Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 48 (16.6.1936)
- Date
- 1936-06-16
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 48, 16. VI. 1936 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 3 Zur zionistischen Situation Nahum Sokolow Zum 30. Tage nach seinem Tode Wir veröffentlichen nachstehend einen unmittelbar nach Nahum Sokolows Tode uns telegraphisch aus New York von Dr. Robert W e 11 s c h übermittelten Nachruf, der damals zuriickgcslellt wurde. Der 30. Tag nach dem Dahinscheiden Sokolows gibt Anlaß, seiner nochmals zu gedenken. (Red.) Die Nachricht vom Dahinscheiden Nahum Sokolows erreicht mich während einer Reise in New York. Die Erschütterung über seinen Tod wird durch die Entfernung nicht vermindert. In Nahum Sokolow hat uns der letzte große Vertreter der Epoche der M a s k i 1 i m verlassen. Zugleich ist der Vater des jüdischen Journ a 1 i s m u s von uns gegangen, der unser aller Lehrer gewesen ist. Nahum Sokolow war der geistige Erziehe!• einer ganzen jüdischen Generation. Er vereinigte in seltener Brillanz ein tiefes jüdisches Wissen mit der Weite europäischen Blickes. Den Juden des Westens war Nahum Sokolow in erster Linie als politischer Führer des Zionismus bekannt. Seine Verdienste auf diesem Gebiete, die oft genug gewürdigt worden sind, brauchen in diesem Augenblick nicht besonders betont zu werden. Aber als g e i - stige Figur des modernen Judentums haben wir nicht seinesgleichen. Ein wahrer Grandseigneur war Nahum Sokolow, ein Mensch voll tiefer Noblesse, ein Meister geistreicher Konversation, der mindestens sieben Sprachen beherrschte. Er verfügte über die Weisheit des Alters und wußte um die Vergänglichkeit von Situationen, die uns andere oft zu überwältigen drohten, und besaß einen feinen Sinn für geschichtliche Aspekte. Vielleicht war dies die Ursache, daß es uns gelegentlich schien, er formuliere politisch komplizierte Tatbestände zu einfach; wir waren dann anderer Meinung als er, aber stets erfüllte uns ein tiefer Respekt vor seiner Meinung. Wenige repräsentierten so wie Nahum Sokolow die Gesamtheit des jüdischen Volkes und vermochten mit einer Geste oder einem geistreichen Wort Aufregung zu glätten und Gegensätze zu vereinigen. Ein bewundernswertes Gedächtnis hatte Sokolow; er beherrschte die jüdische wie die allgemeine Literatur und entsann sich der kleinsten Begebenheiten aus der Vergangenheit. Damit vereinigte er einen wachen Sinn für die Dramatik der Geschichte und für die Einmaligkeit von Persönlichkeiten. Zugleich war er voll kritischer Menschenkenntnis. Sein Stil, in dem er sprach und schrieb, war sprühend und geistreich. Sein letztes Buch ״Ischim“, das an dieser Stelle besprochen wurde, war wieder ein Beispiel dafür. Viele meinten, Sokolow sei weit älter, als er selbst angab, weil sein Einfluß schon vor 50 Jahren spürbar war. Sein Wesen, sein Geist und seine Arbeitskraft blieben erstaunlich jugendlich, und er selbst fühlte sich jung. Als vor kurzem einige Zeitungen seinen 75. Geburtstag feierten, behauptete er selbst, er sei erst 74 Jahre, und die ״jüdische Rundschau“ hat daher bei dieser Gelegenheit geschwiegen. Nach den vielen schweren Verlusten, die die zionistische Bewegung durch den Tod führender Männer in den letzten Jahren erlitten hat, schließt Sokolows Dahinscheiden eine Epoche unserer Bewegung ab. * Die amerikanische Presse hat lange Nachrufe auf Sokolow gebracht, u. a. auch die ״New York Times“. Viele Trauerfeiern fanden im ganzer! Lande statt, und die Trauer der amerikanischen Judenheit ist aufrichtig und tief. R. W. Lebt das jüdische Volk? Eine Anekdote von Nahum Sokolow Im ״Haarez“ wird seit einigen Monaten eine Artikelserie von Nahum Sokolow unter dem Titel ״Ischim“ veröffentlicht, in der eine Reihe von Persönlichkeiten geschildert werden, die in der im Jahre 1935 in Tel-Awiw erschienenen dreibändigen Ischim-Ausgabe nicht enthalten sind. Ein Artikel behandelte den Schriftsteller An-ski (eigentlich Rappoport), den Verfasser des Dramas ״Dybuk“, vor! dem die ״Jüdische Rundschau“ vor einiger Zeit einen Brief veröffentlicht hat. 111 dem Artikel über An-ski berichtet Sokolow einleitend, daß er im Jahre 1902 für kurze Zeit nach Bern kam. Bern war damals ein bedeutendes Zentrum der russisch-jüdischen Studentenschaft. Eine Gruppe dieser Studenten, die sich als ״russische Kolonie“ bezeichnete, veranstaltete in jenen Tagen einen öffentlichen Diskussionsabend über die Juclenfrage. Da Gäste eingeführt werden durften, ging auch Sokolow hin, denn es war ja zu erwarten, daß auch über den Zionismus gesprochen werden wird. Der Hauptredner dieses Abends, ein russisch-jüdischer Sozialist, ״wies nach“, daß die Juden sich nicht als Volk fühlten und daß es daher ein Anachronismus wäre, von einem jüdischen Volke zu sprechen. Diese Ausführungen wurden mit großem Beifall aufgenommen und die weiteren Redner stimmten dem Referenten bei, ja einige waren sogar dafür, diesen Punkt von der Tagesordnung zu streichen und ein anderes Thema anzusetzen. Als das ״Todesurteil“ über das jüdische Volk ״einstimmig“ verkündet wurde, stand plötzlich ein Mann auf und meldete sich zum Wort. ״Meine Damen und Herren, gestatten Sie mir — sagte der Redner ־—, Ihnen eine Wundergeschichte zu erzählen, die ich vor längerer Zeit gehört habe. Ein junger Mann, einziger Sohn seiner Eltern, wurde eines Tages schwer krank. Die Mutter, die ihren Sohn sehr liebte, bemühte sich mit allen Kräften, ihn zu retten. Ein sehr tüchtiger Arzt stand ihr zur Seite, der nichts unversucht ließ, um den Sohn am Leben zu erhalten. Alles war aber vergeblich. Von Stunde zu Stunde verschlimmerte sich der Zustand des Kranken. Als die Mutter noch in letzter Stunde den Arzt herbeiholte und der Arzt den Kranken noch einmal untersuchte, sagte er zur Mutter: ״Gnädige Frau, machen Sie sich auf das Schlimmste gefaßt, die ärztliche Kunst ist machtlos, er wird höchstens noch eine Stunde leben.“ Mit diesen Worten Eröffnungsrede bei der Landesvorsfands - Sitzung Von Dr. Siegfried Moses I. Unsere heutige Tagung erhält ihr Gepräge von den Geschehnissen in Palästina. Der Schlag, der das jüdische Volk jetzt getroffen hat, überschattet jede Zusammenkunft von Zionisten. Die Besonderheit dieses Schlages —• die ihn von den vielen Schlägen unterscheidet, die unser leidgewohntes Volk treffen — ist, daß er sich nicht gegen jüdische Individuen oder gegen eine einzelne, wenn auch noch so große jüdische Gemeinschaft richtet, sondern gegen den Aufbau Palästinas, und damit gegen das Volksganze. Wir fahlen unsere Arbeit Von links nach rechts: Dr. Werner Senator, Dr. Franz Meyer, Dr. Siegfried Moses, Prof. Dr. Otto Warburg, Rechtsanwalt Benno Cohn Folo : Herbert Scr.!! r nicht bloß in wichtigen Teilen gefährdet, sondern in der Wurzel bedroht. Diesen Sorgen und Gedanken und der Stimmung, die aus ihnen resultiert, wird unsere Tagung Ausdruck geben. Aber jeder einzelne von uns hat das Gefühl, daß wir, daß die für die zionistische Arbeit in Deutschland verantwortliche Körperschaft, die zu ihrer ersten Tagung Zusammentritt, cs mit dieser selbstverständlichen Eingliederung in die Gedanken- und Gefühlswelt, i!1 der jetzt das jüdische Volk lebt, nicht bewenden lassen kann. Wir empfinden die dringende Notwendigkeit, den Angriff gegen die Fundamente des Palästina-Aufbaus abwehren zu helfen. Und die Frage lastet auf uns: Was können, wir in diesem Augenblick tun? Der Entscheidungskampf, den unsere Sache jetzt zu bestehen hat, wird an zwei Fronten geführt: auf dem Boden von Erez Israel und auf der Ebene der Politik. Der Jischuw hält in einer über jedes Lob erhabenen Art seit Wochen schwersten Angriffen stand; damit ein Zusammenleben mit den Mitbewohnern des Landes möglich bleibt, verzichtet er — und das ist die vielleicht noch größere Leistung — im vollen Bewußtsein seiner Schlagkraft darauf, die Angriffe zu erwidern. Diese bewunderungswürdige Haltung gibt der Jewish Agency die Möglichkeit, im Namen des jüdischen Volkes eine Politik zu betreiben, die stark ist im doppelten Sinne: stark, indem sie dem arabischen Volke, der Mandatsregierung und der Welt den unerschütterlichen Willen und die unerschütterliehe Kraft standzu halten zeigt und erweist; zugleich aber stark .genug, die Bereitschaft zur loyalen Verständigung mit dem arabischen Volke zu bekennen — ohne die Befürchtung, daß das als Schwäche ausgelegt werden könnte. Wir Zionisten in Deutschland stehen unmittelbar weder an der einen noch an der anderen Front. Unsere Sache ist es, dem Jischuw unsere brüderliche Verbundenheit zum Ausdruck zu bringen und ihn in seiner Haltung zu bestärken. Der Jischuw muß wissen, daß das jüdische Volk und im besonderen die zionistische Weltmeinung seine Haltung bewundert und billigt und überzeugt ist, daß der Jischuw für uns handelt und leidet und daß nur diese Haltung und gerad e diese Haitung die zionistische Politik ermöglicht, die allein einen Ausweg aus der •Situation eröffnen kann. Und schließlich und vor allem müssen wir uns einmütig hinter die Jewish Agency stellen, der wir die politische Arbeit überlassen müssen. Es ist ein Trost im Unglück, daß der Luzerner Kongreß eine Exekutive gewählt hat, die nach ihrer Zusammensetzung alle Voraussetzungen erfüllt, um den Willen der gesamten Weltorganisation wirksam zusammenverließ er die Wohnung. Die Mutter aber wich die ganze Nacht nicht vom Bett des Sohnes. Sie merkte, daß eine kleine Erleichterung eingetreten war, der Kranke begann ruhiger zu atmen und schlief ein. Als der Morgen kam und der Kranke seine Augen aufschlug, lief die Mutter zum Arzt und teilte ihm die freudige Nachricht mit. Ais der Arzt dies hörte, schrie er die Frau an: ״Ausgeschlossen, gänzlich ausgeschlossen!“ Da die Mutter ihn jedoch anflehte, mitzukommen, gab er ihren Bitten nach und ging mit. Er sah den Kranken und sagte: ״Jawohl, er lebt, aber nach der Wissenschaft ist er längst tot.“ ״Jawohl, meine Herren — fügte der Redner hinzu —, Ihr habt den Tod des jüdischen Volkes heute Abend ״wissenschaftlich“ nachgewiesen, und vielleicht ist es auch nach Eurer Theorie wahr, aber das jüdische Volk lebt, gesundet und erholt sich.... Dieser Diskussionsredner war der Schriftsteller An-ski- Rappoport, und dieser Abend war meine erste Begegnung mit ihm.“ Aus dem Hebräischen übersetzt von J. J. Trauerfeier für Sokolow in Oslo. Auf Veranlassung des Vorstandes des Norwegischen Zionistenverbandes veratistaltete die jüdische Gemeinde Det Mosaiske Trossamfund eine Trauerfeier für Sokolow. Mit liturgischen Gesängen von Oberkantor J. Fried wurde die Feier eingeleitet. Im Mittelpunkt stand ein Hesped von Rabbiner J. Samuel, der zugleich der Opfer in Erez Israel gedachte. J. S. zufassen und geschlossen der Welt gegenüber zu vertreten: sic umfaßt alle zionistischen Gruppen und steht unter der Füllrung von Chaim Weizmann. Sie darf erwarten, daß die Zionisten der Welt und daß auch wir Zionisten in Deutschland alles tun, um sie für den Entscheidungskampf zu stärken. Wir wissen uns mit der Exekutive einig, wenn wir uns zu der Politik des Standhaltens und der Verständigung, wie sic gerade auch der Haltung des Jischuw entspricht, bekennen und den Wunsch haben, daß sie in einem klaren Programm ihren Ausdruck findet; in einem Programm, von dem wir in diesem Augenblicke wohl nur sagen können, daß es ebenso mutig wie cs die Daseinsvoraussetzungen für d a s j ii - dische Volk in Palästina darstellcn muß, auch unsere Vor- Stellungen von einem Zusammenleben mit dem arabischen Volke darstcllen sollte. Wir danken es Dr. Weizmann, daß er die Basis für ein solches Programm geschaffen hat durch die Haltung, die er cinnimmt und die etwa darin ihren Ausdruck findet, daß er jetzt, gerade auch jetzt, seine Formel wiederholt hat, d a ß das jüdische Volk in Palästina weder b e - herrscht zu werden noch zu herrschen wünsch t. 11. Mehr ins Einzelne werden wir gehen müssen und dürfen, wenn wir ums mit den eigentlichen Z VfD- Problemen beschäftigen. Hier handelt cs sich zunächst um die Probleme, die ich die externen ZVfI)-Prob!eme nennen mochte. Es ist für uns von höchste!־ Wichtigkeit, wie sich die jüdische Welt zur Auswanderung von Juden aus Deutschland nach Palästina stellt. Wir dürfen feststellen, daß der unter dem Vorsitz von Sir Herbert Samuel stehende Council for German Jewry volles Verständnis für die Dringlichkeit und Bedeutung der Auswanderung nach Palästina gezeigt hat, indem er nach sorgsamen Ueherlegungcn einen angemessenen feil seiner Sammlungsergehnisse für diesen Zweck reserviert hat, ohne dabei die Bedürfnisse der Auswanderung nach anderen Ländern und die sonstigen dringenden Bedürfnisse der Juden in Deutschland außer Acht zu lassen. Ein Sondcrproblcm, das uns in diesem Zusammenhänge beschäftigen wird, ist die Frage, welcher Anteil an den von der Palästina-Regierung zur Verfügung gestellten Zertifikaten grundsätzlich von uns in Anspruch genommen werden darf, wenn wir die Lage der in Deutschland lebenden Juden in Betracht ziehen, uns zugleich aber auch vergegenwärtigen, wie es in den anderen Teilen der jüdischen Welt aussieht. HI. Der letzte Problemkreis, mit dem unsere Tagung sich zu befassen haben wird, betrifft unsere Arbeit in Deutschland. In welchem Maße gerade sie durch die Geschehnisse in Palästina berührt und beeinflußt ist, weiß niemand besser als der Kreis der aktiven Zionisten. Wichtig ist, daß wir uns darüber klar werden, wie das nichtzionistische Judentum auf die Ereignisse reagiert hat und welche Konsequenzen für unsere Arbeit sich aus der Art der Reaktion ergeben. Mir will scheinen, daß die Reaktion der Zionis'tischen Organisation gegenüber anders gewesen ist als gegenüber Palästina selbst. Soweit es sich darum handelte, die Solidarität mit Erez Israel durch Wort und Tat zum Ausdruck zu bringen, dürfen wir feststellen, daß die Schar der Juden, die das Bestreben zeigten, sich in unsere Front einzureihen und dieses Bestreben in die Tat umsetzten, erfreulich groß gewesen ist: Sie geht weit über den Kreis der nichtzionistisclien Mitglieder der Jewish Agency hinaus und umfaßt viele, die erst in den letzten Jahren gedanklich für den Palästina-Aufbau gewonnen werden konnten. Dagegen sehen wir ■— teilweise in den gleichen Kreisen — bei den Erörterungen, die einer organisatorischen Neuordnung des Judentums in Deutschlan d gelten, vielfach eine andere Haltung. Fast sieht es so aus, als ob — vielleicht unbewußt — hei manchen der Wunsch bestände, die gesteigerte Wärme für Palästina durch eine um so kühlere Tendenz gegenüber der Zionistischen Organisation auszugleichen. Das haben wir insbesondere in unseren Kämpfen um die Durchsetzung des den Zionisten gebührenden Einflusses gespürt. Soweit diese Haltung des nichtzionistischcn Judentums etwa auf der Vorstellung beruht, daß unsere Position, daß die Position der zionistischem Arbeit eine Schwächung erfahren hat, werden die Arbeitsberichte, die wir heute hören werden, beweisen, daß diese Annahme nicht zutrifft. Und ich hoffe zuversichtlich, daß gerade die heutige Tagung Zeugnis von unserem ernsten Willen und unserer Fähigkeit ablegen wird, die schweren Aufgaben, die uns jetzt gestellt sind, zu meistern. * Einen Bericht über den Verlauf der Sitzung des Landes- Vorstandes und über die gefaßten Beschlüsse veröffentlichen wir in der nächsten Ausgabe. Klage jüdischer Kaufleute in Danzig Vor dem Zweiten Zivilsenat des Obergerichts Danzig wurde, lt. ״Frankf. Ztg.“ vom 13. 6., ein Prozeß verhandelt, bei dem es sich darum handelte, ob einzelne jüdische Kaufleute zu einer Klage befugt seien, wenn jemand aus Weltanschauungsgriinden dazu aufforderte, nicht bei j 11den 7. u kaufen. Der Vorgang war folgender: Im August 1935 war eine Zeitlang in den Schalterräumen der Allgemeinen Ortskrankenkasse in Danzig eine Anzahl kleiner runder Klebezettel angebracht, die die Karrikatur eines Juden mit der Aufschrift ״wer hei Juden kauft, ist ein Volksverräter“ zeigten. Mehrere jüdische Geschäftsinhaber in Danzig vertraten die Ansicht, daß sich diese Aufforderung auf den Klebezetteln gegen sie auch im einzelnen richte und strengten eine Klage auf Unterlassung an. Ihrem Antrag wurde vom Landgericht in Danzig statt ge geb e n. Gegen dieses Urteil erster Instanz legten die beklagten Vorstandsmitglieder der Allgemeinen Ortskrankenkasse ßerufung ein, über die mehrfach verhandelt wurde. In diesem Prozeß spielte die Entscheidung des Gerichtshofs, im sögenannten ״Kairoer Judenprozeß“ eine Rolle; Prof. Dr. Grimm (Essen) hatte sich auch zu dem Danziger Prozeß in ein ein Gutachten geäußert. Das Obergericht prüfte daher in erster Linie, o b *die Kläger überhaupt befugt seien, die Klage zu erheben, d. h. ob sie die sogenannte ״Aktiv-Legitimation“ besäßen. Das Danziger Obergericht kam zu der Ent- Scheidung, daß sich einzelne jüdische Kaufleute nicht für die Gesamtheit der jüdischen Belange einsetzen und klagen könnten. Das Danziger Obergericht wies daher die Klage wegen mangelnder Aktiv-Legitimation ab.