Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 51 (26.6.1936)
- Date
- 1936-06-26
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 51, 26. VI. 1936 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 3 Amerikanische Eindrücke IL*) RW, New York, Anfang Juni New York ist keine Stadt, sondern eine Welt — diesen trivial klingenden Satz hört man hier oft, aber die Tatsache kommt auch stetig zum Bewußtsein. Und sie gilt auch vom jüdischen Sektor dieses ungeheuren Gebildes. Auch hier eine Zusammenballung von Verschiedenartigem, oft Gegensätzlichem auf allen Gebieten. Und dabei stößt man oft auf Bräuche, die uns als Kuriosität erscheinen. Im Religiösen ist der Einfluß der Anglikanischen Kirche unverkennbar, sie ist das Vorbild des bewußten und unbewußten Assimilationstriebes. Es war hier von den ״Confirrnations“ der Reform die Rede; die Synagogen sind sehr vielgestaltig, und in vielen findet man eine fast unveränderte Weiterführung der im Stammland der Gründer der betr. Gemeinde üblichen Liturgie. Auch in konservativen Synagogen mit durchaus hebräischem Gottesdienst aber tritt bei jedem einzelnen Gebetsabschnitt der Rabbiner vor und sagt der Gemeinde in englischer Sprache, auf welcher Seite des Gebetbuches (Siddur) das nun folgende Gebet zu finden ist. Bei einer Streife durch New-Yorker jüdische Institutionen rufen kleine Episoden auch immer wieder in Erinnerung, wie ״klein“ trotz allem die Welt ist. Irgendwo stellt sich plötzlich ein Kantor vor, der in Jerusalem geboren ist, anderswo ein Funktionär, der schon vor dem Krieg in Deutschland ein treuer Leser der ״Jiid. Rundschau“ und nach dem Krieg Lehrer an einem hebräischen Gymnasium in der Tschechoslowakei war usw. ln der sehr starken orthodoxen Bewegung ״Yonng Israel“, die über 30 schöne Synagogen in der Stadt hat, spielt der vielen Zionisten aus Galizien bekannte David Horowitz eine Rolle, der vor 15 oder 20 Jahren in Wien und Berlin zionistisch tätig war. Ein starkes Element der Gemeinsamkeit ist die Be- Ziehung zu Palästina. Sie umfaßt die verschiedenartigsten Kreise. In einer konservativen Synagoge sieht man (was ia sonst nicht üblich ist) ein riesiges Wandbild, das freilieh künstlerisch nicht allen Anforderungen entspricht; es soll die jüdische Auferstehung in Palästina in allen ihren Aspekten monumental darstellcn. Einige Stunden später, bei einer führenden Persönlichkeit des ״nichtzionistischen“ Judentums, wird gerade ein Telegramm hereingebracht, das über die Be- Schädigung eines diesem Mann gehörigen Pardess in Palästina durch arabische Sabotageakte berichtet. Auch wo die Menschen es nicht wissen, ist die Beziehung zu Palästina ein Band geworden, das sie vereinigt. Aber sonst — wie dünn sind im wirklichen Leben die Fäden der Gemeinsamkeit! Von der komfortablen, zivilisiert gepflegten Welt des assimilierten Reformjuden ist ein weiter Abstand zu dem lauten Getriebe und der armseligen Enge des East-End. Das East-End wieder ist nicht ein ein- Jieitiiches Gebilde, es umfaßt mehrere, voneinander auch räumlich geschiedene Stadtviertel, bewohnt von den S07.ial tiefststehenden Schichten der verschiedenen Nationalitäten. In einem solchen Viertel sind meist eingewanderte Juden einer bestimmten landsmannschaftlichen Herkunft vereinigt, die ihre Sitten (auch ihre Küche) bewahrt haben. Es gibt Straßen- Züge mit polnischen, ungarischen, rumänischen usw. Juden nebst den dazugehörigen Restaurants, genau wie einige Blocks weiter die Italiener, anderswo die Spanier, die Tschechen usw. sich zusammenfinden. New York hat ja nicht nur mehr Juden als Palästina, sondern auch mehr Italiener als Rom. Die Judengasse sieht hier meist so aus wie im europäischen Osten; die Häßlichkeit und Armut der Häuser, das lebhafte Treiben mit den tief in die Nacht sich hinziehenden Märkten und dem orientalisch oder südlich anmutenden Straßengewimmel findet man aber nicht nur im Judenviertel, sondern ebenso bei anderen Nationalitäten dieser ärmsten Gegenden. Die Wohn- und Lebensverhältnisse sind erschreckend. Die Stadt New York hat unter der neuen Verwaltung ein umfangreiches Programm der Slums-Bekämpfung aufgesteilt und teilweise bereits verwirklicht; ganze Straßenzüge wurden niedergelcgt und auf diese Weise die erhaltenen Straßen erweitert, so daß etwas triehr Luft zum Atmen da ist. Wo früher elende Häuser waren, sind jetzt Spielplätze und Badebassins (für den heißen Sommer) für Kinder. Aus dem Ghetto arbeiten sich manche Juden langsam empor und rücken dadurch in eine sozial höhere Schicht auf, was ebenso wie in anderen Städten auch mit einer räumlichen Umsiedlung in einen anderen Stadtteil verbunden ist. Das ״Rücken“ von einem Ort zum anderen ist überhaupt ein charakteristisches Merkmal des New-Yorker Lebens. Nationale, soziale, ja auch Generationen-Momente erhalten hier ihren räumlichen Ausdruck. Auch innerhalb des spezifisch jüdischen Lebens findet ein steter Uebergang statt. So z. B. gehen heute viele, wahrscheinlich die meisten, Reform-Rabbis aus den Kreisen der Ostjuden hervor, die dadurch in eine andere jüdische Schicht hinüberwechseln. Infolge der zahlreichen Stiftungen und Stipendien ist der Studiengang eines Rabbi materiell sehr erleichtert, die theologischen Bildungsanstalten haben ihre außerordentlich komfortablen Studentenheime, wo der Student sehr billig lebt (z. B. für 25 Dollar monatlich oder auf Freiplatz), und nach der Absolvierung besorgt die Lehranstalt selbst meist eine Stelle, die gut, zuweilen sogar sehr gut bezahlt wird. Der Andrang zu den rabbinischen Lehranstalten ist ziemlich groß, so daß nur die Begabtesten mit den besten Zeugnissen aufgenommen werden. (Als Kuriosum sei angeführt, daß manche Studenten für Arbeiten, die sie im College verrichten — überhaupt auch jüdische!ebenso wie andere] Gelehrte, die eine konkrete Arbeit tun — aus den Fonds der WPA, der staatlichen Arbeifsbcschaffungsfürsorge, bezahlt werden. Dasselbe ist bei anderen Bevölkerungsschichten der Fall; das ausgezeichnete Negertheater z. B., das in New York ״Macbeth“ als Gespensterstück von mittelalterlicher Großartigkeit spielt, ist eine Einriebtung der WPA. Das sind natürlich nur Randgebiete der WPA, deren Gesamtleistung ungeheures Ausmaß hat.) *) Vergleiche ״Jüdische Rundschau“ Nr. 49. Die modernen Rabbis stehen auf einem jüdisch überaus zentralen Posten, ähnlich — wenn auch natürlich in ganz anderem Sinne — wie der Rabbi in der alten jüdischen Gemeinde, im Gegensatz zu der Situation im assimilierten Westjudentum des 19. Jahrhunderts, wo der Rabbiner vielfach nur Kultusfunktionär war. Da es keine ״Gemeinden“ im kontinentaleuropäischen Sinne gibt, ist der Rabbi (sprich ״Räbbaj“) — neben dem Wohltätigkeitsbeamten, der die Geld- Sammlungen durchführt, — oft das einzige Element, das die Menschen an ihr Judentum erinnert, und von seiner attraktiven Kraft hängt es ab, ob die Botschaft des Judentums einen Widerhall findet oder nicht, besonders auch bei der Jugend, der der Rabbi häufig genug Lehrer und Vertrauensperson zugleich ist. Ueber das ganze Land sind freiwillige Religions- Schulen aller Art verstreut, von den orthodoxen Talmud- Thora-Schulen bis zu den Religionsschulen der Reform. Freilieh sind von den rund 800000 schulpflichtigen jüdischen Kindern noch eine ganze Anz.ahl ohne jeden jüdischen Unterrieht; das freiwillige Unterrichtswesen dürfte etwa 30—35 °0 der Kinder erfaßt haben, aber es scheint, daß nach einer Epoche der Entfremdung, die sich an die mehr orthodoxe Anfangszeit anschloß, die Zahl der jüdisch erfaßbaren Kinder wieder im Zunehmcn ist, entsprechend der Welle der Rückkehr zum Judentum, die auch hier seit drei Jahren deutlich bemerkbar ist. Man muß bedenken, daß der zusätzliche Religionsunterricht, neben der Schule, für das Kind ein großes Opfer an der jedem Schulkind wichtigen Freizeit bedeutet. Auch Hebräisch wird gelernt, freilich noch recht unzulänglich, aber gegen früher ist cs ein Fortschritt. Die Unterrichtszentrale der Reformsynagogen in Cincinnati hat eine hebräische Abteilung. Ein großer Teil der Reformrabbis ist von einem neuen Geist der Bejahung des Judentums erfüllt, die jüngeren sind meist Zionisten, eine beträchtliche Anzahl gehört dein ״Arbeitszionismus“ an und ist recht aktiv und in führender Stellung in der Bewegung tätig. Das Lager des ״Arbeits/ionismus“ zerfällt in Amerika (ähnlich wie um 1920 in Deutschland) ganz deutlich in zwei soziologisch und bildungsmäßig verschiedene Teile: auf der einen Seite die cingewanderten Zeire Zion mit ihrer aus dem alten Rußland stammenden Parteitradition, die meisten von ihnen noch jiddisch sprechend, auf der anderen Seite die von den englisch sprechenden Reformrabbis geführte assimilierte Jugend, die einen neuen Sinn ihres Judentums sucht. Die Synagoge ist in den meisten Fällen weit mehr als bloß Befhaus. Sie ist fast immer mit einer Schule verbunden, oft mit einem oder mehreren Klubs, mit Bibliothek, Versammlungsraum und Gelegenheit zu sportlicher und gesellschaftlicher Betätigung. Weite jüdische Kreise sind gesellschaftlieh auf die jüdische Sphäre angewiesen, was ja auch in Deutschland schon vor 1933 faktisch meist der Fall war, wenn man sich auch nicht immer darüber klare Rechenschaft gab. Die Synagogengebäude (natürlich nicht der Betraum selbst) sind der Ort für die Abhaltung von Familien- und anderen Feiern, bei denen sich besonders in kleinen Orten die ganze Gemeinde versammelt, auch Tanzunterhaltungen finden statt, es herrscht ein relativ intensives gesellschaftliches Leben im jüdischen Kreise, und es ist reichlich Gelegenheit auch zu jüdischer Bildungs- und Erziehungsarbeit, die mehr oder weniger ausgenutzt wird. Eine besondere Erscheinung ist der freiwillige Zusammen- Schluß in Vereinen, Klubs und ״Logen“, die außer gesellschaftlichem, auch sozialen Charakter haben, ln ihnen sind oft Einwanderer gleicher Herkunft zu gegenseitiger Hilfe vereinigt, und sie spielen in diesem Einwanderungsland eine weit wichtigere Rolle als anderwärts. Sehr verbreitet sind auch die Frauerilogen und ״Schwesternschaften“. Alle diese Organisationen sind zwar meist ohne spezifischen jüdischen Inhalt, aber doch ein jüdisch konservierendes Element und schaffen eine eigenartige Sphäre jüdischen Selbstbewußtseins. In den jüdischen Schulen findet jetzt im Juni — so wie in allen amerikanischen Schulen — die ״Gradua t i o n“ statt, die Verleihung des Grades an die Absalventen. Dieser Vorgang ist an den Hochschulen — wie etwa Dr. St. Wises ״Institute of Religion“ oder an dem großen Jüdisch-Theologischen Seminar, das jetzt in seinem großen neuen Gebäude in der Nähe der Colmnbia-Universität untergebracht ist, — mit großen leierlichen Zeremonien verbunden, bei denen auch eine Reihe von Ehrendoktoraten verliehen wird. Das Seminar, dessen (eine Zeitlang auch in Jerusalem tätiger) Professor Ginzburg bei der bevorstehenden 300-Jahr-Feier der berühmten Harvard-Universrtät (in Cambridge bei Boston) den Ehrendoktor von Harvard erhält, hat in diesem Jahr u. a. dem hebräischen Dichter S. J. Agnon (Jerusalem) ein Ehrendoktorat verliehen. Aber auch in unzähligen kleineren jüdischen Schulen findet anläßlich des Semcstcrschlusses diese feierliche und oft eindrucksvolle Graduation statt, durch die den Absolventen das Religionslenrer-Diplom verliehen wird, das zur Erteilung von Unterricht in den Sonntagsschulen berechtigt. Der Umfang der jüdischen Bildung der auf diese Weise Graduierten ist freilich nicht immer sehr groß. Unter den vielen Sondergruppen ist eine der interessantesten die ״Society for the Advancement of Judaism“, deren Führer M. Kaplan ist, unterstützt von seinem Schwiegersohn Ira Eisenstein. Kaplan kämpft für eine neue Konzeption der Durchdringung von Judentum und Humanität auf nationaljüdischer Grundlage, mit starker Betonung des Palästinagedankens und einer progressiven sozialen Haltung. Diese Gruppe gibt seit kurzem auch eine zweimal im Monat erscheinende kleine Zeitschrift mit dem charakteristischen Namen ״The Reconstructionist“ heraus, die die Probleme des jüdischen Lebens in Amerika und vor allem auch der Begegnung des Judentums mit den geistigen Strömungen der Zeit erörtert. Erwähnt sei, daß in diesem Kreis (und in der Zeitschrift) auch die kürzlich von der ״Jüdischen Rundschau“ veranstaltete Enquete über die Zukunft der jüdischen Wissen- DEMUT .Mosche traf zu dem Wetferdunkel, wo Gott wer* * (2. B. M. 20, 21): Dazu fohrte seine Demul; die Sdirlft bezeugt, dafe wer demütig ist, der Sdiedilna beim Menschen auf der Erde eine Stätte bereitet, wie gesagt ist: .Ja, so hat er gesprochen: / .. .In der Erhabenheit und Heiligkeit / wohne ich - <׳ und bei dem Zermalmten und Gelsternlederten' {Jes. 57. 15); und es ist gesagt: .Weil er mich gesandt hat / GUlcksmÄr zu bringen den Demütigen' (Je«. 61, 1); und es ist gesagt: .Dodi auf den blicke ich; / auf den Gebeugten, / Getstzersdilagenen* (Jes. 66, 2). Dodi wer stolzen Herzens Ist, verursadit, dab das Land unrein wird und die Schechtna sldi entfernt, wie gesagt ist: .Wer stolzer Augen Ist und geblähten Herzens׳ den mag ich nicht" (Psalm 101,5). Mediilia zu 20, 2 i lieber), v. N. N. Glatze* schaft lebhaftes Interesse gefunden hat. Oft hat man den Eindruck, daß noch große Möglichkeiten für den Austausch von Erfahrungen zwischen der Judenheit Amerikas und Deutschlands vorhanden sind, besonders auf dem Gebiet des Bildungswesens und der Jugenderziehung. Das selbstgeschaffcnc jüdische Bildungswesen Amerikas hat mit sehr vielen Schwierigkeiten zu kämpfen, mit geistigen, aber auch materiellen. Viele Schulen leiden unter chronischem schwerem G e I d m a n g e I, ihre Existenz i.>t dauernd gefährdet. Dieser Tage berichtete die ״New York Times“ über einen Lehrcrstrcik in der Jaeob-Schiff-Schulo in Broux, weil die — ohnedies sehr niedrigen - Gehälter nicht bezahlt werden konnten. Manche Anstalten an den reicheren Synagogen sind gut dotiert, auch gibt es viele Stiftungen, aber sonst sind die Verhältnisse häufig sehr bescheiden und keineswegs so, wie wir uns das unter der Bezeichnung ״amerikanisch“ vorzustellen gewohnt waren. Daneben gibt cs auch immer neue Pläne, die meist nicht reifen. So 7. B. gibt es ein Komitee, das einen Charter zur Schaffung einer ״Jüdischen Volks- Universität“ erworben hat, und hierfür Propaganda macht, aber anscheinend ohne die geringsten materiellen Voraus- Setzungen. Bei einem dieser Tage abgehaltenen Bankett dieser Institution, bei dem der bekannte Schriftsteller Ludwig Lewisahn das Hauptreferat hielt, hatte man nicht den Lindruck, daß außer dem allgemein gehaltenen Wunsch nach Verbrcitung jüdischer Bildung irgendwelche konkreten Grundlagen für dieses Werk vorhanden sind. Auch in Amerika, jedenfalls im jüdischen Amerika, ist keineswegs nüchterne Sachlichkeit die allgemeine Regel. Es ist natürlich bei kurzem Aufenthalt unmöglich, auch nur einen Teil der vielen Institutionen und Lehranstalten einigermaßen zu überblicken oder gar kenneitzulernen. Eine besondere Erwähnung verdient jedoch die hebräische Sprachschule, die den stolzen Namen ״tiebrew Academy Herzüah“ trägt. Im Osten gelegen, an jenem ״East Broadway“, der das armselige jüdische Gegenstück zum echten Broadway darstellt, entbehrt diese Anstalt völlig des äußeren Prunks, der den Gebäuden der Reform eignet. Der Vorplatz der Schule ist freilich jetzt weit und offen, da im Rahmen des städtischen Assanierungsprogramrns einige Straßenzüge dort niedergc-legt wurden; doch auch so erinnert Straße, Haus und Umgebung (mit den zum Teil jiddischen Aufschriften) an das osteuropäische Ghetto. Ueber eine schmale dunkle Hoiztreppe gelangt man in die sehr einfachen Räume dieser Schule mit ihren rohen Hoizmöbcln, alles macht den Eindruck der Armut. Um so höher muß man veranschlagen, was hier geleistet wird. Unter der begeisterten Leitung von Moses Feinstein, dem ein Stab von guten Lehrern zur Seite stellt (einer von ihnen, der hebräische Schriftsteller Perski, hat mehrere Jahre in Berlin zugebracht), wird liier eine vollständige Ausbildung in hebräischer Sprache und Literatur erteilt, auch ein hebräisches Lehrerseminar ist angcgliedert, und sowohl die New- Yorker als auch die Jerusalemer Universität anerkennen die Zeugnisse der ״Herzliah". Die Schüler kommen aus allen, auch sehr entfernten, Teilen der Stadt, und was das bedeutet, kann man sich in Europa nur schwer vorstellen, Tagsüber besuchen sie die öffentliche Schule oder ihre Arbeitsstätte, manche haben eine volle Stunde und mehr bis zur ״Herzüah“ zu fahren, viele sind auf diese Weise von 1 7״ Uhr früh bis 10 Uhr abends beschäftigt. Mit großem Idealismus von Lehrern und Schülern wird hier in einem Winkel New Yorks eine kleine Elite Hebräischsprecheiider (leider in aschkenasischer Aussprache) herangebildet, in dem Bewußtsein, daß sie vielleicht mehr als irgendeine andere < irtippe spät er einmal berufen sein werden, ein Bindeglied zwischen der amerikanisehen Judenheit und den Juden der übrigen Welt, vor allem Palästinas, zu bilden. In einer Schülerversannnhing unter Vorsitz des Leiters des Palästina-Amts, Dr. S. Bernstein, (der vor dem Krieg im Zion. Zentralbüro in Berlin tätig war), zeigte sich großes Interesse für das jüdische und hebräische Bildungswesen der jüdischen Jugend in Deutschland; dabei wurde diesem Gedanken der Verbundenheit Ausdruck gegeben, und der Direktor, Moses Feinstein, die Seele des Ganzen, bat, die Grüße von Lehrern und Schülern der ״Herzüah“ in New York der jüdischen Jugend und den jüdischen Schulen in Deutschland zu übermitteln, in dem freudigen Bewußtsein der alle geographische Trennung überbrückendcn gemeinsamen Hingabe an die gemeinsamen geistigen Güter, Bialik, so wird erzählt, hat während seines amerikanischen Aufenthaltes viele Stunden in der ״Hcrzliah“ zugebracht, und auf gefordert, ein Exemplar seiner Gedichte mit einer Widmung zu versehen, schrieb er in das Buch (und es wird mit Stolz, gezeigt): ״Auch eine Schule kann ein Gedicht sein, wenn die Schechina in ihren Mauern weilt.“ (Die recht unvollkommene deutsche Ucbcrsctzung vermag den Reiz des hebräischen Wortspiels nicht wiederzugeben.) So sei denn mit den Grüßen der hcbräischlcrncndcn Jugend New Yorks das Wort des Dichters an die jüdischen Schüler Deutschlands wcitergclcitct. Auswanderung * Liquidation und Vermögenstransfer Repräsentanzen In Palästina! HAIFA: H.rbbrt Atchnar, 27. Hcrzlstr. King Salotnon Bank JERUSALEM: A. M. A J. Hetlbronn.r Bank Ltd. P. O. B 104t TEL - AVIV: Dr. Jur. W. Marx, 1a, Sd)alom Alrfdirm Street, F.rke Ren Ichuda Road Amtsger.a’Rat a. D. Dr. Aschner Oberreg. *Rat a. D. R. Kempner Berlin Wl», Melnekestr. 0. J l Bismarck 2856 <9'13-<:׳ u. 16V2-19 Uhr) Transfer-Projekte / Vermögens-Liquidationen / Anlageberatung * Geschäftsverkäufe Eigene Repräsentanzen in Italien Repräsentanz in Südamerika: Dr. Kurt Scheyd, 8ao Paulo Praca Mar^HSa; Deodoro!1