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Jüdische Rundschau · 1936-06-19 · Heft 49 (19.6.1936) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 49 (19.6.1936)
Date
1936-06-19
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 49. 19. VL 193« Palästinafilm in der Sackgasse Ausschnitte des Landes und der Arbeit, Straßen der Städte, Hauser in Siedlungen, jüdische Menschen hinterm Pflug — diese oder eine andere flächenhafte Oesamtschau zeigten alle Palästinafilme, soweit sie aufführungsreif waren. Der grollte und ausgeglichenste von ihnen, ״Land der V e r h e i 11 u n g“, ließ wirklich etwas von dem neuen Werden Erez Israels mitschwingen. Wer aber ihn, wer die letzten Schmalfilme, wer auch schon die kleineren stummen Filme, die schon früher gelegentlich herauskamen, kennt, wird eines nicht übersehen können: diese Filme ähneln sich in einer gefährlichen Weise. Meist beginnen sie mit einer Horrah, dann kommt der Blick vom Karmel auf Haifa, wir kennen schon die Alienby Road und den herrlichen Strand Tel-Awiws, Autos und Kamele auf den Straßen in buntem Gemisch, dann gehts in die Siedlungen — Giwath Brenner oder Deganiah — auf die Felder: jüdische Arbeiter bei der Orangencmte, beim Stecken von Setzlingen, als Imker und, einmal dramatisch, ein anderes Mal als Episode, das Bohren von Brunnen und der Strahl des ersten Wassers, der über die trockenen Erdschollen rinnt. Darauf Jerusalem, die offizieller zionistischen Gebäude, die Klagemauer, die Bazare der Altstadt, Typen des alten Jischuw — schließlich das Einck jesreel. Wer kennt ihn nicht, den Traktor, auf den alle stolz sind, in jedem Film rollt er mächtig, ein Geschütz des Friedens, über die Leinwand. Das Klischee der Paläslinafilme ist bereits so gefestigt, daß jemand, der noch nicht das Land wirklich zu schauen das Glück hatte, einen großen Teil der Dinge, der Straßen, der Landschaften, aus den anderen Filmen wiedererkennt. Auf die Kritik, der Palästinafilm müsse, wenn er .sich nicht in kurzem tofgelaufcn haben soll, neue Motive suchen, antwortete eine Stimme aus dem Publikum: ״Das Land ist ja so klein.‘׳ Ist <1 a s t. a 11 d so kl e i!1? Diese Fragestellung ist, was den Film anbelangt, grundverkehrt. Es kommt gar nicht darauf an, neue Landschaften und Siedlungen und Stadtbilder zu entdecken. Die Fihnproduktion muH so tun, als ob das interessierte Publikum die seither erschienenen Filme gesehen hat und einen Schritt w e i t e r g e ii t-11, auch auf die Gefahr hin, daß man den Kopf über einen Palästinafilm ohne Klageimiuer, Universität um! Gebäude der Jewisli Agency seludfeln wird. Sie muß endlich atifaugen, von der Fläche in die l iefe vor/ustoßcii und darauf zu verzichten, ein Gesamtleid des Landes vermitteln zu wollen, sie muß den Mut zum l i n v o I! s t a 11 d i g e ח und zur Einseitigkeit haben. Die erste Möglichkeit der Weiterentwicklung ist schon vielfach erörtert worden, sic liegt im Spielfilm. Das Land und seine Arbeit sind voll von ProMciuen, Spannungen, Konfliktstoffen, von denen viele der filmischen Bearbeitung־ zugänglich sind. Die Themen drangen sich geradezu auf: Ein Chain/, kommt aufs Land, fuhlt sieh erdrückt durch die harte Arbeit, die Verlockungen der Stadt ziehen ihn von dort fort, aber in der Stadt erkennt er, daß er dort nicht sein neues Judentum und Menschentum leben kann, und er kehrt aufs Land zurück, um dieses Schicksal mit Stolz auf sich zu nehmen. Ein anderes Thema: die ersten vr-iditigeii Versuche der Verbundenheit von Juden und Arabern, private Freundschaften, die sich .׳!!!knüpfen und tragisch zerbrechen.■ wir wollen zu dir und du willst zu uns, aber noch will es die Politik nicht. Oder: die Begegnung von zw ei Gruppen im Kibbuz, einer ost- und einer west jüdischen, und die Entwicklung, die aus Fremdheit, Mißverständnissen und Ablehnung allmählich eine Liiihcit entstehen läßt — Kampf ln den Pardessim um den Arbeitsplatz gegenüber dem arabischen Arbeiter. Das sind Beispiele, die sich beliebig fortsetzen lassen. Aber zu einem Spielfilm gehört eine zahlreiche Mitarbeiterschaft, ,'ingefangen vom Drehbuchautor bis zum letzten Statisten, gehören Ateliers und ein komfortabler Apparat, und das erfordert Kapital. Worauf es ankommt, wäre zu beweisen, daß auch fm Palästinafilm als ״Kulturfilm“, als ״Reportage“ neue Wege beschritten werden konnten. Statt mit der Kamera die üdliehen Straßen der P.t!,Estin,־ifolografei! zu reisen, sollte man einen Tag im Kibbuz fesfhalten. Den .Morgen in den Zimmern, im Schlafsaal, im Kinderhaus. Die Kühe werden gemolken. Line Gruppe geht auf Außenarbcit ins nächste Dorf, die anderen ziehen auf die Felder, inzwischen wird die Wirtschaft von den Frauen besorgt. Wir sind hungrig nach einem Einblick in das wirkliche Leben ries Landes, in die tausend kleinen Details, die das Lehen ausmachen und wie man sie nur manchmal aus erlebnishafteil Briefen ert.ibrt. Alles ist uns wichtig — die Küche, das Waschehaus, die Tiere, das gemeinsame Abendessen, der Schabbat. Der Fotograf brauchte mir ein wenig Geduld, und er würde die dra1n.iJ1M.hen Ilohrpunkfe dieses Lehens ciiifangen — eine Kuh, die nachts kalbt, Besuch aus dem benachbarten Kibbuz, den ersten Mede!abend Als Gegenstück dazu: ein Tag aus dem I eben des Burgers in der Stadt. Wie sehen Geschäfte in drl-Awiw aus mich von innen V Hinterm Ladentisch eines solchen < lesrhäftes könnte der Tag des Bürgers be-;.!nimm l'ml wie wohnt inan in Tel-Awiw? Wie wohnt ein Ar/' oder ein Kaufmann oder ein Bauarbeiter? Und wo kauft die• Burgersfrau ein, auf dem!Markt, beim Gärtner? Vielleicht muß der Mann zum Bahnhof gehen, um Waren ab/uholen, und bei der Gelegenheit sicht mail gleich den Bahnhof von Tel-Awiw. Was macht es, wenn er nicht so imposant aimsieht wie die Alienby Road oder die Cafes am Strande, wir wollen den Alltag sehen, die hebräische Atmosphäre eines Postamts, eines Wartesaals, eines Büros. Und natürlich muß das Kind in die Schule gebracht werden und man muß lange auf den Autobus warten, und das Kind .sammelt' hebräische Autobusfahrscheine. Abends geht man ins Kim» oder Theater. Einmal wollen wir sehen, wo diese Theater spielen, wie die Fassaden aussehen und die Bühnenräume und das Parkett und die Schauspieler und schließlich auch, wie das Publikum aussieht. Oder vielleicht besucht der Bürger abends einen Sprachkurs der HOG., oder eine Ver- Sammlung oder einen Vortrag, vielleicht sehen wir auf diese Weise nicht, mehr bloß ein Stück öffentliches Stadtgebiet, sondern ein Stück öffentliches Leben. Das Land mag klein sein oder nicht. Aber der Film hat soviel Möglichkeiten, wie nur das Leben Möglichkeiten haben kann — wenn er versteht, das Leben einzufangen. Hetbert Friedenthal Persönliches. Am 2t. Juni vollendet Frau Fanny Rosenbl ü t h, Tel-Awiw׳, ihr 75. Lebensjahr. Die Jubilarin, deren Haus in Berlin bis mm Jahre 1933 ein echtes zionistisches und jüdisches Zentrum war, ist die _ Mutter von vier Söhnen und zwei Töchtern, darunter Felix und Martin Rosenb I ü t h. Drei ihrer Söhne und die zwei Töchter leben in Palästina. Wir sprechen ihr und ihrer Familie unsere herzliebsten Glückwünsche aus. Wie ״Haarez“ meldet, ist im literarischen Nachlaß von Sokolow ein Maimontdes-Roman gefunden worden. Karl Kraus und Karl Kraus, der wie wir in unserer letzten Ausgabe berichteten — im 63. Lebensjahre In Wien plötzlich gestorben ist, war eine der umkämpftesten und kämpferischsten Gestalten einer bestimmten, hinter uns liegenden Aera der österreicliisehen Publizistik. Für uns ist seine Stellung zum Judentum wesentlich. Es ist bekannt, daß Kraus selbst das Judentum verlassen hat und zum Katholizismus übertrat. Dennoch wäre es verfehlt anzunehmen, daß dieser Schritt für ihn eine Flucht in eine Welt war, die es ihm leichter machen sollte. Er selbst hat einmal in einem Aufsatz ״Er ist doch e Jud“, den er im Jahre 1913 schrieb, sich gegen derartige Verdächtigungen gewandt, und gegen den Glauben, er sei ״darauf aus, das Judentum, dem er entstamme, zu verleugnen, um etwa mit Grafen, Offizieren und Prälaten verkehren zu dürfen“. Dennoch hat sich Kraus vom Judentum, wie er es erlebte״ differenziert. Der Zionismus war eines der Dinge, gegen die er kämpfte und die er verspottete, ln dem Pamphlet: ״Eine Krone für Zion“ wandte er sich gegen Herzl. Kraus sah im Judentum zwei Erscheinungen, die er grundsätzlich voneinander scheiden wollte: Er meinte״ daß er ״mit der Entwicklung des Judentums bis zum Exodus noch mitgehe“, während er seit dem Tanze um das Goldene Kalb, der ihm svmptomatisch für die ganze weitere jüdische Geschichte und Geisteshaltung erschien, sich von Judentum distanzieren müsse. Diese Distanzierung hat er in seinem unablässigen und mit großer sprachlicher Kraft geführten Kampfe gegen Erscheinungen des Judentums in Literatur und Presse durchgefiihrt, besonders im Kampf gegen den Journalismus seiner Zeit, wie er ihm besonders in Wien gegenübertrat. Seine Schrift: ״Heine und die Folgen“ zeigt diese Stellungnähme besonders klar, indem er all das, was der Journalismus in deutscher Sprache ihm an Bekämpfenswertem bot, als eine Erbschaft Heines kennzeichnete. Dabei gelangen ihm unzweifelhaft tiefgesehene Formulierungen, wie die, daß ״Heine das Höchste geschaffen hat, was tn i t der Sprache zu schaffen ist. Höher steht, was aus der Sprache geschaffen wird“. Bei all dem fehlte es Kraus an einem, nämlich an der Erkenntnis, daß er selbst mit den von ihm so bekämpften Jour- «allsten und Literaten zusammen in einer Front stand, «laß der Satz: ״aus der Rasse kann man nicht austreten“, mit dem er sich auseinandergesetzt hat, auch für ihn Geltung behielt. Zusammen mit denen, die er nicht müde wurde, zu bekämpfen und für deren Banalität und geistige Leichtfertigkeit er immer wieder treffende Worte fand, stand er an einem gemeinsamen Ort der Weltgeschichte, dem des Judentums. Und wenn sein Schaffen von dem Gefühl nach Gerechtigkeit angetrieben wurde, so war auch dies eine Erbschaft seines Chestertons Religionsauffassung K. G. Chesterton, einer der feinsten Köpfe Englands, einer der geistreichsten Schriftsteller der Gegenwart, ist, 62 Jahre alt, in Beaconsfield bei London gestorben. Seine literarische und philosophische Bedeutung zu würdigen, ist hier nicht der Ort, auch daß er sich gelegentlich zur Judenfrage geäußert hat, erscheint Mas nicht so wesentlich wie seine programmatischen Aeußeruitgeii über religiöse Fragen, die auch uns angehen. Der ״wunderglaubige Philosoph“ war bekanntlich zum Katholizismus übergetreten und ist wohl der zeitgemäßeste Verfechter des Religiösen überhaupt, wofür sein Buch ״Orthodoxie“ ein erstaunliches Denkmal bleibt. Er ״entdeckt“ hier die Orthodoxie, und obwohl er in seiner leidenschaftlichen Darlegung des Christentums sein Augenmerk dermaßen scharf auf das Neue Testament und die katholische Dogmatik richtet, daß ihm für das alte Judentum keine Aufmerksamkeit mehr bleibt, so hat man doch vielleicht eben darum den Eindruck, daß er meist das Judentum mitmeint, auch wenn er es nicht erwähnt. Mindestens sind seine prinzipiellen Wendungen über Religion auch für uns gültig und für die lebhafte neuerliche Diskussion über religiöse Fragen ungemein bedeutungsvoll. Das Wunder unserer Existenz ist ihm wesentlicher als die Verschiedenartigkeiten unserer Existenzen. Er verteidigt die Tradition gegen den Vorwurf, daß sie undcmokratisch wäre, und definiert .sie als eine Ausdehnung der Vorrechte. ״Sie ist die Demokratie der Verblichenen.“ Vom Christentum lasse sich sagen, ,,daß es einem bestimmten Schlag von Menschen angemessen war: es ging von Palästina aus und blieb in Wirklichkeit auf Europa beschränkt.“ Aber als Einwand gegen das Christentum könnten solche Feststellungen nicht gelten, und im übrigen widersprächen die Einwender solcher Argumente immer sich selbst, so ״tadelte einer meiner Freunde das Christentum, weil es die Juden verachte, und dann verachtete er es selbst, weil Brief aus Jugoslawien Von unserem Berichterstatter J. H. Beograd, 15. Juni Dieser Tage weilte in Jugoslawien Kurt Blumenfeld. Bhmtenfekl, der in Angelegenheiten der Universität Jerusalem kam, hielt auf Ansuchen der jugoslawischen Zionistischen Organisation in zwei Städten Vorträge über die aktuelle Situation im Zionismus. Beide Veranstaltungen waren überfüllt, besonders in Zagreb, wo der Vortrag im größten Saal der Stadt abgelialteii wurde. Aber auch in N o v i s a d w ar der Saal überfüllt ln der Beograd er Oper wurde dieser Tage ein Gastspiel des Mitglieds der Züricher Oper, Marko Rothmüiler, absolviert. Rothmüiler war früher in der Hamburger Oper tätig. In Beograd trat Rothmüiler 1'n ״Rigolctto“ und ״Aida“ auf. Die Presse sprach sich mit großem Lob über seine Qualitäten aus. _ Eine Bezirkstagung der WIzo-Gruppen des Rheinlands und Westfalens fand am 7. Juni in Düsseldorf statt. Nach einer Gedenkrede auf Sokolow durch die Bczirksvorsitzende Frl. L o e b gaben die einzelnen Gruppen Arbeitsberichte. Besondere Beachtung fanden die Ausführungen von Frau Coh n, Essen, über die Arbeiten für den Keren Hajeled und der Bericht von Frau van C1 e e f, Köln, über die Arbeit der Wizo für die auswandernde Jugend. Den Hauptvortrag hielt Frau F e i 1 c h e n f e I d, Köln, über Ausbildungsslätten in Palästina und die Arbeit der Wizo während der Unruhen. die Judenfrage jüdischen Wesens, die in ihm zum Durchbruch kam. Er wollte sich vom Judentum seiner Zeit distanzieren und sah ln ihm nur die Verderbtheiten einer oberflächlichen Zivilisation und das Entwurzelte des westeuropäisch«! Menschen, aber blieb ihm dennoch zuliefst verhaftet. Wie anders hätte sein Urteil und seine Haltung sein können, wenn er das jüdische Votk, wie es in seinen Massen lebt, besser gekannt hätte, und wenn er sich als ein Glied dieses Volkes empfinden gelernt hätte, das gewiß sowohl die Erbschaft des ״Goldenen Kalbes“ in sich trägt als auch jene von Kraus positiv bewerteten Qualitäten, die es in der Zeit bis zum Exodus aus Aegypten besaß. Dann hätte Kraus vielleicht jene Distanzierung nicht gebraucht und hätte sieh nicht mit Haß gegen das im Volke gewandt, was ihm häßlich und amoralisch erschien. Denn was er bekämpfte, war ja in erster Linie nicht eine Erscheinung der österreichisehen Literatur und des österreichischen Kulturlebens als solchen, sondern cs waren Erzeugnisse und die Haltung jüdischer Autoren, Vielleicht wäre unter anderen Bedingungen in Kraus die Liebe zum Volkstum, dem er entstammte, durchgebroclien, die ihm so sehr zu fehlen schien. Fehlte sie ihm wirklich? Wir glauben es nicht, denn wenn er manchmal mit beinahe alttestamentarisch anmutender Kraft gegen das kämpfte, was ihm schlecht erschien, so kann dies nur als ein Ersatz für das aufgefaßt werden, was ihm in seinem Innersten die Liebe zu etwas gebot, das er selbst nicht mehr fassen konnte. Unter anderen äußeren Bedingungen hätte ein Mann wie Kraus gewiß die Erscheinungen des jüdischen Lebens, die ihm unwürdig dünkten, auch mit aller Schärfe bekämpft, aber diese Kritik wäre aus der Liebe zum Volke gespeist worden, und sie wäre daher eine verzeihende, aufbauende und regenerierende gewesen. In dem schweren Kapitel unserer Geschichte, das wir mit ״Distanzierung vom eigenen Wesen“ überschreiben, ist Kraus ein Sonderfall. Vielleicht nicht des jüdischen Selbsthass es, der bei denen, die ihn besaßen, etwa bei W eininger, doch eine andere Prägung hatte, aber dennoch ihm irgendwie verwandt und daher den Menschen, aus dem CT kam, in seinem Innersten spaltend. So bietet Karl Kraus, dessen Gestalt für eine nun hinter uns liegende Periode des geistigen Lehens in Oesterreich und besonders des Wiener Milieus charakteristisch war, für uns das Bild eines jener ״verlorenen Söhne“ des Judentums, uni die das Volk dennoch trauert, weil es weiß, daß ihr Talent sich für eine Welt verschwendet hat, in die es nicht paßte, und daß es so seiner eigentlichen Aufgabe verloren ging. oe. er es jüdisch fand.“ Eben die Vereinbarkeit der Extreme in ihr sei das Wesen, die Größe der Religion. Ueber die Dreieinigkeit beim Katholizismus kommt Chesterton auf den reinen Monotheismus bezeichnenderweise nicht des Judentums, sondem der Unitaricr zu sprechen und charakterisiert ihn: ״Det Gott, der nur eine furchtbare Einheit ist, ist nicht nur ein König, sondern ein orientalischer König“, und schließlich findet er den echtesten Unitarismus im Islam: ״... aber aus der Wildnis und den Oeden, sonnenverbrannten Wüsten kommen die Kinder des alleinigen Gottes; sie, die wahren Unitaricr, die, mit dem Kruminsäbel in der Hand, die Erde brach legten. Denn es ist nicht gut, daß Gott allein sei.“ Daß Jesus Jude war, ist dein christgläubigen Chesterton keinen Gedanken wert, doch seine Verherrlichung des Evangelienstils bleibt zum guten Teil auch uneingestandenermaßen ein Bekenntnis zur Bibel überhaupt, ln einer Auseinandersetzung mit dem Materialismus, besonders dem Darwinismus des 19. Jahrhunderts, begegnet er der Vorstellung, der Mensch entwickle sich ״vom Affen zum Engel“: auch vom Affen weg zum Teufcl könnte inan hinrücken. ״Ein Mann von Genie, zusich nicht, als er von sich selber sagte, er stünde auf Seite der gefallenen Engel. Das tat er auch; er stand auf Seite der gefallenen Engel. Er optierte nicht für das niedrig^ Brutale oder Triebhafte; aber er optierte für den Imperialismus des Fürsten der Finsternis.“ Gegenüber diesem ״Stolz der Gefallenen“ gebe cs die himmelanstrebende Demut. ״Wir müssen eine lange historische Erfahrung übernatürlicher Phänomene imie haben, um die zu erkennen, die wirklich natiirlieh sind. In diesem Lichte besehen, finde ich die Geschichte des Christentums und selbst die seines hebräischen Ursprungs ganz einleuchtend und klar. Es ficht mich nicht an zu hören, daß der Gott der Juden einer unter vielen war. Ich glaube es, ohne lange vernehmen zu müssen.“ h. Das Volk und der Einzelne in «kr Bibel. Prof. Ludwig Köhler macht in seinem Buche ״Theologie des Alten Testaments“ (Neue theologische Grundrisse), Tübingen 1936, Mohr, darauf aufmerksam, um die Stellung des Einzelnen und des Volkes in der Bibel klarzulcgcn, daß der Bund Gottes mit Israel sich auf das Volk und nicht auf den Einzelnen beziehe, daß Gott es mit dem Volke zu tun habe, und am Volke handele, nicht dem Einzelnen. ״Der Einzelne steht im Bund, den Gott geschlossen hat, aber der Einzelne stellt in diesem Bund, nicht weil er eine einzelne Persönlichkeit eigenen Wertes und eigenen Rechtes ist, denn das ist er für die alttestamentliche Offenbarung gar nicht, sondern weil er ein Glied des Volkes ist“ (S. 48). ״Es ist ein Grunddatum der alttestamentlichen Offenbarung, daß Gott an der Gesellschaft, dem Volk, besser gesagt an der Gemeinschaft oder Gemeinde handelt. Nur als ihr Glied kann der Einzelne vor Gott leben“ (S. 48). Aus der Tatsache, daß das Schicksal und auch das Verhalten des Einzelnen nur soweit Belang haben als der Einzelne Teil des Volksf" . reich wäre, in dem Gott gelte, weil das Volk in seiner Gesamtheit und in seiner Unversehrtheit weiterbesteht, wie viele Einzelne auch sterben mögen (S. 52). Rabbiner Dr. Steckelmacher Die für eine vierjährige Amtsperiode vorgenommene Neuwähl der Repräsentanz der jüdischen Kulturautono־ rnic in Estland brachte den Zionisten 21, den Jiddtschisten vier, den Sozialisten und der Wirtschaftsgruppe je ein Mandat. Die Zionisten haben ein Mandat gewonnen, die Sozialisten eines verloren. Spezialhaus für moderne Damen- und Herren-StrUmpfe, Handschuhe, Trikotagen, Wäsche und Strickwaren Strumpf haus Metzger Nachf. Benno strupp Berlin NW 7, Friedrichstr. 91/92

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