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Jüdische Rundschau · 1936-07-07 · Heft 54 (7.7.1936) · page 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 54 (7.7.1936)
Date
1936-07-07
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr 547 ״. VII. 1936 betrieb mit einer etwa 350 Mann zählenden Belegschaft fortgeführt. Nicht nur in den Städten, sondern auch bei der Landbevölkerung macht sich zunehmende Streikmüdig• keit geltend. Die Stockung des Melonenabsatzes gibt den Fellachen zu ernsten Besorgnissen Anlaß. Da die Melonen nicht rechtzeitig auf den Markt gebracht werden konnten, sollen bereits 70 ״.! der Zuckermelonen- und 90 <>/3 der Wassermcloncncrntc verdorben sein. Die Bauern in der Gegend von Tulkcretn haben deshalb beim Streikkomitee ernste Vor- Stellungen erhoben. Im Manschieti-Viertel in Jaffa wurde eine größere Anzahl von arabischen Geschäften wiedereröffn e t; Angehörige der Besitzer bewachten die Läden. Trotz der Drohungen von Agenten des Streikkomitees blieb die Mehrzahl der Geschäfte tagsüber offen. Auch in Haifa werden Zeichen des Abflauens des Streiks bemerkbar. In der Umgebung der Filiale der Anglo-Palcstinc-Bank in Jaffa sind zahlreiche jüdische Geschäfte wieder geöffnet worden, nachdem sie fast drei Monate lang geschlossen waren. Das arabische Streikkomitee gibt in einer soeben veröffentlichtet! Erklärung bekannt, daß es bisher für die Fortführung des Streiks 108 000 Pfund aus ge geben habe. Nur 293 Pfund sind für die Streikunterstützung von Arabern anderer asiatischer Länder gespendet worden: 30 Pfund kamen aus Indien, 100 aus Syrien, 45 aus dem Libanon und IIS aus dem Irak. Beratungen des Obersten Arabischen Komitees Da« Oberste arabische Komitee ist am Freitaßnachmittag zu einer dringenden Sitzung zusammengetreten, In der iilver die Frage der Fortsetzung des Streiks beraten werden soll. Diese Frage hat bereits zu einer Spaltung irt den Reihen des Obersten Komitees geführt und es werden jetzt alle Anstrengungen gemacht, um zu einer einheitlichen Stellungnahme zu gelangen. Während die Anhänger des früheren Bürgermeisters von Jerusalem und Vorsitzenden der Arabischen Verteidigungspartei, Ragheb Bey N a s h a s 11 i b 1, für die Fortsetzung des Streiks cintreten, herrscht bei den Mufti- Anhängern der Wunsch nach Beendigung der Streikbewegung. Riad S o 1 a c h, ein hervorragendes Mitglied der nach Paris entsandten syrischen Delegation, hat in einem Schreiben da- 1 »!kt.-Ic an bi .ehe Komitee Palästinas aufgefordert, den Stmk und insbesondere den Terror in Pa- I ist:•! 1 cinniDHlcii. Fr erklärt, die Brüder der pa- 1.״ -,tiiieiiMsclicu Araber im Ausland empfanden Scham über diesen wilden Terror, die Vernichtung von Baumen und Eigentum, durch die die Welt den Eindruck gewinnen könnte, daß die Araber jeder Kultur ermangeln. Jerusalem, 3. Juli. (Palcor.) Streik im Konzentrationslager Es ist nunmehr bekannt geworden, daß vor drei Tagen im Konzentrationslager 2 in Sarafeml, wo die weniger reichen und einflußreichen der Gefangenen untergebracht sind, als!,rötest gegen die Bedingungen im Lager ein Streik ausbrach. Der Streik wird der Tätigkeit von Agitatoren zugeschrieben, die zeitweilig in diesem Langer untergebracht waren; als man sie wieder ins Lager 1 uberführte, wo sie sich ursprünglich befanden, brach der Streik im zweiten Lager zusammen. Zwischenfalle Auf Arbeiter, die sich zur Arbeit im Lufthafen von mdd begeben wollten, wurden Schüsse gefeuert; diese wurden von der Polizei erwidert, ein Araber wurde verwundet una verhaftet. Die heutigen a m 11 i c h e 11 C o m m 11 niuues melden folgende Vorfälle: In der deutschen Kolonie in Jerusalem wurde ein Privatauto angezündet; im Armenierviertei wurde ein bewaffneter Araber verhaftet; /wischen I lartuv und Wadi Sarar wurden Teleplumdrahte beschädigt; in Jaffa wurde ein mit einem Revolver bewaffneter Araber verhaftet; die Dörfer Jebueh und Bashit wurden durch Militär durchsucht, wobei zwei Araber verhaftet wurden, auf Baitgan bei Haifa und den Bahnhof von Nur Slieeuiwurden Schüsse gefeuert: eine tisenbahnbrucke in vier Nahe von Gaza wurde durch Spreugung beschädigt, ein ähnlicher Versuch auf eine /weite Brücke niißiang, wahrend auf Polizei, die hereieilte, geschosst!ן wurde; nachdem in Bersh.eba zwei mit Gewehren bewaffnete Araber verhaftet worden waren, kam eine Demonstratiun /:!stände, im Laufe derer in vier Poüzeistation die Fenster ciiigeschlagcn und vier Demonstranten verhaftet wurden, Jerusalem, 4. Juli. (Palcor.} Schüsse in der Nacht Im Laufe der Nacht wurden in Jerusalem in der Nähe der Universität, sowie auf Bajit Wcgan und den Meschek Poaloth bei Talpiuth St,luisse abgegeben, die die Polizei erwiderte. Auch auf Tci-Mond und Kt'ar Jau'tz wurde geschossen; 1 fiitspuli/isten erwiderten das Feuer, Getroffen wurde niemand. Die heutigen Coiinniiniijucs melden folgende Vorfälle; Im Jetusalemer Bezirk fand ein Kugelst eehsel zwisenen transjordaniselien Grenzwachen und drei Arabern statt, wobei ein Araber verwundet wurde; man fand bei ihm ein Gewehr lind einen Revolver. Auf der Grenze zwischen Jaffa und Tci-Awiw gelangten zwei Bomben zur Explosion; im Sehpak-Vierte! in Tel-Awiw kam cs in der Nacht zu einem Kugelwetlisel zwischen Polizei und Wegelagerern. Ein Araber, der im Kubab-Viertel andere Araber durch Bedrohung mit einem Revolver einzuscliüchtern versuchte, wurde verhaftet. Dem Dorfe Jiluiah wurde eine Kollektivstrafe von € 100 auferiegt. In C.hcdcra wurden 10 Dunatn Eukalyptus-Bäume durch!׳'euer beschädigt. Auf der Afulch-Scmach-Cliausscc״ sowie aut der Dschenin-Tnlkerem-Landstraße wurden Militär- Patrouillen beschossen; diese erwiderten das Feuer; die Zahl der arabischen Verletzten ist unbekannt. In Bethlehem wurden vier Personen, die des Schießens in Jerusalem verdächtigt sind, verhaftet. Auf der Eisenbahnlinie Tulkcrem— Kalkilich wurde eine Bombe zur Explosion gebracht. Jüdischer Verwundeter gestorben Schalom Schmulewltz (auch Schimon Schabbtai genennt), der in Slchron-Jaakow am 28. Juni verwundet wurde, ttarb heute an den Folgen seiner Verletzungen. Jerusalem, S. Juli. (JTA.) Angriff auf Hulda Zum ersten Male seit Beginn der Unruhen ist in der Nacht ׳um Sonntag ein Angriff gegen die Kolonie H u 1 d a gerichtet worden. Der Angriff, der von 11 Uhr abends bis 4 Uhr inorgens dauerte, wurde von den Kolonisten und jüdischer Hilf*־ polizei mit Unterstützung einer später eingetroffenen englischen Maschinengewehrabteilung abgeschlagen. Von den arbischen Angreifern wurden mehrere verwundet. Arabische Terroristen versuchten auch, jüdische Orangenpflanzungen bei Rechowot zu vernichten. Es entwickelte sich ein Feuergefecht, das D״׳ Stunden dauerte. Der Angriff wurde durch jüdische Flilfspölizei abgewehrt. In Hebron kam es zu einem Zusammenstoß zwischen Militär und bewaffneten arabischen Banden. Es wurden ein Araber getötet und drei verwundet. Anklage gegen einen Juden Herschberg, der gleichzeitig mit dem inzwischen verstorbenen Ben Jehuda im Hatikwah-Viertcl in Tel-Awiw verwundet wurde und noch im Krankenhaus liegt, wird des Mordversuches an einem britischen Polizisten und einem arabischen Hilfspolizisten angeklagt. Außerdem wird gegen ihn die Anklage wegen unbefugten Waffenbesitzes erhoben. Das laffaer Gericht verurteilte einer. Araber wegen Anziimlens von Getreide in Kfar Rischpan zu acht Jahren Zuchthaus. Ende des Terrors? Das Oberste Arabische Komitee hat im Laufe des Sonn* tags gemeinsam mit den Vertretern der arabischen Kaufmannschaft dringende Besprechungen abgehalten, von denen man eine entscheidende Wendung in der Gesamtläge vielleicht schon am Montag erwartet. Es wird eine entsprechende Erklärung vorbereitet, In der die politischen Forderungen der Araber formuliert sind. In der Erklärung soll gesagt werden, daß die arabische Bevölkerung durch ihr bisheriges Verhalten gezeigt habe, daß sie bereit Ist, die größten Opfer zu bringen; sie werde von Ihren Forderungen nicht abfassen, doch wird die arabische Bevölkerung aufgefordert, den Streik aufzugeben und den Kampf nach neuen Richtlinien, die in einem Aufruf dargelegt werden sollen, fortzuführen. Die Vorfälle vom Sonntag Das Sonntags-Cominuniqud der Regierung berichtet u. a., daß in Jerusalem eine Bombe, die beträchtlichen Schaden anrichtete, von einer Arabergruppe auf das Amt für öffentliehe Arbeiten geschleudert wurde. Drei Juden, die in dem Augenblick die Straße passierten, wurden schwer verletzt. Eine zweite Bombe explodierte vor dem Haus des Präsidenten des britischen Gerichtshofes. Großer Schaden wurde durch Bombenanschläge in Jaffa, Haifa und Nablus angerichtet. (Die drei in Jerusalem verwundeten Juden sind David Schmidt sowie Jacob und Elijahu Kuppermann.) Die Spannung In Transjordanien Die ״R. 2. am Mittag“ vom 6. Juli veröffentlicht einen Bericht aus Jerusalem, worin es heißt, daß der Sonntag wieder ein Tag zahlreicher Bombenattentate in Palästina ewesen sei. In dem Bericht wird die Lage in Trans joranien wie folgt geschildert: ״Auch die aus Transjordanien vorliegenden Nachrichten laufen wieder beunruhigender. Die Aktivisten und die mit den Palästina-Arabern sympathisierenden Beduinen, die durch den englandtreuen Emir Abdullah und durch britische Truppen Verstärkungen niedergehalten wurden, und die für ein direktes Eingreifen in die Palästina- Kämpfe eintreten, sind wieder sehr rührig. Als eine Art Kampfsignal wird von ihnen die Rückkehr des Sohnes des Emirs Abdullah nach Ammon, der Hauptstadt Transjordaniens, aufgefaßt. Der Sohn des Emirs, der transjordanische Kronprinz, stand seit langem in offenem Gegensatz zur ciiglaiidfreundliclien Politik seines Vaters. Er war deshalb vor einiger Zeit nach Mesopotamien verbannt worden. Seine plötzliche Rückkehr nach Ammon wurde von den cnglandfeindlichcn Beduinen mit großer Freude begrii fit. In der Nähe der Palästinagrenze wurde ein transjordanischer Polizeiposten von einer bewaffneten Beduinenahteilung überfallen. Sie konnte nach längerem Feuergefecht zurückgeschlagen werden, als die Polizei durch Militär verstärkt wurde. Eine große Anzahl von Bediiincrischeichs und von Richtern ist in den Streik getreten. Sie erklären, ihre amtliche Tätigkeit erst wietler aufnehmen zu wollen, wenn die arabische Nationalhewegung in Palästina und Trans jordanien nicht mehr durdi militärische Gewalt bekämpft werde.“ Jerusalem, 6. Juli. (JTA.) Streit zwischen Anhängern und Gegnern des Streiks Nach den Beratungen des Obersten arabischen Komitees ist der Kampf zwischen Anhängern und Gegnern des Streiks im arabischen Lager mit besonderer Schärfe entbrannt. Die Anhänger der Streikbewegung verbreiten in Jaffa Flugblätter, in denen sie die Bevölkerung zu ihrer Unterstützung aufrufen und etwaige Streikbrecher schwer bedrohen. Bei S i c h r o 11 j a a k o w hat ein jüdischer Wächter unabsichtlich einen Araber erschossen. Er wurde der Polizei übergelien. Im Miile-Ocbict wurde ein arabischer Wächter von einer Militärabteilung, die ihn irrtümlich für einen Banditen hielt, erschossen. Der Distriktskommissar für den Süddistrikt, Major Grosbyc, hat an die Stadtverwaltung von Tel-Awiw ein Schreiben gerichtet, in dem er verbietet, daß städtische Gelder für die in Tel-Awiw lebenden Flüchtlinge ausgegeben werden. Die Stadtverwaltung hat um eine Audienz heim High Commissioner gebeten und wird versuchen, die Aufhebung dieses Verbots zu erlangen. Von der Woche Die Exekutive der Jewish Agency hat beschlossen, eine politische Kommission einzusetzen, die das Politische Departement der Exekutive beraten soll. Gemeinsame Sitzungen werden mindestens alle 14 Tage abgehalten werden. Die Jewish Agency veröffentlicht die Ein wänderungsstatistik für das erste Halbjahr 1936. Während dieser Zeit sind insgesamt 16 350 Einwanderer ins Land gekommen; davon waren 4928 Kapitalisten, 1200 Touristen, die die Genehmigung zur Niederlassung erhielten, und 7994 vorübergehende Besucher. Die Mole ln Tel-Awiw hat die geplante Länge von 150 Meter erreicht. In einer Sitzung des Komitees für die Hills- und Konsolid ierungsaktion in Jerusalem wurde beschlossen, für Jerusalem eine Quote von €20000 fcstzusctzcn. Das Komitee veröffentlicht einen Aufruf an die jüdische Bcvölkerung der Stadt, ein halbes Monatseinkommen beizusteuern. Der Kolonierat von Ri sc hon I c Zion hat in den arabischen Dörfern der Umgebung Flugblätter in a r a bischer Sprache verteilen lassen, in denen die Muehtars unter Berufung auf die fünfzig Jahre friedlichen Zusammenleben« zwischen den Kolonisten und ihren arabischen Nachbarn aufgefordert werden, auf die Einstellung des von den arabischen Jugendlichen geübten Terrors hinzuwirken. Presseschau ln einem Ueberblick über die Lage in Palästina übt die ״T litits" in Ihrer Nummer vom 3. Juli Kritik daran, daß die Palästina-Regierung nicht früher gegen die Unruhestifter hart vorgegangen sei. Daß die Behörden jetzt zögern, die in den neuen Notverordnungen vorgesehenen schwersten Strafen zu verhängen, sei zum Teil aut die Ueberlastung der Gerichte, zum Teil darauf zurückzuftilircn. daß man spätere Verbitterung vermeiden wolle. Dieses Zögern könne aber von den Ambern mißverstanden werden. Der Artikel wendet sich weiter gegen die von den Arabern aufgestellte Behauptung, ihre heiligen Stätten seien gefährdet, und weist darauf hin, daß diese Stätten den Christen und Juden noch heiliger seien. Die Notwendigkeit, die Entwaffnung der Araber durchzuführen, wird mit besonderem Nach 11 ruck betont. Die Juden haben das Lob, das ihnen der Kolonienminister in seiner jüngsten Rede im Unterhaus spendete, wirklich vollauf verdient. Sie haben sich, wenn sie angegriffen wurden, natürlich verteidigt — zweifellos ein sehr tadelnswertes Vorgehen vom Standpunkt ihrer Gegner — und es ist ihnen gestattet worden, sich zur lokalen Verteidigung ihrer Kolonien unter der Aufsicht englischer Pölizeiolfizicre anwerben zu lassen. Gleichzeitig läßt es sich nicht leugnen, daß die zionistisehen Führer offenbar unter dem Druck ihrer Glaubensgenossen in Europa auf dem Wege zum Natknialheini viel zu schnell vorgegangen sind. Dieser Druck ist sehr stark. Aber wenn auch diese betrüblichen Tatsachen zur Entschuldigung für die Uebereile der Zionisten herangezogen werden können, mußte doch das Hineinbringen von über 69 000 jüdischen Einwanderern iin letzten Jahr die Araber beunruhigen. * Im Leitartikel schreibt der Londoner ״Observer‘1 vom 5. Juli nach einem Hinweis auf den ernsten Charakter der Palästina-Unruhen, daß keine Lösung auf der gegenwärtigen noch auf einer anderen Linie gefunden werden könne, ohne daß eine Revision des Mandats und der augenhlickliehen Beziehungen zwischen Arabern und Juden stattfindet. Wenn die Unruhen mit Waffengewalt unterdrückt würden •und keine grundsätzliche Acmlcrung der Verhältnisse einträte, so würden sie früher oder später genau so stark wieder aufflammen. Die Auswirkungen erstrecken sich auf die ganze islamische Welt, von Marokko und Tunis durch Transjordanien und Arabien bis zu den 80 Millionen!Moslems in Indien. Es sei bekannt, daß diese nicht gleichgültig bleiben würden, wenn ihre Glaubensgenossen in Palästina durch britischcs Militär niedergeschlagen würden. Es sei glücklicherweise nicht zu befürchten, daß die indischen Moslems bis zu physischen Exzessen gehen würden, aber wenn die Spannung anhalte, würden sie ihre Sympathie durch stärkste Agitation äußern. Vom Standpunkt der Zukunft des Empires im Osten aus könnte keine vitalere und weiterreichende Frage das Britische Kabinett beschäftigen. Je schneller die U 111 e r s u c 11 u 11 g s» kommission entsandt wird, um so besser. Die Ursachen des Konflikts sieht das Blatt in der Zweideutigkeit des Mandats und vor allem in der außerordentlichen Erhöhung der jüdischen Einwanderung während der letzten Jahre. Die Mandatsbestimmungen seien zweideutig, weil sie den Engländern aufcrlegten, die Juden anzusiedeln, ohne die biirgerliehen und religiösen Rechte der Araber anzutasten. Diese Bestimmung sei von keinen definitiven und praktischen Sicherungen begleitet. Dies sei das furchtbare Problem, vor das England und gleicherweise die fudenheit gestellt sei. England sei verpflichtet, ein Jüdisches Nationnlheim zu errichten, aber nicht verpflichtet, Palästina zu einem überwiegend jüdischen * Staat zu machen. Die Araber seien bereits seit der Balfour-Deklaration beunruhigt, aber ihre Unruhe war noch leicht zu beschvvieJitigen, solange nicht ihre Furcht um ihre Zukunft dringend wurde. Die Juden könnten in wenigen Jahren die domiliierende Hälfte der palästinensischen Bevölkerung werden. Die Folge würde nach arabischer Ansicht die zionistische Herrschaft sein. Die Araber fragen daher, wie die Garantien ihrer bürgerlichen und religiösen Rechte aus dem Mandat zu vereinbaren seien mit ihrer Verdrängung aus ihrem eigenen Land. Der Zionismus, so schließt der Aufsatz, habe in Palästina Großes vollbracht und könne noch mehr tun; aber jeder Versuch, sein unbeschränktes Wachstum durch Waffen oder Blutvergießen zu festigen, müßte in einer Katastrophe enden. Die jüdische Einwanderungsziffer müsse durch ein Einschränkungsgesetz geregelt werden. Dies werde unvermeidlich sein. Später würde eine geographische Abgrenzung des Gebiets der jüdischen Siedlung für die Sicherheit des Zionismus selbst ratsam sein. * ״Great Britain and ihe East“ wiederholt am 2. Juli im Leitartikel, daß die Unruhen in Palästina nicht die Machenschaften einiger weniger ״Terroristen“ seien, sondern daß das ganze arabische Volk einig sei in dem Wunsche, daß die Juden nicht die Majorität im Lande erhalten, und mit dem Streik sympathisiere. Man müsse auch die Warnung wiederholen, daß eine ernste Gefahr bestand, daß T ransjordanien in den arabischen Zusammenstoß mit der Mandatarmacht liineingezogen würde. Die Tatsache, daß Transjordanien bis jetzt nichts unternommen habe, sei der Regierung des Emirs und dem Einfluß der englischen Beamten zu danken. — Das Blatt schreibt, daß die Maßnahmen der Maudatarniacht zur Wiederherstellung der Ordnung aus der Entfernung nur schwer zu beurteilen seien. Man müsse annehmen, daß die Behörden hoffen, dein arabischen Widerstand eher durch den Erschöpfung«prozeß als durch energische Pazifierung ein Ende bereiten zu können. Zur Zeit sei noch keine Besserung in der Lage festzustellen, und je länger sie andauert, um so größer wird die Gefahr von Rückschlägen außerhalb Palästinas. Zwar könnten Länder wie der Irak oder Saudi-Arabien bri aller Sympathie für die palästinensischen ״Brüder“ wenig in physischem Sinne tun, aber ihre moralische Unterstützung der arabischen Sache muß anwachsen, und die gefühlsmäßige Erregung in solchen Undem sei ein Faktor, den England nicht übersehen dürfe. Offenbar sei, daß die drastischen Maßnahmen der Palästinaregierung in Form von Todesstrafen sich als unwirksam erwiesen haben, die Araber zu beruhigen. Allem Anschein nach werde keine Besserung eintreten, bis man entweder sich entscheiden werde, die Einwanderung (die unvcrmcidlicherweise schon aufgehört habe) während der Arbeit der Untersuchung«- kommission zu stonpen, oder daß man die Araber durch höhere Gewalt zur Ruhe bringe. Auch mehrere Leserzuschriften befassen sich in der gleichen Nummer von ״Great Britain and the East“ mit der Palästinafrage. Von jüdischer Seite nehmen Israel Cohe 11 lind M. Bi- 1 e s k i das Wort. Cohen wendet sich gegen falsche arabische Behauptungen über die Beschäftigung arabischer Landarbeiter; Bileski beklagt den Mangel an Verstehen und an Kenntnis der Grundlagen der zionistischen Politik. Die Frage sei, ob ein Konflikt der Rechtsauffassungen durch ein Ucbcrcinkommcn geschlichtet werden könne. Jeder müsse diese Frage ernsthaft prüfen, und zu ihrer Lösung sei gegenseitDcs Verstehen notwendig. — Zwei arabische Zuschriften geben die bekannten arabischen Argumente wieder; die eine ist von zwei Frauen, Mutter und Tochter Tawil aus Gaza, und appelliert an die Gefühle der englischen Frauen. (Schluß des Palästina-Teils)

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