Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 55 (10.7.1936)
- Date
- 1936-07-10
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 12 KINDER-RUNDSCHAU Seite 3 \ f VtoHmlcktneA Gescher ist ein alter, angesehener Kibbuz im unteren Galil, dessen Chawerim sich jetzt einige Kilometer weiter ansiedeln. Der neue Ort heißt Delhamia. Wenn man in Gescher aus dem Zug steigt, befindet man sich zunächst in einem kleinen arabischen Ort, Jisr el Majami. Einige Lehmhütten,, in denen Früchte und Tabak feilgeboten werden, und einige kümmerliche Steinhäuser — das ist der ganze Ort. Aber schon vom Bahnhof aus — Bahnhot ist eigentlich übertrieben — sieht man den alten Kibbuz Gescher liegen. Weiße Zelte winken, und die blanken WellblechtCeibm Fächer der Zrifim grüßen uns von weitem. Wir beschleunigen unsere Schritte, soweit es uns der weiche trockene, gelbe Sand erlaubt, durch den wir waten. Es ist noch früh am Morgen, die Sonne hat noch nicht ihr stärkstes Licht, die Hitze ist aiso nicht unerträglich — im Gegenteil, sie bräunt unsere Haut und hüllt den Kör- So stapfen wir durch den Sand per in einen angenehmen warmen, sonnigen Mantel. Daran mochte Zwi wohl denken, als wir so durch den Sand stapften. Und weil er, wie ich ihn kenne, 2u Uebertreibungen neigt, sagt er: ״Weißt du, was das schönste hier ki Palästina ist? Das Wetter... .״ Ich blicke ihn zweifeind an. Da fuhr er fort: ״weil man hier nämlich immer genau weiß: heute ist gutes!Wetter, morgen ist gutes Wetter — immer scheint die Sonne, regnen tut es überhaupt nicht.״ ״Hm״, sagte ich, ״wenn man es so nimmt, hast du vielleicht recht.“ Denn, daß es etwa plötzlich regnet, wie z. B in Deutschland, das kommt in Erez Israel wirklich nicht vor. Am nächsten Tage besuchten wir Delhamia. Stolz zeigten uns einige Chawerim von def Jugendalijah, die dort leben, die ersten Weintrauben aus ihrem Weinberg. ״Die ersten Weintrauben im Land überhaupt“, sagten sie stolz. Klein und grün waren die' Trauben zwar, aber dabei süß und saftig, wir ließen sie uns gut schmecken und dachten gar nicht weiter p Die ersten Weintrauben C l / darüber nach, warum denn ausgerechnet hier die ersten Weintrauben reiften. Wir sollten es bald merken. Delhamia ist eine große noch junge Kwuzah mit vielen Steinhäusern undschönen Einrichtungen. So hatten wir viel zu besehen. Hier wurde das neue Chadar-Ochd gebaut, dort war ein neuer Kuhstall im Enttftehen, die Küche schauten wir uns an und die Vorratskam- «lern. So liefen wir hin und her, von einem Ende des Hofes zum anderen. Aber mit der Zeit, als es auf Mittag ging, schwand unser Eifer. -Lim_>1 Uhr netzte sich Zwi in den Schatten eines Hauses. Eine Minute nach II saß ich neben ihm. Aber bald wurde es uns auch dort zu heiß. Unbarmherzig brannte die Sonne auf uns hernieder. Unsere weißen Mützen, an denen man uns leider überall . . . י Gegen den Sturm ankämpfend. ^׳^ר7 als Touristen erkennt, waren kein Schutz mehr tür uns. Um 1 Uhr ״flüchteten“ wir in ein Zimmer im Steinhaus. Unseren Plan, einen Ausflug in die benachbarten Kwuzoth Kinnereth und Deganiah zu machen, ließen wir fallen. Erschöpft lag ich auf dem kühlen Boden. ״Weißt du, was das schönste hier in Palästina ist?״ fragte ich hinterhältig Zwi, der völlig aufgelöst auf einer Couch lag. ״Na, was denn....?“ ״Das Wetter, lieber Zwi. Heute schönes Wetter, morgen schönes Wetter, immer schönes Wetter ... ״ Zwi suchte verzweifelt nach harten Gegenständen, fand aber keinen, und so sagte er nur: ״Ja, das passiert mal einen einzigen Tag, daß es so heiß wird, aber regnen — tut es doch wenigstens nicht“ Ich traute diesem ״einzigen Tag“ nicht recht. Mir ging nämlich gerade ein Licht auf, warum ausgerechnet hier die Weintrauben so früh reifen. ״Morgen“, sagte Zwi bestimmt, ״morgen wird wieder schönes Wetter sein. Dann fahren wir in die Umgebung...״ * Aber das Geschick war gegen uns. Am nächsten Morgen weckte uns ein verdächtiges Knarren im Gebälk des Zrifs, den wir bezogen hatten. Auch andere Ungewohnte Laute waren zu hören. Es pfiff und heulte der Wind, Sandkörner prasselten gegen die Fensterscheiben. Türen wurden auf- und mit einem ״Krach“ zugeschlagen. Im Nu waren wir aus den Betten. Obwohl der Wind uns gehörig die Haare zauste — die Mütze flog sofort davon — und obwohl unsere Augen sich bald mit Sand füllten, von dem die Luft voll war, machten wir Uns auf den Weg nach Kinnereth und Deganiah. Aber weiter als bis nach Kinnereth kamen wir an diesem Tage nicht. Der Sturm nahm an Stärke zu. Und wie wir am Tage vorher die Arbeiter bedauert hatten, die in dieser großen Hitze arbeiten müssen, so bedauerten wir heute alle cßef die auf freiem Felde bei der Arbeit dem Sturm ausgesetzt waren- Der Sturm zerrte an den Wellblechdächern der Zrifirn, der Wind fuhr heulena ins Gebälk der Schuppen. Und als die Glocke alle Chawerim zum Essen rief, gab es ein merkwürdiges Bild zu sehen. Von allen Enden der Kwuzah kamen die Menschen an, langsam, gegen den Sturm ankämpfend. Die Hände schützend vor den Augen. Der eine rückwärts der andere gebückt, so arbeitete sich jeder zum Eßraum vor. Sogar bis in den Eßteller drang der Zwi hielt drohend seinen Teller .. Sand, so daß man ihn unliebsam zwischen den Zähnen knirschen spürte. ״Zwi“, sagte ich. ״weißt du, was das schönste in Pallstina ....?״ 1 Zwi hielt drohend seinen Teller in der Hand, deshalb beschwichtigte ich ihn und gab zu: ״Ist wirklich ein reiner Zufall, Zwi, daß wir zwei so schlimme Tage erwischen» Morgen ist « bestimmt schöner.“ und wirklich. Am nächsten Tag und an allen folgenden Tagen, die wir im Lande erlebten, fachte die Sonne, — ohne