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Jüdische Rundschau · 1936-06-09 · Heft 46 (9.6.1936) · page 11

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
41 (1936)
Issue
Heft 46 (9.6.1936)
Date
1936-06-09
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 46, 9. VI. 1936 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seife 11 Presseschau ln der Zeitschrift ״Great Britain and the East“ wird eine grundsätzliche Aufrollting des gesamten Palästina- Problems gefordert. Kommission für Palästina, heißt es in dem Artikel, wird nicht nur die Beschwerden von Arabern und Juden prüfen, sondern auch beauftragt sein, eine u m ״!.a,s s״ende Untersuchung durchzuführen, was wesentheb über die vor kurzem im Unterhaus erwähnte bloße Erforschung der arabischen und jüdischen Beschwerden hinausgeht. Die jüdischen Beschwerden betreffen hauptsächlich quantitative Dinge, die arabischen Beschwerden sind bestimmter Art, aber ihre Prüfung schließt unvermeidlich eine Betrachtung des gesamten Hintergrundes in sich — mit anderen Worten, die eigentliche Grundlage des Problems muß sondiert werden. Es werde in England noch nicht zur Genüge erkannt, daß die Feindseligkeit der Araber gegenüber dem zionistischen Experiment vor allem psychologisch bedingt ist, daß sie auf Furcht beruht. Diese Furcht könne man für unvernünftig halten, sie sei aber nicht unverständlich. Werde die Angelegenheit auf einen statistischen oder wirtschaftlichen Nenner gebracht, dann hätten häufig die Zionisten die besseren Argumente; lassen sich die Araber auf Zahlen ein, dann benutzen sie ihr schwächstes Argument. Das Palästinaproblem aber sei nicht ein Problem der Statistik; weit grundsätzlichere Dinge seien hier im Spiel. Ohne jeden Zweifel werde die Kgl. Kommission die Richtigkeit dieser Diagnose erkennen. Aber selbst aus w i r t s e 11 a f 11 i c h e n G r ii n d e n bestehe Anlaß zur Besorgnis. Im Monat April fand eine bezeichnende Senkung der öffentlichen Einkünfte statt, die nicht in Verbindung mit den Unruhen stand. In gewissem Sinn ist das ganze ״Nationalheim“ künstlich; niemand kann genau sagen, was an ihm dauern■ und was voraussichtlich im Laufe der Zeit zugrunde gehen wird. Unter einem finanziehen Gesichtspunkt wird die Tatsache der Aufmerksamkeit nicht entgehen, daß das palästinensische Schatzamt sorgsam an seinem Uebcrschuß von etwa sieben Millionen Pfund festhält. Der Artikel befaßt sich sodann mit der Frage, ob Italien fiir die gegenwärtigen Unruhen verantwortlich zu machen sei. Es sei wohl richtig, daß von italienischer Seite monatelang in Palästina Propaganda getrieben und Geld verteilt wurde. Aber es sei kindisch, anzunehmen, daß das Land ohne dies nie mehr seine Unzufriedenheit gezeigt hätte, nachdem es sich 1920, 1921, 1920 und 1933 gegen die zionistische Politik erhoben hat. Durch die italienische Propaganda seien die Flammen höchstens nur noch mehr angefacht worden. Nie sei Engländern eine weniger beneidenswerte Aufgäbe gestellt worden als bei der Verwaltung Palästinas. Daß Gesetz und Ordnung wiederhergestellt werden müssen, stehe unumstößlich fest; aber allenthalben werde anerkannt, daß die Araber berechtigt sind, die Kooperation in friedlicher Weise zu verweigern, um ihre Ziele zu erreichen. Die Waffe des Streiks sei den Zionisten selbst gut bekannt und werde von ihnen nicht selten benutzt; das Unheil komme daher, daß gewisse Teile der palästinensischen Bevölkerung leicht erregbar sind. Sollten aber die krampfhaften arabischen Brutalitäten den Beobachter zu der Annahme verleiten, daß bei Festigkeit und Kontinuität in der Politik letzten Endes alles gut sein werde, würde er sich schwer irren. Auf der gegenwärtigen Linie gebe es überhaupt keine Lösung. Es könne nicht überraschen, daß ein Schiff, das keinem bestimmten Hafen zusteuert, von Felsen zu Felsen anstößt. Aber man tadele nicht die Palästinaverwaltung: die Verantwortung für die Kursorder treffe nicht Jerusalem, sondern London. * In der Zeitschrift ״G reat Britain and the East“ vom 4. Juni finden sich mehrere Einsendungen zum Palästinaprohleni. Israel Cohen weist gegenüber den arabisehen Einwendungen nochmals auf die wirtschaftlichen Vorteile hin, die die Juden dem Lande gebracht haben, und betont, daß man das Jüdische Nationalheim noch nicht als fertig bezeichnen könne, sondern daß es noch sehr weit von der Vollendung entfernt sei. Ferner nehmen zwei Araber Stellung. Der eine meint, daß das Land von den Juden überfremdet werde; die Welt sei weit und cs gäbe genügend Plätze, wo man die Juden herzlicher willkommen heißen würde. Der arabische Generalstreik entspringe der Verzweiflung über das Schicksal und der Furcht, das Land zu verlieren. —- Der andere Araber schreibt, daß die arabischen Sympathien stets probritisch gewesen seien; aber die Balfour-Deklaration sei die Ursache der j ii d i s c h - a r a b i s c h e n Z w i - s t i g k e i t c n in Palästina. Die Araber hegten keinen Haß gegen ihre semitischen Vettern, die Juden; dies werde bewiesen durch die Araber in Syrien, Irak und anderen Ländern. Dort lebten die Juden in Frieden mit den Christen und Moslems. Erst die zionistische Politik habe die Araber beunruhigt, da sie sieh als die rechtmäßigen Besitzer des Landes fühlten, die die Behauptung bestreiten, daß Palästina das Heim für die Juden sei nur deshalb, weil sie dort vor Jahrhunderten gelebt hätten. Wenn es den Zionisten mit Frieden und Eintracht Ernst sei, sollten sie die Furcht der Araber zerstreuen und die Hand zur Freundschaft und Zusammenarbeit reichen. Eine neue Politik der Verständigung und Versöhnung müsse kommen in einem Lande, das Juden, Christen und Mohammedanern gleich heilig sei. * Der Sonderkorrespondent der Londoner ״Times“ bcrichtet in der Ausgabe vom 3. Juni, daß, obgleich in manchen Teilen die Unruhen und Gesetzlosigkeit zurückgedämmt worden sind, es klar sei, daß der Entschluß der Araber, ihren passiven Widerstand in der F o r ui des Streiks aufrcchtzucrlialten, stärker werden und sich ausbreiten wird. Eine lebhafte Tätigkeit habe eingesetzt, die arabischen Bcamten und die anderen bei der Regierung beschäftigten Araber ־zur Teilnahme am Streik zu beeinflussen, und einige (10 Magistratsbeamte im Bezirk Jerusalem haben dem Distriktskomniissar ihren Rücktrittsentschluß mitgeteilt. I>le Führer des Streiks erklären, daß ihr Fonds für die Aufrechterhaltung des Streiks einen zweiten Monat hindurch ausreiche. Ihre täglichen Zahhingen an Streikgeldern werden auf C 200 geschätzt. Dies würde Zuwendungen von einem oder zwei Schillingen an Chauffeure und Hafenarbeiter usw. bedeuten. Die bisher ausgegebene Gesamtsumme scheint mehr als £ (10 000 zu betragen. * Wie die Londoner ״T i m e s“ vom 4. Juni mitteilt, werden Waffen in großen Mengen aus Transjordanien nach Palästina geschafft, und es scheine, daß die Araber genügend Geld haben, um sie zu kaufen. Der augenblickliche Preis eines Revolvers sei in Transjordanien kürzlich von Schillingen auf mehr als £ 3.— gestiegen Diese ungewohnliche Freigebigkeit arabischer Kreise stimme überein mit den Forderungen der Streikführer, wenigstens noch einen zweiten Monat durchzuhalten. Noch vor einer Woche sollen die vorhandenen Mittel sehr gering gewesen sein; jetzt scheinen die Araber Unterstützungen von auswärts erhalten zu naben. * Besitz am Lande verpflichtet! Der ״Haare z“ bringt folgende Ausführungen: ״Mit unserer Rückkehr ins Land der Väter ist unser nationales Gefühl, das Generationen lang erloschen war, wieder erwacht. Gleichzeitig erwacht in uns das Gefühl für unser Bcsitzrecht aut das Land. Dieses Bcsitzrecht schafft neue Werte in uns. Das Verantwortungsgefühl für den Besitz ist für uns ein neues in Palästina entstandenes Gefühl. Hier im Lande ist unsere ganze nationale Existenz von einem neuen Vcrantwortungsbewußtscin erfüllt. Besitz gibt dem Besitzer nicht nur ein Anrecht, sondern er lädt ihm neue Pflichten auf: die Verantwortung für das Besitztum. Besitz schafft ein sittliches Verhältnis zum Besitztum. Auf Grund der Tatsache unseres Besitzanspruchs müssen wir volle Rechte fordern, damit wir ungestört all unseren Pflichten gegen das Land nachkotnmen können. Aber darüber hinaus stellen wir an uns selbst die nationale Grundforderung: unsere volle Schöpferkraft zu offenbaren, das Land neu zu beleben und es fruchtbar zu machen. Jedes Sandkorn, jeder Fels, jede Pflanze. — wir sind für sie verantwortlich. Wir müssen für alle Bewohner dieses Landes Sorge tragen, wir dürfen keinen Tropfen Wasser verloren gehen lassen, wir müssen neue Quellen erschließen, wir müssen es bewalden, und darum sehen wir eine so große Versündigung in der Zerstörung von Bäumen und Feldern. Wir fordern von uns selbst größte Aufmerksamkeit für alles, was im Lande vor sich geht. Unser Besitzrecht befiehlt uns, neue Lehenswerte zu schaffen für alle, die Palästina bewohnen; wir selbst und die andern haben einen Anspruch auf den vollen Genuß seiner materiellen und kulturellen Güter. Unsere Stellung als Besitzer gibt uns nicht nur Selbstvertrauen, sondern sie verpflichtet uns auch gegenüber den Bewohnern dieses Landes. Uns war es vergönnt, nach Palästina zu kommen und die hohe Verpflichtung des Besitzers zu empfinden, die wir gegenüber dem Lande, aber auch gegenüber dem a r a bischen Volk haben, wie auch gegenüber der ganzen Kulturwelt, die uns die Verwirklichung der Wiederbelebung von Land und Volk auftrug. Diesen Pflichten müssen wir in! vollen Bewußtsein unserer Verantwortung nachkommen. Aus den erfüllten Pflichten erwächst uns das moralische Recht, von allen Beteiligten zu verlangen, daß sie uns keine Hindernisse in den Weg legen. Gerade in diesen schweren Tagen muß uns ganz klar sein, was die Richtschnur unseres Verhaltens ist: die sittliche Forderung, die uns erwächst aus dem Anspruch der Juden auf Palästina." Unterredung mit einem arabischen Gelehrten ln Kairo hatte Dr. Jakob Klatzkin Gelegenheit zu einem ausführlichen Gespräch mit einem arabischen Gelehrten und Schriftsteller von Ansehen. In dem Gespräch wurden auch palästinensische Angelegenheiten berührt. ״Haarcz״ berichtet darüber: Der Araber wollte sich zuerst nicht über die jüdisch-arabischen Beziehungen in Palästina äußern. Aber auf das Versprechen hin, daß sein Name bei einer eventuellen Veröffentlichung nicht genannt werden würde, wurde er aufgeschlossener. Er meinte, daß die Taktik der arabischen Führer in Palästina die Mißbilligung weiter arabischer Kreise hcrvorrufc. Nach der Meinung dieser Kreise hätten die palästinensischen Araber besser daran getan, sich die stammverwandten Juden nutzbar zu machen. Der ökonomische Vorteil, den die Juden dem alästinensischen Araber bringen, sei ja augenfällig und dazu iime noch die Möglichkeit eines fruchtbaren kulturellen Einflusses, der den Arabern vieles bringen könnte. Ein friedliebes Zusammenarbeiten auf diesen Gebieten würde auch zu einer friedlichen und gerechten Bereinigung der politischnationalen Divergenzen fuhren. Im Laufe des Gespräches zeigte sielt, daß die ägyptischen Araber über Wege und Ziele des Zionismus keineswegs aiisi eichend unterrichtet sind. Obwohl sie ihm nicht mit den Vo!urteilen der palastinen־ sischcn Araber gegcnüherstelien, sehen sic in ihm nicht die Freiheitsbewegung, die Bewegung des Fortschritts, sondern doch mehr eine Angelegenheit der Reaktion und des Imperialismus. Dabei sind die Aussichten, hier durch systematisclie Aufklärungsarbeit Einfluß zu gewinnen, in keiner Weise schlecht. Der Zionismus hat liier viel versäumt. Dabei gab es immer Stimmen in unserem Lager, die auf die Wichtigkeit dieser Angelegenheit hinwieseii. Solange die arabische Nationalhevvegung nicht organisiert war, wurde sie wenig beachtet, und auch die warnenden Stimmen, die ihr eine große Zukunft prophe/oiten, fanden bei uns kein Gehör. So fehlte uns eine arabische Presse und sonstiges Propagandamaterial. Fis ist jetzt höchste Zeit, mit syste■ matischcr Aufklärungsarbeit zu beginnen. Der Londoner ״E c o 11 o 111 i s t“ nimmt in seiner Ausgabe vom 30. Mai zu den Ereignissen in Palästina Stellung und schreibt u. a.: ״Als wir uns verpflichteten, den Juden zu helfen, unter unserer Oberherrschaft ein Jüdisches Nationalheim in Palästina zu errichten, glaubten wir, daß die Araber in Palästina eine Art menschliches Geröll wären, mit wenig nationalem Zusammenhang und Tradition.... So garantierten wir den palästinensischen Arabern ihre bürgerlichen und religiösen Rechte, aber nicht 111 e 11 r. Wir haben nun den Punkt erreicht, da das Jüdische Nationalheim, das durch die bewunderungswürdige Energie und den Idealismus der Zionisten aufgebaut wurde, die palästinensischen Araber in ihrem eigenen Hause überschattet. Deshalb zeigen jetzt die Araber, daß sie sich mit der Position des Unterdrückten nicht ohne schweren Kampf abfinden werden. Was ist zu tun? Sollen wir die palästinensischen Araber in derselben brutalen Weise niederschlagen, wie es Mussolini mit den Amharas gemacht hat? Oder sollen wir unsere zionistischen Schützlinge verraten, d. h. konkret: sie demselben Schicksal wie die Assyrer des Irak ausliefern? Jeder Kurs wird so unangenehm sein, daß wir zweifellos den Weg des geringsten Widerstandes einschlagen müssen.“ 1111 ״V ö I k 1 s c I! e n Beobachter“ vom 4. Juni schreibt Alfred Rosenberg über die ״Krise in Palästina“. In dem Artikel wird eine Uebersicht über die Entwicklung der Palästina- Politik gegeben und zum Schluß folgendes gesagt: ״Kein Mensch könnte der britischen Politik einen Vorwurf machen, wenn sie nunmehr nach den katastrophalen Ergebnissen dieser Erfüllung die Interessen der Araber berücksichtigen wollte, <1 i e s u m so mehr, als in der Balfour-Deklarat i o n nichts davon stellt, daß Palästina in ein jüdisches Land verwandelt werden sollte, sondern nur, daß die Juden ein nationales Heim in Palästina erhalten sollten. Ueber die Größe dieses nationalen Heimes ist nichts festgelegt worden, wohl aber stellt in der Balfour- Deklaration die Beschränkung, daß nichts getan werden dürfe, was die bürgerlichen und religiösen Rechte der nichtjütiischen Gemeinschaften in Palästina beeinträchtigen könnte. Man darf also wohl sagen: die Dinge liegen so, daß die Juden ein nationales Heim in Palästina zweifellos schon jetzt in großem Umfange besitzen, daß aber, umgekehrt, die Rechte der eingeborenen Bevölkerung zweifellos unterdrückt worden sind. Wenn also Großbritannien eine Befriedungspolitik gegenüber dem Arabertum einschlagen sollte, was zweifellos eine Befriedung in der ganzen islamischen Welt nach sich ziehen würde, so würde das durchaus der Balfour-Deklaratio״ entsprechen und darüber hinaus die Möglichkeit geben, die zu weit vorgestreckten Posten der jüdischen Einwanderung zurückzuziehen und die Juden in jenen Stellen zu belassen, in welchen sie massiert leben. Die Jude» haben sich gleichsam als die Herren des Landes aufgeführt, die Araber von ihrem Boden verdrängt, sich auf die Bajonette und Kanonen Großbritanniens verlassen, so daß für das britische Imperium neben anderen Sorgen auch ein unmittelbar durch das Welfjudentum hcrvorgcrufcncr Konflikt hinzugekommen ist. Wir unsererseits haben naturgemäß kein Interesse, uns in die Angelegenheiten Palästinas cinzumisehen, wohl aber bemühen wir uns, die völkerrechtliche Lage festzustellen, unter der sich die dortigen Ereignisse abspielen. Wir wollen hoffen, daß hier ein Ausweg gefunden wird, der nicht nur eine kurze Zwangsregelung nach sich zieht, sondern einen Zustand schafft, der eine dauernde Befriedung ermöglicht.“ Der ״Eildienst für Außenhandel und Aus- I a n d s w i r t sc 11 a f t“ vom 2. Juni berichtet über den arabischen Generalstreik und die Palästina-Wirtschaft. Es wird an Hand eines Aufsatzes in der ״Palestine Post“ darauf hingewiesen, daß nach englischem Recht die örtliche Polizeihehörde zur Erstattung von Tumultschäden verpflichtet ist. In dem Artikel der ״Palestine Post“ wird die Erwägung angestellt, inwieweit eine solche Gesetzgebung auch in Paiästina Anwendung finden könne. Die ״D e u t s c h c A 11 g e in e i n e Z e i t u!1 g“ vom 4. Juni veröffentlicht einen Artikel ״Die Palästina-Krise — Wirtschaftlieh gesehen‘■. Der Artikel kommt zu dem Ergebnis, daß England ״natur,,e äß weitgehendes Interesse an einem weitcren Aufschwung Palästinas hat, und es wird infolgedessen nach einem Ausweg suchen müssen, der das eingangs erwähnte Versprechen und die jüdische Mitarbeit am weiteren Ausbau Palästinas nicht außer acht laßt, der andererseits aber auch den Pflichten einer Maudatsregierurig in bezug auf die Unabhängigkeit und Verwaltung Palästinas gerecht wird. Diese Lösung wird wahrscheinlich erst langsam heranreifen müssen.“ Die ״F rankfurter Z e i t u n g“ vom 7. Juni veröffentlicht den Artikel eines Mitarbeiters in Palästina, der sich mit den Unruhen beschäftigt. Der Verfasser kommt zu dem Ergebnis, daß das Ende der Aktion ״unausweichlich ist, aber es wird ein Ende der Erschöpfung und kein Frieden sein. Wie schwer die Schäden sind, die der arabischen Wirtschaff aus dem wochenlangen Stillstand entstanden sind, wird man dann erst übersehen können. Audi die Verluste der jüdischen Wirtschaft sind, wenn auch wesentlich geringer, empfindlich genug. Durch den Ausfall der Touristik hat das Hotelgewerbe, durch die Behinderung des Ueberlandverkehrs haben die Autobusgesellschaften erheblich gelitten, ganz abgesehen von dem durch Brandstiftungen und Zerstörungen entstandenen Schaden, der schon heute Zeiintausende von Pfunden beträgt, und dem begreiflichen Rückgang der Unterneliniungslust. Aergcr als die wirtschaftlichen Verluste, die immerhin mit der Zeit gutgemacht werden können, ist die Trübung der politischen Atmosphäre, die von Dauer sein wird. Die Araber haben bewiesen, daß auch in Palästina ihre Nationalbewegung vorgeschritten genug ist, um eine Wochenlange Auseinandersetzung mit der Mamlatsniacht fragen zu können, und ihre inneren Streitigkeiten, die Rivalitäten der großen Sippen, zit überdecken. Sie haben bewiesen, daß es ihnen möglich ist, die Massen, gerade wegen ihrer Primitivität, zur Aktion zu gewinnen, und daß es bis zu den von europäischen Theoretikern erwarteten sozialen Konflikten zwisehen den besitzlosen Fellachen und den F.ffendis noch unabsehbar weit ist. Zugleich haben die Araber aber auch etwas anderes bewiesen: daß sie keinen verhandhiiigsfahigcn Führer besitzen. Die Leitung der arabischen Nationaibewegimg in Palästina liegt in den Händen von Figuren kleinen Formats, und selbst sie erscheinen noch als I eilte mit Verantwortungsbewußtsein gegenüber denen, die hinter ihnen stehen und daraut warten, sie bald möglichst zu beerben, den Exponenten der arabischen Jugendbewegung. Der Radikalismus der jüngeren Generation zwingt auch die alleren zur Uebcrsteigcrung ihrer F orderungen. Die englischen Behörden müssen dennoch froh sein, wenigstens sie als Verhandlungspartner zu haben, und dies erklärt auch, warum man die Mitglieder des arabischeu ״Obersten Rates“, der zentralen Organisation der Auf- Standsbewegung, mit auffälliger Milde behandelt.“ Von der Palästina- Straßenbaugesellschaft Jerusalem, Ende Mai. (JTA.) In den Räumen der Industriai and Financial Corporation of Palestine in Tel-Äwiw fand die erste ordentliche Generalversammlung der palästinensischcn Straßenbaugesellschaft (Palestine Road Construction Company, Ltd. Palroad) unter dem Vorsitz von Emanuel Neu mann statt. Der Geschäftsführer und technische Direktor A. E. Barre kette erstattete den Bericht, aus dem hervorging, daß die Gesellschaft im ersten Jahre ihres Be- Stehens umfangreiche Straßenbauten in den wichtigsten Städten und Kolonien Palästinas zufriedenstellend ausgeführt hat. Keine Unternehmung der Gesellschaft schloß mit Verlust ab, der durchschnittliche Nutzen war befriedigend. Die Ge- Seilschaft arbeitet in engem Kontakt mit der Shell Company ot Palestine, die ihr jederzeit mit ihrem technischen Apparat zur Verfügung steht. Der Gewinn im abgclaufcnen Jahre betrug nach Abschreibungen für Amortisation und Reserven 2 221634 Pfund. Die Generalversammlung beschloß die Ausschüttung einer Dividende von 6'״ ״« auf Vorzugs a k t i c 11 und von 6 °/0 auf gewöhnliche A k t i c n. Das eiiigezahlte Kapital von 20 000 Pfund soll demnächst auf 25 000 Pfund erhöht werden In das Direktorium wurden Edouard Aghion, Alexandrien-Jerusalem, Lazar Braudo, Vorsitzender der Africa-Palcstinc Investments Ltd. und Colonel F. FI. Kisch wicdergcwälilt. Neu cingetrcten in das Direktorium ist der geschäftsführende Direktor der General Commcrcia! Banking Corporation of Palestine Ltd., Isaac F e 11 e r r i n g. Vorsitzender des Direktoriums bleibt Emanuel Neumann,

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