Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 50 (23.6.1936)
- Date
- 1936-06-23
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 50, 23. VI. 1936 Pariser Brief Von unserem Berichterstatter. Maxim Gorki und die Juden K. Paris, im Juni Der französisch-assimilatorische Verband ״Union patriofiquc des FranyaU israclitcs“ nimmt in einem Aufruf gegen die steigende autisemiti-ehe Agitation in Frankreich Stellung. Frankreich brauche heute mehr als je die Einigkeit aller seiner Volksteiie, um stark zu sein. Anläßlich der Behandlung des antisemitischen Antrages des Pariser Stadtverordneten!)arquier de Pcilepoix kam es zu heftigen Zusammenstößen, die schließlich in eine Schlägerei zwischen dem Antragsteller und einem jüdischen Stadtverordneten ausarteten. Bei der Totenfeier der ״Uroix de Feil׳‘, die in der Pariser großen Synagoge stattfand und an der auch der Leiter der Bewegung, Oberst de la Kocqtie, tcilnahm, ist es zu Zwischenfällen zwischen den Teilnehmern der Feier und jüdischen Demonstranten der I.ICA gekommen, die dem Oberst de la Rocquc die antisemitischen Tendenzen einiger Gruppen seiner Bewegung vorwarfen. Die französische Regierung hat unterdessen eine Verordnung erlassen, durch die nicht nur die ״Croix de Ecu“, sondern auch die faschistischen und antisemitischen Kanipfverbande der ״Soiidaritc Fran?aise“, der ״Franeisten“ sowie die ״Jeunesse Patriot cs“ als ungesetzlich erklärt und aufgelöst werden. Kurt Blumenfeld in Rumänien Bukarest, 18. Juni. (JTA.) Kurt Blumcnfcld ist vor kurzem in Rumänien eingetroffen, um in einer Reihe von Vorträgen Probleme des Palistinaaufbaus und der Hebräisehen Universität Jerusalem zu behandeln. Blumcnfcld sprach zunächst in einer Sitzung des zionistischen Zentralkomitees, wo er von dcs-.cn Vor-.it/enden, Adv. Leon M i z r a c h i, von Obcrrabbüier Dr. I. NTetnirower und dem Präsidenten der Vereinigung dir Freunde der Universität Jerusalem, Adv. I. Hirn h v r g, begrüßt wurde. Starken Eindruck machten seine Vorträge im Verband der jüdischen Akademiker ״l'nirca“ über die Hebräische Universität und seine Ansprache bei einer Massenkundgebung des Keren llajessod über die gegenwärtige läge in Palästina. Die jüdische Presse widmet dem tiast ausführliche Begrulhingsartikel. Vertreter des amerikanischen Judentums zum;üdischenWeltkongreß Washington, 18. Juni. (JTA.) Elfhundert Delegierte aus 99 großen Stadien der Vereinigten Staaten versammelten sich in Washington, um die Vertreter der amerikanischen Judcnheit zum J 1111 i s c h e n W e 11 k o n g r e ß, der im August in Genf *!)gehalten werden wird, zu wählen. Der Präsident des American (ewish Congress, Dr. Stephan S. W i s e. griff die Gegner der Kongreßidee an. Die Konferenz wählte 70 Delegierte als Vertreter der amerikanischen Judcnheit auf dem ersten Jüdischen Weltkongreß. An der Spitze der Delegation stehen Dr. Stephen S. Wise und Louis L i p s k y. Der am 8. August in Genf beginnende Kongreß wird etwa zehn Tage dauern. Die Einäscherung von Dr. Julius Brodnitz Die Einäscherung des Vorsitzenden des Central-Vercins, Justizrat Dr. Julius Brodnitz, fand am 22. Juni im Krematoriurn Wilmersdorf statt. Line überaus zahlreiche Trauer- Versammlung erwies dein Toten die letzte Ehre. Samtliehe indischen Zentralorganisationen hatten Abordnungen entsandf. Die Gedenkrede hielt Rabbiner Dr. Leo B a e c k, der Präsident der Reichsvertretung der Juden in Deutschland. Rechtsanwalt Dr. Rudolf Gallnumn, Köln, Stellvertreter des Vorsitzenden de־■ (lentralvereins, schilderte das Bild der Persön 1 i eh k eit von Julius Brodrüt/. in Scholen! Alcjchcms Dramatisierung von ״Tewje der Milchhändler“ fragt Tewje seine Tochter Chawe einmal, was Fedja, der russische Nachbarssohn, von ihr wolle, und sie gesteht, Fedja habe ihr ein Buch von Gorki gebracht. Tewje kneift ein Auge zu: ״Wer war dieser Gorki?“ und Chawe sagt: ein russischer Schriftsteller, ״der Zweite nach Tolstoj“, und, nach einer spöttischen Bemerkung Ttwjcs: ״Du magst dich lustig machen, über wen du willst, aber nicht über Menschen wie den Grafen Tolstoj und Gorki. Maxim Gorki ist überall auf Erden bekannt, um und 11m liest man seine Bücher. Alles, was er erreicht hat, hat er aus sich selbst heraus erreicht und nirgends aufgelesen.“ Sie zeigt ihm Gorkis Bild im Buch, Tewje stellt seinen Eimer weg, wischt sich die Hände ab, guckt sich wie ein Fachmann das Bild an: ״Pst! Ein Großer!“ schüttelt den Kopf, beißt sieh auf die Lippen: ״Wirklich einer von den Großen! — Ein schönes bißchen Schultern! Nun, nun! Wie könnte ein Jude so auswachscn? Wo könnte man bei Juden solche Schultern, solche Hände finden? Aber weißt du, was ich dir sagen werde, Tochter? Mir scheint, den kenne ich! Ich möchte schwören, den hab ich schon einmal gesehen, eben den... Wo, weiß ich nicht mehr, aber, wenn ich nicht irre, entweder bei der Bahn Säcke tragen oder im Wald Holzklötze schleppen.“ Worauf Chawe meint, nach Tewjes Worten wäre derlei Arbeit eine Schande, und ״du selber, Vater, schleppst du denn keine Klötze?“ Es gibt nichts Bezeichnenderes für Maxim Gorkis Wirkung auf die breite Masse seiner jüdischen Zeitgenossen in Rußland als diese Episode bei Scholem Alejchem. Dostojewskis und Tolstois Ideen und Ideale waren auch an der jüdischen Jugend Rußlands nicht spurlos vorübergegangen, Gorkis Bücher wurden nicht nur viel gelesen, sie Waren nicht mir Gegenstand endloser Debatten, mit ihnen konnte man sich vielfach identifizieren. Der Einfluß, den Gorkis Darstellungskunst etwa auf die junge jiddische Epik ausgeübt hat, ist gering im Vergleich zu dem Eindruck, den er unmittelbar und aus den Uebersetzungcn seiner Bücher ins Jiddische auf die zeitgenössische jüdische Generation gemacht hat. Für die Wandlung, welche die Darstellung von Juden in der russischen Literatur der letzten hundert Jahre erfahren hat, ist Gorkis Werk beispielhaft und entscheidend. Die Klassiker, auch Dostojewski, auch Turgenjew, erwiesen sich meistenfalls judenfremd, wenn nicht judenfeindlich. Lermon* tow bildete eine Ausnahme, indem er Juden und Judentum romantisierte, — was zwar ein schöner Ausdruck von Wohlwollen, aber auch von Fremdheit bleibt. Tolstoj fand trotz allem keinen rechten Weg zu den Juden. Gorki, der es als seine Lebensaufgabe betrachtete, alles darzustellen, ״wie es ist“, hatte auf seinen jahrelangen Wanderfahrten und in seinen vielen Beschäftigungen vom Holzflößcr, Bäcker, Maler und Küchenjungen bis zum Opernchoristen alle mögfichen Arten von Juden, Arbeiter und Kleinbürger, Wundcrgläubige und politische Fanatiker, Handwerker und Hausierer, Schankwirte und Studenten, kennen, lieben und bedauern gelernt. Er haßte keinen, denn er haßte überhaupt keine Volksmcnschcn, und Volksmenschen allerdings sind die meisten Juden, die er erlebt und geschildert hat, aber er idealisierte sie auch nicht oder doch nicht mehr und nicht weniger als den russischen Muschik. Aber ״ich habe heute noch eine Vorliebe, den Menschen festlicher zu kleiden, als er vorher angezogen war“, gestand •Gorki in tf€n letzten Jahren einmal, und der kleine Jude (in ״Kain und Artem“), um dcssentwillcn der Riese Artem eine Stadt auf den Kopf stellt, ist in seiner Menschlichkeit der Furcht, der Demut und des blinden und doch zögernden Vertrauens eine der ergreifendsten, durchaus nicht idealisierten Figuren des Dichters. Wesentlicher als alle die einzelnen jüdischen Figuren bleibt noch die bewußte und gelegentlich geäußerte Grundeinsteilung des Dichters zum Judentum und zum jüdischen Volk. Die Reserve, welche die kirchliche Zugehörigkeit und Einstellung einem Dostojewski, die das Urchristentum einem Tolstoj im Verhältnis zum Judentum auferlegen mußte, kam für Gorkis vorbehaltlosen Erlebnisglatiben nicht in Betracht. Ihm war die jüdische Religion mit dem jüdischen Volkstum unlöslich verknüpft, e-ine Tatsache, mit der man nicht nur wie mit allem Lebendigen zu rechnen, sondern eine, die auch ihren Reiz, ihre eigentümliche Schönheit, ihren großen Lebenswert hatte, eins von den ״moralischen und seelischen Pfändern“, auf denen der Bestand des vielvolkhaften Ruß-!and beruhte. Diese letzten Endes fast mystische Betrach־ tungsweise des Judentums hat in ihrer Lebensfrömmigkeit Schule gemacht, Gorkis Nachfahren, vor allem Andrejew, haben sie übernommen, und so ist in der Auffassung des Jüdischen in der russischen Literatur die Wendung von^ der traditionellen Fremdheit zum Verständnis und Erlebnis Gorki zu danken. Gorki hat, wie gesagt, vielerlei Gelegenheit gehabt, Juden aller Art kennenzuiemen, und nicht nur Typen der Art, wie sie in seinen Erzählungen Vorkommen. Ueberfliissig zu sagen, daß auch er seinen Namen für Kundgebungen gegen Pogrome zur Verfügung stellte. Er kannte die jüdischen Renaissance-Bestrebungen, und mindestens die kulturellen hat er vielfach gefördert. Er kannte zum Beispiel Bialik und verehrte ihn. Er interessierte sich zeitweise außerordentlich für die hebräische Literatur, wollte verschiedene Werke hebräischcr Schriftsteller ins Russische übersetzen oder übersetzen lassen und sprach sich besonders lobend über Bialiks ״Arjeh Baal Guf“ aus, dessen russische Uebersetzung er im Rahmen eines Saimnelbuches herauszugeben plante. Vom ersten Tage ihres Bestehens an unterstützte Gorki die Arbeit der Habima, deren heftigste Gegner in der Sowjet-Republik die jüdischen Kommunisten der Jewsekzia waren. Damtfls erreichte Gorki gegen die Jewsekzia, daß die staatliche Subvention für die Habima gewährt und sanktioniert wurde. Als Bialik später, nachdem die Jewsekzia die Unterdrückung der theatralischen wie der literarischen Betätigütig in hebräischer Sprache durchgesetzt hatte, Rußland verlassen wollte, begegnete er auch mit dieser Absicht den größten Schwierigkeiten, und wiederum verwendete sich Gorki für ihn und andere hebräische Autoren und setzte durch, daß diese Schriftsteller, wenn man ihnen schon die Möglichkeit nahm, in Rußland zu arbeiten, wenigstens das Recht haben müßten, in ein anderes Land zu gehen. Es ist bezeichnend, daß sowohl im Falle der Habima wie in manchen anderen Fällen der damals zuständige Staatskommissar für die kulturellen Angelegenheiten Lunatscharski sich gewöhnlich gegen die hebräischen Bestrebungen äußerte und immer dann, wenn Maxim Gorki nach Moskau kam, diese Stellungnahme widerrief. Nach Lenins Tod war es Gorki offenbar nicht mehr möglich, sich so erfolgreich wie zuvor für Jüdisches und Juden als solche einzusetzen. Als er 1928 nach Moskau kam, wurde ihm ein Memorandum zugesteilt, das mit ״Geheime Konferenz der hebräischen Lehrer — Tarbuth — in der Sowjet-Union“ unterzeichnet war und den Leidensweg der Hebraisten in Rußfand auf Grund eines umfangreichen Materials in aller Ausführlichkcit darstellte. Aber Maxim Gorki schwieg. Matt wußte nicht, warum, er hat sich auch später darüber nicht geäußert; man war wohl infolge der allgemeinen Diskrediticrung und Verfolgung des Hebräischen in Rußland erregt genug, um sein Schweigen befremdend zu finden und in der Auslandspressc anzufeinden: er hätte sich zwar privatim mehrfach für jüdische Dinge und Personen verwendet, aber nie den Mut aufgebracht, öffentlich dafür einzutreten, und er war ja der Einzige, der es in Rußland überhaupt hätte tun können. Man sollte auch einige kleine Episoden nicht vergessen, von denen die meisten wohl nur durch Zufälle aufgezeichnet worden sind, so etwa eine Begegnung Gorkis mit dem herühmtesten jüdischen Künstler seiner Frühzeit, mit dem Bildhauer Antokolski. In seiner Verzweiflung über die Verfolgungen der Juden hatte Antokolski sich an seinen Freund Turgenjew gewandt, der damals, 1881, lahm und ausweichend antwortete, es sei jetzt die Zeit nicht, öffentlich aufzutreten. Während der Dreyftts-Affäre fragte Antokolski Tolstoj, der ihm später die begeistertste Grabrede halten sollte., ob er sich nicht für den Prozeß interessierte, und Tolstoj antwortete ablehnend. Um so mehr überraschte ihn ein unerwarteter Brief des jungen Maxim Gorki. ״Wie“, rief der an der allgemeinen Judennot verzweifelte Bildhauer aus, ״in dieser Zeit ein Christ kein Judenfeind?“ Maxim Gorkis Menschlichkeit war für Antokolski damals, wie er gestand, ״der einzige Trost“. HERR* DER JOD Radakt ד״ר ׳f* טובו סן ^זאו־ה »npinp :את סי סברויס •י י*־ ׳*011 הלאומית מיוסדת* ימי בית® ןעו4 עד בוכדגצר זו לס׳ ב) המצביא6 ליהודים תנילויים £יםמתם® על־מנת חדשים. ים שנאו הרצל וסתירות החדשה 1859-1) יי נעוין- "<המ1 [1896)13 שבימינו• 33) •wracii t) Grttndi ■Mint! Ti *•broch« 9) ulbmii felgt«■. 1 ms*■ 15) Hi dei Chawadja Nasar Lr/ahlu11״% ׳!״ MOSCH): SM1LANSKI. Aus dem 1 lehräis! heu übertragen von Dr. Paul Riebenfeld (Schluß) Die Schatten der Finsternis mußten dem Lichte weichen, unterhalb der Berge jenseits des ,!;treten ging die Sonne auf, und zwisihcn den links \om Wege Hegenden Gebüschen blitzte ein \\ a-.se.■strein auf, der ans einem Versteck herauskam und wieder \ ers! •hvv.uid. Das war der Jarden bei einer seiner v ielen Windungen Sein Lauf ist bekanntlich gekrümmt wie eine Schlange leb blickte auf meinen Kameraden und sah nur eine Seite seines Gesichtes, nicht die Augen. Sein Gesicht war blaß, und ich wagte nicht, ihn voll anzusehen... Plötzlich, wie v on der Tarantel gestochen, riß er sein Pferd hoch und galoppierte zum .larden. ,,Vorsüht! Steine ... Sträuche!’ .. Al>er er hörte mich nicht. Als ich ihn erreichte, stand sein Pferd schon am Flusse. Nur mit großer Mühe hatte ich mein Pferd den steilen Abhang des Flußul'ers hinabführen können, und ich konnte nicht verstellen, wie er an dieser Stelle hinuntergaloppiert war. Das Gesicht meines Freundes war nach Süden gerichtet, auf die Strömung des Wassers. Und das Wasser legte seinen Weg mit großer Eile zurück, es lief und sprang von Stein zu Stein, ruhte und schwieg nicht, als ob eine Riesenhand es triebe, ohne auch nur einen Augenblick von ihm ahz.ulnssc-n. Und das Wasser war klar und mit einem Netz kleiner Wellen bedeckt, die wie Schuppen waren. Aber es war nur wenig Wasser, und es war kein breiter Fluß, eher ein Bach. Kein Wort sprach mein Kamerad, nur Todesblässe überzog sein Gesicht, und seine Augen füllten sich mit tiefem Schmerz. Wieder riß er sein Pferd hoch und ritt weiter.. . Ich folgte ihm und ritt in seinen Spuren. Unser Weg führte uns dicht am ,larden entlang, Wohin der Fluß sieh wandte, da wandten auch wir uns, und wir kehrten mit ihm um, wenn er eine Schleife machte. Oft machte er sich auch über uns lustig und stieß uns an das steile Ufer: Felsen von der einen und Wasser von der anderen Seite. Und wir ritten im Wasser. Mein Kamerad lenkte sein Pferd südwärts. Nicht ein einziges Mal sah ich sein Gesicht, keinen Augenblick hielt er an, er wandte sich nicht zu mir und sprach kein Wort. Und ich wußte, daß es schwere Augenblicke für ihn waren, ich wußte, daß sein Inneres und seine Seele wie zerschlagen waren. Ich wußte, daß er etwas suchte, was er niemals finden würde, und daß seine Seele niemals mehr zur Ruhe kommen würde. Plötzlich stand sein Pferd, er wandte sich um und hob seine Hand. ״Mein Freund, schau da! Sieh!“ Auf seinem bleichen Gesicht schwebte eine Art Lachen. In seinen Augen, die schon verlöscht gewesen waren, leuchtele ein schwacher Funke auf. Als ich ihn erreicht hatte, sah ich: Der ausgelassene Jarden änderte plötzlich seinen Lauf und nahm seinen Weg nach links. Aus der Ferne sah es aus, als ob der Fluß an dieser Stelle aufhüre. Alter als wir ihn in seinem Versteck aufstöberten, da sahen wir ihn wieder, und da verbreiterte er sieh plötzlich, er wurde doppelt so groß, kraftvoll schlugen seine Wellen, und sein Aussehen war grau. Es schien, als ob der kleine Fluß plötzlich zum Strome würde und von hier ab immer breiter, immer mächtiger würde, bis die ganz.e Erde von seiner Herrlichkeif erfüllt wäre. Wir kanten nicht auf den Gedanken, daß der Jarden;je wieder ruhig werden und zu einem Flusse werden könnte, wie er war. Mein Kamerad sprang vom Pferd, warf die Zügel fort, stand da und blickte auf das Wasser. Auch ich stieg ab und setzte mich ans Ufer. — Plötzlich erwachte mein Kamerad, mit einer schnellen Bewegung warf er die Kleider ab und stand nackt da wie am Tage seiner Geburt. ״Soll ich versuchen, zu Fuß hindurchz.ugehen?“ Welch unterdrückter Schmerz klang aus seiner Stimme! Aber auch eine Art leichtes Lachen enthielt sic, ein Lachen der Genugtuung. Ueber wen? Meinte er etwa jenen armseligen Lehrer? * Mit kraftvollen Schritten ging mein Freund ins Wasser. Der Jarden war tief an dieser Stelle, und noch bevor er die Mitte des Flusses erreicht hatte, stand ihm das Wasser bis zum Hals. Da wandte er mir sein Gesicht zu. F.s leuchtete, und ein glückliches Lachen stand auf ihm. F.r klatschte auf das Wasser und breitete seine Arme zum Schwimmen aus. Einige Augenblicke später stand er in seiner ganzen Größe am anderen Ufer und blickte zu mir: ״Ich grüße dich von jenseits des Jarden!“ Seine Stimme tönte gesund und frisch vom anderen Ufer herüber, und zwischen den Bergen, aus der Niederung des Jarmuk, antwortete ihm das Echo. An der anderen Seite des Flusses, an der Schleife, hebt sich das Ufer aus dem Wasser und steht da wie ein Wall. Und mit Kraft und Wut schlägt das Wasser an seinen Fuß. Mein Kamerad stieg auf das Trockene, blieb oben stehen, ließ seinen Blick über die ganze Gegend schweifen und sprang dann ins Wasser... ״Au.,.!“ Ich schrie vor Furcht und sprang auf. Aber in diesem Augenblick erschien mein Kamerad wieder an der ObcrflBche des Wassers. Er schüttelte sich, und kleine Tropfen spritzten nach allen Seiten und leuchteten in der Sonne wie Saphire. — Sein Gesicht strahlte von einem glücklichen Lachen. ״Hier ist das Wasser tief, mein Freund! Und die Strömung ist unten sehr stark. Man kann leicht ertrinken.. Welche Freude und Heiterkeit klang aus diesen Worten! Und wieder stieg er hinab und verschwand unter Wasser. Lange blich er aus, und ich fing an, Angst zu bekommen .. . Und wieder tauchte er auf, mit lachendem Gesicht, und Wassertropfen fielen von seinem Kopfe. ״Der Grund ist ganz mit harten Gräsern bewachsen. Wenn man da mit den Füßen hincinkommt, kommt man nicht so leicht wieder los!“ ״Es ist jetzt genug, mein Lieber! Komm aus dem \V asser.“ ״Nur ein einziges Mal noch, mein Freund!" Und wieder bestieg er das steile Ufer jenseits des Flusses und sprang in das Wasser, das große Wellen schlug. — Er verschwand — und tauchte nicht wieder auf... Einige Augenblicke vergingen, schwere Augenblicke — er war nicht da. Ich rief. Meine Stimme verhallte in der Weite. Und nur ein schwaches Echo aus den Bergen erreichte mein Ohr. In größter Eile zog ich meine Kleider aus und ging ins \\ "asser. Ich suchte mit meiner Hand, ich rief um Hilfe, ich schrie, aber nichts half. Schwimmen konnte ich nicht. Das Wasser ging mir schon bis zum Hals. Ich kehrte zum Ufer zurück. Wie wahnsinnig lief icli hin und 11er. Als ob ich sie um Rat fragen wollte, rannte ich zu den Pferden, die im Grase weideten, und kehrte wieder zum Ufer zurück. Mein Freund war verloren, spurlos... Und plötzlich — da, mein Gott! — sein großer Körper trieb auf der Oberfläche des Wassers zu mir, von der anderen Flußscite her. Wie ein Verrückter schrie ich auf und lief hinzu. Der Körper wurde an jener Stelle vom Gestrüpp festgehalten und schwamm nicht weiter. Ich stieg ins Wasser, um ihn herauszuziehen, aber ich schaffte es nicht. Ich faßte ihn an den Haaren, ich zog am Kopf, ich schrie — keine Antwort... Das Gesicht meines Freundes war nach oben gerichtet, und seine Augen standen in ihren Höhlen, als ob der Ruf ״Man kann ertrinken“ in ihnen erstarrt wäre. Es raubte mir fast den Verstand. Was sollte ich tun? Ich stieg ans Ufer und sah ringsum -— kein Mensch. Ich schrie, aber meine Stimme kehrte um und kam aus den Bergen wieder tu mir. Ich zog mich an, lief zu den Pferden und eilte in die Stadt. * Als ich mit dem Stadtarzt zur Unglücksslättc kam, fand ich meinen Freund nicht mehr. Für ewig hatte ihn der Jarden in seinem Schoße verborgen. ״Der Jarden hat ihn fortgeführt, der Jarden!“ rief ich voller Schmerz. Und aus den Bergen kehrte das Echo meiner Stimme zurück und antwortete mir: D-c-r J-a-r-d-e-n! ENDE I. I von der gebrach schnitt 1 von de funden die Sun wassern (in Uet von Et II. Nachdei haben, hattung sehr vi Bialiks aus der einem, 111. Materia Zeire l cegeber nof 66) den 3 1 Als der Abs wie in Ku AU