Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1936-06-16 · Heft 48 (16.6.1936) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 48 (16.6.1936)
Date
1936-06-16
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2651273-2653922-2653967--28981-2690487
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

. Seite 10 ׳?‘#ו * iitf■ f י. י ׳ J4. £• ".4 * f 1 f. Distriktskornmissars, die Oeffnung der Läden anruordnen, bis* her noch nicht benutzt worden. Sobald das geschieht, würde das ein Verbot des Streiks durch die Behörden bedeuten. Aber davon hat man noch abgesehen, vermutlich weil das Oberkominissnriat noch immer die Idee hat, den Streik von selbst versanden zu lassen. Andere Ausnalunevcrordnungen dagegen sind angewandt worden, insbesondere die rur Verhaftung und Verbannung von Führern und Agitatoren und ihre Isolierung in einem Konzentrationslager an der Sinaiwüste. Ein zweites Lager dieser Art wird anscheinend bei Sarafend, dem Zentrum der Royal Air Force, eingerichtet. Am Anfang hatte sich die Regierung bei der Verbannung und Arrestierung an die 1 o k a I e n F ii h rer gehalten, an die eigentlichen aktiven Streikagitatoren, also an die ״zweite Garnitur“. In den letzten Tagen ist das anders geworden. Unter den Verbannten nach Aujat C 11 a f i r (also dein Konzentrationslager an der ägyptischen Grenze) befindet sich Auni Abdul Hadi, einer der bekannten arabischen Rechtsanwälte und Sekretär des Obersten arabischen Rates. Der Vcrbannungsbefehl wurde ihm von einem Poiizciicuhiant in die Sitzung des Rates ge* bracht, und eine halbe Stunde später mußte er nach dem Süden unterwegs sein. Es ist das erste Mal, daß die Regierung an die eigentliche Führung Hand legt. Ein Pendant zu diesem Schritt ist die Verbannung des Jaffaer Bürgermeisters, der sich mit seiner Munizipalität dem Streik angeschlosscn hatj nach Sarafend. In den letzten Tagen, bereits nach dem Fehlschlag des Verhanülungsversiiches zwischen dem Oberkommissariat und der arabischer! Führung mit Hilfe des Emir Abdullah, hat der High Commissioner noch einmal offiziell die bisherige Politik der Regierung b e s t ä t i g t. Auf die Nachrieht eines arabischen Blattes hin, daß die Regierung jetzt die Einwanderung .stoppen werde, hat der High Commissioner im Radio ansagen lassen, daß an diesem Gerücht nichts Wahres sei. Er hat also nochmals bestätigt, daß er die Hauptforderung der Araber, die für sie die Grundbedingung für den Abbruch des Streiks ist, nicht zu erfüllen gedenkt. Diese Mitteilung wurde unter den Juden mit um so größerem Interesse aufgenommen, weil man zu ftirehöm begann, daß die Regierung sich trotz allem zu diesem oder jenem Kompromiß hergeben wurde. In der Chronik der lii/wn Tage sind noch als wichtig die Vorbereitungen der Araber für eine Delegation nach London zu erwähnen, die dort die Stimmung für die arabische Sache günstig gestalten soll. Bereits vor längerer Zeit ist ein Abgesandter der palästinensischen Araber in London eingetruffeu mul hat dort zu atbeiten begonnen. Jetzt soll durch drei Delegierte über deren Person man sich anscheir.emi in arabischen Kreisen nicht leicht einigen kann ■— diese Aktion in England verstärkt werden. Damit wendet sich die arabische Führung neben der palästinensischen Front, auf der sie bisher keine Siege hat erringen können, der englischen, der Beeinflussung des Parlaments und der Presse zu. Hier besteht zweifellos die Idee, die bewaffneten Angriffe in Palästina durch diplomatische in London zu stützen und zu verstärken. Berichterstattung Uber die Unruhen Im ״Boustenai“ vom 3. Juni schreibt Mosche Smilanski zur Frage der Berichterstattung über die Unruhen U. a. folgendes: Die Reporter haben jetzt gute Tage und können das Publikum mit ״frischer Ware“ beliefern. Die Leser haben keine Geduld, 21 Stunden zu warten, und alle hebräischen Zeitungen haben jetzt auch Nachmittagsausgabeii. Und der Konkurrenz halber muß man doch etwas Interessantes bringen, wenigstens zwei bis drei Todesfälle oder ein Dutzend Brände. Wenn nichts Besseres voriiegt, so wenigstens einen Hilferuf einer abseits liegenden Kolonie. Mit Recht hat einer der Reporter auf einer Pressekonferenz über diese Ueber* t r e i!) 11 ״ g e n Beschwerde geführt. Die Redaktionen untersuchen nicht die Nachrichten, die sie bekommen, da ja jede Zeitung beiiin Iitet, daß die andere ihr ziivorkommt. So liest man in einer Zeitung, daß die Autobus-Gesellschaft ״F>ged“ '20 Autobusse der Regierung zur Verfügung gestellt hat, bei der zweiten Zutung ist die Zahl auf Q) gestiegen, und die dritte hat sie sogar auf \7>) erhöht. So berichtet eine Zeitung, daß in Ibr/Iiah fünf arabische .Schutzleute zurückgetreten sind, hei der /weiten sind es schon fünfzehn. Weiter lesen wir in eim־r Zeitung, daß in einem Kampf zwischen bewaffmtfil Banden und dem Militär drei Briten gefallen sind, in der zweiten liest man aber, daß cs außer den Gefallenen ein Dut/eml Verwundete gab, die dritte Zeitung, die die andern übertrumpfen will,!!ringt eine genaue ״Schild entng“ des stanzen Kampfes, Auch die Nachrichten-Agenturen sind von dieser Schuld nicht frei/isspreehen. Um) das ist die [,resse des Landes. Für die Presse der Golah wird noch ״bessere“ Arbeit geleistet. Da Sie die Nachrichten nie 11t kontrollieren kann, entsteht ein schrecklicher Wirrwarr, und der Leser ist nicht in der Lage, sich zu orientieren. X rfj Kp; 1 f j| j}' ג I .'Ul..־-־- Die hier geschilderten Miiktände stellen naturgemäß auch eine Erschwerung der Berichterstattung über die Unruhen für die ״Jüdische Rund sc 11 au“ dar. Es ist schwierig, aus den nicht immer übereinstimmenden Meldungen ein Bild der Vorgänge zu rekonstruieren, wie diese wirklich abgelaufen sind. Wir glauben dennoch, daß c-s uns gelungen ist, im allgemeinen eine mit den tatsächlichen Vorgängen iibereinstimmende Berichterstattung durchzufüliren, wenn ■es auch hier und da nicht zu vermeiden war, daß in Einzelheiten Unstimmigkeiten vorkamcii. Bei der großen Entfernung und der erforderlichen Raschheit der Berichterstattung ist dies jedoch niemals ganz zu vermeiden. Die für die Nachrichtcuübcnnittlung in Palästina verantwortlichen Stellen sollten sich daher bemühen, wie es in dem oben erwähnten Artikel gefordert wird, gerade in aufgeregten Zeiten wie den gegenwärtigen möglichst mit den Tatsachen genau übereinstimmende, weder beschönigende noch übertreibende Berichte zu liefern. Die für den 15. Juni einberufene Sitzung der in Palä* stina wohnenden Mitglieder des Aktions-Comit€s ist ver* schoben worden, PALÄSTINA IM LICHTBILD Erster Bildbericht aus den Unruhetagen MonaUaohau Nr. 7.30 Bilder RM 4.30 Zu beziehen gegen Voreinsendung des Betrages durch den KEREN KAJEMETH LEJISRAEL Berlin W13, Mninekeetr. 10. Poeteoheckk. Berlin 28247 i|?ff. ft 4'.? JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 48, 16. VL 1936 Wie lange noch? In einem Artikel im ״Bustenai“ mit der Ueberschrift ״Wie lange noch?“ bespricht Mosche Smilanski die Folgen des Streiks und der Unruhen und wendet sich an die arabischen Führer mit folgenden Worten: ״Müssen nicht endlieh unsere Nachbarn einsehen, daß der Weg, den sic eingeschlagen haben, ein verkehrter war? Wäre es nicht besser, daß unsere Nachbarn, und vor allem ihre Führer, versuchen würden, statt Haß, Neid und Zwist zu predigen, für Eintracht zu sorgen? Es wäre doch besser, die großen nationalen Kräfte der beiden Völker, die im Lande für immer und ewig bleiben werden, für das Wohl des Landes auszunutzen und die Wüsten dieses Landes im Süden und in den Bergen in fruchtbares Land zu verwandeln. Die Angst der Araber vor der jüdisehen Mehrheit ist ohne jeden Grund. Kann man denn bei einer arabischen Bevölkerung von einer Million und einer natürlichen Vermehrung von 2'5 ״> jährlich von einer Ueberzahl der Juden im Lande reden, und dazu noch in einem Lande, das von arabischen Ländern umgeben ist? Es wäre an der Zeit ein- Zusehen, daß zwei Kulturen, die ihrem Ursprünge nach miteinander verwandt sind, sich nicht nur gegenseitig bekämpfen, sondern auch sich nähern und voneinander lernen sollten. Wäre es nicht richtiger, daß unsere Kinder, die nun einmal in diesem Lande wohnen werden, die Sprache des anderen Volkes sprechen und lernen? Müßten nicht die Schulen es sich zur Aufgabe stellen, Liebe und Hochachtung für die Augehörigen des anderen Volkes beizubringen, und nicht, Haß und Verachtung zu predigen? Könnte man nicht unter besonderen Umständen auch an eine gemeinsame Schule für Sch "!er beider Nationen denken, und müßten nicht die Zeitungen beider Völker versuchen, die beiden Nationen zu versöhnen? Die jüdische und die arabische Presse sollten versuchen, sich ein gemeinsames Ziel zu stellen, die Kulturstufe des Landes zu erhöhen und für das wirtschaftliche Wohl beider Volke1׳ zu sorgen. Und ist der Gedanke so absurd, daß jüdische und arabische Schriftsteller in einer gemeinsamen Zeitung schreiben würden oder in gemeinsamen Zeitungen in beiden Sprachen? Nach einer Anzahl von Jahren einer solchen Atmosphäre werden vielleicht Morde und Brandstiftungen nicht mehr möglieh sein. Dies alles ist zum größten Teil nicht nur der einen Partei gesagt. Es ist Zeit, daß beide Parteien sich überlegen •*und sich fragen: Wie lange noch?“ JUdische und arabische Arbeit im ״Bustcnai“ schreibt M. Smilanski an anderer Stelle: ״Infolge der Ereignisse gibt es jetzt bei uns zwei Tendenzen: den Gemüsebau zu erweitern und mehr jüdisehe Arbeiter zu beschäftigen. Beide Tendenzen sind zu begrüßen. Stets, wenn wir an das Thema ,jüdische Arbeit‘ rühren, fragen wir uns, bis zu welcher Grenze? Was ist das richtige Maß? Die große Mehrheit? Denn an 100 °/0 glauben wir nicht. Gerade jetzt nicht, wo viele von unseren arabischen Arbeitern unsere Orangengärten bewachten und bewässerten, gerade die weitentfernten Orangengärten in der Nähe der arabischen Dörfer, die unsere jüdischen Arbeiter jetzt nicht betreten konnten. Diese Araber taten das trotz den Drohungen ihrer Volksgenossen, ja trotz den Schlägen der Streikenden. Wir müssen uns auch diese Sache merken. Die Araber des Auslandes, Hauraner und Acgypter, haben sich als ein gefährliches Element gezeigt, aber unter den ansässigen Arabern gibt es verläßliche Leute. Aber die Zahl dieser ansässigen Araber ist nicht so sehr groß, und wenn unser Siedlungswerk sicli erweitert, werden sie Im Verhältnis zur Zahl der Arbeitsplätze noch weniger werden. Dann wird auch ihr Arbeitslohn steigen und so die Differenzen zwischen den Kosten jüdischer und arabischer Arbeit geringer werden. Dadurch wird wieder der jüdische Arbeiter leichter in die öffentlichen Arbeiten eindringen und ebenso in die arabische Wirtschaft. Demi es gibt bei den Ara* hern keinen Boykott gegen den jüdischen Arbeiter aus na* tionalcn Gründen. Nur der höhere Arbeitslohn hält den Midischen Arbeiter von der arabischen Wirtschaft fern. Unsere Facharbeiter arbeiten bei Arabern. In Jaffa wurden jüdische Arbeiter auf arabischen Bauten getötet. In Gaza sah ich Ju* den in arabischen Plantagen. Sogar in der Nähe von Berschewa fand ich einen Juden, der bei einem Beduinenscheich arbeitete.“ Aegypten und Palästina Die ״Frankfurter Zeitung“ vom 15. 6. veröffentlicht einen Artikel ihres Kairoer Korrespondenten über die Lage im Vorderen Orient, in dem Aegyptens Interesse für Palästina dargestellt wird. Es heißt hierüber u. a. wie folgt: ״Von diesem Standpunkt des Strebens nach tatsächlicher Unabhängigkeit muß auch das ägyptische Interesse für die Vorgänge in Palästina betrachtet werden. Nationalen, von diplomatischen Rechenkünsten unbeschwerten Anteil nimmt daran nur die Jugend. Die offizielle — vor allem aber die haiboffizieile, vom feudalen Mohammed-Aly-Club repräseniierte — Politik läßt sich dagegen von der Ucherlegung leiten, daß ein zur britischen Festung ausgebautes Palästina immer eine Bedrohung nicht nur des kommenden Staatcngcbildcs sein werde, sondern es dein Empire jederzeit ermögliche, auch nach dem Abzug der britischen Besatzungsarmee einen Druck auf das Land auszuiibeii. Das aber würde man für eine untragbare Fortsetzung der Bevormundung halten, deren man sich soeben mit einigem Geschick zu entledigen sucht.... Um jeder Beeinflussung der ägyptischen Außenpolitik in anderer Richtung durch britische Machtmittel für die Zukunft vorzubeugen und sich als aufrichtiger Freund Englands die Würde des freien Entschlusses zu wahren, duldet die amtliehe Politik, daß die halboffizieilen Männer die Araberbewegiing in Palästina tatkräftig unterstützen. Bei gleichen Zielen, aber getrennt von den anderen, marschiert unter der Fahne des Nationalismus die ägyptische Jugend und mit ihr der Islam. Das Ziel, das ihnen vorschwebt, ist ungeachtet der unterschiedlichen Beweggründe das gleiche: die unabhängigkeit Palästinas nach dem Muster des Irak und neuestens auch Syriens, dessen Erfolg hier bereits als feststehend betrachtet wird, obwohl noch kein amtlicher Bericht über den Ausgang der Pariser Verhandlungen vorliegt. * In der ägyptischen Presse wurde der Text des Vertrages zwischen Dr. Weizmann und Emir Feisal, der in der ״Times“ von Dr. Weizmann wiedergegeben wurde, veröffentlicht. Die an diese Veröffentlichung geknüpften Kommentare der agyptischeil Presse besagen, daß das Palästinaprojekt vom arabisehen Standpunkt konfliktslos hätte gelöst werden können, wenn ein späterer britischer Vertragsbruch die arabischen Rechte auf einen eigenen Staat nicht vernichtet hätte. Aus der englischen Presse Ein Artikel in der soeben erschienenen Nummer von ״Great Britain and the East“ sagt u. a., das engiische Volk habe niemals ein anderes Volk bedrücken wollen, und eine solche Politik habe sich niemals gelohnt. In Palästina weise Empfinden und Eigeninteresse in dieselbe Richtung, und es wäre Wahnsinn, weiter Schlag Worten zu huldigen, deren Nichtigkeit sich hinlänglich erwiesen habe. Dem englischen Volk werde klar werden, daß Araber und Zionisten niemals Zusammenkommen würden. Man habe lange behauptet, daß gemeinsames Wirtschaftsinteresse die beiden Völker miteinander verbinden werde. Aber mitten in einer noch nie dagewesenen jüdischen Prosperität in Palästina sei cs zu diesen Unruhen gekommen. Es sei sowohl die Hoffnung der offiziellen englischen Kreise, daß der Frieden nicht mehr gestört werden würde und England die Freundschaft sowohl der Araber als der Juden erringen würde, als auch die Hoffnung der Araber aut eine drastische Aendcrung, die ihnen künftig Sicherheit gibt, als auch die Hoffnung der Juden, daß die Vorteile, die die neue Einwanderung brachte, eine Zusammenarbeit zwischen alten und neuen Siedlern herbeiführen werde, enttäuscht worden. Es wird sodann darauf hingewiesen, daß alle Araber von Furcht und infolge der letzten Ereignisse von einer Verzweiflung erfaßt seien, die sich von nationalem Grirt nicht unterscheiden lasse. Wie könne man nationa len Geist durch Gewalt besiegen? Ganz Palästina sei in leidenschaftlicher Hingabe für die arabische Sache gegen diejenigen vereint, die ihre Herren zu werden drohen; cs ist gleichzeitig gegen die Engländer geeint. Das sei vielleicht die wesentlichste Tatsache bei der gegenwärtigen Lage. Es wird sodann die Entwicklung des arabisehen Aufstandes geschildert, über die ״bedauernswerten Debatten in den Häusern des Parlaments“, über den geplanten Legislative Council Klage geführt und die Ausgabe von weiteren 4500 Einwandcrungszertifikaten als ein Schlag ins Gesicht der Araber Dezeichnet. England sei in Palästina und Transjordanien, von anderen Ländern nicht zu reden, zum Erzfeind erklärt worden. Welchen Ausweg gebe cs aus dieser Lage? Viel werde vermutlich von dem Bericht der Kgl. Kommission abhängen. Inzwischen müsse die Regierung des Landes fortgeführt werden. Werde man eine Geste machen, um die Araber zu beruhigen, damit die Kommission in einer weniger geladenen Atmosphäre arbeiten könne? Oder werde man an der bisherigen Politik mit solcher Entschlossenheit festhalten, daß man etwa die Errichtung des Jüdischen Nationalheims durch ein jüdisches Wehrkorps, wie es seit langem befürwortet wird, erleichtern werde? Es heiße, daß die Zionisten 130 000 Bewaffnete aufbringen könnten. Die Möglichkeiten einer solchen Entwicklung seien darum recht beträchtlich. Aut alle Fälle, heißt es zum Schluß, sei eine klarere Führung der englischen Palästinapolitik dringend wünschenswert. Man müsse den einen oder den anderen Weg wählen. Auf der einen Seite seien die Heere der arabischen Welt und ein Teil jedenfalls der Welt des Islam; auf der anderen die Judenheit. Zu behaupten, daß beide gleichzeitig zufriedengestellt werden können, sei etwas, was die Ereignisse im Mandatsland Palästina als falsch erwiesen haben. Zu lange habe man dem Schiagwort gehuldigt, daß die Ideale von Arabern und Zionisten nicht unvereinbar seien; zu lange habe man das Problem als ein solches behandelt, das die Zeit sicherlich heilen würde. Jetzt seien die Schuppen von Englands Augen gefallen; es gebe keine Entschuldigung mehr dafür, den Weg tastend fortzusetzen. * Die englische konservative Zeitschrift ״Spectator“ beschäftigt sich mit der gegenwärtigen Lage in Palästina im Lichte der Ankündigung des Kolonienniinisters im Unterhaus, daß eine Kgl. Kommission nach Palästina erst nach völliger Wiederherstellung der Ordnung entsandt werden würde. Der Punkt, an dem die von Emir Abdulla am letzten Sonntag geführten Verhandlungen scheiterten, sei die Weigerung aes High Commissioners gewesen, die jüdische Einwanderung einzustellen. Ein Zugeständnis sei von den Arabern selbst durch ihre frühere grundsätzliche Forderung, daß die Eimvanderung auf die Dauer eingestellt werden solle, erschwert worden. Immerhin, meint das Blatt, daß auch nach dem Scheitern des Versuchs Emir Abdullas die Möglichkeit eines Kompromisses auf der Grundlage bestelle, daß die jüngst vom High Commissioner bewilligten Zertifikate ausgegeben werden und dann eine vorübergehende Einwande» rungssperre erfolgt, denn eine jährliche Einwanderung von fast 50 000 Menschen sei wohl geeignet, die Araber zu beunruhigen. Allerdings ist der Verfasser des Artikels der Ansicht, daß jeglicher derartigen Aenderung des politischen Kurses die Wiederherstellung der Ordnung vorangehen müßte, * Die Zeitschrift ״New St atesman and Nation“ hebt die Billigkeit der Erklärung des Kolonienniinisters hervor. Es wäre ein Irrtum zu glauben, daß diese Erklärung eine ״Warnung“ an die Araber sein sollte, weii die Ruhestörer nicht eine Kgl. Kommission, sondern die Einstellung der jüdischen Einwanderung wollen. Gesetz und Ordnung, erklärt das Blatt, müssen selbstverständlich wiederhergestellt werden. Nachher wird aber das Problem, wie man den Wolf dazu bringt, mit dem Lamm zu wohnen, und den Leoparden, bei dem Zicklein zu ruhen, weiterhin seiner Lösung harren. * ״News C h r o n i c 1 c“ erklärt im Leitartikel, der araMsehe Terrorismus sei eine Herausforderung, der sich keine verantwortliche Regierung beugen könne. Solange nicht die arabischen Führer den Mut und die Macht haben, diesen Terrorismus zuriiekzuweisen, können sie nicht erwarten, ein geneigtes Ohr für ihre wahren Beschwerden zu finden. ״Daily T eiegraph“ veröffentlicht eine Zuschrift Lord Me ich et ts. in der darauf hingewiesen wird, daß man zu Beginn des zionistischen Experiments in Palästina diesen Plan für ideell und moralisch gerechtfertigt, jedoch für praktisch verfehlt hielt. Heute, da das Werk sich praktisch bewähre, werden seine moralischen Grundlagen von den Gegnern herausgefordert. Haben wir luden, fragt Lord Melchett, den Ansprach atif ein Nationafheim in Palästina oder nicht? Haben wir ihn nicht, dann sind alle unsere praktischen Erfolge verschwendete Mühe. Haben wir aber einen wahre mora• Iischcn Anspruch in den Augen Englands und der Welt, dann darf der Versuch der arabischen Bevölkerung, unser Nationalheim durch Waffengewalt zu zerstören, nicht geduldet werden. Lord Melchett fordert die Möglichkeit jüdischer Selbst- Verteidigung in eigenen Formationen. Hätten die Araber nicht das Nationalhcim als Angriffsobjekt, erklärt er weiter, so würden sie das englische Mandat in Palästina ebenso angreifen, wie sie das französische in Syrien angreifen. Die jüngste Erklärung des Kolonienministers sei zu begrüßen, denn die Siellung der europäischen Nationen au der ganzen Ost- und Südküste des Mittelmeers wäre gefährdet, wenn man diesem Terrorismus Zugeständnisse machte. f

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.