Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 48 (16.6.1936)
- Date
- 1936-06-16
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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JÜDISCHE RUNDSCHAU l NR. 48,16. JUNI 1936 Veranstaltungen Zwei Malerinnen und ein Maler Die Juni-Ausstellung des Reichsverbandes jüdischer Kulturbünde im Klubheim Marburger Str. 5 zeigt diesmal das Werk des Malers Kurt Jansen und zweier begabter Malerinnen, der jungen Annet-Schülcrin Uli Blumen au und der interessanten Lotte Hagelberg, einer Schülerin von Röhricht und Lotte Laserstein. Neben den begabten Malerinnen hat Kurt Jansen einen schweren Stand. Er ist Akademieschüler, aber durchaus kein Akademiker. Man merkt die Erinnerung an die gründliche Schulung höchstens in seiner klaren besonnenen Art gewissenhafter Zeichnung als Grundlage, die sich selbst in der Hingabe an den malerischen Eindruck nicht verleugnet und ihm nützt. So sieht man eine kleine Wand mit Gemälden kleineren Formats, die gut gesehen und gut gemalt sind, die Porträts ebenso wie die Landschaften. Obwohl Jansen in erster Reihe Landschafter ist, — besonders schön ein ״Blick auf den Funkturm“ auf einem Sommerbild mit rosa Wolken, oder ״eine Straße in Steglitz.“, oder einige Dorfstraßen aut Bornhoim und andere Nordlandsgegenden, so gelingen ihm doch in Haltung und Farbgebung kleine Kabinettstücke im Porträt wie die nähende junge Frau auf der erwähnten schmalen Wand. Oder auch die junge Frau neben der Aurt Jansen: Porträt Foto•: J. Abraham Lotte Hagelberg: Blick aus dem Fenster Lili Blumenan: Norwegen Pot . fl. Sonnenfel<$ modernen Lampe in den Aquarellen. Ein kleines Oemälde — eine Vorsta-dtstraße von Paris — erinnert in den Farben der Gartenmauern und im Licht an südfranzösische Land• schäften. Ein Stilleben, schmale Mohrrüben neben einem Wasserglas, ist gut abgestimmt in den Farben und eine reife gute Leistung. Die Gemälde Lili Blumenaus haben fast alle großes Format und zwei von ihnen verleugnen nicht die Schule der Annet. Sehr gut gemalt sind sie, virtuos, und es sind in der Malerei des gut getönten Hintergrundes die dunklen Annet-Farben, die wir sehen. Die herrliehen Pfingstrosen in weiß und gelben Tönen, eine weinrot und eine weiß und bläulich schimmernd, zeugen für diese gute Schulung, ebenso das Stillcben mit der Zeitung Candidc. Wichtiger ist es. daß Lili Blumenau in erstaunlich gut gemalten und gut komponierten Gemälden ihren eigenen Ton gefunden hat. Gut in den Farben ist besonders ״Der Kuhstall“, eine Kuh und, daneben Hegend, ihr Kälbchen im gedämpften Licht des Stalles, reizvoll in den Farben, das Weißblau der Wand und das Licht im kleinen vergitterten Fenster. Lili Blumenau hat bereits mit 18 Jahren in der Großen Berliner Kunstausstellung ausgestellt. In Paris hat sie viel gelernt. Ein Aquarell ״Pariser Blumenstand“ ist so frisch in Zeichnung und Farben und bis in die Form der Buchstaben und die Haltung der Blur ciifrau 7-vakt pariserisch, wie man es sonst nur den echten Parisern zutraut. Lyrisch tiinmt ist dag. Vorstadtgarten in Paris mit hellrotenHochstammrosen, mit großen hohen, schmalen Lilienhlätteru am Hausrand, mit den hohen Pariser Fenstern und dem Baumgrün über der Gartenmauer. Der Schauspieler Grünbaum als Bauernsohn in den ״Grünen Feldem“ ist in der Haltung und im Stimmungsausdruck gut wiedergegeben, eine Chaluzali im roten Kopftuch gleicht in der Haltung und in der Art, den schwarzen Rock zu tragen, eher den Pariser Modellen, besonders einem spanisehen Mädchen, das Kisling 1929 gemalt hat. Eine ganz andere Art offenbaren die Gemälde und Zeichnungen von Lotto Hagelberg. Nicht so glanzvoll und virtuos wie die junge Lili Blumenau, sondern kühler in den Farben, aber nicht weniger gut und interessant. Ein Aquarell aus Alt-Berlin in weiß und hellen blauen Konturen, die Straße mit alten Häusern, das Ganze in zarten hellen Aquarellfarben zeigt gute Malkultur. Sie hat sich von den Farben der Röhricht-Schule schnell freigemacht. Zwar zeigt die eine der beiden Tiroler Landschaften die bekannte Röhrichtpalette, das tiefe Grün, ein Rot, ein Gelb, aber dasselbe Motiv zeigt ein anderes Gemälde bald in ihren eigenen Farben, dem hellen Blau, dem Grün, dem Grau, dem Blaugrau des Hauses der Dorfstraße mit einem Stückchen Smaragdgrün im Vorgarten; sorgfältig gemalt ist der Weg mit der braunen Wager.rpur und den vielfarbigen Tönen im Schatten. Frisch gemalt ist ein kleines Winterbild mit den roten Konturen an der Hauswand, die einen grünen Schimmer trägt. Lotte Hagelberg ist virtuos in der Zeichnung, besonders gut die ״Segelboote“ (Kohlezeichnung) und ein Aquarell mit zwei an Tischen lesenden Damen. Ein Mädchenporträt in Braun verrät in der Art, die Augen zu malen, die gute Schule Lotte Lasersteins. Ein reife Arbeit; beachtenswerter Nachwuchs. Hanna Schlesinger Abraham und Isaak. In der ״Gestalten der Bibel״ betitelten Vortragsreihe des Jüdischen Lehrhauses sprach Dr. Fritz Bamberger über Abraham und die Opferung Isaaks. Er nahm dabei eine Dreiteilung vor, indem er zunächst den Text in der Buber-Rosenzweigschen Uebersetzung vorlas, danach die Ausgestaltung und Kommentierung in der jiidisehen Tradition behandelte und schließlich die Fortentwick- Iung in der jüdischen und nichtjüdischen Weltliteratur beleuchtete. Fast jedes Wort der Erzählung hat Anlaß zu Fragen und Erörterungen gegeben: Warum hat Abraham seinen Esel selbst gesattelt? Aus welchem Orunde wird er zu Beginn der Erzählung nur einmal und vor dem Altar zweimal mit Namen aufgerufen? Warum dauert der Weg zum Berge Moria drei Tage? Wie alt war Isaak zu jener Zeit? Die Erzählung selbst wird in zahlreichen Midraschim breiter ausgestaltet und nach den verschiedensten Richtungen hin ausgesponnen: Isaak wird teils als heiter und gefaßt, teils als verzweifelt und wehklagend dargestellt, Vergangenheit und Zukunft werden einbezogen, Nebenelemente wie etwa der Altar, der Esel, der Widder, ja sogar die Hörner des Widders erhalten selbständige Bedeutung. Später hat die mittelalterliche Philosophie sich vielfach mit der Opferungserzählung beschäftigt, wobei das Problem, ob Gott seinen einmal gefaßten Entschluß ändern kann, die Hauptrolle spielte. Für das jüdische Mittelalter erhielt der Begriff der Akeda im Zusammenhang mit den blutigen Verfolgungen der Kreuzzugszeit eine neue und furchtbare Bedeutung. In der Neuzeit hat die Abrahamsgestalt besonders Sören Kierkegaard stark beeindruckt, der in seinem Buche ״Furcht und Zittern“ Abraham als den schlechthin Frommen dargestellt hat. Günther Looser Von synagogaler Musik. Dr. Oskar Guttmann vermittelte in einem Kulturbund-Vortrag einen Ueberblick über die großen Entwicklungslinien dieses Gebietes, wobei er die Problematik des heutigen Bestandes scharf hervorhob. Die jüdische Musik des Altertums, insbesondere auch die musikalische Liturgik des Tempels, von der uns keine Probe überliefert ist, trug, wie rückschließend festgestellt werden kann, alle Merkmale antik-orientalischer Musik. Auf Grund der Reste griechischer Musik sowie der seither wenig _gewandelten Praxis des Vorderen Orients lassen sich gewisse Wesenszüge auch der altjüdischen Musik umreißen. — Nach der Zerstörung des Tempels verschwinden die Instrumente — mit Ausnahme des Schofar — aus dem Gottesdienst; der Gesang freilich bleibt, trotz der Diskussionen um seine Berechtigung, erhalten und findet im Chasan seinen Träger, ln den langen Jahrhunderten des Galuth erfolgt eine weitgehende Angleichung an die Stilarten der Umwelt, so daß mit der Zeit alles Gemeinsame im Melodiegut der einzelnen Zentren geschwunden ist. Die westeuropäische Reform der Eman zipationsepoche wirkt noch mehr auf lösend, namentlieh das Eindringen der dem Orient fremden Mehrstimmigkeit, deren Bahnbrecher schon zweihundert Jahre vor Lewandowski und Sulzer Salomone Rossi wurde. — Erst heute tritt ein gewisser Umschwung ein, verkörpert durch Namen wie Schallt, Dymont, H. Adler u. a. Ziel ist eine Synagogenmusik, die als ein legitimer Ausdruck jüdischer Religion einen gleichermaßen liturgiegerechten wie stilistisch ausgeprägt jüdischen Charakter trägt. —-y—1 Die Tänzerin Else Dublon ist wieder in Berlin. Als Mitglied der Truppe Trudi Sclioop ist sie durch ganz Nordamerika gereist, dann in England aufgetreten, jetzt hält sie sich lür eine begrenzte Zeit in Deutschland auf Donnerstag, 18. Juni, 20.30 Uhr, Loganhaus, Klalatstr. 10 S.TSCHERTOK Zwischen Sicherheit u. Freiheit Bilanz einer Palfistinareise Vorsitz: Benno Cohn BERLINER ZIONISTISCHE VEREINIGUNG Westliche Bezirks und begibt sich bald auf eine neue Tournee, die sie n. a. auch nach Mittelamerika (Mexiko) führen wird. In kleinem Kreise plauderte sie von ihren Erlebnissen auf ihrer erfolgreichen, viele Monate dauernden Fahrt, von tänzerischen und musikalischen Ereignissen. Die Arbeit in der Gruppe, in der der Einzelne nur ein Teil des Ganzen ist, hat sie sehr befriedigt. Ihr Wunsch ist, einmal eine rein jüdische Tanzgruppe zusammenstellen zu können und die Welt zu bereisen, um zu zeigen, ״wie die Juden sind“, ln ihrem am 2. Juli stattfindenden Berliner Abend wird sie ausschließlich jüdische Bilder und Tänze bringen. Sie erklärte, daß sie hinter ihnen mit besonderer Ueberzeugung und Gefühlskraft stehe. th. ,,Im Cheder“. Das Studio des Bezirks Friedrichshain entwickelt sich mehr und mehr zu einer lebendigen Theatergruppe, die es versteht, ostjüdische Volkskunst einem interessierten Publikum näherzubringen. Nach einem Schoiem Alejchem-Abend fand am Sonnabend in einem Kleinkunst- Abend die Aufführung des Einakters ״Im Cheder“ statt, die neben den bewährten Mitspielern Salznian n, W u r - zeidorft und Jäger zwei neue Kräfte, Rose Lichtenstein und Elli Herz, hatte. Die Iszcnierung führte M. S a 1 z m a n n, die Leitung des Studios liegt bei J. Haubenstock. Familien - Nachrichten H«f Mar Cohn, Isr. Heimathaus, Gormamisü. 3, begeht am 18, Juni den 80. Geburtstag. Bar Mizwah -Termine Am 20. Juni (30. Siw.in): Haus David, Sohn von Dr. Leo David, Reinickendorf-West, Scharnwtborstr. 10S. — Alex II a u b c n s t o c k, Sohn von Jakob llaubenstoek, Heilin, Goldaper Str. 9a. Veranstaltungen der Bezirke und Gruppen der BZV. Dienstag BZV-Heim, Neukölln, Jägerstr, 6 Hermannplatt 16. Juni» 20.30 Uhr» Dr. A. Gotthtsiner: Bericht von einer Pallstlnarels«. Vor• führung der neuen Palästinamonatsachau Dienstag Caf6 Wittelsbach, Bayerischer PI. 2 Stadtpark 16. Juni, 2030 Uhr, jüdischer Abend: S. Goldschmidt: Lehren unserer Zeit. Rezitationen: Max Koninski. — Palästinamonatsschau Mittwoch BZV-Heim, Rosenthaler Str. 44 Fosenthaler Pt, n. Bärte 17, Juni, 2030 Uhr, Lucio Zobel: Palästinabericht. — Vorführung der neuen Palästinamonatsschau Mittwoch BZV-Heim, Landsberger Str. 87 Friedrickshain 17. Juni, 20.30 Uhr, Dr, Edgar Rosen t Engländer, Araber, Juden — die Lehren der letzten Wochen Mittwoch Jüdischer Club, loachiffisthaler Str. 13 Gruppe Barbarostapi 17. Juni, 20,30 Uhr, Scholera Alejchem-Abend, ausgeführt vom Studio. Itm.emerung: M. SaUmann, — Ruth Cohn (Rosen) und Max Koninski Rezitation• Eintritt 75 Pfg. Donnerstag BZV-Heim, Landsberger Str. 87 Chag ivri Friedrickshain 18. Juni, 20,30 Uhr, jüdische Geschichte und Sichah. Leiter: Schichter Sonnabend Logenhaus, Kleirtstr, 10 Grupp* Kalsirphstt 20. Juni, 21.15 Uhr, Oneg Schabbat. Es spricht: Dr, David Schloßberg. Max Koninekl (Rezitation), Adolf Sehwersenc (Gesang), Anna Leichtentrltt (Klavier). — Vorführung der Palästina• Monatsschau. Eintritt 50 Pfg. Sonnabend BZV-Heim, Rosenthaler Str. 44 Chag imri Zentrum 20. Juni, 21.30 Uhr, Es spricht: Dr, Mordechaj Ehrenkran* Sonnabend Konditorei Hansa, Flensburger Str. 19 Chag imri Hansa 20. Juni, 21.15 Uhr, Dienstag, den 23. Juni 1036, 20.30 Uhr, BZV-Heim, KantitraÜ• 54 Da S. SPIRO ״Dia arzti. Arbeit des PalBsbneamtes“ Aussprache ARZTEGESELLSCHAFT FÜR PALÄSTINA DER BERLINER ZIONISTISCHEN VEREINIGUNG m Kleinkunstbühne des Jüdischen Kulturbundes ■ Künstlerische Leitung: M&X Ehrlich im CSfÖ L60FI (Dachgarten), Kurfürstendamtn 155 - Beginn 85־׳; Uhr pänktiieh Dienet«, 16 Der große Erfolg: JtfeineSchwester undJch Mittwoch IT Juni Musik. Spiel V. Berr, Vemaull u. Benetiky. Regle: H. Bexbaea mit MaxEhrllCh. UielettsCehn (Rosen), C.H.JefM ».*. M Der Vorverkauf (J 7 4229) hat begonnen. Einlaß nur mit Kulturbund- oder R..Karte ■■Gastspiel dag Jüdisch•!« Kulturbund•* Mamburg■■ Mittwoch, 17. Juni 193$, 20 H Uhr, BZV-Heim. Orsnlenstraß« 170 Für Frieden und Aumau ln Ernz Israel Kundgebung dar Juden das SUdoaten■ zu den Ereignissen ln PalKstln« Vor*«1: Maurica Hlreehfeld Es sprechen: Rabb. Dr. J. JAKOBOVIT* Dr. SEORB LUBINSKI Dr. DAVID SCHLOSSBERS Berliner Zlonistleoha Vereinigung, Betlrfc 88doe< Synagogenvnreln KoHbancer Wer Sonnabend, Jen SO. Juni 1930, 21.18, BZV-Helei, KanlilriDe 8« DR, WERNER LEVIE BenarnltnkrtUr dne Rnleheverbendee JOdleeher KiHturbOnde ״Kanstieriscnes isnsn in nnstfna“ BERUHEN ZIOHISnSCHE VEEEBHEUHE Balrk Chirlottvnbarf — Ortippe Smignjrptata Chor dar Habanim dt ~Jb Pianos ■ Radio KurfOrstendamm 205 / J1 Bism. 3716 B. NAUMANN dieZ'LiM}'- **TT BRIUTH Gesundheitsratgeber für PALÄST INA Dr. Fritz Noack Medizinatreferent im Prci* 60 Rpf. Waad Leum!, Jerusalem Por,° 15 RPf• Herausgegeben vom Palästina«Amt Berlin Zn beziehen ditrcft den Budihandel oder die Verlags* abteilung der ZVfD, Berlin W 15, Meiaehestr. 10 Treffpunkt der westlichen Gruppen der FAP (Praueflarbettssemeinschah für Palästina) im Wizo-Heivn, Wittenbergpl. 3a" Tssnachmittag« / Gaaalllgaa Baiaammana.in / Vortrags faden Donnerstag, 16.30 Uhr Glsta sind willkommen Am 18. Juni: Or. Frladmann ” (Landschulheim Caputh) Bildung und *rslnhung ln Palästina