Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 49 (19.6.1936)
- Date
- 1936-06-19
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 49, 19. VI. 1936 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 5 | Justizrat Dr, Julius Brodnitz [ justizrat Dr. Julius B r o d n i t z, der erste Vorsitzende des Centraivere i n s der Juden in ueutschIand , ist in der Nacht vom 16. zum 17. Juni in Berlin an den Folgen einer Gehirnerschütterung, die er bei einem Autounfall erlitten hatte, kurz vor Vollendung des 70. Lebensjahres gesiorben Mit Julius Brodnitz verliert das Judentum Deutschlands 1eine seiner charakteristischen Qestalten. Im Jahre 1866 in Posen geboren, ließ er sich nach Beendigung seiner juristisehen Studien in Berlin als Rechtsanwalt nieder und widmete sich bald der Mitarbeit in dem im Jahre 1893 gegründeten Centralverein. Insbesondere beschäftigte er sich mit den Jugendfragen und dem Rechtsschutzproblem. Im Jahre 1920 wurde er beim Rücktritt des Vereinsvorsitzenden Eugen Fuchs zu dessen Nachfolger im Vorsitz des Vereins gewählt. Obwohl Julius Brodnitz ein Vertreter der ״deutsch-jüdischen“ Ideologie war und viele Jahrzehnte hindurch, wie die meisten Angehörigen seiner Generation, glaubte, daß die Judenfrage nur lokal betrachtet werden könne und im Gefolge der allgemeinen Entwicklung allmäh-!ich verschwinden werde, und obwohl er, der religiös dem liberalen Flügel angehörte und F.hrenmitglied der Jüdischen Reforingemeinde war, im Judentum nur eine religiös gebundene Gemeinschaft erblickte, bewahrte er sich doch den Blick für viele allgemeine jüdische Aufgaben. So wirkte er bei der Gründung des Arbeiterfürsorgeamtes mit und nahm auch an der Arbeit der Gesellschaft ״Ort“ regen Anteil. Nach dem Umschwung des Jahres 1933 gehörte Julius Brodnitz zu den Kreisen innerhalb des Centralvereins, die die Meinung vertraten, daß eine Neuorientierung notwendig sei. Insbesondere glaubte er, daß die Verknüpfung des Judentums in Deutschland mit Pa- 1 ä s t i n a einen sichtbaren Ausdruck finden müsse. Er wirkte in dieser Zeit an der Schaffung des Zcntralaus- Schusses für Hilfe und Aufbau und der Reichsvertretung der Juden in Deutschland mit und trat im Jahre 1935 dem Beirat der J ewish Agency in Deutschland bei. Aut einer Tagung, die im Juni vergangenen Jahres in Berlin stattfand und der Wahl der nichtzionistischen Vertreter aus Deutschland für den Council der Agency diente, hielt er eine bemerkenswerte Ansprache, in der er sich zur Palästina-Idee bekannte. Er betonte, daß jeder von uns zu dieser Arbeit berufen sei und daß man nicht mit dem Gedanken kommen solle, wir hätten hier in Deutschland genug zu tun. Noch in diesem Frühjahr besuchte Julius Brodnitz Pa- Jästina und kam mit reichen Eindrücken nach Deutschland zurück. Bei einer Kundgebung nach Ausbruch der Unruhen hat er seiner positiven Meinung über den Palästina-Aufbau erneut Ausdruck gegeben. Auch ein Artikel, den er kurz vor ,seinem Tode dem Keren Hajessod zur Verfügung stellte ,und den wir in der heutigen Ausgabe veröffentlichen, zeigte seine starke Verbundenheit mit dem jüdischen Werk in Palästina. Mit Julius Brodnitz ist eine Gestalt aus unserer Mitte gegangen, die über den Kreis seiner engeren Freunde hinaus das größte Ansehen bei der gesamten Judenheit Deutschlands besaß. Man schätzte nicht allein seine bis ins Alter hinein ungebrochene Arbeitskraft, seine Fähigkeit, trotz Wahrung des eigenen Standpunktes Brücken zu schlagen, sondern noch mehr seine menschliche Haltung und empfand, daß er ein echter Gentleman war. * Die Beisetzung der sterblichen Ueberreste findet am Montag, dem 22. Juni, in Berlin-Weißensee statt. In zahlreichen Kundgebungen haben die jüdischen Körperschaften Deutschlands zum Tode von Julius Brodnitz Stellung genommen, u. a. die Reichsvertretung der Juden in Deutschland, die Berliner Jüdische Gemeinde, der Preu- Bische Landesverband jüdischer Gemeinden, die Zionistische Vereinigung für Deutschland, das Präsidium des Keren Hajessod, der Hilfsverein der Juden in Deutschland. Foto: lierbert Sonuenfeld Appell zur Mitarbeit Von Justizrat Dr. Julius Brodnitz Die nächste’,.len Zeilen hat der Verstorbene wenige To ge vor seinem Heimgang dem Keren Hajessod zur Verfügung gestellt. (Red.) Mit banger Sorge blicken wir auf Erez Israel. Wer, wie ich, bis kurz vor den gegenwärtigen Unruhen drüben gewesen ist, wußte wohl, daß eine Auseinandersetzung zwiscuen Juden und Arabern kaum vermeidbar ist, rechnete indessen nicht damit, daß diese Unruhen gerade jetzt unmitteifcar und in solchem Ausmaße bevorstehen. Trotzdem habe ich dem, was ich nach meiner Rückkehr erklärt habe, kaum etwas hinzuzufügen. Wer die ungeheuren Leistungen, welche die Juden vollbracht haben, sieht, empfindet einen gewaltigen Respekt vor der vollbrachten Arbeit, sowohl gegenüber der äußeren Leistung, als — und vielleicht noch viel mehr — gegenüber dem seelischen Heldentum. Im Anblick dieser Leistungen schwinden alle ideologischen Betrachtungen, wie sie leider bei uns noch vielfach die Menschen trennen. Wer drüben die Pionierarbeit verrichtet für die Juden, weiche in Gegenwart und Zukunft dort eine Zufluchtstätte und eine Stätte harter, aber befriedigender Arbeit suchen, hat einen selbstverständliehen Anspruch darauf, daß wir im Keren Hajessod die dortige Arbeit nach Kräften fördern. Diesen Anspruch dürfen unsere Brüder und Schwestern drüben heute mehr denn je erheben. Die Arbeit, welche in Erez Israel von Juden verrichtet worden ist, schließt auch, ganz abgesehen von der gegenwärtig aktuellsten Frage, schwere Sorgen in sich. Wir treuen uns über ernste kritische Betrachtungen, welche aus solchen Sorgen resultieren und zu ihrer Beseitigung beizutragen suchen. Aber die Zeiten sind vorüber, in denen solche Betrachtungen etwa dazu dienen sollten, das Experiment selbst in Frage zu stellen. Wir kennen die Sorgen und die Not der Juden in Deutschland. .Wir kennen die großen Verpflichtungen, die sich daraus für uns ergeben, aber wir müssen auch wissen: Das Experiment in Palästina wird nicht versagen, weil cs nicht versagen darf, wenn nicht die Judenheit der ganzen Welt unendlichen Schaden erleiden soll. Deshalb darf auch heute gerade jemand, der die Not der Juden in Deutschland genau kennt und immer wieder Zum Problem der Auswanderung Familienanzeigen als Erkenntnisquelle Von Ernst Kahn, Jerusalem Es soll seit jeher Menschen geben, die ״ihre“ Zeitung mt der Lektüre der Familienanzcigen beginnen und nicht nur Frau Martha Schwertlein ״macht ihn auch tot im Wochenblättchen lesen“. Es ist nun mal für viele eine gemütliche Ausspannung zu erfahren, daß ״sie“ endlich auch unter die Haube kommt, daß unserem alten Studienfreund ein Stammhaltcr geboren wurde und der alte Geheimrat sich zu den Vätern versammelt hat. Heute aber ist auch für den Wissenschaftler die Familienanzeige, und zwar die jüdische, ein sehr wertvolles Material. Richtig gelesen gewährt sie recht brauchbare F i n - ge r zeige. Denn sic enthält u. a. Angaben über den Wohnort. Gerade die ״Jüdische Rundschau“ bietet in dieser Hinsicht reichliches Material. Tausende von Geburten, Verlobungen, Verheiratungen und Todesfällen werden innerhalb eines Jahres registriert. Freilich, so reichlich diese Angaben auch sind, so können sie nicht etwa ohne weiteres als lückenlose Grundlage der Bevölkerungsbewegung bei den Juden in Deutschland oder den einstmals in Deutschland Lebenden dienen. Denn nur ein Bruchteil, wenn auch ein recht erheblicher, wird an dieser Stelle angezeigt: die einen unterlassen es aus Geldmangel, die anderen weil ihnen ״die Richtung nicht paßt“; und gerade dieser Umstand ist eine sehr erhebliche Fehlerquelle; es ist z. B. mit großer Wahrscheinlichkeit anzunehmen, daß in der ״Jüdischen Rundschau“ Unverhältnismäßig mehr Palästina-Anzeigen erscheinen als etwa in einem Organ nichtzionistischer Juden; es ist sogar darüber hinaus möglich, daß überhaupt die Zahl der ausländischen Familienanzeigen anormal hoch ist. Wenn man sich dieser Vorbehalte bewußt ist, so bleibt genug Erkenntniswert — freilich darf die Zahl der auszuzählenden Vorgänge nicht zu klein sein. Aus diesem Grunde sind dieser Untersuchung etwas über 1000 Anzeigen (genau 1008) zugrunde gelegt worden, die sich annähernd mit den Veröffentlichungen der ersten fünf Monate des Jahres 1936 decken; wenn man — etwas vergrößert — annimmt, daß die Inserenten sich mit den bis Anfang 1933 in Deutschland lebenden Juden decken, so dürften schätzungsweise etwa 20 ס/יי der Geburten und der Verlobungen, 25 0;״ der Verheiratungen und 12 "/0 der Sterbefälle erfaßt worden sein. Die nachstehende Tabelle gibt einen Ueberbiick über die Hauptresultate. 1008 Familienanzeigen der ״Jüdischen Rundschau” Im 1. Halbjahr 1936 Davon rein Inland d. tu in "/ס de* ganzen Davon Ausland•) ״ Palästina Somit vom Ausland in% Uebriges Ausland Holland England Frankreich Vereinigte Staaten Polen Belgien Tschechoslowakei Schweiz Italien Argentinien Oesterreich Spanien Danzig Luxemburg Brasilien Südafrika Jugoslawien Lettland Dänemark Bolivien Ungarn Portugal Litauen North Rhodesien Venezuela Kolumbien Liechtenstein *) Anzeigen, bei denen in- und ausländische Ortsangaben vnrliegen, sind in diese Rubrik gerechnet nach Art und Ländern Zahl der Geburten Verlobungen Verheiratungen Todesfllle Zusammen 156 222 283 347 1008 81 149 153 289 673 51.9K 67.1H 54,0% 83.1H 67.1H 74 74 130 58 33: 51 23 77 31 182 69,0^ 31.0H 59.2H 53.5H 54.2H 24 51 53 27 154 3 7 8 7 25 5 7 3 3 18 3 2 6 2 13 2 4 2 2 11 5 5 1 1! 3 1 3 — 7 1 3 3 7 2 2 1 1 6 2 4 — 6 2 2 2 — 6 3 2 1 6 — 2 3 — 5 1 2 1 4 1 1 1 1 4 2 2 — 4 2 1 — 3 _ 1 1 — 3 . 1 1 2 _ 1 1 2 _ _ 2 2 _ 2 — — 2 1 1 _ — 2 2 1 ־־־־• 2 1 1 — 1 _ 1 1 1 — — 1 Fast ein Drittel der Anzeigen betreffen im Ausland Befindliche oder dorthin Auf brechende. Das ist fraglos über dem Durchschnitt; denn in den Vk Jahren vom 1. Januar 1933 bis Mitte 1936 ist alierhöchstens ein Viertel der Juden Deutschlands ausgewandert. Auch der Anteil Palästinas an den Ausgewanderten usw. ist, mit 54,2 0׳״, erheblich über dem Durchschnitt, der mit etwa 27—29 0/0 zu schätzen ist. Das erklärt sich nicht aus dem Charakter der ״Jüdischen Rundschau“ und ihrer besonders starken Verbreitung in Erez Israel; der Palästinenser hat das berechtigte Gefühl, daß er durch eine Anzeige in diesem Blatte am besten seine Bekannten erreicht. Und nun interessiert besonders die Verteilung der Meldüngen aus den übrigen Ländern. Insgesamt sind 28 Länder genannt; aber offenbar sind damit auch nicht annähernd alle Staaten erfaßt, in denen heute Juden aus Deutschland wohnen, wie Mexiko, Kanada, Paraguay, Chile, Rußland, Schweden, Mongolei, Aegypten, Kenja, Indien, Neu- Seeland, Japan, China usw. In der Liste marschiert mit erheblichem Abstand Holland an der Spitze; ihm folgen England und Frankreich, also zwei europäische Länder, wie diese überhaupt nach Zahl und Menge stark überwiegen; mag dabei der Umstand mitsprechen, daß der noch in Europa Wohnende mehr Be- Ziehungen zur alten Heimat unterhält als etwa der nach Amerika Verzogene, so bleibt diese Tatsache doch bemerkenswert; sie scheint wohl zu bestätigen, wie gefährlich so beliebte Verallgemeinerungen sind, wonach in Europa keinerlei Unterkunftsmöglichkeiten bestehen. Wenn von den 154 nichtpalästincnsischen Anzeigen nur 29 — IS ׳״<, von Uebersee kommen, so liegt das nicht allein an der größeren Entfremdung jener Europamüden. Daß hierbei die Vereinigten Staaten bei weitem an der Spitze marschieren, und ihnen in erheblichem Abstand Argentinien, dann Brasilien und Südafrika folgen, dürfte annähernd die tatsächliche Reihenfolge widerspiegeln. Charakteristisch ist in jeder Beziehung das Verhältnis von Geburt und Tod. Mehr als doppelt so viele Sterbefälle als Geburten sind angezeigt; man weiß, daß die Juden in Deutschland längst einen sehr erheblichen Sterbe- Überschuß aufweisen und daß dieser für die Zurückgebliebenen bereits ein Verhältnis von 1 bis 5 : 1 erreicht hat. ln Anbetracht der verhältnismäßigen Jugend der Auswanderer und der fortschreitenden Ueberalterung in Deutschland ist es kein Zufall, wenn nicht weniger als 83 "0 der Todesfälle aut das Inland entfallest, während es bei den Geburten nur etwa die Hälfte ist. Im übrigen bieten die Todesanzeigen noch einen betonderen Hinweis aut die Vcrstreuung der Menschen; dort werden bekanntlich sehr häufig die gegenwärtigen Wohnsitze der Hinterbliebenen angegeben. Unter diesem Gesichtspunkt ist die folgende Tabelle zusammengestellt. Von den Todesanzeigen enthalten verschiedene: Ortsangaben ..... 140 davon nur Inland .. 46 r- 32,SH davon Ausland .................... 127 davon Palästina 51 andere ausländische Orte: Vereinigte Staaten .. Holland.• ••••••*«•• Frankreich ......••...••«.•י•••. Südafrika, England, Schweiz... Italien. Polen. Argentinien, Rumänien, Oesterreich, Brasilien. Tschechoslowakei, Danzig, Jugoslawien, Spanien, Luxemburg, Lettland und Türkei » ... 20 11 9 i« 2 i« 1 Nur ein knappes Drittel der hier berichtenden Familien hatte keine Angehörigen im Ausland; das zeigt vielleicht am besten den gewaltigen Umfang des Wanderprozesses. Aber noch viel interessanter ist an dieser Tabelle der wesentlich andere Anteil der einzelnen Länder im Vergleich zu der ersten Tabelle, bei der Sclbstanzeigen verarbeitet wurden, hier in den Todesanzeigen, wo automatisch von den Angehörigen der Wohnort ihrer Verwandten hinzugefügt wird. Besonders bemerkenswert ist hier das starke Hervortreten der Vereinigten Staaten, das an erster Stelle steht. Wäre diese Tabelle nicht auf einem etwas knappen Matcrial aufgebaut, so würde sie vielleicht die beste Antwort für die Frage geben, in weichem Verhältnis die Juden aus Deutschland in der Welt heute verteilt sind. Deshalb wäre es zu begrüßen, wenn andere, in Deutschland Gebliebene, die über mehr Material verfügen, auf längere Perioden die Todesanzeigen verarbeiten würden; es wäre vor allem der Mühe wert, einige Jahrgänge getrennt zu untersuchen, weil dadurch auch der Fortgang der Auswanderung und die immer wieder wechselnden Tendenzen zum Ausdruck kämen. Zionismus in Kanada Von unserem Berichterstatter Montreal, 1. J uni Die Judenheit Kanadas setzt sich zum größten Teil aus Einwanderern aus Litauen, Bessarabicn, Polen und anderen osteuropäischen Ländern zusammen. Juden aus Deuts c 11land sind fast gar nicht hier eingewandert, ihr Ziel waren die Vereinigten Staaten, Zionismus in Kanada trägt osteuropäisches Gepräge, amerikanisiert in der Entwicklungsform und pauperisiert durch die wirtschaftlich schwache Situation der kanadischen Juden. Intensität zionistischen Lebens fehlte, da die räumliche Entfernung zu Palästina und den Ländern jüdischer Massensiedlung im europäischen Osten sehr groß ist und das Bedürfnis nach Freiheit und normalen Lebensbedingungen hier im Lande volle Befriedigung fand. Die Ereignisse im Judentum Deutschlands erregten zwar Anteilnahme und Mitgefühl, aber eine tiefere Erschütterung war nicht zu spüren, bis vor einigen Monaten Frau Jettka Lev y-Stein nach Kanada kam, um eine Aktion für die Jugendalijah hier durchzuführcn. Die Idee der Jugendalijah eroberte Boden, das Interesse wurde wach und die erste Begegnung mit einer Vertreterin des Zionismus aus Deutschland wurde allen zum Erlebnis. War den kanadischen Juden trotz, aller zionistischen Erziehung doch Palästina immer nur als Zufluchtsstätte für unsere östlichen Brüder erschienen, so wurde uns hier ersterneut gewaltige Kraft aufwenden muß, um nicht von diesen Sorgen erdrückt zu werden, seine Stimme mit dem Appell erheben: Helft heute neben aller Hilfe, zu der Ihr im Interesse der Juden in Deutschland verpflichtet seid, detn Keren Hajessod, damit er aus der Not der gegenwärtigen Tage verdoppelte Arbeit im Interesse unserer Glaubensgenossen in Erez Israel entwickeln kann! Heute gilt es neben den großen Aufbauarbeiten auch der Sorge um die Not des Tages in Erez Israel. malig die Idee eines geistigen Zi o n i s m u s nahegebracht. Die zionistische Organisation Kanadas lud Jettka Lcvy-Stein ein, eine Vortragstournce durch das ganze Dominium zu machen, die sie von Halifax an der atlantischen bis nach Viktoria an der pazifischen Küste führte. Kanada ist doppelt so groß wie USA., 150000 Juden sind über das große Gebiet verstreut, und die Entfernungen für europäische Begriffe sind ungeheuer. Zweck der Tournee war die Propagierung der Idee der Jugendalijah, für die eine Aktion neben Keren Hajessod und Keren Kajemeth im Rahmen der United Palcstinc Campagne durchgeführt werden sollte. Sic wuchs sich jedoch zu einem Trimnphzug des Zionismus aus, wie ihn unser Land seit langen Jahren nicht erlebt hat, In allen Städten überfüllte Massenversammlungen, zahllose private Veranstaltungen, Radioansprachen und Interviews. Die fiihrenden nicht-jüdischen Klubs veranstalteten Empfänge und Banketts, die Presse brachte spaltenlange Berichte, die Jugend veranstaltete Umzüge. Es gelang Jettka Levy-Stcin, führende Politiker für die Idee zu gewinnen und als durch Vermittlung von Mr. A. J. F r e i m a n, dem Präsidenten der zionistischen Organisation Kanadas, der Governer-Gcneral von Kanada, Lord Tweedsmuir, eine Ansprache bei der Eröffnung der Campagne zusagte, lud der National Council Frau Jettka Levy-Stcin ein, die Leitung der United Palcstinc Campagne zu übernehmen. Das Dinner in Montreal anläßlich der Eröffnung des Drives war ein historisches Ereignis im Leben der Juden Kanadas, die Ansprache Lord Twecdsmuirs eine sehr starke zionistische Kundgebung. G. S. Der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden teilt mit, daß die Verhandlungen mit der Landesgemeinde der Jüdischen Religionsgesellschaft im Landesteil Oldenburg- Birken feld und den zur Landesgemeinde gehörigen Synagogengemeinden zu dem Anschluß dieser Gemeinden an den Preußischen Landesverband geführt haben. Damit ist diese oldenburgische Enklave, die an das Saargebiet grenzt, nunmehr gleichfalls in das Arbeitsgebiet des Preußen- Verbandes einbezogen.