Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 48 (16.6.1936)
- Date
- 1936-06-16
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 48, \6. n Ym JTJOrSCHE RüNTTSCHAtJ Seite 11 Altes und neues Haifa 4. Das Beth Chaluzofh in Haifa*) Das Beth Chaluzoth in Haifa dient der Aufnahme und Betreuung derjenigen Chaluzoth, die in der Stadt bleiben und dort ihren Lebensunterhalt finden wollen. Die Chaluzoth der drei ersten Alijoth kamen mit bestimmten Plänen für die Landwirtschaft und auch sonst so gut vorbereitet in däs Land, daß eine besondere Fürsorge für sie nicht erforderlieh war. Erst mit der Masseneinwanderung der folgenden Alijoth, die weit weniger vorgebildete Elemente in das Land brachten, entstand in Palästina die Notwendigkeit — wie übrigens auch in allen anderen Ländern — für diese Mädchen zu sorgen. Die ״Women’s League for Palestine“ in New York war es, die dies erkannte, und in den Jahren 1927 bis 1930 die Mittel für die Errichtung des Beth Chaluzoth in Haifa sammelte. Ueber 9000 Pfund hat sie hier investiert, weitere 12 000 Pfund sind übrigens für die Errichtung eines gleichen Beth Chaluzoth in Tel-Awiw bestimmt. Die Women’s Leaene arbeitete von Anfang an י׳ע- Folo: P»!g>kot, Tel-Awiw meinsam mit der Moazath Hapoaloth gegen verschiedene Widerstände, verlangten doch sogar noch 1931 angesehene Haifaer Bürger, daß das Beth Chaluzoth seinem Zweck entzogen und als Krankenhaus eingerichtet werden sollte. Infolge der großen Einwanderung des Jahres 1933 erwies sich das Gebäude als zu klein. Es hatte ursprünglich 50 Betten, stockte jetzt eine neue Etage auf, die weitere 35 Betten enthält, so daß jetzt etwa 400 Chaluzoth jährlieh aufgenommen werden können. Auch die Schaffung von neuen Gemeinschnffsrhumen ermöglichte die Aufstockung. An den Ausgaben dafür beteiligte sich außer der erwähnten Frauenorganisation der Waad Hadar Hacarmel und die Jewish Agency, insbesondere die Abteilung zur Ansiedlung deutscher Juden. Die im Haus aut Vorschlag der fürsorgenden Organisationen aufgenommenen Mädchen bezahlen etwa zwei Piaster pro Ucbernachtung. Sie haben die Möglichkeit, sich seihst zu beköstigen oder in der kooperativen Küche zu speisen, die sich im Hause befindet. Die Mädchen bleiben etwa drei bis vier Monate dort, bis sie Arbeit gefunden haben, wobei sie von der Leitung des Heimes unterstützt w'crdcn. Es war von Anfang an das Bestreben vorhanden, für die Mädchen eine Fachausbildung zu schaffen, und so entstanden die oben erwähnte Küche, in der acht Mädchen beschäftigt sind, eine Nähstube mit zwölf Mädchen, eine Weberei mit sechzehn Mädchen. Alle beschäftigten Mädchen stammen aus Kibbuzim aus der Umgebung, sind also dort auf Außenarbeit für ihren Kibbuz tätig. Auch Kochkurse gemeinsam mit der Wizo finden zur Zeit im Beth Chaluzoth statt, etwa 300 Mädchen sind im Laufe der Zeit fachlich ausgebildet worden. Für die geistige Fortbildung wird besonders gesorgt durch Erteilung von hebräischem Unterricht, durch Pressereferate, Fahrten in das Land und durch Seminare, insbesondere über die Arbciterinnenbewegung. Der große Saal des Hauses ist der Mittelpunkt der Kulturellen Veranstaltungen von Haifa. Auch die Vortragsabende der HOG. finden dort statt. Die Gesamtleitung des Heims hat Gustav Strumpf, die kulturelle Arbeit steht unter der Leitung von Fanja M e I n i k. Das Heim wird in seiner ganzen Einrichtung für das neu zu gründende Heim in Tel-Awiw und für das hoffentlich auch bald in Jerusalem entstehende Institut vorbildlich sein. Dr. Albert Baer, Haifa Der Aufstand der Araber In ״Niwha-kwuza“, dem Organ des Verbandes ״Chewer ha-kwuzot“, schreibt S. Ga wisch im Rahmen längerer Ausführungen zur politischen Lage: ״Es ist möglich, daß diese Ereignisse nicht auf einen Beschluß der Führer hin zu einer vorher festgesetzten Zeit ausbrachen. Aber nachdem es einmal so weit gekommen war, bemächtigten sich die Führer des Zustandes, und wir stehen jetzt einer organisierten Bewegung gegenüber.... Zwei Wege des Kampfes treten hervor: der offene politische Kampf und der Partisanenkampf durch Gewalttaten. Der arabische Streik hat eine große Kraft offenbart. Er rief die nationale Solidarität wach. Sicher stützt er sich nicht auf sie allein. Sicher wirkt auch innerer Terror gegen die Streikbrecher, sicher gibt es auch andere Mittel aus unkontrollierbaren Quellen. Aber all dieses zeigt doch nur die Größe der Kraft auf, die uns entgegensteht. Und inzwischen ist schon der zweite Schritt, der bürgerliche Ungehorsam, beschlossen worden. Der Kampf ist dieses Mal politisch, die Losungen sind klar, das Programm, die Mittel, die Taktik, die örganisationsform, die Propaganda sind modern! Der Abstand von früheren Ereignissen ist sehr groß. Jetzt spielt das reiigiöse Motiv keine Rolle mehr. Für den modernen Charakter zeugt auch die Tatsache, daß der Schwerpunkt der Ereignisse in den Städten liegt, die ja der Sitz der politischen Aktivität sind. Auch die Form des Partisanenkrieges ist sicher nicht zufällig. Die veränderten Verhältnisse, die gewachsene Anzahl der Juden lassen offene Ueberfälle nicht mehr zu. Die Bedeutung dieser Kampfform ist: der jetzt bestehende Jischuw kann nicht mehr vernichtet werden, aber sein Anwachsen will man unmöglich machen. Der Partisanenkrieg ist zäher als jeder andere, er saugt an der Kraft des Gegners, er will den Feind demoralisieren.“ Dr. Arthur Katz-Foerstner: Wirtschafts-Jahrbuch für Palästina. Mit 56 Abbildungen. Wirtschaftsverlag A. G. Basel 1936. Das Wirtschaftsjahrbuch von A. Katz-Foerstner, das als Publikation des ״Archiv für internationale Wirtschaftskunde“ erscheint, ist zugleich englisch und deutsch geschrieben und enthält Aufsätze über die verschiedenen Wirtschaftsgebiete wie Verkehr, Währung und Banken, Versicherung, Zitrusindustrie, sonstige Industrien, Nationalfonds, Landwirtschaft und Kolonisation sowie neue Siedlungsformen. D. Horowitz beschreibt einleitend ״Grundlagen und Entwicklungstendenzen der palästinensischen Wirtschaft“. Besonders hingewiesen sei aut die ausgezeichnet ausgewählten und wiedergegebenen Abbildungen. *) Siehe ״Jüdische Rundschau“ Nr. 21, 30/31, 35. Von der Jugendalijah Empfang neuer Gruppen Im Hafen von Haifa das altgewohnte Bild bei der Ankunft eines Schiffes: Freunde und Verwandte drängen sich an der Sperre, — die von arabischer Polizei bewacht wird —, um die lang erwarteten Jugendlichen abzuholen. Wenn man durch die Lücke zwischen den Transitlagern spiiht, kann man sogar das Schiff sehen, auf dessen Spitze die große Gruppe der Kinder steht, die den Hals recken, um schon von dort aus vielleicht Freunde und Verwandte erblicken zu können. 68 Jugendliche werden von uns in Empfang genommen, die für die Kibbuzim Gan-Schrnuel, Naane und das Känderdorf Ben-Schemen bestimmt sind. Das nicht unerhebliehe Gepäck der Gruppe muß zunächst aus dem allgemeinen Gepäck herausgesuchf, im Gepäckraum nach dem Bestimmungsort sondiert und auf zollpflichtigen Inhalt hin kontrolliert werden. Auch hier das übliche Bild: bereitwillige (nicht streikende) arabische Zollbeamte und Gepäckträger, die uns bei dieser langwierigen Arbeit behilflich sind, so daß wir nach einigen Stunden den Hafen verlassen können. Nicht alltäglich war zunächst nur der Chamsin, der uns draußen mit Sandwolkcn und sengender Hitze empfing. Das fahle gelbe Licht vermittelte den Neuankömmlingen nicht das wirkliche Bild der palästinensischen Landschaft, in ihrer großen Klarheit und verschwenderischen Farbenpracht. Nach der Mittagsmahlzeit stiegen wir in den Zug, den wir mit der Gruppe, die für Gan-Schmuel bestimmt war, in Chederah verließen. Hier stand erwartungsvoll eine Gruppe blonder, rotbäckiger Kinder, die Schuljugend von Gan-Schmuel, die mit ihrem Lastauto hergekommen waren, um uns abzuholen. Nun war Chamsin und Müdigkeit vergessen. Kinder und Jugendliche kletterten zusammen auf das Auto, und nach wenigen Minuten fuhren wir singend in den Hot von Gatt- Schmuei ein, diesmal mit Jubel von den Kleinsten und den Großen des Kibbuz empfangen. Wer das erste Mal diesen Ort betritt, sollte nicht glauben, in dem Palästina zu sein, wie man es sich so oft in Europa vorstellt: bäum- und schattenlos, ohne Blumen und ohne Wasser. Gan-Schmuel wurde vor 40 Jahren von einer Chowewe- Ziongruppe angelegt und vor 15 Jahren vom Kibbuz Haschomer Hazair übernommen. Der ausgedehnte Pardeß, der wie ein richtiger Wald anmutet, ist seitlich begrenzt von einer hohen, schlanken Zypressenallee. Hier werden nach der Arbeit zwischen den Bäumen Hängematten gespannt. In der Mitte der Allee liegt der Bewässerungskanal, dessen Wassergeriesel an Bachgepläfschbr erinnert. Den Höhepunkt der Ueberraschutig für den (nicht mir ökonomisch eingestellten) Besucher bietet das Schwimmbassin von Gan-Schmuel (fließendes Wasser) von Bananenstauden und Palmen umstanden. Das war ein Staunen bei unserer Gruppe, als sie die Kinder darin schwimmen sahen und ein Trost für sie in Anbetracht des heutigen Chamsins und seiner eventuellen Nachfolger. Nicht viel geringer war das Staunen, als sie ihr großes, luftiges Haus besichtigten; behagliche Zimmer mit zwei, drei und vier Betten, hellgrün gestrichenen Möbeln. Vor jedem Zimmer eine große Veranda mit der Aussicht auf blühendes Land. Mit neuer Zuversicht kehrten wir zurück nach Haifa: vorbei an streikenden Arabern und bewaffneter Polizei. Dora Strauß-Weigert, Tel-Awiw Die Jugendalijah siedelt Die erste Gruppe der Jugendalijah, die ihre Ausbildung vollendet hat und zum größten Teil zur Ansiedlung ging, veröffentlicht eine hektographierte Sammlung von wicht i g e n Zeugnissen übe!• den Abschluß dieser zwei Jahre. Wir entnehmen dieser Sammlung einen Brief, den ein Mitglied der ersten Gruppe, die zur Siedlung ging, an seine noch auf einige Wochen in Ejn-Charod zurückgebliebenen Gefährten schrieb: ״Ich habe aufgehört, ein Tagebuch für euch zu führen. Besser, ich schicke euch an einem Regentag wie heute einen zusammeiifassenden Brief. Bei Regen wird auch hier nicht gearbeitet. Aber niemand zwingt einen hier aufz.ustehen und zu lernen, sondern alle liegen heute im Bett und schlafen. Schon morgens, als wir zur Arbeit gingen, merkten wir, dal! es bald regnen würde, — aber wir sind Arbeiter und müssen auf jeden Fall zur Arbeit gehen. Wir arbeiteten •V< Stunde, darin begann ein solcher Regen, daß keinerlei Hoffnung war, daß er atifhören würde. Wir brachen auf, und nach einer Viertelstunde waren wir völlig durchnäßt. Aber so verläuft nicht jeder Arbeitstag. An meinem ersten Arbeitstag habe ich Nationalfomlsboden gepflügt. Das Wiildchen ist erst jetzt angcpfiaiizt und jede Pflanze erst zwei Zentimeter hoch, und ich pflügte mit ganz jungen Maultieren. Ich durfte sie nicht mit der peitsche berühren, denn sonst wäre es um die Pflanzen geschehen gewesen. Aber im ganzen bin ich ganz, gut mit ihnen fertig geworden. Zusammen mit dem Gespann habe ich ein Pfund verdient. Schade mir, daß das Gespann uns nicht gehört. Es macht hier gar keine öchwierigkeiten, in die Arbeit hinein/ukommen. Du mußt einfach arbeiten, und du arbeitest. Es fehlt nur der zweite Teil unserer Arbeit in Ejn-Cliarod, das Lernen. Das fällt einfach aus. Mau lebt nur der Arbeit. Bis heute bin ich noch nicht dazu gekommen, irgend etwas /.!! lesen, kein Buch und noch nicht einmal eine Zeitung. Wenn ich über unsere Beziehung zur Gruppe der palästinensischen Jugend hier schreiben soll, so wird mir das etwas schwer. Die Dinge sind so einfach, nicht iin geringsten kompliziert. Man lernt sich sehr schnei! kennen, besonders in der Arbeit. Es gibt vorläufig keine Probleme, vielleicht, daß wir uns dafür eben doch noch nicht nahe genug kennen. Unser ganzes Leben ist gemeinsam.“ Kinderabteilung am Bikur Cholim- Hospital in Jerusalem Am Bikur Cholim Hospital in Jerusalem ist trotz der Ungunst der allgemeinen Lage unter Leitung von Professor L. F. Meyer eine moderne klinische und poliklinische Kinderabteilung fcrtiggestellt und eröffnet worden. Durch diese Neugründung wird der empfindliche Mange! an Betten für kranke Kinder gemildert. Mit Hilfe einer Stiftung der amerikanischen jüdischen Gemeinde in Pittsburg (USA.) konnten alle Erfordernisse einer modernen Krankenhauseinrichtung erfüllt werden. Die neue Abteiiung besteht aus kleinen Glaszimmern (sogenannten Glasboxen) für ein bis drei Betten. 13er so entstandene kleine Glaspalast gewahrt eine leichte Uebersicht für Arzt und Schwester und verhindert d:e IJebertragun״ von Krankheiten. Dabei fühlen sich die Kinder nicht einsam, weil sie sich durch die Glaswände sehen können. Die Versorgung der Kinder geschieht von einer eigenen Milchküche aus. — Trotz seiner zentralen Lage ist das Krankenhaus von Gärten mit schönem altem Baumbestand umgeben, so daß der Dachgarten zu Freiluft- und -liegekuren benutzt Der Eingang des Hospitals Die neue Kinderahieilung von Prof. L. F. Meper mit ihren kleinen Glaszimmern Foto«: u! Land«״«, Jeru»1«m werden kann. Die Abteilung ist seit der Eröffnung belegt, die Poliklinik wird von zahlreichen Kindern aufgesucht, ein Zeichen dafür, daß ein tatsächliches Bedürfnis bestand und die neue Kinderstation nützliche Arbeit für Entwicklung und Gesundheit der Kinder zu leisten hat W. H. Das hebräische Original des in Nr. 42/43 erschienenen Gedichtes von Elias Hur wie z: ״Meine Sprache“ ist im ״Haolam“ Nr. 41/42, Jahrgang 1935, erschienen. Erinnerungen an Brenner Aus Tef-Awiw wird uns geschrieben: Aus Anlaß des Tages, an dem vor 15 Jahren der hebräische Schriftsteller Brenner in den Araberimruhcn des Jahres 1921 seinen Tod fand, brachte die ganze hebräische Presse Worte der Würdigung und der Erinnerung. Der folgende Auszug ist der Frauenbeilage des ״D a w a r“ entnommen: ״Ich war ein Mädchen von 12 Jahren, als Brenner bei uns ein Zimmer mieten wollte. Wir wohnten damals in Jerusalem. Der Fremde, der das Zimmer besichtigte, gefiel meinen jungen Schwestern nicht, und so wollten wir ihm nicht vermieten. Dann aber erfuhren wir, daß es Brenner sei. Wir suchten ihn, und am Abend zog der Mieter ein. Er trat ein mit einem Stuhl auf dem Kopf und zwei Kisten mit Büchern in den Händen. ,Das ist alles‘, sagte er und blieb bei uns. Nach wenigen Tagen war er wie einer von uns, und nichts wurde in unserern Hause unternommen, ohne sich vorher mit ihm zu beraten. Meine Mutter war eine noch junge Frau, voll Sehnsucht nach ihrem Manne, der auf der Fahrt nach Palästina gesteirben war. Er nahm sich ihrer an, und sic sprach sich oft mit ihm aus. icli war die Jüngste der Familie, wir lebten in Armut und Bedrängnis. Bisweilen in der Nacht weckte mich Brenner und erzählte mir von Whitechapel, von armen Flauen, von Kellerwohnungen. Ich. fühlte, obgleich ich nicht alles verstand, daß er mir etwas gab, was meine Spiele mir nicht gehen konnten. Sein Einfluß auf mich trennte mich von anderen Kindern, ich wurde einsam. In unserem!laus in Jerusalem, in dem die verschiedensten menschlichen Typen vertreten waren, war er wie ein starker, fest verwurzelter Raum. In diesem Hause wohnte ein englischer Missionar, und als dessen Frau erkrankte, pflegte Brenner sie. Es wohnte dort auch eine kranke Frau, die nicht in Berührung mit anderen Menschen kommen durfte —• Brenner brachte ihr ihre Nahrung. Brenner nahm sich eines Arbeiters dort an, kaufte ihm Kleider, ließ sich mit ihm photographieren und hob ihn über die Menschen seiner Umgehung hinaus. Jeder war seinem Herzen nahe, die Gestalten der Menschen gingen in seine Bücher ein. Aber er war nicht wie andere Schriftsteller, die sich ihrer Helden entledigen, wenn sie über sie geschrieben haben. Er trennte sich nie von ihnen. Nie in seinem Leben hat er einen Menschen verlassen. Wir machten zusammen Ausflüge und er war dann oft ausgelassen. Einmal, als ich die Schönheit der Berge bewunderte, sagte er zu mir auf Jiddisch (in dieser Sprache liebte er zu sprechen): ,Sieh, dort zwischen den Bergen bewegt sich ein kleiner schwarzer Punkt, ein Mensch; und der ist mir teurer als alle deine Berge.‘ — Ich liebte sein Zimmer. So habe ich nie wieder ein Zimmer geliebt. Es gibt jetzt keine solchen Zimmer mehr. Alle Möbel waren Kisten: das Bett, der Tisch, die Stühle. Wenn eine Jemenitin kam und ihm anbot, den Fußboden zu waschen, schickte er sie erst scheltend fort. Dann aber lief er ihr nach und brachte sic zurück. Er hatt aein feines Gefühl für Menschen, die seiner bedurften. Die Menschen, für die er sich mühte, hielt er hoch. Ich staunte stets, wie demütig er zu ihnen sprach. Aber er veränderte sich ganz, wenn er etwas gegen «inen Menschen hatte. Dann war er zornig, Fs gab Dinge, gegen die er mit wahrer Grausamkeit anging. Er war offen und konnte einfach nicht verstehen, daß jemand nicht so offen war wie er selbst Er haßte alle Äußerlichkeiten, alles Geschniegelte. Sah er an mir dergleichen, so suchte er es auszumerzen. Am Abend erzählte er mir von seinem schweren Leben, von den vielen Ländern, durch die er gekommen war; ich legte meinen Kopf an seine Brust und glaubte, dem Pulsschlag der Welt zu lauschen. Die wenigen Jahre, die ich neben ihm leben durfte, bildeten meinen Charakter.“ 78 268 Pfund wurden von 24 000 Mitgliedern für den Arbeitslosen-Fonds der Histadruth gesammelt. Die Verstärkung der Kampagne ist infolge der Unruhen verzögert worden. Der Fonds soll hauptsächlich zu Straßenbauten verwandt werden, wobei Hunderte von Arbeitern Beschäftigung finden sollen, sowie zur Erweiterung jüdischer Arbeit in der Landwirtschaft.