Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 55 (10.7.1936)
- Date
- 1936-07-10
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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Seife 2 KINDER -RUNDSCHAU Nr. 12 sterais muß weichen. Bei den Jungen und Annen leuchtet es zuerst auf, dann schließen sich die anderen an, die das Recht, die Wahrheit, die Freiheit, den Fortschritt, die Menschlichkeit, die Schönheit lieben. Wenn alle Kerzen brennen, dann muß man staunen und sich freuen über das getane Werk. Und kein Amt ist beglückender als das eines Dieners am Licht. Herzl in Jaffa (1898) Zufällig war ich an jenem Tage in Jaffa. Ich war Arbeiter in Petach-Tikwah. In der Kolonie wußten nur wenige, daß Dr. Herzl nach Erez Israel kommt. Auch in Jaffa wußten es nur wenige. Die Sache wurde verheimlicht. Zufällig mußte ich zum Hafen gehen. Man ließ mich nicht hinein. Der Eintritt war an jenem Tag verboten. Auch der Hafen sah ungewöhnlich aus. Die Boote standen zur Seite. Das wilde Geschrei der arabischen Bootsleute wurde diesmal nicht gehört Der Hafen war geschmückt wie während eines offiziellen Festes. Keiner von den am Hafen Stehenden wußte, was diese Feierlichkeit bedeutete und wer der Mann ist, der nach Jaffa kommen wollte. Als ich einen bekannten Araber, einen Bootsmann aus Jaffa, danach fragte, staunte er darüber, daß ich es nicht wußte: ״Der Sultan der Juden kommt bald mit dem Schiff.*1 Ausführlicheres erfuhr ich von den Bauern aus Petach-Tikwah^die in diesem Augenblick zum Hafen kamen, um Dr. Herzl zu empfangen. Ich kletterte auf eine große Mauer, die am Hafen lag, und schaute in die Ferne, bis ich den Rauch des Schiffes sah und dann auch das Schiff selbst. Das Schiff näherte sich allmählich. Meistens ist das Meer unruhig im Hafen von Jaffa; diesmal war es ruhig. Ich sah die Boote, die vom Schiff zum Hafen kamen, und strengte meine Augen an, um zu sehen, in welchem Boot Dr. Herzl fuhr. Aber wegen der Entfernung sah ich nicht deutlich. Ich sah Dr. Herzl, als er schon am andern Ufer war und in den Wagen stieg. Als ich ihn sah, seine stolze Figur, die wie eine königliche Gestalt aussah, mit dem langen schwärzen Bart, mit den schönen Augen, deren weiter Blick nach jener Ecke gerichtet war, wo eine Gruppe von Juden aus Jerusalern stand — fing mein Herz an zu zittern, und Tränen kamen in meine Augen. Ich sah auch Tränen in den Augen der Juden, der alten und jungen, die um mich standen. Ich betrachtete Herd, der seine Blicke von uns lange nicht abwandte. Als er sich mit seinen Begleitern in den Wagen setzte und abfuhr, erhoben die Juden ihre Augen gegen den Himmel und sprachen laut: •״Wlf (der uns am Leben erhalten). דמץ * Aus dem Hebräischen übersetzt von F. R. J Jüüri-Poleskift Zwei Agadoth Von Ch. N. Bialik») David der Meistersänger Der König David hatte eine Zither, die über seinem Bett, gegenüber den Fenstern, hing. Wenn die Mitternacht kam und ein leiser Nordwind wehte, berührte er die Saiten, und die Zither begann von selbst zu spiden. Dann pflegte David aufzustehen und seine Seele i!1 Liedern und Psalmen zu ergießen. Sein Lobgesang stieg zu Gott, zusammen mit dem Lobgesang der Sterne auf. Das dauerte immer bis zum Morgenrot Dann kamen zu David die Aeltesten des Volkes und seine Fürsten und trugen ihm die Nöte des Volkes vor. Und sobald die Sonne ihre ersten Strahlen schickte, stand David schon an der Spitze seiner Helden, mächtig und gewaltig wie ein Lowe in einer Herde junger Löwen, und seine Heere freuten sich, in den Kampf zu ziehen. David verbrachte seine Tage mit Heldentaten und die Nächte mit Lied und Gesang. Da§ war seine Lebensweise. Eines Tages ging David auf dem Feld spazieren. Er war guter Dinge und erinnerte sich aller Gesänge, die er Gott sein ganzes Leben lang gesungen hat. Stolz auf sich, sprach er: ״Ewiger, gibt es denn ein Geschöpf auf Erden, das Dir so viel sang wie ich?״ Kaum hatte er geendet, da sprang ein Frosch aus einem Teich und sprach: ״Sei nicht stolz, David. Meine Lieder waren stärker als deine.“ David, die Hornisse und die Spinne Eines Tages saß David in seinem Garten und sah, wie eine Hornisse eine Spinne fraß. Er sprach: ״Ewiger, warum hast Du diese beiden vergeblich geschaffen? Die Hornisse verdirbt den Honig, macht ihn aber nicht, die Spinne webt das!ganze Jahr, aber aus ihrem Gewebe entsteht kein Kleid. Web ches ist ihr Nutzen und ihr Zweck?“ Da vernahm er plötzlich die Stimme Gottes: ״David, du verachtest meine Geschöpfe! Es wird ein Tag kommen, und Hie werden dir große Rettung bringen. Dann wirst du erkenneu, daß ich nichts unnütz geschaffen habe.־“ Es vergingen nur wenige Tage, da floh David vor dem König Saul, denn Saul trachtete nach seinem Leben. David versteckte sich in einer Höhle in der Wüste. Gott bereitete für eine Spinne vor. Diese wob ihr Gewebe am Eingang der Höhle und schloß sie. Saul kam mit seiner Mannschaft vorbei. Einer sprach: ״Wir wollen in die Höhle Wneingehen Und sie durchsuchen. Vielleicht versteckt sich David in ihr.״ Ein anderer sprach: ״Siehst du nicht das Spinngewebe am Eingang? Es ist ganz. Wenn ein Mensch da hineingegangen wäre, wären doch die Spinnfäden zerrissen. Ein Beweis, daß Sie leer ist.“ So zogen sie fort, ohne in die Höhle einzutreten. David aber lag in der Höhle und hörte ihre Worte. Als sich die Verfolger entfernten, kam er aus seinem Versteck und sah die Rettung, die ihm die Spinne brachte. Er segnete sie und sprach: ״Gesegnet sei dein Schöpfe”, gesegnet ®ei auch du. Spinne!״ Nach diesem Begebnis verfolgte Saul noch immer David. Einet Tages horte David, Saul und seine Mannschaft »eien *) Aus:.ובמומו vm ממלך חד Von Cfa. h. Bialik. — Vertag ״Dwir*. TeLAwiw. in die Wüste gekommen. Er erfuhr die Stelle, wo sie lagentenf kam dorthin und fand Saul schlafend. Sein Spieß steckte in der Erde und seine Wasserflasche lag zu seinen Häupten. Abu er und das Volk lagen um ihn. David schlich sich ganz leise heran. Auf einmal sah er, daß Abners Beine im Schlafe wie zwei Säulen emporgerichtet waren, denn er war sehr groß. David schritt durch sie hindurch, wie man durch Pfosten eines Tores geht. Er kam ins Lager and nahm den Spieß und die Wasserflasche zu Häupten Sauls. Niemand sah es und mußte davon. Keiner erwachte, denn sie schliefen alle einen tiefen Schlaf. Nun wollte er zurück, da dehnte Abu er seine Beine und bedeckte mit ihnen David. Wie zwei Balken lasteten sie auf ihm, und er wurde beinahe erdrückt, ln seiner Not rief David zu Gott Da kam eine Hornisse und stach Abner in das Bein. Er richtete seine Beine wieder aut, und David kam unversehrt heraus. Da erkannte David, daß es kein unnützes Ding in der Schöpfung Gottes gibt Es kommt auch vor, daß die Spinne sein Bote ist und die Hornisse sein Wort erfüllt. Vebersetet am dem Hebräischem von F. R* Bialiks Gedichte In den letzten zwei Jahren, d. h. in der Zeit, in der ich in Palästina lebe, las ich viele Gedichte von Bialik. Das Ge» dicht: ״מתי מדבר האמרתים:״ gefiel mir am meisten. Auch andere Gedichte, wie z. B. אגרת?ןרנוד* oder 3ר0ו1 עם״* sind sehr schön. Doch in diesen Gedichten verstehe ich den Dichter nicht genügend. Ich stelle mir nicht dessen Gedanken vor zur Zeit, als er sie schrieb. Aber in dem Gedicht: ״Die letzten Toten der Wüste“ verstehe ich nicht nur die Gedanken des Dichters, sondern das Gedicht läßt vor mir die ganze Galuth entstehen. Sah ich doch selbst einen großen Teil der Oahith, die Bialik schildert. Auch die Zukunft des Volkes Israel sehe ich vor^mir: ״Und die Sonne wird sich freuen, ihr Licht zum erstenmal in das Gesicht der kräftigen Generation m schicken“. Steht doch der große Fortschritt im Aufbau des Landes vor mir und gibt mir die Möglichkeit, seine Zukunft mit der in dem Gedichte . in das ich mich so vertiefen 1find an dem ich mich so ergötzen konnte. Mirjam Kaplan (14y2 Jahre), Jerusalcm-Rechavia Richard Beer-Hofmatm, der Dichter von ״Jaakobs Traum“, der euch allen sicher bekannt ist, wird am 11. Juli 70 Jahre alt fOi* ^ra-hdieAcr. Franz Auerbach, LaKemburg. — Josef Gold Schmidt, Fulda. — Fugen Grylak, Magdeburg. — D. Hochstein, Köln- —• Alfred Kahn, Beilin. — Manfred Lederberger, Hamburg. — Kurt Löwenstein, Berlin. — Hein* Meyer, Dresden. — Siegmund Weißmann, Hagen. DU nächste Kindct-iluncUcUau■ «wdernt mm Freitag, dem 24. Jmli, Redaktion*־ ־« י*—*— -. - ■ - * -—JE—Ift