Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1936-07-14 · Heft 56 (14.7.1936) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 56 (14.7.1936)
Date
1936-07-14
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2651273-2653922-2653975--29148-2690662
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

jüdische Rundschau *י Nr. 56, 14. JULI 1936 Zuversicht Von Oskar Wolfsberg, Jerusalem Wir haben nun seif zwei Monaten in Erez Israel den Zu• stand einer akuten Krise: schwere Verluste an Gut und Blut, eine Erschütterung der Beziehungen zwischen den beiden Nationalitäten dieses Landes, eine schwere Spannung zwischen den Arabern und der Regierung. Jeder fühlt, wie verändert der Strom des Lebens ist. Es herrscht nicht nur Ausnahmezustand an manchen Plätzen auf Grund der Regierungsverordnung; es ist, als ob diese Zeit aus dem normalen Gang des Schaffens herausgehoben sei. Kein Mensch täuscht sich über den Ernst der Dinge, über die Tragik des Geschehenen und über manches noch zu Erwartende. Wir sind in eine schwere Entscheidung hinein• gestellt. Aber wir lehnen die bei zaghaften und ängstlichen emütern beliebten Vergleiche unserer Situation mit dem Schicksale bedrohter Gruppen in der Diaspora ab. Wohl fügen sich unsere Nöte und Schmerzen in das große jüdische Schicksalsdrama ein, das jetzt einen Akt höchster dramatischer Bewegtheit entrollt. Aber hier ist nicht Dämmerung und Untergang, sondern Geburt und Aufstieg. Auch das ist ein Prozeß voll Gefahren und Konflikten, besonders angesichts so großer Spannungen und sich vorbereitender Entscncidungen in der weltpolitischen Arena. Das hat zunächst nichts mit unserem historischen Gesetz, nach dem wir angetreten sind, zu tun. Aber wir sind mitten im Raum heftiger Auseinander- Setzungen. Es ist unser Los, daß gerade in der Zeit unseres Versuchs, unser Nationalheim zu bauen, das Mittelmeerbecken wieder eine Bedeutung gewinnt, wie es seit dem Altertum sie nicht hatte. Erez Israel und seine Funktion als neuwerdende Heimat ist mindestens insofern eng mit dem Gesamtschicksal unseres Volkes verknüpft, als es die freiwilligen und unfreiwilligen Abwanderer der Diaspora aufnimmt und aus ihnen das men schliehe Material des Aufbaus gewinnt. Nicht, daß wir auch hier Widersachern und Feinden begegnen, ist das Identische im Schicksale der Heimgekehrten und Draußengebliebenen. Nur daß hier und dort Juden unter dem Gebote der Ceschichte stehen, daß Juden auf eine schwere Frage eine klare Antwort zu geben haben, ist ein Verbindendes, Gemeinsames im Erleben und Erleiden, draußen und drinnen. Und ob die Juden die Kraft aufbringen werden, sich zu bewähren, die größere Tat leisten werden, unter dem Drucke widerstrebender Mächte nicht nur sich zu behaupten, sondern die Fähigkeit großartiger Konstruktion zu entfalten, das ist die Frage. Es ist uns wenig Zeit gelassen für die erste Etappe der Errichtung unserer Heimstätte. Der Zusammenbruch des Exils geht mit Riesenschritten vorwärts. Wir wollen und müssen vielen Menschen Platz in unserem Land anweisen, all denen, die sich mit ihm verbinden wollen. Wir müssen, neben dieser Leistung, hier etwas zustande .bringen, das einen Ersatz für allen Substanzvcrlust bildet und dazu eine echte Verheißung ist für Größeres, dessen Werden sich erst ankündigt. Wir können nicht verzichten, wir können dem Prozeß nicht Halt gebieten. Was haben wir zu erwarten, was haben wir zu tun? Ich kann hier nicht die beiden großen Probleme aufrollen, die wieder mit großer Deutlichkeit sich melden: unsere Be- Ziehungen zu den Arabern und den Engländern. Ich glaube, daß gerade heute nicht wenige Juden verstehen, wie bedeutsam jenes erste Problem ist, und wie glücklich sie wären, wenn sich der Weg zu einer Lösung zeigte. Nicht daß die Stunde des akuten Konflikts eine Annäherung und Verständigung so schwer macht, ist das Entscheidende. Es gibt fenug Menschen, deren Kopf kühl genug ist, um auch in einer tunde großer Erregung nüchtern zu prüfen und zu spähen. Ich hoffe, daß unsere wirklichen Führer nichts vernaclilässigen, was geeignet ist, diesem Land einen echten Frieden zu geben, ohne den es schwer, fast unmöglich ist, Erez Israel einer großen Zukunft entgegenzuführen. Wenn es einen solchen Weg gibt, so soll er in aller Stille bei den verantwortliehen Stellen geprüft und beschriften werden. Wir werden uns ihm lieber anvertrauen als so manchen phantastischen Hänen derer, die über das Planen nie hinauskommen. Unser Verhältnis zu England ist von uns aus immer Mar und freundschaftlich gewesen. Wir haben Verständnis bewiesen für die Schwierigkeiten, die das Weltreich in unserem engeren Sektor, in seinem Umkreis und in der ganzen Welt die Fülle hat. Und unsere Besonnenheit schützt uns vor hemmungsloser Kritik. Aber das eine bleibt als Vorwurf bestehen, daß die ersten Wochen fast ungenutzt verstrichen sind. Keine blutigen Maßnahmai werden gefordert, und wir sind uns klar, daß alle Energie nicht die wirklich vorhandenen Schwierigkeiten aus der Welt geschafft hätte. Aber das Zaudern und verspätete Eingreifen, das tatenlose Zusehen und das Gewährenlassen der intransigenten Gruppen, deren Wirken den Arabern nicht nur objektiv Schaden bringt, sondern von ihnen auch vielfach qualvoll empfunden wird, hat gewiß künftige Lösungsversuche nicht erleichtert und vorbereitet. Psychologisch ist alles noch schwerer geworden. Hätte jemand vor neun Wochen behauptet, der Jischuw würde sich angesichts kommender Unruhen so einheitlich, so geschlossen diszipliniert verhalten, wie es tatsächlich geschehen ist, so würde er manchem Zweifel begegnet sein. Dieses Phänomen einer Bevölkerung mit dem Höchstmaß vOn Selbstbeherrschung ist eine so ungewöhnliche, so beglückende Erscheinung, daß man sie gar nicht überschätzen kann. Ja, ich will es nicht leugnen, daß erst sie mich ganz bedingungslos zu einem Glied der hiesigen Gemeinschaft gemacht hat. Ich bin zionistisch innig genug mit unserer Profilematik und unserem Lande seit langem verbunden; aber kein Mensch, der nicht mehr Jüngling ist, kann reibungslos den Uebcrgang in einen Kreis vollziehen, in dem alles neuartig und im Werden ist. Auch ist jeder Zeitausschnitt mit matinigfaltigen Unzulänglichkeiten belastet, die, selbst soweit sie unvermeidbar sind, nicht immer leicht getragen werden können. Jetzt aber, in dieser Stunde der Prüfung, bin ich ohne Ein- Schränkung stolz und glücklich, diesem Jischuw anzugehören. Das, was wir hier 113 ה3לגה nennen, die Fähigkeit, seinen Zorn zu überwinden, sich selbst zu meistern, den Sieg über uns selbst, ist eine wirklich beachtliche Stufe kollektiver Ethik. -Sie ist um so mehr ein Symptom sittlicher Gesundheit, als diese Haltung nicht erklügelt ist, als Taktik zur Anwendüng gelangt, sondern als prompte Antwort unserer Geineinschaff erfolgt ist. Nicht die unmittelbaren oder mittelbaren Erfolge, die im Gefolge dieses Verhaltens sich einsfellen können, sind dabei das Erstrebte und Ersehnte. Vielmehr dient uns diese Bewährung als Beweis für unser grundsätzliebes Recht, hier und von nun an zum Volke zu werden. Manche werden die Kraft der Zurückhaltung als khig oder beachtlich anerkennen, aber in dieser friedfertigen Haltung einen Rückfall in Galuthgesinnung, mangelnde nationale Würde erblicken. Ihnen sei gesagt, daß es kein größeres Heldentum, kein gesunderes Würdegefühl und zuverlässigeres Kraftbewußtsein geben kann, als dieser! Verzicht auf gewalttätige Methoden. Der Starke braucht sich und der Welt nicht Noch immer Ueberfälle Die dreizehnte Woche der Unruhen Trotz des scharfen Vorgehens der Regierung ist die Sicherheit in Palästina noch immer nicht hcrgestellt. In den letzten Tagen wurden wieder eine Reihe von Gewalttaten vollbracht, die Todesopfer kosteten. Auch beträchtlicher materieller Schaden wurde verursacht. Es scheint, daß die Nachrichten aus London bei den Arabern die Ansicht stärken, sie könnten durch Beharren auf ihrer Terrormethode doch noch politische Erfolge erzielen. In seiner Sitzung am 11. Juli beschloß das arabi sclic Oberste Komitee, ein neues Memor and um an die Regierung zu richten, in dem auf die Erfüllung der arabischen politischen F o r - derungen als einzige Lösung der Krise gedrängt und die Zurverfügungstellung von Boden zwischen Bajit- Wcgan und Jadjur für die evakuierten Bewohner der Jaffaer Altstadt verlangt werden soll. F u a d Sab a, Chefredakteur der in englischer Sprache erscheinenden Wochenschrift ״Palcstinc and Transjordan“, wurde an Stelle von Abdul hladi zum Sekretär des arabischen Obersten Komitees ernannt. Wir geben nachstehend eine Uebersicht über die Vorfälle der letzten Tage. Schlisse auf Autobusse Am 10. Juli wurde ein Autobus-Transport auf dem Wege von Haifa nach Tcl-Awiw zweimal über-!allen. IX*r erste Ueberfall fand bei Der-es-schercf statt; ein Chauffeur namens Pollock wurde am Arm verwundet: ein Autobus stürzte um, wobei der 32jährige Brunnenarbeiter Baruch Beriami, ein Siedler aus Rußland, dessen Eltern in Tel-Awiw ansässig sind, getötet wurde; ferner wurden zwei Juden und zwei Soldaten leicht verletzt. Militär erwiderte das Feuer, wobei vier Araber getötet wurden. Eine halbe Stunde später wurde der Autobus-Transport zum zweiten Male überfallen, was jedoch zu keinen weiterer! Verlusten führte. In der Nähe von Dschenin wurde ebenfalls ein Ueberfal! auf einen Transport verübt; Verluste werden nicht gemeldet. In Ataroth feuerten Araber Schüsse auf einen Aufobus. Das amtliche Communiquc meldet im Zusammenhang mit dem Ueberfall auf den Autobus-Transport bei Der-esscheret außer den bereits gemeldeten zwei weitere Verwundungen, und zwar wurden ein englischer Polizist und ein jüdischer Passagier leicht verletzt, als ein Bus umstürzte. Von den Arabern wurden vier getötet und, wie man annirnmt, mehrere verwundet; einer wurde testgenommen. Wie das Communiquc weiter berichtet, schossen in einem arabischen Dorf bei Nazareth zwei Araber aut eine Polizeipatrouille, die mit Untersuchungen über einen Pterdediebstahl beschäftigt war; die Polizei erwiderte das Feuer, wobei ein Araber schwer verwundet wurde; der andere wurde festgenommen; beide waren im Besitz von Gewehren. Großfeuer in einer Garage In der Volvo-Garage, auf der Grenze zwischen Tel-Awiw und Jaffa brach am 10. Juli um Mitternacht Feuer aus. Mehrere Lastwagen, sowie städtische Sprengwagen wurden vernichtet. Der Schaden wird auf ca. L 5000 geschätzt. Mehrere jüdische Werkstätten sind ebenfalls niedergebrannt. Am Sonnabend wurden bei Sichren Jaakow zwei jüdische Wachtabteilungen überfallen; ein jüdischer Wächter erhielt einen Brustschuß und wurde nach dem Hadassah-Hospital nach Haifa geschafft, wo eine Operation vorgenommen wird. In Jaffa versuchte ein Araber einen Bombenanschlag auf ein Militär-Lastauto, das sich, von der Jaffa—Jerusalemer Chaussee kommend, der Stadt näherte. Er war gerade im Begriff, die Bombe zu werfen, als diese noch in seinen Händen explodierte. Das amtliche Communiquc vom 11. Juli nachmittag berichtet über Baumfrevel in einer arabischen Orangerie bei Kubeibah, wo 1300 Bäume ausgerodet wurden; die Spuren der Täter wurden bis nach Kubeibah verfolgt, wo neun Araber verhaftet wurden. Ferner wird gemeldet, daß das Holzlager einer Autofabrik geplündert wurde. Südlich von Hebron sowie an drei Stellen im Nabhiser Gebiet wurden Militärpatrouillen angeschossen; Verletzte werden nicht gemeldet. Nach Durchsuchungen in verschiedenen Gebieten wurden 14 Araber verhaftet. Wieder zwei Juden getötet Auf einen Autobus, in dem jüdische Arbeiter aus dem Steinbruch bei Arza nach Jerusalem zurückfuhren, wurde von beiden Seiten der Landstraße Feuer eröffnet. Die Arbeiter liefen mitten durch den Kugelregen zurück nach dem Verwaltungsgebäude des Unternehmens. Der 17jährige Installateur Joseph Katz wurde jedoch durch einen Koptschuß getötet, während Ariah Zalkind (34 Jahre), Schlomo Frank (33), Joseph Pesach (20), Jacob Israeli (42), sowie der 52jährige Jcmenite David Avadh a z i verletzt wurden. Eine 20 Mann starke Militärabteilung war sofort zur Stelle und nahm, geführt von einem Flugzeug, die Verfolgung der Täter auf, die nach Ejn Kerem flüchteten- Dort wurde ein Haus umstellt und 6 Araber wurden verhaftet. Zu ei von den Verwundeten sind operiert worden. Die Besitzer des Steinbruchs (die amerikanischen Juden Einanuel Neumann, Tannenbaum, Sinderkoff und Mitzborg) süid vor kurzem von Arabern aus dem anliegenden Dorfe Subah gewarnt worden, daß ein Ueberfall bevorstehe. Die Beisetzung von Joseph Katz fand am Abend statt. Sein Vater, ein seit vielen Jahren in Palästina ansässiger Einwanderer aus Rußland — der Sohn war bereits im Lande geboren — wohnte mit den übrigen Familienmitgliedern der Beerdigung bei. Am Sonntag, dem 12. Juli, ist es in der Neustadt von Jerusalem zum ersten Male zu einem Revolverattentat bei heliichtem Tag gekommen. Der jüdische Kaufmann Lsac Cohen wurde in der Nähe seines Geschäftes in der Mamillastraßc, wenige Schritte von einen! Polizeiposten entfernt, von Arabern angesdiossen und durch zwei Kugeln verwundet. Cohen wurde ins Krankenhaus gebracht. Die Angreifer sind entkommen. Der 31jährige gebürtige Palästinenser Adam L i p k i n, der auf der Eisenbahnstation in Lvdda beschäftigt war, ist infolge eines unglücklichen Zufalls durch Revolverschiisse eines englischen Soldaten getötet worden. Der Soldat, durch dessen Schuld Lipkin erschossen wurde, ist v e r h a f - tet worden. Aut das Poli/ci-Hauptquartier in Jerusalem ist ein Bombenanschlag verübt worden; die Bombe wurde über eine Mauer geworfen und explodierte neben der Gewehrkammer; Schaden wurde nicht angerichiet. Das amtliche Communiquc vom II. Juli berichtet über unbedeutende Beschädigung des F i s e 11 h a I! nkörpers zwischen Gaza und Kantara, ferner über die Verhaftung eines Arabers im Zusammenhang mit einem Ueberfall auf eine Militärstreife bei Hebron. Wie in einem amtlichen Conimuiiique mitgeteilt wird, ist eine P o I i z e i a b t e i I 1! n ״, die Nachforschungen wegen eines Vielidiebstahls ansteilte, bei M i g d a I von einer aus dreißig bewaffneten Arabern bestellenden Bande angcgriffen worden. Nach Eintreffen von Verstärkungen ergriffen die Angreifer die Flucht. Einem weiteren Communiquc ist zu entnehmen, daß bei Nablus eine Militärpatrouille dreimal an verschiedenen Stellen beschossen wurde. Auch zwischen Hebron und Beer Scliewa wurde eine Patrouille beschossen. An der Peripherie von Tcl-Awiw ist eine jüdisclie Röhrenfabrik niedergebranut worden. In Jaffa wurden vier Bomben geworfen, die keinen Schaden anrichteten. Wcgcti eines Bombenanschlags auf ein Haus in Tiberias wurden zwei Araber verhaftet. Die Arbeit der Gerichte Drei Araber aus Nablus, bei denen Waffen gefunden worden waren, sind zu je sieben Jahren Zuchthaus verurteilt worden. Zwei Araber wurden bei Derde Bawan verhaftet. Sie besaßen Gewehre und Munition. In Nordpalästina wurden fünf Araber verhaftet, die versucht hatten, einen Telephon mast zu beschädigen. Zwischen Migdal und l.ydda nahm eine motorisierte Patrouille drei bewaffnete Araber fest. Militärpatrouillen wurden auch bei Ness Ziona, Sedschera, Nablus und Safed beschossen. Sie erlitten keine Verluste. Der Schritt der arabischen Beamten Die von!ins bereits erwähnte Fingabe der hohen arabischen Beamte n an den High (iom nixsiouer zugunsten der arabischen Ford er! in >en wird in der Londoner ,,Times" vom 10. Juli in großer Aufmachung veröffentlicht. Es heißt in dem Bericht, daß 13 hohe arabische Beamte, einschließlich aller hohen Mitglieder des Justi/wesens und der Verwaltung, in einer Eingabe, die vom 30. Juni datier! ist, erklären, sie halten es für ihre I lauptatifgabe, als Bindeg 1 i e (I z w i s <: 11 e!1 <1 e r R e g i e r 11 n g 11 11 d d e r a r a - bischen Bevölkerung zu dienen und die Taien und Gefühle der einen Seite der anderen zu erklären. Diese Pflicht sei auch die Rechtfertigung der jetzigen Agitation. Die Beamten, so heißt es weiter, hatten seit Begum der Revolte versucht, normale Bedingungen wieder her/m-te len und die arabische Bevölkerung zur friedlichen Haltung insbesondere mit Rücksicht auf die angekündigte t ■ntersucdu1!1gs-Ko!11m;s:.ion zu veranlasset!. Aber da die Araber ihre V e r t r a 11 c n a ״ d 1 e A 11 f r i c h t i g k e i t d e r R e g i e r 11 n g und der Regierung',- angeboie verloren haben, konnten die Beamten diese Aufgabe nicht mehr erfüllen. Im zweiten Teile wird dann dargelegt, daß die Unterzeichner ,,als verantwortliche Diener der Regierung“ meinen, der tote Punkt könne ausschließlich durch eine Einstellung <1 0 r E i!1 w a 11 d e r u n g überwunden werden. jeden Tag seine Kraft zu demonstrieren, braucht nicht kriegerische Leistungen zu vollbringen, die ja doch oft nur Schwäche verhüllen sollen. Viele in der Diaspora, die mit Palästina seit längerer oder kürzerer Zeit in Verbindung stehen, die wohl seihst für sich die Blicke auf dieses Land als ihre Heimat in naher Zukunft richten, mögen die Nachrichten von hier mit schwerer Sorge aufnehmen. Es sieht sich von draußen sehr ernst an, noch ernster, als es in der Tat ist. Es ist eine sehr gebieterische Aufgabe der jüdischen Presse, nicht etwa die Wirklichkeit umzufälschen und die jüdische Welt in Unklarheit über das Geschehen hier zu lassen, sondern das, was hier vorgeht, in der Berichterstattung auf das richtige Maß zurückzuführen. Manches, was wir Palästinenser iii der Presse fremder Länder lesen, mutet uns bei der Lektüre viel grausiger an, als es im täglichen Erleben und Erfahren war. Es gibt Detail, das dem Landfremden keine sachlichen Kenntnisse vermittelt, wohl aber sein Unbehagen nutzlos steigert. Ohne Schönfärbung läßt sich hier Abhilfe schaffen und kann Interpretation und sachliche Würdigung in ihre Rechte treten. Es ist außerordentlich wichtig, daß die Tatkraft des Jischuw und die Mitwirkung der Palästina geneigten jüdischen Welt nicht erlahme. Es wäre schmerzlich und bedrohlich, wenn die Wirtschaft ins Stocken käme. Aber darüber hinaus, über den Moment hinaus, bedeutet unsere Initiative in so schweren Stunden viel. Wie weit wir an der englischen und arabischen Front im Moment erreichen können, läßt sich nicht leicht sagen, steht auch nicht bei uns allein. Was wir aber in unserem eigensten Raum schaffen, das ist sehr weitgehend von unserer Energie abhängig. Ein Fortschritt unseres Aufbauwerkes, ein solider Ausbau von Positionen, wäre uns selbst und der Welt ein eindrucksvoller Beweis der in uns ruhenden Kräfte und würde gegenüber den Mächten der Destruktion sich als großartige Antithese abheben. Dieser Wunsch beschränkt sich nicht auf die Wirtschaftliehe Sphäre. Es wäre dringend geboten, im Kulturellen und Sozialen nach Aehnlichem zu streben. Die. Geschlossenheit des Jischuw bedarf einer stets erneuten Fundamentierung. Da der Kontakt durch die Lage sehr erschwert ist - man denke an die Wirkungen des Ausnahmezustandes, der Versammlungen, Sitzungen und selbst Begegnungen im kleinen Kreis fast völlig unterbindet - stellt sich hei längerer Fortdatier des Zustandes eine Entfremdung und Lockerung des gesellschaftlichen Zusammenhanges und eine Begrenzung des öffentlichen Lebens ein, die die vitalen Funktionen der Gemeinscliaft bedroht. Gerade jetzt darf man von dem Jischuw, der sich so hervorragend bewährt hat, erwarten, daß er die Kraft zur Leistung unter schwersten Bedingungen aufbringt. Manche werden auch versagen, manche sich als verzagt und kleinmütig erweisen. Aber diesmal wird klar werden, wer wirklich unserer Nation und ihrer Zukunft sich bedingungslos weiht. Und auch das ist ein Ergebnis, das im Rahmen des Schweren, das jetzt über uns gekommen ist, eine fruchtbare Bedeutung hat. Wenn jetzt der Zionismus in der innerjüdischen Front Widerständen begegnen wird, so wird er erneut den Beweis führen, daß er die Avantgarde des jüdischen Volkes ist, daß er mutig und wissend der Zukunft entgegenschreitet. t

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.