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Jüdische Rundschau · 1936-07-07 · Heft 54 (7.7.1936) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 54 (7.7.1936)
Date
1936-07-07
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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4* S5־!f« 2 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 54 7 VII. 1936 Arabische Kundgebung in London 0 CT Was die englischen Araberheunde sagen ten ist, reihen sich die Plätze aneinander, die während der langen Wochen der Unruhen eine traurige Berühmtheit erhalten haben. Da ist Abu Kebir, ein arabischer Vorort von Tel-Awiw, bekannt geworden durch die vielen Hinterhalte und Ueberfallsversuche, die man von dort auf die Außenviertel von Tel-Awiw versucht hat. Da ist die licke mit der Hecke vor den Plantagen, von der aus in der letzten Zeit immer von neuem auf Autobusse geschossen wurde. Da ist das Viertel von elenden B1 e c h 11 ü 11 e 11, hauptsächlich von Jaffaer hauranischen Arabern bewohnt, das in den letzten Tagen von den Tanks niedergelegt wurde und das heute nur noch ein von alten rostigen Blechen übersntes Viereck ist. Dann kommt J;1 s 11 r, ein für seine Ueberfäilc berühmt gewordenes Dorf, das kürzlich von der Polizei gründlich durchsucht und mit einer Koliektivstrafe belegt worden ist. Und so geht es weiter. Es ist, als wiederhole man im (leiste in dieser raschen Fahrt noch einmal die Oeschichte der letzten Wochen, von denen sich jedes Ereignis in das Gedächtnis eingraviert hat. Aber wenn mau all das nicht wüßte, wenn jeder Platz, an dem man vorbeifährt, nicht eine besondere Assoziation heraufbeschwörte, so würde man bei dieser Fahrt direkt wenig Außergewöhnliches zu sehen bekommen. Das Land liegt überaus friedlich in der Morgensomu־. Kamele ziehen die Straße hin. schwer beladen und in ihrem schaukelnden Gange wie seit je und je. Hier und da sieht man einen einzelnen 1 eilachen oder mehrere zusammen des Weges ziehen, manche zu Fuß, manche zu Pferd, manche zu Esel, und am Straßenrand sieht man in die Dörfer hinein, wo die Araber wit* immer in dieser Jahreszeit ihre Ochsen und Esel über die Tenne treiben, um die Körner aus dem Getreide zu treten, oder die Kornhaufen gegen den Wind worfeln, wie es schon in der Bibel geschildert ist. Nur ein Unterschied: die sonst so stark belebte Straße ist fast verlassen, der Verkehr ist minimal und in kurzen Zeitabständen rollen die Polizei,־nitos mit den starken Patrouillen vorbei, teils palästinensische Polizei, teils Engländer in Feldausrüstung. Sie gelren dem friedlichen Bild eine besondere Farbe. Wir fahren durch R a in 1 e h. Diese Stadt, durch die sonst die Autos mit verminderter Geschwindigkeit fahren, weil der Verkehr groß ist, bietet heute der Karawane nicht die geringsten Verkehrshindernisse. Die Haupt- Straße scheint wie ausgestorben. Die Läden geschlossen, nur ein Gemüseladen hat halb geöffnet und vor der offenen Tür einer Autoagentur sitzen die Chauffeure. Sonst absolute Sonntagstille und mehr als das. Denn die zahlreichen Cafes an der Straße, wo sonst massenhaft die Einwohner der Stadt bei Kaffee und Nargileh sitzen, sind auch gesperrt und verlassen. Rainleh streikt, wie die übrigen arabischen Städte im Laude. Auch die Eisenbahnstation am Ende des Ortes liegt verlassen, denn die Regierung hat sie ״aufgehoben", nachdem hier alle möglichen liebergriffe vorgekommen sind. Die Züge halten nicht, es werden keine Fahrkarten mehr verkauft. Ramleh als Station existiert fürs erste nicht mehr. Die Fahrt geht rasch und schnell durch die Ebene den Bergen zu. Am Eingang in die judäischcn Hügel hält die Karawane. Die Eskorte wird gewechselt. An Stelle des bisherigen Kleinautos tritt ein Lastauto, auf dem ein Maschinengewehr montiert ist, und jeder der Autobusse nimmt einen Soldaten auf. Die Fahrt durchs judäische Gebirge, wo die unübersichtlichen Felsen ausgezeichnete Deckung für Angreifer liefern, hat mehrfach den Terroristenbanden Gelegenheit zu Ueberfällen gegeben, und so wird in diesem Bezirk die Eskorte vergrößeit und mit wirksameren Waffen ausgestattet. Auf der Fahrt durch das Gebirge, wo man ebenfalls eine ganze Reihe durch die Unruhen ״historisch“ gewordener Plätze passiert, begegnen wir dem Flugzeug, welches das Gelände abpatrouilliert, um die eventuellen Angreifer vorher aus/uspähen, die Autos wenn nötig zu warnen und im schlimmsten Falle Hilfe heranzuholen. Die Pumpstationen der Jerusalemer Wasserleitung, an der wir vorüberfahren, sind von englischen Posten besetzt. Wie nölig sie sind, haben die letzten läge gelehrt, wo es trotz aller Wachsamkeit den Arabern gelungen ist, die Leitung an etlichen Stellen zu unterbrechen. Hier und da sieht man auf den Höhen des Gebirges Wachtposten von Soldaten, die die Umgegend absuchen, und an den strategisch wichtigen Stellen sieht man die neuen verstärkten Punkte der Polizei und des .Militärs. Wenn auch der friedliche Anblick des lächelnden Landes uns immer wieder versichern will, daß sich nichts geändert hat, die leere Straße, die Posten, die Patrouillen, das Flugzeug rufen uns in die Wirklichkeit zurück. Wir fahren in Jerusalem ein. Um die ankommenden Autos ist bald eine Menge versammelt, die wissen will, ob alles glatt gegangen ist und die unterdes mit viel Neugier und Sachverständnis (wer ist in diesen zehn Wochen noch kein Sachverständiger geworden!) das Maschinengewehr betrachtet. Dieser Teil der Stadt sicht bei der Ankunft so friedlich aus wie das Land. Starke Bewegung auf der Straße, alle Geschäfte geöffnet (hier in diesem Teil der Jaffa-Straße sind nur jüdische Geschäftsieute), vielleicht ein paar Uniformen mehr als gewohnlich, aber die Autobusse laufen wie sonst, alles 'scheint wie immer seiner Arbeit nachzugehen. Aber wenn man seine ersten Erkundungsfahrten in Jerusalem unternimmt, so lernt man sehr bald, daß es kein einheitliches Jerusalem gibt. Hier an der Egged-Station ist die Stadt lebhaft, normal. Und so bleibt sie ein paar hundert Meter weiter nach dem Jaffa-Tor zu. Dann, in der Gegend des Russcnplatzcs, wo jetzt immer eine Menge Autos verschiedensten Formates für Polizei und Truppen bereitstehen, hört die stärkere Bewegung auf. Man sieht weniger Juden und auch wenig Araber. Die Geschäfte Im Rahmen der Propaganda der jetzt in London weilenden a r a b i s c h e n Delegation fand in London am 23. Juni eine Versammlung statt, über deren Verlauf die Zeitschritt ״(ireat Britain and the East“ ausführlich berichtet. Wie wir diesem Bericht entnehmen, beklagte der Führer der Delegation, Dschemal Husseini, dali obwohl es bereits in Syrien und Transjordanien Ansät/e zur Verwirk- Hebung der Sclbstregierung gebe — in Palästina noch keine Vertretungskörperschaft vorhanden sei. Wenn im Mandat von den Rechten der Nichtjuden die Rede sei, so könne nur ihr Status als Majorität gemeint »ein, und diese Position sei heute ernstlich bedroht. Auch leugnete der Redner, daß die jüdische Einwanderung den palästinensischen Arabern im ganzen Vorteile gebracht habe. Der arabische Streik habe die Gemüter so erregt, daß Blutvergießen unvermeidlich wurde, aber das sei kein Kampf der Araber gegen England, sondern eine Aktion ungebildeter Elemente. Das Unterhaiismitglied Anthonv Crossley betonte, daß alle Abgeordneten die Meinung des Kolonicnniinistcrs teilten, da ß erst die Ordnung vv i e d e r 11 e r g e s t e 111 sein müsse, bevor die Untersucliungskoimnission zu arbeiten anfaugen könne. Die arabische Sache sei sowohl im Pariament als auch in der Presse falsch dargestellt worden, trotz der Tatsache, daß die Araber die Sympathie der Mehrheit der britischen Beamten in Palästina und früherer Kommisslonen hätten. Gegenüber Lloyd George, der im Unterhaus auf die wirtschaftlichen Vorteile hingcwicscn hatte, die die Juden Palästina gebracht haben, fragte Crossley, ob nationale Ehre und nationale Ziele auf einer niedrigeren Ebene stünden als ökonomische Vorteile, Zum Schluß rief er die Araber auf, die Ordnung wiederherzustellen und die Kommission anzuerkennen. Colonel S, F. Newcombe leimte den historischen Anspruch der Juden auf Palästina ab: die einzige logische Basis für ein jüdisches Nationaihcim in Palästina seien die während des Krieges geleisteten Dienste, nichts anderes. Aber man dürfe nicht vergessen, daß auch die Araber für die britische Sache getan haben, was sie konnten. Er tadle nicht die Zionisten, die von Palästina Besitz ergriffen hätten: das Uebel stamme, wie er aus persönlicher Erfahrung wisse, aus dem zionistischen Einfluß in Regierungskreisen. Einen arabischen Einfluß in diesen Kreisen gebe es nicht. Die jüdische Einwanderung würde während der Dauer der Unruhen nicht weitergehen; warum sollte man also den Arabern nicht sagen, daß keine Einwanderung erlaubt würde, bis die Kgl. sind offen, aber sehr wenig frequentiert, es scheint, daß man aus den ausgesprochen jüdischen Vierteln sich nicht sehr gern so weit für seine Einkäufe vorwagt. Je inehr man sich dem Jaffa-Tor nähert, desto stiller wird es. Die Straße zu den Regicruiigsbüros am Damauus-Tor wirkt fast verlassen, und eine Querstraße weiter scheint alles wie abgeschnitten. Die Stadt sieht wie schlafend aus. Alle Geschäfte geschlossen. Kaum ein Jude weit und breit und auch kaum Araber. Hier fängt das arabische Viertel an, und hier wird gestreikt. Kein Handel, kein Verkehr, keine Menschen. Die Posten sehen es ungern, wenn man weitergeht, lassen auch nicht gern in die alte Stadt. Aber niemand, der nicht muß, spaziert heute in diesen Gegenden. Hier im Zentrum der Hauptstadt wird die kolossale Bewachung, die in den letzten Wochen von den Engländern eingerichtet worden ist, auffallend deutlich. Ein Lastauto, mit starker englischer Patrouille besetzt, gelegentlich mit Maschinengewehren ausgerüstet, folgt dem anderen. Kleinautos mit Offizieren biegen um die Straßenecken. Gelegentlich stauen sich Autos verschiedenster Art an einer Ecke: es wird nach Waffen untersucht. Kreuzt man aber an dieser Ecke die hauptsächlich von Arabern bewohnte Mamillahstraße, so beginnt plötzlich das Leben wieder zu pulsieren. Ein neues Jerusalem, das jüdische Viertel von Rechawjah, die King George Avenue, Gegenden, in denen Juden wohnen, wo weiter gearbeitet und so normal gelebt Wird, wie es in den Zeiten der Patrouillen möglich ist. Und so teilt sich die Stadt in die verschiedensten Sektoren. Hier Geschäfte offen, dort geschlossen, hier belebte Straßen, dort stille Gäßchen, hier volle Cafes, dort geschlossene Rolläden. Ueber allem gleichmäßig aber kreisen die Flugzeuge. Das Getümmel in den jüdischen Vierteln wird am stärksten abends zwischen 6—7, in der Stunde vor Tores- Schluß. Es muß ja in Jerusalem, das unter Ausnahmezu stand lebt, jeder um 7 Uhr abends zu Hause sein, wenn er peinliche Konflikte mit der Polizei vermeiden will. Vor dieser Stunde aber will niemand in seine Wobnung, alle genießen die letzten Minuten der Bewegungsfreiheit. Die Geschäfte müssen früher schließen, um den Angestellten die Möglichkeit zu geben, zur Zeit nach Hause zu kommen. Um sieben herum tauchen die Polizisten auf, um die Straßen zu räumen und sie nehmen ihr Handwerk ernst. Und danach teilt sich Jerusalem in zwei Klassen: in Leute, die Pässe besitzen, die ihnen auch nachts das Betreten der Straßen erlauben, und in solche, die keine haben. Ueber die Stadt, die nach Eintritt der Dunkelheit auch in normalen Zeiten ziemlieh still und dunkel daliegt (wie anders ist Tel-Awiw!), legt sich eine undurchdringliche Stille. Auf den Straßen trifft man nur die Patrouillen und hier und da die Glücklichen, die im Besitze eines Passes sind oder auch die, die keinen haben und ihrem Geschick vertrauen, der Patrouille zu entschlüpfen. Dann kommt für die auf. merksam Lauschenden die letzte Verbindung mH der Außenwelt: die Abendankündigung des Jerusalemer Radios über die neuester! Tagesereignisse. Ueber der klingend stillen Stadt kreist ein Flugzeug. U«upt*fhrlft1eiter« T)r. Robert W e 11 « c h, Berlin - Charlottenburg 9 fauch verantwortlich fOr die Aufnahme von Bildern). Stellvertreter! Kurt Toewen«tein, Berlin VV 15. An1eif׳enleiler und verantwort, lieh für den Inhalt der Anzeigen: Hermann F i n n, Berlin VV IS. Gültig Anieigen . Preislinte S vom 1. April 1936. Verlag und An. leigenvciwaltong: Jüdische Rundschau, Berlin W15, MeineVestr. 10. l'.-A. Juni 38 037. — Druck: Siegfried Scholen», Berlin-Schöneberg. Kommission berichtet habe? Aus Schwäche? Als Konzession an die Gewalt? Man müsse den Mut haben, einen Fehler einzugestehen. Er tadle niciit die Juden, und die Araber müßten erkennen, daß das Geschehene nicht ungc־ sc liehen gemacht werden könne. Aber die Zionisten dürften nicht in diesem Tempo fortfahren. So könne vielleicht eine Angleichung der beiden Völker entstehen mit der Aussicht, daß Palästina schließlich auf eigenen Füßen werde stehen können. Unter den herrschenden Umständen gäbe es keine Lösung: die gegenwärtige Politik würde niemals zum Frieden führen. Die Versammlung nahm eine Resolution Newcombes an, die fordert, daß die Untersuchungskommlssion sobald als möglich ernannt wird, daß ihre Empfelilungen befolgt werden, daß die Einwanderung während der Untcrsucluingszcit eingestellt wird und daß die Klausel im Mandat bezüglich der Selbstregierung verwirklicht wird. Nachdem auch der Araber Schibly Dschemal die Einstellung der Einwanderung gefordert hatte, schilderte Miss Frances Newton, die selbst lange in Palästina gelebt hat, die Reaktion der britischen Beamten auf die zionistische Politik. Die Zionisten hätten unzweifelhaft Großes vollbracht, aber sie seien zu stürmisch. Die Rednerin forderte die sofortige Einsetzung der Untersuchungskommission. Der frül lere Sekretär der Palästina-Regierung, Mr. Archer Cu st, entwickelte einen Plan für die Kantonisierung Palästinas, den er schon in der Presse wiederholt vertreten hat. Bis jetzt sei die Mandatarmacht von der falschen Voraussetzung ausgegangen, daß es möglich sei, eine ״palästinensische Nation‘‘ zu schaffen, in der der Jude vergessen würde, daß er Jude, und der Araber vergessen würde, daß er Araber ist. Aber die Juden wünschten Juden und die Araber Araber zu bleiben. Man müsse die beiden Völker deshalb getrennt leben lassen. Die Juden hätten sich nur in der Ebene bewährt; in den Bergen, wo die Araber leben könnten, hätten sic nicht existieren können. Die Kantone müßten volle lokale Autonomie erhalten und alle zusammengehalten vverden durch einen Bundesrat. Mit diesem!Man, nach dem Jerusalem, Betlehem und Haifa der direkten Kontrolle der Mandatarmacht unterstellt werden würden, würden vier roße Wünsche befriedigt: 1. könnte sicli ein jüisches Nationalheim entwickeln; 2. könnte ein arabischer Staat einschließlich Transjordanien entstehen; 3. würden die englischen Lebensinteressen gesichert sein und 4. könnten die Selbstrcgierungs-lnstitutioncn eingcfiihrt werden. Das Blutschutzgesetz In der strafrechtlichen Praxis ln der Zeitschrift ,,Deutsche Justiz“ vom 3. Juli wird unter obiger Ueberschrift eine Abhandlung von Dr. Kuhn, Landgerichtsrat im Reichsjustizministerium, veröffentlicht. Der Verfasser bemerkt, daß das Schwergewicht des Blutschutz־ gesetzes für die Strafrechts praxis in dem im § 2 ausgesproeherien Verbot des außerehelichen Verkehrs zwischen Juden und Staatsangehörigen deutschen oder artverwandten Blutes liegt. Die am wenigsten nach außen in Erscheinung tretenden Verbrechen gegen diese Bestimmung bilden nach den bisherigen Erfahrungen der Praxis fast ausnahmslos den Gegenstand der Strafverfahren aus dem Blutschutzgesetz. Dr. Kuhn schließt seine im übrigen der juristischen Erörterung der einzelnen Tatbestandsmerkmale der Rassenschände gewidmeten Ausführungen mit folgenden allgemeineren Betrachtungen und Mitteilungen: ״Wird berücksichtigt, daß naturgemäß nur ein Teil der Verbrechen entdeckt wird —־ der Bruchteil läßt sich auch nicht annähernd schiitren —, wird weiter Iwrück.-iditigt, daß allein schon die Existenz der NSDAP., ihr Einfluß auf ihre Mitglieder und Anhänger und ihre Aulklärungstätigkcit schon in der Kampfzeit den Verkehr mit Juden zuruckgedrängt hat, und daß die Vcrar.derung aller Verhältnisse infolge und seit der Machtübernahme diese Entwicklung entscheidend gefördert hat; wird endlich Ins lacht, daß vor allem der Erlaß des ülbchG. und seine schweren btrafandrohungeu einen ganz wesentlichen Teil bestellender rasseverräterischer Verhältnisse beendet und die Ankniiplung neuer unterbunden hat, so beweist die trotzdem noch erhebliche Anzahl der notwendig gewordenen Anklagen, in welcher rassischen Gefahr sicli das deutsche Volk einmal befand und wie groß sie auch heute noch ist. Von den rcchtskiältig verurteilten Angeklagten waren 17,8 Prozent deutscbbltitig und 82,2 Prozent Juden; ein Verhältnis, da« für sich selbst spricht. In der überwiegenden Mehrzahl dev Fälle — bei den deutschen Angeklagten zu ’/8, bei den Juden zu 4/5 — hatte der erste Geschlechtsvcrkehr vor dem 16. Septemlx-r 1035 staOgefunden und war nachher wiederholt worden, während in der Minderzahl da« Verhältnis emt nach dem 10. •SepteinU'r 1035 begonnen worden ist Es ergibt sich daraus, daß ein erheblicher Teil der Zuwiderhand, hingen nicht auf einer augenblicklichen Ucschlechlsgief beruht, sondem daß bei ihm auch andere Beweggründe mitspielcn. Das darf aber nicht zu einer milderen Beurteilung dieser Fälle führen. Gerade diese langdaucrnden Beziehungen fuhren erfahrung-gemäß am ehesten zur Erzeugung von Nachkommenschaft; deshalb sind sie besonders gefährlich und mü«1en genau so energisch und hart bekämpft werden wie andere. Mitleid mit dem Schicksal einzelner wäre falsche Sentimentalität, die nicht am Platze ist, wenn es um das deutsche Volk geht.“ An anderer Stelle der ״Deutschen Justiz“ wird eine Veröffentlichung des Leiters der Justizpressestelle Stuttgart, Staatsanwalt Dr. Kühnle, im Stuttgarter ״NS.-Kurier“ mit* etcilt, in welcher ebenfalls bemerkt wird, daß sich trotz er Nürnberger Gesetze immer wieder Fälle von Rassenschände ereignen. Es wird gefordert, daß die Gerichte ״die Rassenschänder, gleichgültig ob es sieb um Juden oder um artvergessene deutsche Minner handelt, mit der schwerstmöglichen Strafe, der Zuchthausstrafe, belegen.“ ״Der Jude“ — so heißt cs in den weiteren Ausführungen u. a. —, ״der heute noch glaubt, das deutsche Blut vergiften zu können, zeigt unmißverständlich, daß er die Reinheit des deutschen Blutes, das Beste und das für den Fortbestand des deutschen Volkes Notwendigste, aus kluger Berechnung nicht will.“ * Nach Meldung der ״Schlesischen Tageszeitung“ verurteilte die Große Strafkammer Breslau einen jüdischen Angeklagten wegen Vergehens gegen das Blutschutzgesetz in drei teils versuchten, teils vollendeten Fällen zu 2 Jahren 6 Monaten Zuchthaus und 3 Jahren Ehrverlust. Ein Freund des Angeklagten, der ihm die Mädchen zugeführt und ihm zur Verübung der Straftaten sein Zimmer zur Verfügung gestellt hatte, erhielt wegen Beihilfe zur Rassenschände und wegen Kuppelei 2 Jahre Zuchthaus und 3 Jahre Ehrverlust. Laut ״Frankfurter Zeitung“ erkannte die Große Strafkammer Frankfurt a. Mgegen einen arischen Angeklagten wegen Rassenschande auf 15 Monate Gefängnis. Der Angeklagte hatte zu einer Jüdin auch noch nach Inkrafttreten der Nürnberger Gesetze Beziehungen.

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