Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 48 (16.6.1936)
- Date
- 1936-06-16
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 48, 16. VI. 1936 IN ALLER KURZE Ein Erlaß des R ei c h s e r 7, i e h t! n gs m i n i s t e r s besagt, daß Anfragen auf zeitweilige Befreiung von Kindern vom Schtniiiitirridit Zeugnisse jüdischer Acrzte (au Her beij ii d i s c 11 e n S e 11 u I e r n) nicht beigefügt werden dürfen, da sie keine geeignete Unterlage für Befreiungen vom Schulunterricht oder einzelnen Fachern oder für die Entschuldigung von Schn!Versäumnissen bilden könnten. Im ,.Generalanzeiger“ in Frankfurt a. M. wird mitgeteilt, daß der Polizeipräsident auf Vorschlag des Obernürgenticirtcrs eine Reihe von Straßenumbenennungen vorfügt habe. So wurde die S i in o n - Straße in Preungesheim in MevKscn-Straße, die P a 111 - I I c y s e - Straße (der Dichter Paul Ilevse stammte mütterlicherseits von Juden ab) in Ginnhcim in Chamisso-Straßc umbenannt. Die litauisch e R e gier 1111 g hat den jüdischen Publizisten I>r. R u b i n s t e i n, Chefredakteur der ״Jüdischen Stimme•‘ in Kaunas, und den Vertreter der jüdischen Kriegsteilnelimer, (ioldberg, in die Kandidatenliste für die Neuwähl des litauischen Parlaments aufgenommen. Die Wahl der beiden jüdischen Vertreter erscheint gesichert. Die litauische Regierung hat eine Verordnung erlassen, derzufolge jüdische Kinder nur hebräische oder jiddische Schulen besuchen dürfen. Dieser Tage feierte die e s 11 ä n d i sch e Judenheit das 10jährige Jubiläum der jüdischen Kulturautonomic in Estland. Aus diesem Anlaß fand eine Festveranstaltung statt, der Vertreter aller jüdischen Bevölkerungsgruppen, der Regierungsstellen und zahlreiche ausländische Gäste beiwohnten. In der letzten Sitzung des Ministerrats wurde der Gesetzentwarf über die Ergänzung der Organisation der Jiidis c!1 e!! R e! i g i o 11 s g e 111 c i 11 d e in den Ländern Böhmen, Mähren und Schlesien von der tschechoslowakischen Regierung bestätigt An den! jährlichen Gang zum Grabe Theodor Ilerzls auf dem Döblinger Friedhof in Wien haben sich am II. Juni über 10000 Menschen beteiligt. Im Rahmen der staatlichen Wiederbcsicdhmgsaktion soll in den nä.hdni Tagen in Hightstown (New Jersey), die Eröffnung t hier 1 a!1 d w i r t s e h a f 11 i c 11 industriellen 8 i e d 111 11 g vorgenommen werden, für die als erste Gruppe 3נ l'amllieii von New-Yorker jüdischen Arbeitern der Bckh iduncMiidiistrlc bestimmt werden. Im Alter von 37 Jahren ist in New York einer der hervorrageiidsten amerikanisch-jüdischen Juristen, Nathan liurkan, gcsiorbeii. ״The A in e r i c;1 n llclirc w“, die einzige illustrierte jüdische Wochenschrift in Amerika, hat infolge finanzieller Schwierigkeiten das Erscheinen einstdien müssen. Ernst To eh. der seit einiger Zeit in Amerika lebt, hat die Musik zu dein englischen Film ,,Peter Jbbetson“ gesein iebcii. Die ehemalige Berliner Kulturbundsängerin Fr!. Johanna Brand tritt am 20. Juni in Budapest in einem Konzert mit dem städtischen Orchester auf. Jüdische Delegation beim Wojwoden von Warschau Warschau, 10. Juni. (JTA.) Eine jüdische Abordnung, bestellend aus Oberrabbiner Senator IJr, Schorr, dem ehemaligen Senator Raphael Szeresz owski, dem Vorsitzenden der Warschauer jüdischen Gemeinde, Elijahu Mazur, Richter Frede und Red. Wolkowicz wurde von dem Warschauer Wojwoden Joraszowicz empfangen. Die jüdischen Vertreter berichteten über die traurige Lage der Juden aus Minsk-Mazowieek, sowohl derjenigen, die dort geblieben, als auch derjenigen, die nach Warschau geflüchtet sind. Der Wojwodc genehmigte die Durchführung einer großen öffentlichen Sammlung zugunsten der Opfer der Minskcr (H'scliriim-'M־. Ferner berichtete die Abordnung über Angriffe, die in der HaupPtadt seihst von Nation,ddemokrafen auf Juden planmäßig verübt werden. Der Wojwode erklärte, die judmihe Bevölkerung könne beruhigt sein; er werde jeden Wr-ucli von Ausschreitungen in Warschau im Keime ersticken. In/wi-clnm treffen alarmierende Nachrichten aus den Städtchen in der! ungebtuig von Minsk-Mazowieck, wie I i י) h 1 a, S z e n i e;1, S t an i s i a w o w, M r o z y tisw. ein. tVbci!.׳,Ile auf Juden mehren sieh 111 diesen Ortschaften. Die Jaden haben zum Teil aus Furcht die Ortschaften verlassen. Die vi r-a. hlo-sei;en Türen und Fensterläden wurden in der Nacht aufgerissen. Die Ortspoli/ei hat Verstärkung aus Wari-chau erbeten. Aus drm Städtchen Ozorkow bei Lodz, wird gemeidet, daß der jmlmche Ortsfriedbof geschändet und zwölf Grabsteine zertrümmert wurden. Polnische Regierung gegen antijüdischen Boykott Warst 11 au, 12, Juni. (JTA.) Dem politischen Sekretär der Agudas jrtroei, II. A. Goodman, wurde im polnischen Außcnamt erklärt, die Regierung mißbillige den von der n n i i o 11 a I d e m okratisclicn Partei organis i e r t e n a n t i j ii d i s c 11 e n B oy kott. Fs sei he '' :mit nicht die Absicht des Ministerpräsidenten General Ski adkowskv gewesen, die Ermutigung dieser Aktion zu empfehlen, als er seine Rede am 4. Juni im Sejm hielt. Zu den Ereignissen in Palästina Die beiden gesetzestreuenRabbinerverbände in Deutschland veröffentlichen folgende Erklärung: Die schwere Prüfungszeit, in der sich das jüdische, Volk besonders angesichts der furchtbaren Geschehnisse in Erez Israel befindet, weist uns darauf hin, Litfausz, Umnaus, Awausein!, die Reitimgsmittcl unserer Vorfahren, Taanis und Tefillo, Fasten und Gebet, zu ergreifen. Der Erew Rösch (;liaudesch des Monats Tainmus mit seiner aufrüftelmien Erinnerung an bittere Momente unserer Geschichte ruft uns eindringlich zur Teschuwoh, Wir regen deshalb an, daß in allen Gemeinden am Donnerstag Parschath Kaurach (18. Juni) einen halben Tag gefastet wird, und, wo dies möglich ist, Jom Kippur Kotori abgehalten wird. Vor Jom Kippur Koton bzw. am Vorabend oder zu anderer Zeit, soll in entsprechender Rede die Not der Zeit an göttlicher Fügung und väterlichem Rufe zur Rückkehr zum Verständnis gebracht werden und auf die Pflicht, üemilus Clicsed zu üben und Erez Israel zu unterstützen, hingewiesen werden. Englands Bericht an Mandatskommission London, 10. Juni. (JTA.) Im Verlag der Staatsdruckerei ist soeben der vom Ministerium für die Kolonien herausgegebene Bericht der Mandatarmacht über Palästina und Transjordanien für das Jahr 1035 erschienen, der der Mandatskommission des Völkerbundes in Genf unterbreitet worden ist. Der Bericht behandelt die allgemeinen politischen Verhältnisse im Lande, wobei auf die Erstarkung des arabischen Nationalgef i! 111s hingewiesen wird, gibt einen Ueberbück über die jüdische Einwanderung und die Entwicklung der jüdischen Kolonisation und hebt den allgemeinen wirtschaftlichen Aufschwung des Landes hervor. Obwohl die öffentliche Sicherheit gut gewahrt wurde, heißt es in dem Bericht, war der letzte Abschnitt des Jahres 1935 nicht frei von Spannung; die Unzufriedenheit unter den Arabern rührte von der jüdischen Einwanderung und dem Bodenkauf her und kam dauernd in heftigen Reden und scharfen Artikeln in der Presse zum Ausdruck; eine gewisse Unruhe wurde durch den italicnisch-ahessinischen Krieg hervorgerufen, und weitere ansteckende Unruhe kam aus Aegypten. Der Bericht sagt weiter, daß der Vorschlag, einen Legislative Council einzusetzen, zwar von den Juden ungünstig, von den Arabern aber mit Genugtuung aufgenommen wurde und eine beruhigende Wirkung ausübte. Es wird darauf hingewiesen, daß eine starke Welle der Erregung in politischen und anderen Kreisen durch den Tod des Scheichs Izz.ed Din el Kassam ausgelöst wurde, eines politischen Flüchtlings aus Syrien, der eine bewaffnete Bande angeführt hatte, die an der Erschießung eines jiidsichen Polizisten schuld war. Die arabische Presse habe ihn einmütig in Artikeln voll patriotischen Ueberschwangs als Märtyrer gefeiert. Zur jüdischen Einwanderung bemerkt der Berieht, daß insgesamt 61 654 jüdische Einwanderer i. J. 1935 registiert wurden. Von diesen waren 6300 Kapita'isten mit 5694 Familienangehörigen, während die Labour Schedule 27 720 Personen umfaßte. Die Regierung hat weiterhin die Einwanderung auf Grund der geschätzten Aufnahmefähigkeit des Landes reguliert. 1557 Personen, davon 565 Juden, wurden wegen illegaler Einwanderung zu Gefängnis verurteilt und ihre Landesverweisung wurde empfohlen. 1070 Personen, darunter 245 Juden, wurden auf diese Weise deportiert. Administrativ wurden 1354 Personen, davon 38 Juden, nach Syrien und Aegypten abgeschoben. Die jüdischen Einwanderer gravitieren noch immer zum größten Teil in die Städte, angezogen durch die höheren Löhne. Aber gegen Ende des Jahres nahm die Arbeitsiosigkeit in Tel-Awiw und Haifa zu und es fand eine leichte Abwanderung von Arbeitskräften in landwirtschaftliche Siedlungen statt. Die Arbeitslosigkeit bei den Juden betrug schätzungsweise vom September angefangen: im September 2600, im Oktober 3500, im November 5050 und im Dezemher 6000. Was die jüdischen Angelegenheiten betrifft, so seien die Differenzen zwischen Waad Leumi und Agudat Jisr a e 1 merklich weniger scharf gewesen. Politische und wirfschaf tliche Einigung zwischen den beiden Körperschaften dürfte unschwer erzielt werden. Eine Lösung sei noch zu finden für die religiösen Differenzen, was möglicherweise geschehen könne durch die Einsetzung eines religiösen Rates bei der jüdischen Gemeinschaft, dem die Verwa!״ tung aller religiösen Angelegenheiten, wie Wahl von Rabbinern, rituelle Schlachtung, Begräbniswesen usvv., zu iibertragen wäre. Voraussetzung sei, daß der Rat aus religiösen Juden zusammengesetzt und von ihnen ohne Beteiligung von Frauen gewählt werde. Auch die Differenzen zwischen Revisionisten und Histadruth seien i. J. 1935 weit weniger betont gewesen. ln einer Uebersieht über die arabischen Angelegenheiten wird festgestellt, daß die arabischen politischeu Organisationen sich zu regelrechten Wahlparteien entwickelt hätten. Unter dem Druck der öffentlichen Kritik und besonders auf Grund von Ereignissen, die die Einheit der arabischen Interessen im Lande zu unterstreichen schienen, wurde zwischen den Parteien eine Harmonie erzielt, die es ihnen mit Ausnahme der Istiklalisten ermöglichte, mit gewissen nationalen Forderungen geschlossen an den High Comniissioner heranzutreten. In bezug auf die wirtschaftlichen Fragen wird darauf hingewiesen, daß der überprüfte Voranschlag für die Finanzperiode vom 1. April 1935 bis zum 31. März 1936 Einkünfte in der flöhe von 5 739 270 Pfund gegenüber einer ursprünglichen Schätzung von 5 436 087 Pfund aufwies. Die stärkste Erhöhung zeigten die Bodenregistrierungsgebührcn, nämlich 135 000 Pfund. Der Ucberschuß der Einkünfte gegenüber den Ausgaben wird für das Jahr auf annähernd 1520 000 Pfund geschätzt, wodurch der angesammelte Verwaltungs Überschuß auf 6 K0 000 Pfund gebracht wird. Der Gesamtwert der Einfuhr ist von 4 351786 Pfund auf annähernd 4 681 000 Pfund gestiegen. Die Bodenverkaufe i. J. 1935 betrafen schätzungsweise 187 000 Dunam im Werte von 11 720 000 Pfund gegenüber 156 000 Dunam im Werte von 8 378 000 Pfund i. J. 1934. Dagegen betrug die Erweiterung der Zitrusplantagen nur 28 000 Dunam gegenüber 50 000 Dunam i. J. 1934. Die Einlagen bei den führenden Banken beliefen sieh am 31. Dezember 1935 auf annähernd 16 000 000, um zwei Millionen weniger als Ende 1934. Die einheimische I n - dustrie hat sich während des Jahres weiter entwickelt. Obwohl einige Betriebe wegen des neuen Industrietarifs vorübergehend geschlossen wurden, haben sie später die Arbeit wieder aufgenommen. Die Prosperität, deren sich die jüdische Gemein- Schaft 1934 erfreute, wurde 1935 aufrechterhalten und kam in einer Erweiterung der jüdischen Tätigkeit und des jüdischen Einflusses zum Ausdruck, bis gegen Ende des Jahres die durch die internationale Lage hervorgerufene Unsicherheit zu einer allgemeinen Krediteinschränkung und einer Verringerung der Investitionen im Baugewerbe und in der Industrie führte. In dem Bericht wird weiter darauf hingewiesen, daß die Stadträte weiterhin zufriedenstellend arbeiteten und die städtische Verwatung eine Tendenz zur Verböserung zeigte. In dem Abschnitt über Er z i e h u n gs w es e n wird die Gesamtzahl der jüdischen Schulen i. J. 1935 mit 492 angegeben; die Schülerzahl betrag 51314, während es ein Jahr zuvor 467 Schulen mit 43 90() Schülern gab. Für das arabische Erziehungswesen hat die Regierung 168 193, für das jüdische 33958 Pfund ausgegeben. Die Gesamtbevölkerung Palästinas wurde am 30. Juni 1935 auf 1 194 529 Personen, davon 320 358 Juden, ״ geschätzt. Palästinadebatte in der ״Near and Middle East Association“ London, 11. Juni. (JTA.) Die Near and M i d dTe East Association veranstaltete am 10. Juni in London unter dem Vorsitz von General Sir George MacHunn eine Aussprache über die Lage in Palästina. Der Sekretär der Mufti-Partei und Leiter des arabischen Propagandabüros in London, Emir Ghory, eröffnctc die Diskussion. Er erklärte, die Araber hätten die Balfour-Deklaration seit 1918 bekämpft, da sie im Widerspruch stehe zu den Versprechungen der englischen Regierung. Dies habe Balfour selbst 1919 zugegeben. Die Araber bestünden auf drei Hauptforderungen: Einstellung der Einwanderung, Ein- Stellung des Bodenverkaufs, Bildung einer konstitutionellen Regierung. Die jüdische Einwanderung werde von den Arabern gefürchtet, denn sie führe unvermeidlich zu einer jüdisehen Mehrheit im Lande. Während es 1918 nur 53(XX) Juden im Lande gab, beträgt diese Zahl i. J. 1936 fast 400 000. Die Araber hätten die verschiedenen Kommissioneu abgelehnt, denn das Außenministerium wisse sehr gut, was in Palästina not tue, und brauche nicht die formellen Auskünfte der Kommissionen. Wir wollen unsere Freiheit für keinerlei Prosperität verkaufen, die von jüdischen Ein- Wanderern nach Palästina gebracht wird, erklärte Ghory. Im übrigen sei diese Prosperität ״künstlich״. Wenn ein größerer Krieg in diesem Weltteil ausbreche und kein jüdisches Kapital mehr ins Land kommen sollte, was werde dann mit dem Jüdischen Nationalheim geschehen? Der Redner behauptete weiter, ohne es näher begründen zu können, daß die Juden auch die heiligen Stätten der Araher bedrohen. Der arabische Boden sei seit 1930 durch Käufe um die Hälfte verringert worden. Fn diesem Zusammenhang richtete der Redner Angriffe gegen die Palästina- Regierung, weil sie da.s Hule-Ge bi et den Juden gegeben habe, statt es selbst trockenzulegen. Man habe 800 000 Pfund jährlich für Landesverteidigung ausgegeben, aber die 60 000 Pfund, die die syrischen Konzessionäre für die Trockenlegung des Hule-Gebietes brauchten, habe man nicht gehabt. Ghory kritisierte sodann die Bestimmung des Jüdischen Nat i o n a 1 f o n d s, die die Verwendung arabischer Arbeit auf seinen Ländereien verbietet. Schließlich beklagte er sich darüber, daß in Palästina das Blut englischer Soldaten für eine ״ungerechte Sache“ vergossen werde, während man nicht bereit gewesen sei, in Abessinien es für eine gerechte Sache zu tun. Werde man den palästinensischen Arabern Gerechtigkeit widerfahren lassen, dann werde man in ihnen dieselben Freunde finden wie 1916. Für die arabischen Forderungen setzten sich dann noch Miss Franees Newton und Lord Lamington ein. Den jüdischen Standpunkt vertraten Israel Cohen und L. B a ks t a n s k y. Genera! Sir George M a c M u n n erklärte zum Schluß, die Balfourdeklaration sei an die Juden erlassen worden, und es ehe keine Abkehr von ihr. Es müsse eine beiden eilen gerecht werdende Lösung gefunden werden. Man stehe mitten in einer bewaffneten Rebellion und müsse aüf die Regierung einwirken, daß sie eine beiden Seiten sympathische feste Linie einhalte. Wir haben die Balfour- Deklaration erlassen, schloß der Redner, und haben keine andere Wahl, als sie anzunehmen. Palästina-Aussprache im Unterhaus angekündigt London, 15. Juni. (JTA.) Für Freitag, den 19. Juni, ist eine Debatte im Unterhaus über die gegenwärtige Lage ln Palästina angekündigt. Die Debatte, die Im Zusammenhang mit der Abstimmung über das Budget des Kolonienministeriums stattfindet, wird durch den Führer der Opposition, Major Attlee, eingeleitet werden. Für die Regierung wird Kolonienminister Ormsby-Gore ant- Worten, der bei dieser Gelegenheit zum erstenmal eine große Rede als Kolonienminister halten wird. Ormsby-Gore gegen Anschuldigungen der Truppen London, 12. Juni. (JTA.) in der Unterhaussitzung vom 11. Juni wies der Minister für die Kolonien, Ormsby Gore, Anschuldigungen gegen die palästinensische P01iz.ei und die englischen Truppen in Palästina, die von dem einzigen kommunistischen Mitglied des Hauses, dem Abgeordneten G a 11 a c h e r, erhoben worden waren, zurück. Abg. Gallacher hatte behauptet, daß englisches Militär am 27. Mai eine Anzahl arabischer Häuser in Kfar Misr niedergeb rannt habe und daß ein arabischer Polizist in Kakun bei Tulkerem von einem englischen Polizisten erschossen worden sei, weil er sich geweigert habe, ein arabisches Haus zu durchsuchen, dessen Bewohner gerade beim Morgengebet waren. Der Abgeordnete fragte auch, was unternommen worden sei, um den durch diesen Vorfall hervorgerufenen Streik der arabischen Polizei in Tulkerem und Jaffa beizulegen. Der Minister Ormsby G o r e erklärte, es sei ihm weder von einem Streik der arabischen Polizei, noch von den von dem Abgeordneten behaupteten Vorfällen etwas bekannt Er werde vom High Comniissioner Informationen über die angeb• liehen Vorfälle verlangen. Eine Erklärung von Scheich Arslan Paris, 12. Juni. (JTA.) Der in der Verbannung lebende syrische Revolutionär Scheich Schekib Arslan, der Leiter der vor einiger Zeit in Genf abgehaltenen Mohammedanerkonferenz, stellt es in einer Zuschrift an die radikal-sozialistische Tageszeitung ״L’Oeuvre“ in Abrede, daß es irgendein Abkommen zwischen Italien und den Arabern in bezug auf die gegenwärtigen Ereignisse in Palästina gebe. Er erhebt gegen den High Comniissioner für Palästina, Sir Arthur Wauchope, die Beschuldigung, daß dieser die Herstellung seines angeblichen Briefes an den Mufti, der eine Fälschung sei, erleichtert habe, um seine (Arslans) Einreise nach Palästina zu verhindern. Die Judaisierung Palästinas, erklärt der Scheich in seiner Zuschrift weiter, wird niemals Wirklichkeit werden, weil 70 Millionen Araber dagegen sind. Di« Regierung von Cypem hat den Entwurf eines Einwanderungsgesetzes veröffentlicht, das die Be- Stimmungen über Einwanderung und Aufenthaltsrecht zusammenfaßt. Das Gesetz sieht vor, daß kein Ausländer unbedingt den Anspruch auf Zulassung nach Cypern hat. Die Erlaubnis zum ständigen Aufenthalt ist von einer besonderen schriftlichen Bewilligung der Einwanderungsbehörden abhängig• Gewisse Kategorien von Personen dürfen überhaupt nicht nach Cypern eHiwandera. i