Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- 41 (1936)
- Issue
- Heft 46 (9.6.1936)
- Date
- 1936-06-09
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seife 12 JÜDISCHE RUNDSCHAU Nr. 46, 9. VI 1936 Das Ausland auf der Levante-Messe Zum Problem der Berichterstattung Von Julius Berger, Jerusalem Wir veröffentlichen nachstehenden Artikel ah einen Beitrag zur Diskussion ans unserem Bestreben Jteraus, ein objehtives Bild der Lage in Palästina zu geben. FVen/i der Verfasset kritisch bemerkt, daß in unserer Berichterstattung die ,normalen" Le bensvor gärige des Jischuiv in den letzten Wochen zu wenig berücksichtigt wurden, so erklärt sich dies schon aus dem einer außerhalb Palästinas erscheinenden Zeitung für die Palästina-Berichterstattung zur Verfügung stehenden begrenzten Baum. Dennoch haben wir in der letzten Periode auch über zahlreiche Vorgänge in Palästina berichtet, die mit den Unruhen nichts zu tun hatten und zeigten, daß die jüdische Arbeit mit aller Energie fortgeführt wird. Es ist allerdings notwendig, den ganzen Ernst der Lage zu erkennen, die von uns mit Besonnenheit und Entschlossenheit gemeistert werden muß. Die politischen Probleme, die im Zusammenhang mit den Ereignissen aufgetaucht sind, sind außerordentlich schwierig und erfordern unsere ganze Wachsamkeit. Die Diskussion hierüber wird in unserem Kreise ohne Zweifel weiter geführt werden müssen, wobei nichts so gefährlich wäre, als Schlagwortartigen Parolen nachzugehen. Auch zu diesem Thema äußert sich der folgende Diskussionsheilrag. (Red.) Wer in diesen Tagen nach einer Zeitung greift, tint sich über die Ereignisse in Palästina zu unterrichten, wird einest ganz verschiedenen Eindruck von der Lage der Juden in Ercz Israel erhallen, je nachdem er seine Informationen aus der ,,Jüdischen Run (!schau“ oder aber aus einer palästinensischen jüdischen Zeitung bezieht. Die Berichterstattung der ״Jüdischen Rundschau“ hiriU'rläßt ein Gelulil schwerster Depression, die der palästinensischen Zeitungen erweckt im Leser zwar Trauer und Besorgnis, aber es IVeibt mit Ende ein Gefühl der starken Sicherheit, dei vollkommenen Zuversicht in die Ungebrochenheit der Stimmung des Jisclmw und seines festen Vertrauens zum endgültigen Erfolg des jude-ehen Aufbauwerkes. Zum Teil mag diese von der Redaktion der ״jüdischen Rundschau“ zweifellos 11k 111 beabsichtigte Wirkung ihrer Berichterstattung auf einer Art technischen Miliver-Uminisses beruhen. Die ״jüdische Rundschau“ berichtet vor allem und in entsprechender Aufmachung das U 11 g e w b 11 n I i c 11 c, das ans dem Rahmen denormalen itnli eiien Lebens in Palästina Ballende: das sind die l'eberfälle, die Brandstiftungen, die Unruhen. Die pala-tiiH-n-iselR- Prr —1• gibt diesen Ereignissen selbstverständlich nicht weniger Raum als die ״Indische Rundschau“. Im Oegcntril, gan/ nalurlich ist ihre Berichterstatfung über die Enngtiis-e ausführlicher, detaillierter und daher sehr oft schlimmer und grausamer. Aber sie berichtet außerdem über das t:« gliche Le b e n Palästinas, und es zeigt sich, daß dieses mehr oder minder ungestört geblieben ist. Sie hat nicht nur, wie die ״Judi-mhe Rundschau'‘, eine Anrinanderreilium: von Berichten über schlimme Dinge, sic berichtet auch dun eben und da/wischen und danach von wirtschaftlicheii Netm■ mu'mtgen, von 1 Ausbauten, vom ungefcrochfnen kulturellen Leben, von ausverkauften Kinopremieren und stark besuchten Konzerten, von wissenschaftlichen Vorträgen und interessanten literarischen Neuerscheinungen. Es geht ans ihr hervor, dal! das gesellschaftliche Leben, wo es nur möglich ist, seinen ungebrochenen Dang geht: der Strand in Tcl-Äwiw war nie so besucht wie an dem Schabbat nach der Aufhebung der Polizeistunde; in Jerusalem wurde anläßlich der Einweihung des neuen Hauses eines bekannten jüdischen Rechtsanwaltes ein großes Fest gegeben, an dem die ganze englische lind jüdische Gesellschaft teilnahm und bei dem sogar sehr intensiv getanzt wurde — die anfänglich beabsichtigte Verlegung des Festes wurde auf dringendes Ersuchen der Regierung und der Jewish Agency widerrufen — usw. Daneben fehlen keineswegs Einzelheiten, die auch die andere Seite der Situation grell und scharf beleuchten, aber es sind nicht nur Berichte von Ereignissen, die sie erleiden, sondern auch von Handlungen, die sie vollführen. Immer wieder bewundert der Leser die mutige, entschlossene und doch vorsichtige Haltung der jüdischen Chauffeure, denen zum guten Teil die Aufrcehterhaltung des notwendigen Ver- Vehrs und damit die Verstopfung einer der schlimmsten Quellen der Unruhe zu verdanken ist, und die in diesen Tagen wieder einmal ihren alten Ruf als Nobelgarde des jüdischen Aufbaues bewährt haben. Ganz nebenbei erfährt man, daß ein indisches Reisebüro eine große deutsche Reisegesellsrhaft, viele hundert Touristen, im Lande herumgeführt hat, ohne daß «hink dem .Mut und der ruhigen Haltung der jüdischen AutogesclNchaften und ihrer Chauffeure die vielen Hindernisse, die die streikenden arabischen Chauffeure der Durchführimg des Reiseprogramms in den Weg legten, etwas an seiner Verwirklichung andern konnten. Zum ersten Male wurde eine so große Touristenreise durchs Land ausschließlich mittels jüdischer Autos und Autobusse durciigefuhrt und damit ein Prä/eilenz. für die Zukunft geschaffen zur selben Zeit, wo Cook zwei ähnliche Reisegesellschaften absagen mußte, weil er nicht glaubte, ohne die arabischen AufogeseINchafferi auskommen zu können. Sogar die Inserate der jüdischen Presse sind be/ej! ■!inend: man erfährt aus ihnen von der Verlegung jüdischer Brnos und Geschäfte aus den arabischen Quartieren 11! die jüdischen, von einem gesteigerten Bamnarkt als Folge der neuentfachten Nachfrage nach Häusern in jüdischer Umgebung, und wenn die wirtschaftlichen Sclnvierigkeiten, die aus der ge-pan״ten Lage entstehen, keineswegs unterschätzt werden, so ergibt der Wirtschaflstcil der Zeihingen doch auch ein eindrucksvolles Bild eines ungebrochf nen Widerstandes und einer durch die Ereignisse belebten N e u p i a!1 u n g. Man fragt sich, warum r. B. die ,Jüdische Rundschau“, wenn sie schon nicht die Möglichkeit hatte, lieber, den Alarmnachrichten und in genau der?)eichen Aufmachung auch die Aktivitätsberichte aus dem ischuw zu veröffentlichen, sie nicht einen Auszug aus den Artikeln der palästinensischen Presse brachte und bringt, die mehr als irgend etwas anderes den Mut und die Zuversicht der palästinensischen Judenheit erkennen lassen. Aber es ist nicht nur die fehlerhafte Beschränkung der Berichterstattung, die den falschen Eindruck erweckt, es ist vor allem die Ratlosigkeit über die den Ereignissen gegenüber einzunehnjende Haltung, die aus den Spalten der ״Jüdischen Rundschau‘4 spricht und die verwirrend und deprimierend wirken muß. Alles was sie zu sagen weiß, beschränkt sich im Grunde auf Schlagworte: Die Araberfrage! Die menschliehe Haltung! Aber es wird auch nicht andeutungsweise «in Weg gezeigt, wie denn nun diese Araberfrage gelöst werden soll, und worin die menschliche Haltung den Arahem gegenüber anders sein soll als bisher. ״Man muß zu einer Verständigung kommen“, das ist alles. Aber das wird ja seit Jahr und Tag gesagt, und allmählich haben auch die Juden in Deutschland schon begriffen, daß es nicht nur der nationale Chauvinismus der palästinensischen Judenheit ist, der der Lösung des Araberproblems im Wege steht. Und da das Organ der ״Zionistischen Vereinigung für Deutschland“ auch jetzt wieder nichts anderes zu wissen scheint, ah auf das Problem aufmerksam zu machen, sich mit einem Schlagwort zu begnügen, muß natürlich die Wirkung auf die Leser, die das nun schon wer weiß wie lange gehört haben, ungemein niederdrückend sein. Sie fühlen am besten, daß an Schlagwort keine Lösung ist und daß, wenn die Lösung nur Sieht man von einigen vereinzelten Ausstellern ab, die nicht im Rahmen eines Landespavillons, sondern in besonderen Ständen oder in irgendeinem anderen Zusammenhang, sei es auf Grund eines ganz bestimmten Spezialproduktes, sei es auf Grand eines weltbekannten Firmennamens ihre Erzeugnisse zeigen, so verfolgen die ausländischen Ausstellungen auf der diesjährigen Levante-Messe einen doppelten Zweck. Sie wollen nicht nur für bestimmte Firmen und deren Produkte werben, sondern ein Bild des ganzen Landes geben, seiner eigenen Art und seiner Beziehungen zu Palästina. Denn man weiß, daß eine solche nationale Sammelpropaganda auch wirtsehaftlich wichtig ist, daß das Ansehen des ganzen Landes auch der einzelnen Ware zugute kommt. So finden sich in zahlreichen Länderpavillons große allgemeine Informations-Abteilungen, mit Bildern und graphischen Darstellungen über die allgemeine Struktur und Entwicklung des Landes. Neben dem eigentlichen Warenangebot spielen noch zwei andere Dinge in fast allen Auslandspavillons eine wichtige Rolle. Daß die Länder, die Sehiffahrtsbezichungcn mit Palästina unterhalten oder Fluglinien nach dem Nahen Osten betreiben, ihre Verkehrs-Leistungen eindrucksvoll zur Schau stellen, ist selbstverständlich. Allgemein aber wird besonderer Wert darauf gelegt, auch die Schönheit des eigenen Landes zu zeigen und um Touristen zu werben. Außerdem aber zeigen verschiedene Länder Bilder und Proben auch aus soleben Produktionszweigen, die an sich eine Konkurrenz für die palästinensische Produktion darsteilen. Hier wird weniger für den Absatz solcher Erzeugnisse geworben; es handelt sich vielmehr um eine Art Erfahrungsaustausch und die Dar- Steilung erstreckt sich auch nicht so sehr auf die Produkte selbst als auf die Produktionsmethoden. Ais Beispiel dafür sei etwa die holländische intensive Landwirtschaft genannt, die ja als Zuchtviehlieferant auch unmittelbaren Nutzen aus der Verbesserung der palästinensischen Agrarmethoden zieht. An der Spitze steht natürlich die Mandatarmacht Großbritannien. Der englische Pavillon ist der größte von allen ausländischen Ausstellungen und an ihn schließen sich außerdem noch Sonderpavillons großer englischer Konzerne, wie der Imperial Chemical Industries und der British Thompson Houston an, deren jeder selbst die Größe eines mittleren Länderpavillons aufweist. Auch in der eigentlichen englischen Eialle selber dominieren die großen Firmen, so daß auf der großen Fläche nicht allzu viele Aussteller vertreten sind, aber jeder Aussteller ein besonders reiches Sortiment von hochwertigen Qualitätserzeugnissen vorführt. Im übrigen sind sowohl die englischen Maschinen wie die englischen Lebensmittel und Konserven Im wesentlichen durch zwei in Palästina ansässige Firmen vertreten, die Palesline Engineering Company und die Spinnevs Ltd, Dynamos und Industriemaschinen aller Art, Autos, Motorräder und Gummireifen, Radioapparate und Landmaschineu, Kühlanlagen, Büro- und Schreibmaschinen, Petroleumfabrikate, pharmazeutische und chemische Produkte stehen im Vordergrund. Rumänien zogt ein riesiges Modell des Hafens von Constanza, Endpunkt der Polen—Palästina-Linie. Neben den Produkten der rumänischen Petroleumindustrie werden Möbel und Beleuchtungskörper, Stickereien und Schuhwerk, Erzeugnisse der Lebensmittelverarbeitung gezeigt, alles geschmackvoll in einem elegant wirkenden Rahmen geordnet. Sehr mannigfaltig sind die Ausstellungen des polnisehen Pavillons. Die Textilindustrie von Lodz nimmt natürlich einen bedeutenden Raum ein, Lodzer Silberwaren leiten über zu einer Ausstellung von Werken jüdisch-polnischer Maler, Polens Standardprodukte — Eisen.- und Holzwaren, Getreide und Samen — sind gut vertreten, ebenso die Parfumeriewarenhersteller, Touristik und Schiffahrt bieten umfangreiches Material und in einem anschließenden Sonderpavillon zeigt eine Buchhandlung eine große Auswahl von Neuerscheinungen des polnischen Buchverlages. Mosaik und Säulen verzieren die Fassade des Pavillons Alberts 1., in dem die b e I g i s c 1! e Sonderschau untergebracht ist. Die besondere Wirtschaftsstruktur des Landes wird nicht nur durch zahlreiche Bilder aus der Schwerindustrie, sondern auch durch Ausstellungen von Gießerei- und Walzwcrks-Erzeugnissen unterstrichen. Fahrräder, Reifen, Kabel, Garne, Glasin einem Schlagworte bestehen sollte, es wahrscheinlich überhaupt keine Lösung gibt. Auch da wirkt die Lektüre der palästinensischen Presse viel erfrischender, ln Palästina weiß man eben genau und hat keine Scheu es zu sagen, daß es mehr als oberflächlich ist, die Lösung des Problems in einer Besserung der menschliehen Beziehungen zu suchen, daß es im Grande nur eine einzige Lösung gibt: die jüdische Mehrheit oder zum mindesten die zahlenmäßige Gleichheit der beiden Völker. Gerade weil es die ״Jüdische Rundschau" ist, die immer wieder auf eine Vertiefung in der Behandlung des Araberproblems gedrungen ist, ist man um so mehr enttäuscht, wenn man sie angesichts der aktuellen Ereignisse so hilflos sieht. Wenn sie z. B. nicht genug zu tadeln weiß, daß sich einige aufgeregte junge Burschen in der Empörung über die furchtbaren Mordtaten in Jaffa dazu hinreißen ließen, einige arabische Gemüsehändler von ihren Ständen zu verdrängen, daß sie aber auch in diesem Falle wieder einmal an dem Problem vorbeigeht, dessen objektive Behandlung im Galuthzionismiis mm einmal untersagt zu sein scheint und das darin besteht, daß es schwer oder unmöglich ist, den jungen Juden davor zu bewahren, in Verachtung gegenüber dem Araber zu verfallen, wenn man ihm zuvor als obersten Glaubenssatz beigebracht bat, daß das Verächtlichste, was ein jüdischer Arbeitgeber tun kann, darin besteht, einen arabischen Arbeiter anzustellen und daß es nichts Schimpflicheres für einen jüdischen Arbeiter gibt, als einen Araber zum Arbeitskameraden zu haben. Hier liegt ein Problem von vielen, und dieses in all seinen Konsequenzen zu behandeln, wäre gewiß mehr am Platze, als wieder einmal den warnenden Finger zu erheben. Oder ein anderes: Das jüdische Leben in Deutschland ist jetzt voll von der Bemühung um eine Erziehung für Palästina. Aber es genügt nicht, zur Paläsfinanähe zu erziehen. Es muß auch und’ vor allem zur nationalen Distanz erzogen werden. Es bleibt die Tatsache bezeichnend, daß die alten Palästinenser im allgemeinen gut mit den Arabern auskommen. Je älter eine jüdische Siedlung ist und je länger ihre Siedler im Lande sind, um so besser sind normalerweise ihre Be- Ziehungen zur arabischen Nachbarschaft. Es sind gerade (He Bauern in den alten jüdischen Kolonien und ihre Söhne, die in einem geregelten Verhältnis zu den Arabern stehen, die PALÄSTINA IM LICHTBILD Erster Bildbericht aus den Unruhetagen Monatsschau Nr. 7 ..... SO Blldsr RM 4.S0 Zu beziehen gegen Voreimendong des Betrages durch den KEREN KAJEMETH LEJISRAEL Berlin W15, Melnsksstr. 1a Postschecks Berlin S8247 waren und chemische Fabrikate sowie Hinweise auf die Dia■ mantschleifcrei seien als weitere Charakteristika erwähnt. Die für das Land bezeichnende Mischung von Schwer- und Leichtindustrie gibt auch dem Pavillon der Tschechoslowakei das Gepräge. Böhmische Glas-, Porzellan- und Steinf'.. ' "־ ' sowie’ Kacheln und sonsh'gen Gegenständen des Baubedarfs. Ein besonders buntes Allerlei enthält der österreic h i s c h e Pavillon. Nähmaschinen und Klaviere, Knöpfe und Rasierklingen, Glaskacheln und chemische Patentartikel für den täglichen Gebrauch, Hauslialtsapparate aller Art stehen nebeneinander. Vor allem aber wird hier besonders cindringlieh Oesterreich als Reiseziel in einer Fülle von Bildern angepriesen. Elegante Weitläufigkeit zeichnet den Pavillon Frankr e i c h s aus. Automobile und Pariser Konfektionsmodelle untersfreichen diesen Eindruck. Auch hier wird umfangreiches Propagandamaterial für den Touristenverkehr geboten. Einen breiteren Raum als in den meisten anderen Abteilungen nehmen Bücher und Graphiken ein. Gewebe, insbesondere Erzeugnisse der französischen Seidenindustric, Chemikalien, Pharmazeutika, Parfümerien und Biiouteriewaren vervollständigen das Sortiment der Konsurngütcr. Von Produktionsmitteln sind namentlieh Gartenbaugeräte, Erzeugnisse der Kohleveredelung sowie eine große Sammlung wissenschaftlicher und medizinischer Glaswaren zu erwähnen. Der holländische Pavillon betont schon durch die Auswahl der dort 'vorgeführten Gegenstände die Vorstellung, die wir mit dem fruchtbaren und reinlichen Lande im Nordwesten Europas* zu verbinden pflegen. Bilder und Muster aus Blumenzucht und Milchwirtschaft, einschließlich gewaltiger Käse, Kannen und Gefäße, sowie Kacheln und Korbmöbel seien als Beispiele genannt. Die mechanische Industrie zeigt unter anderem Staubsauger. Auch hier werden zahlreiche Landsehaftsbilder sowie Bilder und Angaben aus Schiffahrt und Luftverkehr gezeigt. Bul gar! e 11' zeigt Rosenöl und Tabak, Wolle, Konserven und Bilder aus seiner Viehzucht, gebranntes und ungebranntes Getreide sowie, als Proben seines Kunstgewerbes, eingelegte und geschnitzte Holzarheiteu und Stickereien. Eine Sonderausstellung des Wirtschaftsmuseums für den Außenhandel in Belgrad gibt Material über die Wirtschaft Jugoslawiens und seine Beziehungen zu Palästina, ergänzt durch besonders zahlreiche Landschaftsbilder und Angaben über den Reiseverkehr. Die Forstwirtschaft des Landes zeigt nicht nur ihr Sortiment in rohen und halbbearbeiteten Hölzern, sondern auch Modelle von Holzhäusern, die aus diesem Material für palästinensische Bedürfnisse hergestellt werden können. Von den sonstigen Gewerbezweigen sind namentlich Leder- und Textilwirtschaft vertreten. Im Schweizer Pavillon halten sich die zahlreiche» Spezialprodukte der Schweiz, die auch in Palästina hcrgestellt werden — wie Schokolade, Textilien und Schuhe — taktvoll im Hintergrund. Die Ausstellung wird beherrscht von den blinkenden und zierlichen Erzeugnissen der Schweizer Ulirenindustrie, Elektrotechnik und Feinmechanik, und in einem Anbau erscheinen die wuchtigen Lastautos und Maschinen, ebenfalls eine alte Schweizer Spezialität. Daß hier auch Material für den Reiseverkehr nicht fehlt, bedarf keiner Erwähnung. Interessant ist es, daß, iin Gegensatz zu den bisher genannten Ländern, die Sonderausstellung Norwegens eigentlieh viel umfangreicher ist, als es dem bisherigen Umfang des Warenaustauschs zwischen Norwegen und Palästina entspricht. Insbesondere werden die Erzeugnisse des Fischfangs vorgeführt, für deren Absatz schon vor längerer Zeit eine nachdrückliehe Kampagne eingesetzt hat, die aber auch teilweise als Vorbikl für unsere eigenen Versuche auf diesem Gebiet wichtig werden können. Ein im Landesstil eingerichtetes Fischrestaurant bietet den Besuchern Gelegenheit, die theoretische Betrachtung durch praktische Kostproben zu ergänzen. Audi Fischkonserven, Konservierungsbedarf und Konservierungsmethoden werden gezeigt. Die 'Metallindustrie des Landes zeigt Maschinenwerkzeuge, Herde usw. und i!1 einer besonderen Abteilung werden sogar Wintersportgeräte ausgestellt. Auch die norwegische eben sehr wohl wissen, wie man sie im Guten und im Bösen, mit Respekt und mit Strenge zu behandeln hat. Gerade diesen alten Kolonisten ist es bewußt, daß bei aller Menschlichkeit der Beziehungen immer ein ungelöster Rest übrig bleibt, der zur Vorsicht mahnt, daß Außerachtlassen der notwendigen Distanz nur allzuleicht als Schwäche und als Schlimmeres ausgelegt wird. Es ist andererseits nicht zum wenigsten die neue Einwanderung, die herüberkommt voll von Ideen und Idealen, die dem Westen entstammen und die dem Orient fremd sind, die durchdrungen ist von dem Glauben, daß es diese Ideale sind, die das A und O der Kultur darstellen und die man vertreten muß, wo immer, wann immer und mit welchen Mitteln immer, es ist gerade diese neue Einwanderung, die nur allzuoft nicht weiß odc;r vergißt, daß ״Ost ist Ost und West ist West“ und die gerade in der Anknüpfung menschlicher Beziehungen und in der Außerachtlassung der Rücksicht auf andere Anschauungen und Ucberlicferungen leicht da zu eilfertig ist, wo Distanz das Gegebene wäre. Aber es ist nicht nur das Araberprobletn, dessen schlagwortmäßige Abhandlung gerade in Tagen wie den jetzigen niederdrückend wirken muß. Auch unser Verhältnis zu England muß endlich aus der Region des Schlagwortes hcrauskotnmen. Wer wie der Schreiber dieses die Grundkonzeption der zionistische» Politik, die einseitige Basicrung des Aufbaues des jüdischen Nationalheims auf England. als im Prinzip verfehlt und die Schwierigkeiten, denen wir jetzt begegnen, als direkte Folgen dieser grundsätzlich falschen Ein- Stellung betrachtet, muß es besonders bedauern, daß es diese — seiner Meinung nach falsche — Konzeption bisher zu nichts als zu einer schlagwortartigen Behandlung des zionistische» Englandproblems gebracht hat. Hat man sich schon einmal darauf eingelassen, ein Juniorpartner des britischen Imncriums zu sein, so müßte man doch auch die Pf lieh ten erfüllen, die sich daraus ergeben. Es genügt nicht, sich dauernd zu beklagen, sich gegenseitig zu ärgern, es zu einer Nadelstich* Politik kommen zu lassen. Es käme darauf an, auch die kleine Rolle, die wir innerhalb der britischen Imperiumsnolitik spiele» können, auszunutzen. Es ist hier nicht der Platz, auf die Möglichkeiten aufmerksam zu machen, die sich hier einer großzügigen Betrachtungsweise ergeben, auf die mannigfache» Ansätze, Aussichten und Chancen, die für das jüdische Volk, und gerade für das jüdische Volk heute und heute mehr als je, in der Richtung bestehen, aus einem kleinen und entsprechend behandelten Partner zu einem brauchbaren und entsprechend eingeschätzten Bundesgenossen zu werden. Gerade die Anhänger der unentwegten Englandeinstellung der zionistischen Politik sollten sich nicht damit begnügen, ihre Forderungen immer wieder auf Schlagworten pro und contra aufzubauen, ob diese min Balfour-Deklaration, Churchill-Weiß־ buch, MacDonald-Brief oder Legislative Council heißen mögen. Sie sollten endlich zu positiven Vorschlägen und Aktionen kommen und es nicht den Arabern überlassen, sich wertvoll zu machen.