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Jüdische Rundschau · 1936-07-10 · Heft 55 (10.7.1936) · page 14

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 55 (10.7.1936)
Date
1936-07-10
Page
– (sequence 14)
Language
German
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4 ו *>♦׳״$ JÜDISCHESUNDSCHAO Nr. 55 TO. VII. 1936 Vorstoß Lord Islingtons für eine arabische Lösung des Palästina-Problems und der öffentlichen Hand verlangen, wenn sie rasch einer Lösung entgegengeführt werden sollen. Unmittelbar klar begrenzte Aufgaben sind zu bewältigen, wie die Unterbringung der Flüchtlinge, die behaust und mit Möglichkeiten des eigenen Unterhaltes verseilen werden müssen. Das ist nicht nur entscheidend für die Flüchtlinge selbst, sondern für die öffentlichen Kassen und für den Arbeitsmarkt, auf den sie drücken. Es wird weiterhin notwendig sein, das Wirtschafts• leben, sobald sich die allgemeine Lage klärt, wieder in nor• male Bahnen zu führen und seinen Ablauf, der sich verlangsamt hat, wieder zu beschleunigen. Hierbei sind nicht nur die in Palästina zusamniengeballten ökonomischen Kräfte notwendig, sondern ebenso die der Galuth, für die heute Palästina in erster Linie kämpft. Palästina hat sich — das Fehlen einer nennenswerten Kapitalflucht und die Behauptung der Effekten im Kurse haben es bewiesen — auch ökonomisch kaltblütig und ausdauernd gezeigt. Es wird jetzt darauf ankommen, daß die Juden in der Galuth ebenso ihren Mann stehen und dem Lande — in der Lieferung von Geldern für die öffentlichen Kassen und in der weiteren Investition von Privatkapital — die nötigen Mittel für eine Ueberwindung der Unruhehemmungen zur Verfügung stellen. Noch eine Nachbemerkung sei dieser Skizze angefügt: Zu einer wirtschaftlichen Ucbersicht Palästinas im gegenwärtigen Moment gehört naturgemäß auch eine Schätzung der arabischen Wirtschaftslage und der Einfluß der Unruhen auf die Regierungskasse. Beide lassen sich im Moment noch nicht liefern, weil es unmöglich ist, von jüdischer Seite das entsprechende Material zu erhalten. Sicher ist schon heute, daß die ökonomischen Schäden der Araber in den letzten Monaten sehr große sind, daß naturgemäß dieser Teil der palästinensischen Wirtschaft weit schwerer betroffen ist als der jüdische. Die einzelnen Aus- Wirkungen lassen sich jedoch noch nicht übersehen. Und während man allgemein sagen kann, daß die Linnahmen der Regierung in den letzten Monaten gefallen, ihre Ausgaben dagegen gestiegen sind, ist auch über dieses Gebiet näheres heute nicht au-zu-agon. Fine Zusammenfassung der drei Sektoren würde jedoch erst ein allgemeines Bild der r>alästiiiawirtiL'haft im gegenwärtigen Moment ergeben Und noch eines: die Unruhen und der Streik sind nicht abgeschlossen und die Dinge sind im Fluß. Auch auf wirtschaftlichem Gebiet wird viel davon abhangen, wann es gelingt, eine Pazifizierung des Landes durchzuführen. Einer der Führer der araberfreu ndlfehen ant i zionistischen Gruppe des englischen Parlaments, Lord Islington, der bereits im Jahre 1022, noch vor der Bestätigung des Palästina-Mandats durch den Völkerbund, im englischen Oberhaus einen antizionistischen Vorstoß machte, der damals auch eine erhebliche Zufallsmehrheit fand, eröffnet jetzt wieder eine Kampagne durch einen Brief an die 1״ i in e >", den dieses Blatt am 7. d. M. veröffentlicht. Lord Islington erinnert an die erwähnte antizionistische Resolution des Oberhauses vom Jahre 1922 und führt aus, es scheine, daß die Mehrheit der Regierungsmitgiieder, das Parlament und ein großer Teil der Presse unter dem Einfluß der 7.10nistischcn Politik nicht die Wirkung beachte, die diese Politik auf die arabische Gemeinschaft habe. Angesichts des gewaltigen Anwachsens der jüdischen Bevölkerung sei es absurd und offensichtlich unwahr zu sagen, wie oft behauptet wird, daß die Explosion in Palästina auf eine Handvoll arabischer Desperados und Mörder beschränkt sei. Die Unruhe ist der Ausdruck einer allgemeinen Erbittcrung, uie vom gesamt חי arabischen Volk geteilt wird. Die Araber glauben mit Recht, daß seit dem Inkrafttreten des Mandats ihnen als Volk Geht Gleichberechtigung mit den Juden zuteil geworden ist. Auf dem Papier verspreche das Mandat Gerechtigkeit, in der Praxis gebe es den Juden eine Vorzugsstellung. Die Politik der starken Hand und die Verweigerung der Anhörung von Klagen sei nicht weise oder geeignet, den Frieden zu bringen. D>c wirkliche Ursache des Aufstandes müsse, von einem unparteiischen Tribunal geprüft werden. Dieses Tribunal sollte sofort eingesetzt werden, zahlenmäßig beschränkt sein, unparteiisch, und vor allem müssen seine Entscheidungen von der Regierung verwirklicht werden. Die Ratschläge der früheren Kommissionen seien unbeachtet geblieben. Je länger man die Untersuchung hinauszögere, 11m so länger würde die Unruhe dauern. Der Schreiber betont, daß er keineswegs von anfijüdischen Motiven beseelt sei, und er erinnert daran, daß während des Krieges, als Balfour seine Vorschläge dem Kabinett vorlegte, ein jüdisches Kabinettsmitglied, Edvin Montag 11, der damalige Staatssekretär für Indien, es war, der den Vorschlagen Baifours leidenschaftlich entgegentrat, weil er wußle, welche Folgen es haben müsse, wenn England sich in eine Politik einläßt, die die Rassenfrage im Orient aktuell macht. (Lord Islington war s. Zt. Unterstaatssekretär für Indien). Lord Islington schließt mit folgenden Vorschlägen: Das Experiment der jüdischen Einwanderung in großem Maßstabe hat es nun schwierig, wenn überhaupt ausführbar gemacht, sie zu begrenzen. Was untersucht und, wenn ausführbar, eingerichtet werden muß, ist ein System der T rennung der Völker in Palästina, so daß gewisse Gebiete entweder der jüdischen oder arabischen Kolonisation treigegeben werden. Die Mandatarinacht müsse ihre Auf merksamkeit darauf lenken, daß diejenigen, die ausgesiedelt wurden, angemessen entschädigt oder für eine andere Ansiedlung vorgesehen werden, um so eine Wiederkehr der landlosen Araber zu verhüten, die durch jüdische Landkäufer ihre Be- Sitzungen verloren haben. Man dürfe nicht vergessen, dafl Orob-ßritannicn das größte moslemische Reich der Welt sei. Die von ihm vorgeschlagencn Maßnahmen, so schließt Lord Islington, brauchen nicht Feindschaft gegen die Juden zu bedeuten. Es ist anzunehmen, daß die Zuschrift Lord Islingtons eine entsprechende Erwiderung finden wird. Der Schreiber wiederholt manche längst widerlegten Tatsachen (z. B. der ,,landlosen Araber“) und oft gebrauchte Argumente. Vielleicht scheu manche Engländer, von den Schwierigkeiten Palästinas erschreckt, in einer solchen Haltung einen leichteren Weg, es muß jedoch mit allem Nachdruck betont werden, daß die von Lord Islington vorgeschlagene Haltung in vollem Widerspruch zu den englischen Versprechungen und auch zu den tatsächlichen Interessen Englands steht. England hat sein Wort verpfändet, und zahlreiche Ausführungen englischer Staatsmänner gerade aus der letzten Zeit beweisen, daß die Engländer die Notwendigkeit einer Lösung der Judenfrage cinsehen. Wenn auch die berechtigten Forderungen der Araber voh berücksichtigt werden sollen, so ist in einem solchen Fall, wie Palästina ihn darstellt, eine wirkliche Lösung nur durch eine Politik möglich, die die Erfordernisse beider Völker produktiv miteinander verbindet, nicht aber durch ein Abschneiden des l.ehensfadens für eine Bevölkerung, die i in Vertrauen auf England nach Palästina gekommen ist, und für ein Volk, das durch die Hoffnung auf Palästina vor der letzten Verzweiflung hewahrt worden ist. Rundfunkrede Sir Arthur Wauchopes Der Obcrkommissar hielt am 7. Juli, abends, eine Rundtunk rede, die durch den Jerusalemer Sender verbreitet wurde. Er sagte, daß der Zweck seiner Ansprache sei, aut die Folgen der Unruhen hinzuweisen, die anscheinend nicht genügend verstanden werden. Die Regierung gebrauche Gewalt nicht leichtfertig und ohne Rücksicht auf die Leiden, die dadurch verursacht werden; es dürfe jedoch kein Zweifel darüber gelassen werden, daß es einer Regierung erste und wesentlichste Pflicht ist, Leben und Eigentum zu schützen. Es sei aus diesem Grunde notwendig, die Militärgewalt solange in Anwendung zu bringen, bis das Ziel erreicht ist. Mögen Sabotageakte, Morde und das Schießen auf Militär für eine gewisse Zeit auch!ortgesetzt werden; der Ausgang sei doch sicher, fm Notfälle werden die Truppen noch weiter verstärkt werden, bis öffentliche Ruhe, und Ord- ׳uing wieder herrschen. Der Obcrkommissar appellierte an die öffentliche Meinung, die Verbrechen, Gewalttätigkeit und Einschüchterung zu verurteilen und die falschen Darsteilungen autzudecken, denn die Fortsetzung der Gewaltakte würde keinen anderen Zweck als die Verstärkung der Leiden von unschuldigen Menschen erreichen. Er erinnerte an die Ver- Sicherung des Kolonien mini sters, daß die Königliche Untersuchungskommission eine unparteiische und mit der nötigen Autorität ausgestattete Körperschaff sein wird, die die Ursachen der Unruhen und alle ihr unterbreiteten Beschwerden einer gründlichen Prüfung unterziehen wird. Die Regierung werde bestrebt sein, einen Bericht zfu bekommen, an Hand dessen es ihr möglich sein wird, sämtlichen Bevölkerungsteilen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Der Oberkommissar zählte die bisherigen Folgen der Unruhen auf: erstens seien die finanziellen Mittel der Regierung schwer betroffen worden, woraus sich die Notwendigkeit ergebe, anstatt der früheren beträchtlichen Verringerung die B 0 d e n s t e u e r n w i c d e r zu erhöhen; zweitens sei es den Kauern unmöglich gemacht worden, ihre Ernte zu verkaufen, was zu Not und Entbehrungen führen müsse, die die daran Schuldtragcndeii nicht zu berücksichtigen scheinen; drittens sei die Landbevölkerung von me- <1 i z i ח i s c h e r Hilfe in den Städten abgeschnitten. Als Beispiel führte der Obcrkommissar die St. John Augenklinik an, wo gegenwärtig nur der vierte Teil der normalen Anzahl von Patienten behandelt werde; dies bedeute, daß viele Kinder, deren Augenlicht durch Behandlung gerettet werden könnte, für immer erblinden, falls die Unruhen nicht auf hören. Zum Schluß appellierte Sir Arthur Wauchope an alle, Männer und Frauen, die Regierung zu unterstützen und die öffentliche Meinung zu stärken, damit die Unruhen, die soviel Not und Leiden über das Land bringen, bald beendet werden, (Paleor.) In einer Sitzung des arabischen Obersten Komitees wurde eine Resolution angenommen, in der Protest eingelegt wird 1. gegen die Rundfunkrede des High Commissioner, 2. gegen die Intervention des eng- Eschen Gesandten im Irak, derzufolge der Plan einer Delegation vom Irak nach Palästina scheiterte; 3. gegen die ״brutalen Kampfmethoden“ des Militärs. Oberrichter gegen Regierung Die Motive der Sprengung der Jaffaer Altstadt Die Verwaltung Jerusalems Von unserem Korrespondenten gl. Jerusalem, Anfang Juli Die jüdischen S t a d 1 r ä t c von Jerusalem haben ein Memorandum an die Regierung gelichtet, das die Lage in der Verwaltung der I lauptstadt von neuem bcleuchtet. Die Situation in Jerusalem ist einigermaßen kurios. Die Stadtverwaltung streikt nicht offiziell, wie etwa die von Nablus oder Dschenin, aber der Apparat funktioniert andererseits auch keineswegs normal. Man wird sich er- Innern, daß der Bürgermeister der Stadt, Dr. Kaldi, der aktiv zur arabischen Bewegung gehört, in große Schwicrigkeiten geriet, weil eben seine Stellung als Haupt einer Stadt mit jüdischer Mehrheit und seine Aktionen für den Streik unvereinbar waren. Die Dinge haben sich in der Munizipalität durch mehr als zwei Monate irgendwie hingezogen, jetzt aber haben sich die jüdischen Stadträte entschlossen, der Regierung nochmals die Lage zu schildern und Notmaßnahmen zu verlangen, in dem Memorandum wird dargestellt, daß vier der arabischen Stadtrate seit Streikbeginn sich nicht aktiv am Stadtrat beteiligen, daß einer der jüdischen Rate seinen Wohnsitz in Tel- Awiw hat und wegen der Unruhen im Lande schlecht die häufigen Reisen nach Jerusalem unternehmen kann und daß schließlich Dr. Kaldi nur in langen und sehr unrcgclmäßigen Abständen die Sitzungen des Rates einberuft. Diese sind zudem, da sich nur die Juden und der Bürgermeister beteiligen, nicht vollzählig und erreichen nicht das Quorum von sieben, das zu Beschlußfassungen notig ist. Ls wird daher verlangt, dieses Q u o r u m auf fünf fcstzusetz e n, was den Stadtrat wieder aktioii.-d.diig machen würde. Es ist interessant, daß bereits einmal in der Geschichte Jerusalems ein solcher Beschluß von der Regierung gefaßt wurde, als nämlich als folge der scharfen Unstimmigkeiten unter dem Regime Naschaschihis die jüdischen Stadträte ihre Aemter nicderlegien und dadurch die Munizipalität das gesetzmäßige Quorum nicht mehr besaß. Die Stellung der Regierung in diesem Punkte Dt ein politischer Prüfstein und zugleich hängt von ihr die Regelung wichtiger öffentlicher Dienste in der Hauptstadt ab. Die englischer! Luftstreitkräfte in Palästina In der Londoner Luftfahrt/citschnit ״F fi g 111״ erschien unter dem Titel ״Die Luftverteidigung des Empire“ ein Berieht über die Arbeit der Royal Air Force 11. a. auch in Palästina und Transjorda/iieu. Das Hauptquartier der Britischen LufUtreitkräfte unter dem Befehl des Vize-Luftmarschalls R. L. C. Pcirse befindet sich in Jerusalem. Diesem Kommando unterstehen: die Rovai Air Force Station in Ramleh, mit einer Abteilung der ö. Llugstaffel (Farey Gordon Zweisitzer), mit der 2. Panzerwagenkompanie und einer meteorologischen Station, außerdem das allgemeine Krankenhaus und das Depot der Luftstreitkräftc in Sarafcnd. Weiter unterstehen dem Kommando: die Royal Air Force Station in Amman mit der 14. Bomberstaffel und einer meteorologischen Station, und eine Abteilung Panzerwagen- Kompanie in Maan. Palästina und Transjordanien sind seit 1924 unter Kontrolle der Royal Air Force. Größere Operationen waren während dieser Zeit nicht nötig, jedoch gab cs viele Raubzüge über die Grenze, die in gemeinsamen Aktionen bekämpft werden mußten. Die Royal Air Force hilft auch oft beim Auffinden und Zurückbringen von Reisenden, die ihren Weg in den einsamen Teilen des Landes verloren haben. Das Flüchtlings-Problem Zur Frage der Flüchtlinge in Tel-Awiw erfährt «Me Paleor, daß auf Anregung der Jewish Agency, die sich der allzu drastischen Liquidierung des Problems widersetzte, der Oberkommbcar sich mit der Schaffung eines Komitees, das aus Vertretern der Regierung, des Waad Leumi und der Tel-Awiwer Stadtverwaltung bestehen und die Frqge prüfen soll, einverstanden erklärt hat. Dr. Wald, Angestellter im Tel-Awiwcr Magistrat, hat dem Keren Kajenieth eine Spende für die Pflanzung von Bäumen übergeben, die auf die Namen von Sigrist b/w. des Seaforth Highlander Regiments, das zwei Gefallene zu beklagen hat, angcpflanzt werden sollen. Großes Aufsehen erregte in der palästinensischen Oeffentlichkcit eine scharfe Aeußcning des palästinensischen Oberrichters Mc Don eil gegen die Regierung. Es ist seit langem bekannt, daß der Oberrichter Palästinas eine etwas abseitige Haltung einnimmt und auch der Grundlage der englischen Palästina-Politik kritisch gegeniibersteht. Nun ist es gelegentlich eines Urteils, das mit der Sprengung der Altstadt in Jaffa zusammenhängt, zu einem abrupten Ausbruch dieser Stimmung gekommen. Ein Hausbesitzer in Jaffa batte gegen die geplante Demolierung seines Hauses in der Altstadt Einspruch eingelegt, der auch von der unteren Instanz als berechtigt anerkann! wurde. Die Sache kam nun vor den Obersten Gerieht shof, der besetzt war von dem Oberrichter Sir Michael McDonell und dem Richter Manning. fas Obergericlit hob die Entscheidung der unteren Instanz aul, da juristisch die Demolierung gemäß Artikel 5 des angeführten Palästina-Verteidigungsgesetzes zulässig sei. Zugleich aber wandte sich der Gerichtshol gegen den ,,einzigen vervverflichen Mangel an moralische in Mut“, den die Regierung in dieser Sache bewiesen habe. Es stehe im Widerspruch mit jeder Gerechtigkeit, wenn eine Regierung versucht, Sand in die Augen der Bevölkerung zu streuen, indem sie angibt, daß ihre Maßnahmen mit ästhetischen oder philanthropischen Motiven, wie Verschönerung oder Sanierung der Stadt, Zusammenhängen, statt offen und wahrheitsgemäß zu sagen, daß cs sich um Maßnahmen für die Verteidigung handelt, die den militärischen Kräften einen leichteren Zutritt zu den sonst unübersichtlichen und übervölkerten Stadtgebieten schaffen soll. Es stünde im Widerspruch mit der Gerechtigkeit, wenn der Oberste Gerichtshot in einem solchen Falle nicht offen seine Meinung sagte. Die Regierung muß bei Ausübung ihrer Macht immer ehrlich sein, und bei der Anwendung von Ausnahme-Maßnahmen, wie den durch das erwähnte Gesetz ermöglichen, ist ein Mangel an dieser Ehrlichkeit besonders zu bedauern. Zu dieser Entscheidung des Obersten Gerichtshofes nimmt die in Jerusalem in englischer Sprache erscheinende Zeitung ״Pa lest ine Post“ in einem Leitartikel Stellung, der uns durch Paleor übermittelt wird. Das Blatt schreibt, der Verweis, den der Oberrichter für Palästina der Regierung erteilt habe, sei einzigartig in seiner Schärfe. Das Gericht bestreite nicht die Gesetzlichkeit der Demolierung, denn in der Begründung des Urteils werde unzweideutig erklärt, daß wenn die Regierung von Anbeginn an die wahren Gründe angegeben hätte, die Maßnahme nicht verboten worden wäre. Wie sehr überrascht und verwirrt — um die Worte des Oberriehters zu gebrauchen — die Hausbesitzer von Jaffa auch sein mögen, so sei es der Oeffcntlichkcit immer klar gewesen, daß Jaffa seit Anfang der Unruhen einen besonders gefährliehen Punkt dargestellt habe. Die Notstands-Bestimmungen ermächtigen die Regierung, Häuser, aus denen geschossen wird, niederzulcgen. Das Versüßen der Pille sei Teil der Politik der Regierung; ihr Verhalten in der Angelegenheit der Demolierung sei von derselben Absicht diktiert gewesen wie seinerzeit die Ankündigung betreffend die Benüfzung von Tränengas, begleitet von der beruhigenden Mitteilung, daß das Gas harmlos sei. Während es sich rechtfertigen lasse, daß die Regierung auf die Notwendigkeit verwiesen wird, ihre Gegner ohne Handschuhe anz.ugreifen, so sei es doch etwas ganz anderes, die Regierung durch öt feilt liehe Brandmarkung ihres Verhaltens als feig und heuchlerisch der Verachtung preiszugeben, und dies zu einer Zeit, wo sie im schweren Kampf für die Sicherheit und das zukünftige Wohlergehen des Laudes begriffen ist. Es sei zu befürchten, daß die an der Regierung geübte so scharfe Kritik nicht dem Interesse der A i I g e m ein heit dienen wird. Das Urteil sei geeignet, die Entschlossenheit der Regierung, radikal vorzugehen, zu schwächen. Das Gericht habe sich in der gegenwärtigen ernsten Krise nicht gerade hilfreich erwiesen. Die Unruhen und die «luden in Syrien Damaskus, 7. Juli. (JTA.) Die Juden ln Danus■ k u s sind infolge der in der Stadt wegen der Vorgänge in Palästina herrschenden gereizten Stimmung dauernd der Oefahr von Angriffen und Ueberfäilen, insbesondere in den Cafühäusern, ausgesetzt. Es ist bezeichnend, daß alle Juden jetzt den Fez tragen und es vermeiden, nach Einbruch der Dunkelheit auszugehen. Aus Aleppo wird gemeldet, daß die dortige jüdische Gemeinde ein Telegramm an die französische Regierung gerichtet hat, in dem sie die Forderungen der syrischen Ara* ber unterstützt.

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