Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 51 (26.6.1936)
- Date
- 1936-06-26
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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׳ Seift» 1A JODISCHE RUNDSCHAU Nr. 5!26 ׳, VL 1736 uinscHiUJ Soziale Fragen / Marg. Tumowsky Betriebsunfälle 1927 erschienen in rascher Folge die zwei A r b e i t e r s c h 111 7 g e s e t 7 c, die bis jetzt die einzigen in Palästina geblieben sind — das Gesetz zum Schutz der Kinderarbeit und das Arbeiter - l'nfall - Fntschädigungs - Gesetz. Jetzt sind in kurzen Abständen der Gesetzentwurf zur Regelung der Frauen- und Kinder,trlvit (über den hier unlängst berichtet wurde) und ein entsprechender Fntwurf erschienen, der das bisherige Ar beiter-FnUrhädigungs-Ocsetz (Pekudath liapi/ujim lainvuin!) abändert. Da/wisehen liegt der vor etwa einem Jahr erschieneue Vorschlag zur Regelung des Zeugnis- und Kumligtingswescns, der aber Vorschlag blieb, um) es ist’ nur zu hoffen, daß der Gesetzgeber es bei dies־«! neuen Gesetzentwürfen nicht wieder hierbei bewenden liißt. I>cnn auch das neue Arbeiter-Entschädigungs-Gesetz zeigt wesentliche Verbesserungen. Zahl der Geschützten Es handelt .'ich da zunächst uni die Zahl der geschützte n P e r s o n e n. Diese war bisher äußerst gering. Einen Anspruch auf Entschädigung bei Bet! ieb-unfälleu hatten nur manuell Arbeitende in einem speziell bc/etchliefen Kreis um Betrieben. N'acli dem neuen Entwind werden :111J1 Angestellte geschlitzt sein. Dazu ist die Summe du• zur Lntschädigung.s/alilinig Verpflichteten erweitert: speziell genannt sind die l '!!tcrachmungcn der Regiening, leriier neben den industriellen auch die laiulv. irtseliaild, den Betriebe, die mit Motoren aibe ite■!!. Auch wir.! der ״K.ibkui‘‘, der Unternehmer (der v״r allem im Baufach eine entscheidende Rulle spielt) dem Arbeitgeber i!1 seinen Verpfin hltmgi 11 gh lehgc-ct/t. Dies hedeutet vom (Standpunkt d.es Arbtiferseluiizcs aus einen FuiIm!11 itt, wenn aucll keine Endlöstmg; eie nn cm großer Teil der Arbeiter und Auges,eilten in allen Kleinbetrieben bleibt weiter 1111gcsDml/t, Der als wesentlichst empfundene Vorzug des Fntwuifs gegenüber dem alten Gesetz, besteht dann, daß B c t r i 1׳ h s k r .1 11 k heit e n e b e ns o wie Unfall e 7 11 h n t s th a d i 1 1׳ •׳! - a 11 s ]1 r u e 11 e n b e r e e!1 t 1 g e 11. I >iem■ wichtige neue Vorschrift ist dem entsprechenden englischen Gesetz neu entlehnt — wie über- Haupt die Grundform des sozialen Schutzes englischen Prinzipien entspricht. Keine Zwangsversicherung 111 d c m palästinensischen Unfall- Gesetz fehlt, im Gegensatz zu dem deutscheu (jesetz, d er G e d an keder Zwang sversichern n g. I Vr Arbeitgeber schützt sich normalerweise gegen den ihn! durch einen Unfall seiner Arbeiter drohenden Schaden durch einen privaten Versicherungsvertrag. Hauptsächlich englische Vcrsichcrungs-t iesellschaftcn arbeiten innerhalb Palästinas auf diesem Gebiet; in der letzten Zeit bemüht sich daneben die palästinensische Versicherung (mehr aus sozialen und nationalen als aus geschäftlichen Gründen) um die Uebernahme derartiger \ er- Sicherungen. Beim AbsihUili von 1 arii vertrügen hat die t listadruth 1 laowdiin vieliach erfolgreich aut die Betriebe eingewirkt, ih.re Arbeiter durch die Arbeiter-l'niah-Verziclieiung zuverläs-ig zu -chuizen. Da aber 11er gesetzliche׳ Zwang fehl!, Diicben sehr wcle cntsdmdigungspfliehligc li>!: ii!>e unw 1 -!elicrt, und damit verungiueku■ kdie.im״ von der Zabduilg-i.iluek1 ׳t iluer Arbcüecb; r abk.eigig. Eine eilt'Cliei.iende Aemieiung dm-er Tat»a׳׳t1e bringt auch der neue c ic-•1; ,/1 ׳U\ 1!rf nicht. Er versucht aber einen I)1 uck auf die Arbeitgreller auszuuben, indem!!׳ me mit Gefängnisstrafen bedroht, falls sie ihr•,!• Verptiichtmig zur Lutsdiadigiuigs- Zahlung lucht naelikomincii können, weil sie es versäumten, sieh dnuli einen Versicherung»- vertrag׳ ruck/u-idierii. Die Entschädigungsbeträge In der F e ל t s e t 1 u 1! g d e r E!11 s c h ä - d i g 11 11 g s b e t r a g e bringt der Entwurf an einer Stelle eine Erhöhung (die i ieraufsetzung des Wochensat/cs), an einer andern eine Herabsetzung (bei der Bereelmung der möglichen Kapitalablosung der Renten). Ist der Unfall durch den Arbeiter böswillig verschuldet, so entfallt der Entschädigungsanspruch; er bleibt aber, nach dem neuen Entwurf, auch in diesein Fall bestehen, wenn der Unfall zum Tode oder zu lebenslänglicher ■Arbeitsunfähigkeit geführt hat. Und die Unfallverhütung? Arbeitet man diese» Arbeiter-Entschädigungs- Gesetz resp. den neuen Fntwurf durch, so drängt sich die Frage auf: Was ist im L a 1) d e g e s e h e h e 11, 11 m U 11 f a Me 11 b e r- Haupt zu ver m c i d e 11? So wichtig es ist, daß der Arbeiter und seine Familie bei zeitwelligem oder dauerndem Verlust der Arbeitsfähigfccit einen gesetzlichen Anspruch auf Unterstützung hat, .- immer wird der Betriebs- Unfall persönliches Leiden und die Vernichtimg von persönlichen und nationalen Werten mit sich bringen. Der Arbeitgeber, der für Unfälle und Betricbskrankheiten aufzukommen hat, wird zwar schon hierdurch zu größerer Sorgsamkeit angeregt, aber diese Einwirkung ist nur eine sehr indirekte, wenig zwingende. Die Aufsicht, die in andern Ländern durch die Organe der Zwangsversichenuig ausgeübt wird, fehlt, wo private Gesellschaften um eine freiwillige Versicherung miteinander konkurrleren. Das Gesetz verlangt nach ergänzenden Vorschriften über Unfallverhütung und nach einer G e w c r b c a u f s ic h t, die überwacht, daß die_ Arbeitsrätime, Betriebsvorrklitungcn, Maschinen und Geräte so eingerichtet sind, und daß der Betrieb so geregelt ist, daß die Arheiter gegen Gefahren für ihr Leben und ihre Gesundheit soweit geschützt sind, wie es die Natur des Betriebes nur irgend gestattet. Palästina erfordert diese Vorsicht noch in höherem Maße als die Länder mit alter industrieller T r a d i t ו o n. Seine Arbeitskräfte sind vielfach wenig geschult, darum weniger sicher und sorgsam in der Bedienung der Werkzeuge und Maschinen wie die durch einen festen Lehrgang gegangenen europäischen Arbeiter. Auch ist die Leistungsfähigkeit der Neuein- Wanderer unter den fremden klimatischen Verhältnissen zunächst abgeschwächt, wodurch sich die Unfallgeiahr vergrößert; Uleiiditngserscheinungen, schnelle Ermattung, starke Schweißeiitwicklung tisw. begünstigen Betriebsunfälle. Dazu kommt, daß auch den Arbeitgebern oft die fachliche Sicherheit fehlt, so daß sie ungünstige Arbeitsräume wählen und Maschinen aufstellen, ohne die Erfordernisse der Berufshygietie und der Betriebssicherheit ernsthaft zu erwägen. Auf der andern Seite gibt cs allerdings auch Erleichterungen gegenüber Europa: die dort exakt berechneten Vorschrifteil über den erforderlichen Luftraum für jeden Arbeiter werden z. B überflüssig, wo die Arbeit ziemlich das ganze Jahr hindurch bei geöfftiefen Fenstern lind Türen, oder sogar im Freien erfolgen kann. Die Vorschriften! zur Unfallverhütung werden also nicht einfach übertragen, sondern neu geprüft und vielfach abgeändert weiden müssen. Betriebsunfälle in Tel-Awiw Im März 1935 wurde in Palästina auf Anregung und unter Leitung von Prof. Chajes bei der Histadruth Haowdim ein Zentralausschuß für S o z 1 a I h vg i c n e gebildet. Seine erste Arbeit bestand in der Erfassung der Betriebsunfälle in Tel-Awiw und der Fest- Stellung ihrer Ursachen. Später wurde die Arbeit aut Haifa ausgedehnt, und in diesen Wochen beginnt der Ausschuß auch in Jerusalem zu arbeiten. Innerhalb v tfji sechs Monate!1 vv 11 r 11 e n in T e I - A w i w 337 Fälle, die von der Arbeiterkraukeukasse gemeldet wurden, untersucht. Davon waren etwa 20 0״ auf das Verschulden der Arbeiter — mangelnde Ordnung und Disziplin, Unvorsiclitigkeit bei der Arbeit an in Bewegung befindlichen Maschinen, Vernachlässigung vorhandener Schutzeinrichtungen usw. ■— zurückzuführen. Im übrigen zeigte sich der Fehler zu enger Masehiiienraumu, in denen die Maschinen nah beieinander stehen, der Mangel an Schutzvorrichtungen, das Fehlen geeigneter Arbeitskleidung, die Verwendung alter, wenig zuverlässiger Maschinen als Gefahrenquelle. 150 von den in Tel-Awiw׳ untersuchten Fällen (und 5(1 weitere Feststellungen in! la1׳'• i unterrichten speziell über das Baufach. Dabei ergab sich die mangelhafte Sicherung der ßaugerü-K•, das Fehlen von Schutzgittern vor unfertigen Türöffnungen und Balkons, die mangelnde Ordnung auf den Bauplätzen. 3b,(57 "... aller Bauunfälle wurden allein durch Absturz erzeugt, während die entsprechende Statistik au» dm» Vereinigten Staaten unter dieser Rubrik 11,9% der Bauunfiilic zeigt. Weitere 2b,07 <״׳ wurden durch den Sturz von Baumaterialien bedingt (in Amerika 11 ״,«), und 17,31% der gemeldeten Unfälle wurden durch Nägel hervorgerufen, die aus ungeordnet herumliegenden Brettern heraiisstachcn. (ln den Vereinigten Staaten sind hierauf 6,5 % der Unfälle zurück/uführcn.) Der Ausschuß für Sozia! 11 v g i e n e versucht aufklärend unter den Arbeit er 11 und Arbeitgebern zu wirken. Er forderte von der Stadt Tel-Awiw eine spezielle, dem Arbeiterschutz gewidmete Bau-Aufsicht, vor allem aber wandte er sich unter Einreichung seines Materials an die Regierung mit der Forderung, gesetzliche Grundlagen für die Unfallverhütung zu schaffen ׳— bisher vergeblich. ״Wir dürfen nicht vergessen“, schreibt Prof. Chajes, ״daß die Arbeit der Histadruth fragmentarisch bleiben muß, solange die Mandatsregicrung nicht die Gesetze zum Schlitz der Arbeiter bei der Arbeit schafft.“ Fs ist schwer zu begreifen, daß die Regiemig nach fast neunjähriger Anwendung ihres rsten Arheiterunfall-Geset/.cs, das sich schon ach kurzem als unzureichend heraussteilte, inen neuen Vorschlag für die Unfallentschäligung macht, ohne gleichzeitig ihre Aufmerkamkeit auf die Grundlagen des Schutzes zu ichten, indem sie Betricbs-Schut/Vorschriften usarbeitet und einen sorgfältigen liebervacluingsdienst einführt. Religiöses Leben / Dr. Bamberg״ Religiöse Presse Religiöse Fragen werden dauernd als aktuell empfunden; daher finden sich Diskussionen darüber fortlaufend in allen hebräischen Tages- Zeitungen. Ausschließlich der Erörterung religiöser Fragen gewidmet sind folgende Wochenblätier: ״Kol J i sr ae 1“, erscheint in Jerusalem als das Organ der Agudath Jisrael. Es dient banntsächlich der Darstellung des Standpunktes aer aus der Knesseth Jisrael ausgetretenen sögenannten aschkenasisehen Gemeinde. Das Hauptint er esse ist auf die häufig sehr unerauickliehe Auseinandersetzung mit den innerhalb der Knesseth organisierten religiösen Juden gerichtet. ״H a j e s s o d“ kommt in Tel-Awiw heraus, vertritt keine Partei, übt heftige Kritik an den arcligiösen Erscheinungen des palästinensischen Lebens. Dabei tritt aber zu sehr das negative Moment hervor. Vom Geist des Aufbauwerkes ist wenig zu spüren und daher ist der Einfluß dieses Blattes sehr gering. ״N c t h i w a“ wird vom Hapoel Hamisrachi herausgegeben, enthält demgemäß auch rein politische und wirtschaftliche Aufsätze. Ihr religiöser Gehalt zeichnet sich dadurch aus, daß cs sich um Menschen des neuen Jischuw handelt, deren religiöse Fragen mit dem Le* ben ihrer Arbeit Zusammenhängen. ״H a d c r e c h“ ist im Erscheinen begriffen und will ein Organ für religiöse Jugendbewegung werden. Das repräsentative Blatt, in dem alle Seiten religiösen Lebens in- und außerhalb Palästinas erörtert werden, ist ״H atud“, das von Rabbi Benjamin monatlich in Jerusalem herausgcgeben wird. Bedeutende Mitarbeiter äußern sich über religionsphilosophischc und gesehichtliclie Fragen — alle brennenden Problettte des Landes, z. B. Erziehung, ürganisation werden freimütig und vornehm diskutiert. Wertvoll ist auch die literarische Beiläge, in deren kritischem Teil über die von der allgemeinen!,resse vernachlässigte rabbinische Literatur referiert wird. Schabbai und Jüdische Arbeit In seinem bekannten Buche aus der Zeit der Anfänge der Chibbath Zion, im ״Drischath Zion“, wirft Rabbi Outmachcr die Frage auf, wie denn, wenn in Palästina nach seinen Vorschlägen jüdische lamlwirtschaftliehe Siedlungen entständen, Schabbatentweihung zu vermeiden sei; seine Antwort ist, man müsse eben Wächter aufsteilen, die gegen jede Verletzung der Schabbatruhe einzuschrdten hätten. Die Wirklichkeit des Lebens hat erwiesen, daß mit Abwehr allein wenig erreicht werden kann. Gerade traditionsbejabemlc Kreise, insbesondere solche, die Teile des auf bauenden Palästina darstellen, ringen mit dem Problem des Schabbat in stärkstem Maße. In Nr. 19 Jg. 1936 der ״Nethiwa“ wird in einem Artikel, der vor allem in seinem grundsätzlichen Teil Beachtung verdient, dazu Stellung genommen: ״Von außen gesehen scheint die Frage leicht lösbar durch Verwendung von Nichtjuden am Schabbat und Feiertagen. Demgegenüber steht das Gebot der jüdischen Arbeit. ... In unseren Augen ist das Gebot ״und dein Bruder lebe bei dir“ ebenso ein Ausfluß göttlicher Gesetzgebung, wie jedes andere Gebot der Thorah. Gerade wir, die wir die Thorah hüten wollen, sind verpflichtet, gegen jene, die fremde Arbeit in unsere Wirtschaft bringen, als Sünder anzukämnfcn. Beides sind Gebote, doch müssen wir erkennen, daß das erste (d. h. Schabbat) über dem zweiten steht.“ Mit dieser Feststellung, die ungefähr den gegenwärtigen Stand der rein halachischen Auffassung kennzeichnet, begnügt sich jedoch der Verfasser nicht. Er zeigt an praktischen Beispielen, mit wieviel Gefahren selbst in ruhigen Zeiten die Verwendung von Nicht}uden ln Palästina verbunden sei — er weist auf die Anarchie hin, die darin besteht, daß jede Siedlung die Fragen irgendwie für sich allein löst und ruf! die Rabbanim an: ״Sorgt dafür, daß die Lebensweise der Gesamtheit im staatlichen Sinn nach einer einheitlichen Norm ausgerichtet wird! Vergeßt nicht, daß eine neue Welt bei uns wird! Steht nicht außerhalb des Lebens! Wenn das Rabbinat nicht aus Menschen zusammengesetzt ist, die die Sorgen der anderen begreifen und eine ihnen erwünschte Entwicklung des Jischuw herbeiführen wollen, dann steht der Einfluß des Rabbinats vor einer schweren Prüfung.“ Es ist wirklich so, daß hierin die Schwache des Rabbinats am deutlichsten hervortritt. Wo klare Fragen gestellt werden, ist oft keine klare Antwort zu erhalten. Sr) war es z. B., als die Regierung, die keinerlei religiöse Gefühle zu verletzen wünschte, die Frage stellte, wie sich das Rabbinat verhalten wolle, wenn Um Verzögerungen zu vermeiden, bitten wir dringend, Manuskripte und Einsendungen, die für die Redaktion bestimmt sind, nicht an Einzelpersonen, sondern an die Redaktion zu adressieren. lllllli!!IIIIUIIIIIlllllllll!IHIiillllllllHllllllHHIIIIIlRIIIII!im am Schabbat jüdische Vorträge (keine must• kalischen Darbietungen) im Radi» gesendet würden. (Das ohnehin vorhandene nichtjüdische Personal könne ja den technischen Apparat bedienen.) Eine eindeutige Antwort wurde nicht gegeben. Die Frage der jüdischen Regierungs* dlehste, z. B. bei der Polizei, gehört auch hl dieses Gebiet. Der neuerstandene Hafen in Tel-Awiw wird viele Probleme erwecken, wie sie schon lange nicht mehr irn jüdischen Leben Vorgelegen haben. Und wie wird es ein* mal auf jüdischen Schiffen werden, wenn es dort nur jüdisches Personal geben wird? In der Industrie, im Elektrizitätsnetzj bei der Wasserversorgung mehren sich die Fragen täglich. Es gibt Kreise, die sehr konsequent alle diese Fortschritte des Aufbaus ablehnen, wenigstens in der Theorie. Sie überlassen anderen die Verantwortung. Für diejenigen rrÄiz's׳ >1# •** ■4#4r1׳ jW ft Ck*, ״ -י- ' ׳, * aber, die auf die Erhaltung des Gesetzes innerhalb eines normalen Volkslebens bedacht sind, heißt es, einmal die Entscheidung zu treffen, ob die Dinge von allein weitertreiben oder ob es eine Führung geben soll. 'Die Haggadah von Ein Charod Da, wo Menschen jetzt um ihr Leben und ihren Besitz ringen, konnten sie noch am Pcßach Feste begehen. Sie hieltet» ihren ״Seder“ ab und bemühten sich, diesen Feiern den Stil ihres eigenen Lebens zu geben. Meistens stand im Mittelpunkt der selbstverfaßten I iaggadoth die lokale Geschichte der Siedlung. Andere Wege ging die Haggadah von Ejn Charod, die unter den Hunderten von Teilnehmen! in Form eines kleinen Heftes verteilt wurde. In ihr wird das eigentliche Pefiach* thema von der Knechtschaft, der Befreiung und der Lobpreisung abgewandelt und erweitert durch das Wiederaufleben des Gedan-, kens des Omer. Mit diesem begann das Fest, In feierlichem Zug wurde der Schnitt der ersten Garbe vorgenommen und bei Fackel• glanz, Lied und Tanz die Erstlinge des neuen Getreides eingeholt. (Die ursprüngliche Omerfei er im jüdischen Heiligtum fand am Morgen nach dem Fest statt.) Dann erst setzte man sich nieder zum ״Maggid“. Kennzeichnend für diesen Seder ist die Annäherung an den Text der alten Haggadah. Wichtige Stücke aus ihr sind wörtlich übernommen, dazu Abschnitte aus Bibel und Midrasch; als Umrahmung und zur Betonung gewisser Hauptgedanken werden Teile moderner hebräischer Dichtung verwendet. Die vier Fragen des Kindes sind neu gestellt: 1. Warum haßt man die Juden in der Welt/ 2. Wann wird Israel in seine Heimat zurückkehren? 3. Wann wird unser Land wieder ein blühender Garten sein? 4. Wann wird Liebe und Brüderlichkeit in der Welt herrschat? Die Antwort wurde von einem der alten Siedler gegeben. Diese Haggadah legt Zeugnis davon ab. daß diejenigen, die sie verfaßten, um das geistige Gut der Väter ringen. Man kann sagen, daß jedes Stück der alten Haggadah, das hier auflebt, von neuem geschaffen wurde. Die Betrachhing könnte aber auch die negativen Seiten herausgreifen und fragen: ״Warum ist so vieles weggeiassen und warum wird es ais fremd empfunden?“ Man kann auch bei den Neuerungen fragen, z. B. ist an die biblische Dar- Stellung der Gestalt Moses ein Abschnitt aus dem Aufsatz von Achad Haam angeschlossen. Ist für das heutige Geschlecht Palästinas wirklieh nur im Sinue Achad Haams die Idee Moses wesenhaft und nicht doch die historische Gestalt, der Mann und Prophet? Zweifelt man immer noch an seiner Wirklichkeit? Von allen Einzelheiten abgesehen erhebt sich aber auch die Grundfrage; ״Was ist in das Volksgemüt tiefer eingesenkt, ein uralter zu jeder Zeit und an jedem Ort gültiger Text, oder ein aus einer besonderen Zeitstimmung geborenes, nur für einen bestimmten Kreis lebendiges Werk?•‘ Auch für den traditionellen Seder gilt der Grundsatz: ״Wer viel erzählt, ist lobenswert“ d. h. Erweiterungen, neue Erklärungen, Lieder usw. sollen den überkommenen Text schmücken und Zeitklänge bringen. Die alte Frage läßt sich auch auf dieses Beispiel au wenden: Was ist wesentlicher, Fortcntwfcklung durch ständig sich erneuernde Erfasstmg eines bleibenden Inhalts, oder freie Wahl aus dein Gut der Vergangenbeit? (Schluß des Pallitina-Teils) EIN VIERTEL DEINER JAHRESZEICHNUNG FÜR DEN KEREN HAJESSOD ALS SONDERBEITRAG FÜR EINWANDERUNG UND AUFBAU KEREN HAJESSOD (Jüdisches Palftstinawerk) E. V. / Berlin W IS, Meinekestr. 10 / Postscheckkonto Berlin 1833 4t