Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 57 (17.7.1936)
- Date
- 1936-07-17
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 57, 17. VII. 1936 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 5 .,Jüdisches und deutsches Soldatentum11 Aus dem Wirtschaftsleben Der Lumpenhandel Der ״Angriff“ vom 13. Juli veröffentlicht unter der Ucbcrschrift ,,Reinigung im Lumpcnliandel״ nachstehende Glosse: ״ln dem Maße, wie Deutschland die Einfuhr von Rohstoffen erschwert wurde, wuchs die Bedeutung der in Deutschland anfallcnden Allstolfe. Damit wurde gleichzeitig aus dem bis dahin vielfach als unbedeutend angesehenen Altstoffgewerbe ein hervorragend wichtiger Wirtschaftszweig, auf dem nun ein gm Teil der Verantwortung fiir die Rohstoffversorgung lag. Aber dieses Gewerbe mit einem jährlichen Umsatz von etwa einer Milliarde KM. war nicht nur bis zu 80 v. II. verjudet, sondern auch in einer Unzahl von Verbanden und Vcrbündohcn zersplittert, ein ungeordneter Haufen neidischer Nebenbuhler, wenig faltig, die ihm zugcfaliene Aufgabe zu erfüllen. Wurzellose, aus dem Osten eingewanderte Gestalten bestimmten die Gcschäftsmoral, Der Nationalsozialismus schaffte Ordnung, indem er zunächst einmal Haie organisatorische Verhältnisse schul und alle 16 000 Handler in einer einzigen E'achgruppe organisierte. Ein weiterer Schritt ist jetzt im I.umpcnhnndcl getan worden: die zuständige Ucltcrwarhiingsstelle für Wolle hat die I. umpen Händler karte eingefühlt. Die Reißwollcfabrikcn, also diejenigen Betriebe, die I.umpen durch Reißen wieder verspinnbar machen, dürfen nur noch von seriellen 1 läntllern kaufen, die die Karte halsen. Von den vorhandenen 4000 bis 5000 Händlern weidet! mehr als die Hälfte wegen nicht ausreichender Zuverlässigkeit die Karte nicht erhalten. Preistreibereien, wie sie in der letzten Zeit vorgekommen sind, werden in Zukunft unmöglich sein. Auch dafür ist jetzt gesorgt, daß unter den 30 000 Uumpensammlern, die in Städten und Dörfern Deutschlands umheiziehen, und die ganz überwiegend Juden waren, das arische Element entsprechend der Bedeutung der Aufgabe mehr Geltung gewinnt. Es gibt jetzt in jedem Ort einen arischen Lumpensammler.“ Wenn die Andeutung des ״Angriff“, daß zahlreiche jüdische Lumpenhändler die ״Lumpenhändlerkarte“ nicht erhalteil werden, sich bestätigt, würde wieder eine Anzahl von Juden ihre Existenzmöglichkeit verlieren. Da viele Berufe den Juden aus kulturellen und völkischen Gründen verschlossen sind, wird ihre Ausschaltung aus einem Beruf, in dem gewöhnlieh derartige Gesichtspunkte nicht geltend gemacht werden, ihre wirtschaftliche Betätigungsmöglichkeit noch mehr verengem. Der Handel mit Jaden Mach einem Bericht der ״Frankfurter Zeitung“ führte Reichsleiter Maurer in Stuttgart zur Frage des Einkaufes in jüdischen Geschäften in einer Unterredung u. a. folgendes aus: ״ln allen größeren Versammlungen der Partei, bei Arbeitstagungen, in Zellen und Sprechabenden und bei den Appellen der Politischen Leiter und der Gliederungen in Stuttgart wurden jedesmal mit eindringlichster Deutlichkeit die Volksgenossen auf die nationalsozialistische Pflicht aufmerksam gemacht, in keinem jüdischen Geschäft einzukaufen, ln unseren Schulungsabenden wurde immer wieder die Judenfrage nach der weltanschaulichen und politischen Seite hin aufgerollt und besprochen.“ Interkonfessionelle Aussprache Das ״Kampfblatt der Hitler-Jugend“ in München berichtet über eine in London bevorstehende interkonfessionelle Aussprache über den Frieden, wie sie in England öfter stattfindet. (Vgl. z. B. den Bericht in Nr. 55 der ״J. R.“) ln dem genannten Blatt wird initgeteilt: ״Vertreter der bedeutendsten Religionsgesellschaften, und zwar Christen, Juden, Buddhisten, Mohammedaner und Hindus, werden sich Anfang Juli in I. o r, d o n treffen, um über Probleme des i n t e r - n a t i on a 1 e n Friedens zu debattieren. Als besondere Demonstration des guten Willens und der Toleranz ist für jeden Tag des vierze 11 ntiigigen Kongresses der Morgengottesdienst einer der Religionsgfsellsrhalten fiir alle anderen zugänglich. Der Spiritus rector des Kon״resse.s und dessen Vorsitzender ist der Maharadscha von Baroda, ein Hindu. Er wird bei einer Session den Vorsitz führen, bei der ein Juile und ein Mohammedaner die 11aitfrtredner sind. Bisdioi MäConcl, ein Anglikaner, wird den Vorsitz führen, wenn die Buddhisten debattieren. Unter den Rednern sind auch Sir Herbert Samuel. Aga Khan und Elisabeth Cadbury, eine bekannte Qaäkerin. angemeldct.“ Dazu bemerkt die Zeitung ״Hitler-Jugend“: ״Man wird also wieder ,debattieren‘. Lind da Juden die Haupt redner sind, kann man sich denken, wes Geistes Kind dieser ,Eriotc'tislniiigrelV sein wird..“ Die Schlußbemcrkung ist nicht ganz verständlich, da ja Juden keineswegs die Hauptredner sind, sondern nur, ebenso wie alle anderen Konfessionen, einzelne Redner stellen. * Wesensunter schiede, an Briefen gezeigt Das Juli-Heft der ״Nationalsozialistischen Monatshefte“ (München), veröffentlicht einen Aufsatz, von Dr. Joachim Mrugowsky, betitelt ״Jüdisches und deutsches Soldatentum. Ein Beitrag zur Rass e n s c e I e n f o r s c 11 u n g“. Der Aufsatz ist auch vom jiidisehen Standpunkt sehr interessant. Der Verfasser geht aus von dem 1935 erschienenen Buche ״K r i e g s b r i e f e g e f a I - lener deutscher Juden", das er mit dem Buche ״Kriegsbriete gefallener Studenten“ vergleicht. Wenn der Reichsbund Jüdischer Frontsoldaten, so führt der Verfasser aus, 18 Jahre nach Kriegsende ein solches Buch hcrausgibt, könne inan eine gewisse Absicht vermuten. Er fährt dann fort: ״Dem Buch liegt offenbar die Absicht zugrunde, zu beweisen, daß■ sieh diese gefallenen Juden als .Angehörige des deutschen Volkes gcliililt hätten, daß es also duch ,deutsche Juden‘ gäbe. Zunächst ist es ein ebenso erst h ii 11 c r!1 des Zeugnis des großen Krieges, wie jeder andere Bericht, der uns unmittelbar von dem unmenschlichen Ringen erzählt und es uns nachei'lebcn läßt. Es spricht von Verwundung und Tod, von täglichen Erlc'tmisscn und von Religion, vorn Sinn des Lebens und anderen Dingen, die einem erst in Augenblicken nachhaltiger Gefahr klar werden. Es spricht auch von Bläuen für die Zukunft und der gehallten Kraft, nach Beendigung des Krieges sich besonders stark beruflich einzusetzen. Alles Dinge, die allgemein menschlich sind, die wohl jeder Soldat in Augenblicken eines gefahrvollen Lebens durchdenkt. Und doch empfindet ein deutscher Mensch ganz anders!“ Zum Beweise dieses Unterschiedes werden als Beispiele einige Briefe deutscher und jüdischer Studenten einander gegenübergcsteilt. Der Verfasser geht davon aus, daß die Briefe, die nicht zur Veröffentlichung geschrieben wurden und in manchen wichtigen allgemeinen Dingen übereinstimmen, besonders klar die verschiedenartige Reaktionsweise der Schreiber erkennen lassen. Sie eignen sich deshalb ai einer Untersuchung über die R a s s e 11 s e e 1 e. An Hand der Beispiele, die dann angeführt werden, wird U. a. die Ansicht verfochten, daß der Jude bei der freiwilligen Meldung sich mehr von Verstandeserwägungen habe leiten lassen, während den deutschen Jüngling selbstverständliche Opferbereitschaft trieb. Die These des Verfassers geht dahin, daß die Juden nicht aus Idealismus, sondern aus nüchternen Erwägungen handeln und weit mehr ai abstrakten Ideen, wie Menschheit, Weltfrieden usw. hinneigen, während dem Deutschen das eigene Volk und die eigene Rasse höher stehen. Wir geben nachstehend eines der Beispiele aus der Darlegimg des Verfassers wieder, weil es auch unter jüdischen Gesichtspunkten besonders interessant ist. Es handelt sich um die Feier des Weihnaclitsfcstes im Winter 1914. Dr. Mrugowsky stellt die beiden Briefe wie folgt nebeneinander: ״Der eine Vctfasscr ist von Beruf Rabbiner, in Thurzobolonie geboren, der andere ist. Student Und stammt aus Wyk auf Führ, ist vier Jahre jünger. A. Z., geh. 1889, gef. 1914: .. Am Weihnachtsabend machte ich zwei Feiern mit, die erste bei R. Hirsch Lewholz, wo es eine kästliehe Nudelsuppe und Fleisch gab, und dann die Weihnachlsfeier mit meinen Kameraden, wo es zwar nicht so splendid zuging, wo aber dafür mehr getrunken wurde: diel Tee, Rum, Kognak. Besonderen Anklang fand es bei allen, als ich nach einigen Liedern als einziger eine kleine Ansprache an die Kameraden hielt. Ich führte aus, daß ich ais Jude aus zwei Gründen das Recht hätte, diesmal dieses ,Familienfest' hier im Felde mitzufeiern. Einmal habe der Krieg, den wir um Deutschlands F.xistens führen, alle Unterschiede politischer und konfessioneller Art aufgehoben. Es gebe im Felde keine Katholiken, keine Protestanten, keine Juden, keine 'Zentrumsleute und keine Sozialdemokraten, keine Polen und keine Dänen oder Lothringer; sondern Deutsche, wie es unser Kaiser betont hatte; und wolle man durchaus einen Unterschied machen, so gebe es bloß gute und schlechte Soldaten, gute und schlechte Menschen. Und zweitens dürfte ich mich deshalb nicht ausschließen, weil die gemeinsam bestandenen Kämpfe uns alle auf das engste miteinander verknüpft hätten, denn auch die feindliche Kugel mache keinen Unterschied zwischen den einzelnen. Also nur als Mensch fühlte end empfände ich diesen Abend, und ich empfinde es ebenso schmerzlieh wie alle anderen, diesen Abend nicht mit meinen Angehörigen verleben zu können. ״Das Weihnachtsfest“, so führte ich aus, ״ist für euch ein ,Friedensfest‘. Ihr glaubt, daß an diesem Tage der Erlöser der Weit erschienen sei. Man mag darüber, besonders wenn man diesen schrecklichen Krieg im Auge hat, verschiedener Meinung sein, aber wünschen kann auch ich von Herzen, daß die Idee des Wcihnachlsfestcs, die Idee des ewigen Weltfriedens, sich bald verwirklichen möge...“ Dic-er Rabbiner keimt näht nur keine koiäts iom-Ilen Unterschiede, sondern au־׳h keine rulkUdien: ״es gebe im k'elde ... keine Polen und keine Danen". Neben dieser Internatiunalitä! klingt die Menschheit-idee duieh, die Sehn-tiriit nach dem ewigen Wc'Uueden. Niebts von der \ eivurzdung daoes ״Eamiüenleste-.“ im Volk beben, nirbis von einem Bednm n am To Vergangene und nichts von einem Kraitsehopicn für die Zuäuae. |),uür die Versicherung, daß er die-en Abend ״nur als Mensch“ iuhlic und empfände. Und hier das Ei lein u des jungen Norddeutschen: CA. B., gcb. 1893, gef. 1916 25. Dez. 1914: ״Das Schönste, das ich im ganzen Kriege erlebt habe, war heute der Gottesdienst irt der französischen Kirche, der erste im Felde, denn bisher hatten wir dazu keine Zeit, wußten auch kaum, wann Sonntag war. Da saßen sic: Infanteristen, Artilleristen und Pioniere, so wie sic aus dem Schützengraben herauskumen, und sangen: ,Das ist der Tag, den Gott gemacht‘ - and durch zerschossene Fenster fuhr der Wind und der rollende Kanonendonner ersetzte die Bässe der Orgel. Auch hier in der Kirche brannten die Weihnachtslichlcr und gaben ein heimisches Licht zu den Worten, die der Leutnant von der Artillerie sprach. Einen Geistlichen hatten wir nicht. Aber wozu auch: War es nicht t>10/ schöner 50/ Da saßen sie beieinander, Katholiken und Protestanten, die doch nur einen Glauben haben sollten, den deutschen Glauben. Und wie Erz und Eisen klangen die Worte über das UV.soft des Deutschen, dessen Höchstes die Treue und die Eiche ist, aber nicht eine kindische Liebe, sondern die Liehe zur Rasse und zum Volk, das sein Hecht mit dem Eisen in der Faust verteidigt bis zum Tode." ״Dort Glciehiiei:, Meni,:1e|: und Wehfri<*de — hier R 1,-0, Volk und Kamin um sem 1 .!׳!>• n..rerht. Das sind Bog! bl .!,!>!!!;.!׳me, die sieh ja 10 deekeri können. ein,;.!nimm einer völlig aieDren Grundhaltung der Men-.er.e0.!׳.<!de sind in sieh geschlossene Grünpen, sind ra-.n-.rh beding!.־‘ Nach einem Hinweis auf die Gefallencn-Statistik in einem Buche von F. Len/, der behauptet, daß der Prozentsatz der Gefallenen bei den Juden niedriger war als bei den Deutschen, kommt der Verfasser absihlielicittl zu folgendem Ergebnis: ״Dund'1 nirirs ha'fe das ludrn'nni oh!sgen!Ur bc\vr;-.׳n koiino!!, daß cs eine tiolv, u n 1i 11 o 1 I >! 11 c L b a r o Kiuit 700■■,isn ihm und dem Deutsebtum gibt, als ilurä, \ä■! oimn! hebung da ■■er!hime. Zweitellos sind sie ein cr.-rhurennie. Dokument, um es alle Ktmg-- briete sind. D.ilwi i-t. es gleiVhgukig, ob ■io von Deut■'׳ heil, l'ianzosen, Juden oder lajnmern ao■׳, hnebeii ■und. < lernde abe!׳ weil in ihnen da-sclix.‘ Thema, dasselbe Miielrcn behandelt wird, treten die Unterschiede in der Auü.issmig stärker hervor. G. >.11״; dieses, was anders ist, ist itir uns wichtig. In ihm zeigt sich die R a s s e n s e e 1e.“ Wie uns ereil Lesern bekannt, ist die ״Jüdische Rundschau“, bei voller Anerkennung des menschlich-dokumentarischen Wertes solcher Briefe, niemals eine Freundin derartiger Veröffcntlichungcn von jüdischer Seile gewesen, weil immer zu befurchteil stand, daß man dieser Veröffentlichung die Absicht unterlegen würde, die Dr. Mrugowsky am Anfang seines Aufsatzes, wohl nicht mit Unrecht, vermutet. Doch glauben wir, daß der Verfasser, der ja seine eigene Erschütterung angcsichts dieser jüdischen Briefe ritterlich bekennt, insofern von einer falschen Voraussetzung ausgeht, als auch die einseitigsten Assimilanten nicht den Nachweis führen wollten, daß /.wischen deutscher und jüdischer Reaktionsweise kein Unter s e h i e 11 bestehe. Da die Juden eine eigene Gruppe mit vielen historisehen und soziologischen Besonderheiten sind, muß sich auch in ihrer Betrachtungsweise eine eigenartige Nuance widerspiegeln. Daß diese ihre Eigenart, die von uns gewiß am allerwenigsten geleugnet wird, auch einen eigenaitigen svolisehen Ausdruck zur E'oigc hat, kann niemanden verwundern. Am deutlichsten zeigt sich das an dein Beispiel des Weihnachtsfestes, das ja aus vielen Gründen von einem Juden anders betrachtet werden muß als von einem (;!tristen. Aber Feststellung eines seelischen Nuancen-l 'nUT׳.chiedeln׳.nicht noch keine Bewertung eiii/iischließen. Ent völki-ch bewuliter Deutscher müßte ja fiir da-. Hervortrefeii p.slm.'hcr Voiksbesomlerhcit, die den vollen Einsatz für das Vntishncl nicht mindert, Verständnis Halten, ohne daraus eine Art Vorwurf gegen die Juden ab/tilriU'n. Moltke zum Palästina-Problem in einem Aufsatz. ״Moltke blickt nach Palästina“ im ״Berliner Tageblatt" vom 15, Juli weist 1 >r. Erich Haeuber darauf hin, daß Moltke bereits im Jahre 1811 sich mit den Problemen Bal.'istinas beschäftig‘ habe, wobei ihm eine Art d e u t s <• h c r AV;1 n d n t s v e r w a 1: 11!1 g unter dem Schutz und der Mitwirkung der damals führenden ettropäischen Großmächte England, Rußland und Oesterreich vorgeschwebt habe. Der Anlaß war der soeben ausgefoclitene Kampf der Syrer unter Mehetned Ali. der in raschen: Siegeslaut durch Palästina, Syrien und Kleinasiett bis Kotist.intinopei vorrückte. Moltke hatte den Krieg im Stab des turkischen Oberbefehlshabers!überlebt. in einem Aufsatz, ״Deutschland und Palästina“, den er nach seiner Rückkehr veröffentlichte, entwickelte er die Ansicht, daß die Türkei Palästina nicht verwalten könne und daß es keinen anderen Ausweg gebe, als Palästina unter christlichen Sc 11 tt t 7. zu stellen, den er sieh in der Weise dachte, daß ״die Leiturtg des neuen Staates einem unumschränkten Fürsten deutscher Nation und echt toleranten Sinnes zu übertragen“^ sei. Außerdem riet er, Palästina zu einem neutralen Staat umzugestalten, der der Rivalität vier Mächte entzogen sei. Eine aus europäischen Kadern bestehende, später aus Eingeborenen zu ergänzende Armee sollte den Schutz garantieren. Der Zweck dieser Vorschläge war die endgültige Befriedung jenes Wetterwinkeis. Auch wollte Moltke durch sein ״Deutsches Fürstentum Palästina“ die deutsche Nation in die Reihe der kolonisierenden Völker einfügen. Seine Vorschläge fanden hei Friedrich Wilhelm IV, keine Beachtung, da dieser Palästina nur vom religiösen Gesichtspunkt, nicht aber in weltpolitischen Perspektiven sah, ״Mit welchem Stolz“, so schreibt der Verfasser, ״vermerkte es Friedrich Wilhelm IV., als einer seiner Untertanen tatsächlich Bischof von Jerusalem wurde! Dieser Bischof Alexander, ein getaufter Jude aus Breslau, sah seine Aufgabe vornehmlieh darin, in Palästina Judenmission zu treiben.“ Erst Bistnarck hat dieser Missionspolitik ein Ende bereitet. Um Verzögerungen zu vermelden, bitten wir dringend, Manuskripte und Einsendungen, die für die Redaktion bestimmt sind, nicht an Einzelpersonen, sondern an die Redaktion zu adressieren. Der Chief Rabbi des Britischen Reiches, Dr. J. H. H e rt z, führte, wie aus London berichtet wird, den Vorsitz in einer der Sitzungen des Weltkongresses der Religionen und erörterte bei dieser Gelegenheit Sinn und Aufgaben des Kongresses vom jüdischen Standpunkt aus. Ein Weltkongreß der Religionen, erklärte der Chief Rabbi, mußte von Menschen mit religiöser Ueberzeugting bekämpft werden, wenn sie glauben, daß ein solcher Kongrell Halbgebildeten den Eindruck vermitteln könnte, daß alle Religionen einander sehr ähnlich sind und daß *11 an sie eigentlich zu einer Universalreligioti vereinigen könnte. Das sei ebensowenig möglich, wie aus einer Verniiscbung aller Sprachen das Entstehen einer Weltsprache zu erwarten. Da aber die Religionen nicht auf gleicher Ebene stehen, sei es, wie ein bekannter englisch-jüdischer Lehrer erklärt habe, Aufgabe des Judentums, ebensosehr die Welt zu lehren, daß es falsche Götter und falsche Ideale gibt, wie sie dem w alt re 11 Gott näher zu bringen. Auch seien die Religionen nicht in Glanbenssachen, Dogma und philosophisclier Theorie verschieden, sondern auch bezüglich des Nachdrucks, den sie auf die ethischen Pflichten des Menschen legen. Anders aber falle die Beurteilung eines Weltkongresses der Religionen aus, fuhr der Chief Rabbi fort, wenn klargestellt wird, daß es die einzige Aufgabe eines solchen Kongresses ist, allgemeine U e b e 1, die über die Menschheit gekommen sind, zu bekämpfen und das gemeinsame Wohl der Menschheit zu fördern; unter den Anhängern der verschiedenen Bekenntnisse den Geist der Kameradschaft und Brüderlichkeit zu wecken, dessen die Völker der Erde heute so sehr bedürfen; und bei Wahrung ihrer Eigenart nach Rasse, Nationalität und Glauben sie in der Bemühung zusammenzuschließen, die Menschheit von dem Haß-Erbe der Vergangenheit freizumaclien und sie gegen die Gefahr der Selbstvernichtung durch Brudermord in der Geenwart zu stärken. Auf diesem Wege ganz besonders atin die Religion heute der schwergeprüften Menschheit einen unendlichen Dienst erweisen. Frau Rita Romani-Storch erhielt beim Internatiolakn Wettbewerb für Gesang und Klavier in Wien im Juni iie Goldene Plakette. Die Juden in Danzig: Die Zeitung ״Danziger Vorposten“ veröffcntlicht am 11. Juli den Beitrag eines Mitarbeiters ״Die letzte Juden Vertreibung in Danzig“, in dem ein Rückblick über die Rechtsverhältnisse der Juden in Preußen seit Friedrich dem Großen gegeben und darauf liingewicsen wird, daß (nach dem Juden-Edikt Hardenbergs vom 11. März 1812) in Danzig 1816 nochmals eine Jttdenvcrtreibung stattfand. Erst die preußische Verfassung vom 31. Januar 1850 habe in ihrem § 17 entschieden, daß der Genuß der bürgerliehen und staatsbürgerlichen Rechte unabhängig von dem religiösen Bekenntnis sein sollte. Diesen Artikel versieht der ״Danziger Vorposten“ mit folgender Nachbemerkung: ״Inzwischen hat man etkennen gelernt, daß der Untci.schiod zwischen laden und aiisehen Menschen keine Sache de! Religion, sondern des Blutes ist. Dir' Danziger deutsche Bevölkerung hat sicher immer instinktiv die Gefährlichkeit der sich allmählich immer mehr oinbiirgotnden Juden erkannt: gehabt, -- sonst wäre es wohl vor 120 Jahren nicht zu der letzten Danziger Ju- (lenaustreib 11 ng gekommen. Die Juden halxn — mul das spüren wir!!rate wieder — ans dem Verhalten und der Ablehnung durch die deutsche Bevölkerung keine!,ehre gezogen: sie sind genau so laut und frech in den Danziger .Straßen, besetzen nach Möglichkeit alle Fokale und Parkanlagen und fühlen sich benähe in Danzig schon eher ״zu Hause“ als die Danziger seihst, — trotzdem viele der sieh in Danzig berumtreibenden Juden gerade erst vor kurzer Zeit nach Danzig kamen, um hier ihr Geschäftchen 70 machen! Die vorstehenden Ausführungen unseres Mitarbeiters, die eine knappe Uelreraicht üt>er die ICntwieklung des Judentums in etwa 100 Jahren wiedergeben, zeigen der Danziger Bevölkerung von 1936, daß es sich bei dem Massenaull reten der Juden in Danzig um mehr als eine Zelter sc heinung handelt: um einen standigen heimtückischen Kampf der jüdischen Elemente gegen das deutsche Gastvolk, das sie ahnungslos aufnahm!“ Wir Juden glauben, daß die Danziger Juden auch zum wirtschaftlichen Aufstieg der Stadt beigetragen haben; aber die hier zitierten Sätze zeigen uns, daß wir in Danzig vor einem schwierigen Teilproblem der ungelösten Judenfrage stehen.