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Jüdische Rundschau · 1936-07-03 · Heft 53 (3.7.1936) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 53 (3.7.1936)
Date
1936-07-03
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 53. 3. Vll. 1936 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 9 ÜB Von jüdischer Jugend Ein neuer Weg Der Verband der jüdischen Jugendvereine Deutschlands (Brith Jehudim Zelrim) 1. Der ״neutrale“ Verband ist im Jahre 1909 entstanden, als der Zionismus in Deutschland noch eine Angelegenheit Weniger war. Weder der Zionismus in seiner quantitativen Begrenztheit, noch der C. V. in seiner nach außen gerichteten Arbeit vermochten damals die Masse der Juden zu jüdischen Stoffen hinztiführen. Dafür ließen die innerjüdischen Auseinanderseiztmgen und die nach außen gerichteten Bemühungen zu wenig Zeit. Demgegenüber entstand im ״neutralen Verband“ eine Zusammenfassung, in der die große Masse der jüdischen Jugend in Deutschland gerade mit jüdischen Stoffen konfrontiert wurde. Dabei war Neutralität nicht Ziel des Verbandes, sondern Mittel seiner Arbeit, die Grundlage, aut der sich erst die gemeinsame jüdische Vertiefung der verschieden Ausgerichteten ermöglichen ließ. Ueber die Neutralität hinaus ergab sich bald eine gewisse Ideologisierung in einem noch allgemein gehaltenen Bekenntnis zur jüdischen Substanz ohne Prioritätsanspruch und die Forderung, über alle innerjüdischen Grup pierungen hinweg gemeinsam um diese Substanz zu ringen. In seiner Arbeit war der ״neutrale Verband“ der eigentliche Beginn der heutigen Lehrhaus- und Kulturbundbewcgung in Deutschland. Die meisten aus der Zwischengeneration der 30 bis 40Jährigen haben einmal in dieser Arbeit, die zeitweise bis zu 40 000 Menschen erfaßte, gestanden. Aber nur wenige haben erlebt, wie sich aus der Neutralität des Verbandes, jener itn Grunde formalen Basis, die ״gesamtjüdische Haltung“ entwickelt hat; denn in seiner Arbeit am jüdischen Stoff und in seinem Einsatz um jüdische Gemeinschaft sichte sich dem Verband geradezu von selbst die Problematik seiner Neutralität: Fehlende Eindeutigkeit der Forderungen, niangeinde Abgrenzung gegenüber dem von der positiven Zielrichtung her nicht Gewollten, — Erscheinungen, ln denen eine absolute Neutralität als formale Basis gerade das positive innere Anliegen des Verbandes selber gefährdete. So entstand aus dem Bedürfnis, jenes Positive eindeutiger herauszuarbeiten, als es jene erste Formulierung vermochte, der Begriff der ״gesamtjüdischen Haltung“ als ein Inhalts-Begriff. Er sagte deutlich, was gemeint war, und er klärte, was ausgeschlossen u׳ar. Gemeint war die einsatz.bereite Arbeit für das Judentum in der Golah und in Palästina ebenso, wie die ernste Konfrontation der Menschen mit den jüdischen Bildungswerten. Ausgeschlossen war etwa eine apalästinensische oder lediglich gesellschaftliche Einstellung. Den Menschen war dabei die Aufgabe einer durch ihre jüdische Verankerung ungebrochenen Lebensgestaltiing in sozialer Verantwortlichkeit als kollektive und verbindliche Forderung gestellt, während die Frage des Lebensraumes als individuelle Entscheidung freigestellt war; denn der Verband sah das Judentum in seinen beiden Lebensräumen, der Golah und Palästina, in gleicher Legitimifät und als eine Einheit. Sein Einheitsbegriff war jetzt begründet in dem Primat des jüdischen als dem zentralen Kern unserer Existenz. Von dorther legitimierte sich dieser Versuch einer gemeinsamen weltanschaulichen Fundierung der in verschiedene Gruppen zerrissenen Judenheit, der auf Grund jenes F.iuheitsbegriffs forderte, daß in der Frage des jüdischen Lebensraumes weltanschauliche Unterscheidungen sich nicht ausdrücken dürften. Im gemeinsamen Einsatz um Verwirklichung des Primats des Jüdischen sollte es mir eine praktische Arbeitsteilung geben, innerhalb deren die Erziehungsarbeit des Verbandes durch primäre Vermittlung jüdischer Kulturwerte und durch Entwicklung eines um Form und Ethos bemühten Stils der Gemeiuschaftsgestaltung ihr Schwergewicht auf das Problem der jüdischen Lebens g e s t a I tu n g konzentrierte, während sie in der Frage des Lebensrauincs und der beruflichen Existenz keine Entscheidung und einheitliche Aktivität ausbildete. In dieses Stadium der Entwicklung brachte das Erleben deT Gegenwart die entscheidende Erkenntnis: ln der Probe der Situation zeigte sich uns in der ganzen Breite der sozialen, ökonomischen, politischen und kulturellen Verhältnisse, was Lebensraum bedeutet, lernten w ir ״Golus“ verstehen, erkannten wir die Abhängigkeit, in der eine jüdische Lebensgcstaltu 11g vom jüdischen Lebensraum steht. So haben wir den Weg gefunden, unsere gesamtjüdische Idee zu Ende zu denken in der Erkenntnis, daß die gesamtjüdischc Haltung uns nach P a 1 ä - stina führen muß, well dort allein der Primat des Jüdischen in allen Bezirken der Lebensgestaltung herrschend werden kann. Das Land, in dem die Juden jüdisch leben können, mußte den Vorrang vor jedem anderen Lebensraum in der Golah gewtnnen. — Unsere Wertungen und Maßstäbe waren mit denen des Zionismus identisch geworden. Wir haben es durch unsere Einordnung in die zionistische Bewegung bekannt. Diese Einordnung ist als eine kollektive vorgenommen worden, so daß dem Zionismus eine neue Jugendbewegung zugewachsen ist. Eine solche eigene Existenz muß nicht nur in der menschliehen Verbundenheit eines Kreises, sondern auch inhaltlich begründet sein in der Besonderheit des Beitrages, den er aus seiner Prägung heraus der Gesamtbewegung zu bringen vermag. Dieser eigene Beitrag läßt sich nach seinem strukturellen und geistigen Charakter in spezifischen Tendenzen erkennen, die in lebendiger Entwicklung weitergebildet w׳erden. Strukturell gesehen ist der generationsmäßige Aufbau des Jugendverbandes ein Charakteristikum innerhalb der zionistisehen Jugendbewegung: Der Verband umfaßt als einzige zionistische Bundcsgemcinschaft zugleich eine chaluzischc Jugendbewegung und eine starke Aclterenschaft von 20—30jährigen. Er macht mit diesem Organisationsprinzip zum erstenmal den Versuch eines gemeinsamen Weges von Jüngeren und Aelteren. Ein Versuch, der nicht nur durch die Gleichheit der ökonornisehen Lage von Jüngeren und Aelteren in der jüdischen Jugend und durch die quantitativen Bedingungen jüdischer Jugendarbeit besonders in der Klein- und Mittelgcmeinde gerechtiertigt ist, sondern der zugleich in konstruktiver Weise eine objektiv und subjektiv drängende Aufgabe in Angriff nimmt: Objektiv innerhalb der noch umschichtungsfähigen Generation der 20—30iährigen die chahiz.ische Einwirkungssphäre zu erweitern, subjektiv durch geistigen Anschluß der Menschen an die chaluzischc Lebensanschauung eine Einordnung in Palästina rechtzeitig vorzubereiten. Zugleich aber soll diese Gesinnung — entsprechend der Struktur einer Aclterenschaft — in den Aufgaben persönlieh er und gemeinschaftlicher Lebensgestaltiing in der Golah wirksam werden. Daß aus diesen Strukturgegebenheiten praktisch der Golaharbeit eben als einen entscheidenden zioni- *fischen Aufgabe besondere Bedeutung zukommt, ergibt sich als weiteres Charakteristikum. — Ucber diese strukturellen Besonderheiten ist die geistige Eigenart entscheidend. Zwei Tendenzen sind hier bestimmend: Einerseits die alte Tendenz zur sozial verantwortlichen Lebensgestaltiing, die im Einklang mit der politisch-ökonomischen Erkenntnis für die Jungerenschaft zur Chaluziuth als ausschließlichem Erziehungsziel mit der praktischen Konsequenz des Ausbaus einer Hachscharah geführt hat, die auch bereits Aeltere umfaßt; und andererseits aus dem unveränderten Bemühen um den Primat der jüdischen Verankerung ein Ernstnehmen des religiösen Problems, das ohne orthopraxe Verpflichtungen eine quellenmäßige Beschältigung und Auseinandersetzung ״!jt dem Religiösen bew'irkt. Dabei wird nicht etwa ein Weg zur exklusiven Bewältigung dieser Aufgaben gesucht, sondern der jugendverband fühlt sich für die Gesamtheit der jungen jüdischen Menschen verantwörtlich, ohne dabei seinen Anspruch zu verwässern. — Es ist nur natürlich, daß aus diesen Tendenzen das Bestreben erwächst, ihnen ein konkretes Wirkungsfeld zu schaffen. So beschäftigt uns die Frage eines gemeinsamen Kibbuz als konkreter Ansatz für unsere Palästina-Arbeit zur Zeit als neue und konstruktive Aufgabe. 11. Vor einiger Zeit regten sich wiederholt Stimmen, die gegen unseren Weg waren. Man sagte, wir hätten einen Bruch mit der alten Idee vollzogen. Das muß bedeuten: Festhalten an der Idee über alles. Auch über bessere Einsicht! Es ist klar, wie gefährlich ein solches Wort für junge Mensehen, ihre innere Ehrlichkeit sein kann. Es stabilisiert das Festhalten am einmal Erkannten zum absoluten Wert und versperrt durch die Forderung einer falschen Treue zu sich selber den Weg zu besserer Einsicht. Aber wir haben den Vorwurf eines Bruchs mit der alten Idee nicht nur formal-pädagogisch, sondern auch inhaltlich abzuweisen. Die Idee des Verbandes war von je in innerer Entwicklung. Das Verfahren, in einem beliebigen Stadium festzustellen, daß die inzwischen eingetretene Veränderung einen Bruch mit dieser oder jener Epoche bedeutet, ist zu oberflächlich, solange nicht untersucht wird, ob nicht gerade die Grundlage so sehr gleichgeblieben ist, daß nicht von einem Bruch, sondern von einer organ i s c h e n Fortentwicklung gesprochen werden muß. Eine Besinnung auf diese Grundlage unserer Arbeit bringt die Tatsache ins Bewußtsein, daß unsere vom Primat des Jüdischen her ermöglichte Auffassung einer Einheit von Diaspora und Paläsfina, in der wir die jüdische Existenz in der Weit sahen, nichts anderes war als die Konzeption des jüdischen Volkes, das ivesentlichste Grundelement des Zionismus, das uns bereits damals mit ihm verband und auf Grund dessen wir später davon sprechen durften, daß unsere gesamtjüdische Haltung im Zionismus ihre Erfüllung und Gestaltung gefunden hatte. Ohne Beachtung dieser sich gleich gebliebenen Grundlage unseres Denkens sagt man, wir hätten die Einheitsidee zerstört, die der Verband seit je vertreten habe. Die umfassende Weite der alten Position sei mit einer Verengung des Blickfeldes eingetauscht, von der her nicht mehr die gesamte jüdische Existenz umfaßt würde, sondern mir partikulare Gebiete. Was war die eigentliche Intention der binheitsidee des Jugendverbandes? Die Idee der Einheit war zugleich Basis und Ziel unserer erzieherischen Bemühung. Es ging uns darum, dem jungen jüdischen Menschen die ganze Wirklichkeit der jüdischen Existenz aus Geschichte, Gegenwart und Zukunft in Bewußtsein und Verantwortung zu rücken und zugleich pädagogisch den Typus eines durch seine jüdische Verankerung aufrechten und ungebrochenen jungen Juden in sozialer Verant- Wörtlichkeit zu erziehen. Aus unserem Galutherlcbnis heraus haben wir diese Zielsetzung im Zionismus mit seinem konkreten Erziehungsziel des CnaFuz verankert. Dabei sind wir von allen zentrifugalen Kräften abgerückt. Unser pädagogisches Maximalziel ist klar Umrissen und gerade in den früher nicht erfaßten Bereichen eindeutig geworden. Aus Verantwortung für die überall in der Golah bedrohte jüdische Existenz, die wir in ihrer Totalität vor Augen sehen, haben wir unser Erziehungszicl in der Chaluziuth so gefaßt, daß in ihm die höchste Gewähr für die Verwirklichung unseres jüdischen Wollens auch nach den objektiven Bedingungen enthalten ist. Wer uns für diese Zielgerichtetheit den Vorwurf einer Verengung der Position macht, sieht die Einheitsidee nur in ihrem statischen, nicht aber in ihrem dynamischen Anspruch. Die Frage der Eindeutigkeit des Wollens hängt eng mit einem Vorschlag zusammen, den man uns gemacht hat: Wir sollten auf der Grundlage der Jewish Agency unsere Menschen für Palästina erziehen. Wir haben das abgelehnt, da wir die Agency in ihrer heutigen Gestalt nicht als ein geeignetes Fundament für eine Erziehungsarbeit anerkennen können, die Lebenseutscheidungen für ein chaluzisches Leben erwirken soll. Wir glauben, dal! solche Entscheidungen nur echt erwachsen können auf dem Boden einer Gemeinschaft, in der die Einheit zionistischer Gesinnung herrscht. Die Agency umfaßt Zionisten und Nicht- Zionisten. Was sie bindet, ist der praktische Einsatz für die Aufgaben des Palästina-Werks. Was sie trennt, ist die persönliche Lebensverwirklichung und eine geschichtsphilosophische Verschiedenheit: der Nichtzionist in der Agency hat bei aller Verbundenheit mit dem Palästina-Werk doch die tiefe Ucberzeugung von dem Wert der Golah-Existenz auch in dieser Zeit. Für ihn stehen Erez Israel und die Golah in gleicher Legifimität und in gleichem Anspruch nebeneinander. Demgegetiüber hat der Zionismus gerade die unerhörte Fragwürdigkeit jüdischer Existenz in der Golah erkannt und erstreot bei aller notwendigen — aber nicht ideologisierten — Gestaltung der Golah zentral und primär die Sammlung jüdischen Lebens in Erez. Israel. Muß nicht eine Jugend, die, an dem Wert der Golah-Existenz irre geworden, ihr Leben mit dieser Aufgabe in Erez Israel verbinden will, sich aus innerster Konsequenz dort einordnen, wo Einheit von persönlicher Intention und geschichtsphilosophiseher Ueberzeugutig herrscht? Gerade nach einer solchen Ueberlcgung fühlt man sich geneigt, den Vorwurf der O p p o rt iinisinu s, der schließlich noch erhoben wurde, zurückzugeben. Ganz abgesehen davon, daß der Zeitpunkt für ein solches Argument schlecht gewählt ist, haben wir noch nie die Auffassung vertreten, als würden Entscheidungen bloß 1m hohen Raum von Ideen vollzogen. Vielmehr haben wir jederzeit den Mut zu sagen, daß klare Erkenntnis der Lebensrealitäten und konsequentes Bekenntnis zu ihrer Bewältigung in jhrem Zustandekommen Zusammenwirken. Auch heute bleiben wir dabei. Reinhold Herz, Berlin ZUM TOBESTAO VON THEOBOB HERZU Sammelschrift zum 20. Tammus Preis 75 Rpf. Zu beziehen durch die Buchhandlungen oder gegen Voreinsendung direkt von der Verlagsabteilung der Zionistischen Vereinigung für Deutschland Berlin W 15 / MeinekestraBe 10 / Postscheckkonto Berlin 8091 Chaluzjugend und die Palästina-Ereignisse Zu einer Tagung des ״habonim" Vom 20. bis zum 22. Juni tagte in Winkel der Bundesrat des ״Habonim“. Schon im äußeren Bild der Tagung spürte man eine Wandlung. Der Menschentyp der jüdischen Jugendbewegung ist ein anderer geworden. Als der Bund noch eine kleine Gemeinschaft war, die um die Anerkennung des chaluzischen Weges kämpfte, war die Beziehung der Menschen zur Arbeit und zur Chaluziuth eine romantischere; man wurde Chaluz aus weltanschaulichen Erkenntnissen und aus Begeisterung für eine Idee. Heute sind ■die Menschen viel nüchterner geworden; Proklamationen werden seltener. Noch eins ist für das Verständnis dieser neuen Generation, die die Arbeit des Hechaluz in Deutschland trägt, wichtig: Die meisten Menschen der chaluzischen Bewegung übernahmen in einem Alter die Verantwortung für andere, in dem sie nur unter dem Einsatz aller persönlichen Kräfte fähig waren, diese Verantwortung zu tragen. Auch diese Erscheinung dürfen wir nicht in einer Schwarz-Weiß- Beleuchtung als etwas Ideales empfinden: auch sie hat eine negative Seite. Die 18- und 19jährigen, die gezwungen wurden, die Verantwortung für Dutzende von Kindern zu tragen und die manchmal als Galil- oder Snif-Leiler des Hechaluz über weit Aeltere als sie selbst entscheiden mußten, konnten in diesen wichtigsten Jahren ihrer Entwicklung kaum Zeit für sich selbst finden. Viel zu früh wurden sie müde und zahlten mit der Frische ihrer Jugend die Erfolge. Noch eine dritte Erscheinung ist wichtig, wenn man die Weit dieser Generation begreifen und sich in sie einfühlcn will. Für die chaluzischc Jugend ist Palästina viel näher gerückt. Es ist kein unbekanntes, erstrebenswertes Ideal mehr, sondern eine bekannte Wirklichkeit. Zu viele gleichaltrige Freunde sind schon drüben, stellen mit den Menschen in Deutschland in Verbindung, schildern ihre Erfolge und Mißerfolge, berichten über ihre Enttäuschungen und ihre Begeisterung, als daß es möglich wäre, den Weg nach Palästina als eine heroische, einmalige Leistung zu emnfinden. Der Weg nach Palästina und das Leben dort wirkt genau so real im Bewußtsein der 19- und 20jährigen wie das Leben hier. Heute wissen sie, daß die Bewährung drüben genau so wie die Bewährung hier nicht von der großen, einmaligen Anspannung der Kräfte, sondern von der vielfaltigen Bewährung im täglichen Leben abhängt Trotzdem ist das Gefühl für die Notwendigkeit eines einmaligen großen Einsatzes der eigenen Kräfte für die Idee nicht verloren gegangen. Besonders beim Referat von Boris E i s e n s t a d t über diie Ereignisse in Palästina kam das zum Ausdruck. Die Frage, die am Anfang der Diskussion stand und die die Diskutierenden am stärksten innerlich berührte, war die alte Frage des Zionismus nach dem Recht des jüdischen Volkes, trotz Beeiu- ♦rächtigung der arabischen nationalen Bewegung sich um die Vollendung des Aufbauwerkes in Palästina zu bemühen. Wir wissen, daß die fortschrittlichen Bewegungen des einen Volkes nur zu häufig gezwungen sind, auf Kosten des Fort- Schritts anderer Völker ihre Position im eigenen Land zu stärken. Darum ist das Kriterium für die Berechtigung eines Kampfes um Fortschritt niemals die Frage, inwieweit es den Kampf um den Fortschritt des anderen in sieh miteinbez.ieht, sondern immer nur die Frage, inwieweit es den eigenen Weg zum Fortschritt ermöglicht. Auf das jüdisch-arabische Problem übertragen bedeutet es, daß, solange unser Werk die wirtschaftliche und nationale Existenz der Araber nicht vertilgt, wir als Kriterium nur unseren eigenen Weg zur Befreiung betrachten müssen. In aller Klarheit wurde das in der Diskussion formuliert. Unsere Araberpolitik ist eine Frage der Nützlichkeit und nicht nur des Gewissens; denn ״unser Gewissen wird weder durch die Zustimmung von arabischen Kreisen entlastet, noch wird es durch die Ablehnung samt- Sicher Araber gegenüber unserem Werk belastet“. Unserem Gewissen sind wir nur die Rechenschaft darüber schuldig, ob wir den jüdischen Menschen in Palästina auf den Weg des Fortschritts führen werden. Auch zum P o I i < i s c h - T a k t i s c h e n hat die Moezah versucht, Stellung zu nehmen. Zwei Kräfte sind vorhanden, die — sei es jede für sich, seien es beide zusammen —- zu unseren Bundesgenossen bei unserem Aufbauwerk in Palästina werden können. England ist die ein e, das arabische Volk die andere. Wäre das Verhältnis dieser beiden Kräfte untereinander eindeutig und ihre Beziehung zu uns im voraus bestimmbar, dam! wäre die politische Situation, in der wir uns befinden, einfacher, denn wir könnten uns für die Rundcsgenossenschaft mit der einen oder anderen der beiden Machtgruppen entscheiden. So aber!missen wir — das war die Meinung der Moezah — den Versuch unternehmen, beide Kräfte zu unseren Bundesgenossen zu machen. Das besonders Komplizierte daran ist, daß unsere Rolle in der englischen Orienfpolitik im selben Augenblick aufhürt, in dem zwischen uns und den Führern des arabischen Volkes eine Verständigung erzielt wird. Mancher Redner der Moezah erinnerte au die Verhandlungen mit Transjordanien und an die Versuche der Round-Table-Konferenzen mit den Vertretern der arabischen Nationalbewegung. Aber auch darüber war man sich im klaren, daß man trotzdem alles daran setzen müßte, um diese Verständigung zu ermöglichen, weil auch vom Standpunkt der zionistischen England-Politik aus wir für England durch die Möglichkeit einer Verständigung mit den Arabern ein viel realerer politischer Faktor werden. Darum ist unsere Araber-Politik auch gleichzeitig England- Politik und muß mit verdoppelter Intensität geführt werden. Allerdings — das kam auch in der Diskussion sehr klar zum Ausdruck — wird die Verhandlungspolitik mit den Arabern nicht das Entscheidendste sein: Das Entscheidendste wird das bleiben, was bisher im zionistischen Aufbauwerk den Ausschlag gegeben hat, die persönliche Einsatzbcreitschaft eines jeden Zionisten. Das war das Erhebendste der Tagung, daß die Menschen, die dort versammelt waren, trotz der Erkenntnis der Schwierigkeiten und des opferreichen Weges bereit waren, auf den größten Teil ihrer persönlichen Bedürfnisse zu verzichten, um den Notwendigkeiten Palästinas gerecht zu werden. Die Moezah wird der Maskirutli (Leitung) des Kibbuz Hameuchad vorschlagen, die Gruppen des Bundes vor allein an jene Punkte zu schicken, wo man sich um die Eroberung neuer Arbeit:-.- platze bemüht. Die neuen Alijah-Qruppen des Bundes werden in die Plugat Hajam (Hafenarbeit in Haifa), nach Sehchunath Borochow (Regierungs-, Eisenbahn-, Hafenarbeit bei Tel- Awiw), zum Toten Meer gehen; und hier in der Golah wird man sich bemühen, durch besonders intensive Schulung und Charaktererziehting die Menschen für die schwere Aufgabe drüben vorzubereiten. Pon y Steinberg AeuBerste Preis« (Br Teppiche Sardinen - Läufer TEPPICHHAUS ZENTRUM Berlin CS, Spandauer Straße 28 an dar Känlsstraßa * I

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