Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1936-06-23 · Heft 50 (23.6.1936) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 50 (23.6.1936)
Date
1936-06-23
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2651273-2653922-2653969--29017-2690525
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Seite 4 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 50, 23. VI. 1936 Der Radomer Prozeß gegen ihn eine Bombe geworfen wurde, und erfuhren, daß drei Frauen verwundet und ein Mädchen erschossen wurden, schwer gewesen sein, die Selbstbeherrschung zu bewahren. Trotzdem seien die jüdischen Führer in der Lage gewesen, die jungen Leute zurückzuiialteii. Keine Bomben wurden von Juden geworfen, obwohl es für sie sehr leicht gewesen wäre, ebenso Bomben herzustellen wie die Araber. Nur in friedlicher Weise hätten die Juden reagiert. Der Streik in Jaffa, fuhr James de Rothschild fort, hat zur Isolierung von Tel-Awiw geführt; cs dauerte 23 Tage, ehe die Palästinaregierung die Erlaubnis gab, Schiffe dort auszuladrn. Die einzige Antwort, die die Juden auf den Schifferstreik gegeben haben, war die Errichtung eines Landungsstegs in T e i - A w i w. Er wisse, erklärte Abg. Rothschild, daß man an den Kolonienminister in der Sache der Errichtung eines ständigen Hafens herangetreten sei, und er hoffe, daß der Minister diesem Vorschlag seine persönliche Aufmerksamkeit widmen werde. Der lligh <ümitiii-oioncr, erklärte James de Rothschild, habe die vor! dem jüdischen Volk bewiesene Zurückhaltung anerkannt; die Juden aber seien bestrebt, eine aktivere Roll e b e i der Ci e \v ä h r! e i s t u n g de r Sicherheit im Lande zu spielen. Man solle sie mit stärkerer Verantwortung betrauen. Man brauche mehr Juden bei der Polizei und mehr Juden sollen zur Hilfspolizei ausgehoben werden. Sie sollen auch in das palästinensische Grenzkor ps cintrcten, in dem sie heute an Zahl verschwindend sind. Oie Polizei sei sehr eifrig bei ihren Bemühungen gewesen, geschmuggelte Waffen zu ergreifen; er glaube aber, daß es in den arabischen Dörfern über 600 Oe- •wehre gebe und daß es daher nicht zu verwundern sei, wenn jede Nacht Angriffe und Gewalttaten gegen jüdische Siedlungen Vorkommen. Der ursprünglich aus rein Wirtschaftliehen Gründen unternommene arabische Streik sei jetzt zu einer 11 a t i u n a I i s 11 s c I! e r. Angelegt• n heit geworden. Die Araber, sagte Rothschild, behaupten, sie hätten unter den Türken eine Pelb-tverwaitnne gehabt, doch sei diese erdichtet. Die Erhöhung der Zahl der Juden hat den Arabern größere Mat 11t und Prosperität gebracht; die Zunahme der arabischen Bevölkerung ist vorwiegend in der Nachbarschaft der Midisehen Siedlungen erfolgt. James de Rothschild führte Ziffern an, um zu zeigen, wie •-ehr die Lage der Araber sich seit der f inwanderung der Juden nach Kriegsschluß gebessert hat und erklärte, daß die Araber nunmehr eine hervorragende Ralle in dem politischen und wirtschaftlichen l eben l’alastinas spielen. Fr wolle nur, daß den Juden mehr Gelegenheit gegeben werde, an der Arbeit für das allgemeine Wohl teilzuiK'hmen. Solche Zusammenarbeit werde zu besserem Verstehn! tuhren. Fr glaube fest daran, daß die Juden in I>.׳-1.!1־tu1,1!1111 den Arabern Seite an Seite in Frieden und f 1e1111d-1 liati leben können. Das arabische Volk sei infolge des I inflia-e-, aktiver, selb-tsiiditiger Führer während der letzten zehn Jahre sehr leicht erregbar. Diese Führer hätten vielleicht die Macht über ihre Anhänger verloren, die unter dem Einfluß von Agitatoren gefallen sind, die zweifellos aus dem Ausland l'nterstutzung erhalten; diese Unterstützung käme von Leuten, die dem britischen Reich nicht besonders gut gesinnt sind. 111 Palästina, sagte James de Rothschild zum Schluß, sei Raum für zwei friedliche und glückliche Völker. Die Juden wollen nicht herrschen, aber auch nicht beherrscht werden. Die Verantwortung für f rieden und Wohlfahrt Palästinas ruhe nicht allein auf Juden und Arabern, sondern auch auf dem Kolonienministerium und den Anweisungen, die dieses seinen Vertretern in Palästina gibt. Außerdem hänge der Frieden ab von dem (irad der Entschlossenheit, die die Regieruttg als Antwort auf die Richtlinien zeige, die im Unterhaus einem schwer geprüften Volk gegeben wurden. Der Abgeordnete Herbert Morrison stellte fest, daß die britische Regierung die Rolle eines T reuhänders in Palästina spiele und der gegebenen Lage Rechnung tragen müsse. Im Kriege seien gewisse Versprechungcn geben worden; die zu militärischen Zwecken gegebend! Versprechungen hatten infolge ihres komplizierten Charakters /u schweren Ungelegenheiten geführt. Der Streik habe in erster Reihe politische Ziele. Es sei ganz sicher, daß die Regierung in London und die Palästinaregicrnng in Jerusalem wußten, wer die Rädelsführer des Streiks und die Mörder auf arabischer Seite waren. Fr könne nicht verstellen, warum der High Commissioner zu Beginn der Unruhen nicht zu diesen Herren ging und er fürchte, daß es -.!{ן׳! um feine Herren handele — und sagte: ״Wir wissen, daß ihr die-e I )inge fordert, wir machen euch für das, was g! m. lucht, veiaiitwortlicli, und w enn es nicht auihört, werden wir p< gen euch Vorgehen." Das wäre v eit wirksamer gewesen, ah sich auf die umfassenden militärischen Maßnahmen, die jetzt notwendig geworden sind, einzulassen. Der Redner berichtete sodann über seine Erlebnisse in Palästina. Er habe ausgezeichnete junge Menschen unter den palästinensischen Landwirten gefunden. Er habe mit ihnen am Tische gesessen, ihre hohe Ethik kennen gelernt und sei mit dem demütigen Gefühl zuriiekgekommen, daß er am liebsten das Spiel der Politik aufgeben und sich ihnen in ihrem reinen und gesunden Leben anschließen möchte. Es *ei dies eine einfache und wundervolle Sache; eine der wunderbarsten Erscheinungen der Welt. Lieber die Kgl. Kommission, erklärte Abg. Morrison zum Schluß, -ei er nicht begeistert. Man sollte die Tatsache!! ()rufen und zu einer Entschließung kommen. Warum könne man nicht die lokale Selbstverwaltung in Palästina erweitern und entwickeln? Der Kolonienminister könne sich auf die Unterstützung der Labour Party bei allen geeigneten Schritten zur Wiederherstellung von Gesetz und Ordnung in Palästina verlassen. Der Kommunist Gallacher erklärte, er habe einige Redner mit wachsendem Abscheu vor ihrer Heuchelei angehört. Juden und Nichtjuden sollen gleiche Rechte gegeben werden, aber er wende sich dagegen, daß man die Juden ah Deckmantel für den englisch en Imperialismus benutze. Als er gehört habe, wie der Kolonienminister die Maßnahmen verlas, die gegen Araber in Palästina ergriffen wurden, habe er es nicht verstehen können, daß die Labour Partv nicht aufstand und sie verurteilte. Palästina werde nie eine Heimstätte für die Juden werden, sondern, wenn die Araber nicht frei bleiben, das Bindeglied des britischen Reiches bleiben, wie ein Redner cs erklärt habe. Araber und Juden hätten jahrhundertelang zusammcngelcbf. Die Mohammedaner hätten Moses stets anerkannt und verehrt. Aber Räuberei und Ausbeutung hätten diese Unruhen hervorgerufen. Man solle die Anwendung von brutaler Gewalt einstellcn, die Menschen Zusammenhängen und mit ihnen sprechen. Es sei durchaus berechtigt, das Ende einer Einwanderung zu verlangen, die die Existenz Palästinas erschüttert habe, eine wirksame Landan siedlungsakt ton für die Araber und die Ein- Setzung einer gesetzgebenden Versammlung zu fordern. Radom, 21, Juni. (JTA.) In dem Prozeß vor dem Radotner Kreisgericht hielt der Staatsanwalt Dr. Ratk i e w i c 1 sein P 1 a i d 0 y e r. Er behauptete, die Juden hätten dadurch, daß sie auf die Bauern geschossen hätten, den Pogrom in Przytyk selbst verursacht. Gegen einen der jüdischen Angeklagten, Israel Kerschcnbaum, zog der Staatsanwalt die Anklage zurück. Zur Besprechung der Ursachen des Pogroms übergehend, gab der Staatsanwalt zu, daß die Pr/ytyker Juden von berechtigter Furcht infolge des antijüdischen Boykotts und der Tätigkeit der nationaldemokratischen Agitatoren erfüllt waren, die sowohl die von den Juden kaufenden Bauern als auch die jüdischen Kaufleute terrorisierten. Die letzte Ursache des Pogroms aber sei die jüdische Sei bst wehr gewesen. Juden hätten Waffen vorbereitet. Der alte Feld borg sei als erster mit einer Axt auf die Straße gegangen und seinem Beispiel seien andere Juden gefolgt. Der Polizeischutz in Przytyk sei am 9. März ausreichend gewesen. Die Juden hätten vor ihren Läden gestanden, woraus hervorgehe, daß es keine Panik gab. Unter der Anführung Feldbergs hätten die Juden begonnen, die Bauern zu schlagen. Andererseits glaube er nicht, daß die Bauern, wie nichtjüdische Zeugen bekundeten, aus der Stadt geflohen seien und sich wie unschuldige Lämmer benommen hätten. Die Bauern hätten jiidische Wohnungen und Geschäfte devastiert. Die Familie Minkowski, die an der Peripherie der Stadt wohnte, sei einer Bestialität zur Opfer gefallen, die selbst den kleinen Jungen nicht schonte. Der jüdische Angeklagte Lesko nabe den Bauer Wiesniak aus Rachegefühl erschossen. Es habe sich hier nicht um Notwehr gehandelt. Die Schüsse Leskos und anderer Juden hätten die Bauern zu Rache aufgereizt, dann hätten die Exzesse begonnen. Für die Juden ergriff als erster Redner Rechtsanwalt Fenigstein das Wort. Er erklärte, cs sei absurd zu behaupten, daß die Juden den Pogrom begannen und darum für die Vorfälle verantwortlich wären. Die Juden hätten von der Polizei Schutz verlangt. Er richte keine Anklage gegen das polnische Volk, sondern gegen die Mörder. Zum Schluß forderte der Anwalt die Zuerkennung eines symbolischen Schadenersatzes von einem Zloty an seine Klienten. Eine judenfeindliche Rede hielt der Vertreter der nichtjüdischen Kläger, Rechtsanwalt N i e b i c s k i. Er erklärte, man müsse die Juden aus den polnischen Städten vertreiben, es sei dort kein Platz für sie. Die Juden hätten verlangt, daß die Regierung sie vor dem Boykott schütze, aber das könne nicht gesehenen. Wir leben, erklärte der Anwalt, in einem politisch freien christlichen Land, wir müssen aber das Joch wirtschaftlicher Sklaverei abschuttcln. Die Sonnabend-Verhandlung war gekennzeichnet durch zwei Reden der Rechtsanwältin G a j e w i c z und des nationaldemokratischen Anwalts Kowalski. Frau üajewicz wandte sich dagegen, daß der Staatsanwalt die Anklage gegen Jacob Kerschenzweig fallen gelassen hatte. Mit welchen Mitteln Frau Gajewicz arbeitete, ist daraus zu ersehen, daß sie z. B. den Entschädigungsanspruch ihrer Klienten damit begründete, daß die Juden Porzellan hätten, während die Christen von irdenen Tellern essen müssen. Für die symbolische Ent- Schädigung von einem Zloty würden die Christen eine Kerze kaufen, um sie in der Kirche ״für die Seelen der unschuldigen Opfer“ anzuzünden. Ormsby-Gores Schlußwort begann mit einem Hinweis darauf, daß zahlreiche Fragen aufeworfen worden seien, die eine Untersuchung erfordern. Was en Vorschlag betrifft, daß man Araber und Juden sich selbst Überlassen und daß England Palästina räumen solle, so würde die Annahme dieses Vorschlages Blutvergießen von einem Ende des Landes zum anderen zur Folge haben. Die Dritte Internationale habe sich von allem Anfang an mit allen ihr zur VerfU- Jung stehenden Mitteln der Ansiedlung von uden ln Palästina widersetzt. Abg. G a 11 a c h e f; Das ist nicht wahr. Minister Ormsby-Gore: Sie hat sich der riooistisehen Bewegung von Grund auf entgegengestellt und das ist einer der Gründe, wamm wir Kommunisten interniert haben. Die kommunistische Bewegung hat Oel in die Flammen gegossen und ist zu einer antiengiischen Kraft geworden. Zu dem Vorschlag Lloyd Georges betreffend den Schutz der jüdischen Siedler bemerkte der Minister, er glaube, daß es nur zu weiteren völkischen Kämpfen und Racheakten in der Zukunft führen könnte, wenn man den Juden Waffen ohne die Kontrolle englischer Polizeioffiziere in die Hand gäbe. Doch habe der High Commissioner berichtet, daß er die Zahl jüdischer Hilfspolizisten, die stets unter der Kontrolle eines englischen Polizeioffiziers vorgehen, zum Schutze dieser Siedlungen stark vermehrt habe. In bezug auf die in der Presse erschienenen Berichte über den von König Feisal und Dr. Chaim Weizmann abgeschlossenenFreundschaftsvcrtrag erklärte Minister Ormsby-Gore, die englische Regierung habe keinen Grund zu der Annahme, daß das Dokument gefälscht sei, vielmehr habe sie jede Ursache zu glauben, daß es sich um ein echtes Dokument handelt. Als persönlicher Bekannter von Oberst Lawrence könne er fcststellen, daß das veröffentlichte Faksimile der Übersetzung von Oberst Lawrence dessen Handschrift zeigte. Die Regierung, sagte Ormsby-Gore, werde in vollem Umfang von den vor sechs Tagen veröffentlichten Sondermaßnahmen, ln denen die Todesstrafe für gewisse Verbrechen vorgesehen ist, ohne Furcht oder Gunst Gebrauch machen. Wäre es nicht die Absicht der Regierung gewesen, sie anzuwenden, so wären sie nicht angekündigt worden. Es werden keinerlei Konzessionen gegenüber Gewalttat, Einschüchterung und Drohung und vor allem nicht gegenüber dem Angriff gemacht werden, der von gesetzlosen Elementen in Palästina gegen die britische Autorität unternommen wird. Die englische Regierung werde nicht zuriickwelchen. Die Regierung sei entschlossen, diesen Kampf siegreich zu beenden, selbst wenn er die Anwendung scharfer Mittel erfordern sollte. * London, 18. Juni. (JTA.) ln der Unterhaussitzung vom 18. Juni fragte der Abgeordnete Mander den Kolonienminister, ob die Frage der Einsetzung einer Kgl. Kommission zur Untersuchung der Lage in Palästina im Hinblick auf die fortdauernden Unruhen einer neuerlichen Prüfung unterzogen werden würde, und ob der Minister klar machen wolle, daß nichts die englische Regierung davon abhalten werde, die Ordnung energisch aufrecht zu erhalten und die Bestimmungen des Mandats folgerichtig und unparteiisch durchzuführen, und daß die Ausgabe von Einwanderungszertifikaten für Juden nicht eingestellt werden wird. im Namen des Kolonicnministers bat Lord Hartington den Interpellanten, die Erklärung abzuwarten, die am Freitag zu diesem Gegenstand abgegeben werden würde. Rechtsanwalt Kowalski stützte sich in seiner Rede ausschließlich auf Material aus ״jüdischen Quellen“. Der Präsident unterbrach ihn wiederholt mit der Aufforderung, zur Sache zu sprechen. Kowalski erklärte, die Juden von Przytyk hätten sich an die Weltjudenheit mit einem Appell gewandt, ihnen im Hinblick auf den unerträglichen Boykott zu helfen; die Weltjudenheit aber habe geantwortet: ״Helft euch selbst!“; jetzt wisse man, wie die Selbsthilfe der Przytyker Juden aussah. Die Juden hätten von der Polizei Hilfe gegen die Bauern verlangt, um einen inneren Kampf im Lande hervor• zurufen. Es hielten noch weitere fünf nationakteinokratische Anwäfte Reden, in denen sie Angriffe gegen die Juden richteten. Die jüdischen Anwälte kommen am 22. Juni zum Wort. Warschau, 21. Juni. (JTA.) Das Radomer Kreis• gericht hat schwere Strafen über vier Juden verhängt, die sich an einer Demonstration und einem eintägigen Proteststreik gegen den Pogram in Przytyk beteiligt hatten. Jehoschua Orlik wurde zu zwei Jahren, der Magistratsbeamte und Vorsitzende des Radomer Handclangesteiltenvereins Abraham Goldberg zu anderthalb Jahren, der Pharmazeut Szmucl Karpenkop zu anderthalb Jahren, der Arbeiter Gerschon Zelicki zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Die Verteidiger, Adv. Ehrlich, Adv. Wasilewski und Adv. Lindemann, haben die Nichtigkeitsbeschwerde angcineklet. Judenfeindliche Ausschreitungen Warschau, 18. Juni. (JTA.) Aus verschiedenen Ge• genden Polens treffen Meldungen über weitere Judenfeind* liehe Ausschreitungen ein. Im Dorfe Nicnica, Kreis Opatow, wurden Pinchas Panzer, seine Gattin Debora und ihre Tochter Jutta, die einzige dort wohnende jüdische Familie, ermordet. Unter dem Verdacht der Täterschaft wurden mehrere Dorfbewohner verhaftet. In R z e 1 e c h o w wurde der 34jährige Aron Abertnau durch Messerstiche, die bis in die Lunge drangen, verwundet. Er wurde nach Warschau ins Krankenhaus gebracht. In mehreren Dörfern in der Gegend von Beiz in Ostgalizicn wurden die Fenster jüdischer Häuser zertrümmert. Neun Häuser wurden in Brand gesteckt. In dem Dorf Wlosci• anko wurde die Scheune der Sara Jacobowicz niedergebrannt. In dem Dorf Monastrzysko wurde der 60jährige Wolf Wulstein schwer verletzt. Ministerpräsident General Slawoj-Skladkowsky besuchte die Stadt M i n s k ־ M a z. o w i e c k, wo zweimal hintereinander pogromartige antijüdische Ausschreitungen stattgefunden haben. Er besichtigte die zerstörten Häuser und Geschäfte und hielt dann eine Beratung mit den! Starosta ab. ♦ Der polnische Sejm hat einem Ermächtigung!• g c s e t z zugestimmt, durch das der Staatspräsident die Möglichkeit erhält, bis zur nächsten ordentlichen Sitzung des Parlaments Notverordnungen mit Gesetzeskraft in finanziehen, wirtschaftlichen und die Landesverteidigung betreffenden Angelegenheiten zu erlassen. Die drei Abgeordneten des Jüdischen Parlamentsklubs stimmten gegen die Annahme des Gesetzes. Lord Harting ton wiederholte dies, als der Abgeordnete weiter fragte, ob man die Gewißheit geben könne, daß bei dieser Gelegenheit auf keinen Fall der Drohung mit Gewalt gewichen werden wird. Oberstleutnant Sir Walter Smiles fragte, ob gegen diejenigen, die der jüngst in Palästina verübten Verbrechen der Brandstiftung, des Mordes und des Aufruhrs beschuldigt sind, Verhandlungen durchgeführt wurden, und welche Strafen über sie verhängt worden seien. Lord Hartingtoii antwortete im Namen des Kolonienministers, man könne sich darauf verlassen, daß die Behörden in Palästina alles tun, um eine Beschleunigung der Prozesse zu sichern; es seien Notverordnungen in Kraft gesetzt worden, um die schnelle Aburteilung der aus den gegenwärtigen Unruhen sich ergebenden Fälle zu erleichtern. Einzelheiten über Urteile lägen noch nicht vor. Auf eine weitere Anfrage von Oberstleutnant S m i I e s gab Lord Hartington bekannt, daß die Palästinapolizei am 31. Dezember 1935 zu ungefähr 20 aus Juden und zu etwa 80 °/0 aus Arabern bestand. Der Abgeordnete Cary hatte die Frage gestellt, ob der Kolonienminister vom High'Commissioner für Palästina einen Bericht darüber erhalten könne, ob die photostatischen Kopien des am 3. Januar 1919 in London Unterzeichneten arabischjüdischen Freundschaftsvertrages, die zur Zeit in Palästina 1m Umlauf sind, echte und genaue Kopien des im Besitz der englischen Regierung befindlichen Vertrages seien. Lord Hartington erklärte, er nehme an, daß diese Anfrage sich auf das von dein damaligen Emir Feisal lind Dr. Weizmann Unterzeichnete Abkommen beziehe, dessen Ori- - ־’ * '־־' ’ ' "" .. ״ nicht in der Lage sein, die Authenzität irgendwelcher angeblicher photostatisclier Kopien, die in Palästina im Umlauf sind, zu bestätigen. Der Abgeordnete Cary fragte weiter, ob es ein Mittel gebe, zu verhindern, was sich zu einer extremistischen Form der Propaganda entwickele. Lord Harfingfon antwortete, es sei äußerst schwer, die Verbreitung gefälschter Dokumente zu verhindern. Der Abgeordnete Johnston fragte, ob der Kolonienminister schon Beweise dafür habe, daß Unruhen und Blutvergießen in Palästina irgendwie durch Mittel aus außerpalästinensischen Quellen finanziell gefördert werden und, wenn dies zutreffe, was für Quellen dies seien. Lord Hartington erklärte, der Kolonienminister sei der Ansicht, es sei kaum daran zu zweifeln, daß von und während der Anfangsstadien der Unruhen Geld von ausländi sehen Quellen, die sehr schwer festzustellen seien, an Streikendc und andere Personen in Palästina verteilt wurden; der Minister habe vom High Commissioner jedoch keine bestimmten Beweise dafür erhalten, was für Quellen dies sind. Abg. lohnston: Hat der High Commissioner einen Beweis dafür, daß ein Teil dieses Geldes aus Rom kam? Lord Hartington wiederholte, er besitze keinen genauen Beweis für die Quelle. Wie von der Leitung der Hias-Ica Emigration Association (Hicem) mitgeteilt wird, findet gemäß dem Beschluß des Verwaltungsrates dieser Organisation eine Konferenz der Repräsentanten aller ihr angeschlossenen Grganisationen ln der Zeit vom 29. Juni bis t. Juli 1936 in Paris statt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.