Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 48 (16.6.1936)
- Date
- 1936-06-16
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seih» TJ JODtSCHERUNDSCHAU Nr. 46, 16. Vt 1936 Jüdische Feiertag und Arbeitsruhe Ein• Entgegnung Fragen, die auf Erörterung harren, ins Rollen gebracht zu haben, ist durchaus dankenswert. Daher soll durchaus anerkannt werden, daß Dr. Wolfsberg durch seine Ausfülmmgen in Nr. 38 vom 12. Mai 1936 zur Frage der Feiertage und der Arbeitsruhe sich ein Verdienst erworben hat. Aber einen Vorschlag zu einer würdigen Lösung hat er nicht gegeben. Auch hat er die Ursachen, die das Verlangen nach mehr Ruhe hervorrufen, nur einseitig, man möchte sagen vom hygienischen Standpunkt aus betrachtet. Es gibt aber für dieses Verlangen nach mehr Arbeitsruhe einen m. E. noch viel wichtigeren Grund. Mit bewundernswerter Zähigkeit und Ueberwindung oft ungeheurer Schwierigkeiten geht hier alles an seine Arbeit, Mann und Frau, Junge und Mädchen. ״Es geht der Mensch an seine Arbeit und an seinen Dienst bis zum Abend“, diese psalmistische Darstellung reicht für die arbeitende Hand im Erez Israel der Gegenwart nicht aus. Der Arbeiter hat seine begrenzte Arbeitszeit — acht Stunden —, aber der Weg zu und von der Arbeitsstätte verlängert diese Zeit oft um ein Drittel oder mehr, und die Anstrengung während der arbeitenden Zeit ist zweifellos größer als sonstwo. Der Kaufmann steht in seinem Laden von morgens bis spät in den Abend hinein, die Kaufleute der Lebensmittelbranchc bis in die Nacht hinein. Und jeder — die Hausfrau nicht zu vergossen, die unbeschränkte Arbeitszeit hat — ist ermüdet von der Arbeit, von der Witterung, so daß man sich also zeitig und müde zu Bett begibt. Bei dieser anstrengenden Arbeit leidet das ״Geistige“. Man gewinnt nicht den starken Willen, sich einer wertvollen Lektüre, einem geistigen Vortrag, dem ״Lernen" zu widmen. Es kann hier nur angedeutet werden, welche schweren Folgen gerade diese Vernachlässigung für das religiöse Judentum hat. Es wird das religiöse Leben nur noch gelebt und nicht mehr erlernt und erlebt. Man macht sich nicht mehr mit den Gedankengängen der Weisen der Vorzeit bekannt, man ״lernt“ nicht mehr vor den Feiertagen die Gesetze, d. h. die wertvollsten Gedanken des Festtages, sondern man begeht ihn in alter Gewohnheit, ohne neue Erarbeitung. Die denkbar ungünstigste Zeit, diesem ״Geiste“ die alten und neuen Freunde wieder zu gewinnen, ist der zweite Feiertag der Galuth. Der Schreiber hat übersehen, daß in Wirklichkeit die Halbfeiertage hier in viel größerem Maße Feiertage und Ruhetage sind als in der Galuth. Handwerker, selbständige und angestellte, arbeiten nicht; im alten Jischuw sind die Läden geschlossen, die Paalim übernehmen keine Arbeit und führen nur die dringendste aus. Die Geschäftsleute des neuen Jischuw halten zwar ihre Geschäfte offen, um immer wieder zu erkennen, daß höchstens die Besucher — wie zu Peßach in Jerusalem — ihre Kunden werden, daß die eingesessene Bevölkerung aber gar nicht erwartet, etwas kaufen zu können; selbst die Lebensmittelgeschäfte kürzen die Zeit des Offenhaltens. Einen dieser Tage noch mehr zum Ruhetage auszugestalten, wird daher nicht gelingen. Was ich dagegen vorschlage, ist — wie ich gehört habe —! schon erwogen worden: 1. Die Arbeitszeit der Kaufleute und der kaufmänirischen Angestellten muß verkürzt werden; Ladenschluß um 7 Uhr, bei Lebensmittelgeschäften um 8 Uhr, in Restaurationen usw. um 9 Uhr muß zwangsweise erreicht werden. Dadurch wird der Müdigkeit ein wenig von ihrer Schwere genommen und jedem noch die Möglichkeit gegeben werden, etwa von 8.30 bis 9.30 Uhr eine geistige Stunde zu genießen, die ihn über den Arbeitstag hinaushebt und ihn eine Welt sehen läßt, die das Vergängliche überdauert. Und auch der Beginn der Arbeitszeit sollte nicht mehr der Willkür des Einzelnen überlassen, sondern zwangsläufig festgesetzt werden, damit nicht jeder aus Furcht vor der Konkurrenz des anderen nicht früh genug in sein Geschäft kommt, zu einer Zeit, die bestimmt!seine Kundschaft erwarten läßt, 2. Ein freier Nachmittag müßte in jeder Woche geschaffen werden, der zum größeren Teile dem Sport und körperlichen Uebungen gewidmet sein soll, dann aber auch Zeit für geistiges Schaffen läßt. Hier — vielleicht auch anderswo verspürt man nach drei Tagen bestimmt das Verlangen nach Entspannung, vielleicht gar schon nach wirklichcm Ausruhen. Dieses Äusruhen heißt nicht schlafen, sondem Kopf und Hand ruhen lassen von dem Einerlei und dem Zwang der Arbeitslast. Das Zusammensein mit der Familie wird die Bedeutung dieser Freiheit erhöhen, und das Freisein von religiöser Pflicht, das dem einen Herzenssache, von dem anderen zwangsläufig geübt werden muß, wird die Annehmlichkeiten dieses Erholungstages steigern. Rabbiner Dr. A. P o s n e r, Jerusalem Feste Um die Neugestaltung Aus T e 1 ־ A w i w wird uns geschrieben: Im ״Dawar“ schreibt Jizchak Schweiger: Auf der Tagung des Kibbuz Haarzi des Haschomer Hazair wurde gefordert: ״Feiern wir Peßach als Frühlingsfest, Ssukkoth als Fest des Herbstes, Chanukkah als Fest des Lichtes!“ Warum? Wir kennen wohl die Hemmungen, die unseren Festen gegenüber bestehen. Aber es wird noch die Zeit kommen, wo unsere Feste uns und unseren Kindern zurtickgegeben werden werden. Ja, schon jetzt vertieft sich trotz aller Manifeste in den Siedlungen das Verhältnis zu den Festen und wird ernster. Die Sedemacht wird wieder zur erhebenden Feier. Nicht die Festrede steht im Mittelpunkt, sondern die Verlesung der Hagadah. Freilich, es ist eine neue Hagadah, und daher nicht eine einzige Hagadah, sondern viele lokale Hagadot, denen allen ein Fehler anhaftet: der Provinzialismus: Aus den Worten ״gering an Zahl kamen deine Väter“ macht man in den Siedlungen die Geschichte jedes einzelnen Punktes. So heißt es in der Hagadah von Naane: ״Gering an Zahl kamen wir hierher, 43 Menschen, und heute nacht sitzen hier um den Tisch 400 Menschen, und wir alle ernähren uns von unserer Arbeit, in der Wirtschaft und im Handwerk ... und 436 Dun am sind unser ... und es wurden uns 10 Kinder geboren ... und wir brachten auch Eltern aus der Diaspora, und bald werden zu uns 40 Kinder aus der Diaspora kommen.“ Und aus der Hagadah von Giwat-Haschloscha: ״Es kam ein Auto ins Lager und ihm entstieg Jehoschua, der Erloser des Bodens ... und es sprach zu ihm Chaiim, der Mann der Arbeit: ״Gib uns den Boden, ich bin dir Bürge für das Geld“ ... Und so wurde das Land zum Besitz der Bearbeiter, und sie gedenken der Güte und Zuverlässigkeit Jehoschuas, des Erlösers des Bodens und sie erzählen davon ihren Kindern.“ Es ist sicher gut, daß sich die einzelnen Siedlungen alle Einzelheiten ihrer Geschichte für sich selbst aufzeichnen. Aber sind diese Aufzeichnungen passend für ein Fest des ganzen jüdischen Volkes? Nehmen wir unseren Text aus unserer alten Hagadah. Sie bedarf solcher Erneuerungen nicht. — Mit welcher Prätension wird uns immer wieder von dem Charakter unserer Feste als Natur feste erzählt! Die Tendenz ist: Rückkehr zur archäischen Primitivität und Abwerfen unseres Joches, des mcnschlicli-jüdischen Schicksals. Unser Volk aber ist nicht im Kusse spielender Götter geschaffen worden, sein Herz war der Mund für alle Wunden der Welt, und ein solches Volk hat nicht das Recht ״Natur• feste“ zu spielen. Die jüdischen Feste sind weniger der Ausdruck einer ״natürlichen Freude“ als Trost und Hoffnung»■ botschaft für Menschen, denen Freude und Jubel entschwunden sind. Und weit mehr als in ihnen der feststehend« Jahresabschnitt gefeiert wird, wird in ihnen der kommende Tag gefeiert, der noch nicht da ist und doch kommen muß und dem der Jubel des Festes gilt. Mehr als der Frühling wird am Peßach die Spaituhg des Meeres für die Befreiten gefeiert, und mehr als die Ernte am Schawuoth die innere Konstitution der Weit, die Offenbarung des göttlichen Geistes, des Herrn über alle Naturgesetze und alle weltlichen Dinge. Gerade in Palästina sollte man das verstehen! Man sollte nicht aus falschen Ueberlegungen dem jüdischen Volke die Kinderschuhe anziehen, die es längst abgestreift hat, und sich dieser Tat noch rühmen. Jüdischer Gottesdienst in Jerusalem Anläßlich der Nachricht, daß die Absicht bestehe, in Jerusalem liberale Gemeinden zu gründen, schreibt S. Ben-Chorin in der orthodoxen Zeitschrift ״Hahed“: ״Es ist unmöglich, daß ein Westjude an einem ostjiidischen Gottesdienst Befriedigung findet. Ich gestehe, daß die Betsäie, die Unordnung und Unruhe beim Gebet, das Lärmen der Kinder, die Verschiedenheit der Gebetsordnung mich ihm entfremden. Auch der scphardische Gottesdienst zieht mich nicht an. Ich wie viele meinesgleichen fühle mich nur in einer Synagoge wohl, in der der Gottesdienst in einer Weise vollzogen wird, die der ähnlich ist, an die wir von Kindheit an gewöhnt sind. Ich will damit nichts gegen den ostjiidischen Gottesdienst sagen. Sicher würde sich auch ein Chassid in einem westjiidisdien Gottesdienst nicht wohlfühlen. Aber diese psychologische Tatsache hat durchgreifendere Folgen, als man von vornherein annehtneri möchte. Ich kenne in Jerusalem viele Juden, die in Deutschland zum mindesten jeden Schabbat die Synagoge ■besucht haben, während sie es hier nicht tun.!)lese Menschen werden vielleicht einmal die zukünftigen liberalen Synagogen besuchen, aber es wäre leicht, sie bei der überlieferten Form des Gottesdienstes zu halten, wenn dieser in ihrem Sinne eingerichtet wäre. Auch das Beten in aschkenasischer Aussprache, wie es fast in allen aschkenasischen Synagogen Jerusalems üblich ist, ist ein schwerer Fehler. Dadurch vertieft man den Abgrund zwischen Gebet und Leben.“ Prüfung hebräischer Kenntnisse Aus Tel-Awiw wird uns geschrieben: Seit Längerer Zeit wird in der hebräischen Presse die Einführung einer Prüfung der hebräischen Kenntnissc vor der Erteilung des Zertifikats diskutiert. Verschiedentlich ist die Forderung: ״Kein Zertifikat ohne hebräische Kenntnisse“ vertreten worden, aber auch Bedenken sind geltend gemacht worden. Viele sicher wertvolle Kräfte werden auf diese Weise von der Zertifikatsertei- Jung ausgeschlossen werden, und es würde auch Unrecht sein, nur die mittellosen Einwanderer dieser Erschwerung zu unterwerfen, während Kapitalisten von den Palästina-Aemtcrn und damit auch von dieser Beschränkung unabhängig sind. Itn ״Da war" wird zu dieser Frage ausgeführt: Alle Einwände müssen vor der palästinensischen Wirklichkeit verstummen. Zwar ist die Forderung nach Umstellung in eine neue Sprache eine große, und sie ist sogar dazu angetan, die kulturelle Aktivität eines Menschen zeitweise zu schwächen. Aber die Erfahrung lehrt uns, daß ein ernstes Studium von 2—3 Jahren genügt, um ein neues kulturelles Leben innerhalb des rfebräischcn zu ermöglichen. Das Fehlen hebräischer Kenntnisse bedeutet aber den Ausfall des betreffenden Menschen für jede Kulturarbeit in Palästina. Die Erwachsenenbildung in. Palästina würde auf einer ganz anderen Stufe stehen, wenn die Kulturarbeifer sich das Erlernen des Hebräischen zur Pflicht gemacht hätten. Die Erfahrungen der letzten Jahre haben uns gelehrt, daß die Erlernung des Hebräischen der Einwanderung voraus geben muß. Der Einwanderer steht nämlich nach seinem Kommen ins Land vor einer solchen Fülle von Problemen, die seine physischen und geistigen Kräfte voll In Anspruch nehmen, daß für die Erlernung der Sprache nichts mehr übrigbieibt. Und dazu kommt noch, daß seine Unken ntms der Sprache ihn bei seinen ersten Schritten im neuen Lande sofort in schweren Nachteil bringt Man kann nur bedauern, daß cs unmöglich sein wird, auf die Einwanderung der Kapitalisten in gleicher Weise Einfluß zu nehmen wie auf die der Zertitikatsinhaher. Aber wie die Dinge nun einmal liegen, ist die Kapitalist mein Wanderung nur von dein Besitz des Geldes, die Einwanderung des (:haiuz aber von der Erfüllung gewisser Bedingungen, von einer Vorbereitung (Machscharah) abhängig, ln diese Vorbereitung muß eben die Erlernung des Hebräischen einbezogen werden. Es ist wahr, viele wertvolle Menschen, wie 7 rumpeldor und Ruthenberg, konnten kein Hebräisch, als sie nach Palästina kamen. Aber wir dürfen nicht übersehen, daß -ich die Zeiten seither geändert haben. Jetzt ist das Hebräische in der ganzen Diaspora verbreitet, es gibt in allen Landern die Möglichkcb, Hebräisch zu lernen, und andererseits ist der Zustand in Palästina durch die Masseneinwanderung weit kritischer geworden. Sollte man es wirklieh für möglich halten, daß wertvolle Elemente von zionistischer Eiesinnung sich durch die Forderung, das Hebräische zu erlernen, von der Einwanderung zurückhatten lassen werden? Werden wir solche Menschen wirklich wegen Unkenntnis der Sprache zuruckweisen müssen? (Anm. d. Redaktion: Für Einwanderer aus Deutschland ist die Prüfung in Hebräisch vor Erteilung der Zertifikate durch das Berliner Palästina- Amt bereits obligatorisch gemacht worden.) Der Chaluz und das Hebräische Aus Tcl-Awiw wird uns geschrieben: Im ״Dawar“ behandelt S. Eisenstadt das Verhältnis des jüdischen Arbeiters zur hebräischen Sprache. Er führt unter anderem aus: Es ist bekannt, daß die Presse, die Autrufe der Kibbuzim und der verschiedenen Organisationen voll von neuen Sprachbildunget! sind, gleichzeitig aber zeigen sich in ihnen auch viele unschöne und überflüssige Fremd- Wörter. Jn einem der Kibbuzim unternahm es ein Mitglied, Tag für Tag am Pflug, am Eßtisch, im Kuhstall, im Hühnerstall und in der Versammlung Notizen über die Sprache im Kibbuz zu machen. Dabei verzeichn ete er ein gedrungene Wörter aus fremden Sprachen, für die es kein gebräuchliches hebräisches Wort gab, Tätigkeiten und Begriffe ohne entsprechenden hebräischen Ausdruck, Geräte, für die es keine Bezeichnung gab. Andererseits aber fand er glückliche Neu- Bildungen. So trug er zwei große Hefte zusammen, Soll und Haben des Hebräischen. Diese Hefte wurden der Sprachakademie unterbreitet, als Unterlage für die Notwendigkeit gewisser Ergänzungen. Dieses einzelne Beispiel zeigt, wie wichtig ein enger Zusammenhang zwischen den Arbeitern und den Behörden ist, die mit der Pflege des Hebräischen betraut sind. Man braucht sich gegenseitig: Der Chaluz kann die Entscheidung nicht ohne die Hilfe der Wissenschaftler fällen, und diese kennen wieder ohne den Chaluz die wahren Lücken der Sprache und auch ihre lebendige Fortentwicklung nicht. Kindererziehung in Palästina Im ״Hed hachinuch“, dem Organ der jüdischen Lehrerichaft Pala-tinas, veröffentlicht Dr. S. Rosenbau m einen Artikel 1115er die Erziehung unter ärztlichem Gesichtspunkt, dem wir folgendes entnehmen: ״Die Erziehung in Palästina ist durch das Bestreben gekennzeichnet, Menschen aus den verschiedensten Kulturkreisen an einem Orte zu sammeln. Dazu kommt noch die Abkehr von alten Traditionen und die Eingehung neuer Bindungen in vielen Familien. Sodann die Beschränkung der Kinderzahl, durch die ein wertvoller erzieherischer Faktor verloren geht, da kaum mehr gleichaltrige Geschwister vorhanden sind.'״Unsere Jugend war so schwer, geben wir unseren Kindern mehr Lebensfreude!“ meinen die Eltern. Solches Streben nach Weite und Freiheit trat in den meisten Ländern in den ersten lahmt nach dem Kriege sehr stark hervor. Aber gerade bei dieser ganz in Freiheit erzogenen Jugend fanden wir das starke Streben nach Unter- Ordnung unter den Willen andeier. Es unterliegt keinem Zweifel, daß wir in Palästina uns auf der ersten Stufe eines solchen Experimentes befinden, und Lehrer und Erzieher scheinen unfähig, diese Entwicklung zu steuern. Die schwere Sprachenfrage hat alle Kräfte der Lehrer verschlungen. So war nicht genug Zeit geblieben für erzieherische Fragen von großer Bedeutung. Das war ein Grundfehler, denn gerade ein erwachendes Volk bedarf einer disziplinierten Jugend mehr als jedes andere. Den Lehrern liegt es ob, dieser Forderung Genüge zu tun und auch auf das Elternhaus in dieser Riehtung zu wirken. Wie jede erzieherische Wirkung so kann auch diese nur durch das Vorbild erzielt werden. Die Lehrer müssen sich dieser Aufgabe, die ihnen ihr Beruf und die Forderungen der Zeit stellen, ganz hingeben. Sie müßten Vorbilder disziplinierter Lebenshaltung sein, die nicht mit blindem Gehorsam identisch ist.“ Palnews. Wirtschaftsjahrbudi für Palästina 1936. Redakteur E. Ben-Horin, Verlag Palnews, Tel-Awiw. Der 2. Jahrgang dieses Wirtschaftsjahrbuches ist in Hebräisch, Englisch und Deutsch erschienen. Das Buch enthält eine Reihe sehr instruktiver Aufsätze, die sich in ihrem ersten Teil mit den allgemeinen Fragen der palastinensischen Wirtschaft beschäftigen. Der 2. Teil gibt sodann Uebersichten über die wichtigsten Wirtschaftszweige, während in einem 3. Teil eine Reihe von Tatsachenangaben zusammengestellt sind. Das Jahrbuch stellt einen guten Führer insbesondere durch die jüdische Wirtschaft Palästinas dar. Von der Woche Trotz den Schwierigkeiten der letzten Wochen wurde bei Chedera eine neue Arbeitersiedlung eingeweiht, welche Neve-Chaim (nach Arlosoroff) heißen wird. Bisher sind mit Hilfe des ״Nir“ 40 Häuser fertiggestellt worden; der Bau von weiteren 200 ist vorgesehen. ln N a t h a n i a w׳urde eine Landregistratur eröffnet. Dokumente betreffend die jüdischen Siedlungen im nördlichen Scharon wurden aus dem Kataster-Amt in Tulkerem in die neue Registratur überführt. Die Jewish Agency, der Waad Leumi und die Stadt- Verwaltung von Tel-Awiw haben eine gemeinsame Aktion zur Aufbringung von Mitteln für Häuserbau und Schafftme von produktiven Arbeitsmöglichkeiten für die Opfer der Unruhen eingeleitet. An der Spitze der Aktion stehen Ussischkin, Dizengoff und Vertreter der führenden nationalen Körperschaften. An der Tel-Awiwer Küste wurde eine Sanddüne aufgeschüttet, um die jüdischen Arbeiter im neuen Hafen gegen etwaige Angriffe von Jaffa zu schützen. Die englischen Versicherungsgesellschaften haben 1t. ״Europapreß“ unter Führung von Lloyds die Prämien für Reisen nach Palästina wesentlich erhöht. Sie verlangen Kriegsversicherungs-Sätze. Bei 15tägigem Landaufenthalt beläuft sich die Prämie auf 5 0/0 und bei 30tägigem Landaufenthalt auf 10 %. Die Trauerfeier zum Andenken an Dr. Cliaim Arlosoroff, die am Sonnabend in Jerusalem stattfinden und bei der Mosche Shertok die Gedenkrede halten sollte, ist abgesagt Worden. Amjahrestag von Arlosoroffs Tod fand ein Gottesdienst an seinem Grabe auf dem Tel-Awiwer Friedhof statt. Angesichts der Lage hatte die Regierung ersucht, die Zahl der Teilnehmer zu beschränken und keine Reden zu gestatten. Die Sendung des palästinensischen Rundfunks am Abend de« IX Juni war seinem Andenken gewidmet Vortrag von Justizrat Dr. Magnus an der Universität Jerusalem. Von der Universität Jerusalem zu einer Gast- Vorlesung aufgefordert, sprach Justizrat Dr. h. c. Julius Magnus am 12. Mai üj>er den Einfluß der Juden auf das Recht Nach einigen einführenden Worten des Oberrichters F rum kin vom Obergericht Jerusalem namens der Universität, begann Magnus mit einer Würdigung des Wirkens Moses Mendelssohns und seines Einflusses auf das Recht seiner Zeit. In Oesterreich war es unter Joseph II. Freiherr Joseph von Sonnenfels, ein Katholik jüdischer Abstammung und Enkel eines Rabbiners, der die große Rechtsreform durchführte. Sogar erste Ansätze des Theaterrechtes und des Arbeitsrechtes gehen auf diesen Juristen zurück, dessen größte Ruhmestat der siegreiche Kampf für die Ab• Schaffung der Folter bleibt. Späterhin standen noch zwei Männer jüdischer Abstammung in vorderster Linie der Rechtswissenschaft: Glaser und Joseph Unger. Von bedeutenden jüdischen Juristen in höchster richterlicher Stelhing in England besprach der Vortragende die starke Persönlichkeit von Sir George J e s s e 1, dann den Lord-Kanzler Hershell und vor allem Sir Rufus Isaacs (Lord Reading), von französischen großen Juristen jüdischer Abstammung Gambetta und Cremieux. In Italien, den Niederlanden und Amerika finden wir Juden in höchsten Stellungen des Rcchtswesens: die Juristcnfamilie Ass er in den Niederlanden, Mortara und die beiden Oft ölenghis in Italien; Brand eis und Cardozo in Amerika. Die zahlreich erschienenen Hörer aus Fach- und Laienkreisen verfolgten die Rede mit Spannung und spendeten am Schluß lebhaften Beifall, nachdem Oberrichter Fr um kin für die Universität und Dr. Smoira namens der palästinensischen Anwaltschaft ihren Dank ausgesprochen hatten. Lotte Baerwatd Der erste Dr.- phii-Titel der Hebräisches Universität wurde dem Studenten Raphael Patai verliehen. (Schlua des Palistlm-Telb)