Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 54 (7.7.1936)
- Date
- 1936-07-07
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 54, 7. VII, 1936 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 3 [oberrabbiner Pr. Feuchtwang Von unserem Wiener Berichterstatter WI e n, 5. Juli öie Wiener Judenschaft hat einen herben Verlust za beklagen: Im Alter ron 72 Jahren ist heute vormittag der Wiener Oberrabbiner Dr. David Feuchtw a n g plötzlich verstorben. Oberrabbiner Feuchtwang, der sich bis in die letzte Zeit bester Gesundheit er- Ireute, hielt noch am Donnerstag bei der Einweihung eines Hakoah-Heims eine Rede und fühlte sich ledig- Hch in den letzten zwei Tagen etwas unpäßlich, war aber noch am Freitag in der Rabbinatskanzlei und ordnete sogar noch Sonntag früh Dispositionen an. Der Kultusvorstand trat sofort zu einer Trauersitzung zusammen. — Die Beerdigung findet Dienstag statt. Mit Oberrabbincr Feuchtwang, der fast 4 Jahrzehnte das hohe Amt eines Wiener abbners bekleidet hat und seit 4 Jahren an der Spitze der alten Judengemeinde Wiens stand, ist eine über die Rahbi׳:e kreise hinaus interessante Persön'ichkcit dahingegangen. Die einmalige Fiihrerpersönlichkeit seines Vorgängers, des Oberrabbiners Professor 1P. Chajes, der zu den edelsten Gestalten des zeitgenössisehen Judentums zu zählen war. brachte es mit sich, daß es fünf Jahre lang gedauert hat, bis entschieden wurde, wer das Erbe Chajes’ antreten sollte. Im Sommer 1933 wurde C)r. David Feuchtwang, als sein geistig und ideologisch, aber auch menschlich nahestehender Freund, der seit über drei Jahrzehnten das Amt eines Gemeinderabbiners bekleidete, zum Nachfolger von Chajes als Oberrabbiner von Wien bestimmt. Die älteste Wiener Kanzel hatte in Oberrabbincr Feuchtwang einen ausgezeichneten Prediger, die Wiener jüdische Gemeinschaft einen nicht nur geistlichen, sondern auch geistigen Führer, und die Geiehrtenvvelt, insbesondere die der Theologie, verehrte in ihm einen der bedeutendsten Vertreter. Oberrabbiner Feuchtwang war religiös konservativer Riehtung und zugleich ein begeisterter Zionist. Für ihn bedeutete, wie er dies nach seiner Berufung zum Wiener Oberrabbiner in einem Gespräch mit Ihrem Berichterstatter wörtlich ausführte, der nationale Gedanke, wie er im modernen Zionismus inkarniert erscheint, eine historisch bedingte Selbstverständlichkeit. Dr. Feuchtwang hat sich zu einer Zeit der zionistisehen Bewegung angeschlossen, ais die anderen jüdischen Seelsorger noch eine feindliche Kampagne gegen den Zionismus und Herzl führten. Dr. Feuchtwang war der Rabbiner, der hei der ersten Trauerkundgebung unmittelbar nach Theodor Herzls Tode die Gedenkrede im Großen Musikvercinssaal hielt, trotz Protestes des damaligen Kultuspräsidenten Dr. Adolf Stern gegen die Teilnahme Dr. Feuchtwangs an dieser Kundgebung. Oberrabbiner Feuchtwangs Eltern stammten aus B a y - cm, sein Vater, ein bedeutender Talmudgelehrter und Rabbiner in Oettingcn in Bayern, war der erste bayerische Rabbiner mit dem Doktorhut. Sein Großvater mütterlicherseits war Talmudgelehrter und reicher Großgrundbesitzer. Sein Urgroßvater war ein Handwerker (Siebmacher) und Grundbesitzer zugleich. Oberrabbiner Dr. Feuchtwang erfreute sich in allen Schiebten der Wiener Judenschaft, aber auch in weiten christlichen Kreisen, außerordentlicher Wertschätzung. Die besondere Kultiviertheit seines Auftretens, sein vornehmes Wesen, seine immer und überall hervorstehende Güte und Hilfsbereitschaft — der Wiener Oberrabbiner hatte für jedes Mitglied seiner Gemeintle Zeit und Geduld, und half seelisch und menschlich, wo er konnte — sicherten ihm die Liebe und Anhänglichkeit der ganzen Gemeinde. Die Wiener Judenschaft ist durch den jähen Tod ihres religiösen und geistigen Oberhauptes von schwerer Trauer erfüllt. Oberrabbiner Feuchtwangs einziger Sohn lebt seit 2 Jahren in Erez Israel. F)r. Jakob Rosenthal Kleine Nachrichten Da an den höheren Schulen jüdischer Religionsflnter rieht nicht mehr erteilt wird, hat der Reichs- und Preußische Minister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung einen Erlaß aus dem Jahre 1926 aufgehoben, wonach ein Lehrer der Anstalt, der in der Oberprima jüdischen Religionsunterricht erteilt, bei der Reifeprüfung dem Prüfungsausschuli bisher als ordentliches Mitglied angehört hat. Die Firma Hermann H i 11 e r, Deutsch-Krone, ist in den Besitz von Fritz Schuffenhauer übergegangen. Die Schuh Warenhausgesellschaft Klausner in Breslau hat eines ihrer Geschäfte verkauft, führt aber die beiden anderen Geschäfte unter der bisherigen Firma weiter. Die jüdischen Angestellten sind in die verbleibenden Geschäfte übernommen worden. In der Stadt W i a z i n in der Nähe von Wilna ist ein großes Schadenfeuer ausgebroclicn, durch das zahlreiche jüdische Familien obdachlos geworden sind. Bundespräsident Miklas hat dem Direktor des Karolinenkrankenhauses für Kinder in Wien, Universitätsprofessor Dr. Wilhelm Knöpfei nt achcr, das Ritterkreuz 1. Klasse des österreichischen Verdienstordens verliehen. Primarius Dr. Karl Grünfcfd, einer der bekanntesten jüdischen Kinderärzte Wiens, ist im 59. Lebensjahr gestorben. In Kopenhagen wurde ein Denkmal für den dänischjüdischen Politiker Hcrman Trier enthüllt. Für Einwanderung und Aufbau! Die vom Präsidium des Keren Hajessod aus Anlaß der Ereignisse in Palästina proklamierte Sonderaktion für Einwanderung pnd Aufbau, in der das Präsidium an alle Freunde und Mitglieder des KH den Appell gerichtet hat, *u jhren bisherigen Leistungen ein zusätzliches Opfer zu erbringen und ihre Jahreszeicnnung um mindestens ein Viertel zu erhöhen, macht weiterhin gute Fortschritte. Nachdem der Landesvorstana der ZVfD. die Sonderaktion des Keren Hajessod noch einmal bekräftigt und alle organisierten Zionisten, die der Keren Hajessod-Pflicht unter- Hegen, auf den Sonderbeitrag verpflichtet hat, — mit diesem Sonderbeitrag allein gelten die organisierten Keren Hajessod- Zeichner zugleich den für ״Bizzur Haarez“ geforderten Ertrag eines Arbeitstages ab —, hat die Sonderaktion des Keren Hajessod durch den persönlichen Einsatz der Mitarbeiter des Keren Hajessod im Reich einen neuen Auftrieb erhalten. Das Präsidium des Keren Hajessod bittet auch hierdurch noch einmal diejenigen seiner Freunde und Mitglieder, deren Aufmerksamkeit die Ueberweisung des Sonderbeitrags bisher entgangen ist, noch in dieser Woche dem an sie ergangenen Appell Folge zu leisten. Die Konferenz für Auswandererschutz Genf, 3. Juli. (JTA.) An der zwischenstaatlichen Regierungskonferenz zur Regelung des Rechtsstatus der aus Deutschland Ausgewanderten, die am 2. Juli in Genf eröffnet wurde, nehmen die Vertreter Belgiens, Englands, der Tschechoslowakei, Dänemarks, Ecuadors, Frankreichs, Irlands, Lettlands, Norwegens, der Niederlande, Polens, Rumänien:. Schwedens, der Schweiz und Uruguays teil. Die Vereinigten Staaten von Nordamerika und Finnland sind durch Bcobacliter vertreten. Nach der Wahl des Vertreters von Uruguay, Guani, zum Vorsitzenden und des Vertreters von Belgien, d e Brouckere, zum stellvertretenden Vorsitzenden wurde eine Legitimationskommission, bestehend aus van Rapnard (Holland) und Komanicki (Polen), und eine Redaktionskoimnission, bestehend aus Roth ni und (Schweiz), Cooper (England) und Fouqiics-Duparc (Frankreich), gewählt. In einem C o m muni q u e der Informationsabteilung des Völkerbundes wird mitgctcilt, daß der Völkerbundsoberkominissar Sir Neill Malcolm in seinem Referat den Abschluß provisorischer Vereinbarungen zur Regelang des Rechtsstatus aus Deutschland Ausgewanderter als die erste Pflicht dieser Konferenz bezcichnete. Diese Vereinbarungen sollen den Ausgewanderten so schnell wie möglieh einen Rechtsstatus geben, der gelten soll, bis langfristige Vereinbarungen auf Grund eines Vertrages in Kraft treten. Die Vereinbarungen sollen sich auf f o 1 - gende Punkte erstrecken: 1. Definition der Auswandererkategorien, bei denen die Vereinbarungen Anwendung finden sollen. 2. Administrative Maßnahmen: a) Ausgabe von Identitäts- und Reiseausweisen — Gültigkeitsdauer dieser Ausweise — Berechtigung der Inhaber in ein Land zu kommen und es zu verlassen — Visa, Erneuerung, Ausfertigungskosten für Ausweise und Visa; b) Ausweisung und Verweigerung der Zulassung (refoulement). 3. Rechtsstatus: a) Bestimmung des für den Personal- Status der Ausgewanderten maßgebenden Gesetzes; b) GUItigkeit von Papseren, die von religiösen Behörden ausgestellt sind; c) auf Grund der Staatsgesetze erworbene Rechte (Elierecnt — Rechtsfähigkeit verheirateter Frauen); d) Ehetrennung; e) das Recht, als Kläger oder Beklagter vor den Gerichten zu erscheinen. Die Tagesordnung, sieht auch den Entwurf einer Konvention zur Regelung des Status der aus Deutschland Ausgewanderten vor. Der Oberkommissar empfahl der Konferenz, die auf Grund mehrjähriger Erfahrung zustande gekommene Flüchtlingskonvention von!933 mit gewissen Acnderungen anzunehmen. Schließlich wies der Oberkommissar noch auf einen dritten Punkt der Tagesordnung hin, nämlich auf die Frage der Erleichterung der Ausgabe von Identität^- a pieren, Rciscdokuraenten usw. durch das Gcurtsland. Auf Wunsch des Vertreters Belgiens stellte der Vorsitzende Guani fest, daß die Konferenz ihre Beratungen auf die Ausgewanderten aus Deutschland einschränken solle. Dagegen verlas der Vertreter Norwegens im Namen seiner Regierung eine Erklärung, in der die Konferenz aufgefordert wird, die Angelegenheit womöglich unter dem Gesichtsunkt des Gesamtproblems der Flüchtlinge zu ehandeln. Die Konferenz beschloß, nur einzelne Sitzungen öfferitlieh abzuhaiten; doch sollen Vertreter der Privat- Organisationen im Hinblick auf ihr Interesse an der Lösung der Frage eingcladcn werden, den Beratungen bei- /!:wohnen. Auf Vorschlag des Vorsitzenden wurden die von dem Oberkomtnissar erstatteten Vorschläge für eine provisorische Regelung des Rechtsstatus aus Deutschland Ausgewanderter von der Konferenz zur Grundlage der Diskussion genommen. Dann begann die allgemeine Aussprache. Komanicki (Polen) galt der Bereitschaft seines Landes Ausdruck, die Versuche zur Lösung dieses Problems in jeder Weise zu fördern. Er übte an unzelheiteii der Vorschlüge und insbesomlere an der in ihnen enthaltenen Definition des Begriffs ״Reftigic“, die ihm unvollständig schien, Kritik. Der rumänische Vertreter, Minister A n t o n i a d e, stimmte den Vorschlägen grundsätzlich zu, machte jedoch bezüglich ihres Inhalts gewisse Vorbehalte. Er erklärte, seine Regierung habe bereits zahlreiche Auswanderer auf ihrem Gebiet mitgenommen und könne einer Erh ö h u ת g ihrer Zahl unter keinen Umständen z 11 s t i 11t m e n. Im Anschluß daran trat die Konferenz in die Beratung der einzelnen Punkte der Vorschläge ein. Die Textierung des ersten Punktes, in dem der Begriff des ״a u s D e u t s c h-!and A 11 s g c w a 11 d c r t e n“, wie er für die Vereinbarungen maßgebend sein soll, definiert wir 1i, wurde der Redaktions- Kommission überlassen, nachdem die Vertreter von Frankreich, Norwegen, Belgien, der T-chechoslowakei, Schweden, Dänemark und Holland Erklärungen abgegeben und gewisse Modifizierungen vorgcsclilagen hatten, die der Definition jegliche Zweideutigkeit nehmen sollen. Bei Beratung des Punkte-, 2: Ausgabe und Er- 11 euer ti n g v ״ ti Z e r t i f i k a t c 11 .- Ausweisung u n <1 V e r w e i g e r 11 11 g d e r /. u lass u 11 g (refoulement) erhoben die Vertreter der Schweiz, Frankreichs, Belgiens, Englands, Hollands und No! wegens Ei ח wände gegen die Ausgabe von Jdenlitätspapieren an die Ausgewanderten; sie machten teils Vorbehalte, teils schlugen sie verschiedene Amendements vor. I >ie Konferenz einigte sich schließlich auf folgenden Wortlaut: ,,i )11• Signatarstaaten werden den aus Deutschland Ausgewanderten, die ermächtigt sind, auf ihrem Gebiet zu wohnen, ein Identitätszeugnis (entsprechend dem angefügten Muster) ml er ein anderes Dokument, das den gleichen Zweck erfüllt, ausstellen.“ Auf der Konferenz für Au-wandercrschutz ist der Council for German Jewrv durch Professor Norman Bentwich, das Joint Distribution Committee durch Direktor Bernhard Kahn und die Jewisii Agency for Palcstine durch Dr. tioldmann vertreten. Außerdem wohnen den Beratungen je ein Vertreter der in Frankreich und rier in der Tschechoslowakei lebenden Ausgewanderten hei. Die Konferenz hat ihre Beratungen über das von Oberkommissar Sir Neill ■Malcolm vorgelegtc Projekt fortgesetzt und die Bestimmungen über Ausgabe und Erneuerung der Identitätspapicre mit gewissen Abänderungen angenommen. Bei der Beratung der Punkte, die sich auf Ausweisung und Verwcigcrung der Zulassung, sowie auf den Personalstatus beziehen, wurden einzelne Bestimmungen der Ueberprüfung an die Redaktionskommission verwiesen. Der Weltkongreß jüdischer Frontkämpfer Eine Konferenz der Führer der ausländischen Delegationen wählte den österreichischen Bundesführer Hauptmann a. D. Edler von Fried mann zum Präsidenten des Kongresses. Nach der Konstituierung der fünf Kommissionen und Beratung innerjüdischer Angelegenheiten wurden Referate über Abwehr judenfcindlichcr Angriffe und über Maßnahmen zur Ansiedlung jüdischer Frontsoldaten, insbesondere in Palästina, gehalten. Der Bürgermeister der Stadt Wien, Vizekanzler a. D. Richard Schmitz, empfing eine Abordnung des Kongresses der jüdischen Frontkämpfer, begrüßte sic auf das herzlichste und wünschte dem Kongreß gutes Gelingen. An der Gedenkfeier auf dem Wiener Zentralfriedhof nahmen zwei Bataillone des Bundes der jüdischen Frontkämpfer Oesterreichs mit ihren Palmen, sämtliche Kongreßdelegierten mit den Fahnen der verschiedenen Länderorganisationen und eine zahlreiche Menschenmenge teil. Vor dem Mausoleum hezogen sechs mit der Goldenen Tapferkeitsmedaille ausgczeichnete jüdische Frontsoldaten Oesterreichs den Ehrendienst. Namens der ausländischen Delegation sprach der Amerikaner Craditor Worte des Gedenkens, worauf sich die Fahnen senkten. Mit einer Defilierung vor dem Mausoleum schloß die Tratierfeier. Am 1. Juli veranstaltete der polnische Gesandte G a w - ronski für die in Wien weilenden Vertreter der jüdischen Kombattantenorganisation Polens einen Empfang im Gesandt- Schaftsgebäude. Die Führer der auswärtigen Delegation sind am 2. Juli vom Vizekanzler B a a r - B a reu fei s empfangen worden. Die Delegierten wurden vom Vizekanzler durch den Präsidenten des Kongresses, Bimdesfiihrer Flauptmann a. D. Edler von Friedmann, vorgestellt. Der Führer der englischen Delegation, Major Caro, brachte den Dank der Delegierten des Weltkongresses für die herzliche Aufnahme zum Ausdruck, die sie in Wien gefunden hätten. Der Vizekanzler begrüßte die einzelnen Delegierten und wünschte den Arbeiten des Kongresses vollen Erfolg. Hierauf begaben sich die Delegationsführer in das Ministerium für Landesverteidigung, wo sie von Staatssekretär General der Infanterie Zehner empfangen wurden. Der Staatssekretär richtete an die Gäste Worte kameradschaftlicher Begrüßung, dankte ihnen, daß sie der gefallenen österreichischen Kämeraden pietätvoll gedachten und in der Ehrenhalle des österreichischen Ehrendenkmals irn Namen des Weltkongresses einen Kranz niederlegten, und erklärte: ״Als Frontsoldat und Truppenoffizier hatte ich Gelegenheit zu reichen Erfahrungen mit jüdischen Soldaten und Offizieren an der Kampffront. Es ist meine feste Ucberzcugung, daß die jüdischen Soldaten sich tapfer geschlagen und ihre Pflicht gegenüber dem Vaterland volt und ganz erfüllt haben.“ Marineoberleutnant Abraham Craditor gab als amerikanischer Delegationsführer der Genugtuung über die anerkennenden Worte des Staatssekretärs Ausdruck. General Zehner unterhielt sich sodann mit den übrigen Mitgliedern der Delegation und führte ein besonders langes Gespräch mit dem ungarischen Delegationsführer Ing. Seil ui I er, der viele hohe Kriegsauszeichnungen besitzt. Der General versicherte, daß er während seiner Dienstleistung bei einem ungarischen Regiment wiederholt die Tapferkeit der ungarischen jüdischen Soldaten feststellen konnte. In einer unter dem Vorsitz des Kongreßpräsidenten Hauptmann a. D. Edler von Friedmann abgehalfenen Voll- Versammlung wurden die Ergebnisse der von den fünf Konimissionen geleisteten Arbeit einmütig gebilligt. Sie fanden ihren Ausdruck in eingr Reihe von Beschlüssen und Resolutionen. Der Kongreß beschloß die Schaffung eines ״Comite d 11 C o 11 g r e s M 0 n ti i a 1 des A 11 c i e n s C o m hattants J u i v e“ mit dem Sitz in Wien, das sich mit allen Fragen der jüdischen Frontsoldaten befassen und fiir die Durchführung der Beschlüsse des zweiten Weltkongresses Sorge tragen soll. In dieses Komitee wurden gewählt: Als Präsident Bundesführer Hauptmann a. D. toller •von Friedmaun, als Vizepräsidenten Craditor (Vereinigte Staaten von Nordamerika), Sarna (England) und Vanikoff (Frankreich), als Generalsekretär Oberleutnant uer Reserve Ernst Stiassnv, ferner als Vertreter der am Kongresse beteiligten Läiiderorganisationen die Delegierten (liierst Tadger, Fein, Bergsfein, Schüller, Bregmann und Rose. Das־ Komitee wird monatlich ein Bulletin über bedeuflitigsvolle Aktionen 11m! Ereignisse veröffentlichen. Den 1 :inderorigimsatjonen wird die Errichtung von Heldendenkmälerii für jüdische Gefallene, wo solche Denkmäler noch nicht bestehen, empfohlen. Auf Vorschlag der amerikanischen Delegation beschloß der Kongreß einstimmig, in Palästina zur Erinnerung an die unter den Fahnen ihrer Nation gefallenen jüdischen Frontkämpf er aller Länder e in ״M e m o r i a I (; o nservatory of M!1 s i c“ zu errichten. Dell Organisationen der einzelnen Staaten wurde ferner empfohlen, mit gleichartigen nicht jüdischen Organisationen Verbindung zu halfen und zu pflegen und in diesen Reihen aufklärend im Sinne der Bedrohungen jüdischer Frontsoldaten zu wirken. Zur bleibenden Erinnerung mul zum ehrenden Andenken an die im Weltkriege für Deutsehland gefallenen 12(XX) Juden soll in Palästina ein ״Dorf der 12 000“ errichtet werden. Dieses soll der Ansiedlung jüdischer Frontkämpfer und deren Nachkommen aus allen!.andern dienen. Der Kongreß ermächtigt das Präsidium und die britische Delegation, bei der britischen Regierung Schritte zu unternehmen, um die Forderungen in bezug auf Palästina, insbcsondere die, den jüdischen Frontkämpfern Kronländereien für Siedlungszwccke zur Verfügung zu stellen, durchzusetzen. Ein weiterer Anschluß fordert die Wiederherrichtung der ״Jüdisehen Legion“ in Palästina. Während des Kongresses fand ein gemeinsamer Besuch der Delegierten aller Ländervertretungen am Grabe Theodor Herzls aut dem Döblinger Friedhot statt. * Der Bericht über die Tagung der jüdischen Front- Soldaten in Wien zeigt, welche Tendenzen innerhalb der jiidisehen Frontkämpfer-Organisationen der Welt herrschen. Neben speziellen Fragen, die für das Schicksal der Frontkämpfergencration wesentlich sind und den Problemen der Rolle der Frontkämpfer-Organisationen bei der Verteidigung jüdischer Rechte hat die P a I ä s t i 11 a f r a g e auf diesem Kongreß einen erheblichen Raum eingenommen. Der Kongreß hat den bereits früher gefaßten Beschluß, in Palästina ein ״Dorf der 12(XX)“ zu errichten, das dem Andenken der 12 (XX) irn Weltkriege gefallenen Juden Deutschlands dienen und für die Ansiedlung jüdischer Frontsoldaten und ihrer Nachkommen aus allen Ländern bestimmt sein soll, angenommen. Er hat sich weiter mit der Frage der Zuwendung von Krönländereien an jüdische Frontsoldaten in Palästina beschäftigt und einige weitere Palästinabeschiusse gefaßt. Dies sowie die Tatsache des gemeinsamen Besuches am Grabe Herzls, an dem Delegierte aus allen Ländern teilnahmcn, zeigt, mit welchem Interesse dieser Kongreß der zionistischen Bewegung