Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 46 (9.6.1936)
- Date
- 1936-06-09
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 46, 9. VI. 1936 JÖDISCHE RUNDSCHAU Seite 13 Der Tel-Awiwer Hafen Schiffahrt, die ja am Palästina-Geschäft stark interessiert ist, hat eine Bilderschau arrangiert. Eine Reihe von amerikanischen und europäischen Produzenten, deren Staate« keine eigene Ausstellung veranstaltet haben, kommen wenigstens mit einzelnen Erzeugnissen in an• derem Zusammenhang zur Geltung. So gibt es einen ge• mischten Pavillon, in dem große palästinensische und ausländische Handelsfirmen die von ihnen vertriebenen oder vertretenen Auslandserzeugnisse zeigen; auch die Maschinenhalle sowie der mit einer Ausstellung des Acro-CIuhs verbundene Autosaal enthalten natürlich zum großen Teil ausläudische Fabrikate. So sieht man etwa a incrikanische Autos und Erntemaschinen, schwedische Kugellager, ferner Kühlschränke, Flaschen und Konserven aus aller Welt, dänische Bedarfsartikel für den Schiffbau und anderes mehr. Einen besonderen Stand für sich iiat eine große ungarische Maschinenfabrik und schließlich sei ein finnisches Musterholzhaus als Repräsentant unseres nördlichsten Handelspartners erwähnt. Noch sehr in den Anfängen steckt derjenige Teil der Levantemesse, der de« für unsere Zukunft so wichtigen Wirt- Schaftsbeziehungen mit unseren Nachbarländern gewidmet ist. Hier ist besonders der türkisch e Pavillon zu erwähnen. In Plan und Anlage besonders straff durchdacht, gibt er mit anschaulichen Graphiken und Bildern ein — vielen gewiß neues — Bild, von dem wirtschaftlichen Aufschwung dieses Landes in den anderthalb Jahrzehnten des neuen Regimes. Beachtung werden zweifellos auch die Darbietungen aus der Geflügelzucht und Et erwirtschaft der Türkei finden, und namentheh die Proben von der Leistungssteigerung des Berghaus und den Fortschritten der Kohleveredelung. Auch Erzeugnisse jüngerer Industrien, wie Konfekt und Parfümerien, werden gezeigt. Palästinas unmittelbarer nördlicher Nachbar, das französische Mandatsgebiet Syrien und Libanon, ist mir teilweise vertreten, nämlich mit einem kleinen, aber äußerst geschmackvollen Pavillon der Republik Libanon, der an der Außen• Seite mit einem antiken Relief geschmückt ist und innen schöne Teppiche, Tücher und Möbel heimischer Erzeugung zeigt. Daß vcreinzelne ä gyptischc Firmen in den erwähnten Sammelausstellungen vertreten sind, entspricht in keiner Weise dem Stand der wirtschaftlichen und finanziellen Beziehungen zwischen diesen beiden Ländern, die sich! ja gerade in allerneuester Zeit sehr erfreulich entwickelt haben, und auch die kleine Verkaufsausstellung des sudanesischen Kunstgewerbcs zeigt uns zwar dieses Land von einer sehr reizvollen Seite —• die geschmackvollen Leder- und Stoffarbeiten finden starkes Interesse — ist aber ebenfalls kein Ersatz für eine gesamtwirtschaftliche Vertretung. Es ist zu hoffen, daß sich in ruhigeren Zeiten gerade dieser so wichtige Zweig der Levante-Messe, der Leistlings- und Erfahrmgsrustausch zwisehen den verschiedener! Völkern des Nahen Ostens, weiter entwickeln wird. W. Düster wald, Tel-Awiw ״Blau-weißer Tag“ auf der Messe Tel-Awiw, 3. Juni. (JTA.) im Rahmen der Levante- Messe wurde ein ״Blau-weißer Tag“ abgelialten, bei dem unter anderen Rednern auch der aschkenasischc Überrabbiner von Tel- Awiw, Rabbi Avigdor Ami ei, eine Ansprache hielt. Oberrahbiner Amid richtete eine scharte Warnung an die arabischen Terroristen. Der jüdischen Presse wurde verboten, Berichte über die Rede Rabbi Amiels zu bringen. Sämtliche Redner bei dem ״Blau-weißen Tag“ wurden am folgenden Morgen zum Distriktsbeamten berufe«, um sich wegen unerlaubter Teilnähme an einer Versammlung zu verantworten. Levante-Messe geschlossen Tel-Awiw, 7. Juni. (JTA.) Am 6. Juni abends ist die Levante-Messe in Tel-Awiw feierlich geschlossen worden. Im Hinblick auf die bevorstehende Schließung der Messe war der Besuch in den letzten Tagen besonders rege. Insgesamt ist die diesjährige Messe von weit über 300 000 Menschen besucht worden. Berichtigung. Das in Nr. 41 vom 22. 5. erschienene Bild von der Levante-Messe stellte nicht das Amphitheater dar, sondern einen Blick auf das Messegelände mit dem Messe- Cafe im Vordergrund. Auch während Ihres Urlaubs können Sie unsere Zeitung pünktlich erhalten, wenn Sie bei Ihrem zuständigem Postamt Nachsende-Antras stellen. Familien - Nachrichten Herr Louis Groß mann und Frau Mc'a. geh. Gott»; lialk. Tel-Awiw, Rechow Dizengoff 69, begehen am 13. Juni die silberne Hochzeit. Bar Mizwah-Termine Am 20. Juni (30. Siwan): Richard Reuvcn K a t z, Sohn von Alfred Katz, Naharia (hiiher iiuniUerg). Im ״Bustenai“ vom 28. Mai schreibt Mosch eh Smilanski in einem Artikel ״Symbole*‘ u. a. folgendes; Die von der Regierung erteilte Erlaubnis für das Ausladen von Schiffen in Tel-Awiw ist zwar nur eine zeitweilige, aber es bestellt gar kein Zweifel, daß sie nicht zurückgezogen werden wird, wenn wir es verstellen werden, der Regierung glaubhaft zu machen, daß dieses Problem nicht nur durch die Unruhen bedingt war, sondern von dauernder Bedeutung ist. Es ist zu hoffen, daß die Regierung ihre Pflicht dem Jiscluiw gegenüber erfüllen und einen Hafen in Tel-Awiw bauen wird. Der Gedanke des Hafens in Tel-Awiw ist ia nicht erst durch den Streik der Hafenarbeiter in Jaffa entstanden, wenn aucli diese Handlung die Sache beschleunigt hat. Wir bestehen darauf, nicht aus einem Rachegefülil gegen die Schiffsleute in Jaffa und auch nicht gegen die arabische Bevölkerung. Fs ist zwar wahr, daß wir dem Monopol der arabischen Schiffer in Jaffa ein Ende machen wollen, denn ein Monopol bringt immer eine Gefahr mit sich. Aber man kann dieses Monopol brechen, ohne daß der Hafen in Jaffa abgeschafft wird. Wir haben keineswegs die Absicht, den Hafen von Jaffa überflüssig zu machen. Der Hafen bestand und soll auch weiter bestellen; denn das Land kann sich heute schon nicht mit diesen zwei Häfen begnügen, und ich bin davon überzeugt, daß außer dem großen Hafen in Haifa es notwendig sein wird, den Hafen in Jaffa zu erhalten und ihn auszubauen lind außerdem Häfen in Tel-Awiw und in Gaza zu bauen. Der Hafen in Tel-Awiw ist eine Wirtschaft- Die Regierung bat die Vertiefung der Mündung des Flusses jarkon genehmigt. Diese Genehmigung wird als ein wichtiger Schritt zur Schaffung des Tel-Awiwer Hafens angesehen. Die Vertiefung des Jarkon sichert den Aitsladungsharken, welche jetzt auf offener See ankern, den notwendigen Schutz vor Unwetter. Der jüdische Dampfer ״Atid“ ist vor Tel-Awiw eingetroffen, um Waren auszuladen und eine Ladung palärtinensischer Produkte aufzuiiehmen. Er brachte neun neue Leichterboote, weiche iin Hafen Tei-Awiw zur Verwendung gelangen sollen. Im Amphitheater der Levantemesse fanden zwei Aufführungen einer ״Schau einheimischer Produkte“ statt. Die erste Aufführung galt einem jugendlichen Publikum, au welches Dizengoff eine Ansprache richtete. Bei der zweiten Aufführung für Erwachsene sprachen Reinez und S c h e n k a r. Nach Schluß der Levante-Messe wird ein Teil der Aus- Stellungsgebäude von vier großen Fabrikbetrieben, darunter der Zigarettenfabrik ״Maspero“, welche sich früher in Jaffa befand, übernommen werden. Ein anderer Teil der Gebäude wird als Warendepot des Hafens Verwendung finden. ״Palcor“ erfährt, daß die Regierung ein Gebäude in der Alleuby-Straße in Tel-Awiw gemietet hat, um die ad ministrativen Aemter sowie das Finanzamt und die Landregistratur unterzubringen. jüdische Kaufleute haben 9״ Tage jüdischer Butter‘‘ proklamiert. Während dieser Zeit soll keine auswärtige, sondern nur i!1 den jüdischen Siedlungen iiergestellte Butter verkauft werden. Sämtliche Importeure haben sich der Bewegung aiigeschlossen. Der Arbeiterrat von Petach Tikwah hat eine Erhebung über die Zahl der in den Plantagen von Petach Tikwah und Umgebung beschäftigten jüdischen und arabischen Arbeiter durchgefiihrt. Es ergab sich, daß in diesem Gebiet zur Zeit 1020 Arbeiter, und zwar 913 Juden Fürsorge für die alleinstehende Einwanderin Aus Tel-Awiw wird uns geschrieben: In der Frauenbeiiage des ״Dawar“, ״Dwar ha-Poelot“, berichtet Gusta Strumpf über das städtische Heim für Clialuzoth: Im Gegensatz zu andern Ländern, in denen die verschiedensten Institutionen sich alleinstehender Frauen und Mädchen und besonders solcher, die fremd am Ort sind, annehmen, hat Palästina eine solche Fürsorge bis vor wenigen Jahren nicht gekannt. Abgesehen von finanziellen Schwierigkeiten batte das Fehlen solcher Institutionen seinen Grund darin, daß die Frau der zweiten und dritten Alijali eines solchen Schutzes durchwegs nicht bedurfte. Sie war meist eine Persönlichkeit, die ihres Weges sicher war und das Land durch ihre Kräfte bereicherte. Sie wollte zur Landarbeit, und das war ein harter Weg. Aber trotzdem war ein solches Mädchen keiner sozialen Fürsorge bedürftig. Mach Abschluß der dritten Alijali aber kamen Mädchen von ganz anderem Typus ins Land. Ein sehr großer Teil dieser Mädchen hatte keinerlei seelische Beziehung zur Aufbauarbeit uikI blieb aus den verschiedensten Gründen in den Städten. Es wurde notwendig, Institutionen in der Stadt zu schaffen, wie sie fürs. Land schon dank der Arbeit der Organisation der Arbeiterinnen und der Wizo bestanden. Dieser Aufgabe unterzog sich im Jahre 1926 die ״Frauenliga für Palästina“. Die erste Tat war die Errichtung des Heims für die Clinltiza i« Haifa, das 1931 erbaut wurde. Dieses Heim enthielt liehe Lebensnotwendigkeit und kein Resultat der _ Rache, der Absonderung und der Konkurrenz. Auch heute gibt es noch unter uns Menschen, die glauben, daß die Spannung auf beiden Seiten na :Illassen wird, und daß es Juden geben wird, die den Hafen in Jaffa benutzen weiden, und Araber, die den von Tel-Awiw benutzen. Aus dieser gesunden Wirtschaftliehen Konkurrenz wird Segen für beide Teile der Bevölkerung erwachsen. Im zweiten Teil des Aufsatzes bespricht Smilanski die symbolhaften Handlungen der Bauern in den letzten Wochen. Er meint, es gibt zwei große Versuchsarbeiten, auch in diesem Bereiche. Einmal wird der ernste Versuch gemacht, die Zahl der jüdischen Arbeiter in den Kolonien zu vergrößern, und zweitens, den Gemüsebau ausz ude 11 11 en. Bei der jüdischen Arbeit ist cs immer sehr schwer gewesen, die Frage der richtigen Proportion festzusetzen. Auch jetzt muß gesagt werden, daß die einheimischen arabischen Arbeiter im großen ganzen ungeachtet der Hetze sich bewährt haben und ihre Arbeit unter Lebensgefahr ausführten. Aber eines haben die Ereignisse uns gelehrt: Vorsichtig zu sein mit der Anstellung von zugewanderten arabischen Arbeitern. Durch Entfernung der. Fremden könnte auch die Frage der jüdischen Arbeit viel leichter gelöst werden. Zum Schluß warnt Smilanski vor einer Gefahr; Er meint, die Bauplätze, die sich in der Nahe des im Entstellen begriffenen Tel-Awiwer Hafens befinden, könnten zu einem Spekulationsobjekt werden. und 107 Araber, beschäftigt sind. Unter normalen Umständen ist die Zahl der Arbeiter wesentlich höher. Die Plantagenbesitzer haben jedoch mit Rücksicht auf die unsicheren Verhältnisse die Arbeiten auf das Alleriiofweiulig-te eingeschränkt. Die Leitung der M i s r a c 11 i - B a n k hat in ihrer letzten Generalversammlung beschlossen, für das nbgelaufene ücschäfisjahr eine sicbenprozentige Dividende aus/uschlitten. An der Börse in Kairo ist der Handel mit den ö ״eigen Obligationen und 5 Pfund-Aktien der General Mortgagc Bank of Palestine Ltd., /.!!gelassen worden. Dies ist die erste Zulassung der Papiere dieser Gesellschaft an ausländischen Börsen. Die jüdischen Kaufleufe von Beirut haben einen Gegenboykott gegen diejenigen arabischen Unternehmungen beschlossen, die die Boykottierung jüdischer Waren aus Palästina erklärt haben. Nach Meldungen aus Beirut hat die syrische Hillsa k tio n für die streikenden Araber in Pa1ä - stina am 25. Mai mit der Sammlung begonnen und betrachtliehe Summen abgeführt. Die syrische Regierung hat eine Utnsicdlungsaktion für "die Fellachen aus dein Hatiran eingeleitet. Es wird ihnen in Nordsyrien Boden zur Verfügung gestellt. Die Hebersiedlungskosten trägt die Regierung. Für Meliorationsarbeiten in dem neuen Gebiet wurden acht Millionen syrische Pfund bewilligt. Außerdem wird den Siedlern eine Ermäßigung der Grundsteuer gewährt. An der Hebräischen Universität Jerusalem wurde der Lehrstuhl für Entomologie Professor Fritz Boden 11c imer übertragen. Der Dozent für physikalische Chemie Dr. L. Farkas wurde zum Professor ernannt. Dr. M. Wcizmann wurde 711m Dozenten für organische Chemie befördert. Dr. Stephan Krauß wurde zu Forschungsarbeiten an der Universität auf dem Gebiet der Psychologie zugelassen. anfangs 50 Betten, dazu Aufcnthaltsräume und Werkstatten. Erst in diesem Jahre wurde es durch Hin/ufiigung eines Stockwerks erweitert. Ls hat im Lniifc der vier Jahre seines Bestehens $00 Einwanderiniien beherbergt. I)er Aufenthalt dauert einige Monate. Die Mädchen erhalten Unterrieht im Hebräischen, sie hören Vorträge, es werden Fahrten dureil das!.and veranstaltet. Heute beträgt die Zahl der Betten 85, und das Haus kann jährlich ■100 Chalu/oth Unterkunft gewahren. Im Anschluß an das Heim bestehen eine Anzahl Kooperativen, in denen die Mädchen fachlich ausgebildet werden: eine Waschanstalt, eine Sehneiderwerkstatt, ein Restaurant, eine Weberei. In diesen Kooperativen arbeiten ständig 50- 60 Mädchen, in eien letzten beiden Jahren wurden in Zusammenarbeit mit der Wizo auch intensive Kurse für Kiiche und Hausarbeit abgelialten, die besonders Linwancii' rinnen aus Deutschland zugute kamen. Die Teilmlimerinnen erhielten eine Anleihe, die es ihnen ermöglichte, während der Dauer der Kurse zu existieren. Jeder Kurs dauert drei Monate, und die Teilnehmerinnen haben bisher stets Arbeit gefunden. Jetzt findet der achte Kursus dieser Art statt. Auch in andern Fächern wurden mit Hilfe der Wizo Mädchen ausgebildet. Die Errichtung eines ähnlichen Heimes in Td-Awiw ist geplant. Sasclie Parnes, Konzertmeister und •Solist des Tel- Awiwer Philharmonischen Orchesters, wird in Cypcrn, Jugoslawien und Lettland spielen und an den am 7. bis 21. Juni in Wien stattfindenden Musikfestspielen mitwirken. (Schluß des Palästina-Teils) Das Neueste in Kürze AN-UND VERKAUF H HEIRATSANZEIGEN _ lauft hochttzahl. g«jren Kasse ^מ««פ**יייי־*ייייי rarser-Ttppicha 0. Brackm ״tsr hBchdzahl FirmaL. Hartheimer, Orientteppiche, W15, Mumckcatr.22 ENachlaßgarderobe!züge, Schuhwaren, Pelze, höchstzahlend. Feldmann, Alte SchCnluiaicr Straße 59. Telefon: D2 Wddcndamtn 9084 Ford-Rheinl. 13/50, Mod. 35. Barverkauf. »8 1345. Gut erhaltene Flügel u. Pianos Bachstein, Blüthner, Sl einway, 7u kaufen?«nicht Steinbern & Co״ Frankfurter Alle 12. E ל Weichsel 2777. (MM Anzüge, Pelze höchstzahlend Ch.. BlsmarcKstr.si, sctiiezinger. c4 4305 Bücher Hiblictheken, kauft »miquariat Hiantiei Marlin - Luther. 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