Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 47 (12.6.1936)
- Date
- 1936-06-12
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 47, 12. VI 1936 JÖDISCHE RUNDSCHAU Seite 17 Presseschau Der Sonderkorrespondent der Londoner ״Times‘1 berichtet in der Ausgabe vom 8. Juni über die Verhandlungen der arabischen Führer mit dem Emir Abdullah. Der Emir habe ihnen verschiedene Fragen vorgelegt, u. a. ob das arabische Streikkomitee in der Lage sei, den Zustand der Gesetzlosigkeit und des bürgerlichen Ungehorsams abzustellen. Die arabischen Führer hätten geantwortet, daß es hoffnungslos sein würde, dies zu versuchen, wenn sie nicht imstande wären, eine definitive Konzession an die arabischen Forderungen vorzuweisen, deren Mindestforderung die Sperrung der jüdischen Einwanderung während der Tätigkeit der Untersuchungskommission ist. Da die Araber aller Schichten durch ihre spontane Aktion und schwere Opfer gezeigt hätten, daß sie bereit seien, jeden Weg zu beschreiten, um ihr Ziel zu erreichen, würde der Versuch vergeblich sein, sie zu beeinflussen, von weiteren Aktionen Abstand zu nehmen, ohne ihnen ein quid pro quo zu bieten. Wenn jedoch irgendeine Genugtuung gegeben werden könnte, würden es die arabischen Führer unternehmen, eine Proklamation zu erlassen mit der Aufforderung, zu den normalen Zuständen zurückzukehren, und ihren persönlichen Einfluß geltend machen, um dieser Aufforderung Nachdruck zu verschaffen. Der Berichterstatter erhofft eine Erleichterung der Situation durch die Verhandlungen des Emirs Abdul- Iah mit Wauchope und fügt hinzu, daß die Araber sich aut nichts einlassen würden, wenn nicht die jüdische Ein- Wanderung während der Untersuchungszeit unterbrochen würde. Er schreibt weiter: ״Ohne Frage muß der erste Schritt zur völligen Wiederherstellung der Ordnung das Aufhören des Streiks sein. Die Streikführung ist jedoch jetzt in der Hand einer Reihe jüngerer Leute, die durch seine Fortsetzung nichts zu verlieren haben und durch Agitation und Einschüchterung alle Mittel bekämpfen können, die entweder von der Regierung oder vom Obersten arabischen Komitee unternommen werden könnten, um den Streik zu beenden. Haifa, das bisher von großen Unruhen dank dem Gleichgewicht zwischen Arabern und Juden verschont geblieben ist, scheint nun eine Wendung der Dinge zu erleben. Die Streikführer scheinen durch ihren Erfolg in der Becinflussung der arabischen Magistratsbeamten ermutigt zu sein Am Freitag und Sonnabend stifteten sie eine Anzahl von Frauen und Kindern dazu an, Paraffin über die Waren zu gießen, die zum Verkauf auf dem Gemüsemarkt auslagen. Dies führte zu einer Unruhe, als einige der Frauen verhaftet wurden und die Menge die Polizei mit Steinen bewarf. Die Demonstration nahm schnell an Umfang zu, und die Anstrengungen, sic zu zerstreuen, waren vergeblich. Nach mehreren blinden Salven schoß die Polizei scharf auf die Menge, die eine Steinbarrikade errichtet hatte. Die Menge floh, ein Mann war tot, ein anderer schwer verwundet.“ * Lord Lamington und Margaret Farquahrson haben durch Zuschriften an die ״T i m e s“ eine Kampagne zur Sammlung eines Fonds eingelcitet, durch den die Berücksichtigung der arabischen Beschwerden ermöglicht werden soll. * Im ״Manchester Guardian“ werden unter der Ueberschrift ״Der tote Punkt in Palästina“ die Möglichkeiten erörtert, die die Entsendung einer Kgl. Untersuchungskommission bietet. Die Juden, heißt es in dem Artikel, haben mit einiger Berechtigung die Kgl. Kommission als ein Nacligeben vor der Gewalt und als einen Schritt kritisiert, dem andere auf demselben Wege leicht würden folgen können. Aber eine Kommission würde es nicht nur den Arabern ermöglichen zu behaupten, daß sie infolge der jüdischen Einwanderung in ihren ״bürgerlichen und religiösen Rechten“ gelitten hätten, oder daß ihre ״Rechte und Stellung“ — wie es in dem Mandat heißt — beeinträchtigt worden seien. Sie würde es auch den Juden ermöglichen, die Politik einer Prüfung zu unterziehen, die die Administration Jahre hindurch bei der Entwicldung des ״Nationalhcims“ verfolgt hat. Fraglos war die Administration, möglicherweise weil sie ihre eigenen Araber und eine weiterreichende Stimmung unter den Mohamtnedanern fürchtet, vielleicht auch, weil einige ihrer Beamten keine Enthusiasten für das Jüdische Nationalheim sind, außerordentlich vorsichtig in ihren Methoden. Eine Kommission, so wird in dem Artikel weiter ausfeführt, würde zeigen, wie gering die Vertretung ist, die den uden trotz ihrer zahlenmäßigen Stärke und ihrer Beiträge zu Kapital und öffentlichen Einkünften bei den öffentlichen Diensten, bei der Polizei, bei den Bahnen, bei der Hafenveiwaltung, zugestanden wurde. Sie würde zeigen, wie behutsam die Administration den Begriff ״wirtschaftliche Aufnahmefähigkeit“ interpretiert hat und wie langsam sie bei der Erteilung der Erlaubnis an Juden war, Ocdlana zu erschließen und es gesund und fruchtbar zu machen, woran in Zukunft auch die Araber Anteil haben dürften. Es ist nicht bloße Einbildung, heißt es zum Schluß, wenn man annimmt, daß die Araber glauben, daß jetzt eine wahre ״Krise“, ein Wendepunkt, gekommen sei, da mehr geeignete jüdische Einwanderer dringend an die Pforten pochen als jemals zuvor. Wenn diese Krise überwunden sein wird, wird man den Juden in Palästina vielleicht erlauben, bis zu dem Punkt vorwärts zu gelangen, an dem ihre Zahl, ihr Fleiß, ihre Intelligenz und ihr Eifer für den Staat sie außerhalb der Reichweite jedes Angriffs gebracht haben werden und an dem ihr beharrliches Wohlwollen und die Macht der Tatsachen die Araber überzeugt haben werden, daß die beiden Völker miteinander leben und arbeiten können und sollen. * Ein Leitartikel der ״Morning-Post“ sagt u. a., in einem Zustand der GescDlosigkcit könnten keine Kompromisse geschlossen werden. Die erste Pflicht der Mandatsmacht sei, die Ordnung wicderherzustellcn und aufrecht zu erhalten, und deswegen könne, solange Gesetzes Verletzungen an der Tagesordnung seien, nicht die Rede davon sein, daß Untersuchungen über Beschwerden usw. angestellt würden. Den arabischen Führern sei angeboten worden, ihre Angelegenheit in London vorzutragen. Sie hätten sich aber geweigert, es sei denn, daß ihre Hauptforderungen von vornherein angenommen worden wären. Einer solchen Bedingung könne keine Regierung zustimmen. Auch der Vorschlag der Einsetzung einer Königlichen Untersuchungskoni mission sei auf Widerstand gestoßen, weil die Araber eine Untersuchung nicht für notwendig hielten. Vielleicht wäre durch die Untersuchung festgestellt worden, daß die jüdische Einwanderung allzu groß gewesen sei und dadurch den Arabern Schaden entstanden wäre. F)as sei aber kein Grund, die Untersuchung abzulehnen. Die Vorschriften des Mandats dürften nicht außer acht gelassen werden, und die Mandatsmacht denke auch gar nicht daran, das zu tun. * Die Londoner ״Daily Mail“, die vor wenigen Tagen für die Einstellung der jüdischen Einwanderung nach Palästina eingetreten ist, hat am 9. Juni wieder einen Leitartikel veröffentlicht, in dem behauptet wird, Palästina sei 1915 den Arabern versprochen worden. Je eher die Regierung eine drastische Aenderung ihrer Palästina-Polit i k vornehme, um so besser werde es sein. Palästinas Orangen-Bilanz 1935/36 Die Abschlußziffern des palästinensi• sehen Zitrus-Exports in der Saison 1933/36, die vor wenigen Wochen zu Ende ging, wurden soeben fertiggestellt. Sie lauten: Palästinas Ausfuhr Saison 1933/34: :1934/35 ״ :1935/36 ״ an Zitrus-Früchtcn: 5 467 063 Kisten ״ 605 283 7 ״ 767 875 5 der Expansion der An- Während ursprünglich gemäß Pflanzungen für die jetzt beendete Saison mit einer Exportmenge von 8—81,4! Millionen Kisten gerechnet worden war, bewirkten die nachteiligen Folgen des vorjährigen abnorm schweren April-Chamsins, daß tatsächlich eine Exportverminderung um 193/י Prozent einfrat. Palästinas Zitrus-Export nach Fruchtgattungen (in Millionen Kisten): Orangen Grapefruit Zitronen Saison 1933/34: 5,122 0,330 0,014 130),0 0,670 6,500 :1934/35 ״ 0,035 0,580 5,250 :1935/36 ״ Der nur unerhebliche Rest setzt sich aus E t n r o g i m, Mandarinen usw. zusammen. Die gesamte Zitrus-Ernte war natürlich etwas höher als die Exportmenge, da ja neben dieser auch noch der Inlandsverbrauch (unmittclbarer Verzehr und industrielle Verarbeitung) hinzuzurcchncn ist, den man diesmal wie auch im Vorjahr auf rund 1,4 Millionen Kisten taxieren darf. Wir kommen somit für die vorjährige Saison auf eine G e s a m t - E r 111 e von schätzungs• weise 8,7 und für die jetzt abgelaufene Saison von 7,3 Millionen Kisten. Da eine Orangenkiste je nach der Größe der Früchte 120 bis 240 Stück, eine Grapefruit-Kiste 64 bis 128 Stück enthält, so ergibt sich, wenn man von einem Mittelwert ausgeht, die interessante Feststellung, daß in der letzten Saison rund l!/! Milliarden Stück Zitrus- Früchte in Palästina geerntet worden sind. Davon entfielen auf jüdische Pflanzungen rund 60, auf arabische rund 40 Prozent. Wichtigste Absatzmärkte des pal ästinen• sischcn Zitrus-Exports (nach Kisten): Die Reihenfolge der Kundenländer ist nach den Exportmengen der Saison 1935 36 geordnet. Die führende Position hat nach wie vor England beibehalten, mit 67,1 Prozent des Gesamt-Exports, was jedoch immerhin eine gewisse Abschwächung gegenüber dem Vorjahr bedeutet, in vvelehern England nicht weniger als 72,0 Prozent unserer gesamten Zitrus-Ausfuhr auinahm. Unsere größte Sorge hin• sichtlich des englischen Marktes bildet der dortige unverhiiltnismäßig hohe Grapefruit-Zoll. Hervorragend entwickelt hat sich, wenn man das kleinere Gesamtmaß unserer diesmaligen Ernte und Ausfuhr berücksichtigt, insbesondere das poln i s c h e, schwedisch e, d ä n i s c h e, t s e 11 e e 11 o s 1 o - wakische und f i 1111 ländisch e Geschäft. Was 14 o 1 - 1 a n d, R u m ä n i e n und Nor w e g e 11 betrifft, so gestaltete sich der Absatz, mindestens relativ nicht ungünstig. _ Die Verkäufe nach Deutschland mußten sich der Devisen- Situation anpassen. Der französische Markt wurde dadurch beeinträchtigt, daß im Januar, also kurz vor Mitte der Saison, ein neues französisch-spanisches Handelsabkommen in Kraft trat, worin Frankreich der spanischen!־nicht ein nahezu lückenloses Absat/monopol einräumte. Das Geschüft in Belgien beeinträchtigten Valuta- und Zoll- Probleme. Kommerziell ist die Saison äußerst irregulär verlaufen. Bis kurz vor Anfang Februar waren die Preise in England und auf dem Kontinent ungewöhnlich schwach, so daß die Exporteure statt eines Gewinns oft noch bares Geld für die Fracht zulegfen. Dann jedoch wandte sich das Blatt. Palästinas unerwartet geringes Ernte-Resultat wurde erkennbar und führte zu knapperen Verschiffungen; außerdem strömte die spanische Ware auf Grund des schon erwäiinten Handelsabkommens plötzlich einseitig nach Frankreich ab. iiiternationa! dlcrdin! '11 Noiiernns ohne daß zn davon 1933/34 1934/35 1935/36 und für 1931 ei כ־3׳ neu soll־ heil vi m 3,1 Mi England: 3 489 162 5 244 337 3 944 785 wir diesmal vorsic htshalbcr ' nur einen Dm Holland: 153 305 355 797 336 438 .CP —,390 ei; 11, so resultiei •t als Gea m 1 Polen: 41 361 161 338 307 658 l'ii r 1935 30 d 1 e Summe von scbat/iing׳ Deutschland: 1 107 774 506 799 218 212 M i! 1 i o 11 e 11 CP. Infolge Miße rufe und Schweden: 50 852 105 633 172 157 bildung ist al Iso trotz weit aus vi!rgrof׳. iertei Rumänien: 108 014 159 612 138 220 und daher entsprc cheiid er holder 1 Spe! eil-/ Frankreich: 41 5S5 173 223 115 691 Brutto-Ertrag wieder auf den Stand voi Norwegen: 58 029 114 526 103 595 gegangen. Deshall b hat d ie Pa läsiin; l-E’lg Dänemark: 91 159 61 794 81 919 entschlossen, den besonder s gesi :liailig teil Tschechoslowakei: .— 49 145 79 874 Umfang des Schadens eine einii lalige Rei Belgien: 43 246 128 404 78 430 wirtschaftsgrundstc ■11er um 25 Iris ׳1 50 1ro/c Finnland: 20 460 40 728 44 585 Dr. J- / Daher stiegen mit einem Male die gen für Palästina-Ware ganz i.apid unsere Pflanzer und Exporteure noch viel Nutz gehabt hätten, da inzwischen bereits last zwei Drittel der Gesamt-Exportmenge noch zu den schlechten Preisen hinausgegangen waren. Wie hoch ist mm der (ics a!11t - Frliis des Exports zu bewerten? In den beiden let/ten Jahren berechnete die ״Jaffa Citrus Exchange“ in Tel-Awiw, das Zcnfralinstifut der jüdischen Zitms-Wirtschaft, den I)urchschnitfswert einer Kiste ״fob Jaffa I laiia“ mit .CP 125, ״ und ermittelte so für die Saison 1933 31 einen Gesamt-Exporterlös von rund 2,3 lionen CF*. Setzen chsehiutissatz von t - E x p 0 r t e r 1 ö s -w eise r u 11 d 2,3 irregulärer Preisr Pl'lan/uiigsfläche, \uhvemlungen, der 1 1033 34 zurück- Ocruiig sich dazu Pflanzern je nach Juktion der Landnt zu gewähren. A<llcr, Tel-Au׳iw Unsicherheit und Selbstbeherrschung Dr. M. G 1 ü c k s o n, der Chefredakteur des ״H a a r e z“, nimmt in einem Leitartikel vom 2. Juni zu den Ereignissen im Lande u. a. w׳ie folgt Stellung: Das 30. jüdische Opfer veranlaßt uns, die Lage nochmals zu durchdenken. Es wird einem ängstlich zumute, wenn man sieht, daß noch keiner der Mörder gefaßt oder verurteilt worden ist. Nach allen Versprechungen, daß die Bürger, die Gesetz und Ordnung einhaltcn wollen, sich auf die Regierung verlassen können und daß die Regierung ihnen die Möglichkeit geben wird, ihre Arbeit fortzusetzen, nach den vielen Deklarationen, dali die Regierung mit Gewalt jedes Verbrechen unterdrücken wird, und nachdem militärische Verstärkungen aus Aegypten gebracht Worden sind, herrscht trotzdem im Lande Anarchie. In den Städten, auf den Landstraßen werden unschuldige Men• sehen am hellen Tage ermordet, und die Mörder werden nicht gefaßt. Die Schlupfwinkel der Mörder in der Altstadt Jerusalems oder in Dörfern wie Lifta bleiben ohne Strafe, und sogar das stärkste Mittel der Regierung, die Kollektivstrafe, ist bis jetzt nicht zur richtigen Anwendung gekommen. Und so entsteht allmählich das Gefühl, daß der Apparat, der für die Sicherheit des Landes zu sorgen hat, Schiffbruch erlitten hat. Wie im Jahre 1929 ist die Polizei überrascht worden, auch diesmal wurden unsere Warnungen überhört. Die Polizei ist nicht in der Lage, die Mörder zu finden, die Gewehr- und Bomhenarsenule zu entdecken und die Organisatoren ausfindig zu machen. Und nicht nur das, der arabische Mob, der bis zu den Zähnen bewaffnet ist, wird nicht nach Waffen untersucht. Während arabische Polizisten auf den Landstraßen jüdische Automobilisten nach Waffen untersuchen, werden Araber ohne jede Untersuchung dmeligelassen. Jeden Tag hören wir von neuen jüdischen Opfern, die auf den Landstraßen ermordet werden, und die Regierung führt ihre Politik des ״Gleichgewichts1• weiter fort. Araber, die mit Dolchen bewaffnet gefaßt werden, weiden freigesprodien, da ja nicht ״bewiesen" worden ist, daß sie die Waffen in böser Absicht trugen. Gleichzeitig werden aber jüdische Chauffeure beschuldigt, deren Autos mit Bomben beworfen wurden, daß sie selbst die Attentäter sind. Einerseits werden wir täglich gerühmt, daß unser Verhalteii während der Unruhen musterhaft war, aber andererscits wird die Bemühung, die Ruhe zu behalten, täglich schwerer. Der jüdische Jischuw im Lande, der nur Frieden und Arbeit wünscht, wurde Schandtaten allsgeliefert. Sein Blut und seiii Besitz ist herrenlos geworden, jeder von uns kann von einer Kugel meucheln:״!dorisch erschossen werden. Die Regierung ist nicht in et er läge, uns das leben zu garantieren, und andererseits gibt sie uns nicht dir in dieser Situation einzige Möglichkeit, uns selb-t zu verteidigen. Ist das der Lohn für unser Verhalten und für unsere Selbstbeherrsehinig? Wie lange wird die Regierung uns noch iti dieser Situation lassen? Genügen ihr die 30 Todesopfer noch nicht? Unter dem Schutz fremder Regierungen Aus Tel-Awiw wird uns geschrieben: Der ״Dawar“ bringt folgendes ״Eingesandt“: ln Jerusalem haben sich unter dem Eindruck der Ereignisse der letzten Wochen 600 amerikanische Juden an den amerikanischen Konsul mit der Bitte um Schutz gewandt. Der Konsul besuchte seine Staatsangehörigen in ihrem Stadtviertel und gab ihnen genaue Anweisungen, wie sie sich im Falle eines Ueberfalls zu verhalten hätten. Und die erste Maßregel ist: die amerikanische Flagge an sichtbarer Stelle aufziehen. Dem amerikanischen Konsul gebührt sicher für sein Verhalten nur Anerkennung. Was aber soll man von unseren Brüdern denken, die sich an ihn um Schutz wandten? Haben sie sich gefragt, was aus den übrigen Hunderttausenden von Juden wird, die sich nicht durch Aufziehen einer amerikanischen Flagge retten können? Ist ihnen klar, was es bedeuten würde, wenn auch andere ״Landsmannschaften“ ihrem Beispiel folgen würden und unter der polnischen, rumänischen, griechischen, bulgarischen Flagge Deckung suchen würden? Denn leider gibt es noch viele unter uns, die die palästinensische Staatsangehörigkeit noch nicht besitzen. Das ist kein Weg! Der ganze Jischuw untersteht unseren nationalen Institutionen. Unser Schutz liegt in den Händen derjenigen Macht, die sich den Juden gegenüber dazu verpflichtet hat, in den Fländen Englands. Aufklärungsarbeit unter Arabern Aus Tel-Awiw wird uns geschrieben: Der ״Dawar“ veröffentlicht folgende Ausführungen eines ״alten Palästinensers“: Mehrere Male brachte schon der ״Dawar“ die Forderung nach einer arabischen Zeitung, die den zionistischen Gedanken den Arabern nahebringen soll. Zwar ist es für den Beginn dieser Arbeit sehr spät, aber wir haben doch nicht das Recht, sie zu vernachlässigen. Schließlich stehen wir ja erst am Beginn unseres Unternehmens, und viele Jahrzennte werden noch vergehen, bis wir ans Ziel -MAGISTER KIRSCH- Der gute Likör Magister-Likörfabrik, München VII gelangen werden. Nicht durch jüdische Kantone und durch jüdisene Miliz, nicht durch Boykott und nicht durch Bürgerkrieg und nicht durch den .ständigen Schlitz des englischen Heeres und ähnliches werden wir unser Endziel erreichen, sondern nur durch gegenseitiges Verständnis und gemeinsame Arbeit mit den Arabern auf allen Gebieten: im Handel, in der Industrie und auch auf verschiedenen Gebieten des kulturellen Lebens. Das müssen wir alle verstehen, und unsere Pflicht ist es, darüber das arabische Volk und besonders auch die palästinensischen Juden auf/nklären. Man sagt allgemein: ״Die Presse macht die Politik.“ Und gerade wir Juden haben in dieser Sache uns völlig jedes Einflusses begeben. Zwar bringt unsere Presse täglich Uehersclzungcn aus der arabischen Presse und ihre Anklagen gegen die Juden Palästinas. Aber damit ist cs nicht getan. Wir übergehen das alles mit Stillschweigen. Und wenn wir selbst antworten, so erscheint unsere Antwort nur in unserer eigenen Presse und erreicht nicht die arabischen Massen und die arabische Intelligenz. Wir haben uns bisher nicht bemüht, die Araber hier im Lande und ihre Stammesgenossen im Ausland über unsere Bestrebungen aufzuklären. Dabei wird seit Jahrzehnten die Forderung laut, diese gleichgültige Haltung aufzugeben. Aber nur ein kleiner Versuch von Privatleuten ist in dieser Richtung gemacht worden, und auch der mußte, da ihm jede Unterstützung fehlte, sein Erscheinen einstellen. Eine ernste Zeitung in arabischer Sprache ist die Forderung der Stunde! Die französischen Behörden in Syrien haben drei ara* bische Zeitungen wegen Veröffentlichung falscher Bericht« über die Lage in Palästina für 10 Tage suspendiert. Bar Mizwah •Termine Am 27. Juni (7. Taninm.-): Benin U ׳> 1! :! ז <ן.ן i ווו r!. ■Sohn von Joseph Oppenheimer, Tel-Awiw, Ncss Zionahstreiit 3. 1