Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 55 (10.7.1936)
- Date
- 1936-07-10
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr, 55. 10. VI'. 1936 Hand über die Anucti wischt, plötzlich alle zur Seite fegt, aufschreit, warum Tarkuh nicht bei Ma.icha blieb, sich ratlos umsieht: ״Was hat keiner Mut zu sagen?“ Und wie er dann die Nachricht erfahrt, zusammenbrk'lit, mit kaum bewegten Lippen von neuem fragt, ans dem todesmatten Boten mit leeren Augen die Geschichte von Maschas Tode herausfragt, verzweifelt aufstöhnt, als Tarkuh von der Einbalsamierung berichtet: ,,Das — das dir — mein Armes!“ Und sofort darauf die feierlich, jubelnden Tubarufe, die lanzenhohen Fackeln und von allen Seiten der dröhnende Antrag, mit dem sie auf David einstiirmen: die Krone anzunehmen. Ward je in solcher Laun’ ein König gekrönt? Und wie David ablchnt, immer wieder, er ist zu wund, ״ein wundes Tier darf sich vor• kriechen“, bis dann ״der Alte“ kommt, der Namenlose, der Ruhige, Bestimmte, gegen den sich David nicht wehren kann, wie er’s auch versucht: ״Spinn mich nicht ein mit deinen Dunkelworten —dieser Alte, Verhaltene, der ge• heimnisvoll mehr ist als irgendein Greis: Steh i e h tlcnu hier;׳! liier stehen i.un-lert Jahre deines Vulka — Kein en1z\HN 1uh.vr.111, v! rstöri ein jetkvi V״n l’liii, ׳_׳, Bi.1111־. versehleppten Krauen, Kindern — — liier knien hu:nk־s! Jahre Hannen, 1 lohen — jagst hu sie ior! — weil heut dir Weh ^esehahi׳! Immer heller wird die Stimme des Alten: ״Du bist nicht dein! — ein Volk hat dich erträumt!“ Und dann das grandiose Finale, wie Ruth, die Ahnin des Geschlechts, erscheint und David endlich die Krone tragen w i 11, — so wie er jetzt zum Beginn dieses Vorspiels auf dem Theater in einer verdämmernden rraumvixkm vor uns stellt: Vtnt.G! ■׳ ht \.-n 11.firn, Jg!v! gi־' un׳l Kufen — Kn־l hi1ח r:!!!!ח, u!1־׳׳n1 tun- ׳;kun;ini den Stufen, M ׳ui1!!; ־ aiף!!;;!!י .׳1 >- ■.׳ k| ־־ Kuih! Mit dieseti Versen, deren ItcII und dunkel wundersam tönende Vokale selbst Musik sind, beginnt hier der Prolog seine erklärende Aufgabe, und wir horchen auf, denn es ist tun gewachsener .Mensch, der da neu beginnt. Dieser Prolog, nein, nicht dic-er — es ist jetzt zwanzig Jahre her, daß lk.׳er-I!iifmann etwas ähnliches begann, daß er eine solche Vorrede und Vermittlung zwischen der Handlung von ״Jaäkohs Traum“ und der \o!11 ״Jungen David“ entwarf, eine Art Ballade, einstimmig, im Rhythmus und Tonfall beinahe an den ergreifenden Schhißgesang aus l.enaus Albigensern gemahnend, innen Bericht vom Leben der Urväter bis zu den Richten!: V1W11 ׳.in. än nun cm Gr. hlrrte, Ta״ lut v< rgcsxen, M r ,!e V!:/1 ,u 1:n י K;.c׳ hu.׳ i״e n innrer ,V ׳!, Ter lli'RR Volk h׳׳i nu •gi lul;rt ■— nul. Hügeln Aul all■ :1!!.■!ו:•״, iiicei g 1 ui!, n Ha!;!neu, 1 lieh! e. H.U., «.,!/.• Uhl v1״ A-uu.ll, . — t ui *huu. v.gi U, 1 lil-.KK ״■di si in ii'emwn, AuiHeu. l׳.r Ibd.'i! —!neuer imhr und mehr, I .י zu cru"י!■,!״ ,ier l'iundnr!•'!ן•״ .... Dieser erste Prolog des Entwurfs von 1916, ״eine schlanke, noch junge, ernste, schöne Frau״, traf vor den Vorhang und sprach. Der neue Prolog von 1936 spricht und handelt, dies neue Vorspiel ist vielstimmig, vielschichtig, vielgesichtig. Das Bild vom jungen David erlischt sogleich wieder, eintöniger, kurz-st,impfender?hing ertönt, die Davids* bürg, wie sie gebaut wird, erscheint: ״Es wächst auf Zions Hohe, Davids Stadt“, und der Prolog wendet sich, wenn er die alten Namen nennt, ״verbindlieh zu den Zuhörern“, um ihnen wie im Vertrauen zu bedeuten, wie diese Namen einst, später, jetzt heißen werden, das Jerusalemsbild erlischt. Ein Knab c ruft den Prolog, und wenn wir noch eben im dunklen Glanze jener davidischcn Jahrtausendwett zu sein glaubten, so sehen wir nun anmutig unvermutet eine neue Lehensschicht hineingetragen: der Knabe von heute steht hier wie am Ssedcrahend der jüngste (iegenwartsmensch mitlebend, weil fragend, mitten in der Geschichte vom Auszug der Kinder Israels aus Acgvpten: l!׳'i ö־׳r 1!!׳! I! :.'!Cie i ■! 111• in V,:׳■>׳,!!ml 1|;1 darf h h — ".1׳״ m.11• nl!.' ■I.e! —: l׳.t1־ drin E, 1״ wchrmann stehn Lud duu i! eni 1 du idorh .!!!{ 1!!t׳ buhnc arbn Der Knabe fragt — nach dem Knaben, der David ״treu war wie ein Hund“: ..sag, lebt der noch?" Ja, dieser Treue ist Uriah, längst 1 latiptmanii nun im Heer, und Llischcbas Tochter Bath-Seha ist Drialts Weil): und in diesem mir erst berichtenden, noch nichts als Namen gebenden, leichten Gcsprach, den Antworten des Prologs auf die kindlichen kragen, wetterleuchtet schon die künftige 'Tragödie auf. Aber als sahen es nur gerade die Menschen auf der Buhne nicht, als wußte es der Dichter noch nicht, geht!Jas Tragen und Ant- Worten heiter von N'aimii zu Namen über, der Knabe wird sicherer, kritisiert, schüttelt den Kopf: ,,/.u wenig zeigt inan hier!" Und /;ihlt frischweg die ergiebigsten Szenen der Historie auf, die sich der Dichter hnf entgehen lassen; und wahrhaftig, er hat recht, es siiul die Szenen, die jeder andere aufgegriffen hat, mit deren Darstellungen in Poesie und Prosa, Oel und Paste!! und Zeichnungen man ganze Bibliothcken und Museen füllen könnte: David, zu Schat'tls Füßen Harfe spielend, die Hexe von Fmlor, Davids Kampf mit dem Riesen Goliath ... Könnte man das nicht noch nachträglich sehen?,,Man könnt es — sieh!“ lächelt der Prolog und malt mit ein paar Worten den Knaben David, wie er die Schleuder spannt, aber damit ist des Spiels genug, der Prolog wird heilig ernst: es geht hier um kein Schaustück noch ״trügerische Leinwand-Pracht“: Aas Wort — uns Wort allein muß attsgehn alle Kraft, Die Wolke, Weiter, Lieht und Finster schafft! Wort muß (null zwingen, selber Fels zu nirmen, Meer zu crschutin, Flut. Wogen, Branden. Stürmen, — Wort mit ottrh ganz allein in tiefer Einsamkeit Spricht: ״W erde — und um euch wird Raum, wird Zeit! Niemanden buun liend, nackt, aut sich aikin gestellt, Muß Wort neu schaffen S!lieht des Scheines dieser Welt! Und während die traumhafte Szene sich von neuem wandelt, hallen noch diese Verse in uns nach, in denen mit epigrammatischer Schärfe und Härte das Programm aller reinen, hohen, dichterischen Kunst überhaupt und ein für alle Male gegeben isf, und wir fühlen, daß wir an eilten ersten Höhepunkt dieses kurzen Werkes gekommen sind, während wir noch nachträglich lächeln, weil es gerade, welch feiner Zug, ein Kind sein mußte, das unseres Dichters Verzicht auf die ״großen“ Szenen kritisierte. Mit diesem Verzichten hatte sich Beer-Hofmann von Anfang an außerhalb aller Reihen gestellt, und so konnte er 1901־, nach der Berliner Aufführung seines ״Graf von Charolais“ einen Brief mit folgenden Sätzen bekommen: . Die Pause zwischen dem vierten und fünften Akt, die Selbstvcrsändlichkeit, mit der Sie über das Entscheidende, das doch nur ein Zufälliges wäre, wenn int Leben nicht die Oberfläche Aus Beer-Hofinanns jüngster Dichtung Wir bringen nachstehend mit Genehmigung des Dichten den Sdilußicil des (von Leo Hirsch an anderer Stelle des Blattes besprochenen) Vorspiels mm Abdrude PROLOG hebt, anbetend, die Hände Hör׳ mich, mein David, du, dess' Antlitz leuchte» In Fenstern, bunt, durchströmt von Sonnenflut - Dess׳ Wort verliehen Macht, Jahrtausend um Jahrtausend, Geschlechtern um Geschlechtern, Trost zu spenden, Dess׳ Psalter widerhallt öhn Unterlaß Von hoher Dome Wölbung, niedrer Kirchlein Winden — Nach dir genannt die falbe schlanke Drossel, Die Jubelnd, schluchzend, grübt des Morgens Nahn - Genannt nach deiner Harfe, Muscheln, rasig Umhauchte Wunder In des Südens Ozean — Dringender Chöre Psalmodieren entfeucht Dein Name, steigt, rauschenden FlQgeUdilags, zur Höh - Glühend, In silbern schwingendem Gerlt, urtiraucht Ihn duftend Myrrhe, Kassia, AIo« —, Hör mich, du König, dessen spBter Sproß, ln Qual, am Kreuze hangend, dorn!gekrönt. Noch deinen Psalm, dein bittres: ״Mein Gott, mein Gott, Warum hast du verlassen mich? 1" zum Himmel stöhnt — Hör midi mein David, der du drei Jahrtausende, Unirdisch, über uns - bitter In ewiger Felerl -deine Schimmernde Straße der Legende ziehst- Hirt 1 König 1 SBngerl - Drcigeslaltlger, Im Scheine Heiliger Aureole, die dein Haupt umflicht: Weit, weit in alle Welt hat dich Geschick getragen, Denn ״heilig" preisen dich, die vor dem Kreuze knien, Und ״heilig" die, aul deren wehenden Grünen Standarten Mondes-Sicheln ragen! Unübersehbar ist um dich geschart ein Heer Anbetender -was ist dein eigner Stamm darunter? 1 Ein Häuf lein - nur ein Hundert-Teil, kaum mehr! leiser werdend. Gedämpft Gedenkst du seiner noch?- Brauchst du noch seine Liebe? Brauchst du meine? Ich weiß es nicht 1 Und dodi — 1 sich gebend Noch einmal, David, 1 a fe von deinen Schultern gleiten Prunk, Pracht - drin du erstarrst, versteinst - Kehr heim, mein David, heim aus fremden Welten, Noch einmal leb den Schein von deinen Erdenlagen, Sei wieder, d u, begnadet, sündig - stirb wie einst 1 Und zögerst du - bangt, nochmals es zu tragen, Dein Herz - will es verharrn in gottesnaher Ruh? — Sieh: Hier, mein Herz! Zu deinem nimms hinzu 1 — Ich leg dir an, das ich in Erfurcht wob, das Kleid - Duld es In Gnade, wandie mit ihm weiter- KNABE freudig einfallend In Ewigkeit! PROLOG den Kopfschüttelnd, in ernstem Lächeln dem Knaben sich zuneigend Ach nein, mein Knabe I Nur ein W e 11 c h e n in die Zelt — Ein Weilchen durch die Welt — die Stimme dunkelt. Leise Bis auch mein Wort verblaßt, verstummt, verwest, zertfilltl er richtet sich auf Und nun: — er tritt einen Schritt näher an die Rampe. Er neigt sich ein wenig den Zuschauern zu. Ruhig, gedämpft Du atmend Dunkles drunt, dess' Züge ich nicht scheide. Sei mir, für Stunden nun, mein abendliches ״Du", Vor dem, vertraut, ich sinne, juble, leide - Verschließ dich Mehl vor mir-tu's nicht-hör zu! Aus mir wogt Wort — 1 a 6 an dein Herz es branden. Und - wenn ich langst verscholln ln des Vergessens Land — leiser. Der Blick verliert sich ins Weite Wachst wo - vielleicht — ein Kind, dess’ Ahnen sich nur fanden. Well heute, durch mein Wort, Ihr Herz wett offen stand 1 - er neigt sich leicht Lebt wohl 1 — im Begriff sich eu wenden, zögert er noch einen Augenblick— denn lächelnd Und war ich hart - nehmt es nicht allzu schwer! dem Vorhang zugewendt. Befehlend Beginnt! - Ein tiefer Cello-Ton erklingt und schwingt langsam aus. Feierlich ״David,rex,sanctus ef prophefa״-so lobpreist man Ihn- David, ein König, Heiliger, Prophet— die Schultern leicht hebend, in verzichtendem Lächeln ein M e n s c h 1 - Seht her l‘e Das Licht fischt. Prolog, Frau, Knabe sind nicht mehr zu sehen. Ein zweiter, höherer, breit gestrichener Cello-Ton. Der Vorhang wird durchscheinend. Herden- Glocken aus der Ferne, darüber das Spiel einer Flöie, Die Szene des ersten Bildes wird sichtbar! ein Wiesenhang in brauenden Morgennebeln. Das Stück ״König David" hebt an. ......!iiiiimhhhii.ווו«וו«וו»וחווווווווווו1ו1וחוווווו!ווו!וווווווו!וווווחווווו« entschiede, sondern das Wesen, hinweggehen, ist das Qrößte an Ihrer Dichtung. Wilde sagt, es komme nicht auf das an, was der Mensch tut, sondern was er ist. Sie fügen hinzu: aber das lcbcnentscheidende Tun der Menschen richtet sich ewig nach dem, was getan wird. Und Sie fügen weiter hinzu: Ist der Mensch denn, ist die Welt denn überhaupt etwas anderes als dieser ewige Wechsel der Masken? Sie fügen es mit recht viel Bitterkeit, in pessimistischen Tönen hinzu. Die Zukunft wird entscheiden, ob Sie für Ihr Weltempfinden nicht auch andere Töne haben, ich glaube es und höre hinter all dem Bitteren auch schon Klänge der letzten Heiterkeit, die wir nur noch ertragen wollen, wenn sie aus der letzten Bitternis und tiefster Qual geboren ist.“ In diesem P r o 1 o g leuchtet diese vorhergesehene Heiterkeit immer wieder durch, und schon das ergreifend leichte Gleiten von einer Sphäre in die andere, vom Lächeln zum Erhabenen und vom Monumentalen wieder ins Kindhaftc, ist das schönste und zarteste Zeichen solcher Grundstimmuiig. Die (irundstimmuiig ist, es gibt kein besseres Wort dafür, hochgemut. Nur in so hochgemuter Gelassenheit kann jetzt in der neuen Ver- Wandlung des Bühnenbildes der Sprecher des Dichters, der Prolog, nachdem der Knabe, der Sohn des Beleuchters, für einen Augenblick unsichtbar ist, den Bühnenwerkern überhaupt sein Dankwort sagen, den Zimmerern der bunten Weit, ״die ihr fiir Andre baut Und deren Buntheit nie von Angesicht ihr schaut“. Die Prägsainkcit dieser Sätze, in die dann auch der Dank des Dichters an die Schauspieler und seine Mahnung über die Grenzen ihres Amtes einfließt, trifft nun nicht nur die Mitte des Wesens eben dieser Menschenberufe, sondern zugleich der Menschen selbst und der Menschheit überhaupt und steigert sich von neuem zur hochgemuten Sentenz: ״Nur was sein Lehen Fht aus eigner Stärke — Was euch nicht braucht —׳ erst das ist eures Dienens wert!“ Nun hat's auch der Knabe gemerkt und ruft erfreut: ״Du bist ja gar nicht der Prolog, du bist der —", und der Prolog schneidet ihm mit entschiedener Geste das Wort ab, nickt aber lächelnd: ״Ja!“ Wie? Er trug nur des Prologes Maske, ״Falscher!“ droht scherzend der Knabe, aber schon ist’s wieder Ernst, die Maske zersprengt ״mein eigen Wort“, und wenn der Knabe, nun ״am rechten Ort“ nochmals bittet: ״Zeig viel!“, ist der Prolog ungeduldig, ״ich will nicht, Kind“, und schon ist es ein echter Streit und Widerstreit: das Kind steht ja für die Menge da, nach deren Wünschen der ״Prolog“ zu fragen nicht gelernt hat, und aus dieser Menge im Parkett und auf den Rängen fährt’» und hagelt’s auf den Prolog ein, höhnt es, spottet es, zürnt es, die, Menge, die ja zahlt, zähle auch und habe nach ihrem Maße zu verlangen, wer Beifall will, habe gefügig zu sein und ihr zu dienen. Noch beherrscht antwortet der Prolog: ״Euch dient mein Tun — und mehr, als ihr e3 faßt. ... Mein Wort ist nichts als meines Herzens Schlagen, Und e u e r Herz zu gleichem Puls zu zwingen — Ist Amt — ist Dienst —ל (nun ist der Prolog schon unerbittlich:) doch nie von euch mir aufgetragen!“ In diesem schroffen Aufeinanderprall versucht die Frau zu mildern, zu vermitteln, aber nun bricht der Prolog aus: ״Ich — darf! Ich weiß, was alles ich in diese Flamme war!, (aufgewühlt, fa-.t reuevoll:) ein Leinen lang!“ Und dann, nach diesem maßlos heilen und grellen Ausbruch des Verborgensten, des persönlichsten Schöpfertums kommen dunkel, gedämpft, zögernd die Worte an die Frau, Worte des Dankens und kaum ausgesprochenen, allertiefsten Schöpferzweifels, an sie, die mithalf und ״vielleicht frevlen Opferbrand“ hütete. Dieser Durchbruch des Allereigensten ist, nach dem Bekenntnis des allgemeinen Dichteramts der zweite innere, der eigentliche Höhepunkt des knappen Spiels, das aber sogleich wieder darüber hinweggeht, denn die Antwort der Frau ist: die geschaffenen Gestalten wissen schon nichts mehr von ihrem Schöpfer, ״Sie wenden nicht den Kopf, wenn du sie rufst . - ■ War nicht i 11 dir genug des reinen Glücks, da du sie schufst?! Sims! bargst du stolz dich hiuicr deinem Werk was zieht Dich heut hierher?“ Und der Prolog sagt — leise, obwohl das nicht an• gegeben ist, aber wir, die Hörer, die Leser hören ja nun ein wie nicht für uns bestimmtes Zwiegespräch mit an —: so wie auf alten Heiligenbildern unter den Anbetenden sich der Meister selbst auf Knien mit anbetend dargcstellt, so ״sind wir beide hier“. Gewiß, es ist ein Zwiegespräch, ״ziemt uns noch hier zu slelin?“ fragt die Frau und wendet sich, und nun erst vielstimmig, hart, grob, zornig, durcheinander bricht der Tumult der Empörung gegen den Dichter aus der Menge los, gegen seinen Hochmut, seine Gewitztheit, seinen Stolz, aber gefaßt nun, ernst und ruhig nimmt der Prolog das letzte Wort, die Apotheose des Dichtertums wird Wort, es ist nur Menschentum in Gottes Sturm, und bevor er ganz hinübergleitet ins Gespräch mit David, seiner Figur, der großen Figur seines nach diesem Vorspiel anhebenden Königsspiels, bekennt er zum drittenmal und nun ganz und nur indisch sein ״Gab mir ein Gott zu sagen, was ich leide": Ein Mensch bin Ich, voll Fehle, sehr gering —1 —• Nur ward — Zeit meines Lebens — mir verliehn sn tönen, Wenn rauschend Gottes Sturm durch meine Wipfel ging! Leo Hirieh