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Jüdische Rundschau · 1936-06-26 · Heft 51 (26.6.1936) · page 12

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 51 (26.6.1936)
Date
1936-06-26
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 14 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 51, 26. VI. 1936 Die Aufnahme der Parlamentsdebatte Von unserem palästinensischen Korrespondenten gl. Tel- A wiw, 21. Juni 36 Positive Aufnahme bei den Juden Die Debatte über die Ereignisse in Palästina im englischen Unterhaus wurde im Lande mit dem größten interesse erwartet. Da sie am Freitag vormittag stattfand und die hebräischen Zeitungen am Sonnabend nicht erscheinen, konzentrierte sich das Publikum vielfach an den Radioap paraten, um zu hören, ob die Regierung bald eine Zusammenfassung der Debatte durchgehen würde. Das Jcrusa- Jemer Radio gab auch in der Tat in einem offiziellen Conmninique einen telegraphischen Bericht der Londoner Debatte, der insbesondere die ausführliche Rede des Kolonienministers enthielt. Die arabischen Zeitungen, die seit etlichen Tagen wieder erscheinen, brachten noch am Sonnabend morgen Berichte und kurze Stellungnahmen. Die Abendzeitungen der hebräischen Blätter gaben am Sonnabend abend eine Znsammenfassung der Debatte, die mit noch größerem Interesse aufgenommen wurde, als die Sammlung der Nachriehten über die In/idente im Lande selbst, die seit etlichen Wochen am Schabbatausgang erscheint. Zugleich mit den telegraphischen Berichten über die informatier; Rede von Ormsby-üore und die Diskussionsreden der verschiedenen Parlamentsmitglieder haben sich die meisten hebräischen Zeitungen beeilt, vorläufig zu der Debatte Stellung zu nehmen. Diese Stellungnahme ist naturgemäß vorläufig, denn das eigentliche wörtliche Protokoll liegt hier noch nicht vor. Man äußert sich in den allgemeinen Linien in der hebräischen Presse positiv. Es wird darauf hingewie-mn, daß die große Mehrheit der Debafter V c r > f .;i n ri n i s für die palästinensischen Verhältnissc und die jüdischen Forderungen gezeigt und ein entrgisch e s Y o r g e 11 e n <1 e r I־•’ e g i e r u n g verlangt habe. Die Anerkennung des zionistischen Siedlnngswerkes und das Lob für die Haltung der Juden in den letzten zwei Monaten wird ebenfalls von! jüdischen Publikum wohlwollend aufgenotnmen. Fbesteht im allgemeinen die Empfindung, daß die öffentliche Meinung Englands, wie sie in dieser Dehatte zum Ausdruck kam, Verständnis für die Lage der Juden im Lande und in der (ialulh beweist und daß sie damit in dem Kampfe, in dem der Jischuw heute steht, zu einer gewissen Rückendeckung werden kann. Kritik Im einzelnen Ereiiich wird auch schon in der ersten Wertung der Unterhaus!cdei! die Kritik an einer Reiht■ von Details laut. Das gilt insbesoude! c für die Rede von ('rmsby-Oorc, der ja eine nffi/iell-prngrammatische Bedeutung zukommt. Die hebräischen Zeitungen weisen darauf hin, daß ein schicfer Lindruck entstellt, wenn der Kolonienminisler von einer palästinensischen Polizei spricht, in der Juden und Araber vertreten sind, ohne die Zahlen für die nationale Zusammensctziing dieser Sicherheitstruppe zu nennen. Die Tat- Sache, daß die Juden innerhalb der palästinensischen Polizei in viel zu geringem Maße vertreten sind, wird damit verwischt. Ebenso liegt eine gewisse Irreführung in der Erklärung des Kolonienministers, daß eine Bewaffnung der j ii d i s c!1 e n S i e d i e r ohne Aufsicht der Engländer nicht zu empfehlen sei. Haben doch die Juden stets nur eine Bewaffnung unter <1 e r ausdrücklichen K o n t r 0 I i e des Militärs und der Polizei verlangt und die Ein- Stellung vor! temporären jüdischen Hilfspolizisten in den Siedlungen hat bewiesen, daß mit diesen Maßnahmen keine Gefahren verbunden sind, sondern nur den Juden und der Regierung die Arbeit damit erleichtert wird. Aehnliche Besch werden werden gegenüber der Aufzählung des Kolonienminisfers über die bisher verhafteten lind verurteilten Araber und Jude n vorgebracht. In diesen Aufzählungen werden alle, die jemals mit der Polizei oder den Gerichten zu tun bekommen haben, in einen Topf gewerfen, ganz gleich, ob sie nur nach der Sperrstunde auf der Straße angetroffen wurden oder unter Mordverdacht standen. Es ist klar, daß hei dieser Art der Zusammenzählung der Anteil der Juden an den Prozessen als großer erscheinen muß, als er in Wirklichkeit Dt, wo die Araber durchweg die Angreifer, die Juden durchweg die Opfer und die sich Verteidigenden waren. In <1! U> vn /ent j־a!1 '11 um t noch ei nigen anderen Punkten bemüht N11' h die 110 bn MM'!’ 1c Presse , die Darste ilung von t!rmri'iv-( io; re zu! i זסו ־011 li-o!;1, wobei zugleich dar. :uif hingewiesen w!Yd . vi a!i di t־ )in '!!!“ < i!e.st:r ung einigenden otl er falsch en infnrmat: Oil ull fiat! 1r;n :!71 1b ri J e 1׳ ti s;11 e in und nicht in Lr!mi< m /!] Ml eher, Nt . 1 11 e i 11 e in R milde jetloch gellen die hebräisch en 7a ■!tun. ׳en ul 1er die Stcllu: ngnahmc zu d eil Details hinaus. I i;s w irri < in* w i'ehfi ge Frage verteilt, wrt s nun die p r a k f i s e 11 < 1 ״ e n (1 i e s e r I» eba 11 c sein werden. Pal. Ist 111,1 i-t i■» in k\v 11 letzten zwei Monate 1! ziemlich reichlich m .זי r > HI / i r ii V n k ־1־1 lärmigen tier verschied! .nisten Art gefuttert worden. Allein die Herstellung von ' ,,Ruhe und Ordnung'׳ ist etliche Male für die nächste Zeit in Aussicht gestellt worden, ohne daß bisher diese Versprechungen in vollem Maße sich bewahrheitet hatten. Die Londoner Debatten tragen denselben Tenor an sich, den wir;ms den Jerusalemer Statements kennen; die Regierung wird sieh durch Gewalttaten und Drohungen nicht dazu zwingen lassen, von ihrer erklärten Politik ah/ugehen. Man ist weit davon entfernt im Lande, diese Erklärungen gering zu schätzen oder nicht zu verstehen, was ihre feierliche Wiederholung in We.-tminster bedeutet. Aber was jetzt und hier, in diesem Moment und in Palästina von stärkstem Interesse ist, ist die Frage: Wie lange wird die Gewalt mul die Drohung, mit der man von arabischer Seite die Mandatsregierung schwankend zu machen hofft, noch in diesem ,Maße geduldet werden? Und wird die Londoner Debatte jetzt zu einer B e s c h I e u n i - g u n g der Liquidation des arabischen Streiks und Terrors fuhren oder nicht? Erste Reaktion der Araber Die erste journalistische Reaktion der Araber ist natürlieh eine ganz, andere als die der Juden. Auch sie ist noch sporadisch, vorläufig, abwartend. Aber sie ist auf einen ganz anderen Ton gestimmt. Lin Teil der arabischen Zeitungen führt Klage darüber, daß auch jetzt noch die englische öffentliehe Meinung kein genügendes Verständnis für den Standpunkt und die Forderungen der Araber aufbringe. Und — was politisch viel bedeutsamer ist — in den ersten Bemerkungen kommt ein tiefes Mißtrauen gegen die k ö nigliehe Untersuch ungskommissi'on zum Ausdruck, die Ormshy-Gorc von neuern in Aussicht gestellt hat. Da — wie üblich’ bei derartigen Kommissionen — die Regierung ihren Bericht als Material, Anregung und Vorschlag betrachtet, sich jedoch nicht verpflichtet, alle von der Kommission gezogenen Konsequenzen von vornherein in Bausch und Bogen als verpflichtend anzunehmen, ist die arabische Presse — oder vielmehr ein Teil davon — gegen den ganzen Plan. Man erklärt, es fehle die Sicherheit, daß die Konsequenzen der Kommission von der Londoner Regierung auch wirklieh akzeptiert werden. Der Verlauf der letzten Tage Im Lande Da man im Laufe der zwei Monate, in denen jetzt der Streik und damit die Unruhen in!*alästina dauern, gegen alle möglichen Zwischenfälle einigermaßen abgestumpft worden ist, kann man es sich gestatten, die letzten Tage in Palästina als relativ ruhig zu bezeichnen. Der letzte Inzident, der ein Menschenopfer forderte — ein Bombenattentat auf einen Autobus in der Nähe von Tel-Awiw —, liegt schon seit Donnerstag, also drei Tage, zurück. In der Zwischenzeit sind hier und da vereinzelte Schüsse und Salven gefallen, vereinzelte Siedlungen haben kleinere Ueberfäile zurückgcschlagen und die Eisenbahn kämpft den heute schon fast lächerlich anmutenden Kampf mit der Sabotage, die einmal hier und einmal da Schienen lockert, Brücken zu sprengen versucht, ohne bisher entscheidendes Unheil an gerichtet zu haben. ln Jaffa werden die großen Spreugungsarbeiten, die einen Teil der schlimmsten Slums dieser uralten Stadt niederlegen, prograinmäßig durchgeführt. Von den ebenso malerisch wie unübersichtlich zusammen geballten Häuserhaufen oberhalb des Hafens sah man in Abständen dicke Rauch- und Staubsäulen aufsteigen und die schweren Detonationen der Sprengungen waren bis in den äußersten Norden von Tel-Awiw zu hören. Mit dem Wegräumen des Schuttes ändert sich das Bild des alten Jaffa auch von der Entfernung aus. Man sieht eine Höhlung durch die geballte Häusermasse schneiden, die die vertraute Silhouette verändert. Die Evakuierung der betroffenen Blocks geht ohne Zwischenfälle vonstatten. Der Auszug der armen Schichten, die in dieser Gegend konzentriert waren, dauert schubweise an, und die Regierung gibt den Bedürftigsten, die schon vorher nicht viel besaßen und durch den Streik ganz heruntcigekommen sind, ein paar freie Mahlzeiten. Im übrigen sind die letzten Tage — vermutlich gerade wegen der Sprengungen — in Jaffa so ruhig, wie man es schon lange nicht mehr kannte. Die Stadt steckt voll Militär, Truppen, die Straßenblocks absperren, die die Evakuierung überwachen, das Pionierkorps, das die Sprengungen durchführt — es scheint nicht gerade klug, heute in Jaffa etwas gegen die Behörden zu unternehmen. Presseschau ״M anc bester G u a r d i a n“ widmet der Palästina- Debatte im Unterhaus einen eingehenden Artikel, in dem erklärt wird, die Forderungen der Araber seien absurd, auf unbewiesenen Behauptungen aufgebaut tmd unannehmbar. Wenn Gewalt das Argument sei, das hinter diesen Forderangen stehe, dann müsse Gewalt die Antwort sein. In erster Reihe sei es notwendig, die Ordnung wiederhcrzustellen. Es sei fraglich, ob es nicht schon zu spät sei, das ganze Land in jüdische und arabische Gebiete aufzuteilen; trotzdem müsse die Boden frage geprüft werden; es sei möglich, daß die Bereitstellung neuen, fruchtbareren Bodens dazu beitragen werde, daß von arabischer Seite weniger Einwände gegen die Vermehrung der Bevölkerung erhoben werden. Das Blatt empfiehlt die Schaffung eines besonders geschulten palästinensischen Beamtenapparates nach dem Muster des Indian Service. * ,,News Letter“, das offizielle Organ der Nationalen Arbeiterpartei (MacDonald-Gruppe), erklärt im Leitartikel, man müsse in Palästina auf ein ebenso schwieriges und langwieriges Verfahren gefaßt sein wie dasjenige, mit dem Frankreich es in Syrien zu tun hat. Werde man Entschlossenheit zeigen, dann’könne der Verlust an Vertrauen infolge des abcssinischen Fiaskos wettgemacht werden, zeige man sich aber schwach, dann werde das Prestige Englands und die Stellung des Völkerbundes im östlichen Mittelmeergebiet in nicht wieder gutzumachender Weise geschädigt werden. Wir wollen hoffen, heißt es in dem Artikel, daß alle vernünftigen Menschen dem Kolonienminister Ormsby-üore and dem High Commissioncr Sir Arthur Wauchope ihre Unterstützung gewahren werden. * Unter der IJeberschrift ״Feste Hand in Palästina“ nimmt die ״S u n d a v Ti m e s“ zu der letzten Palästinadebatte im Unterhaus Stellung. Das Blatt erklärt, diese Debatte habe die Hände der Regierung gestärkt. In einem Feldzug gegen Orientalen sei es immer ein Fehler, ihnen irgendeine Möglichkeit zu geben, anzunehmen, daß sie gewinnen könnten. Dieser Fehler scheine in den ersten Wochen dieses Aufruhrs gemacht worden zu sein. Die Araber seien von einem ״Pr.obcversueh“ zum nächsten übergegangen, weil sie sahen, daß sie dies ziemlich ungestraft tun konnten. Aus den Ereignissen in Abessinien hätten sic den Schluß gezogen, daß Eng-!and keinen ernsten Widerstand cntgcgenstellen werde. Die wichtigste Aufgabe sei es zu zeigen, daß sie sich geirrt haben. Es handelte sich utn eine Prestigefrage, die filier den Streit zwischen Juden und Arabern weit hinausgehe, lieber diesen Streit selbst werde die Kgl. Kommission zu berichten haben. Nach Niederschlagung der arabischen Revolfe — denn um eine solche handele es sieh — werde die Kommission die Möglichkeiten eines besseren Zusammenlebcns der beiden Volksstämme sorgfältig untersuchen könncn. Allerdings wäre es absurd, viele neue Entdeckungen auf einem so gründlich erforschten Gebiet zu erwarten. Den Arabern dürfe kein neuer Vorwand zur Annahme geliefert werden, daß sie durch Mord und Rebellion erlangen können, was sich auf anderem Wege nicht erreichen läßt. Zum Schluß wird es als sehr nützlich bezeichnet, daß Minister Ormsby- Gore die Legende der arabischen Propagandisten, der Weizmann-Feisal-Vertrag sei gefälscht, gründlich zerstört hat. ♦ ״Sundav Observer“ erklärt, die unmittelbare Lehre der Lage in Palästina sei überaus einfach; nämlich, daß die Zwecklosigkeit von Aufruhr überzeugend dargetan werden muß, bevor man zu Entscheidungen über die dauernde Politik gelangt. Die Festigkeit der Erklärungen Ormsby-Gores im Unterhaus werde sich in den Maßnahmen an Ort und Stelle wiederzuspiegeln haben. Diejenigen unter der arabischen Bevölkerung, die für sich nur eine Rolle der Öbsfrukfion in der Entwicklung des Landes finden können, mögen Anspruch auf Sympathie haben, man dürfe es aber nicht zulassen, daß sie dem Fortschritt ihr Veto entgegensetzen. * In der ״Daily Mail“ ist am 24. Juni ein Artikel Lord Melchetts erschienen, in dem das Recht der Juden aut Palästina ausführlich juristisch und moralisch begründet wird. Lord Melchctt stellt fcstj daß Palästina keineswegs — ■ ...- -... .■— ——4 Ueberhaupt ist das Militär in den letzten Tagen itf der Umgegend von Tel-Awiw besonders aktiv gewesen. Ein jammervolles Viertel, aus geflickten Baracken bestehend, in dem hauptsächlich die zugewanderten hauranischen Arbeiter aus Jaffa wohnten — ein Teil ist seit den Unruhen abgewandert — wurde von Tanks niedergelegt. In einem nahegelegenen kleinen Dorf, das seit Wochen anscheinend ein Zentrum für Ueberfäile auf Autobusse war, und von dem auch das erwähnte letzte Boinbcnattentat ausging, wurde! eine rigorose Waffensuche vom Militär vorgenommen, eine Kollektivstrafe verhängt, weit man sich weigerte, den Mör-׳ der auszuliefern und schließlich das lebende Inventar der Bauern als Sicherheit für die Kollektivstrafe beschlagnahmt. Vielleicht — man ist in allen Einschätzungen, gewitzigt durch die Erfahrungen der letzten Monate sehr vorsichtig geworden — sind diese Aktionen eine Säuberung des Jaffaer Distrikts, dem ebensolche in anderen Gegenden folgen werden. Die große erwartete Aktion der Araber, die man für deif siebzehnten und die folgenden Tage erwartet hatte und für die sich Polizei und Militär umfassend vorbereiteten, ist also nicht erfolgt. Fs wird berichtet, daß die Araber in Palä־■ stina von ihren Londoner Freunden einen Wink erhalten hätten, vor der Parlamcntsdebattc sich ruhig zu halten. Ob die ruhigeren Intervalle auf diese Uebcrlegungen zurückzuführen sind, läßt sich nur schwer nachprüfen. Es scheint zugleich, als oh an manchen Stellen der Streik nachläiit. Ein paar geöffnete oder halbgeöffnete Läden hier und da, der Beginn der vollen Arbeit in der Zigarettenfabrik ven Karaman in Haifa, dem größten arabischen Industrieunternehmen des!.;indes, — diese Erscheinungen deuten auf ein gewisses Abschwellen der Streikbewegung hin. Man soll jedoch nicht vergessen, daß der Streik heute gegenüber der Terrorbewegung an Bedeutung verloren hat, und daß fraglos noch etliche Zeit vergehen wird, bis es gelingt, die Banden, die ihn tragen, wirklich zu fassen und unschädlich zu machen. Bisher hat die Regierung auf diesem Gebiet noch keine stärkere Aktivität gezeigt. Sie versucht — mit einigem Erfolg — die Städte sicherer zu machen, verhängt Kollektivstrafen, macht hier und da in den Dörfern rigorose Waffensuchen, ficht hier und da auch mit den Banden ein paar Scharmützel aus. Weiter haben die Vorbereitungen bisher noch nicht geführt. Noch immer besteht die Politik der Regierung in einer gewissen Abschreckung durch Gesetze und in militärischpolizeilichen V o r - bereit unge n. Sie scheint im übrigen immer noch von der Voraussetzung aus/ugehen, daß der Streik und damit ein Teil der Gewaltaktionen von selbst in sich zusammenbrechen wird. ein ״doppelt verheißenes Land“ ist, und daß noch 1922 von dem Kolonienminister Churchill autoritativ erklärt wurde, Palästina westlich des Jordan sei von allen Versprechungen, die den Arabern im Kriege gegeben wurden, ausgenommen. Der Verfasser widerlegt an Hand von Zahlen die Behauptung, daß die Araber in Palästina durch Juden vom Boden verdrängt werden, hebt die Zurückhaltung der jüdischen Bevölkerurig angesichts der Zerstörung von Pflanzungen und Saaten hervor und führt die arabische Einwanderung aus den Nachbarländern als Beweis dafür an, daß das Verspreeben Weizmanns, die Juden würden auch dem arabischen Volk zu einem glücklicheren Leben und Wohlstand verhelfen, erfüllt worden ist. Die englische Regierung habe nun ohne jeden Schatten des Zweifels ihre Entschlossenheit klar gemacht, die Versprechungen zu erfüllen; bei der Wiederher- Stellung der Ordnung im Heiligen Land stützt sie sich jetzt aut die loyalen, disziplinierten Dienste des jüdischen Volkes. Abgesehen von den in der Vergangenheit gegebenen Versprechungnen spreche auch die Lage tausender Juden in Europa für die Fortsetzung einer Politik, durch die möglichst viele Juden in das Land ihrer Väter zurückgebracht werden sollen. Man könne nicht behaupten, daß die Einwanderung mit übergroßer Hast betrieben wurde, ln Wirklichkeit bestehe auch unter den Arabern gar nicht die Furcht, daß sie aus dem Lande vertrieben werden könnten. Vielmehr seien die gegenwärtigen Unruhen hauptsächlich mit Hilfe ausländischen Geldes geschürt worden, um England zum Verzicht auf das Mandat zu bewegen. Diese Taktik müsse scheitern; diejenigen, die die Unruhe schüren, leisten nicht nur den Juden, sondern auch den Arabern einen schlechten Dienst. Zum Schluß versichert Lord Melchett, daß nach Unterdrückung der Unruhen und deutlicher Klarstellung, daß weder die Juden vom Lande verdrängt, noch das englische Mandat durch arabische Gewalttat beendigt werden kann, von jüdischer Seite alles geschehen wird, .um Seite an Seite mit den Arabern eine neue Kultur in einem Lande aufzubauen, aus dem so viel Gutes in früherer Zeit gekommen ist. * In der führenden lettischen Zeitung ״Briva Zenic" nimmt AI. timen zum Paläsiinaprobicni Steilung. Einleitend wird festgestellt, der Zionismus verdiene die volle Sympathie des lettischen Volkes. Unsere Zeit gebiete allen Völkern Konzentrierung ihrer Kräfte. Vorbedingung hierfür sei räumliehe Geschlossenheit. Die Judenfrage sei nur dadurch zu lösen, daß das jüdische Volk'durch territoriale Konzentrierung ein gleichberechtigtes Glied der Völkergemeinschaft werde. Freilich genüge hierfür der palästinensische Raum allein nicht. Aber wenn man Serien und Irak, die ohnehin in nächster Zukunft zu einer wirtschaftlichen Einheit mit Palästina zusammenwachsen müßten, in den Tätigkeitsbereich der jiidisehen Kolonisation einbe/iehen würde, so wäre für ein mit Kapital und modernen technischen Mitteln ausgerüstetes, von nationalen Idealen beseeltes Volk genügend Raum vorhanden, ohne der arabischen Bevölkerung auch nur einen Hektar bereits kultivierten Bodens fortzunehmen. Es müßte bloß das vorhandene Oedland urbar gemacht werden. Skeptikern hält der Verfasser das Beispiel der Mandschurei entgegen, deren Bevölkerung sich in 30 Jahren durch Zuwanderung aus China verdreifacht habe. England sei an der Errichtung eines jüdischen Schutzwalles in Vorderasien interessiert. Die wachsende Bedeutung Palästinas für das britische Imperium liege auf der Hand. Für den ewigen Juden Ahasver sei die Zeit gekommen, im eigenen Lande zu dem in der Bibel verherrlichfeil Weizenbatier Boas zu werden. DORTMUND Rabbiner or. Hugo Halm, Essen Dr. Siegfried Ksnouiitz. Tel-Aviv sprachen am Sonntag, 28. Juni 4936, 20.30 Uhr, in der Synagoge über Erez Jisrael — Unsere Antwort auf die Ereignisse in Palästina Ortekomltea der Jewish Agency Zionistische Ortsgruppe! 4

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