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Jüdische Rundschau · 1936-06-30 · Heft 52 (30.6.1936) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 52 (30.6.1936)
Date
1936-06-30
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Saite 2 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 52, 30. VI. 1936 Der Antisemitismus in der Schweiz Entscheidung des Schweizer Bundesgerichtes über die Grenzen der Pressefreiheit bei Verleumdung eines Bevölkerungsteils weiten englischen Kreisen der Wunsch vorhanden ist, die schwierige Situation unter Umständen auch durch Konzessionen zu glätten. Dabei ist immer wieder von einer Modifikation der jüdischen Einwanderung die Rede, sei es, daß eine provisorische Regelung befürwortet wird oder aber — 1. B. in der letzten Nummer der Zeitschrift ״Qreat Britain and the East“ - die Festsetzung einer Höchstgrenze für die jüdische Einwanderung überhaupt. Wir glaube», daß die wirklich maßgeblichen englischen Kreise vorläufig solchen Vorschlägen gegenüber kühl sind und sich auf den stets von ihnen eingenommenen Standpunkt zurück/iehen, daß das Mandat und die Baifour-Deklaration eine ״doppelte Verpflichtung“ cnthalten und daß die Forderung der Juden, ihr Nationalheim im Lande weiter zu entwickeln, gewährt werden muß — unter dem Vorbehalt, daß auch die arabische Position unangetastet bleibt, so daß ein Zusammenleben der zwei Völker in dem Laude möglich wird. Ob darüber hinaus die Engländer auch dem üedanken, daß gerade nach den Erfahrungen der letzten Zeit nur ein überwiegend jüdisches Palästina eine zuverlässige Garantie für Englands heiß umkämpfte Mittelmeerposition darstellt, zugänglich sind, dafür gibt cs bisher noch keinen Anhaltspunkt. Es ist dies eine Frage der Abwägung von Vor- und Nachteilen, und bisher bctrachten die Engländer eine unwiederbringliche Verfeindüng mit der arabischen Welt als einen Nachteil, der schwerer wiegt als andere Argumente. Die entscheidenden Auseinandersetzungen werden erst möglich sei», wenn die Ruhe w i e d e r h e r ge s t e 111 ist. Wann wird dies endlich der Fall sein? Jüdische Ereignisse in Wien (Von unserem Berichterstatter) j.k. Wien, 28. Juni. Ein Theatarabend Im Wiener Bi! r g ert hea t er eröffnet!• Samstag abend Morris Schwär/ im Rahmen einer f• cM-Premiere sein Wiener (iast-piel!111' der Aufiuhrung der von Schwarz dramatisierten und in Szene gesetzten Frzühhtng ״lösche Kalb“ von J. J. Singer, die, revue,artig in 3h Bildern wie ein spannender Filmstreifen abroilt, subtilstes Kammcrtheatcr und rauschende szenische Aufmachung in künstlerischer Synthese zu einem grandiosen Schau- und T o n g e m ä I d e vereint und so eine Sinfonie von Klang und Farbe, Ton und Licht darstellt. Von der rein theatralischen Seite kamt Schwarz mit diesem seinem Werk eine Revolulionierung des jiddischen Kunsttheaters bringen. Per Abend war ein durchschlagender Frfolg. Das tlicaterverständige und -v erwölmte Wiener Publikum dankte .Morris S e 11 w a r /. mit stürmischem Beifall auf offener Szene für seine gleich grandiose Arbeit in Regie lind Darstellung. Aus dem Ensemble ragten mit besonders subtilen Leistungen die Herren Alex Stein, Eisik Samberg, Isaak Ürudberg, Daniel Schapiro, sowie die Damen Judith Abarbancl, F.ster Ci o i <1 c n b e r g, Natalia Lip* mann und ganz besonders Eni Li ton hervor. (Wir berichtoten in Nr. 42 Ti ausfuhrlieh über die Vorstellung in Polen.) Der D. Weltkongreß der jüdischen Frontsoldaten Am selben Abend wurde im Großen Musikvereinssaal in Anwesenheit von etwa 2000 Oasten, über 100 Delegierten aus 16 Ländern, von Vertretern des Staatssekretärs für Landesverteiiligung (ieneral Zehner, des Vizekanzlers der Bundesregie־ rung Baar-Haamiftls, zahlreicher Delegierten der Vaterländisohen Front und hoher Militärs, ferner zahlreichen Vertretern des I )iplomaii-rlien Ku!ps die bulgarischen, französischen, litauischen und pohii-chen (ie-andisdiaiten hatten ihre Konsuln oder Legatinnssekrctare entsandt - der II. Weltkong r e ß der j u cf i s eh c!1 F r 1 ח ס s o I d a t e n eröffnet. Sogar das Stadtbild war an die-cm Abend, insbesondere in der Zeit /wischen <> und 9 l'lir und dann gegen Mitternacht von den Kongreßteilnehmern, die in ihren Uniformen und zahlreichen Dekorationen ubera't Aufmerksamkeit licrvorricfcn, bc* herrscht, I)er Ring bot eine wahre Volke!Wanderung, als etwa gegen 12 l'lir nachts die tausend Gärte des Bürger* theaters mit den Teilnehmern des Kongres-es zusammentrafen. Aber nicht allein auf der Straße konnte man sich eines bunter, iebeiidieen Bilde., erfreuen Der Musikvereinssaal selbst׳ bot an diesem Abend ebenfalls ein recht imposantes Bild, Jede Delegation \1tirde beim Eintritt in den Saal mit der Hymne ihres Herktmft'lamles und dem!lochgehen der betreffenden Landesfallnett hcgriilh. Luter grober Begeisterung wurde beim Eintritt der I’al.1sti11a-i )Hegation die ״T i k w a h“ intoniert und die Palästina - Ibiline bochge/ogeri. In ,einer S lutitmng-nmp!׳:!'!!(■ genlachte der Bundesführer der jüdischen I!uiiGolüaten Oesterreichs i lauptinann Edler v, F r 1 e d 111 a 11 n /unliebst der! jefalienen ohne Unterschied der Nation und Religion mul stellte mit Bedauern fest, daß die jüdischen Frontsoldaten Deutschlands am Kongresse nicht teilnehmen. Die jüdischen Frontsoldaten, so führte der Redner aus, wollen die Verteidigung jüdischer Rechte organisieren und müssen ihren Schutz selbst in die Hand nehmen. Der Kongreß vertrete eine halbe Million organisierter jüdischer Front- Kämpfer und müsse eine große Manifestation des festen Wülens der jüdischen Frontsoldaten werden, die Ftire des Judentum« zu verteidigen, Hundesführer Friedmann erinnerte in seiner Rede an die zahlreichen Episoden von gegenseitiger Hilfe, die sich Juden und Christen in den Tagen des Kampfes 3״ge- Ueilien ließen, an die unzähligen Beweise echter Kameradschaft ohne Rücksicht auf Religion und Herkunft. Er erzählte u. a. von dem Rabbiner Bloch, der im offenen Kampfgetüinmcl das Schlachtfeld nach Verwundeten absuchte und einem sterbenden christlichen Soldaten das Kruzifix reichte und dabei selbst von einem feindlichen Geschoß tödlich getroffen zu Boden sank. Als Auffakt des Weltkongresses fand am Samstag vormlt* tag im Leopoldstädtcr Tempel ein feierlicher Gottesdienst statt. Sonntag vormittag legten die auswärtigen Delegierten Kränze an den Denkmälern der jüdischen Gefallenen am jüdischen Hcldcnfriedhof, sowie am Heldemlenkmal vor der Burg nieder. Die gegenwärtig j!1 Genf tagende I n ternatIona1e Ar* beitskunferenz genehmigte lt. ״Frankf. Ztg.“ vom 26. Juni ohne Opposition eine von dem luxemburgischen Arbeiterdelegierten ciiigcrciehtc Entschließung, die sich auf die Lage der deutschert Emigranten bezieht. Es wird darin 11. a. festgestellt, daß diese Emigration zu schweren Folgen geführt habe, in erster Linie für die Deutschland benachbarten Länder. Da diese Frage die internationale Arbeitsorganisation in hohem Maße berührte, solle der Verwaltungsrat das Inter* nationale Arbeitsamt beauftragen, die ״Lage mit größter Auf* merksamkeit zu verfolgen.״ Zürich, 25. Juni. (JTA.) Das schweizerische Bundesgericht hat einen staatsrechtlichen Rekurs des Redakteurs der Genfer Zeitung ״Readon“ Jules Erncst Gross gegen ein von der Genfer Regierung erlassenes Verbot von Veröffentlichungen, die das religiöse Gefühl v er l ct z cn, abgewiesen. Durch die betreffende Verfügung, die von der Genfer Regierung am J. April 1935 erlassen worden war, ist es den Zeitungen und Druckschriften bzw. den für diese veramwortliehen Personen untersagt worden, beleidigende oder verleumderische Angriffe in Wort oder Bild gegen einen Teil der Bevölkerung im Hinblick auf seine Religion oder Abstammung zu richten; insbesondere wurde den Genfer Zeitungen ״L’Homme de Droite“ und ,,Reaction“ jeder derartige Anriff gegen die jüdische Religion und Rasse ver* oten, ebenso die Verwendung der Bezeichnungen ״organe antisemite“ und ״organe contre 13 juiverie“ durch das erstgenannte Blatt. Gegen Zuwiderhandlungen wurde die Beschlagnahme der Druckschrift und die polizeiliche Bestrafung der verantwortlichen Personen angedroht. Das Bundesgericht hat die Beschwerde gegen diese Ver* fügung mit folgender Begründung abgewiesen: Im Rekurse wurde in erster Linie der Grundsatz der Pressefreiheit (Art. 55־ der Bundesverfassung) angerufen. Soweit aber der Beschwerdeführer in der angegriffenen Verfiigung einen Verstoß gegen das Recht der freien Kritik in reliiösen Dingen erblickt, käme einzig eine Verletzung der Glaucns* und Gewissensfreiheit (Art. 49 und 50 B.-V.) in Frage, ln welchem Umfange das Recht auf freie Besprechung religiöser Frauen gewährleistet ist und in welchem Maße es trotz der Verfassungsgarantie von den Kantonen eingeschränkt werden darf, muß sich nach der Spezialbestimmung des Art. 49 und 50 B.-V. richten, nicht nacFi Art. 55 B.-V., der im allgemeinen das Recht freier Meinungsäußerungen gewährleistet. K. Paris, Ende Juni Widerstände gegen die syrische Unabhängigkeit Die Mitteilungen über die Neuregelung der französischsyrischen Beziehungen rufen heftigen Widerspruch in den französischen Rechtskreisen hervor. Man tadelt die Absicht der französischen Regierung, freiwillig auf einen wichtigen Stützpunkt im Mittelmeer zu verzichten. U. a. gibt Jean Märtet in der Pariser Zeitung ״Le Journal“ der Ansicht Ausdruck, ״daß Frankreich! aut seinen Rang als zweite Kolonialmacht verzichte und damit anderen aktiveren Mächten Platz macht. Die syrische Unabhängigkeit bedeutet die Uebergäbe des Landes an eine stärkere Macht. Die syrischen Nationalisten hätten nur für ihre kommenden Herren ״die Kastanien aus dem Feuer geholt“. Auf eine andere bedenkliehe Seite der syrischen Unabhängigkeit weist der Korresnondent des ״Figaro“, Maurice Noel, hin, der jetzt von Palästina nach Syrien gefahren ist. ״Das Unabhängigkeitsversprechen hat insbesondere bei den Minoritäten in Syrien stärkste Unruhe hervoreerufen, die Verfolgungen und Massaker von seiten der Mehrheit erwarten. Die Alluiten und Drusen forderten daher iFire Autonomie. Frankreich muß sich unter allen Umständen das Recht auf sofortige Intervention im Falle von Unruhen Vorbehalten.“ Auch der ״Temps“ gibt in einein Artikel, der die neue Kolonialpolitik behandelt, seinen Besorgnissen Ausdruck. Das Blatt sieht eine besondere Gefahr darin, daß ״die französische Kolonialpolitik jetzt nach den Gesichtspunkten der Parteidoktrin geführt wird. Man muß daher von der Enquete-Kommission, die von der Regierung Blum zur Untersuchung der kolonialen Verhältnisse eingesetzt worden ist, die äußerste Vorsicht in ihren Untersuchungen und ihren Versprechungen erwarten“. Fremdcüfeiadliche Demonstrationen Im Zusammenhang mit der von der Regierung verordneten Auflösung der ״Ligen“ ist es am Sonntag in Paris zu heftigen Demonstrationen der Anhänger der Ligen gekommen, die bald zu Zusammenstößen mit der Polizei führten. Gruppen von jungen Leuten aus den rechtsradikalen Gruppen zogen durch die Stadt und stießen Schmährufe gegen die Fremden aus. Der Ruf ״Frankreich den Franzosen“ wurde immer wieder im Chore wiederholt. Die Polizei griff schließlieh ein und machte diesen Demonstrationen ein Ende. Auch in einigen Proviimtädten ist es zu ähnlichen Vorfällen gekommen. In diesem Zusammenhang sei erwähnt, daß der Stadtrat der Stadt Straßburg in einer energischen Resolution gegen die antisemitischen Umtriebe Stellung ge* nominell und Bestrafung der Schuldigen gefordert hat. Neons Fremdenstatut In Frankreich Nach Pressemeldungen beschäftigt sich das französische Innenministerium zur Zeit mit der Ausarbeitung eines neuen Statutes für die in Frankreich ansässigen Fremden. Es ist eine Studienkommission gebildet worden, an der u. a. Madeleine P a z teilnimmt, die bereits auf der Pariser Kon* terenz für das Asylrecht hervorgetreten ist. An der Kom* mission nehmen ferner die zuständigen Abteilungsleiter im Innenministerium und im Arbcitsministcrium teil. Ziel der Arbeiten ist, einen endgültigen Rechtszustand für die Aus-!ander zu schaffen und den Zustand der Rechtsunsicherheit und der Härten, die das administrative Vorgehen gegen die Ausländer in dem letzten Jahr gekennzeichnet hatten, zu beseitigen. Wie verlautet, soll vor allem die administrative Lage derjenigen gebessert werden, die von der Regierung als politische Flüchtlinge anerkannt werden. Ihre Ausweisung soll nur Im Falle krimineller Delikte möglich sein. Gleichfalls beschäftigt man sich besonders mit der Frage der Staaten* losen, für deren mildere Behandlung das französische Innen* ministerium bereits vor einiger Zeit Anweisungen an die Behörden ausgab. Am schwierigsten wird aller wahrschein* lichkeit nach die Frage des Arbeitsrechtes zu regeln sein, doch wurde bereits aut der ״Konferenz für das Asylrecht“ daraut hingewiesen, daß Aufenthaltsrecht ohne Arbeitsrecht eine illusorische Regelung der Stellung der Emigranten wäre. Ohne die Gewähr des Arbeitsrechts müssen die Refugies immer wieder mit den Behörden in Konflikt kommen. Xaver Vaflat Mitglied 4•■ Pariser Anwaltsrates Die Neuwahl des Rates der Pariser Anwaltskammer hat zu einer Kampfabstimmwng zwischen den rechtscingestellten Anwälten und den Anhängern der ״Volksfront“ geführt. Gewählt wurde u. a. der Abgeordnete V a 11 a t, der kürzlich in der Kammer durch seine antisemitischen Angriffe gegen den Ministerpräsidenten Lfon Blum hervorgetreten war. Vaflat hat sich als gallo-fomaniwher Kandidat bezeichnet, womit Aus dem Grundsatz der Glaubens- und Gewissensfreiheit ergibt sich das Recht sächlicher Erörterung in religiösen Fragen, nicht aber die Befugnis, Andersdenkende in beleidigender oder verleumderischer Weise anzugreifen. Ein Kanton muß das Recht haben, derartige Angriffe 1111 Interesse des religiösen Friedens zu untersagen und zu bestrafen und die Verfügung hält sich daher, so wie sie lautet, im Rahmen der Verfassung. Allerdings muß der Vorbehalt gemacht werden, daß eine Besprcchung konfessioneller Fragen nicht schon deswegen unterdrückt werden darf, weil die an sich sachlich gehaltene Erörterung ihrer Tendenz wegen das Mißfallen einer bestimmten Personengruppe erregt; würde die Genfer Verfügung bei dar Handhabung in dieser weitgehenden Weise ausgelegt, so stümle gegen eine derartige Anwendung ein Rekurs wegen Verletzung von Art. 49 und 5« B.-V. zu Gebote. Die angefoditene Verfügung untersagt auch beleidigende und verleumderische Angriffe gegen einen bestimmten Teil der Bevölkerung im Hinblick auf seine R a s s e. Darin liegt kein Verstoß gegen die Pressefreiheit (Art. 55 B.-V.). Zwar ergibt sich aus Art. 55 B.-V. das Recht zur öffentlichen Besprechung der Judenfrage, also des Problems, ob die Juden in der Tat den anderen Staatsbürgern gleichzustellen seien. Dagegen darf der Kanton gegen Veröffentlichungen vergehen, die über die sachliche Behandlung dieses Themas hinausgehen und gegen die Anhänger •einer bestimmten Konfession Haß und Verachtung zu säen suchen, ln diesem Sinne steht die Verfügung auch nicht mit Art. 55 B.V. im Widerspruch, sie darf aber in der praktischen Handhabung nicht nun Vorwand benutz{ werden, jede objektive Besprechung der Judenfrage zu ver* hindern. Wenn die Verfügung der Zeitung ״L’Homme de Droite“ den Untertitel ״organe contre la juiverie“ verbietet, so ist dies im Hinblick auf die beleidigende Form dieses Untertitels nicht verfassungswidrig; dagegen muß der Untertitel ״organe antisömite“ geduldet werden. der antisemitische Kampfcharakter seiner Kandidatur betont wurde. Die Unrahe In Nordairika Während in Frankreich selbst der soziale Unruhezustand, der nach dem Sieg der ״Volksfront“ eingesetzt hatte, abzuschwellen beginnt, werden aus Nordafrika täglich neue Streiks und Zusammenstöße zwischen Eingeborenen und dem Ordnungsdienst gemeldet. Die soziale Bewegung des Mutterlandes hat in Nordatrika vielfach einen nationalen und rassenmäßigen Charakter angenommen und gefährdet dadurch die Sicherheit der französischen Kolonisten in diesen Gebieten. Es ist darauf hinzuweisen, daß in den letzten Tagen der antisemitische Charakter der Eingeborenen-Bewegung immer deutlicher hervortritt. Diese antisemitische Welle wird von Agitatoren sorgfältig genährt. In der Herriot nahestehenden Zeitung ״Republique“ weist der Chefredakteur Pierre Dominique auf die gefährlichen Auswirkungen der sozialen Bewegung in Nordafrika hin. ״Nordafrika befindet sich im Zustand einer steigenden Unruhe. Es steht vielleicht am Vorabend einer allgemeinen Erhebung, die sich zuerst gegen die Juden und in zweiter Linie gegen die Franzosen richten w׳ird.“ ״Unter den Eingeborenen wird das Gerücht verbreitet, daß der jetzige üencralgouverneur von Marokko durch einen. Juden ersetzt werden soll.“ Man kann nur hotten, daß 'es der Regierung gelingen wird, eine Entladung der gespannten Stimmung in Nordafrika zu verhindern, die die verhängnisvollsten Folgen für die jüdische Bevölkerung dieser Gebiete haben würde. Der Palästina •Pavillon auf der Pariser Welt• ausstellung 1937 Wie bereits gemeldet, hat sich in Paris unter dem Ehren- Vorsitz von Senator Justin Godart und dem Vorsitz von Louis Asse her ein Komitee für die Gründung eines Palästina-Pavilions auf der Pariser Weltausstellung im Jahre 1937 gebildet. Wie auf der Gründungsversaminlung des Komitees mitgeteilt wurde, ist von der Ausstellungsleitung ein sehr günstiges Terrain von ca. S00 qm im Ausstellungspark Trocadero zur Verfügung gestellt worden. Die Ausstelhuigsleitung gewährt eine Beihilfe von 600 Francs pro Quadratmeter für zwei Drittel der Fläche. Auf der Gründungsver- Sammlung wurde der palästinensische Pavillon unter die Patronage des Comites Franco-Pakstine sowie der Palästinensischen Handelskammer in Paris gestellt. Es soll in Frankreich eine Summe von 600 000 bis 700 000 Francs für den Bau und die Ausgestaltung des Pavillons aufgebracht werden. Eine große Zahl von Anfragen von Ausstellern liegt bereits vor. Die antisemitischen Unruhen in Rumänien Bukarest, 26. Juni. (JTA.) Irrt Hinblick auf die l)rohung der Cuzisfen trotz dem allgemeinen Aufmarschverbot am Sonntag in Bukarest eine große Kundgebung zu veranstaiten, ist die polizeiliche Bewachung der Hauptstadt verstärkt worden. In Kischinew haben sich jüdische und nichtjüdische Kaufleute an die Militärbehörden mit der Bitte gewandt, den öffentlichen Sicherheitsdienst an Ste!? der Orts- Polizei, zu übernehmen, die nicht fähig oder nicht willens sei, die Ordnung wicderher/usteHcn. Ueberfulk auf Juden werden aus verschiedenen Städten gemeldet. In Radautz wurde der 18jährige Abraham Rosenblatt von Cuzisten niedergestoeben. Er wurde in sterbendem Zustand i n s Krankenhaus gebracht. Der Keren Hajessod hat für € 50 000 Stammaktien der Palästinensischen LandwirtschaftlichenSiedlu 11gs- Genossenschaft erworben, die auf Grund der Ent* Scheidung des Luzern er Kongresses die Zentralorganisation für nationale Siedlung ist. Der Keren Hajessod ist Inhaber der Grtinderaktien. Zum Zwecke der Erweiterung und Stär* kung des nationalen Siedlungswesens werden 200 000 Aktien im Werte von je £ 1 im Ausland auf den Markt gebracht werden. Die Kcren-Hajessod-Aktion in Südafrika, die von Professor Brodetsky, I ran Sieff und Baruch Zuckermann durchgeführt wird, hat bereits £ 100 000 eingebracht und hat sich zu einem großen Erfolg gestaltet. Hauptschriftlciter: Dr. Robert W c 11 s c 11, Berlin - Charlottenhurg 9 (auch verantwortlich für die Attln.ihme von Bildern). Stellvertreter: Kurt Loewcnttein, Berlin VV 15. Aiueigenleiter und verantwort-!ich für den Inhalt der Anzeigen: Hermann F i n n, Berlin V(7 15. Gültig Anzeigen - FrcRlistc 5 vom X. April 1936. Verlag und Anzeigeuveu׳. altung: Jüdische Rundschau, Berlin W 15, Meinekcstr. 1(X D.-A. Mai 38 325. — Druck: Siegfried Scholem, Bcrlin-Schöneberg. Pariser Brief 4

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