemerkbar. In den letzten Tagen haben sich U eberfälle von Terroristen auf Araber, die den Streik beenden möchten, gemehrt. Gestern nacht wurde auf das Haus des Bürgermeisters von Bethlehem ein Bombenüberfall vc.'.'.'jt, der jedoch keinen Schaden verursachte. Die Haltung Ibn Sauds Die arabische Presse meldet, daß eine hohe a r a - bische Persönlichkeit (gemeint ist anscheinend Ihn Saud) sich mit den Forderungen der palästinensischen Araber betreffend die Einstellung der Einwanderung und die Schaffung einer nationalen Regierung solidarisch erklärt habe. Palcor erfährt aus autoritativster Quelle, daß diese Meldung stark übertrieben ist. Ibn Saud hat keinerlei Schritte der Regierung gegcniiber unternommen, die sich gegen ihren Standpunkt betreffend die Fortsetzung der Ein- Wanderung wenden. Weitere Opfer Der 30jährige Moshe Mizrachi, der vor füllt Wochen bei Rischon le Zion verwundet wurde, starb im Hadassah- Hospital in Tel-Awiw. Am 14. Juli überfiel eine bewaffnete Araberbandc bei Dschenin eine Arbeiterabteilung, die mit dem Ausbessern der Tclephonlcitung beschäftigt war. Die militärische Eskorte erwiderte das Feuer. Sieben Araber sind gefallen. Man glaubt, daß die Bande noch weitere vier Tote mitgenommen hat. Während der Nacht zum 15. d. M. griff eine starke Tcrroristenbande eine Militärpatrouille bei Ejn-Haramiah im Nabluser Bezirk an. Zwei britische Offiziere und der 18jährige jüdische Chauffeur Joe! Reis wurden verwundet. Verstärkungen aus Nablus brachten den Arabern schwere Verluste bei, deren genaue Zahl noch umbekannt ist, und nahmen die Verfolgung der in die Flucht geschlagenen Schar auf. 200 Kommunisten, d. h. fast sämtliche tätigen Mitglieder der palästinensischen Partei, befinden sich gegenwärtig im Gefängnis. Im Dorfe Kula bei Ludd sind vier Häuser, aus denen in letzter Zeit wiederholt auf »Militär geschossen wurde, durch Truppen in die Luft gesprengt worden. Darunter befand sich auch das Haus des Muchtars. Bei dem Feuerwechsel in dem genannten Dorfe wurden, wie amtlich mitgeteilt wird, unglücklicherweise eine Frau und ein Kind getötet. Vier Juden, darunter der vom Islam zum Judentum übergetretene Abraham ben Abraham, wurden vom Jaffaer Gerichtshof von der Anklage der Brandstiftung, die sie bei Beginn der Unruhen verübt haben sollen, freigesprochen. Richter Copland übte scharfe Kritik an den lügenhaften Aussagen der arabischen Belastungszeugen, Arabische Boykottbestrebungen Die arabische Handelskammer in Jerusalem hat sich an die Konsulate mit dem Ersuchen gewandt, daß sie auf die Fabrikanten und Exporteure ihrer Länder dahin einwirken mögen, daß diese ihre Vertretung arabischen Kommissionären übergeben. Diejenigen Fabriken, die in Palästina bereits durch jüdische Repräsentanten vertreten sind, mögen daneben auch arabische Vertreter bestimmen, da kein arabischer Kaufmann Waren durch eine jüdische Agentur beziehen werde. Die Handelskammer beschäftigt sich bereits auch mit der Frage eines Boykotts jüdischer Waren. Presseschau Die ״DAZ.“ veröffentlicht im Abendblatt vom 16. Juli einen aus Palästina stammenden ausführlichen Bericht ihres Jerusalemer W. M.-Mitarbeiters. Der Artikel, der die Ucbersrhrift trägt: ״Freikorps in den Berge 11“ und den Kampf der arabischen Freischärler schildert, dürfte bereits längere Zeit zurückliegen. Die interessante Schilderung, die auch zeigt, wie sich das palästinensische Leben allmählich an den Kleinkrieg als eine ständige Begleiterscheinung gewöhnt hat, schließt mit folgender Beurteilung der Lage: ״Wenn nicht besondere und unvorhergesehene Umstände und Konstellationen cintreten, so darf man schon heute sagen, daß die ,Araber zwar eine bisher nicht fiir möglich gehaltene Streik.IK7.iplin und einen beachtlichen .Sinn für terrouöbche Taktik entwi׳ keil haben, daß die alter sowohl hinsichtlich des Streiks wie des Kleinkrieges eine Bataille verloren haben. Die Nicdcdage. ward um so großer sein, je mehr Kraft, Intensität und Prestige hinein■ gedeckt waten, und vor allem auch gemessen an dem relativ gute stigen arabischen Status vor den Unruhen. Ks erhebt, sieh nunmehr die Frage, ob der Zionismus der Sieger sein wird, ob also die erstaunlich weitgehenden Konzessionen, die England im Zusainmenhang mit den Unruhen den Zionisten machte, nur das Mittel waren, die arabische Aktion zum Scheitern zu bringen, oder ob sie unabhängig davon Grundlage und Anfang einer neuen englischen Politik bilden, die den klassischen Boden des ״dividc et irnpera“ verlaßt, um den Versuch zu machen, •len Nationalismus der einen durch den Nationalismus der anderen nicht zu paralysieren, sondern zu brechen.“ Jüdische Kaufleute im jüdischen Viertel der Altstadt Jeru• salem können jetzt unter polizeilicher Bewachung ihre Ge• schäfte wieder eröffnen Koio: H. 01״>hk״, Jerm.1.1• Wauchope am Tel - Awiwer Hafen Der High Commissionen besuchte am 15. d. M. diel Tel-Awiwer Mole, die er während der Arbeitszeit einer einsttmdigen Besichtigung unterzog. In seiner Begleitung befanden sich der Leiter der Zollbehörde sowie der Hafendircktor von Haifa. Sir Arthur Wauciiope und seine Begleiter wurden von Mr. Hoofien im Namen des Tcl-Awiwer Halen-Komitees empfangen und von einer Menschenmenge sowie den Hafenarbeitern mit 1 Kationen begrüßt. Während der Besichtigung wurden dem Iligh (.'ommissioncr Pläne für Erweiterung der I lafenarbeiten unterbreitet. Der High UonimUsioiicr bc-ichtigte dann den Häuser« abbruch in der Altstadt v o 11 Jaffa sowie den neuen nach dem verstorbenen König Georg benannten Park in kamai Gau und die Seidenfabrik Dclnner. Infolge der /mudimcmlc!! Arbeit an der Tel-Awiwer An- Icgcstelle haben die dort besch.atilgten Arbeiter sich aus freien Stucken bereit erklärt, 17 Stunden täglich zu arbeiten, um die Löschung der Waren aus den drei gegenwärtig vor Anker Hegenden Schiffen zu beschleunigen« Der Schiffsverkehr an der iel-Awiwer Laiulimgssfellc hat sich in letzter Zeit bedeutend vermehrt., und Versuche werden demnächst iiiitei nominell winden, um die Ausfadungsnuigliclikeiteii des neuen Hafens zu erweitern. Zum ersten Male 11 at cm e 11 g f i s <: 11 e r F r u c 11 t d a m p f e r im Hafen angelegt. (Palcor.) Jüdische Polizisten im Dienst Die Wandzeitung von ״G i w a 111!1 a - S c 111 o s c h a* bringt folgendes Eingesandt eines jüdischen Polizisten: ״leb will euch hier nur eine von 55 Nächten schildern. Es ist drei Uhr morgens. Nach 14 Stunden Arbeit bin ich aufs Bett gefallen. Bevor ich noch die Augen schließe, kommt der Sergeant herein und fragt mied!, ob ich etwas von Signalen verstehe. Im Halbschlaf antworte ieii: ״Nein״ und schlafe ein. Aber ich höre noch im Schlaf, wie sich der Sergeant an meinen arabischen Kollegen wendet und ihn beauftragt, die Verbindung mit Polizei und Militär in einer Weise aufrecht• zuerhalten, ifali die Araber der Umgebung es nicht merken. Im Traum denke ich: Solch eine ,Aufgabe darf inan ihm nicht übertragen. Ihm geht es nicht nahe, wenn Bäume entwurzelt und Menschen beschossen werden. Ich springe aut, gehe zum Sergeanten und sage, daß ich mich auf Signale verstände lind auch nicht müde sei und die Nacht arbeiten wolle. /Auch der Sergeant versteht, daß es ratsamer ist, mich mit dieser Aufgabe zu betrauen. Ie!1 aber bin in einer schweren Lage. Wohl verstehe ich hebräisch zu signalisieren, engiieh aber macht es mir Schwierigkeiten. Ich spanne meine ganze Aufmerksamkeit an, und es gelingt mir, der Schwierigkeit Herr zu werden. So biedre ich allein und halte alle Verbindungen aufrecht. Plötzlich lautet das Telephon: Man beschießt von allen Seiten eine Siedlung. .,Verteidigt euch, ich schicke sofort Hilfe“ rufeich und laufe zum Poli/eilager. Die ganze Zeit über höre ich die Schlisse. Noch mehrere Nachrichten dieser Art kommen. Ich falle schließlich erschöpft auf!nein Bett. Vielleicht war ieii nicht schnell genug, vielleicht iiätte ich die ganze Sache nichi übernehmen vollen. Wieder klingelt das Telephon: ״Wir danken ehr für die .schnelle Hilfe. Sie hat uns vor Opfern bewahrt.'‘ Der Sonderkorrespondent der ״T i m e s“ berichtet über folgenden Vorfall: Am 13. d. M. fand die Abschlußprufung für die Schüler der Mittelschulen statt. Von 71 arabischen männlichen Kandidaten waren nur 5 am Morgen erschienen, und diese Zahl verringerte sieh am Nachmittag aut zwei. Die meisten der ara bischen Kandidaten waren sicher terrorisiert worden, da mit wenigen Ausnahmen die 71 am Tage vorher ihren Schulleitern gesagt hatten, daß sie zur Prüfung kommen wurden. 1 inige von ihnen waren aus den entferntesten Gegenden (Ks Landes zur Prüfung gekommen. Von indischen Kandidaten war ebenfalls die Hälfte aus Furcht vor möglichen Zw Kchenfaiie!! ferngcblieben, beson• ders diejenigen aus Tel-Awiw und anderen Siedlungen. Polizei auf der Wacht in Jerusalem ilffl mmi ■v- Hin spezieller Beobachlungsposten auf dem Dache der Jüdische Mitglieder der Musikkapelle der Polizei versehen Nissim-ßep-Spnagoge in der Altstadt, von wo das arabische fetzt erfolgreich gemeinsam mit britischen und arabischen und das jüdische Viertel gut zu übersehen sind Polizisten den Sicherheitsdienst. Unser Bild zeigt eine Ah■ teilung hinter Drahtverhau in der Altstadt auf der Grenze zwischen arabischem and jüdischem Wohnviertel Eine Gruppe britischer palästinensischer Polizisten auf einem Dach in der Am he der Klagemimcr. Im Hintergrund sind die Klagetnaucr und ein Teil des Tempelplatzes zu sehen I », g» Fotos; II. Orushket, Jernsalen

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