Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 47 (12.6.1936)
- Date
- 1936-06-12
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 47, 12. VI. 1936 Mittelstands-Hachscharah und Mitteistands-Ansiedlung Die Alijah der Juden aus Deutschland hat Palästina vor ein Kolonisationsproblem gestellt, das in dieser Form und in diesem Ausmaß bis dahin nicht existiert hatte. Zum ersten Male in der (ieschiehte der Kolonisation Palästinas trat das Element des Mittelstandes, d. 11. der Einwanderer mit ,€P 1U00 und mehr bei der landwirtschaftlichen Ansiedlung aktiv in Erscheinung. Bis zum Jahre 1033 waren die Versuche, mittclstämlische Elemente in Palästina im Rahmen der gemischten Wirtschaft an/psiedeln, relativ wenig erfolgreich. Die vor 1933 bestellenden Zentren mittclständischer Siedlungen, wie z. B. Benjamina, Magiliel, Ramatajim, Raananah hatten sich allmählich zu reinen Pilan/ungskolonicn entwickelt. Das Interesse an der Förderung׳ einer eigenen gemischten Wirtschaft war zu gering, um die damals noch erheblichen Absatzschwierigkeifen zu überwinden. Aber bald wurden die Gefahren einer einseitig am Weltmarkt orientierten Orangcn-Monokultur sichtbar. Diejenigen aus Deutschland, die entschlossen waren, aufs Land zu gehen, erkannten, daß eine wirklich produktive und krisenfeste Vcrwurzelung nur auf dem Wege der bäuerlichen, gemischten Wirtschaft möglich sein würde. Aus den Erfahrungen der letzten drei Jahre auf dem Gebiet der Mittelstands-Siedlung haben sich zwei für uns wichtige Grunderkenntnisse herauskristallisiert: einmal die Notwendigkeit einer gründlichen und systematischen A 11 s b i! d 11 n g in Europa und zweitens die Bedeutung des Zusammenschlüsse* einer Siedlergruppe schon vor ihrer Ansiedlung, um den notwendigen Kontakt inmrliaü) der Gruppe herzustcllen. Es ist interessant festzustcileu, daß der Weg der An- Siedlung des Mittelsrandes immer starker von den Erfahrungen beeinflußt wird, die die nationale Kolonisation bei der Schaffung der Kollektiv-Wirtschaften gesammelt hat. So wie von jedem Clialuz eine reguläre Iiachscharah vcrlangt wird, so ist auch eine Mitteistands-Ansiedlung ohne V ס r be r e 111111 g um! 4 11 s b i 1 d u n g undenkbar. W eitcrhin ilat sieh erw ic-en, daß die Aü-icdiung inittclstäiulischer Siedler 111 aller Regel nur in Form einer ürup pensicd• I u ri g (Hier durch Anschluß an eine andere bereits bestehende Siedk rgruppe durchführbar ist. So sclbstw!stündlich diese Erkenntnisse sind, so wenig ist bisher in der Praxis für ihre Verwirklichung getan worden. Bisiier fanden sich die Sicdicrgrtippen erst nad! oft nionati lang., r Warn׳,׳» il in Palästina zusammen. Kostbare Zeit, Kapilal und Nerven wurden nutzlos verbraucht. Die MG1r/ahl der Siedln׳ besaß keinerlei. Erfahrung, die meisten von ihnen hallen keine systematische Ausbildung. Erst in den kt/ten jahrcii gelang es in größerem Ausmaß, Hachs c h ■1׳ r a h p I a t / e für MiueistaiRj.isiedler in Palästina zu bestliafien, was jedoch nur unter großen Schwierigkeiten möglich war. I iie landwirtschaftlichen Schulen stellen nur jüngeren Menschen olfen. Die Mehrzahl der bäuerlichen Betriebe basiert auf der Selbstarbeil: des •Siedlers und seiner Familie und bietci daher weder arbeitsmäßig noch räumlich Platz für eine zweite Familie, die sich dort der Ausbildung widmen will, Uml nur wenige große Betriebe haben einzelne Betriebszweige technisch so gut ausgebiidet, daß sie eine wirklich gute Vorbereitung gewährleisten können. Nach alledem ergibt sielt die Forderung, daß der künftige Siedler sieh schon hier auf seine neue Tätigkeit körperlich und geistig vorbereitet! muß. Für Menschen in vorgerücktem Alter sind die Schwierigkeiten der Umstellung auf körperliche Arbeit und die Belastungen klimatischer, sprachlicher und psychischer Art so groß, daß sie in dieser zeitlichen Häufung oft eine zu schwere Bürde darstellen. Es ist ein Gebot der Zweckmäßigkeit, diese vielfältigen Schwierigkeiten auf mehrere Etappen zu verteilen und schon hier, in gewohntem Klima und in gewohnter Umgebung mit der Umstellung auf körperliche Arbeit zu beginnen. Schließlich darf auch die besondere Situation der Juden in Deutschland nicht vetgesjei! werden. Die gegenwärtige T r a n s f e r 1:1 g e zwingt den Einzelnen zu einer langen unproduktiven Wartezeit, die er nicht aimivoller ausfiilleii kann, a.N durch eine reguläre Ausbildung. Alles, was er erlernt und an P! l.iiirmigc.u .sammelt, kann er dem Aufbau seiner eigen» 11 Wirtschaft uiimitt■ Ib.tr nutzbar machen. Jedes Plus an ti'dinisi 11•. 11; Können wi!kt wie ein zusätzlicher Betrag an lietrh liskapäial, den er seiner Wirtschaft zufiilirt. Die Fortsetzung d> r g e 111 eins u 111 e 11 Ausbildung in eimr g e 111 e i!1 -• a :11 e 1! A 11 - 1 e dl 11!1 g ergibt sieh von SclNt. Dt erat die A4• ־•;׳י!i1!׳׳ ko!t einer kollektiven Ausbildung gi-g! heu, so wird d!durch an!1 ein engerer Kontakt der künftigen Siedler :׳» -chaifen und die Bildung von Gruppen erniog'n 111. Die I nah! 11׳.g;ehrt immer wieder, daß die An- Siedlung in (!1 uppen die ln1a!1/1e!ie Belastung des Fil!Zeinen und die adimiiis!: 111 en Aufgaben der kolonisierenden liistanzell ganz ho,!11':Ji e! ie iciiiei t. 1 )e-lluib ist es zu begrüß len, uemi das P.ß.isiimi-Auit Ik׳!;i!1 den ersten Schritt zur Orgaiiisierung einer uy m.1s־ci1 M! 11 e 1 s f a 11 d s - f 1 a c 11 5 e 11 a ־ r a 11 ge״׳t1׳ hat. Wie wir 11 fahien, uid das!,.ikisiiiu-Amt in verseiltedem n '1 uh u 1.0.10 hhimis Gn:pp1;1 \ mi je 2) bis 30 Teiliielmieni ,1,0: 1 hio 1 1 1 fabln!:.׳-gemäß durfte in »1er Regel die A 11 e 1' s :׳ r e 1! / e w; >:;i auf!3 j.ihre• an/ioct/ri! sein, wobei seli!,1\׳eo! :3 i! in I w/,!: ,110 11 Ineivoii Ahw'eidmngeu nach (allen und unten g-. :naeid wer,.hu können. Eine wichtige Voratisset/nru ot di!• ׳; e « »1 11 d!1 e i t 1 i c 11 e und kor perliehe I 1 u :: u 11 g d,Kandidaten. Daher wird vor Antritt der 1 iachs. h 11,111;! .!׳. r T»׳ib1ch;m׳r ein är/fliriies Attest beibringen!miss,■11. |äio I im lojiarali/eid! en werden unter regetmäßiger ärztlicher Aufsicht stehen. Aus sitHliuiipsteelinPcheu Gründen sollen Familien gegenüber Fin/Unen bevoi zogt werden. Eine besondere Schwierigkeit bietet die Unterbringung von K i n - dern. Soweit es sieh tmi Kinder handelt, die noch nicht schulpflichtig sind, wird wohl in den meisten Hachscharali- Zentren ihre Aufnahme möglich sein. Kinder, die das 14. Lebensjahr ubersehriften haben, können unter Umstanden im Rahmen der Mitliercn-1 t.u I1s< harali, die einiger) Zentren der Mittelsehaiuls-f lachseharah allgegliedert werden wird, unterrgebracht werden. Bei .schulpflichtigen Kindern wird sich die Unterbringung mir dort empfehlen, wo eine geeignete Ein- SChulungsrnöghVIikcit gegeben ist. Die A u 3 b i 1 »i 11!1 g soll in der Regel 1--1V* Jahre dauern, da eine kürzere Zeit schon wegen der Verteilung der Arbeiten auf die verschiedenen Jahreszeiten keinen genügenden Einblick in die Arbeitsverbältnisse auf dem Lande gestattet. Neben der fachlichen Ausbildung; in aßen notwendigen Zweigen der Landwirtschaft, des Gartenbaues, der Viehnaltung, Kleintierzucht und Hauswirtschaft Wird die geistige V o'r b c r e i 111 11 g auf Palästina, insbesondere die Erlernung des Hebräisch e 11 (vor allem während der weniger mit Außcnarbeit ausgefüllten Wiritermonatej, einen genügend großen Raum eimicluncn. Freilich können die arbeitsmäßigen Anforder u n geil, die man an einen Ghaluz stellen muß, nicht in gleichem Maße auf die Mittelst;indssicdler angewandt werden. Es wird jedoch ohne weiteres verständlich «ein, daß diese Rücksichtnahme, schon im Hinblick auf die Notwendigkeiten der späteren eigenen Wirtschaft in Palästina, ihre natürliche Grenzen hat. Was die Möglichkeit einer späteren Ausicalung in Von der Arbeit des KH. Die Aktion zur Ansiedlung von Juden aus Deutschland Die Antwort auf die gegenwärtigen Unruhen in Palästina, zu der das Präsidium des Keren Hajessod und der Geschäftsführende Ausschuß der Zionistischen Vereinigung für Deutsch- ]and die Freunde des Keren Hajessod aufgefordert haben: in einer Sonderaktion ״Für Einwanderung und Aufbau“ ein Viertel der laufenden regulären KH-Zeichnung zusätzlich aufzubringen, wird allenthalben freudig gegeben. Der Beginn des Sommers zeigt demgemäß ein Bild erhöhter Anstrengungen Für den nationalen Kolonisation«- onus des Palästina-Werkes. f JOdlsehe Kooperation Wenn wir ln diesem Augenblick die Tätigkeit des Keren Hajessod im vergangenen Winter, insbesondere in seiner zweiten Hälfte, überblicken, so dürfen wir mit Genugtuung feststellcn, daß der Appell zur nationalen Selbsthilfe nicht ungehört verhallt ist, ja daß er ein erheblich stärkeres Echo gefunden hat als je zuvor. Seit dem XXV. Delegiertentag der ZVfD. zu Anfang Februar sind vier Monate vergangen. Eine kurze Zeit; alter in ihrer knappen Spanne wurde Bcdcutendes unternommen und erreicht, ln nicht weniger als 20 größeren Städten und 112 mittleren und kleineren Gemeinden wurden in dieser Zeit Aktionen des Keren Hajessod durchgeführt. In ihrem Zeichen vereinigten sich die zionistischen Ortsgruppen und die paritätisch aus Zionisten und Nicht- Zionisten bestellenden Ortskomitees der Jewish Agency mit den Vorständen der Gemeinden und der repräsentativen jlidisehen Körperschaften. Noch in der zweiten Hälfte des Monats Januar wurden die Aktionen in Bremen, Essen, Düsseldorf und Frankfurt am Main eröffnet: in Bremen wurde die Kundgebung vom Vorsitzenden der Gemeinde, Herrn Mark reich, dem Gemtimlerabbiiter Dr. Aber und dem Vorsitzenden des KH- Komitees, Herrn Skgbert Zacharias begrüßt. In Essen sprach Rabbiner D1־. Hugo Hahn, in Düsseldorf Rab- Einer Dr. E s c!1 c 1 b a c h e r und der Oemdndcvorsitzende, Herr Erich Felsen thal, zu Beginn der Versammlung. Die Kundgebung in der Wcstend-Synagogc zu Frankfurt a m M a i n wurde mit einer Ansprache des Gemeindevorsitzenden Justizrat Blau eröffnet. Der Monat Februar brachte Aktionen in zwei weiteren üroßgemeinden, Leipzig und Miindien, sowie jn allen wesentlichen Orten der Provinz Ober- Schlesien.!11 Leipzig hieß der Qemcindevorsitzcnde, Herr Kar! G 0 1 ds c h m i d t, die in der Synagoge versammelten Besucherscharen willkommen, in München, wo ebenfalls die Synagoge den feierlichen Rahmen für den Auftakt bot, sprachen Überstlaiulesgeriditsrat Neumeyer, Rabbiner Dr. B a c r w a 1 d, sowie der Vorsitzende der Zionistischen Ortsgruppe, Manfred Stur mann. Die Versammlungen und Aktionen im oberschlesisclien Bezirk erfaßten B e u t h e n, G I e i - witz, H111 d c n b u r g, O p p e 1 n und R a t i b o r. Gleichfalls noch in den Februar fiel die Aktion ln U1 m. Im Monat Marz, arbeitete der Keren Hajessod vornehmlieh in West- und Süd Westdeutschland. Dortmund und Duisburg, sodann Mainz, Karlsruhe und Stuttgart waren die Brennpunkte der Aktion. In all diesen Städten das gleiche Bild jüdischer Einmütigkeit im Zeichen des Aufbaus der nationalen Heimstätte. In Karlsruhe wurde die Kundgebung in der Synagoge durch eine Rede von Rabbiner Dr. Schiff eröffnet Emen sehr würdigen Verlaut nahm auch die Versammlung in Stuttgart; Begrüßungsanspradien hielten dort RA. Dr. Gum bei im Namen des Oberrates der wiirttembergischen Israeliten, sowie Dr. Tänzer Im Aufträge des Vorsteheramte! der Gemeinde. Die Feiertagspause im Monat April bedingte eine vorübergehende Verlangsamtuig des Tempos. Immerhin konnte in Erfurt eine größere Aktion durchgeführt werden; im Mai wurde die Arbeit in H annover, Wiesbaden und Mannheim fortgesetzt. In einer großen Reihe von Versammlungen sprach der geschäftsfülirende Vizepräsident des Keren Hajessod in Deutschland, Dr. Michael T r a u b. In anderen Städten beteiligten sich an den Kundgebungen die Herren F>r. Ernst B e r e n t, Berlin, Dr. Friedrich Brodnitz, Berlin, Dr. Hans Fricdenthal, Berlin, Rabbiner Dr. Max Grünewald, Mannheim, Assessor Oeorg 01( f m a n n, Düsseldorf, RA. luüus Jarosch, Berlin, Rabb. Dr. Lazarus (Wiesbaden), Rabbiner Dr. L e 1111 e, Frankfurt an! Main, Amtsgerichtsrat i, R. Otto May, Köhl, Dr. Franz Meyer, Berlin, Dr. Josef Neuberger (Düsseldorf), Dr. Hans Po nieranz, Frankfurt am Main, Dr. Joachim Prinz, Berlin, Dr. Leo S c 11 c r e k, Berlin, Dr. David Schl o ß b e r g, Berlin, und Dr. Eduard Strauß, Frankfurt am Main. Viele Zehntausende bekundeten durch ihr Erscheinen ihre lebhafte Anteilnähme am Palästina-Aufbau. Neben der eigentlichen Arbeit des Keren Hajessod kamen alle aktuellen Probleme, die das jüdische Leben gegenwärtig charakterisieren, in diesen Vorträgen zur Sprache. In einer eingehenden Analyse der jüdisehen Wanderverhältnisse wurde nachgewiesen, daß Erez Israel allein imstande ist, für die indische Gesamtheit einen Rahmen zu bieten, in dem sie in Freiheit ihre wesenseigenen Kräfte zu entfalten vermag. Den ernsten Sorgen, die große Teile unseres Volkes außerhalb der deutschen Grenzen, insbesondere in Polen, bedrängen, wurde die gebührende Beachtung gewidmet. Gerade der Umstand, daß das laufende Jahr 5(196 bei uns zu in Jahr der ״Aktion für Ansiedlung von Juden aus Deutschland“ proklamiert worden war, bot Veranlassung, immer wieder den Massen der Zuhörer Ins Bewußtsein zurückzurufen, welche besondere Rücksicht damit einem zahlenmäßig doch nur kleinen Volksteil entgegengebracht wird, sie zu ermahnen, dies nicht als Privilegierung zu genießen, sondern es als Ansporn zu erhöhter Verpflichtung, zu gesteigerter Leistung 1m Sinne des Gedankens nationaler Solidarität auf sich wirken zu lassen. Die Unruhen in Erez Israel wurden einer Betrachtung unterzogen. Erfolg« Die Ergebnisse der Aktion beweisen mit aller Deutlichkeit, daß nicht leere Versammlung* begeisterung, sondern wirkliehe Kraft zu jüdischer Leistung aus der Teilnahme an den Kundgehangen erwuchs. Keine Stadt, in der nicht trotz der bereits recht fühlbaren Abwanderung das Ergebnis des Vorjahres nen-!!entwert übertroffen worden wäre. Besonders erfolgreich f~." Düsseldorf um 85 0״ über dem“ des Vorjahres. Andere Städte wie Frankfurt am Main,, München, Karlsruhe, Ulm und Dortmund steigerten ihre vorjährige Leistung um 100 ״/o und darüber, ja in Stuttgart war eine Erhöhung um!50% zu verzeichnen, — ein Beweis für die ־zentrale Bedeutung, die dem werdenden Bau in Palästina im Leben der Galuthjudcnheit schon heute zugemessen wird. Diesen beträchtlichen Erfolgen ist es zu danken, daß die Berliner Zentrale zu Erew Schwuath dem Hauptbüro des Keren Hajessod in Jerusalem die Meldung machen konnte, daß in den 71,4 Monaten seit Bef’ ״ Jahre erzielt worden war. Die Bedeutung dieses Ereignisses geht weit über den Rahmen der Arbeit in Deutschland hinaus. Es hat einen exemplarischen Wert für die Tätigkeit des Keren Hajessod in allen anderen Ländern. Wir sind gewiß, daß dieses Beispiel seine Wirkung auch auf diejenigen Gruppen unseres Volkes in der Welt tun wird, die bisher abseits standen oder nur ungenügend sich beteiligten. Alle die aber, die zum Gelingen beigetragen haben, sollen wissen, daß schon jetzt auch die praktischen Resultate dieser Arbeit zur Ansiedlung von Juden aus Deutschland in Palästina sichtbar werden. Wenn die Mandatsregicrung auf Grund des Palästinabudgets des Council for German Jevvry in London der Jewish Agency 1200 Zertifikate für Deutschland zusätzlieh, außerhalb des allgemeinen Schedules, zur Verfügung gestellt hat, so kann uns mit besonderer Befriedigung erfüllen, auch durch unsere Leistung dazu beigetragen zu haben. Daneben ist die Lcistungswilligkeit anderer jüdischer Gruppen außerhalb Deutschlands durch das Ergebnis unserer KH.־Aktion jiositiv beeinflußt worden. Der entschlossene Wille zur Anspannung aller eigenen Energien, der in ihr sich manifestiert hat, erhöhte die Bereitschaft, die Hilfsleistung zu verstärken. Die Sonderaktion für Einwanderung und Aufbau Die vom Präsidium des KH. und dem Geschäftsführern den Ausschuß der ZVfD. aus Anlaß der Ereignisse in Palästina proklamierte ״S o n d e r a k t i o n für E i n w a n d e - rung und Aufbau“, zu der einen Sonderbeitrag von wenigstens einem Viertel der regelmäßigen Zeichnung beizusteuern alle Freunde und Mitglieder des KH. aufgefordert wurden, hat in starkem Maße der Stimmung und der ungebrochcnen Aufbaubereitschaft der Juden Deutschlands entsprociien. Dies kam in besonders deutlicher Weise auf zwei Tagungen in Mitteldeutschland und Rheinland -Westfalen zum Ausdruck, auf denen sich die Ortskoniitees der Jewish Agency, die KH.-Koniniissionen der zionistischen Ortsgruppen und ehrenamtliche Mitarbeiter des KH. in großer Zahl zur Besprechung der Lage in Palästina und der Durchführung der Sonderaktion versammelten. Die Ende Mai im Rahmen des mitteldeutschen Gruppenverbandstages zusammengetretene Sondertagung des KH. gab ihrem Willen zur Mitarbeit in folgenden, auch vorn Plenum des Gruppenverbandstages mit besonderem Beifall aufgenommenen Resolutionen Ausdruck: 1״. Der zionistische Gruppenverbandstag Mitteldeutschland vom 24. Mai 1936 steht unter dem tiefen Eindruck der Ereignisse in Erez Israel. Er bewundert mit Stolz die würdige und entschiedene Haltung des gesamten palästinensischen Jischuw gegenüber den immer noch andauernden Angriffen verhetzter arabischer Volksteile aut jüdisches Gut und Blut. Er verpflichtet die ihm angehörigen Gruppen und jedes einzelne seiner Mitglieder zu der einzigen Antwort, die die Judenheit aut diese arabischen Angriffe und Gewaltakte zu geben vermag, nämiieh zu nachdrücklichem Einsatz jedes Einzelnen in der w'eitcr fortzusetzenden Arbeit um die Stärkung und Ausweitung des jüdischen Aufbauwerkes in Erez Israel. Demzufolge erwartet er insbesondere von allen seinen Gruppen angebörigen Menschen verstärkten Einsatz und unbedingte Opferbereitschaft zugunsten der nationalen Fonds, denen zur Erreichung des erstrebten Zieles gerade in dieser Zeit besondere Aufgaben erwachsen sind, und fordert alle ihm Angeschlossenen zu konzentrierter Mitarbeit an der bevorstehenden Sonderaktion des Keren Hajessod auf. 2. Die zugleich mit dem Gruppenverbandstag zusammengetretenen Mitglieder der mitteldeutschen Ortskoniitees der Jewish Agency for Palestine schließen sich diesem Aufrufe an. Auch sie vertreten mit Nachdruck die Auffassung, daß es heute mehr denn je jedes Juden Pflicht ist, die Arbeit für den Aufbau des jüdischen Palästina mit allen ihm zur Verfügung stehenden Kräften zu fördern.“ Am 7. Juni kamen die Vertreter fast aller großen und mittleren Gemeinden des Rheinlands und Westf a 1 e n s in Essen zusammen. Nach ausführlichen Palästina* berichten der soeben aus dem Lande zurückgekehrten Herren Rabb. Dr. Hugo Hahn, Essen, und Walter Tempel, Berlin, deren Ausführungen noch durch Beobachtungen von Rabb. Dr. Neu mark, Duisburg, ergänzt wurden, nahm die nach Urteil aller Teilnehmer besonders befriedigend verlaufenc Tagung folgende Entschließung an: ״Die in Essen zusammengetretene Arbeitstagung der Hahn, Essen, und Walter Tempel, Berlin, zu der vom Präsidium des Keren Hajessod aus Anlaß der Ereignisse in Palästina verkündeten ״Sonderaktion für Einwanderung und Aufbau“. Sie ist sich der großen Verantwortung bewußt, die gerade in dieser Stunde auf den Juden Deutschlands lastet, und erklärt sich bereit, dem Appell des Keren Hajessod mit erhöhter Einsatzbereitschaft Folge zu leisten.“ Palästina anbelangt, so sind durch das Palästina-Amt seit dem Luzerncr Kongreß hierüber Verhandlungen geführt worden, die sich in den letzten Wochen zu konkreten Ergebiiissen verdichtet haben. Es wird angestrebt, daß die Teil- 11 chm er der Mittelstands-Hachscharah sich zu Siedlergruppen zusammenschließen. Hierbei werden zwei Möghchkeiten oifenstehen: 1. Solche Gruppen, die pro Familie über zirka £P 1000 verfügen und 2. solche, die mit £P 1500 und mehr rechnen können. Die erste Gruppe soll auf nationalem Boden (KKL), die zweite auf privatem Boden zur Ansiedlung gelangen. Die organisatorischen Maßnahmen werden voraussichtlich in den Händen der ״Rassco“ hegen. Ferner ist daran gedacht, daß Jeder Gruppe de* fandwlrtsch aftHche Instruktor, der sie schon während der Hachscliarah in Deutschland betreut, auch im Lande zur Verfügung stehen soll. Unabhängig davon steht es selbstverständlich dem Einzefnen frei, seine Dispositionen nach eigenem Ermessen zu treffen. Der Anschluß an eine Siedlungsgruppc ist nicht Vor- Aussetzung der Aufnahme zur Mittelstands-Haclischarah. Wie weiter vom Palästina-Amt mitgeteilt wird, besteht schon ab 1. Juli die konkrete Möglichkeit einer Mittelstands-Hachscharah für eine Reihe von Teilnehmern. Weitere Einzelheiten sind aus der offiziellen Ankündigung unter der Rubrik ״Mitteilungen des Palästina-Amtes“ zu ersehen.