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Jüdische Rundschau · 1936-07-03 · Heft 53 (3.7.1936) · page 15

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 53 (3.7.1936)
Date
1936-07-03
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 53, 3. VII. 1936 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 15 sympathisiere. Der Streik sei kein ökonomischer Streik, in dem die Arbeiter höhere Löhne haben wollen, und mit dem die Labour-Abgeordneten besonders vertraut seien. Alle Araber seien in der Tradition der Blutrache und sofortiger Gegenwehr zum Schutze ihrer Ehre erzogen, und dieser Streik, dessen Ergebnis zweifellos eine weniger günstige fmanziehe Situation für die Beteiligten sein werde, soll beVeisen, daß künftige Generationen nicht dessen beraubt werden können, was als ihr Geburtsrecht betrachtet wird. Daher, bei allem Fehlen einer Aussicht auf materiellen Gewinn, die Erregung der patriotischen Gefühle. ״IJcbcr die gegenwärtig zu ergreifenden Maßnahmen zur Unterdrückung des Aufstands in Palästina“, so schließt der Aufsatz, ״wollen wir hier nur sagen, daß die Verteidiger der ,Blut- und Eisenmethode‘ im Unterhaus lieber in den Begriffen ,Ausgleich des Vorteils‘ denken sollten, wenn sie nicht das Heilige Land dein Untergang preisgeben wollen.“ ♦ Zu dem Artikel der ״Times“ vom 26. Juni über Palästina, über den wir in der letzten Nummer berichteten, schreibt in einer Zeitschrift an die Redaktion Mary Morton, daß viele Leser nicht damit übereinstinimen würden, daß die arabische Furcht vor einer ,,möglichen jüdischen Republik“ grundlos sei. Die Schreiberin erinnert daran, daß, als der amerikanische Staatssekretär des Aeußern, Mr. Lansing, die Friedenskonferenz in Paris bat, die zweideutige Wendung ״Natiortaliieim“ zu definieren, Dr. Weiznunn geantwortet habe, daß Palästina so jüdisch werden solle, wie Amerika amerikanisch und England englisch sei. l)r. Weizmann habe das Wort Palästina gebraucht und nicht ״ein Teil oder Stück Palästinas“. Wenn dies nicht bedeute, daß die Araber allen Grund zu der Furcht haben, daß eines Tages eine jüdische Republik errichtet würde, wäre es interessant zu erfahren, was es sonst bedeuten solle. 14 |f Verstärkung der jüdischen Arbeit Itn ״Bustcnai“ berichtet M. Smilanski über die Bemühungen, welche die Organisation der Kolonisten macht, um ihre Mitglieder zu bewegen, die Zahl der von ihnen beschäftigten jüdischen Arbeiter zu vergrößern. Die Erfolge sind nach dem Bericht von Smilanski sehr befriedigend. Smilanski gibt dafür mehrere Gründe: Unter den Arbcitslosen kann man jetzt leicht landwirtschaftliche Arbeiter finden, die früher, solange sie noch andere Arbeit hatten, nicht zu bekommen waren; die Arbeitsleistungen der jüdischen Arbeiter haben sicli gebessert: die Arbeitslöhne sind gefallen, una man kann heute jemenitische Arbeiter für 15 bis 17 Piaster, aschkenasische Arbeiter für 171/2—20 Piaster erhalten. Die Organisation der Kolonisten hat an ihre Mitglieder appelliert, und der Appell hat überall ein Echo gefunden. Die Resultate in Petach-Tikwah übertreffen die optimistischsten Hoffnungen, auch Rechowoth hatte gute Resultate aufzuweisen, und die Versammlung der Kolonisten, die nachher stattfand, hat beschlossen, sich nicht mit ihnen zu begnügen, sondern noch mehr jüdische Arbeiter ein/.ustellen. Auch in Rischo!1-le-Zion und Chcdera ist ״das Eis gebrochen“, wenn auch dort die Ergebnisse noch nicht befriedigende sind, aber die Ortsausschüsse haben guten Willen. Smilanski fordert die Organisation auf, scharfe Maßnahmen gegen diejenigen Mitglieder zu ergreifen, welche aus Prinzip keine jüdischen Arbeiter einstcllcn wollen. ״Wir bekämpfen das Prinzip der hundertprozentigen jüdischen Arbeit, aber wir können nicht hundertprozentige arabische Arbeit bei unseren Mitgliedern erlauben.“ Eine neue Wochenschrift in Palästina. Am 17. April ist äie erste Nummer der ״Pa lest ine Review“ erschienen, einer wöchentlichen Zeitschrift, die unter der Leitung von Elias M. Epstein in Jerusalem in englischer Sprache herausgebracht wird, ln der ersten Ausgabe erklärt der Herausgeber über die Ziele der neuen Zeitschrift 11. a. folgendes: ij Palästina sei mit Zeitungen in den drei offiziellen Sprachen JJ zwar reich versehen und es sei nicht Aufgabe der ״Palestinc Review“, mit ihnen zu rivalisieren. Ihre Funktion sei vielmehr, die Entfernung zwischen den großen englisch sprechen* »| den Gemeinschaften zu überbrücken, die über das Lehen | im Lande informiert werden müßten, und zwar unbeeinflußt von den Zielen irgendeines der verschiedenen Teile der Bef völkerung. Aus einer vertieften Kenntnis der Probleme und der Arbeit Palästinas mußten neue Sympathien und Zu-; sammenarbeit entstehen. Die Zeitschrift wolle die Vertreter aller konstruktiven Kräfte als Mitarbeiter gewinnen, die sich wahrhaft um die Wohlfahrt des Landes und des Volkes bekümmern. — Die zehn Nummern, die uns bisher vorlagen, zeigen, daß die Redaktion des Blattes bemüht ist, es auf der Höhe zu halten, interessant zu gestalten und zu einem Faktor im öffentlichen Leben zu machen. Händler in den Straßen von Jaffa haben ihre Tätigkeit wieder aufgcnonimen, ohne daß das Streikkomitee eingegriffen hätte. Das Neueste in Kürze Die Ausladung sämtlicher Arten von Waren an der Anlege st eile in Tcl-Awiw wurde erlaubt. Ursprünglich war nur das Löschen bestimmter Waren gestattet. Im Hafen von Tcl-Awiw ist das Fundament für einen zeitweiligen Hebekran fertiggestellt worden. Ein ständiger Kran wird am Rande der Anlegestelle errichtet werden. Das jüdische Schiff ״Atid“!egte an der Mole von Tcl-Awiw an, wo die Ausladung der Güter stattfinden wird. Im H a i f a c r Hafen brach eine Schlägerei zwischen Hauranern und ägyptischen Arabern aus, die sich über die Verteilung der Arbeiten stritten. Mehrere Arbeiter wurden durch die Hafenpolizei verhaftet. Itn ersten Vierteljahr 1636 betrug die Petroleumerzeugung der Irak Petroleum Co. 1 160 178 Tonnen gegenüber 763 196 in der gleichen Zeit des Vorjahres. Durch die in Haifa endende Pipe Line wurden 381 223 Tonnen gegenüber 308 974 Tonnen im ersten Quartal 1635 verschifft. Von der Erzeugung der Gesellschaft wurden durch die Pipe Line insgesamt 888 053 Tonnen durch Haifa und den Hafen von Tripolis ausgeführt. Die Aktion für Hilfe an die Opfer der Unruh cn und Konsolidierung macht im ganzen Lande gute Fortschritte. Der erste Beitrag in Jerusalem, wo die Aktion soeben eröffnet worden ist, bestand aus £ 1000 und wurde anonym gespendet. In Jerusalem ist die neue Telephonzcntrale eröffnet worden. Die neue Zentrale ist technisch weit besser ausgestattet als die bisherige. Eine große Zahl seit Jahren neu angcmcldcter Telephonanschlüsse wird jetzt durchgeführt werden können. Auf Grund des gegenwärtigen Standes der Pflanzungen schätzt man den Zitruse xport der nächsten Saison auf acht bis achteinhalb Millionen Kisten. ln der ״Official Gazette“ wird die Einziehung einer Reihe von Lizenzen zur Herausgabe von Zeitungen veröffentlicht. Von den arabischen und hebräischen Zeitungen, deren Publikationsbcwilligung erloschen ist, sind die meisten schon seit längerer Zeit nicht mehr erschienen, z. B. die literarische Zeitung ״K'tinvim“ und ״Chasit Haam“. Die gemäß dem Beschluß des Luzerner Kongresses ins Lehen gerufene Landwirtschaftliche Bank hat ihre Tätigkeit aufgcnonimen. Die ersten Anleihen werden an Siedlungen im Scharon sowie an Landwirte, die jüdische Arbeiter beschäftigen, ausgegeben werden. Zwischen den Leitungen der Agudath Jisrael und des Misrachi in Palästina ist es zu einer Verständigung über eine gemeinsame Aktion zum Schutz der religiösen Interessen im Lande gekommen. Der Industrielle und Philanthrop Sir Montague Bur ton aus Leeds hat der Hebräischen Universität Jerusalem weitere 1000 Pfund für den von ihm gestifteten ״B i a I i k - P r c i s“ zur Verfügung gestellt. Dieser Preis wird nunmehr sieben Jahre lang statt bloß fünf Jahre lang vergeben werden können. Er ist als Auszeichnung für Studenten der Hebräischcn Universität Jerusalem bestimmt und soll im Betrage von 50 Pfund jährlich zehn Studenten für besondere Leistungen verliehen werden. Im Rahmen der Levante-Messe ist auch ein Wettbewerb für künstlcrisc h e B 1! c 11 g c s t a 11 u n g durchgeführt worden. Die Jury dieses Wettbewerbs hat nunmehr eine goldene Medaille für das am schönsten gebundene und gedruckte hebräische Buch verliehen. Der Preis wurde dem ersten Band der Schriften Jahotinskvs zuerkannt. Arabische Kaufleute in Damaskus retteten den jüdidischcn Bankier David T o a e 11 aus den Händen nationalistischer Exzedenten, die ihn schwer mißhandelten, weil er sich geweigert hatte, 50 Pfund ztt dem palästinensischen Streikfonds hei/utragen. Fs kam zu einer Schlägerei zwischen den Kauflcuten und den Nationalisten. Hierbei wurde ein Araber c-rstochcn, drei wurden verwundet. Nach Mehlungen der syrischen Presse ist die Ausfuhr, Wiederausfuhr und Durchfuhr von Waffen, Munition und Explosivstoffen aller Art für die unter französischer Mandatsverwaltung stehenden Le van te-Staaten Syrien—Libanot! verboten worden. Ausbildungsmöglichkeiten für Mädchen ln den letzten zwei Jahren hat die Wizo mehrfach junge Mädchen aus Deutschland als Schülerinnen in ihre p a - lästinensischcn Institutionen gesandt, um sic in einem zweijährigen Kursus in Haus- und Landwirtschaft auszubilden. Auch für das Jahr 1936/37 hat die Wizo wiederum eine große Reihe von Plätzen in ihren Institutionen für Mädchen aus Deutschland freigemacht. Welche Bedingungen stellt die Wizo an die Mädchcn zur Erlangung eines Schülcrinnen/crtifikates? Zunächst muß ihrer Aufnahme eine mindestens halbjährige land- oder hauswirtschaftliche Hachscharah in der Galuth vorausgehen. Sodann fordert sie gute hebräische Kenntnisse, da der gesamte theoretische Unterricht auf Hebräisch erteilt wird. Welches sind die Ausbildungsstätten der Wizo? 1. Das Hostel, die große, 60 Mädchen umfassende Hauswirtschaftsschule der Wizo in Tcl-Awiw, deren neues Gebäude iin Frühjahr dieses Jahres fertiggestellt worden ist. Hier wird besonderer Wert auf eine gute hauswirtschaftliche Ausbildung gelegt, verbunden mit Garten- und Gemüsebau und Imkerei. 2. Nahalai, die land- und hauswirtschaftliche Schule der Wizo, die, nachdem im Frühjahr 1934 das zweite Haus erbaut wordtfn ist, 100 Mädchen aufnehmen kann. Die Schule steht unter Leitung von Channa Maisel-Schochat, der Begründerin der ersten Mädchenfarm in Kincreth (1608) und ist besonders bekannt für gute Kuhzucht und Milchwirtschaft. 3. Ajanoth, bei Ness Zionah, eine landwirtschaftliche Schule, die ebenfalls in letzter Zeit bedeutend erweitert werden mußte, so daß sic zur Zeit 70 Mädchen aufnehmen kann. Die Schule wird von Ada Fischmann geleitet und ist wegen ihrer Baumzucht berühmt. 4. A f u 1 e h, eine landwirtschaftliche Ausbildungsstätte für 70 Mädchen. 5. Drei Mädchenfarmen bei Petach Tikvvah, Schchunath Borochow, Nachlath Jehuda, die insgesamt 73 Mädchen ausbilden können. Zwei Jahre Ausbildungszeit im Lande in einer der Wizo- Institutionen verschaffen den Mädchen die notwendige Grundlage, um als Hausfrauen und Bäuerinnen ihren Platz in Palästina einzunchmen. Mädchen im Kibbuz Aus Tel-Awiw wird uns geschrieben: Die Fraucnheilagc tles ״Dawar“ bringt folgende Ausführungen zur Stellung des Mädchens im Kibbuz: Diese Frage ist oft behandelt worden und doch sind bis jetzt wenig Fortschritte zu verzeichnen. Die Stellung des Mädchcns im Kibbuz ist nach wie vor im Vergleich zu der des Mannes benachteiligt sowohl in der Wirtschaft als in politischen und kulturellen Angelegenheiten. Der ganze Aufbau des Kibbuz trägt manniiehe Prägung. Das Mädchen bemüht sich hier, männlich zu sein 11ml sich für dieselben Dinge zu interessieren wie der Mann, statt seine eigenen Werte zu entwickeln. Besonders zeigt sich das auf dem Gebiete der Politik, wo das künstliche Interesse bei den Mädchen zu Oberflächlichkeit führt. Dabei gibt es viele andere Gebiete, aut denen sich Frauen durch Intuition und Kenntnisse auszeichnen; aber da die öffentliche Meinung im Kibbuz ihnen keine Wichtigkeit beimißt, so erlahmt auch das Streben der Mädchen, auf diesen Gebieten etwas zu leisten. So wird in der Frau ein Gefühl der Minderwertigkeit erzeugt und sie schweigt meist bei den Besprechungen. Hinzu kommt noch, daß auch die Zweige der Wirtschaft, in denen sic arbeitet, Küche, Magazin usw., meist wenig Ansehen genießen. Immer wieder werden Versuche gemacht, den Mann ganz vom Küchendienste zu befreien, zuweilen aus wirtschaftlichen Gründen, oft aber auch mit der Begründung, daß eine solche Art von Arbeit ihn psychisch niederdriieke. Das Mädchen hingegen kann cs nur sehr schwer durchsetzen, daß sie zu einer Arbeit außerhalb des Hauses verwandt wird, also zu solchen Arbeiten, die ihren Horizont erweitern und ihren Zusammenhang mit dem Aufbau der Wirtschaft festigen könnten. Diese Dinge können nur geändert werden, wenn nicht nur das Mädchen sich von eien Wertmaßstäben des Mannes emanzipiert, sondern wenn auch der Mann im Kibbuz die Rolle und den Wert der Frau heim Aufbau der Wirt- Schaft besser verstehen lernt. Nur wenn man dem Mädchen die Möglichkeit gibt, sein Wesen frei zu entwickeln und sich entsprechend zu betätigen, kann es dem Kibbuz den maximalen Nutzen bringen. Das Oberste Gericht in Jerusalem hat die Urteils- Verkündung in der von dem arabischen Rechtsanwalt Moghamicm ein gebrachten Protestklage gegen die Niederr e i fl u 11 g von 10 Häusern in der Altstadt von Jaffa vertagt. Staatsanwalt Kantrovitz. plädierte für Demolierung unter Hinweis auf das Einspruchsrecht der Regierung, Brauerei in Rischon le Zion SH llfll ' i - f Ein Braukessel Das Bier verläßt den Hof der Brauerei Foto•: Herbort Soooenfeld

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