Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 55 (10.7.1936)
- Date
- 1936-07-10
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 2 JODISCHE RUNDSCHAU Nr. 55, 10. VII. 1?3d hervorströmt aus einem seelischen Oeschehen, dessen Künder der gottbegnadete Dichter {st. Was sind wir, wir Menschen und Juden, und was ist der Sinn unseres Seins, den wir aus der Verschüttung befreien? Ist das ein Gegensatz, ״Mensch“ und ״Jude“? Wir sind wohl als Volk ein Sonderfall der Geschichte, aber nicht um anders zu sein als andere Menschen, sondern im Gegenteil: weil bei uns alle tiefmenschlichen Fragen, Leiden, und — Pflichten in gesteigerten! Ausmaß da sind. Das ist Beer-Hofmanns, das ist unser aller Thema. Es ist ein großes Geschenk und eine große Aufgabe, Mensch zu sein, jeder Mensch aber steht vor der furchtbaren Zweiheit des Weges, vor der Wahl, und oft geht es bei den Helden Israels darum, ob persönliches irdisches Glück oder die höhere Sendung gilt. Jenseits von Wollen oder Nichtwollen des Einzclnen, ja sogar jenseits der irdischen Auffassungen von Recht und Unrecht, fordert der Weg der Erwählung Erfüllung seines eigenen Gesetzes. Diese Besinnung auf Israels metaphysische Stellung in der Welt, uns von Beer-Hofmann in neuzeitlichem Gewand nahegebracht, erhält das Volk am Leben. ♦ Dieses Anknüpfen an die ewigen Werte ist es, das den Dichter zum Volkser/icher und Volksführen macht. Das jüdische V■ >lk ist stets durch geistige Menschen entscheidend gefornrt worden. Die tiefe sozinlogisehe Verschiedenheit der Lebensbedingtingen von Ostitiden und Westjuden bringt es mit sich, daß der wcstjüdischc Dichter nicht unmittelbar im Volke steht, wie cs bei dem ostjüdischen Dichter der Fall ist, Für die Juden des Ostens und spater für die Juden Palästinas, heute vielleicht auch schon in einem gewissen Grade für die Juden des Westens, war Bialik der große Erzieher auf der Schwelle eines neuen Zeitalters. Wir begehen heute zum zweiten Male seinen Todestag. Auch mit Bialiks Person wurde seltsamer• weise die Stadt Wien verknüpft, er starb in Wien. Herz! ist am 20. Tatiimu:, gestorben, Bialik am 21. Tammus, 30 Jahre später. Die beiden Tage werden von nun an immer zusammen begangen werden, als ob eine höhere Weisung das V!>lk ermähnen wollte, beider Teile seiner Existenz und seiner Aufgabe eingedenk zu sein, der Welt der Tat und der Welt des Geistes. Wenn in einer Zeit, die den Juden nicht günstig ist und in der das Leben unter schwersten Bedingungen notwendigerweise zu allerlei Verkrüppelungen führt, das Wesen des Judentums immer wieder als problematisch vor uns steht, so ist uns der Gedanke an die Personlichkeiten, die das jüdische Volk hervorgebracht hat ein Maßstab seines Wertes. Wir feiern heute an einen-, Tage das Andenken Herzls und Bialiks; wir feiern den unter uns weilenden großen Dichter Beer-Hofmann, von dem wir noch reiche Gaben erwarten. Wir wollen offen bekennen, daß wir den Adel dieser Persönlichkeiten als einen unverlierbaren Volksbesitz empfinden, den niemand uns raubcn kann. Fis genügt nicht, sich gezwungen mit dem Jude-Sein abzufinden. Gewiß ist der Weg des Juden ein Leidens w e g, aber in all der tiefen Not erkennen wir auch die Schönheit und Erhabenheit echten jüdischen Erlebens. Frciheitsgefühl, auf!echte Gesinnung, leidenschaftliches Ringen um Gerechtigkeit und um den Sinn menschlicher Existenz, Hingebung an den Geist und moralischer Opfermut, das sind Tugenden, an denen wir, euch in den trübsten Tagen, uns immer wieder aufrichten können. Ein Volk, dem solche Künder seines Wesens und seines Weges geschenkt wurden, kann nicht verloren sein. Die ZionistenkosiSerenz Ix! USA Einigung über die Leitung — Stephen Wtse Präsident P r o \i d c n c e {Rhode Island), 6. Juli. (JTA.) Auf der 39. Jahreskonferenz der Zionistischen Organisation Amerikas hielt das konservative Mitglied! des englischen Unterhauses, Major Proctor, eine Ansprache, in der er erklärte, die Araber wurden weder in London noch in Palästina Erfolg haben. Aber ange-ichts der Gefahr einer moralischen Schwächung der Zionisten Amerikas versichere er, daß Eng- 1 a n 3 aus vollem Herzen die zionistischen Anstrengungen stutzt. Niemals habe man beim englischen Parlament eine derartige Einmütigkeit erlebt wie anläßlich der jüngsten Palästinadebatte. In der Frage der Leitung der Zionistischen Organisation Amerikas ist es auf der Jahreskonfereriz. zu einer Einigung gekommen. Es wurde ein Friede ״ohne Sieger oder Besiegte“ geschlossen. Der bisherige Präsident der Organisation, Morris Rothenberg, forderte seine Anhänger auf, dem vorgeschlagenen Kompromißantrag, demzufolge Dr. Stephen S. Wisc Präsident werden soll, zuzustimmen. Es sei an der Zeit, Gruppenleiden schäften im Interesse des Zionismus zurückzustellen. Dr. Stephen Wise wurde einstimmig zum Präsidenten der Organisation gewählt. Morris Rothenberg, der bisherige Präsident, wurde ebenfalls einstimmig zum Vorsitzenden des Verwaltungsausschusses der Organisation gewählt. Nathan Straus wurde zum Vizepräsidenten gewählt Der neuen Exekutive gehören ferner Louis L i p s k y, Ab. Goldberg, Samuel Rocker, Rabbi Edward L, Israel und Rabbi Israel Herbert Leventhal an. Die Jahreskonferenz ist Dienstag abend geschlossen worden. In einer Resolution hat die Jahreskonferwiz an den palästinensischen Jischuw eine Botschaft gerichtet, in der der Empörung gegen die Mächte Ausdruck gegeben wird, ״die zu seiner Vernichtung aufgeboten sind“. Iii der Botschaft wird ״dauernde unbeugsame Entschlossenheit" gelobt, dem Jischuw ״moralische und materielle Unterstützung in vollstem Ausmaße zu leisten, bis das Ziel der Errichtung des Jüdischen Nationalheims erreicht und für die Dauer gesichert ist". Jüdische Sozialarbeit Eine Konferenz in London London, 8. Juli. (JTA.) Im Woburn-Haui wurde am 8. Juli die Konferenz für jüdische Sozialarbeit eröffnet. Sie steht im Zusammenhang, mit der Dritten internationalen Konferenz für Sozialarheit, die während der ganzen kommenden Woche in London tagen wird. Bei der unter dein Vorsitz von Dr. J. M. Karpf aus New York abgehaltenen Vormittagssitzung hielten Chiefrabbi Dr. J. H. Hertz, Dr. Claude G. Montcfiore und Sir Osmond d'AVigdor G o I d s m i d Begrüßungsansprachen. Der Vorsitzende des Board of Deputies, Neville L a s k i, die Leiterin der jüdischen Sozialarbeit in Palästina, Miss Henrietta Szold, der europäische Direktor des Joint Distribution Committee Dr. Bernhard Kahn und der Generaldirektor der lea Louis Oungre hatten Schreiben gesandt, in denen sie dem Bedauern darüber Ausdruck gaben, an den Beratungen der Konferenz nicht teilnehmen zu können. Dr. Karpf erklärte in seiner Eröffnungsrede, die Konferenz sei zu dem Zwecke einberufen worden, um Mittel und Wege zur Erleichterung der Arbeit für die notleidende jüdische Bevölkerung in Europa zu erörtern. Die Konferenz werde sich mit keinerlei politischen Fragen befassen; sie Sei ausschließlich der Beratung verschiedener Seiten jüdischer Sozialarbeit gewidmet. Insbesondere die Frage wirtschaftlichen Wiederaufbaus werde bei den Beratungen berücksichtigt werden. Chiefrabbi Dr. J. H. Hertz hieß die Teilnelrtm an der Konferenz willkommen, deren Streben es sei, die Wohlfahrt r״d Gesundung unseres Volkes zu fördern. Dr. Claude Montefiore bezeichncte es als etwas Wunderbares, daß jüdische Männer und Frauen sich durch keinerlei Schwierigkeiten davon abschrecken ließen, zusammenzukommen, um zu versuchen, für all das Ucbel, das über die Judenhcit gekommen ist, «ine Lösung zu finden. Diese Konferenz werde den jüdischen Sozialarbeitern eine bessere Erfassung der Probleme und ihre Lösungen durch Austausch von Erfahrungen mit Sozialarbeitern anderer Gemeinschaften ermöglichen. Für den jüdischen Sozialarbeiter sei cs notwendig, nicht nur die Probleme innerhalb der eigenen Gemeinschaft zu studieren, sondern nach der Art ärztlicher Spezialisten sich zu bemühen, die allgemeinen Probleme kennenzulcrncn, um die Methoden der Lösung auf die jüdischcn Probleme anzuwenden. Sir Osmond d’Avigdor (j o 1 d s m i d sprach über die soziale Entwicklung in der Weltwirtschaft. Die Sozialarbeit zeige überall die Tendenz, von bloßer Unterstützung zu konstruktiven Aufgaben überzugehen. Der Gedanke hierbei sei der, junge Menschen unabhängig und tüchtig zu machen, würdig ihres Landes und ihres Glauben!;. Der Redner wandte sich sodann der von der Jewish Colonisation Association in verschiedenen Teilen der Welt geleisteten Sozialarbeit zu und legte die Bemühungen dar, denjenigen, die vom Schicksal schwer getroffen wurden, den Aufbau eines neuen Lebens zu ermöglichen. Der nächste Redner, Dr. M. J. Karpf, befaßte sich mit der sozialen Aufbauarbeit fm Judentum. Er ging davon aus, daß es die Aufgabe der Dritten Internationalen Konferenz für Sozialarbeit sei, die in der Arbeit stehenden Menschen dazu zu veranlassen, Ziele ins Auge zu fassen, die über den Rahmen der Tagesarbeit hinausgehen. Der Gemein• schaftsgedanke habe für die Juden eine besonders tiefe Bedeutung. Als amerikanischer Jude wisse er besondere gut. wie sehr jeder einzelne mit dem Schicksal der Juden überall in der Welt verknüpft ist. Amerika verfüge als Eimvanderungsland über eine lange Erfahrung. Diese Erfahrung habe man bei der neuen Einwanderungswelle in den Jahren 1918 bis 1933 verwertet. Auch Miss Henrietta Szold habe sich die Ergebnisse dieser Erfahrungen bei der Organisierung des Einwanderungsdienstes in Palästina nutzbar gemacht. Alle Länder, in die Einwanderung möglich ist, sollten es als ihre Aufgabe betrachten, die von anderen Einwanderung*- ländern gemachten Erfahrungen zu berücksichtigen und eine planmäßige Einwanderung vorzubc,•eiten. Konstruktive Hilfe sei der Leitgedanke in der modernen Sozialarbeit, während unmittelbare Nothilfe nur noch geringere Bedeutung habe. In Vertretung von Generaldirektor Louis Oungre hielt Herr Girmounski ein Referat über Gegenwartsprobleme der Wirtschaftshilfe. Er betonte, daß niemals vorher Hilfe für Juden dringender gewesen sei als heute. So notwendig es auch sei, die Auswanderung zu fördern und Hilfe in den Einwanderuiigsländern zu leisten, so bestelle andererseits doch auch die Notwendigkeit, Hilfe unmittelbar dort zu gewähren, wo sic gebraucht wird. Einen wesentlichen Faktor bei den Ursachen der jüdisehen Not, so führte der Redner weiter aus, liege in der ialsehen Rerufsglieder ung. Die Bestrebungen der letzten Zeit, den Weg vom Erzeuger zum Verbraucher abzukürzen, hätten bei der jüdischen Bevölkerung, die zu einem großen Teil den Vermittlungsberufen angehört, zu einer schwereu Wirtschaftskrise geführt. Daruin müsse durch planmäßige berufliche Orientierung und Umschulung zu neuen Bcruten eine Anpassung an die gegebenen Verhältnisse herbeigeführt werden. Angesichte der dringenden Not seien allzu teure und umfassende Maßnahmen bei der Umschulung zu vermeiden. Einer der wichtigsten Berufe sei die Landwirtschaft, trotz der großen Schwierigkeiten, die heute für sie bestehen. Man müsse darauf hinarbeiten, daß Juden in großer Zahl in landwirtschaftlichen Berufen ausgebildet werden und daß sie in der Landwirtschaft mindestens ein zusätzliches Mittel zur Bestreitung des Lebensunterhalts finden. Der Nachmittag war den Beratungen einzelner Fachgruppen gewidmet, die nach Uebereinkunft mit «len entsprechenden Gruppen der allgemeinen Konferenz jüdische Spezialprobleme auf den betreffenden Gebieten erörterten. Am Abend wurde «ine Arbeitsgemeinschaft über ״Aufbau des jüdischen Lehens durch Berufsschulung und jugendwohlfahrt“ veranstaltet. Palästina-Fragen im Unterhaus London, 8. Juli. (JTA.) In der Unterliausriizung vom 8. Juli beantwortete Kolonienminister Orntsby-Qore eine Reihe von Anfragen, die sich auf die allgemeine Lage in Palästina, die Rolle des Großmufti und die Behauptung bezogen, daß die heiligen Stätten des Islam in Palästina gefährdet seien. Die Abgeordneten Commander Fletcher und Thomas Williams hatten um Mitteilungen des Kolonienministers über die gegenwärtige Lage in Palästina gebeten. Kolonienminister Ormsby-Gore erklärte, es sei seit seiner ersten Erklärung am 19 Juni keine wesentliche Aenderung der Lage eingetreten, wenn auch von Zeit zu Zeit Schwankungen in der Zahl der Gewaltakte festzustellen waren. Die zerrissene Natur des Landes, die die Möglichkeit zu Lieberfällen aus dem Hinterhalf und nachtliehen Sabotageakten bietet, habe notwendigerweise die Schwierigkeiten für die Rcgierungstnippen bei der Wieder- Herstellung der Ordnung erhöht. Im Verlauf der Operationen seien zahlreiche Verhaftungen vorgenommen und Waffen, Munition und Sprengstoffe beschlagnahmt worden; Kollektivstrafen in der Höhe von 60 bis 5000 Pfund wurden mehreren Städten und Dörfern auferlegt. Am 28. Juni wurde die Be- Satzung Palästinas durch das motorisierte & Husarenregiment weiter verstärkt. Der Abgeordnete Williams fragte weiter, ob der Minister nicht eine Mitteilung des Obersten moslemitischen Rates erhalten habe, in der erklärt wird, daß dieser nicht nur zu den ursprünglichen Vorschlägen der Araber steht, sondern auch klar macht, daß er den Streik unterstützen werde. Der Minister antwortete, es seien ergänzende Mitteilungen zu den ursprünglichen Forderungen eingetroffen. Abg. Thomas Williams; Welche Schritte sind im Hinblick darauf, daß der politische Streik, durch den nicht nur der Verlust von materiellen Gütern, sondern auch von Menschenleben herbeigeführt wird, fortdauert, gegenüber den Führern geplant, die diese Aktion veranlassen? Minister Ormsby-Gore; Wir tun alles, was wir können, um durch T nippen Verstärkungen die Ordnung im ganzen Land wiederherzustellen. Abg. Crosslcy fragte, ob der mosleinitische Rat zum Ausdruck gebracht habe, daß er zwar den Streik unterstützt, Gewaltakten jedoch nicht zustimmt. Der Kolonienminister bejahte dies. Der Abgeordnete Pickthorn fragte, ob der Mufti von Jerusalem vom High Commissioner für Palästina ernannt oder von seinen mohammedanischen Glaubensgenossen gewählt sei. Minister Ormsbv-Oore erklärte, er freue sich, Gelegenheit zu haben, diese Angelegenheit klarzustellen. Der Großmufti von Jerusalem bekleide die Stelle des Präsidenten des Obersten moslemitischen Rates. Zu diesem Amt sei Se. Eminenz 1922 von dem moslemitischen Komitee erwählt worden, das selbst aus Wahlen mohammedanischer Wahl• männer hervorgegangen sei. Captain Peter Mac Donald: Ist «s nicht 90, daß der Mufti kein Regierungsbeamter ist und niemals war, wie dies behauptet wurde? Der Minister: Ich sage, daß er von Mohammedanern gewählt und von der Regierung anerkannt wurde. Abg. Williams: Bekommt der Orofknufti nicht jährlieh 600 Pfund von der Palästina-Regierung? Minister Ormsby-Gore: Wie ich früher auseinandergesetzt habe, erhält er eine Vergütung aus öffentlichen Mitteln für rein juridische Funktionen. Der Abgeordnete L a 111 a n fragte, ob es «lern Kolonienminister bekannt sei, daß ein Teil der ägyptischen Presse zu einer Propaganda benutzt wird, durch die Judenfeindschaft aus mohammedanisch-religiösen Gründen erregt werden soll. Es werde behauptet, daß das Jüdische Nationalheim in Palästina eine Gefahr für die mohammedanischen heiligen Stätten darsteile; wolle der Minister nicht im Hinblick aut die Unruhen und Gefahren in Palästina die Abgabe einer Erklärung erwägen, in der gezeigt wird, daß die mohamtnedanischen heiligen Statten durch Geist und Wortlaut des englischen Mandats für Palästina und durch die Balfottr-De* klaration vollkommen geschützt sind? Minister Ormsby-Gore: Es ist mir bekannt, daß von Zeit zu Zeit behauptet wurde, die mohammedanischen heiligen Stätten in Palästina könnten durch die Errichtung des Jüdischen Nationallleims gefährdet werden. Die Bnlfour-Deklaration enthält die ausdrückliche Bestimmung, daß nichts getan werden soll, was die bürgerlichen und religiösen Rechte in Palästina bestehender nicntjiidischer Gemeinschaften beeinträchtigen könnte, und auf Grund des Artikel 13 des Man• dats übernimmt die Mandatarmacht im besonderen die Gesamtverantwortung über die heiligen Stätten und religiösen Gebäude und Plätze in Palästina einschließlich der Wahrung bestehender Rechte und der Sicherung freien Zutrittes zu den heiligen Stätten, religiösen Gebäuden und Plätzen und der freien Ausübung■ des Gottesdienstes unter Sicherung der Erfordernisse öffentlicher Ordnung und Anstands. Ich freue mich, die Gelegenheit zur Abgabe der Versicherung m haben, daß die Regierung Sr. Majestät die vollste Absicht hat, diese feierliche Verpflichtung bezüglich aller heiligen t Stätten, der christlichen und der mohammedanischen, dem Geiste und dem Wortlaut nach zu erfüllen. Kleine Nachrichten Durch die diesjährige Kampagne des Joint Disfr?• bution Committee sind bisher 2 139 998 Dollar, fast dreimal soviel wie in dem gleichen Zeitraum des vorangegangenen Jahres, aufgebracht worden. Insgesamt sollen dreieinhalb Millionen Dollar gesammelt werden. Für Hilfe an Juden in Deutschland, den Ztifluchisländern, Polen und .sonstigen osteuropäischen Ländern sind in diesem Jahre 700 000 [Dollar ausgegeben worden. In Essen wurde ein Jude wegen strafbarer Beschiftigung einer deutsch biütigen Haushälterin zu 7 Monaten Gefängnis verurteilt. Er wollte seine Haushälterin, die ihm bereits zwei Kinder geschenkt hatte, heiraten; das Aufgebot wurde aber wegen der Abstammung des Mannes abgelehnt. Der Angeklagte verteidigte sich damit, er habe seine Eltern früh verloren, und also nicht gewußt, daß er Jude sei. Das Gericht kam aber zu der Ueberzeugung, daß der Angeklagte mindestens nach Ablehnung des Aufgebots um seine Abstammung gewußt habe. Das Schuhhaus Mendershauscn in Kassel ist in neue Hände übergegangen und firmiert jetzt Schuhhaus Bleifeld. Nach einer Anzeige in der ״Magdcburgischcn Zeitung“ ist das Kaufhaus Rarasch in Magdeburg in rein arische Hände übergegangen. Wie aus Inseraten der lokalen Presse hervorgellt, Ist das Kaufhaus R. Rosenthal, Dortmund-Hörde, in arische Hände übergegangen; das Geschäft der Firma Arnold Obersky in Wiesbaden wurde von Maria Krug übernommen; das Schuhgeschäft Ladendorf, Allenstein, ״ältestes Scliuhfach* geschäft“, ist gleichfalls in arische Hände übergegatigen. Karl Wiener hat kürzlich im Brüsseler Rundfunk eigen« (linkshändige) Klavierstücke gespielt. Hauptschriftleiter: Dr. Robert Welt sch, Berlin - Charlottenburg 9 (auch verantwortlich für die Aufnahme von Bildern). Stellvertreter: Kurt I.oewenstein, Berlin W 15. Anieigerdeiter und verantwortlieh für den Inhalt der Anzeigen: Hermann Finn, Berlin W 15. Gültig Anzeigen - Preisliste 5 vom 1. April 1936. Verlag und Anicigenveiwaltung: Jüdische Rundschau, Berlin W15, Mcinekcstr. 1(X D.-A, Juni 38 037. — Druck: Siegfried Scholem, Berlin-Schöneberg. f