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Jüdische Rundschau · 1936-06-30 · Heft 52 (30.6.1936) · page 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 52 (30.6.1936)
Date
1936-06-30
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 JÜDISCHE RUNOSCMAtJ Nr. 52 30. VI. 1936 lahm; Polizei traf mit einem Maschinengewehr an der Stelle rin. In Ludd fanden gestern eingehende li a u s s u c h u n gen statt. Line Truppenabteiiung, bestehend aus.500 Soldaten mit Tanks und Flugzeugen, war an der Aktion beteiligt. Wie verlautet, werden die bei der Ihirchsuehung verhafteten Araber wegen Widerstands gegen die Militärgewalt vor (Jericht gebracht werden. Ein kerstehendes Haus (der Besitzer wurde kürzlich bei ei 11 ein Eisenbahnübcrfall getötet) wurde bei der Durchsuchung vernichtet, da die Nachbarn dem Militär Widerstand leisteten. (Nach einer Londoner Meldung wurde der Stadt Ludd eine Kontribution von £ 50Ü0 auferlegt.) Lin Transport, bestehend aus Autobussen und Lastwagen unter militärischer Eskorte, wurde auf dem Wege von Tel-Awiw nach Jerusalem in der Nähe von Bab-elwad von Arabern angcschosscn. Das Feuer wurde erwidert, und nach Eintreffen von Militärverstärkungen wurde die Verfolgung der Wegelagerer atifgenointnen. Der Transport traf unversehrt in Jerusalem ein; jedoch wurde ein Chauffeur leicht verletzt, als ein 1.astwagen bei der Schießerei umstürzte. Das amtliche C o 111 m 11 n i tj u e vom Nachmittag bcrichtet über einen Zusammenstoß *wischen Arabern und Truppen und Polizei auf der Chaussee von Jerusalem nach Hebron. Das Feuergefecht dauerte einige Zeit an, ohne daß jemand verletzt wurde. Ferner wurden Schüsse auf ein Militärlager in Hebron abgegeben; das Feuer wurde erwidert. Das Commiinique berichtet ferner über die Verhaftung von zwei Arabern wegen unbefugten Waffenbesitzes, aus dem gleichen Grunde wurde ein Araber in Haifa verhaftet. 111 der Nähe von Jaffa wurde ein Araber wegen Beschädigung vou Telegraphnidrähtcn festgenomnien. Jerusalem, 28. Juni. Das heute abend berausgegebene amtliche Kommunique meldet, daß nach den Schießereien in Mof/a, gestern nacht, Spürhunde eine Spur nach Safed verfolgten, wo zwei Personen verhüttet und Munition beschlagnahint wurde Ime UitrcliMteliiiiig fand heute in dem Dorf Khariya im Suddistrikt statt, wo zwei Bomben gefmiden wurden; ein Araber wurde verhafte t. Line weitere Abteilung von Truppen traf heute aus Aegypten in Jerusalem ein. Der Arbeiter Joseph Reinhardt, der von einen) Araber, dem er einen Trunk Wasser reichen wollte, angeschossen wurde, hat den Tater identifiziert, der vor Gericht gebracht wird. Der vom Gericht ausgegebene Befehl, die Nicderreißung von Hausern in Jaffa nicht durch/tifuliren, bezieht sich nur aut ein Hans; die übrigen Hauser werden morgen, wie geplant, 11 1 e <1 e r g e riss e n werden. Araber antworten Ormsby-Gore Das arabische < •berste Komitee vei öffentlicht heute in der arabi-i licii Pi esse seine vom Mufti unterzeichnen' A 11 t - w o r t auf die L r k I a r u n g (j r in s b y - (j urrs im Parlament. Sie drücken ihr Bedauern darüber aus, daß der Kolotiicriminister keinerlei Andeutung über eine Aenderung der Regierungstaktik in der gegenwärtigen politischen Situation machte. Die Araber glauben nicht, daß die Königliche Untersuchtings-Konimission dir Interesse allen arabischen Beschwerden zuwenden wird, und Versprechungen haben ihrer Meinung nach keinen Wert, da England die nach dem Kriege gegebenni Versprechen nicht erfüllt hat. Die von Ormsby- Gore gestellte Bedingung, daß irgendwelche von der Königliehen Untersuchungs-Kommission vorgesehlagene Aeiiderungen nur durchgcführt werden können, wenn sie im Einklang mit der gegenwärtigen Verwaltung stehen. Mit großer Vorsieht behandelt das Arabische Komitee Orinsbv-Gorcs Aeulie- TUng über ihre Unfähigkeit, ihren Linfiufi auf die arabische Bevölkerung auszuiiben; als Antwort darauf stellen sie fest, daß sie gegen den Willen der Massen nichts unternehmen können. Die von der jüdischen Bevölkerung bewiesene Zurückhaltung, die der Kolonienminister hervorgehoben hatte, wird vom Arabischen Komitee entschieden abgestritten; dagegen wird festgestellt, daß es die Juden waren, die in Tel-Awiw, in den Kolonien und in Jaffa die Araber angegriffen hätten. Das Komitee bestätigt ferner, daß es für die Araber unmöglich sei, mit den Juden friedlich in Pahotina zu leben, solange die Politik des jiidisciieu Nationnllu-uiis fortgeführt wird. Zum Schluß werden die arabischen I ordenmgen nach Aiiftiöteii der Einwanderung und der Boiienverkäufe und nach der Schaffung einer riationalen Selbstverwaltung erhoben. Der Muff! befaß* sich in seiner Antwort hauptsächlich mit religiösen Momenten und weist besonders darauf hin, daß in der gegenwärtigen Regierirngspoliiik eine Gefahr für die niühamm! danoclic R e 1 i g i 1! ״ und die Heiligen Stätten hege, da das Hauptziel der Juden in Palästina die Erfüllung ihrer religiösen Hoffnungen sei, an Stelle der Omar-Mosehee den Tempel *iederau f zubaucn. Der Mufti zahlt ferner die bekannten arabisehen Forderungen auf; er uutersireiclit besonders, daß das jüdische Nationalheim in I’al.i-liiia nicht errkhtet werden dürfe; Palästina sei ein tmihapniiied.ini-ches Fand, an dem sämtliche mohammedanischen Volker ein Interesse haben. Nach einer Meldung im ״E a i 0 s t i ־'״ hat Mr. IE M. Font, der Sekretär des ( ioi;\erneiirs von Nablus, in einer Versammlung von Dorfbewohnern in der Nahe von jeniii erklär!, daß weder der High (£1111«issioner, 11 och der Kolonienmiuister in der Lage sei, ein Aufhören oder Anwachsen der_ Einwanderung luehci/uiulirvn; die Entscheidung darüber bleibe allein der Koingli heu DnkTSUrbinigs-Koniniisaioii vorbehalten. Er ei klarte ferner, daß «die Regierung über gentigend Mittel reituge, um irgendwelche Unruhen zu unterdrücken, und daß bis zur Wiederherstellung von Ruhe und Ordnung und bis zum Eintreffen der Königliche^ Kommission nichts unternommen werden würde. Die Sensationsmeldung des ״News Chronicle“ Der Londoner ״N e w s Chronicle“ hatte am Freitag einen Bericht seines Sonderberichterstatters aus Palästina veröffentlicht, wonach mit einer revolutionären Erhebung auch in T ransjordanien und dem bevorstehenden Einmarsch von M) t)ÜU bewaffneten Beduinen nach Palästina zu rechnen sei. Eine Versammlung von 200 Scheichs sollte diesem Bericht zufolge nach Amman einberufen worden sein, um ein zehntägiges Ultimatum an High Commissbner Sir Arthur Waiichope zu beschließen. Sollten binnen dieser Frist die Forderungen der palästinensischen Araber nicht erfüllt sein, so würden sich die Araber Transjordaniens der Aufstandsbewegung in Palästina anschiießen. Aus Kreiser! der Palästinarcgimmg wird der JTA. mitgeteilt, daß gegenüber diesen Berichten größte Skepsis am Platze sei. Es sei sehr zu bezweifeln, daß viele Tausende transjordanischer Araber bewaffnet seien und den Wunsch hätten, den Jordan zu überschreiten, um an Kämpfen in Palästina teilzunehrncn. Summarisches Prozeßverfahren Die Palästinaregierung hat eins neue Verordnung erlassen, die ein summarisches Prozeßverfahren für Vergehen gegen die Bestimmungen der Notverordnungen zur Aufrechterhaltung der Ordnung vorsehen. Ein jüdisches Manifest Die palästinensischen Miigliederdes Actions-Korn i t e e s, die — wie in der vorigen Nummer gemeldet — sich am 22. d. Mts. in Jerusalem zu einer Beratung versammelten, haben eine Kundgebung beschlossen, die soeben von Palcor telegraphisch verbreitet wird. In dem Manifeste, das aus 12 Abschnitten besteht, wird zunächst die Lage geschildert, die durch den arabischen Terror entstanden ist und erklärt, daß die Regierung es unterlassen hat, entsprechende Mitfei anzuwenden, die von allem Anfang an dem Uebel ein Ende gemacht haften. Dieser Mangel an einer entschlosscnen Politik hat das Land in einen Zustand der Anarchie versetzt. Von den Mördern, die in Jaffa am 19. April bei heilern Tageslicht ihre grausamen Taten verübten, ist bisher nur einer verurteilt worden. Die meisten Mörder und Brand- Stifter wurden nicht aufgefundeti. Die Forderungen der Juden, an der Verteidigung teilnehmen zu können, wurde nur in ungc-!lügendem Maße erfüllt. Die entschiedenen Erklärungen der Regierung sind nutzlos, da ihnen keine Taten folgten. Diese Schwäche der Regierung hat die Anführer ermutigt, sich auf einen langen Kampf einzulassen, in der Hoffnung, daß die Kräfte der Zerstörung schließlich triumphieren werden. Im dritten Absatz wird darauf hingewiesen, daß die ungenügende Beschäftigung von Juden im Regierungsdienst dazu geführt habe, daß die Regierungsmaschinerie nicht wirksam funktionieren konnte. Auf der andern Seite wird der Regierung für ihre Hilfe bei der rechtzeitigen Eröffnung der Lcvantc-Mcssc, für die Uebertragung der Regierungsämter nach Tel-Awiw׳, die Bewilligung zum Ausladen an der Tel- Awiwer Küste, die Heranziehung jüdischer Polizisten und insbesondere für die Erteilung der Einwanderuiigszertifikate ein Lob erteilt. In dieser Richtung müsse die Regierung weiter forffahren, insbesondere den Anteil der Juden an den Verteidigungskräften verstärken, den Hafen von Tel-Awiw entwickeln und den Straßenbau beschleunigen. Im sechsten Abschnitt wird Schadenersatz der Regierung für die Beschädigten gefordert, im siebenten Abschnitt wird dargelegt, in welcher Weise der Jischuw trotz des arabischen Streiks seine ökonomische Aufbauarbeit fortzusetzen bemüht ist. Die Mitglieder des A.-C. sprechen insbesondere den Juden, die in der Stunde der Gefahr auf der Wacht standen, den mutigen Chauffeuren, die den Verkehr aufrecht erhielten, den jüdisehen Polizisten und Wächtern und schließlich den Siedlern selbst ihre Anerkennung aus. Es wird ein Ehrenblatt des Jischuw bleiben, daß er trotz des grausamen Angriffs seine Besonnenheit bewahrte und sich von Akten der Vergeltung zurückhielt. Die Welt soll verstehen, daß diese Zurückhaltung nichtSchvvächeoderFurcht ist, sondern der Moral und der politischen Reife des Jischuw entspricht. Int neunten Abschnitt wird die Dankbarkeit des jüdisehen Volkes innerhalb und außerhalb Palästinas gegenüber all den Nichtjuden, die sich für den Schutz Palästinas eingesetzt haben, insbesondere den britischen Polizisten und Soldaten ausgesprochen, und erklärt, daß das Andenken der in diesen Kämpfen Gefallenen unvergessen bleiben wird. Es ist jedoch unerträglich, daß in der Verteidigung der jüdischen Siedlung andere ihr Leben einsetzen, während den Juden die Teilnahme an dieser Verteidigung verwehrt ist. Sicherheit und Ehre zugleich erfordern, daß den Juden eine Möglichkeit gegeben wird, sich zu verteidigen, daher wird eine Bewaffnung der jüdischen Siedler an gefährdeten Plätzen gefordert. Der elfte Abschnitt wendet sich an alle Zionisten in der Welt und fordert sie zu einer einheitlichen und kraftvollen Aktion auf, um zu verhindern, daß das Aufbauwerk eingeschränkt werden muß. Die Exekutive der Jewisli Agency in Jerusalem und London, so heißt es weiter, führt den schweren politischen Kampf in voller Harmonie und alle Parteien der Zionistischen Organisation haben der Leitung ihr volles Vertrauen ausgesprochen. Diese Exekutive ist unsere einz i g e politische Vertretung und alle Teile des Jischuw und der zionistischen Bewegung schulden ihr Disziplin und Loyalität. Die Exekutive bedarf einer Stützung durch eine aktive zionistische Bewegung. Zutn Schluß (zwölftens) heißt es: ״Zahlreich sind unsere Verluste, aber unser Geist bleibt ungebrochen. Mitten im Kriege vergessen wir nicht, daß unser Ziel def Friede ist, und mitten in der Zerstörung führen wir unsere Aufbauarbeit fort. Angesichts der grausamen Angriffe bewahren wir unser Vertrauen zur Gerechtigkeit unserer Sache und zur schöpferischen Kraft des Volkes, das auf dem Wege zu seiner Erlösung alle Hemmnisse überwinden wird.“ Zur Geschichte der jüdisch-arabischen Beziehungen In der seit einigen Monaten in Jerusalem erscheinenden hebräischen Tageszeitung ״Chadaschoth achronoth“ veröffentlicht der Journalist Ittaraar Ben-Awi, der Sohn des Erneuerers der hebräischen Sprache, Ben-Jehuda, im Anschluß an Weizmanns Veröffentlichungen in der ״Times" Erinnerungen an jüdisch-arabische Verhandlungen in den ersten Nachkriegsjahren, an denen er selbst als Vermittler beteiligt war: Ben-Awi stand i!1 Verbindung mit dem Vorgänger des Mufti, der ein aufrichtiger Freund der Juden war. Damals war das Interesse für eine Verständigung mit den Arabern im Kreise zionistischer Führer sehr rege, und es wurde auch die Gründung einer arabischen Tageszeitung beschlossen. Auch ein besonderes arabisches Departement wurde der zionistischen Verwaltung eingegliedert, nachdem die blutigen Ereignisse von 1920 die Aufmerksamkeit der leitenden Zionisten noch verstärkt hatte. Trotzdem wurden diese Ereignisse noch zu leicht genommen. Die Bestellung eines^ jüdisehen High Commissioner für Palästina stärkte das Gefühl der Sicherheit, die arabische Frage wurde bagatellisiert. Da störte die Wiederholung des Unheils im Araberaufstand des Jahres 1921 von neuem die Hoffnung auf eine ruhige Ent- Wicklung. Damals wurde Mussa Kasim Pascha, der schon während der Türkenzeit ein hoher Beamter gewesen war, der anerkannte nationale Führer des arabischen Volkes. In allen Teilen des Landes entstanden arabische Klubs, deren Führung meist in den Händen von Mitgliedern der großen und einflußreichen Familien lag: der Hussein!, der Naschaschibi, der Dejani oder der Abdul Hadi. Mündliche und gedruckte Propaganda entwickelte sich unter den Arabern in einem ungeahnten Ausmaße. Ungeahnt für die Neiieinwanderer, die Palästinenser kannten die Versuche der Araber, das joch der Jungtürken abzuschütteln, und waren nicht so ahnungslos. Damals gab Dr. Fder Ben-Awi den Auftrag, mit den Führern der arabischen Bewegung Fühlung zu nehmen. Besonders interessant ist sein Besuch bei einem prominenten Mitglied der Familie Naschaschibi: ״Ich werde nie vergessen, was mir Azaf Naschaschibi in den Räumen des arabischen Klubs sagte, den wir damals noch frei betreten konnten. Er war der geistige Führer der jungen arabischen Generation. Er war ein wenig dem Trünke ergeben, aber in seinen guten Stunden — und ihrer waren viele — zeigte er hinreißenden dichterischen Schwung. Damals antwortete er mir im arabischen Klub vor etwa vierzig jungen Leuten: Kommt nicht zu uns mit moralischen Vorstellungen und in der Haltung eines überlegenen Volkes. Wenn ihr euer Nationalheim in Freundschaft mit den Arabern errichten wollt, so müßt ihr uns als Gleichwertige behandeln, ihr müßt uns eure Absichten rikkhaltslos klarlegen, und müßt uns auch sagen, bis zu welchen Grenzen ihr gehen wollt. Wenn ihr das nicht begreift und ohne unsere Zustimmung ans Werk geht, und wenn ihr weiter davon redet, uns aie westliche Kultur zu bringen, dann wird dies Land zu einem Kampffehl zwischen uns werden“. Er war damals noch jung und alle seine Hörer waren noch jung, und auch ich seihst war jung, heute aber sind sie die Führer und sie waren es schon im Jahre 1929, ja heute ist sogar schon die ihnen folgende Generation an der Führung beteiligt. Die Worte Azaf Naschaschibis machten Eindruck auf Ben-Awis Auftraggeber. Aber die Zu- Sicherungen der Engländer in London wurden damals als ausreichende Sicherung getrachtet. Sir Herbert Samuel kam inzwischen nach Palästina, und sein Kommen hob das Gefühl der Zuversicht und Sicherheit. So wurden die Verhandlungen mit den Arabern der jüngeren Generation abgebrochen. Für eine arabische Zeitung Itn ״Haarcz“ vom 17. Juni schreibt der bekannte hebräische Schriftsteller J. Burla einen Artikel mit der Ueberschrifi ״Wie lange wollen wir stumm bleiben?“ u. a. folgendes: Unter den merkwürdigen Erscheinungen unseres öffentlichen Lebens faßt vor allem ins Auge die uns sehr schädigende Tatsache, daß wir keine Zeitungen in arabischer Spra c b v haben. Eine Zeitung, die von unseren Instanzen herausgegeben wurde, mit der wir uns an alle orientalischen Völker wenden und ihnen von unserer Tätigkeit berichten könnten, gibt es nicht. Nicht einmal haben verschiedene Persönlichkeiten dies gerügt, aber in dieser Angelegenheit scheinen w׳ir alle kraftlos zu sein. Sogar die Histadruth, die doch großen Einfluß auf das öffentliche Leben im Lande hat, konnte es trotz vielfacher Behandlung dieser Frage nicht zur Tat bringen. Wie ist diese Schwäche zu rechtfertigen? Es ist nichts anderes als Leichtsinn und ein Mangel an politischem Sinn. Es ist naiv, ja eine Naivität, die an Dummheit grenzt, zu glauben, daß ein Volk, das sein politisches und Wirtschaftliebes Leben au (bauen will, es tun kann, ohne sich mit seinen Nachbarn zu verständigen. Das am meisten Erstaunliche ist, daß unser kleiner und schwacher Jischuw die Mittel verschmäht, die große Staaten nicht von sich weisen. Sogar große Mächte geben viel Geld für Propaganda aus und wir, die eigentlich nur moralische Kraft besitzen, bedienen uns dieses Mittels nicht. Es ist noch verständlich, daß manche Kreise des Jischuw sich widersetzen, die arabische Sprache unter den Juden zu verbreiten oder ihr einen bedeutenderen Platz in den Schulen zu geben, obwohl auch diese Frage eine überlegte Behandlung erfordert, da wir irrtümlicherweise die Erfahrungen, die wir mit fremden Sprachen in der Golah machten, auch auf das Arabische beziehen. Aber wie ist die Gegnerschaft zur Schaffung eines arabischen Organs zu verstehen, das ja nur politische Ziele hat? Der Oberste Arabische Rat schickt Delegationen in die orientalischen Länder, die arabische Presse jener Länder verbreitet Gift, und wer in Verbindung mit den Juden jener Länder stellt, wird bezeugen können, daß sie in Briden um moralische Hilfe rufen. Das kann nur ein Organ tun, das in arabischer Sprache erscheint und sie in ihrer Position verteidigt. Wir wissen, daß eine arabische Zeitung nicht etwa alle unsere Wunden heilen kann, aber manches Unglück würde es verhindern. Es ist sehr beklagenswert, daß die Jewish Agency diesen Fehler noch immer nicht korrigiert hat. Wir haben eine arabische Abteilung bei der Agency. Dürfen wir fragen, was diese Abteilung macht? Wozu existiert sie eigentlich? Jetzt müssen wir eine tägliche arabische Zeitung schaffen, die auf hohem Niveau steht, den Mitgliedern des ägyptischen, irakischen, syrischen Parlaments zugänglieh sein soll und auch in Nordafrika und in anderen arabischen Ländern verbreitet werden muß. Araber In Tel-Awiw Die Cafehäuser in der Herzl-Straße in Tel-Awiw sind zum ersten Male seit dem Ausbruch der Unruhen wieder von arabischen Gästen besucht worden. Im allgemeinen ist in Jaffa zu merken, daß der Streik von Tag zu Tag abbröckelt. Die arabischen Kaufleute öffnen nach und nach die Läden; auch in Tel-Awiw haben sich bereits arabische St r a ß e 11 h ä 11 d I e r gezeigt. Auf dem Jaffaer Bahnhof haben sämtliche arabische Arbeiter die Arbeit wieder aufgenommen. Man hat den Eindruck, daß trotz aller Anstrengungen des Streikkomitees und der arabischen nationalistischen Jugend der Streik in Jaffa seinem Ende entgegengeht. Jerusalem, 29. Juni, mittags. (JTA.) Die Lage am Montag Am Mortag morgen ist eine Kolonne jüdischer Autobusse auf der Fahrt von Tel-Awiw nach den Ko.onicu von Arabern aus dem Hinterhalt beschossen worden. Der Chauffeur Jacob C u s i 11 und der Passagier Jacob C i b i n s k y wurden verwundct. Sic wurden ins Hadassah-Krankcnhaus nach Tel-Awiw gebracht. Auf Giwat Mesila wurde um Mitternacht von bewaffneten Arabern ein Angriff verübt. Der Angriff wurde mit Unter- Stützung englischer Maschinengewehr-Abteilungen abgewiesen. Während des Gefechts verletzte sich der 22jährige Nachum Out m an durch unvorsichtige Handhabung der Schußwaffe schwer. In Beisan versuchte die arabische Menge die dortige Polizeistation zu stürmen. Ein palästinensischer Polizist wurde hierbei schwer, zwei englische Polizisten wurden leicht verwundet. Nach Heranziehung von Verstärkungen konnte der Angriff abgeschlagen werden. Zu dem in Nr. 50 vom 23. 6, gemeldeten Tod des Mitgliedes des Kibbuz Raniat Hakowcsch, Elieser Li es er, der durch einen unglücklichen Zufall beim Wachdienst getötet sein sollte, erfahren wir, daß Elieser Liescr bei der Abwehr eines arabisehen Angriffs im Kampf gefallen ist.

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