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Jüdische Rundschau · 1936-06-12 · Heft 47 (12.6.1936) · page 29

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 47 (12.6.1936)
Date
1936-06-12
Page
– (sequence 29)
Language
German
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Nr. 10 KINDER-RUNDSCHAÜ Seite 3 *M-Awr, (Um fc 360 etzt ist in Palästina eine unruhige Zeit. Jeden Tag hört man aufs neue, daß hier ein Mensch getötet, dort ein Hain verbrannt, ein Acker vernichtet worden ist. Deshalb ist die Stimmung hier sehr unruhig. Die Menschen stehen oft in Gruppen auf der Straße und unterhalten sich lebhaft. Am Nachmittag rennen die kleinen Jemeniten jungen durch die Straßen und rufen mit ihren gellenden Stimmen ihre Zeitungen aus: ״Iton-Erew!“ Und sie können die Blätter kaum schnell genug verteilen. Sie werden ihnen aus der Hand gerissen, denn jeder will schnell die letzten Neuigkeiten erfahren. Die Neuigkeiten sind nicht gerade erfreulich in diesen Tagen. Brände, Verwüstungen, vereinzelte Ueberfälle — wer hörte davon gerne! Auf den Straßen, im Autobus, im Cafe, überall sitzen die Menschen hinter ihren Zeitungsblättern. Mit besorgten Gesichtern und ohne Freude. Denn kein Tag vergeht, an dem nicht die Schlagzeile der Zeitung von einem dicken, schwarzen Trauerrand eingefaßt ist... Vorgestern waren wir in Jerusalem. Dort waren die Straßen kaum belebt. Nur wer dringende Geschäfte hatte, verließ sein Haus. Denn in Jerusalem leben Juden und Araber dicht beieinander, und gerade die letzten Tage haben dort Menschenopfer gebracht. Ueber der ganzen Stadt liegt eine schwüle Luft. Die Menschen sind bedrückt und traurig. Auf wilden Zickzackwegen, — prachtvollen Asphalt- Chausseen — fuhren wir durch die Berge nach Tel-Awiw zurück. Eben noch in Jerusalem, wo die Menschen aufgeschreckt und erregt sind, — sind wir jetzt wieder in Tel-Awiw, der rein jüdischen Stadt, wo man vor Ueberfällen vollkommen sicher ist. Unser Bus bahnt sich den Weg durch das Straßengewühl. ״Iton-Erew!“ Zeitungen — überall Zeitungen... An der Rechow-Allenby steigen wir aus. Um uns ein Hasten und Jagen, wie an jedem Spätnachmittag, wenn die Menschen aus den Fabriken und Büros in Massen nach Hause strömen. Ein gewohntes Bild. Da — plötzlich hören wir Singen. Immer näher kommen die Töne, und dann fährt an uns ein Lastwagen vorbei, voll mit singenden Arbeitern. Ihre blauen Hemden flattern im Wind. Sie winken frohlieh mit den Händen und singen frohe Lieder. Vorn, auf dem Wagen weht eine Fahne, blauweiß ist sie. Ein zweiter Wagen kommt, ein dritter. Einer wie der andere angefüllt mit frohen Menschen. Das Singen erfüllt die Straße. Zeitungen, überall Zeitungen Iton-Erew!“ Die Menschen bleiben stehen. Wir starren ohne Verständnis den Wagen nach. Was ist los? Wer singt heute frohe Lieder? Und wir, die wir aus Jerusalem kommen, wissen uns den Jubel nicht zu erklären. Ein Herr tritt auf uns zu, und fragt uns in schlechtem Deutsch: ״Die sind von die — Kwuzoth?“ Dabei nickt er mit dem Kopf in die Richtung, wo eben der letzte Wagen verschwunden ist. Er ist wohl ein Holländer oder Däne, der zur Levante-Messe hier ist, und hat noch nie eine Kwuzah gesehen, sondern nur von Kwuzoth und Chaluzim gehört. ״Sind die von die — Kwuzoth?״ Wir wissen ihm nicht zu ant- Worten. Vielleicht sind das Chaluzim aus einer benachbarten Kwuzah. Aber warum singen sie und jubeln? Wer ist heute fröhlich, wo die Jemenitenjungen mit ihrem Geschrei von einem neuen Menschenverlust in Jerusalem berichten ... Wie wir tja ratlos stehen, tritt jemand auf uns zu, und gibt die Antwort: ״Das sind Arbeiter von dem neuen Hafen, dem Hafen von Tel-Awiw/‘ ״Ah“, macht der Holländer, ״dann verstehe ich, daß sie sind so fröhlich...“ Er lächelt und geht weiter. Jetzt verstehen wir auch. Im Hafen von Jaffa können die Schiffe nicht landen, denn die arabischen Hafenarbeiter streiken. Nun haben die Juden das Recht gefordert, die Schiffe vor dem Strand von Tel-Awiw anlegen zu lassen. Die Erlaubnis wurde erteilt. Sofort begannen die Arbeiter von Tel-Awiw mit der Arbeit. Tag uitd Nacht wurde durchgearbeitet, in mehreren Schichten. Eine Holzbrücke wurde gebaut, Lade- Vorrichtungen wurden errichtet — und dann legte Sestern das erste Schiff an. üe jüdischen Arbeiter fuhren mit Booten hinaus und nahmen die Ladung an Land. Eine Arbeit ist erobert, die vielleicht einmal große Bedeutung haben wird. Viele jüdische Menschen haben neue Arbeit. Tel-Awiw bekommt einen Hafen. Und dies alles in dieser'unruhigen Zeit. Der Jischuw läßt sich nicht unterkriegen. Er fühlt sich stark und kraftvoll. Und wie zum Zeichen, daß das Aufbauwerk trotz allem weitergeht, fahren die Arbeiter singend durch die Straßen. Und ihre blauen Hemden, die gestern noch sauber im Wäscheschrank lagen, sind schon beschmutzt mit dem Sand Tel-Awiws und dem Oel der Maschinen. Nachum a ... ein Lastwagen fährt vorbei Meine schönsten Bücher Mein schönstes Buch ist: ״Pünktchen und Anton“. Die schönste Stelle ist, wie Pünktchen mit ihrem Kinderfräulein abends Streichhölzer verkaufen geht. Hans Liebeck (9 Jahre) X Ich habe sehr viele schöne Bücher, eins von diesen heißt ״Der große bunte Ball“. Besonders gut gefällt mir auch ״Der Retter von Chule“. Das Buch ״Land der Jugend“ und ״Das Lichterhaus im Walde“ gefällt mir auch sehr gut. Renate Lieber, Ellrich (Südharz) (9% Jahre) X Meine schönsten Bücher sind: Kindheit im Exil (von Shmarya Levin), Jüdische Geschichten (von Perez), Aus dem nahen Osten (von Scholem Alejchem). Alle diese Bücher schildern so humorvoll das Leben in den ostjüdischen Städten und Dörfern. Blanko Crunau, Berlin (11 Jahre) Die h&eUde itittde^-RuHeUcUau erscheint am Freitag, dem 26• Juni. Redaktionsschlufl hierfür am Donnerstag, dem 18. Juni• Meine schönsten Bücher sind: ״Tom Sawyer und Huckleberry Finn“ und ״Die Jungen vom Gusch“. Das erstere finde ich deshalb schön, weil die Jungen soviel erleben. Das letztere deshalb, weil darin richtig die Gemeinschaft der Jungen zu sehen ist. Marianne Liebeck (ll'fi Jahre) X Meine schönsten Bücher sind: Biaiik, Mendele Mocher Sforim, deren schöne Snrache und wunderbare Erzählungen mir besonders gut gefallen. Das ״Land der Jugend“ habe ich noch nicht gelesen, hoffe es aber bald zu bekommen. Micha Reich, Jerusalem-Talpioth (13 Jahre) föit* llltizdkzk paf Jehuda Eichenstein, Berlin. — Eugen Fischer, Charlottenburg. — Martin Gerothwohl, Bingen a. Rh. — Heinz Lehrer, Berlin. — Ludwig Mendler, Berlin. — Hans Gerd Mcxer, Brüssel. — Meier Reinhold, Frankfurt a. M. — Richard Reuven, Naharia. — Leo Weil, Köln. — Norbert Max Winawer, Berlin.

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